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artigen Drohung endete. Ein Maurer war wegen Dieb­Rahls angeklagt worden. Er leugnete aber mit aller Hart= nädigkeit seine Teilnahme an diesem Einbruch, da er be reits mehrfach rückfällig war und wußte, daß er eine sehr harte Strafe zu gewärtigen hatte. Der Gerichtshof ließ sich aber durch seinen Einwand, daß der Angeklagte zur­zeit des Verbrechens lahm war, nicht beirren und verur­teilte ihn zu drei Jahren Zuchthaus. Als der Vorsitzende ' des Gerichtshofes, der Landgerichtsrat Böse, das Urteil verkündet hatte, und nun zur längeren Begründung des Urteils übergehen wollte, wurde er von dem Angeklag­ten, der anscheinend über die Höhe der Strafe sehr erregt war, an der Verlesung der Begründung des Urteils ge­hindert, da der Angeklagte erst seine persönliche Ansicht und Stellungnahme zu dem Urteil vortragen wollte. Dies tat er in folgender eigenartiger und wohl bisher noch nicht dagewesener Drohung: Echwieg Du man still, Herr Bö­fe. Id hew all gnog von Di. Meintwegen könnt et od fief Johre Zuchthus sin. Goh man los mit Dien Gesetzbook. Den nächsten Inbruck matt wi bi Di, Herr Jericht, wenn wi widder rut sin." Trotz des Ernstes der Situation fonn­ten die Richter bei dieser eigenartigen Drohung ein Lächeln nicht unterdrücken, da es ihnen noch nicht vorgekommen war, daß ein Verurteilter dem Vorsitzenden versprach, aus Dank für die Strafe ihn mit dem nächsten Einbruch zu be­ehren. Der den Vorsiz führende Landgerichtsdirektor Böse nahm jedenfalls die Drohung mit gutem Humor auf, ohne ihn wegen Ungebühr vor Gericht zu bestrafen. Er ließ den Widerspenstigen nur durch den Gerichtsdiener abführen.

Vermischtes.

Ein mißratener Sproß des Hauses Savoyen. Ein Te­legramm aus Livorno berichtet, daß auf Befehl des Königs von Italien der Graf von Salemi von der dortigen Ma­rineakademie und aus der Stadt ausgewiesen wurde. Graf Salemi ist ein Vetter des Königs und der Sohn des Her­zogs von Aosta und der Prinzessin Lätitia Bonaparte. Die Nachricht erregt überall das größte Aufsehen. Ueber die Gründe, die zu dieser Maßnahme geführt haben, ist noch nichts in die Deffentlichkeit gedrungen, immerhin vermutet man, daß der junge Graf in schlechte Gesellschaft geraten ist und sich auch auf der Akademie schlecht geführt hat. Kurz vor Ostern wurde Graf Salemi nach Rom beordert, ging aber nach Genua.

Salomonische Heiligtümer geraubt. Der Großscheich der Omarmoschee von Jerusalem hat einer Meldung aus Konstantinopel zufolge an den Sultan und den Deputier­ten Jerusalems Depeschen gerichtet, in denen er die Er­mittlung und Bestrafung des Täters verlangt, der kost­bare Heiligtümer aus der seit Jahrhunderten nicht geöff­

erreicht der Hauptmann noch rechtzeitig den Einjährig­Freiwilligen, der versteinert wie eine Bildfäule und schwe ren Herzens das sonst übliche Drei Tage Mittelarrest" erwartet. Statt dessen aber verbeugt sich der Häuptling" artig vor dem verlorenen Schäfchen" und begrüßt es fa­Iutierend mit den Worten: Melde ganz gehorsamst, Herr Pastor, die Gemeinde ist schon angetreten." Von diesem Tage ab war über Unpünktlichkeit des Einjährig- Freiwil­ligen Müller nicht mehr zu klagen.

Eine eigenartige Entstehungsart von Quecksilberver: giftung wird der Münchener Med. Wochenschr. aus Oberst­dorf gemeldet. Es wurden dort drei Tage hintereinander Zinimerstubenfestschießen abgehalten in einem für die Zahl der Schießstände zu kleinen, schlecht ventilierten Saale. Bei einer Anzahl von Teilnehmern, vor allem bei den Zielern und den Schreibern, die sich am längsten in dem Raume aufhalten mußten, traten nun Krankheitserscheinungen auf, Uebelfeit, Erbrechen, Mundfäule, Darmkatarrh, die auf eine Quecksilbervergiftung hinwiesen. Das in den* ünd­hütchen enthaltene Knallquecksilber hatte bei den vielen Er­plosionen die Luft so mit Quecksilberdämpfen geschwängert.

