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Schwebt Richter in Lebensgefahr?

Aus Konstantinopel wird der Inf." geschrieben: In der Bresse wird von Belt zu Belt die Mitteilung ver­brettet, daß der von den Räubern entführte Ingenieur Nichter in Lebensgefahr schwebe. Abgesehen davon, daß htemand etwas Pofitives von dem Ingenieur Richter erfahren fann, da noch niemand mit den Räubern ge­fprochen hat, ist die Mitteilung auch sonst nicht richtig. Feder, der die Verhältnisse tennt, weiß, daß es den Räu­bern felbstverständlich nur auf das Lösegeld antommt, und daß sie darum den Ingenieur Nichter auf das Sorg­fältigste bewachen, da er ihre einzige Einnahmequelle bildet. Die Annahme, daß Richter sich in Lebensgefahr befinde, erscheint aus diesem Grunde besonders unan­gebracht.

Der neue amerikanische Botschafter in Berlin. Nach einer Meldung der Frankfurter 8tg." aus Washington wird der bisherige amerikanische Botschafter in Rom John Leishman amerikanischer Botschafter in Berlin. Die Zustimmung des Katsers ist bereits erfolgt. Leishman vertrat vor seiner Tätigkett in Rom die Vereinigten Staaten längere Zeit mit großem Erfolg in der Türkei. Er steht im 55. Lebensjahre und ist außer­ordentlich vermögend.

Das Vorgehen der türkischen Regierung gegen die Räuber ist auch derartig, daß eine Ermordung Richters durch die Räuber ausgefaloffen erscheint. Di: türkische Regierung mußte wohl zuerst den Standpuni einneh men, daß sie nicht mit einigen Räubern wie eine Macht mit der andern verhandeln könne, sondern daß sie die Räuber die ganze Strenge des Gesetzes fühlen lassen müffe. Dieser Standpunkt erscheint ar fid berechtigt. Demgegenüber steht aber dic Forderung Deutschlands, den gefangenen Richter auf den snellster; Bege le­bendig aus den Händen der Räuber 31: befreten. Dieser nachdrücklich geäußerten Forderung fann sich die tür­fische Regierung nicht entziehen, und es tam daher zu Kompromissen, die die türkische Regierung notwendiger­wetje eingehen mußte. Es handelt sich also fetzt für die turtische Regierung lediglich darum, den deutschen In­genteur auf jede Weise zu befreien. Mit der Strenge bes Gesetzes würde die Türtet vielleicht der Räuber hab­haft werben fönnen, fie täme aber in große Bedräng­nts, da die Räuber bei einer Verfolgung vielleicht nicht davon Abstand nehmen würden, Richter ein Leid zuzu­fitgen. Dies muß aber die türkische Regierung ver­melden.

Ueber Art und Umfang der deutschen Forderungen in der Marokkofrage erfährt die Magdeb. 3tg." folgen­des: Die Annahme, daß Deutschland zur Abtretung deut­schen Gebietes an Frankreich bereit sei, entspricht nicht den Tatsachen. Ein Verzicht Deutschlands auf Togo, wie dies von französischer Seite gemeldet worden war, steht somit nicht in Frage. Deutschland verlangt einen gewissen Teil des französischen Kolonialbesizes ohne Opferung des geringsten Streifens deutschen Landes. Ferner wünscht Deutschland den Abschluß wirtschaftlicher und handelspolitischer Verträge mit Frankreich allge­meiner Natur. Die dritte Bedingung, die von deutscher Seite gestellt wird, ist die Zusicherung wirtschaftlicher Rechte in Marotto.

Ihre Maßnahmen sind darum jetzt mehr darauf gerichtet, den Aufenthaltsort der Räuber und Richters herauszubekommen, als an Strafe zu denken. Wenn der Aufenthaltsort ermittelt ist, dann wird die Unter­handlung wegen des Lösegeldes eingeleitet werden. Es verlautet, daß sich Hamid Bey im Besitze der von den Räubern verlangten Summe bereits jest befinde, um fie den Räubern auszuhändigen. Etwas anderes st es, was die türkische Regierung gegen die Räuber unter­nehmen wird, wenn sich Ingenieur Richter in Freiheit befindet. Dann dürften die zarten Lockföne, mit denen man sich jetzt den Räubern nähert, thr Ende erreicht haben und einer Sprache weichen, welche die Autorität bes Staates gegen Mord- und Diebsgesindel verkündet. Diese Sprache wird aber erst dann gesprochen werden, wenn Ingenieur Richter sich völlig in Sicherheit be­findet.

