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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
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Erscheint Redaktion:
oierteljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Dienstags, Donnerstags, Samstags. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 180.
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Telephon: Nr. 362.
Hitze.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer
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des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Samstag, den 5. August 1911.
Die wirtschaftlichen Schäden der grossen der Arbeiten erfolgen soll. Inzwischen werden die zum preise zu ermitteln, auf deren Grundlage die Vergebung| Anschluß bereiten 100 Gemeinden sich der Provinz gegenüber auch noch vertraglich zu verpflichten haben. Der hierfür vorgesehene, vom Provinzialausschuß gebilligte und auch vom Ministerium bereits genehmigte Normalvertrag wird in Kürze den interessierten Gemeinden zu gehen. Je schneller der Abschluß der Verträge erfolgt, die im großen und ganzen die Bedingungen enthalten, zu denen die Gemeindeverwaltungen in den hierüber gepflogenen Verhandlungen sich verpflichtet haben, um so eher wird mit Ausführung der Arbeiten begonnen werden können, da erst nach der Unterzeichnung der Verträge das Projekt über die Fernleitungen aufgestellt werden kann.
*
Prüfung. Am 1. und 2. August fand an der Abt. 2 des Alice Schulvereins( Seminar für Hauswirtschaftslehrerinnen) die staatliche Prüfung der Seminaristinnen in Gegenwart des Regierungsvertre ters Herrn Professor Dr. Alles, Kreisschulinspektor, und der aus Mitgliedern des Vorstandes bestehenden Prüfungskommission statt. Sämtliche junge Mädchen, 9 an der Zahl, bestanden mit gutem Erfolge in Theorie und Praxis.
* Die Trichinen schau in unserem Schlacht= hof wird seit etwa 14 Tagen mit dem vom Schlacht= hofdirektor Garth- Darmstadt, einem geborenen Gießener, erfundenen Trichinoskop ausgeübt. Während früher ein Beamter zur Untersuchung von 4 Schweinen eine Stunde Zeit brauchte, wird durch den neuen Apparat in der Stunde an 20 Schweinen die Beschau vorgenommen. Dabei werden die Augen des Beamten weniger angestrengt als früher, da der Apperat das Objekt bedeutend vergrößert.
Die andauernde große Hizze hat für das wirtschaft liche Leben schon sehr große Nachteile gebracht. Natürlich hat die Landwirtschaft in erster Linie unter dem trodenen Wetter zu leiden, denn die Wiesen und Kleefel der sind verdorrt, den Rüben und Kartoffelfeldern fehlt es an der nötigen Entwickelung, der Gemüsebau ist auch schwer geschädigt und von den Obstbäumen fallen wegen der großen Trockenheit die Früchte halb reif ab. In einigen Gegenden Deutschlands, zumal auf dem sandigen Boden in Brandenburg, ist sogar die Getreideernte von der sengenden Hitze geschädigt worden, sodaß man schon jetzt sagen kann, daß der Gesamtscha= den, den die deutsche Landwirtschaft von der Hitze dieses Sommers haben wird, sich mehr als 1 Milliarde Mark belaufen wird. Dazu kommen aber noch andere schwere Schädigungen für die Landwirtschaft, denn wenn nicht bis spätestens zum 15. August reichlicher Regen eintritt, so wird auch die Landwirtschaft und Viehzucht in Deutschland unter einem großen Futtermangel zu leiden haben. Da kann es schon kommen, daß die Landwirte ihren Viehbestand durch Notschlachtungen und Massenverkauf verringern müssen, aber dadurch wird der Landwirt nur Schaden und das ganze Volf keinen Nutzen haben, denn die Fleischpreise werden trotz billiger Viehpreise hoch bleiben, aber nach der Verringerung der Viehbestände wird erst recht eine große Fleischteuerung eintreten und dem wirtschaftlichen Leben Nachteil bereiten. Die große Hitze erzeugt aber noch andere Notstände. Der Wasserstand der schiffbaren großen Ströme ist so gesunken, daß die Flußschiffahrt wahrscheinlich in der nächsten Woche auf den meisten Flüssen eingestellt werden muß. Ganz besonders nachteilig wird dies für die an den Flüssen liegenden Städte und deren Geschäftsverkehr. Selbstverständlich werden auch viele Jndustrien, besonders die Mühlenindustrie, von dem Was fermangel schwer in Mitleidenschaft gezogen. Bei der großen Hize fommen auch fast jede Woche in Deutsch land Waldbrände vor und fügen den Forsten, die befanntlich gegen Feuersgefahr nicht versichert sind, unersetzlichen Schaden bei. Die übermäßige Erwärmung des Flußwassers hat auch in vielen Flüssen dazu geführt, daß unter den Fischen eine Art Beulenseuche ausgebrochen ist, und daß deshalb die Fische massenhaft absterben. Diese Fischkrankheit hat aber auch noch die Gefahr, daß die Menschen unter Umständen auch durch den Genuß des Fleisches kranker Fische krank werden können. Die anhaltende Trockenheit hat auch ferner schon in sehr vielen Städten und Dörfern Wassermangel erzeugt, und selbst in den Städten, die großartige Wasseranlagen besitzen, wie z. B. in Leipzig, muß der Wasserverbrauch eingeschränkt werden, damit nicht ein vollständiger Wassermangel eintritt. So ist die andauernde Hitze zu einer öffentlichen Notlage geworden, und es ist dringend zu wünschen, daß der Himmel in den nächsten Tagen seine Schleusen öffnen und der Wassernot ein Ende bereiten wird.
