Gießener Zeitung
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Nr. 193.
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Telephon: Nr. 362.
Giessen
der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amfes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83.
I
( Haus Brüder Schmidt.)
Dienstag, den 5. September 1911.
Die neue Heil- und Pflege Anstalt zu bibat Reallehrer Böhm- Gernsheim aufgestellt. den Wahlkreis Gernsheim- Pfungstadt wurde als Kan= Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei stellten den seitherigen Vertreter des Bezirks Alzen, Bürgermeister Edm. Diehl in Gau- Odernheim, einstimmig zum Kandidaten auf.
hat gestern am 3. September 1911 die ersten Kranken Es aufgenommen. wird weiteste Kreise sicherlich interessieren, von dieser ganzen Anlage etwas zu lesen, die mit ihren schmucken Gebäuden, umgeben von Wald und Gärten, bei den Insassen und auch den Fremden das größte Vertrauen zu wecken, sehr geeignet ist. Mit der Erbauung hat es lange gewährt; schon 1906 ist das Pförtnerhaus errichtet worden, dann tam 1908 eine Bauunterbrechung, weil in diesem Jahre die Jrren- Anstalt in Alzen eröffnet wurde, bis 1910 eigentlich mit der Fertigstellung des Ganzen in schnellerem Tempo Ernst gemacht wurde. Die Baukosten mit Einrichtung belaufen sich auf rund 2 000 000 Mark; das Gelände wurde von der Stadt kostenlos gestellt.
Kommt man von Gießen, so steht vornan zuerst das Wohngebäude für den Direktor, dann das für den Oberarzt, beide in villenartigem Stil gebaut. Nahe bei dem Eingang ist das Verwaltungsgebäude mit der Verwalterwohnung und Wohnungen für die Assistenzärzte, mit dem Bibliothekszimmer, dem Kasino, dem Magazin usw., dicht dahinter befindet sich das Kesselhaus, die Dampfwaschküche und die Kochküche. Der Kochküche zunächst liegen an der Licherstraße zu die 5 Gebäude für die Frauenabteilung, seitwärts die Kirche und zwischen der Frauenabteilung und dem alten Schiffenberger Weg, die aus 6 Gebäuden bestehende Männerabteilung. Das sog. Plocksystem, wie es beim Bau solcher Anstalten bisher meist angewandt wurde, hat man hier nicht durchgeführt, sondern von dem Grundsatz ausgehend, den Kranken die eigene Häuslichkeit möglichst zu ersetzen, ist das lose Pavillonsystem gewählt worden. In der Frauenwie in der Männer- Abteilung ist je ein großes in etwas hufeisenform gehaltenes Gebäude für die wachbedürftigen Kranken. Dort befindet sich auch je ein Operations zimmer. Je 2 Häuser sind für die halbruhigen Patienten und weitere 2 in jeder Abteilung für die unruhigen Kranken. In der Männerabteilung ist außerdem noch ein sog. festes Haus für ganz schwerkranke gefährliche Insassen, das mit einer hohen Mauer umgeben ist und im Innern die größten Vorsichtsmaßregeln enthalten. Mit Ausnahme des letztgenannten festen Hauses sind die Wohn- und Schlafräume der Kranken in den einzelnen Gebäuden recht wohnlich, praktisch und man fönnte fast sagen, sehr gemütlich eingerichtet. Ein Jedes hat ein Bett mit Roßhaarmatratze und Sprungrahmen, einen Nachttisch, im Regal den eigenen Platz für WasBeserglas, Zahnbürste, Seife, Schuhe, Handtuch 2c. queme Tische und Bänke machen den Aufenthalt in den Tagräumen angenehm und bei schönem Wetter sind Verandas leicht zu benutzen. Selbst Blumentische und Bilder fehlen nicht. Im Winter wird eine vom Kesselhaus ausgehende Zentral- Niederdruckheizung für die erforderliche Erwärmung der gesamten Räume sorgen. Das Wärterpersonal hat Wohnung neben den Wohnund Schlafsälen der ihm anvertrauten Kranken. Neben der ärztlichen Behandlung werden die leichtkranken Frauen für Haus- und Küchenarbeiten und die leichtkranken Männer für Feld- und Gartenarbeiten verwendet, da festgestellt ist, daß Arbeit günstig auf den Zustand der Kranken einwirkt. Diese Beschäftigungen haben aber auch noch den ökonomischen Wert, daß für die ganze Anstalt die Gemüse 2c. selbst gebaut werden und mancherlei Arbeiten erledigt werden können, wozu sonst zu bezahlende Arbeiter eingestellt werden müßten.
Vorläufig ist Raum für 200 Betten resp. Pfleglinge. Die Anstalt ist für die Provinz Oberhessen gebaut, d. h. es sollen ihre Geisteskranken hier zuerst untergebracht werden. Ist Platz vorhanden, so können aber auch Kranke aus den anderen beiden hessischen Provinzen nach hier verbracht werden, wie umgekehrt auf Wunsch Geisteskranke aus Oberhessen nach Goddelau- Heppenheim oder Alzey kommen können.
eine
In vielen Familien hat man vor sog. Jrrenanstalten große Abscheu. Das ist falsch. Wie gesagt, solche Anstalt ist nicht allein das Asyl für tobsüchtige Kranke, sondern auch für Leichterkrankte, die dort unter aufmerksamer Behandlung und Beobachtung, Wartung und Pflege erhalten, wie solche in den meisten Familien zu geben es unmöglich ist.