Rundscban von: Cage. Politisches.

Mit der staatlichen Unterstützung der notleidenden Winzer ist jetzt, wie aus Göln gemeldet wird, der An­fang gemacht worden. Die Winzer erhalten zinsenlose Darlehen, doch müssen diese nach drei Jahren vom Be­ginn des vierten Jahres ab jährlich mit einem Zwölf­tel der Darlehnssumme zurückgezahlt werden. Der Kreis muß die Gelder dem Staat und den Bezirksver­bänden zum bestimmten Zeltpunkt zurückerstatten, wes­halb Darlehen nur dann gewährt werden, wenn der Wiedereingang des Geldes unbedingt gesichert ist.

Der Kaiser wird das Kommando über das erste Belbhusaren- Regiment dem Kronprinzen persönlich übergeben, und zwar im Anschluß an die große Thorner Festungskriegsübung, die am 8. September beginnt und der Katser und Kronprinz beiwohnen werden. Diese Uebung wird sich über vier bis fünf Tage hinziehen.

Eine tragische Szene ereignete sich in Sinnwald auf dem Erzgebirgskamme nachis während eines schwe ren Gewitters. Die Familie des Bergmanns Rudolf saß um den Tisch herum und Rudolf betete aus einem Gebetbuche laut vor. Plöglich schlug der Blizz in das Haus ein und tötete den betenden Rudolf. Die anderen Familienmitglieder blieben unverlegt.

Die Marinetechnikerbewegung ist jetzt zugunsten der Techniker entschieden worden. Das Marineamt zog, wie aus Wilhelmshaven gemeldet wird, die Kündigung der Marinetechniker zurück und stellte Wetterbeschäftig­ung zu den alten Bedingungen frei.

Ein schweres Banunglück hat sich gestern in Chem­nig ereignet. Auf einem Neubau in der Reinhard­straße stürzte nachmittags ein Gerist ein, auf dem zehn Arbeiter beschäftigt waren. Dabei sind zwet Arbeiter getötet, zwei schwer und sechs leicht verlegt worden.

Drei Männer bei der Rettung eines Kindes ers trunken. In Lauf an der Begnis fam ein etwa 10 Jahre alter Knabe beim Herumwaten in der Pegnit an eine tiefe Stelle und ging unter. Ein Dekonomenjoht und ein verheirateter Fabrikarbeiter sowie der Vater des Kindes eilten zu Hilfe und wurden ebenfalls in die Tiefe gezogen. Alle dret ertranfen.

Im ungarischen Abgeordnetenhause entstanden ge­stern bei den Verhandlungen über die Wehrreform große Tumulte und Skandale. Ein Abgeordneter rtef einem anderen zu: Sie freches Schwein!", worauf die­ser dem Rufer eine schallende Ohrfeige versetzte. Beide Herren wurden darauf handgemein und balgten sich. Im ganzen Hause entstand riesiger Lärm und Skandal, so daß die Sizung suspendiert wurde. Augenzeugen ver­sichern, daß die Abgeordneten mit erhobener Faust auf­einander losstürzten, daß aber andere Abgeordnete da­zwischentraten, so daß sie sich nicht tätlich verletzen fonnten.

Wegen verfehlter Spekulationen hat sich der Bankier Oswald Klinger in Bunzlau erschossen. Nicht nur sein eigenes Vermögen, sondern auch Gelder der Kundschaft find verloren. Klinger wurde in der Geschäftswelt we gen seiner Kenntniffe und Gewissenhaftigkeit sehr ge­schätzt und genoß großes Ansehen.

In der Ostsee ertrunken find gestern in der Nähe von Sellin auf Rügen zwei Mädchen und ein Postbote, die eine Bootsfahrt unternommen hatten. Beim Plätze­wechseln fenterte das Boot, die Insassen stitraten ins Wasser und ertranfen.

Die Lage auf Haiti hat zur Sicherheit der Fremden doch ein Einschreiten der Mächte notwendig gemacht. Wie aus Port- au- Prince gemeldet wird, hat sich dort auf Initiative des diplomatischen Korps ein öffentliches Sicherheitskomitee gebildet. Britische und deutsche Ma­rinesoldaten sind gelandet, um den Behörden Beistand zu leisten. Plünderungsversuche während der letzten Nacht machten es nötig, daß auf verschiedene Plünderer geschossen wurde. Insgesamt sollen etwa vierzig Per­sonen während der Besetzung der Stadt und der folgen­den Unruhen getötet worden sein.

