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Wem gelten die belgischen Rüftungen?

Bereit fein, ist alles, denkt der belgische Kriegs­minister und läßt Kanonen und Maschinengewehre auf Eisenbahnzüge verladen, um das Kriegsmaterial schnell an die Grenzen des Landes befördern zu können. Die Infanteriefafernen werden mit scharfen Batronen ver­fehen, Granaten werden in die Forts an der Marne gebracht, Generalstäbe und Hauptquartiere werden ver­legt, als ob man furz vor der Mobilmachung stände. Nach den deutsch- englischen Kanonaden der jüngsten Zeit fann man es den Belgiern faum verübeln, wenn ste fich auf alle Möglichkeiten vorbereiten, denn der Boden, auf dem Wellington vor bald hundert Jahren rief: Ich wollte es wäre Nacht, oder die Preußen fämen", fönnte leicht zum Tummelplage der Verbündeten werden, die Napoleon 1. bet Belle alliance vernichteten. Die En­tente cordiale" peitscht wilde Wogen gegen englisches und deutsches Gestade.

Der Termin der nächsten Kaisermanöver. Wie der " Inf." auf eine Anfrage an zuständiger Stelle mitge­feilt wird, ist die Nachricht, daß die nächstjährigen Kaisermanöver in Torgau vor der Einweihung eines Denfmals Friedrichs des Großen durch den Kaiser statt­finden werden, unzutreffend. Bisher sind noch teinerlei Bestimmungen über Zeit und Ort der nächsten Kaisermanöver getroffen worden, da spätere Bestim­mung darüber erst zu einem viel späteren Termin er­folgt.

Will Belgien seine Neutralität für den Kriegsfall schüßen, oder will es in einem etwaigen Kampfe Bartet ergreifen? Gegen ersteren Fall würde man in Deutsch­Iand nichts einzuwenden haben, sollte das Königreich indes den englischen Lockungen folgen und für einen westeuropäischen Staatsbund Stellung nehmen, dann würden deutsche Armeekorps in einer Nacht die flandri­schen Lande liberschwemmen. Die politische Tendenz der belgischen Blätter ist auf eine Entente hollando= belge" gerichtet, die sich England und Franf= reich anschließt. Die englischen Bestrebungen, die bel­gische Stimmung zu gewinnen, sind nicht ohne Erfolg gewesen. Seit dem Besuche des Deutschen Kaisers in Brüffel ist unaufhörlich an der Verhebung der Belgier gegen Deutschland gearbeitet worden. Der Londoner " Daily Expreß" brachte jüngst einen Artikel, in dem es hieß: Belgien würde in einem Kriege zwischen Deutschland einerseits und England und Frankreich andrerseits eine außerordentlich wichtige Rolle spielen. Nach der Kriegserflärung würden die Heere des Kaisers sofort in Frankreich einfallen, aber aller Voraussicht nach gezwungen sein, den Weg über belgisches Gebiet zu wählen, da der an Deutschland grenzende Teil Frank­reichs überaus start befestigt ist. Dieser Feldzugsplan würde zwar eine Verlegung der Neutralität Belgiens darstellen, die durch ein internationales Abkommen ge= fichert ist, aber fleinliche Erwägungen dieser Art und Verpflichtungen, die nur auf dem Papier stehen, wür den die Deutschen in einem so fritischen Augenblick nicht zurückhalten. Nach dem Einfall in Frankreich würde bie belgische Küste von Antwerpen bis zur französischen Grenze zweifellos als Operationsbasis für Unterneh­mungen gegen England benutzt werden. Alle diese Feld­zugspläne find bereits in Berlin ausgearbeitet worden und befinden sich in den Stahlkammern des deutschen Generalstabes."