Aus Stadt und Cand.
Gießen, den 5. September 1911.
* Landtagswahlen. In einer Vertrauensmänner- Versammlung der nationalliberalen Partei für
Verband evangelischer firchlicher Frauenvereine im Großherzogtum Hessen. Auf die am 7. September in Darmstadt im Gemeindehause stattfindende Hauptversammlung sei nochmals hingewiesen. Das Referat von Pfarrer Sch w a b e- Gießen über„ Nothelferinnen in der Landkrankenpflege" nicht allein für die Mitglieder der angeschlossenen Vereine, sondern auch für alle, die ein warmes Herz für Kranke und Leidende haben, von Interesse sein.
dürfte
*) Büdingen, 4. Sept. Prinzessin Anna zu Isenburg- Büdingen, die 25jährige Tochter des im Jahre 1906 verstorbenen Fürsten Bruno zu Isenburg- Büdingen, hat sich mit dem 41jährigen Grafen Ernst zur Lippe- Weißenfels verlobt. Der Graf steht als Major in sächsischen Diensten.
( Gießener Tageblatt)
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23. Jahrg.
| den umliegenden Fachwerksgebäuden, welche durch die anhaltende Hitze ausgetrocknet sind, fand das Feuer reichliche Nahrung. Aber durch das tatkräftige, energische Eingreifen der Feuerwehrleute wurde gar bald ein weiteres Umsichgreifen des Feuers verhindert. Wie verlautet, ist der Schaden, den das Feuer anrichtete, nicht sehr groß. Allseitiger Dank wurde den Feuerwehrleuten für die energische Hilfeleistung zu teil.
-d- Rodheim a. d. Bieber, 4. Sep. Hier wurde ein Mann wegen des dringenden Verdachtes der Blutschande verhaftet.
-)(- Marburg, 4. Sept. Gestern früh ½ 5 Uhr ist zwischen Bahnhof Marburg- Süd und Nieder- Weimar ein Automobil mit dem Schnellzug 104 3 usam me n gestoßen. Das Automobil war auf der Fahrt von Bielefeld nach Gießen. Insassen des Automobils waren Peter Kronenberg Gießen, der den Wagen in Bielefeld eben erst gekauft hatte, sowie Werkmeister Kühn und die Tochter Kronenbergs. Kühn ist tot, die beiden anderen Insassen blieben unverletzt.
Ueber das Unglüd geht uns noch folgender Be
Vom Vogelsberg, 4. Sep. Den Anschlußricht zu: an die projektierte elektrische Zentrale zu Wölfersheim haben nicht nur zahlreiche Orte der Wetterau beschlossen, sondern auch die Gemeinden des Vogelsbergs wollen die Vorteile dieses Kulturfortschrittes nicht entbehren. So haben bis jetzt außer mehreren Dörfern Grünberg, Or tenberg, Schotten, Gedern, Laubach und Hungen den Anschluß an Wölfersheim genehmigt.
* Wetzlar. 70jähriges Jubiläum des Männergesangverein. Die Feier wurde am Sams tag abend durch einen Kommers eingeleitet, an dem außer den auswärtigen Vereinen eine große Anzahl Gesangsfreunde teilnahmen. Stadtv. Frohn, der Vorsitzende des Vereins, hieß die zahlreich erschienenen Gesangsfreunde herzlich willkommen. Die Festrede hielt Friedrich Heinzenberg, der einen geschichtlichen Ueberblick über das Wachsen und Gedeihen des Vereins gab; seine trefflichen Ausführungen schloß er mit einem Hoch auf den Kaiser! Der Vorsitzende des Lahntal- Sängerbundes, Hauptlehrer Storch- Buzzbach, überbrachte die Glückwünsche des Bundesvorstandes, sowie des Männerge Bürgermeister v. 3engen sangvereins Butzbach. sprach im Namen der Stadtvertretung und der Bürger schaft dem Jubelverein seine herzlichsten Glückwünsche aus und brachte zum Schluß ein dreifaches Hoch auf das deutsche Lied. Der Männergesangverein Liederkranz Dillenburg überreichte ein schönes Bild seiner Heimat= stadt, während die Liedertafel Marburg ein schönes Gruppenbild ihres Vereins stiftete. Dem offiziellen Teile folgten musikalische Darbietungen der einzelnen Männergesangvereine und der verstärkten Stadtkapelle, die ein beredtes Zeugnis von der trefflichen Schulung ablegten.
