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Ausstellung gegen die Schundliteratur.

Im Gebäude des Deutschen Reichstages ist am Diens­tag eine Ausstellung gegen die Schundliteratur eröffnet worden, die interessante Einblicke in gewisse Literatur­fabriken eröffnet. Die Ausstellung ist von der Deutschen Dichter- Gedächtnis- Stiftung in Hamburg in Gemeinschaft mit der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge zusammen­gestellt. Ein Material übelster Art breitet sich da aus, vom Hintertreppen- und Kolportageroman alten Stils bis zu den neuesten schreiendbunt illustrierten Detektivgeschichten, die in ungeheuren Mengen ins Volf, vornehmlich unter die Jugend geworfen werden, nur zehn oder zwanzig Pfennig kosten, und wie Gift auf das Seelenleben der Massen, auf die empfänglichen Herzen der Kinder wirken.

Der wirtschaftliche Kampf nimmt immer neue Formen an, er zieht auch immer energischer den Mittelstand in seinen Bereich. Das Neueste auf diesem Gebiet ist ein Boykott, den die Berliner Möbelhändler gegen solche dor­tig: Tischlermeister durchführen wollen, die ihre Erzeug­nisse direkt an das Publikum absetzen; sie verlangen, daß die Meister sich dazu ausschließlich der Vermittlung der Händler bedienen. Hinter der Angelegenheit steht, wie die ,, Berl. Volfsztg." meldet, der Verband der Möbel- und Dekorationsgeschäfte Deutschlands, der beschlossen hat, ,, nicht mehr mit Fabrikanten zu arbeiten, die seinen Mit­gliedern Konkurrenz machen."

In der Ausstellung bekommt man, wenngleich sie bei weitem noch keine vollständige Kollektion der gesamten Schundliteratur darbietet, einen Begriff von der Verbrei­tung, die im letzten Jahrfünft besonders die Detektiv- und Verbrechergeschichten erlangt haben. Da ist vor allem eine lückenlose Sammlung der sogenannten Nick- Carter- Hefte, die es bisher auf 250 Nummern gebracht haben. Das sind aber, so bedenklich auch die breite und ausführliche Schil­derung von Mord und Totschlag und anderen Uebeltaten sein mag, noch nicht die schlimmsten Erzeugnisse der lite­rarischen Giftmischer. Ungleich gefährlicher noch sind jene Sammlungen, bei denen die Schilderung der blut­rünstigen Scheußlichkeiten nackter Selbstzweck ist, wie z. B. in der Serie Rund um die Welt", Erlebnisse und Schick­ſale merkwürdiger Menschen. Auf dem Titelbild sieht man da gräuliche Folterszenen, Gespenstergeschichten, Massen­morde und ähnliche, von der brutalen Spekulation auf nied­rige, perverse Instinkte berechnete Bilder.

Diese, bei weitem nicht vollständige Aufzählung gibt einen Begriff von der Unmenge verderblichen Lesestoffs, der Woche für Woche ins Volf geworfen wird. Seine Ver­breitung lernt man fennen, wenn man sieht, welche Men­gen bunter Hefte von einem Lehrer in einer einzigen Klasse einer Berliner Fortbildungsschule gesammelt worden sind. Einen anderen Stoß derartiger Lektüre hat ein Jugendge­richtshelfer der Hirsch- Dunkerschen Gewerkvereine von sei­nen Pfleglingen eingesammelt; wieder ein anderer Tisch ist mit Heften beladen, die ein Helfer des freiwilligen Er= ziehungsbeirats im Nordosten Berlins von Kindern erhal­ten hat, die beim Scheine der Fensterbeleuchtung seines Ge­schäfts auf der Straße lasen. Allen diesen Kindern wurden als Ersatz gute Jugendschriften eingehändigt. Auch der alte Kolportageroman blüht noch, wie nur je zuvor, wenngleich er in den behandelten Stoffen auch mit der Zeit geht.