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Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Gegen die Ehrlichsche Syphilisbehandlung. In der me­dizinischen Welt regen sich jetzt mehrfach die Stimmen, die über bedenkliche Nebenerscheinungen bei den mit Salvarsan, dem früher Ehrlich- Hata 606 genannten Syphilispräparat Behandelten berichten. So zieht der Ordinarius an der Wiener Universität, Professor Dr. Ernst Finger, die Unschädlichkeit des Mittels start in Zweifel, läßt dabet aber den zweifellos auffallenden symptomatischen Wirkungen des Salvarsan Gerechtigkeit widerfahren. So war, wie er in der Berl. Klin. Wochenschr." berichtet, bei einem Pa­tienten neun Monate nach einer einmaligen Einspritzung noch Arsen im Harn nachweisbar. In anderen Fällen wurden die Augennerven geschädigt und bei einem blieb ein wesentlicher Defekt, eine Gesichtsfeldeinschränkung zu­rück. Finger erklärt die Methode der Einführung des Prä­parates unter die Haut in die Muskeln für gefährlich und meint, sie sei absolut zu verlassen. Handelt es sich doch bei den angeführten Schädigungen nicht um Rückfälle der Sy­philis auf die Nerven, sondern um Arsenvergiftung. Fin­ger kommt zu dem Schlusse, daß dem Salvarsan zweifel­Ios nervenschädigende Wirkungen zukommen. Aber diese treten im ganzen nicht zu häufig auf, gehen meist nicht bis zu völliger Schädigung der Funktion und haben die Net­gung zu spontanem Rückgang. Allerdings bleiben manch­mal nicht unerhebliche Schädigungen dauernd zurück.

neten Gruft gestohlen hat. Es sollen Heiligtümer cus der Zusammenbruch einer Berliner Sparbank.

Salomonischen Zeit geraubt sein. Der Diebstahl wird einem Engländer zugeschrieben, der auf eigene Kosten Ausgra= bungen in der Umgebung von Jerusalem unternahm. Die Regierung entsandte eine Untersuchungskommission.

Falschmünzerei in einem algerischen Militärgefängnis. Das Kriegsgericht von Algier hatte am Mittwoch einen interessanten Fall abzuurteilen. Im Dezember vorigen Jahres waren mehrere Häftlinge des dortigen Militär­gefängnisses von einem Aufseher dabei überrascht wor­ben, wie sie nächtlicherweise in einer der Zellen, in denen Sie untergebracht waren, falsche Frank- und 25 Centimes­stüde fabrizierten. Die näheren von der Gefängnisver­waltung nun angestellten Nachforschungen ergaben, daß die Gefangenen eine ganze Falschmünzerwerkstatt in jener Zelle eingerichtet hatten. Als Material dienten zinnerne und fupferne Uniformknöpfe, die, wie es scheint, billig wie Brombeeren sind. Die Gefangenen konnten sich davon so viele verschaffen, wie sie nur immer haben woll­ten. Aus einer alten Konservenbüchse und einer Spiral­feder, die man aus einer Bettmatraße gezogen hatte, wurde dann kunstgerecht eine zwar ebenfalls recht primitive, aber den an sie gestellten Ansprüchen doch immerhin genügende Gießlampe gefertigt. In einen anderen Konservenuuj­fenboden kam das zu schmelzende Metall. Es wurde, wie gesagt, nur nachts gearbeitet. Aus dichten Bettdecken hat­ten sich die Leute eine Art Zelt gemacht, damit die Auf­seher den Lichtschein der Lampe nicht durch das Guckloch der Tür sehen konnten. Die auf diese Weise hergestellten Geldstücke sahen auf den ersten Blick gar nicht so übel aus, ließen sich aber durch ihr falsches Gewicht und durch den Klang leicht als nachgemachte erkennen. Es wurden zwar nur sieben 25 Centimesstücke und dreizehn faische Frank­stüde vorgefunden, doch glaubt man, daß die Gefangenen viel mehr hergestellt und bereits in Umlauf gesetzt haben. Die vier Angeklagten erhielten je 5 Jahre Zellenhaft.