Ueber den Stant der Marokkoverhandlungen ver­öffentlicht die Berliner Nationalztg." eine Informa­Hon aus diplomatischen Kreisen, die anscheinend aus der nächsten Umgebung des Staatssekretärs v. Kiderlen­Wächter stammt und folgenden Wortlaut hat: Von di­plomatischer Seite wird uns bestätigt, daß jetzt tatsäch­Itch eine sehr bedauerliche Stockung in den Verhand­lungen über die Marokkokompensationen zu bemerken set. Es wird aber hinzugefilgt, daß der Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter, der übrigens sich des vollen Ver­trauens und der Unterstützung des Reichskanzlers er­freue, nicht gewillt set, von dem einmal betretenen und fir richtig erkannten Wege in dieser für Deutschland so bedeutsamen Stunde zurückzuweichen. v. Kiderlen= Wächter würde eher die eigene Person als die großen nationalen Interessen opfern, für die er jetzt eintritt. Man hofft, daß es in diesem ernsten Augenblicke zu fei­ner Meinungsverschiedenheit unter den für die Leitung der Reichspolitik maßgebenden Persönlichkeiten kommen werde. Das in diplomatischen und finanziellen Kreisen verbrettete Gerücht, Kaiser Wilhelm habe über den Kopf Kiderlen- Wächters hinweg Herrr: Cambon gewisse Zu ficherungen gemacht, die dem Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes jetzt die Weiterführung der Verhand­Iungen erschweren, wird uns als erfunden, ja als ab­furd bezeichnet."

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Jugendfreundschaft.

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Eine Bluttat hat sich gestern in der Arbeiterkolonie der durch die Grubentatastrophe bekannten Zeche Rad bod bei Hamm abgespielt. Dort erschlug ein Bergmant den Kostgänger seiner Mutter mit dem Beil. Der Mör­der flüchtete, sprang in die Lippe und ertranf.

Wissenschaft, Kunst und Litteratur.

Krebskrankheit und Tabak. Eine interessante neue Theorie über die Krebskrankheit hat der Engländer Henry Budlin gelegentlich eines Vortrages entwickelt, den er vor der Internationalen zahnärztlichen Gesell schaft hielt. Er führte aus, man habe oft behauptet, daß Leute von zu vielem Rauchen Zungen- und Halskrebs bekämen. Aber er habe gefunden, daß gerade Leute, die von morgens bis abends Bigarre und Sigaretten rauch ten, in den meisten Fällen einen außergewöhnlich ge= sunden Mund hätten. Andererseits habe er wieder Leute gesehen, die an der Zungenkrankheit litten, die man bis her unter dem Namen Leukoplácia gekannt habe, und die auch auf zu starkes Rauchen zurückgeführt wurde.. Er habe aber gerade gefunden, daß Leute, die an dieser Krankheit litten, gewöhnlich nicht starte Raucher waren. Es komme da eben ganz auf die Empfindlichkeit des einzelnen Individuums an. Nun sei es richtig, daß Zungenkrebs sehr selten bei einem Menschen gefunden, werde, der nicht vorher an Leukoplacia gelitten habe. Die Aerzte seien sich ganz allgemein darüber einig, daß Leukoplacia gewöhnlich zu Krebs führt. Bahnärzte glaubten metst, daß Rheumatismus und Gicht in ur prünglichem Zusammenhang mit Leukoplacia ständen. daß aber der Tabakgenuß die Krankheit erst wirklich zum Ausbruch bringt. Der Zustand der Zähne, so schloß der Redner feinen Vortrag, fet für den Gesundheitszu stand der Nation von der größten Bedeutung und er hoffe daher, daß der Ta nicht mehr fern sein werde, wo feder Zahnarzt, dem liberhaupt erlaubt werde, zu prak tizieren, auch ein ordentlicher Arzt sein mitsfe.

Refrutenanshebung in China nach deutschem Muster. Das chinesische Kriegsministerium benachrich­tigte den Generalgouverneur von Mukden, daß im Herbst dieses Jahres in der Mandschuret zum ersten Male probeweise nach deutschem Muster eine neue Ord­nung der Rekrutenaushebung zur Anwendung kommen werde. Mit einigen deutschen Offizieren hat das chine­fische Kriegsministerium Kontrakte als Lehrer an der im Entstehen begriffene Kriegshochschule in Paotingfu abgeschlossen.