Die Folgen des Modernisteneides. Dem Frankfurter Generalanzeiger" wird aus Wien gemeldet: Der Moder­nisteneid wird, wie es scheint, auch über den Rahmen der fatholischen Kirche hinausgehende Folgen nach sich ziehen. Die Professoren der philosophischen Fakultät sind der An­sicht, daß sich die Theologieprofessoren durch Ablegung des Modernistereides außerhalb des Rahmens der Wissenschaft gestellt haben, und sie haben sich daher entschlossen, in Zu­funft tein Mitglied der katholischen Fakultät mehr zum Rektor zu wählen.

Die Aufhebung der sozialistischen Jugendorganisa­tionen durch die Bundesregierungen soll, wie die Kieler Neuesten Nachrichten melden, von Preußen im Bundesrat beantragt werden. Als Grund wird andauernde Verletzung des Vereinsgesetzes angegeben.

Man macht einen Unterschied zwischen der Hintertrep­penliteratur des vergangenen Jahrhunderts und der Schundliteratur unserer Tage. Ob die eine oder die andere verderbnisreicher war oder ist, mag hier dahingestellt blei­ben, jedenfalls ist die heutige teurer. Der halbwüchsige -Bursche, der das ausgelesene Heft seinem Kollegen oder sei­nem unausbleiblichen Liebchen zum Austausch gibt, zahlt für das Elaborat 20 Pfennig. Ein untrüglicher Beweis dafür, daß sich unsere wirtschaftlichen Verhältnisse ungemein gehoben haben, denn die bisher erschienene Nick- Carter- Se­rte kostet den Jungen allein 50 Mart, eine Summe, die er doch übrig haben muß. Dafür könnte er sich eine sehr gute Büchersammlung anlegen.

Eine gemeinsame juristische Prüfungsordnung, die für alle deutschen Bundesstaaten Geltung haben soll, wird nach einer Meldung der Tägl. Rdsch." im Reichsjustizamt zur­zeit ausgearbeitet. Die Denkschrift soll sich namentlich ein­gehend met dem zunehmenden Andrang zum juristischen Studium beschäftigen.

Bedeutende Unterschlagungen sind in der Spar- und Leihkasse zu Geesthacht bei Hamburg entdeckt worden. Der Vorsitzende Schweigmann wurde wegen Veruntreuungen die sich auf rund 190 000 M belaufen sollen, verhaftet. Viele flcine Leute sind geschädigt.

Die Beisezung des Majors Dominik fand Mittwoch mittag in Schöneberg bei Berlin statt. Der Sarg wurde von Soldaten des 12. Infanterieregiments in Frankfurt a. D., bei dem der Verstorbene als Fahnenjunker gestanden hatte, zu Grabe getragen. In der Trauerversammlung be­fanden sich auch Staatssekretär von Lindequist, Staatssekre tär Dernburg und der Kommandeur der Schuttruppe Oberst von Glasenapp. Der Kaiser und Prinz Eitel Friedrich hat­ten an der Gruft Kränze niederlegen lassen.

Das russisch- deutsche Abkommen ist nach einer Pariser Meldung im Wortlaut schon den Regierungen der betei­ligten Großmächte unterbreitet worden. Das Einverneh= men habe also schon eine bestimmte Form angenommen und sei über das Stadium der eigentlichen Verhandlungen hinaus gelangt. Das Abkommen berühre im übrigen in feiner Weise die orientalischen Angelegenheiten. Deutsch­land und Rußland behalten im Orient ihre volle Aktions­freiheit. Die Pariser Meldung fügt hinzu, daß das deutsch­russische Abkommen über Persien genau dem deutsch- fran­zösischen Abkommen über Marokko vom 9. Februar 1909 nachgeahmt sei, und daß es die Bedeutung der russisch- fran­zösischen Allianz ebenso wenig beeinträchtigen könne wie dieses das deutsch- französische.