Die verkannte Sympathickur". In der Gegend von Grafenwohr, in einent pfälzischen Bergnest, wurde jüngst des Nachts ein Mütterchen aus dem Schlaf geschreckt. Es horte verdächtiges Knacken und Krachen, wie wenn Ein­brecher das Bergkirchlein aufsprengen wollten. Die Alte schlug Lärm und alsbald rückte die Dorfmannschaft mit Prügeln und allerlei bäuerlichen Waffen hinauf, um den Kirchenfrevlern eins aufzuzünden". Auch die Gendar­merie war glücklich herausgetrommelt worden und fand den Schauplatz des Verbrechens voller Leute, die Kirche und Turm aufs sorgfältigste, aber vergeblich absuchten. Murrend zogen die enttäuschten Rächer schließlich wieder von hinnen. Die Gendarmerie hat es dann doch noch herausgebracht, was eigentlich los gewesen war. Dort in der Gegend herrscht nämlich der von den heidnischen Vor­vätern übernommene Aberglaube, daß Kinder von Bruch­schäden dadurch zu heilen seien, wenn nachts zwischen 12 und 1 Uhr ein nah bei der Kirche stehender, junger Eichen­baum der Länge nach gespalten und das bresthafte Kind durch diesen Spalt vom Vater und Taufpaten dreimal durchgeschoben wird. Das Spalten des Eichenbaumes hatte nun das Mütterchen im Dorfe gehört und Lärm gemacht, worauf natürlich auch die Sympathiekurbeflissenen ausris­sen, denn sie hätten wahrscheinlich zunächst Prügel bekom­men, und dann muß so eine Sympathiekur, wie man sie ( im Volksmunde nennt, überhauzt unb'schraue, das heißt unbeschrien, ohne Störung Unberufener, vor sich gehen, sonst gilt die ganze Geschichte nichts.

Die Meldung des Häuptlings". Gelegentlich des Exerzierens einer Grenadier- Kompagnie in Breslau spielte sich, dem Breslaner General- Anzeiger" zufolge, nachstehende heitere Begebenheit ab: Die Kompagnie war zum Dienst angetreten, der Einjährig- Freiwillige Müller als ohne Grund fehlend gemeldet worden. Nachdem der gestrenge Hauptmann sich über die Bestellung des Einjäh­rig- Freiwilligen zum Dienst vergewissert und festgestellt hatte, daß dieser tags zuvor seinem Pußer gegenüber von Krankheitserscheinungen nichts geäußert habe, konnte er pur annehmen, daß der Herr Einjährige verschlafen habe, im Zivilverhältnis Kandidat der Theo­gumal p. Müller Logie es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nahm. Eben ist der Kompagniechef im Begriff, über das Ausblei­ben des Saumseligen die nötigen Recherchen anstellen zu laffen, da bemerkt sein scharfes Auge den Einjährig- Frei­willigen Müller, wie er das Tor des Kasernenhofes pas= fiert und sich anschickt, die Kaserne zu erreichen, um schnell Rens den Exerzteranzug anzulegen. Schon ertönt das Kommando Alles eintreten!" und bald darauf Stillge Banden! Augen rechts!" Dem Pferde die Svoren gebend.

67 000 Mark defraudiert.

Nach Unterschlagungen von 67 000 Mart ist, wie gemel­det, aus Lichtenberg der Kirchenälteste, Hausbesitzer und früherer Stadtverordnete Alfred Horstmann flüchtig gewor= den. Horstmann war Direktor des Lichtenberger Sparver­eins, der sein Bureau im eigenen Hause hatte. Die ge­samten Gelder dieser Bank hat Horstmann im Laufe der letzten Jahre defraudiert und ist, als die Defrauda­tionen nicht mehr zu verschleiern waren, aus Berlin ge= flüchtet. Die Lichtenberger Kriminalpolizei hat die Bü­cher des Bankvereins beschlagnahmt und das Bureau ge= sperrt. Hinter Horstmann ist ein Steckbrief erlassen worden. Horstmann, der Besitzer des Hauses Gürtelstraße 14 in Lichtenberg ist, besaß eine Essenzfabrik, die er vor ungefähr einem Jahre gründete. Die Fabrik ging nicht besonders gut, und um sich Geld zu verschaffen, kam Horstmann auf die Idee, den Bankverein zu gründen, der etne G. m. 6. H. war. Die Bank hatte ihr Bureau in dem Horstmann ge= hörigen Hause. Horstmann selbst war Direktor der Bank und batte nur noch einen Mitdirektor und einen einzigen Angestellten. Eine regelrechte Kassen- und Buchführung fand eigentlich nicht statt. Horstmann waltete vollkommen nach Gutdünken. Die Einlagen in die Bank kamen auf folgende Weise zustande: Horstmann engagierte für seine Gangubeit, die nebenbei ein sehr tieiner und unrentab­ler Betrieb war, fortwährend Angestellte unter folgenden Bedingungen: Sie mußten eine Kaution im Betrage von 3- bis 5000 Merlegen in Form eines Genossenschafts­anteils der Bank. Das Geld wurde in die Bank einge­zahlt, wobei ausbedungen wurde, daß es erst nach sechs­monatiger Kündigung und nur im beiderseitigen Einver= ständnis der Bank und des Einlegers behoben werden könne.