Roman von G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) " Du wirst noch eine ganz tüchtige Wirtin," bemerkte Lina, wenn sie sab, wie die Schwester sich Mühe gab, die ungewohnte Arbeit am richtigen Ende anzugreifen.

Ob Lina 10vh auch ihren Noman gehabt hat?" dachte Eva neugierig. Das unschöne Gesicht unserer Aeltesten" schten nicht geeignet, große Leidenschaft ein­auflößen. Und doch klopfte unter der häßlichen Hülle ein Mädchenherz, das der Liebe Leid, der Liebe Lust gefühlt hatte. Der furze Traum lag eingefargt und ntemand wußte um ihn, der Betreffende selbst nicht aus­genommen, ein junger, schöner Gutsbesitzer in dem Hause, wo Lina ihre erste Stelle angenommen hatte.

Kleine Nachrichten.

Vollständige Einstellung der Elbschiffahrt. Die ver­einigten Elbschiffahrtsgesellschaften geben bekannt, daß fie und die ihnen angegliederten Unternehmungen den Schiffahrtsbetrieb wegen des außerordentlich niedrigen Elbwasserstandes vollständig einstellen müssen.

Jetzt lagen viel Jahre dazwischen; eine so gefunde Frauennatur wie Lina Grotenbach frankte nicht an et­ner unglücklichen Liebe, in der Arbeit und Selbstlosig­fett mußte sie bald genesen.

Der Tod beim Ringkampf. In einer Ringkampf­bude auf dem Schützenfestplatz in Magdeburg wurde dem Arbeiter Roder beim Ringen vom Gegner das Genick abgedreht. Die Polizei schloß die Kampfbude.

entdeckt.

Eine große unterirdische Totenstadt Als Bahnarbeiter bei Brindist beschäftigt waren, das Erdreich aufzugraben, stießen sie plößlich auf ungeheure unterirdische Gewölbe. Man glaubt, daß es sich um Ueberreste einer alten unterirdischen Totenstadt handelt.

Eva gab in ihrer freien Zeit Klavierstunden; sie freute sich itber das verdiente Geld und kaufte für ihre Lieben Weihnachtsgeschenke. Das Honorar fitr thre Schriftstelleret hatte sie bisher an den Orten, von denen sie ihre Manuskripte abschickte, erhalten; nach Berlin wagte sie nicht um Zusendung des Geldes zu bitten; Hammer sollte nicht wissen, daß E. Norden ihm so nahe war.

Kurz vor Weihnachten erschien sein neuestes Buch. Es hieß: Grrlicht".

Eva faufte es sich gleich. Das wohlgeiroffene Bild des Verfassers war auf der ersten Seite.

Vermischtes.

Folgenschwere Entgleisung eines D- Zuges. Der D- Bug 47, der von Halle nach Berlin fährt, ist gestern nachmittags auf der Strecke Wittenberg- Jüterbog bet Niedergersdorf entgleift. Getötet wurden dabei: der Lokomotivführer, der Zugführer und der Packmeister; der Heizer wurde schwer und eine Reisende leichter ver Jetzt. Lokomotive und Backwagen sind vollständig zer trümmert. Zwei Wagen sind erheblich, die itbrigen un erheblich beschädigt. Die Unfallstelle befindet sich etwa, 300 Meter vor der Station Niedergersdorf und der Ein fahrtsweiche von Wittenberg. Lokomotive und Pad wagen sind in den Acker hineingeraten und hatten sich in den Sand hineingewühlt, bis sie umstitraten. Dret Personenwagen standen neben dem Gleis bis an die Achsen im Sande. Nur der letzte Wagen stand noch auf dem Gleis. Der Zug kam von Franzensbad- Eger. Infolge unrichtiger Weichenstellung fuhr er auf ein Güternebengleis, welches das schwere Gewicht der 20­tomotive nicht aushielt und nachgab. Bald darauf er fchien auch ein Hilfskommando der Artillerteschießschule aus Jüterbog und auch die Jüterboger Sanitätsfolonne und die freiwillige Feuerwehr. Leider war den Ber­unglüdten feine Rettung mehr zu bringen.