Bei solchen Aufreizungen vergessen die Engländer offenbar ganz, daß Deutschland Belgien niemals be­droht hat, während Frankreich im Lauf der Ge­schichte Belgien nicht weniger als 112 Mal angegrif= fen, einverleibt oder einzuleiben versucht hat. Möge man sich in Brüssel die Folgen einer feindlichen Hal­tung gegen Deutschland doppelt und dreifach überlegen. Aller Voraussicht nach wird der belgische Kriegsmint­fter Kanonen und Maschinengewehre wieder ungenutt abladen lassen tönnen, wei in England die Vernunft noch stegen ditrfte, aber die Eile, die Belgien entwickelt, ist immerhin ein Zeichen der bewegten Belt.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Großberlins veranstaltete Sonntag mittag im Trepto­wer Part eine öffentliche Volksversammlung unter freiem Himmel, für deren Besuch Tage lang vor= her im Vorwärts" und durch Flugblätter große Propa­ganda gemacht worden war. An der Versammlung nah­men unter zahlreicher Beteiligung auch von Frauen und Kindern etwa hunderttausend Personen teil. Pünktlich um 1 Uhr sprachen von 10 Tribünen sozialdemokratische Redner über das Thema Gegen die Kriegsheßerei, für den Völkerfrieden!" zu der dichtgedrängten Volksmasse, nachdem durch ein Trompetenfignal lautlose Stille ein­getreten war. Der Anmarsch der Massen erfolgte in Abteilungen von 200 bis 1000 Personen unter Führung von Ordnern, die durch eine rote Armbinde fenntlich gemacht waren. Um 2 Uhr wurde einstimmig eine gleichlautende Resolution angenommen. Dann erfolgte der Abzug der Massen.

Der Reichskanzler wird nach seiner Rückkehr aus Kiel, wo er am 5. September der großen Flotten­parade beiwohnt, noch einige Zeit zur Erledigung bringender Geschäfte in Berlin verweilen.

Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand reiste am Sonntag abend mittels Hofsonder­zuges von Salzburg zu den Flottenmanövern nach Kiel ab, wo er heute nachmitag gegen 5 Uhr ein­treffen wird. Im Gefolge des Erzherzogs befinden sich Marinefommandant Graf Montecuccoli, Vizeadmiral Haus und einige Marineoffiziere.

Mehr deutsche Kriegsschiffe nach Aaadir? Einer Meldung der Köln. 3tg." zufolge erflärte in einer alldeutschen Versammlung in Alsterdorf der über die Marottofrage referierende Redner Dr. Wirth aus Mün­chen, er habe von einer dem Staatssekretär von Rider­len- Wächter befreundeten Seite gehört, die deutsche Ne­gierung erwäge, noch mehrere Kriegsschiffe nach Agadir zu senden.

Der Papit als Genner der Todesstrafe? Wie römi­sche Blätter, die gewöhnlich über die Vorgänge im Ba­titan gut unterrichtet sind, zu melden wissen, hat der Papst ein Dofument vorbereitet, in dem er sich gegen die Todesstrafe ausspricht. Es heißt, der Papst werde an alle Staatsoberhäupter und geseßgebenden Körver­schaften herantreten, damit die Idee der Abschaffung der Todesstrafe immer weitere Unterstübung und Ver­breitung finde. Das Befinden des Papstes soll sich neuerdings wieder verschlechtert haben.

Der türkische Thronfolger besichtigte am Sonntag vormittag das Hohenzollernmuseum. Abends folgte er einer Einladung der Majestäten zur Tafel nach dem Neuen Palais. Heute frith ist der Prinz nach Essen ab­gereist. Er hat an den Sultan eine Depesche gerichtet, in der er mit Anerkennung betont, daß der Kaiser, dié Behörden und die Bevölkerung große Hochachtung fitr den Sultan hegten. Wefter hebt der Thronfolger hervor, daß der Kaiser bet ieder Unterredung aufrich­taste Freundschaft für den Sultan und die Türket be­fundet hätte. Der erste Sekretär des Sultans antwor tete, daß der Sultan über die Freundschaftsbezeugungen äußerst befriedigt set, weil diese einen neuen Beweis bilden für die zwischen den beiden Ländern bestehen­den innigen Beziehungen.

9)

Wetterwolken.

Roman von M. v. But ch.

( Nachdruck verboten.)

Die Furcht vor fremben Svionen ist in England augenblicklich so groß, daß zur Bewachung wichtiger mi­Ittärischer Gebäude größere Truppenverbände aufgebo­ten werden. So ist die Wache des Munitionsma gazins in Southampton um zwei auf Kriegsstärke ge­brachte Kompanien verstärft worden, und jetzt sollen noch weitere Maßregeln für die Sicherheit des Maga­zius getroffen werden. Die Wachen haben Auftrag, fede Person, die sich nähert, anzuhalten und, wenn verdäch fig, zu verhaften.

Kleine Dachrichten.

während der Lokomotivführer mit dem bloßen Schrecken davonkam.

Unterschlagungen eines Briefträgers. Der Briefs träger Westerop vom Postamt Kohlscheide im Rhein­land ist seit dem 30. August mit 4000 Mart amtlichen Geldern flüchtig. Auf seine Ergreifung und die Wie dererlangung des Geldes ist eine Belohnung von 300 Mart ausgejetzt.