Um eine Entdeckung zu verhindern, richtete es Horst­mann so ein, daß die von ihm angestellten Personen nicht voneinander wußten. Er ließ die Leute fast nie in die Fa­brik kommen, sodaß tatsächlich von 21 Angestellten, die er nach und nach engagiert hatte, kein einziger eine Ahnung von der Existenz des anderen hatte. Selbst das Gehalt schickte er den Leuten in die Wohnung zu, und Aufträge gab er ihnen ebenfalls schriftlich in ihre Wohnung. Die Gehaltszahlungen bestritt Horstmann wieder daraus, daß er immer wieder neue Angestellte engagierte, die einige Tausend Mark Kaution leisteten. Am 1. Mat aber wurde die Situation vollständig unhaltbar, er konnte neue Kau­tionen nicht mehr auftreiben und war nicht in der Lage, die Gehaltszahlungen am 1. Mai zu leisten. Die Angestellten tamen infolgedessen in die Fabrik. So erfuhren sie von dem Treiben Horstmanns. Dieser selbst war unsichtbar, er hielt sich in einer ihm gehörigen Villa außerhalb Ber= lins verborgen, und als man ihn dort gestern suchte, stellte es sich heraus, daß er am frühen Morgen die Fluchter= griffen hatte. Ein Kriminalkommissar beschlagnahmte im Bureau des Bankvereins sämtliche Bücher und ließ das Bureau selbst sperren.

Die Geschädigten haben sehr wenig Aussicht, zu ihrem Gelde zu kommen, denn es ist nicht anzunehmen, daß Horst­mann von den 67 000 M, die er veruntreut hat, noch nen­nenswerte Beträge besitzt.

Drabtnachrichten und neuestes.***

Ein Zwischenfall beim Aufenthalt des Kaisers in Genua.

Rom, 5. Mat. Als sich am Mittwoch der Kaiser in Genua von der Jacht Hohenzollern nach dem Zuge begab, schleuderte etn Unbekannter dem Monarchen ein Paket Do­kumente vor die Füße. Unter dem Publikum entstand eine Bewegung, da niemand begriff, was der Wurf bezwecken sollte. Das Paket wurde von Polizisten aufgehoben und dem kaiserlichen Adjutanten übergeben. Es enthielt nach der Tribuna" eine Darlegung, in der die in Genua woh­nenden Verwandten des verstorbenen Rittergutsbesizers Landrat Birkner, des Schenkers des Gutes Kadinen an den Kaiser, ihre Rechte auf das Gut geltend machen. Ihre Wünsche nach außergerichtlicher Beilegung der Angelegen­heit seien bisher nie an den Kaiser gelangt und sie hofften, auf diese Weise zu ihrem Rechte zu kommen. Sie versichern in dem Dokument, Landrat Birkner habe sich zur Zeit der Schenkung in derartiger Verfassung befunden, daß er kei­nen gesetzlich gültigen Akt habe vollziehen können. Der Kat­fer sei im unflaren darüber gehalten worden, er wisse we­der von der Eristenz der Erben noch von der Morphium­sucht des Schenkers. Die Tribuna" meldet nicht, ob die Polizei den Schleuderer der Bittschrift verhaftet hat. Vom spanischen Königshofe.