Am Sonntag vormittag fand in der Alten Post" der Sängertag des Lahntal- Sängerbundes statt, bei dem dem Dirigenten des Männergesangvereins Wetzlar das Diplom der Ehrenmitgliedschaft überreicht wurde. Außerdem wurden noch die Gesamtchöre für das nächste Bundesfest, das im Sommer 1912 in Hungen abgehalten wird, festgesetzt. Es sind: 1.„ Der Wald" von Häser, 2.„ Einkehr“ von Zöllner, 3.„ Heinrich der Vogler", Chor mit Orchester von Fromm. Nachmittags fand ein Festzug vom Obertor nach dem Schützengarten statt, an dem sämtliche Gesangvereine von Wetzlar, der Turnverein, Liederkranz- Weilburg, Liederkranz- Dillenburg und der Gesangverein Jugendgrund- Wieseck teilnahmen. Frl. Frohn überreichte mit einer sinnigen Deklamation eine neue Fahnenschleife, während von einem Vertreter des Gesangvereins Kirchhain eine schöne Weinkanne gestiftet wurde. Nun sangen sämtliche Gesangvereine Wetzlars unter Begleitung des Orchesters„ Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Der Liederkranz- Weilburg sang: ,, Wie hab' ich sie geliebt" von Möhring. Für den durch Krankheit seines Dtrigenten am Singen verhinderten Liederkranz- Dillenburg trat der Jugendgrund- Wiesec mit dem„ Waldruf“ von Schauß ein. Dazwischen die verstärkte Stadtkapelle ansprechende Stücke. wurde das Konzert gegen 7 Uhr durch Feuerlärm gestört. Am Abend fand ein Festball im Schützengarten statt, wobei ein schöner Glockenreigen von den Jungfrauen des Vereins aufgeführt wurde.
spielte Leider
*- Wetzlar. Die Bewohner unseres mittleren Stadtteiles wurden gestern abend gegen 7 Uhr durch Alarmsignale der Feuerwehr in Aufregung versetzt. Wie angenommen wird, ist das Feuer im Schlafzimmer des Walterschen Hauses am Eisenmarkt ausgebrochen. Bei
Gießen, den 3. Sept. Der Automobilhändler P. Kronenberg fuhr mit seiner Tochter sowie mit dem Werkmeister Kühn der Dürkopp- Werke- Bielefeld, mit dem erst von der Fabrik abgenommenen 8-20 PS- Wagen nach Gießen. Zwischen Marburg- Süd und Nieder- Weimar kreuzt die Eisenbahn die Fahrstraße. Kurz vor der ge schlossenen Schranke plate ein Reifen des Automobil s; der Wagen kam durch scharfes Brem sen ins Schleudern und zertrümmerte die Schranke. Der Werkmeister Kühn sprang hinaus oder wurde hinausgeschleudert was nicht genau feftsteht und erhielt wahrscheinlich durch den gerade durchkommenden Schnellzug Marburg- Gießen, der über eine halbe Stunde Verspätung hatte, einen tödlichen Stoß in den Rücken. Kronenberg und Tochter, die während der Katastrophe im Wagen geschlafen hatte, blie ben unverletzt. Der Zug hielt sofort und nahm die In fassen des Wagens nach Gießen mit; unterwegs verschied der schwerverlette Werkmei. ster Kühn.
-r= Marburg, 4. Sept. Bei Frohnhausen fuhr Samstag ein Güterzug in eine Schafherde. 19 Schafe wurden zermalmt. Eine Anzahl mußten geschlachtet werden. Jm nahen Odershausen sind sechs Typhusfälle amtlich festgestellt worden, zwei ver liefen tödlich. In Rölbe hat ein Kaufmann eine sogenannte„ Auto fall e" errichtet. Er hat in furzer 3eit 70 Automobile wegen zu schnellen Fahrens zur Anzeige gebracht.
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Diez, 4. September. Infolge der in hiesiger Gegend stattfindenden Manöver find alle Lebensmittel rar und teuer geworden.
Das nervöse Zeitalter.
Nervös ist heutzutage die Mehrzahl der Menschen, set es durch Ueberarbeitung, Herger Schidsalsschläge oder durch ernste Krankheiten. Durch die Nervosität altern die Menschen viel rascher und verlieren frühzeitig ihr frisches Aussehen; die Haut wird runzelig, die Haare grau, der Körper verliert seine Schönheit und Frische.
Nervosität hängt intim mit dem Blutzustande zusammen; dadurch, daß das Blut nicht seine normale Bu sammensetzung hat, werden die Nerven nicht genügend gespeist, folglich ist gesundes, normales Blut die erste Grundbedingung.
Leciferrin ist das hervorragendste Präparat um Nerbofität zu beseitigen, gesundes Blut zu schaffen und da durch Lebensfrische und Energie wieder zu erzielen. Bei überreizten oder überarbeiteten Personen, welche an Schlaflosigkeit leiden, tritt durch den Gebrauch von Leciferrin ein guter, träftigender Schlaf ein. Leciferrin( Ovo LecithinEisen) ist von hervorragenden Aerzten und Professoren begutachtet und flinisch erprobt. Die günstige Wirkung macht sich in ganz kurzer Zeit bemerkbar.
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