In der Familie des deutschen Kronprinzen steht ein freudiges Ereignis in Aussicht. Infolgedessen wird die für Mitte September beabsichtigte Uebersiedlung der Kronprinzenfamilie nach Danzig vorläufig unter­bleiben. Die Kronprinzessin legt sich bereits die nötige Schonung auf und stieg auch bei der gestrigen Kaiser­parade entgegen den sonstigen Gewohnheiten nicht zu Pferde, sondern fuhr in einer Equipage.

3m Bolareis verhungert. Eine von einem Pelz­händler in Tromsö ausgerüstete Belzjägererpedition, die in Spitzbergen überwinterte, fonnte im vorigen Sommer wegen Bereifung des Fjords nicht abgeholt werden. Jetzt wurde sie von einem Schiff aufgefunden, aber von fünf Mann waren drei bereits verhungert.

Ein Telegramm Richters. Die Familie Richters hat Sonnabend früh ein in Saloniki am Abend des 1. September aufgegebenes Telegramm folgenden In­halts erhalten:" Bin gesund hier. Brief unterwegs. Eduard."

Ich hörte von einer Schlacht bei Kesselsdorf erzäh­Ten, in der das österreichisch- sächsische Heer geschlagenwor­den war, überall sprach man von dem Preußenkönig als von einem Ungeheuer, einem Witterich. Wir hatten eine alte Kindermusme, die wahrscheinlich, well sie annahm, mich besser im Brett und im Baume zu halten, von dem Könige Sachen erzählte, die mich in Angst hielten, und diese Furcht wirfte wie Gift auf meinen Körper. Ich war ein fräftiges Kind, allein seit jenem Fieberanfall habe ich mich nie recht wieder erholt, das fühle ich, auch die Spuren tener Zeit nie wieder ganz verwunden. Meine Kindermuhme handelte töricht, das weiß ich, aber die Hauptschuld trägt sie doch nicht an meiner Krankheit, die trägt die Kriegszeit und im Grunde Ihr König. Und nun Sie das wissen, können Sie beim besten Willen nicht verlangen, daß er mir in angenehmer Erinnerung steht, oder daß ich mich gar für ihn be­geistern kann."

Wissenschaft, Kunst und Litteratur.

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Eine willkürliche Gestaltung des Säuglingsschäs dels? Ein Stuttgarter Arzt will gefunden haben, daß man die Form des Säuglingsschädels durch ganz ein­fache Methoden willkürlich gestalten kann. Wie er in der Münchener medizinischen Wochenschrift mitteilt, nimmt der Schädel des Säuglings bei dauernder Rüf fenlage Rundform an, bei dauernder Seitenlage Lang­form. Selbst bei Zwillingen soll sich der Schädel ganz verschieden gestalten, wenn der eine in Rücken-, der andere in Seitenlage gebettet wird. Bekanntlich galt bisher der Unterschied zwischen Rundschädel und Lang­schädel in der Anthropologie als ein wichtiges Rassen merkmal. Wenn wirklich der Schädel willkürlich ge staltet werden kann, so wäre es natürlich mit diesem Merkmal vorbei. Aber noch weitere Ausblicke gestattet die angebliche Entdeckung. Schädelentwicklung und Ge hirnentwicklung gehören bekanntlich eng zusammen. Den Langschädeln wird besondere Intelligenz zuge schrieben. Also müßten alle Eltern, die recht intelligente Kinder haben wollen, sie vom frühesten Alter an in dauernder Seitenlage liegen lassen. Mehr noch freilich als bei sonstigen sensationellen Meldungen muß es bei dieser medizinischen Entdeckung beißen: Bestätigung bleibt abzuwarten. Es wäre ja merkwürdig, wenn die tausendfährige Erfahrung der Völker einen solchen Vor­gang übersehen hätte.

14 Millionen für ein Wasserwert. Der Berliner Stadtverordnetenversammlung ist eine sehr umfang­reiche Magistratsvorlage über die Errichtung eines Wasserwerkes in der Wuhlheide zugegangen, mit allen Entwürfen und Kostenanschlägen in Höhe von rund 14 Millionen Mark. Das Werf soll eine Leistungsfähig­feit von 16 Millionen Kubikmeter Trinkwasser er­halten.

Malzahn hatte aufmerksam zugehört. Nun ergriff er in plößlicher Aufwallung Beates Hand und drückte Nie herzhaft.