Madrid, 5. Mat. Blättermeldungen zufolge wird fich die Königin mit dem aweiten Sohne nach der Schweiz

begeben, wo an dem Infanten ein chirurgischer Eingriff wegen eines Sprachfehlers vorgenommen werden soll. Die Friedensbedingungen der merikanischen Insurgenten. Megifo, 5. Mai. Den merikanischen Friedensunter händlern wurde eine von Madero, dem Führer der Auf­ständischen, unterzeichnete Erklärung unterbreitet, in der verlangt wird, daß Präsident Diaz eine öffentliche Ver ficherung abgebe, daß er auf die Präsidentschaft verzichtet. Die Behörden der Stadt Meriko erklären, die Garnison zähle 3000 Mann, verfüge über Schnellfeuergeschütze und fönne einem Angriff der Insurgenten erfolgreich wider= stehen.

Die Cölner Spionageaffäre.

Cöln, 5. Mai. Die französische Sprachlehrerin Thirion, die wegen Spionage verhaftet worden ist, machte sich zunächst dadurch verdächtig, daß sie mit mehreren hie­figen Offizieren in Beziehungen treten wollte. Diese Offi­aiere machten ihren Vorgesetzten Mitteilung, worauf die Dame beobachtet wurde. Nachdem man sie auf ihren Rei­sen genau überwacht und das notwendige Beweismaterial gesammelt hatte, schritt man zur Verhaftung. Es ist für die Untersuchung außerordentlich störend, daß die Verhaftung vorzeitig bekannt geworden ist. Die Dame leugnet unaus­gesetzt, das Beweismaterial dürfte aber derart überzeugend sein, daß ihre Schuld bewiesen werden kann.

Ein nenes Manöver Peter Ganters.

Berlin, 5. Mai. Peter Ganter, der seinerzeit vielge= nannte Absender der blauen Briefe", tauchte vor kurzem in Berlin auf. Er engagierte 20 junge Krankenschwestern, denen er je hundert Mark Lehrgeld abnahm, wofür sie bei einem Arzt in der Charitee Unterricht in der Massage er­hielten. Das Honorar an den Arzt blieb Ganter schuldig. Seine Wohnung bestand aus drei Zimmern. Das eine war Bureau, das zweite Laboratorium, in dem eine Edelsalbe" für Massage Hergestellt wurde und das dritte Zimmer war als Massagesalon eingerichtet. Neuerdings ist Ganter un­bekannt verzogen.

Ein Gymnafiast als Kassenränber.

Mannheim, 5. Mai. Vor der hiesigen Straffammer hatte sich gestern der 17jährige Gymnasiast Kurt Leist unter der Anklage zu verantworten, am 26. März d. J. auf dem hiesigen Finanzamte, wo sein Vater die Stelle eines Ober­buchhalters und Kassierers bekleidet, 53 000 Mark gestohlen zu haben, und damit nach Frankfurt gefahren zu sein, wo er drei Tage später verhaftet wurde. Wie der junge Mann angab, hatte er die Absicht, eine Vergnügungsreise zu un­ternehmen; er hatte schon vorher Beträge von mehreren hundert Mark aus der Kasse entwendet. Das Urteil lautete auf ein Jahr drei Monate Gefängnis.

Schwerer Eisenbahnunfall in Desterreich.

Wien, 5. Mat. Ein Güterzug ist heute zwischen Wil­denschwert und Brandeis an der Adler infolge eines durch Wolkenbruch veranlaßten Erdrutsches entgleist und hat et­nen anderen Güterzug gestreift. Vom Bahnpersonal wur­den vier Personen getötet und drei verletzt.

Ein englisches Militärluftschiff bei dem Abstieg geplatzt. London, 5. Mai. Das Militärluftschiff Rebaudy, das am 26. Oktober nach der Fahrt von Paris nach Aldershot verunglückte, machte heute wieder seine erste Versuchsfahrt. Bei dem Abstieg verlor der Führer die Herrschaft über das Luftschiff, das sich in einen Baum verfing und mit lautem Knall platzte. Es liegt gänzlich zertrümmert da. Die sieben Mann starke Besatzung ist mit genauer Not heil davon­gekommen.

