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Gießen.

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 5.

Probenummern

Telephon: Nr. 362.

der Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeit­ung interessieren dürften.

Die Fremdenlegion.

Daß Abenteuerlust, die unbedacht und unerfahren in die Ferne schweift und das Fremde bevorzugt, unbe­zähmbar, daß jugendlicher Leichtsinn, der unbesonnen die Folgen nicht wägt, unverwüstlich ist, bezeugt der un­gemindert starte Zuspruch, dessen sich die französische Fremdenlegion von unseren deutschen Landsleuten noch immer zu erfreuen hat. Jahraus jahrein verbreitet die deutsche Presse bewegliche Schilderungen und Klagen über das jammervolle, ja geradezu empörende Schicksal, das ungezählten jungen Deutschen aus Altdeutschland und besonders aus dem Reichslande Elsaß- Lothringen die Fremdenlegion bereitet; und doch scheint noch immer nicht eindringlich und abschreckend genug vor dem Ver­hängnis gewarnt zu werden, das unfehlbar über alle die, ohne Ausnahme, hereinbricht, die sich durch trüger­ische Vorspiegelungen, durch Gaukelbilder verführen las­sen, in die Reihen der Fremdenlegion zu treten. Um Unerfahrene und Unwissende zu locken und zu verblenden, wird von französischer Seite die Fremden- legion als eine Kerntruppe bezeichnet in Wirklichkeit ist sie ein Schandfleck des französischen Heeres, verrucht bei denen, die sie kennen, verflucht von den Unglückseli­gen, die ihr angehört haben. Sie ist, wie ihr Name sagt, ein Fremdkörper in der Armee Frankreichs, eine Söldnerschar, in der sich abgesehen von hunderten Deutschen, die ihren besten Teil bilden aus aller Herren Länder verkrachte, verdorbene, verlorene Sub­jekte zusammenfinden, Bummler und Landstreicher, Lum­pengesindel aller Art, unverbesserliche Gauner und ge­borene Verbrecher, dazu Schiffbrüchige, die in der Frem­denlegion den Rettungsanker zu finden hoffen, um in ihr sicherem Verderben anheimzufallen.

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Moderne Landsknechte" hat man die Fremdenlegi­onäre genannt; aber damit stellt man sie in eine Be­leuchtung, die ihr Wesen nicht kennzeichnet. Die alten deutschen Landsknechte, die vor Jahrhunderten in frem­dem Solde standen, führten ein menschenwürdiges, so­gar ruhm- und ehrenvolles Leben im Vergleich mit den Soldaten der Legion Etrangere, die in Wahrheit nicht einmal den Namen Knechte beanspruchen können, weil sie nichts anderes als Sklaven sind, die ein unsagbar armseliges, hartes, schier trostloses Dasein fristen, Stla­ven, die an die Fahnen förmlich gefesselt werden müs­sen, um ihre Flucht zu verhüten. Seit Menschenaltern pflegt die grande nation" den seltsamen Ruhm, inmit­ten der, modernen Zivilisation", an deren Spitze sie an­geblich marschiert, eine Sklaventruppe aus fremden Men­schen zu züchten, die dazu bestimmt ist, in dem afrika­nischen und asiatischen Koloniallande Grenzwacht zu hal­ten und gegen Wilde Krieg zu führen. Alle Berichte von Deutschen, die in der Fremdenlegion gedient haben, bestätigen die unvergleichlich schmachvolle und grausame Behandlung, die in ihr Soldaten" des 19. und Jahrhunderts zuteil wird, und sie stimmen darin über­ein, daß der militärische Dienst eine ununterbrochene Kette darstellt von Mühsal und Strapazen, von Ent= behrung und Elend an Leib und Seele. Des Dichters Wort Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang" haben noch alle Deutschen erfahren, die der Fremdenlegion ange= hört haben und den Namen Deutsche noch verdienen. Die meisten von ihnen aber haben entweder mit einer Tat der Verzweifelung die unselige Stunde gebüßt, die sie dem Los der Fremdenlegion überantwortet hat, oder sie haben ihr junges Leben in der Wüste der Sa­hara oder in Tonkin opfern müssen, im Kampfe mit dem mörderischen Klima oder mit wilden Horden. Und obendrein sind diese Opfer nicht zum Vorteil des eige­nen Landes, sondern im Dienste eines fremden, feindlich gesinnten Staates gebracht worden! Ruhm und Ehre aber sind nimmer unter den Fahnen der Fremden­legion zu holen.