Neben der Schundiiteratur ist ausgestellt. was die Deut­sche Dichter- Gedächtnis- Stiftung und die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung an guten Büchern verbreitet haben. Auch die zahlreichen sonstigen Volksbüchereien, die für einen ganz niedrigen Preis gute Bücher bieten, sind mit ihren Sammlungen vertreten. 50 Millionen Mark gibt das deutsche Volk fährlich für Schundliteratur in allen ih­ren weigen aus. Allerdings hat auch die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung seit 10 Jahren bereits 11118 Bücher ausgegeben; ihre Wander-, Jugend- und Schitterhibliotheken erfreuen sich von Jahr zu Jahr stei­gender Verbreitung, ebenso die ausgezeichneten Bücher der Dentichen Dichter- Gedächtnisstiftung. Aber es ist noch au­ßerordentlich viel zu tun, wenn die immer mehr anwach­sende Hochflut der Verbrecherhefte wirksam zurückgedrängt werden soll.

Rundschau vom Cage.

Politises.

Die große Veteranenspende des Prinzregenten von Bayern im Betrag von 100 000 Mark wird voraussichtlich an etwa 4000 Mann zur Verteilung kommen, von denen jeder 25 M erhält. Jm ganzen sind in Bayern 50 000 Teilnehmer an den Feldzügen 1848( gegen Dänemark), 1866 und 1870/71, sowie an den außereuropäischen Expe= ditionen vorhanden.

Eine Erdgasquelle ist unweit Dirschau bei dem Dorfe Horsterbusch entdeckt worden. In der Nähe des Dorfes fin­den Bohrungen stat. Als ein Bohrloch 12 Meter tief getrie­ben war, entströmte ihm Gas von üblem Geruch. Die Ar­beiter entzündeten das Gas und sofort schoß eine Feuer­säule von beträchtlicher Höhe empor, die sich noch nicht lö­schen ließ. da der Druck zu stark war.

Eine gefährliche Masernepidemie ist in Bochum ausge­brochen. Besonders unter den jüngeren Kindern ist die Sterblichkeit außerordentlich groß. Gestern mußten zehn Kinderleichen in einem Massengrab begesetzt werden.

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Ein peinlicher Vorfall wird aus Lille in Frankreich ge= meldet. Gestern stieß ein Straßenbahnwagen mit einem Leichenwagen zusammen, der die Leiche eines Kindes zum Friedhof befördern wollte. Durch den heftigen Zusammen­stoß wurde der Sarg weit aus dem Wagen geschleudert und zerbrach, sodaß die Leiche in den Rinnstein rollte. Die Empörung der Zeugen dieses peinlichen Zwischenfalls war ungeheuer.

Auf der Reise nach Ostasien. Der Dampfer Neckar" mit der 1240 Mann starken Ablösung für die Garnison in Tsingtau hat gestern mittag von Wilhelmshaven aus die Reise nach Ostasien angetreten.

Ueber die Gründung einer amerikanischen National­bant nach dem Muster der Deutschen Reichsbank hielt Di­rektor von Gwinner von der Deutschen Bank bei einem Bankett, das die amerikanische Handelskammer in Berlin veranstaltete, eine bedeutsame Rede. Er behauptete, daß die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten so lange unsicher und unstabil bleiben würde, als die Ame= rilaner nicht ein großes nationales Noteninstitut begrün­deten. Der Redner empfahl den Amerikanern, die Insti­tution der Deutschen Reichsbant nachzuahmen. Die Wert­verluste bei der letzten Panik in Neuyork hätten die un­geheure Summe von 20 Millionen Mark erreicht. Unser unmodernes Münzwesen trage an dieser Unsicherheit der Lage Schuld. Die Amerikaner müßten jedoch bei der Or­ganitation einer derartigen Notenbank sehr vorsichtig sein, damit nicht skrupellose Politiker die Kontrolle über die Bank erlangten. Die Rede machte auf die amerikanischen Geschäftsleute großen Eindruck.

Eine Konferenz der preußischen Oberpräsidenten findet heute im Ministerium des Innern in Berlin statt. Die Beratungen werden Verwaltungsfragen und interne An­gelegenheiten der Provinzialregierungen betreffen. Der Kaiser hat zugesagt, zu dem nach Schluß der Verhandlun= gen anberaumten Diner zu erscheinen. Auch der Reichs­Kanzler wird voraussichtlich den Veranstaltungen bei­wohnen.