Ein Arbeiterversicherungsgeseh für England. London, 5. Mai. Das Unterhaus hat heute die Ar­beiterversicherungsgesetze in erster Lesung angenommen. Es handelt sich zunächst um eine Kranken- und Arbeits­losenversicherung. Der Schatzkanzler Lloyd George gab bel der Einbringung der Vorlage an, daß bereits jetzt zwischen sechs und sieben Millionen Arbeiter in England gegen Krankheit, dagegen noch nicht ein Zehntel der Gesamtzahl gegen Arbeitslosigkeit versichert sei. Die Regierung läßt die Versicherung für den Todesfall ganz außer Betracht, da hierfür die Arbeiter selbst ausreichend versicherten. Lloyd George erkannte auch die ausgiebige Unterstützung an, die ihm von der deutschen Regierung durch Auskünfte zuteil geworden sei.

Berliner Getreide- und Schlachtviehmarktbericht.

In der am 3. Mai beendeten Berichtswoche hat sich ziemlich überraschend eine außerordentliche Knapppheit an Roggen und besonders an Roggenmehl herausgestellt, die der Ausgangspunkt für eine sehr scharfe Preissteigerung geworden ist. Die letzte Ernte Deutschlands an Roggen ist mit 10 511 000 Tonnen um 837 000 Zonnen gegen das vor­hergehende Jahr kleiner gewesen. Der Roggenbedarf steigt aber entsprechend der Zunahme der Bevölkerung jährlich um etwa 100 000 Tonnen. Die Ausfuhr weist für die Zeit vom 1. August v. J. bis zum 20. April d. J. abzüglich der gleichzeitigen Einfuhr eine Erhöhung um 42 000 Tonnen gegen das Vorjahr auf. Ferner haben die Landwirte be= trächtliche Mengen verfüttert, zumal vielfach die Haltbar­feit des Getreides viel zu wünschen übrig ließ. Die Ver­hältnisse dürften die tieferen Gründe für die seit längerer Zeit bemerkbare Zurückhaltung des Angebots an Ware set­tens der Landwirtschaft abgegeben haben. So ist es gefom­men, daß die Preise für Roggen per Mai um 12 Mart, per Juli um 10 Mark und per September um 6 Mark anzo­gen. Noch weit erheblichere Steigerungen haben verhält­nismäßig die Roggenmehlpreise erfahren. In Weizen ge­staltete sich das Geschäft anfangs ruhig, da die Lage dieses Artikels am Weltmarkte sich kaum geändert hat; aber zu­letzt wurde bei zurückhaltender gewordenem inländischen Angebot der Preis dieses Brotgetreides ebenfalls mit fräf= tig aufwärts gezogen. Auch Hafer machte sich schließlich fnapper; die Preisforderungen der Landwirtschaft wurden fast täglich höher und mußten vom Bedarf bewilligt wer den. Mais besserte sich im Anschluß an das Ausland, doch blteb die Unternehmungslust darin beschränkt wegen der unbefriedigten Qualitäten. Am letzten Tage der Berichts­woche stellten sich die Preise für Lieferung im Jult wie folgt: Weizen 207,75 M, Roggen 172,00 M, Hafer 167,50 M, Mais 142,25 M.

Breise des städtischen Schlachtviehmarktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, un­gejocht 76 bis 81 M, 6) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 71 bis 77 M, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 68 bis 72 M, d) gering ge=/ nährte jeden Alters M. 2. Bullen: a) vollfleischige, höch­sten Schlachtwertes 72 bis 77 M, 6) vollfleischige jüngere 70 bis 75 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66 bis 72 M, d) gering genährte M. 3. Färsen und, Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 70 bis 72 M, b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 63 bis 65 M, c) ältere ausgemästete und weniger gut entwickelte jüngere Kühe 58 bis 64 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 51 bis 58 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 57 M, f) gering genährtes Jungvieh( Fresser) 56 bis 72 M. 4. Kälber: a) Doppellender feinster Mast 104 bis 136 M, 6) feinste Mastkälber 108 bis 115 M, c( mittlere Mast­und beste Saugkälber 95 bis 107 M, d) geringe Mast- und gute Saugfälber 84 bis 96 M, e) geringe Saugkälber 55 bis 73 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast­Hammel 76 bis 80 M, 6) ältere Masthammel, geringere Mast­lämmer und gut genährte junge Schafe 70 bis 76 M, c), mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzschafe) 62 bis 72 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Le­bendgewicht M, b) vollfleischige über Zentner Lebends gewicht 51 bis 53 M, c) vollfleischige bis Zentner Lebend gewicht 51 bis 58 M, d) fleischige Schweine 51 618 53 M e) gering entwickelte Schweine 45 bts 46 M, f) Sauen M