Es tut mir leid um Ste, Komtesse, mehr, als ich sagen kann. Ich beklage aufrichtig dieses unselige Zu­fammentreffen, das Walten des Zufalles, wodurch der König Friedrich zu einer unheilvollen Rolle in Ihrem Beben verurteilt worden ist, aber aber Sie sind noch jung, Komtesse, lassen Sie uns hoffen, daß Ste Die schlimmen Eindrücke fener Zeit über kurz oder lang bald gänzlich überwinden.

Ste schitttelte das dunkle Köpfchen.

Der Nordpolfahrer Gook fündigt nach einer Mel­dung aus Neuvort die Veröffentlichung der Beweise an, wonach er den Nordpol erreicht hat und leugnet, ein genenteiliges Geständnis abgelegt zu haben.

In Peterhof fand gestern nachmittag die Vermäh­lung der Prinzessin Selene von Serbien mit dem Groß­fürsten Johann Konstantinowitsch von Rußland statt.

" Ste sprechen vom Zufall Baron, nun, wer weiß,

Eine Explosion flüssigen Brennstoffes ereignete sich Sonntag mittag auf einem in der Wifer Bucht liegen­den Torpedoboot. Dabei wurden von der Besatzung dret Mann erheblich und zwet leichter verletzt. Die Berunglückten wurden sofort in das Marinelazarett zu Kiel gebracht.

Explosion auf einer Lokomotive. Auf der Maschine des München- Nürnberger Eilzuges explodierten bei der Durchfahrt durch Obereichstädt beim Schüren des Kes­fels die in einem Kasten verwahrten Signalkapseln und Magnesiafackeln. Der Heizer wurde schwer verletzt,

vielleicht war es mein Schicksal, daß der Preußenkönig diese Rolle in meinem Leben zu spielen hatte. Kein glückliches Schicksal, muß ich sagen."

Vermischtes.

Ein weiblicher Sonderling starb unlängst in Bat tersea, einem Londoner Stadtteil, unter ganz merkwilr digen Umständen. Die 70jährige Dame hatte ſett Jahr zehnten das Leben einer Einsiedlerin geführt. Nie­mand fam zu ihr. Sie lebte ganz allein, und ihre ein­zigen Gesellschafter waren vier Kazen. Sie verließ ihr Haus niemals. Besorgungen ließ sie durch Nachbarn machen, die sie reichlich belohnte. Als die Nachbarn der Polizei mitteilten, daß sich die Greisin seit mehreren Tagen nicht mehr gezeigt habe, drang man ins Haus ein und fand die Alte, von den Leichen ihrer vier Katzen umgeben, tot auf dem Boden liegend vor. Das Haus befand sich in einem Zustande vollständiger Ber­wahrlosung. inter Rumpen und Unrat fand man eine Anzahl verbrannter Banfnoten.

Mein Himmel, Komtesse, was sind das alles für Gedanken!" rief Malzahn, in das jäh erblaßte Gesicht seiner Nachbarin schauend, deren Augen mit so unver­hohlener Bewunderung und Liebe in die seinen schauten.

Heiß stieg es in seinem Herzen auf. War es Mitleid, war es Liebe? Eine weiche Stimmung hatte sich seiner bemächtigt; er füßte die Hand, die er in der seinen hielt.

In dem Moment wurde ein Schritt hörbar. Auf dem Fußpfad erschten die Gestalt Sr. Erzellenz des Herrn Ministers.

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Das Verdienst, nenn Menschenleben gerettet zu ha ben, gebührt einer Katze, die während des jüngsten Brandes in London eine Magd durch Kraßen und Bei­Ben weckte. Das Mädchen lag in tiefem Schlafe, aus dem sie durch die allzu heftigen Liebkosungen der Katze geriffen wurde. Es war 4 Uhr morgens, und außer den Wunden, die ihr das Tier beigebracht hatte, bemerkte das Mädchen sofort, daß der Raum voll Rauch war. Zu ihrem Schrecken fand die Magd, als sie auf den Flur des Hauses ellte, daß das ganze Gebäude in Flamment stand. Eiligst weckte sie die acht Personen, die in be­nachbarten Zimmern schliefert. Die herbeigeeilte Feuer­wehr fonnte sämtliche Infassen des lichterloh brennen den Hauses aus höchster Lebensgefahr erretten.

Als er das junge Baar erblickte, huschte ein aut friedenes Lächeln über sein Gesicht, allein dies Lächeln war es, was Malzahn sofort um die Stimmung brachte. Er erhob sich, um den Grafen mit Kühler Höflichkett zu begrüßen und sagte:

" Ich stand eben im Begriff, mich von der Komtesse zut verabschieden. Die Sonne finkt, es ist also Zeit für den Helmritt, in Kößschenbroda wartet mein Pferd und der Diener auf mich. Komtesse, tausend Dank und under stockie unwillkürlich. In der Gegenwart des Herrn Grafen war es ihm unmöglich, ein herz­liches Wort hinzuzufügen.