20.

uns

Es ist keine Uebertreibung, wenn die haarsträuben­

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Freitag den 6. Januar 1911

den Zustände, die in der Fremdenlegion herrschen, mehr| als einmal in der Bauptung zusammengefaßt worden sind: das Leben in der Fremdenlegion gleicht dem in der Hölle, über der wie über der Eingangspforte zu Dantes Hölle die Worte stehen: Laßt jede Hoffnung hinter euch, die ihr hier eintretet!" Und diese Hölle der eingerichtet, daß die unglückseligen Deutschen, die dort­Fremdenlegion haben die Franzosen wohlweislich hin verschlagen werden, von ihrem Mutterlande keine Hilfe, keine Rettung zu erwarten haben. Um so mehr bleiben nach wie vor alle, die irgend berufen sind, deut­sches Blut vor Gefahr und Unheil zu schützen, ver­pflichtet, immer wieder vor der Fremdenlegion zu nen, so lange bis so leicht kein Deutscher mehr, der für sein Heimatland noch irgend Wert hat, der Versuchung unterliegt, Waffendienst in der Fremdenlegion zu suchen, so lange bis die Vorstellung von dieser als von einer Stätte des Abschaums und des Abscheus, des Schreckens und des Grausens überall in Deutschland Fleisch und Blut geworden ist.

Vom Liberalismus in Hessen.

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Der nationalliberale Darmst. Tägl. Anz. bringt im Hinblick auf die Sitzung des Landesausschusses, die am nächsten Sonntag in Darmstadt abgehalten wird, einen Artikel aus jungliberaler Feder, der sich mit Aussichten des geeinigten hessischen Liberalismus bei den bevor= ſtehenden Reichstagswahlen beschäftigt. Das Blatt schließt seine Ausführungen folgendermaßen: Wenn wir jetzt zusammenfassend sagen, daß der geeinigte hessische Liberalismus in acht aussichtsvolle Stichwahlen gelangt

Hessen hat neun Wahlkreise und wenn wir hin­zufügen, daß nach unserer Berechnung und vorausge= setzt, daß die Heff. Lib. Wochenschrift recht berichtete, unter diesen acht Stichwahlkandidaten die nationalliber­ale Partei 7 stellen darf, so vermögen wir nicht anzu­nehmen, daß die Landesausschußsitzung zu einem Re­ſultat gelangt, das eine Verſtändigungsaktion zwischen den liberalen Parteien, die von der liberalen Wähler schaft sehnlichst erwartet wird, unmöglich macht."

Aus der Heimat.

Gießen, den 6. Januar.

* Der Großherzog empfing am 4. Januar u. a. den Professor Klingelhöffer, den Professor Dr. Fink, den Professor Dr. Bauer, den Professor Dr. Ed von Gießen.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Ausschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Sonnenaufgang 8.17 Uhr, Sonnenuntergang 4.9 Uhr, am 31. Januar aber Sonnenaufgang bereits 7.52 Uhr und Sonnenuntergang erst 4.54 Uhr.

* Darmstadt. Der Großherzog hat den stellvertretenden Bevollmächtigten zum Bundesrat, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda, bis auf weiteres mit der Führung der Geschäfte der Gesandtschaft am Kgl. Preuß. Hofe beauftragt und den vortragenden Rat im Ministerium des Innern, Oberregierungsrat Dr. Ernst Weber, bis auf weiteres zum stellvertretenden Bevoll­mächtigten zum Bundesrat bestellt.

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Darmstadt. Die feierliche Beisetzung von Pro­fessor R. Trümpert fand unter außerordentlicher Teil­nahme statt. Der Kriegerverein mit einem Trompeter­forps ging dem Trauerzug voraus. Zahlreiche Vereine, Schulen 2c. hatten Deputationen geschickt. Pfarrer Rü­ckert hielt die Grabrede. Der Vorsitzende des Darm­städter Kriegervereins, dessen Mitglied der Verstorbene 22 Jahre war, legte unter eindrucksvollen Worten den ersten Kranz nieder, auch die evangelische Gemeinde Rö­delheim widmete eine Kranzspende.

Bad Nauheim. Dr. Streder ist wegen einer nervösen Herzerkrankung für einige Wochen vom Schuldienst beurlaubt. Seine Vorlesungen werden für diese Zeit gieichfalls ausfallen. Die Kinder des Re­staurateurs Luz spielten mit einem Zigarrenabschneider. Das zweijährige Bübchen steckte den Zeigefinger in den Abschneider, worauf der vierjährige Bruder darauf schlug. Das vordere Glied des Fingers wurde abgeschnitten.

* Langen. Für die Obstzüchter unserer Gegend wardas Jahr 1910 ein vorzügliches Erntejahr. In Lan­gen und den sieben umliegenden Gemarkungen wurden nämlich geerntet und meistens auch verkauft 45 758 3tr. Aepfel, 1184 Zentner Birnen und 100 Zentner Stein­obst. Der Gesamterlös dürfte sich auf beiläufig 250 000 bis 300 000 Mk. beziffern.

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Wetzlar. Stadt und Kreis Wetzlar sollen in möglichster Bälde mit elektrischem Licht und Kraft ver­sorgt werden. Für die Anlage, die auf Rechnung der Buderus'schen Eisenwerke errichtet wird, ist die Vergeb­ung der Maschinenlieferung bereits orgenommen worden.

* Alsfeld. Eine Polizeiverordnung über den Be­such von Wirtshäusern und öffentlichen Tanzbelustig­ungen durch jugendliche Personen hat das Kreisamt er­lassen. Hiernach ist Personen unter 16 Jahren der Be­such von Wirtshäusern und öffentlichen Tanzbelustigun­gen ohne Begleitung ihrer Eltern oder deren Stellver­treter, wie Vormünder und Pflegeeltern, untersagt.