1)

Die schwarze Roszika.

Ungarische Dorfgeschichte von Adolf Starf. Nachdruck verboten.

ઈનું

Kleine nachrichten.

Aus den Gerichtssälen.

Ein eigenartiger Fall von Freiheitsberaubung wurde vor der Straffammer in Krefeld verhandelt. Ein Lehrer und ein Chinese wollten sich in der Nacht zum 29. August v. J. auf der Heimkehr von einem Ausfluge durch den Dach­decker Mangart bei Kaiserswerth über den Rhein setzen sassen. Mangart legte bei einer kleinen Insel an. Dte beiden Fahrgäste stiegen in der Annahme, fie feien am fen­seitigen Ufer angelangt, aus und bezahlten die Ueberfahrt, worauf Mangart mit seinem Kahn schleunigst davonfuhr. Als sie ihren Irrtum bemerkten, riefen sie ihn zurück, doch fümmerte er sich nicht darum, so daß die beiden die ganze Nacht auf der Insel zubringen mußten. Der Fährmann wurde wegen Freiheitsberaubung zu zwei Wochen Gefäng­nis verurteilt.

Die Kronprinzessin als Patin. Bei der elften Tochter des Wildhändlers Heider in Dels hat die Kronprinzessin Batenstelle angenommen und für den kleinen Täufling ein Geldgeschenk von 50 M überweisen lassen.

Die schwarze Roszika war das schönste Mädchen im Dorfe. Wenn fie in dem schmucken Sonntagsgewand, die dunklen Flechten lang herabhängend, zwischen den Häusern einherschritt, blieben selbst die Greise stehen und blickten ihr wohlgefällig nach. Seit dem legten Kirchenfeste hatte sie auch einen erklärten Bräutigam: den Janko, der auf dem Gutshofe als Pferdehirt angestellt war. Die andern Mädchen spotteten über dies Paar Habenichtse, die zu­jammen nicht so viel besaßen, um auch nur den not­dürftigsten Hausrat anzuschaffen. Aber heimlich beneideten sie doch die beiden, welche unstreitig das schönste Braut­paar welt und breit im Lande waren.

Acht Jungen. Dem Postschaffner Martin Galla in Op­peln ist der achte Junge geboren worden. Nachdem bei dem siebenten der Kaiser Pate gewesen, ist nunmehr der Kron­prinz um die Patenschaft bei dem achten Knaben- der die Namen Friedrich Wilhelm erhielt- gebeten worden.

Ein Jahr verging und noch eins. Die rothaarige Gisela des Dorfrichters, die schielende Ilka des Müllers, sogar bie budlige Großbauerntochter, alles Altersgenossinnen Roszifas, hatten schon geheiratet; fie selbst aber war noch ledig. Selbst der bedürfnislose Bußtabewohner fann mit leeren Händen keinen Hausstand gründen.

Eine folgenschwere Medizinverwechselung wird aus Al­lenstein gemeldet. In der Kronenapotheke verabfolgte der Provisor Lukas für die Tochter eines höheren Beamten an­statt Calomelpulver Morphium. Das Kind nahm das Mor­phium ein und starb an der Dosis. Gegen den Provisor wurde das Strafverfahren eingeleitet.

Ein Hauptmann als Duellgegner. Der praktische Arzt Dr. med. Coester in Diez hate den Hauptmann der Land­wehr Frohwein in Offenburg in Baden zu einem Duell herausgefordert. Frohwein nahm jedoch die Forderung nicht an, sondern erstattete Anzeige. Dr. Coester wurde ge= stern von der Straffammer wegen Herausforderung zum Zweikampf zu fünf Tagen Festungshaft verurteilt.