Schmerzhaft, aber wahr. Eine drollige Begebenheit, die wie ein Scherz anmutet, aber Tatsache sein soll, wird der rff. 3tg." aus Göttingen berichtet. Ein dortiger Althändler fündigt durch Inserat felt langem regel­mäßig an, daß er für Zähne und ganze Gebisse die höch sten Tagespreise zable. Ihm ist es dabei natürlich nicht so sehr um die Zähne zu tun, als um den kleinen Platin­stift, der in jedem fünstlichen Zahn zu dessen Befestig ung fitzt und dessen Weiterverfauf sich bei dem hohen Platinpreise immer noch lohnt. Kommt nun dieser Tage zu dem Althändler ein Bauer aus der Adelebser Gegend und bietet ihm dreizehn Zähne zum Kauf an. Als der Allthändler auf die Frage des Bauern nach dem höchsten Tagespreise fünfundzwanzig Pfennige pro Zahn bietet, meint der Bauer, der inzwischen seine tadellosen dret zehn Zähne auf den Ladentischch aufgezählt hat, ganz entrüstet, zu einem solchen Schundpreise tönne er mit dem Althändler fein Geschäft machen. Ihm set erzählt worden, der Althändler zahle für jeden Menschenzahn zwei Mark, deshalb habe er sich ja beim Dorfbader die dreizehn Zähne ausziehen lassen, um sie zu Gelde zu machen. Er habe allein für das Ausziehen fünfzig Pfen­nige pro Stück an den Bader gezahlt, für die ausgestan­denen Schmerzen müsse er doch auch etwas haben. Un­

Nun, nun, mein lieber Baron, was haben Ste meinem kleinen Mädchen getan, daß es so blaß und unglücklich aussieht?" versuchte Erzellena recht mal à propos zu scherzen. Wirklich ganz fatiguiert, Rind!" Ich bedaure, wenn meine Unterhaltung die Kom­teffe angegriffen hat," meinte Malzahn, und der Ton feiner Stimme flang unwillkürlich härter, als er eigent­Itch beabsichtigte." Indeffen," und er zuckte die Achseln, die Schuld an dem Besuche tragen Sie, bitte ich zu be­merken, Ste schickten mich."

Aber Papa," rief Beate, förmlich gekränkt, Baron Malzahn hat mich angenehm und anregend unterhalten, allein Du mußt wissen, daß ich kränklich und wenig an Gesellschaft gewöhnt bin."

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Kind, Kind, ich wollte Dir mit meiner Bemerkung nicht zu nahe treten," sagte Brühl und wandte sich mit Itebenswürdigem Lächeln an Malzahn. Entschuldigen Sie mich, lieber Baron; übrigens, wenn Sie wirklich im Aufbruch sind, wie Sie sagen, mache ich Ihnen den Vorschlag, mich zu begleiten. Auf halber Höhe wartet mein Wagen. Sie steigen mit mir ein, und der Diener fann Ihrem Reitfnechte Bescheid sagen."

Erzellenz fahren nach Dresden?" erkundigte sich Malzahn.

" Ja, ja, leider, habe ich dort zu tun," meinte Brühl, und sich von neuem an seine Tochter wendend, fuhr er fort: Ich erhielt soeben einen Brief. Deine Mutter ist bereits von Karlsbad abgereist, ich glaube sogar, daß wir sie bald zurüderwarten fönnen."

Schon jetzt?" fragte Beate erstaunt. Bekommen thr die Bäder nicht?"

" Daran liegt es nicht; um offen zu sein, Kind, Karlsbad ist ihr durch eine unangenehme Episode_ver­Ieidet worden. Dente Dir, ihre Kammerjungfer Anna hat sich plötzlich das Leben genommen."

Das Annchen, das blonde, lustige, funge Ding sich das Leben genommen?" rief die komtesse erschreckt, ,, wie entsetzlich das ist, wie furchtbar! Und weiß man nicht, aus welchem Grunde das geschehen ist?" setzte sie nach einer kleinen Bause hinzu.

Erzellenz lächelte etwas zynisch.

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" Aus welchem Grunde? Kind, danach fragen junge Damen nicht... Adieu, Beate, schone und pflege Dich." Damit füßte er feiner Tochter leicht die Wangen, Malzahn verneigte sich mit einem Ietse gemurmelten Abschiedsworte. So schieden die Herren...

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