* Nieder- Eschbach. Jm 83. Lebensjahr starb hier der Landwirt und Postagent Joh. Wilh. Sei­Genossenschaftswesens und Mitglied des Bundes der Landwirte, dessen Wahlkreisvorsitzender, und zuletzt auch Ehrenwahikreisvorsitzender, er für den Reichstagswahl­freis Friedberg- Büdingen gewesen ist.

* Die Verkehrseinnahmen aus dem Per­sonen- und Güterverkehr betragen nach vor­läufiger Feststellung: für die Preußisch- Hessische Eisenboldt 1., ein eifriger Förderer des landwirtschaftlichen bahngemeinschaft: a) im Monat Oftober 1910 Mt. 183 320 000 oder gegen das Vorjahr mehr 13 944 000 Mt. gleich 8,23 Proz., b) in der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 1 216 446 000 Mt. oder gegen das Vorjahr mehr 77 396 000 Mt. gleich 6,79 Proz.

Der Finanz ausschuß der 3 weiten Kammer wird heute nur eine kurze Sitzung abhal­ten und sich alsdann am Mittag in corpore nach Mainz begeben, um daselbst das neue Justizgebäude, das Ver­waltungsgebäude für die Großh. Weinbaudomäne und das kurfürstliche Schloß, für dessen Wiederherstellung für dies Jahr ein Staatszuschuß von 38 750 Mark ver= langt wird, einer Besichtigung zu unterziehen.

* Vermächtnis. Aus Va ch a wird gemeldet: Der kürzlich in Gießen verstorbene Ehrenbürger unserer Stadt, Kommerzienrat Heyligenstaedt, hat seiner Vaterstadt Vacha ein Kapital von 30000 Mark vermacht, dessen Zinsen alljährlich an bedürftige, strebsame Handwerker cur Verteilung kommen sollen.

Freie Landeskirchliche Vereinig= ung. Am Montag nachmittag fand in Frankfurt a.M. die diesjährige Generalversammlung der Freien Landes­firchlichen Vereinigung für das Großherzogtum Hessen statt. In der geschlossenen Mitgliederversammlung wur­den der Jahresbericht verlesen und die Rechnung abge­legt. Sodann wurde mitgeteilt, daß das bisherige Or­gan der Freien Landeskirchlichen Vereinigung, die ,, Neuen Evangelischen Blätter", mit der Dezembernummer sein Erscheinen eingestellt hat. Fortan soll gemeinsam mit der Kirchlich- liberalen Vereinigung für Baden eine Zeitung in Wochen- und Monatsausgabe erscheinen, die den Titel führt: Süddeutsche Blätter für Kirche und freies Christentum". In der öffentlichen Versammlung sprach Pfarrer D. E. Foerster- Frankfurt a. M. über Lehrord­nung und Lehrfreihei, der Prediger nach evangelischen Grundsätzen". In der Diskussion fanden die Ausführ­ungen der Redner Zustimmung.

* Die Tagesdauer nimmt im Januar bereits wieder um mehr als eine Stunde zu. Am 1. Januar

* Gladenba ch. In der Nähe unseres Ortes wurde ein Müllerbursche vom Zuge der Marburg- Her­borner Bahn überfahren und entsetzlich verstümmelt. Der junge Mann stammt aus Reiskirchen.

Weilburg. Die ordentliche Hauptversammlung des Lahnkanal- Vereins" E. V. findet am Sonntag, 8. Januar, in Limburg in der Turnhalle statt.

* Aus dem Kreise Marburg. In Münch­hausen brannten in der Sylvesternacht die Gebäulichkei­ten des Landwirtes Berghöfer nieder. Es wird Brand­stiftung vermutet.

* Marburg. Die Bevölkerung unseres Kreises ist von 53 779 im Jahre 1905 auf 57 641 gestiegen, 28 503 ( 26 874) männliche und 29 138( 27 574) weibliche Per­sonen. Auf die Stadt Marburg entfallen 21 869( 20 136) Einwohner. Bemerkenswert ist, daß fast sämtliche Land­orte an Einwohnerzahl zugenommen haben.

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Kassel. Der neue großstädtische Viehhof wurde eröffnet, gleichzeitig die neubegründete Viehmarktsbank mit 500 000 Mt. Kapital auf genossenschaftl. Grundlage.

Gestorben:

Adolf 3 urbu ch, Mitinhaber der Firma Wilhelm Zurbuch, Gießen.

Ludwig Roth, Bergwerks direktor, 66 Jahre alt, Wies­baden- Wetzlar.

Holzverkäufe und Versteigerungen. Gr. Oberförsterei Nieder- Ohmen: Freitag, den 13. Januar. Nähere Auskunft erteilt Forstwart Birken­stock zu Ober- Grubenbach, Post Nieder- Ohmen. Kgl. Oberförsterei Vöh I: Montag 9. Jan. von vor­mittags 10 Uhr ab in der Gastwirtschaft von Bau­mann in Schmittlotheim.