Wo wird in Deutschland am meisten gespart? Ant­wort auf diese Frage gibt eine soeben veröffentlichte amt­liche Statistik. Danach ist in Deutschland die Summe von 231 M das Mittel der Einlegerguthaben der Bevölkerung; in dem kleinen Fürstentum Reuß i. L. wird aber erheblich mehr gespart, denn hier sind durchschnittlich 713 M angelegt. Auch das Fürstentum Schaumburg- Lippe scheint sehr spar= same Bewohner zu haben, kommen dort doch 711 M auf den Kopf.

Jeden Sonntag nachmittag trafen sich die beiden Liebenden draußen vor dem Dorfe, am Rande der weiten, weiten Ebene. Auf den Tanzboden gingen sie schon lange nicht. Sie sparten selbst diese wenigen Kreuzer, welche der Bursche hätte opfern müssen für Wein und für die auf­spielenden Bigeuner. Aber so sehr sie auch rechneten und rechneten, fie tamen immer zu demselben Resultat: die Beit, in der sie so viel verdient haben würden, um heiraten zu können, lag noch in weiter, weiter Ferne.

Der Winter fam und machte den Busammenkünften ein Ende. Der Gutshof war ziemlich weit entfernt, und Janko konnte nur selten abkommen. Am Sonntag vor Weihnachten war es. Der Bauer, bei dem Roszika diente, saß mit seinem Gesinde beim spärlichen Licht eines Kien­wans um den mächtigen Kachelofen. Da stürzte plöglich,

Vermischtes.

Wegen einer Neujahrskarte wahnsinnig geworden. Von einem tragischen Geschick ist der in Charlottenburg wohnhafte 22jährige Buchhalter Georg J. betroffen wor­den. Der junge Mann, der in einem größeren Berliner Geschäft eine Vertrauensstellung bekleidete, erhielt am Morgen des Neujahrstages eine offene Scherzkarte", über die er in hochgradige Erregung geriet Tag und Nacht dachte er darüber nach, wer wohl der Absender sein könne. Seine Aufregung steigerte sich dabei immer mehr. Als L. sich gestern abend mit mehreren Bekannten in der Woh­nung eines Freundes befand und das Gespräch auf die Karte tam, erlitt der junge Mann plötzlich einen Tobsuchts­anfall und konnte nur mit großer Mühe überwältigt wer­den. L. wurde mittels Droschke nach seiner Wohnung ge= bracht, wo sich sein Zustand sehr verschlechterte. Zwei hin­zugerufene Aerzte stellten bei dem Bedauernswerten Jrr­sinn fest und veranlaßten seine Ueberführung nach einer Heilanstalt.

am ganzen Körper vor Furcht schlotternd und reines Wortes fähig, ein junger Biegenhirt ins Bimmer. Es dauerte geraume Zeif, ehe er fein Erlebnis erzählen konnte. Er hatte am Nachmittage feine Schwester besucht, die in einem andern Dorf diente. Der Rückweg führte durch einen fleinen Wald. Es war schon fast dunkel, als er diesen durchqueren mußte. Da war plößlich aus dem Dickicht ein braunes, riesenhaftes Ungeheuer auf ihn los­geschossen. Er hatte sich noch durch Flucht gerettet, aber freilich nur, weil sein armer Hund, der instinktiv auf den Bären losfuhr, inzwischen zerrissen und verzehrt wurde.

Die Schreckensbotschaft verfehlte nicht, sofort die Bauern zu alarmieren. Am Dorfeingange, gegen den Wald zu, wurden mächtige Feuer angezündet, Wächter daneben postiert, die einander alle Stunden ablösten. Von jetzt an verging fein Tag, wo nicht irgendeine Nachricht über die blutigen Taten der Bestie eingelaufen wäre. Aunächtlich brach sie in die Hürden ein, würgte Schafe, Biegen und Rinder, ohne sich durch den Lärm und die Schüsse der Wächter vertreiben zu lassen. Am Mittwoch morgens fand man in der Nähe seiner Hürde die blutigen Überreste des Schäfers Mitos, und drei Tage später zerriß die Bestie, wenige Schritte vom Dorfe entfernt, einen alten polnischen Hausierer, der sich auf dem Wege verspätet hatte. Die Bewohner der leßten Häuser hatten das Schreckensgeschrei des Unglücklichen gehört, ohne ihn retten zu können.