Seiten stutzte sie. Das war ja ihre eigene Geschichte: ein junges Mädchen, das mit einem Schriftsteller Briefe wechselt und ihm als Redakteur einer Zeitung Beiträge zum Feuilleton geschickt. Hammers Briefe an Eva und ihre Antworten folgten sich in dem Roman, die Dichter­gestalten waren so lebhaft gezeichnet, daß Eva sich selbst und Hammer in ihnen wieder erkannte. Mit heißen Wangen las Eva das sehr schön geschriebene Buch, dessen zartpoetische Färbung fie sehr ansprach. Der Ruf: Wer bist Du, wo finde ich Dich, lockendes, verschwin­dendes Frrlicht?" ging wie ein roter Faden durch den Roman.

Wie ähnlich es ist," dachte Eva, das sind seine Klugen, dunklen Augen, die hohe Stirn und der sarka­sttsche Mund mit dem dunklen Bart."

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Das endliche Finden war so leidenschaftlich geschil­dert, daß Eva unwillkürlich erbebte; war es ihr doch, als spräche der Held des Buches zu ihr.

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Er Hammer, hat diesen Roman nicht ohne Ab­sicht geschrieben," dachte Eva, hofft er durch ihn E. Nor­den zu entdecken? Denkt er, daß sie sein Werk lesen wird?"

Der Gedanke lag nahe und beschäftigte Eva un­ausgesetzt.

Lina," sagte Frau Grotenbach, hler habe ich eine Anfrage aus Hannover bekommen; ein Herr bittet um Aufnahme in die Pension, er bittet aber um zwet Sim­mer."

Folgen von Müllheim. In Spital zu Müllheim befinden sich immer noch einige durch die Eisenbahnkata­strophe Verletzte. Ihr Befinden ist aber befriedigend. Frau Wartmann, die bei dem Unglüc zwei Kinder durch den Tod verlor, und deren Schwägerin noch schwer ver­

" Das geht nicht, Mutter!" rief Lina, die jetzt ganz nach der Dorotheenstraße übergefiedelt war, eben ist alles besetzt, wo sollen wir zwet Zimmer herschaffen, schreibe ab!"

,, Gut, ich tue es!"

Wie heißt der Herr?" fragte Eva.

Benno Hammer, er ist Redakteur," sagte Frau Grotenbach.

,, wir müssen es so einrichten, daß er bei uns wohnt." ,, Wie willst Du das?" fragte Lina etwas ungedul dig, willst Du ihm vielleicht Dein Zimmer ein­räumen?"

Gerade daran dachte ich ,,, erwiderte Eva Ieuchten­den Auges, ich ziehe mit Dir zusammen und unsern fleinen Salon nebenan geben wir dazu, bitte, Mutting, sage ja."

Eva wurde ganz rot, doch niemand bemerkte es. O, Mutter, das ist mein Literaturlehrer!" rief fie,

Nach einigem Hin- und Herreden wurde der Vor­schlag angenommen.

" Du kannst ihm zusagend schreiben," sagte Lina zit) ihrer Schwester, ich habe feine Zeit und Mutter geht gleich mit Rurt und Adam ins Theater zum Wilhelm Tell."

Eva zögerte, fie fürchtete, daß Hammer ihre Hand­schrift erkennen könnte. Aber Lina Itebte feinen Wt­derspruch, ihre Weigerung wäre aufgefallen.

Soll ich in Mamas Namen schreiben?" fragte Eva. Natürlich, Eva," lautete die Antwort.

So gut sie konnte, verstellte sie thre Schrift, doch war dieselbe so eigenartig, daß es ihr nicht recht glückte. Wie sonderbar hast Du die Adresse geschrieben," bemerkte Lina, Deine Handschrift ist sonst anders." Einige Tage später meldete sich Hammer fitr Mitt­woch an. Als er den Brief bekam, stutzte er und blickte nachdenklich auf die schwungvollen Buchstaben nieder. " Halt!" rief Hammer, jetzt weiß ich es!" Er bolte einige Briefe hervor und entfaltete sie. Am Schluß stand E. Norden; genau prüfte der Redak­teur die Schrift, er wurde zweifelhaft. Ich habe mich geirrt," dachte er, es ist doch nicht ein und dieselbe Per­son, Frau Grotenbach fann doch nicht E. Norden sein, es besteht nur eine auffallende Aehnlichkeit zwischen den Handschriften beider. Das nedische Jrrlicht entschwebt mir wieder. Ich glaube, ich finde es nie."

Er verschloß die Briefe wieder.

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