Jugendliche Erpresser. Die Aachener Polizei verhaftete vor einigen Tagen zwei jugendliche Erpresser im Alter non 15 bezw. 18 Jahren. Unter dem Vorwand, ein Paket eines Delikatessengeschäftes abgeben zu müssen, sprachen die beiden Burschen bei einer Dame in der Jakobstraße vor und forderten mit vorgehaltenem Revolver die Her­ausgabe von Geld. Durch die Hilferufe der Ueberfallenen wurden die Erpresser verscheucht. Anderntags wurde die Dame schriftlich aufgefordert, 2000 Mark an einem be= stimmten Ort niederzulegen, widrigenfalls ihr Haus in die Luft gesprengt würde. Die Dame ging zum Schein auf das Verlangen ein und schickte ihr Dienstmädchen mit einem Brief an die bezeichnete Stelle, wo ein jugendlicher

Eine panische Angst ergriff die ganze Gegend. Rein Mensch wagte sich mehr in der Dämmerung vor das Haus. Die Männer hatten bei Nacht stets die geladene Flinte neben sich liegen, und der Feuerbrand auf dem Herde erlosch nie, um gegebenenfalls stets zur Abwehr bereit zu sein. Man zitterte davor, daß das Raubtier, welches nun schon Menschenblut gekostet hatte, in die Häuser einbrechen würde, wie dies schon früher ge­schehen war.

Eine gegen Ende der Woche veranstaltete Treibjagd, an der alle Gutsherren der Umgebung und die Gendarmen der Komitatstadt beteiligt waren, verlief ergebnislos. Das

Tier war wie vom Erdboden verschwunden. Aber schon in der folgenden Nacht brach es wie zum Hohne in den Gutshof ein und richtete unter den Schafherden ein fürchterliches Blutbad an.

Am Sonntag morgen nach der Predigt verlas der Pfarrer von der Kanzel einen Erlaß des Vizegespans, laut welchem demjenigen, der den Bären erlegte, eine Belohnung Don 200 Gulden versprochen wurde.

Als Janko am ersten Weihnachtstag wieder im Dorf erschien, um seine Braut zu besuchen, trug er eine alte Flinte über dem Rücken, zum Schuß auf dem Heimweg, wie er Roszika erzählte. Aber dem Mädchen fiel sein eigentümliches Wesen auf. Beim Abschied füßte er ste noch länger und heißer als sonst, und ehe er sich aus ihren Armen riß, entschlüpfte ihm der Ausspruch: Wenn wir die 200 Gulden hätten, dann wäre alle Not zu Ende, dann könnten wir heiraten."

Diese Worte gingen Roszifa im Kopf herum, als sie die Treppe zur Dienstbotenkammer emporstieg, und nach und nach erriet sie ihren Sinn. Jest wußte sie auch, warum Janko die Flinte mitgenommen hatte.

Eine wahnsinnige Angst erfaßte sie. Dhne lange zu überlegen, eilte sie in den Hof hinaus, fletterte mit Hilfe eines aufgeschichteten Holzstoßes über die Mauer, denn die Tore waren schon verschlossen, und verfolgte die Spuren Jankos, welche sich deutlich in dem frisch gefallenen Schnee ausgeprägt hatten. An Furcht dachte sie nicht; doch instinktiv hatte sie die schwere, scharf geschliffene Art mitgenommen, welche auf dem Holzstoß lag, und stüßte fich auf fie, als sie den sanften Abhang empor eilte. Der Mond schien hell, und sein Licht wurde von der weißen Schneedecke zurückgeworfen, so daß der Weg weithin be­leuchtet war. Als das Mädchen etwa eine halbe Stunde fo fort gerannt war, ertönte in ihrer nächsten Nähe ein fürchterliches Brummen, dem unmittelbar darauf der laute Anall eines Schusses folgte.

( Schluß folgt.)

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