Reichstagswahlvorbereitungen.
Friedberg, 4. Aug. Die Fortschrittliche Volkspartei unseres Wahlkreises wird den nationalliberalen Reichstagskandidaten Strack, für den sonst alle bürgerlichen Parteien eintreten, nicht unterstützen, dern einen eigenen Zählkandidaten aufstellen.
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* Berleburg, 4. Aug. Die Fortschrittl. Volkspartei für den Wahlkreis Siegen- Wittgenstein- Biedenkopf stellte an Stelle des zuerst aufgestellten Kandidaten Pfr. Spieß aus Bottenhorn, den Frankfurter Stadtverordneten Lehrer Korf als Reichstagskandidaten auf. In dem Kreis wurde bekanntlich bei der Ersatzwahl durch das Zusammenwirken von Nationalliberalen, Freisinnigen, Sozialdemokraten, Zentrumsleuten und Gelben Gewerkschaftlern der nationalliberale Berghauptmann Vo gel gewählt. Dies einträchtige Zusammenarbeiten dürfte eben so leicht nicht wieder vorkommen.
Aus Stadt und Cand.
Gießen, den 5 August 1911.
* Die Ueberlandzentrale für Oberhessen ist sowohl seitens des Staates wie der Provinz soweit gefördert worden, daß schon in der näch sten Zeit öffentliche Ausschreibungen erfolgen werden, um für die einzelnen Arten von Arbeiten die Einheits
Straßenbeleuchtung bewilligten die Für die Herstellung elektrischer Stadt= verordneten 22 000 Mt. Sie soll zunächst für die Haupt' straßenzüge der Altstadt vom Bahnhof aus eingerichtet werden. Ferner wurden 27 000 Mt. bewilligt zur Einrichtung einer automatischen Gassernzündung für die Straßenlaternen. Der Betrag wird in 3½ Jahren an Gehältern für Laternenwärter erspart. Dem neuen Gemeinnützigen Bauverein Gießen wurde von der Stadt an der Licherstraße unmittelbar in der Nähe des Stadtwaldes ein größeres Bauquartier zur Errichtung von Kleinwohnungsbauter überlassen, welches groß genug und so ausdehnungsfähig ist, daß darauf ein ganz neuer Stadtteil erstehen kann.
Sommerferien in zweiter AufDer preußische Kultusminister hat allgemein verfügt, daß, solange die außerordentliche Hize andauert, der Unterricht in den Schulen ausgesetzt werden fann.
*
Sonderzüge. Zur Bewältigung des Personenverkehrs anläßlich der Katholiken- Versammlung am 6. August in Mainz fährt u. a. auch ein Sonderzug von Gießen. Abfahrt 5.45 vorm., mit Aufenthalt in Buzzbach 6.17 bis 7.02, Nieder- Wöllstadt 7.13 bis 7.14, Vilbel Nord 7.30 bis 7.32, Bockenheim 7.51 bis 7.52, Goldstein 8.04 bis 8.10, Mainz Hp, bf. an 8.55. Der Hauptbahnhof Frankfurt wird nicht berührt. Die Rückfahrt erfolgt Mainz Sptbf. 10.09 abends, an Gießen 1.05 nachts.
* Wegen der herrschenden Ma u l- und Klauen= seuche ist laut Beschluß der Landwirtschaftskammer die Kreis Ackerbau- und Obstausstellung, die im Oktober hier stattfinden sollte, aufgehoben worden. Sie soll im nächsten Jahre abgehalten werden.
Die Voruntersuchung gegen den Chauf= feur Wilhelm Erbe aus Frankfurt a. M. und gegen den Schmied Heinrich Wolf und dessen Schwester Käthe Wolf aus Nieder- Mörlen wegen der Ermordung der Ehefrau Walther in Nieder- Mörlen, ist nunmehr abgeschlossen worden. Die Akten sind bereits der Staatsanwaltschaft in Gießen zur Erhebung der Anklage zugestellt worden. Wie man erfährt, hat die Untersuchung ergeben, daß gegen Erbe und Wolf die Anklage auf Raubmord und gegen die Käthe Wolf auf Beihilfe hierzu erhoben werden muß. Die Schwurgerichtsperiode, die sich auch mit der Nieder= Mörlener Bluttat zu befassen hat, beginnt am 25. September.
* Die Promenaden- Konzerte, die durch die sehr starke Inanspruchnahme der Regimentskapelle bei Vereinsfestlichkeiten in letzter Zeit unterblieben sind, werden nach dem Manöver wieder regelmäßig abgehalten.
( Gießener Tageblatt)
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23 Jahrg.
• Obst- und Gemüseverwertungsfurse. Der Landwirtschaftskammerausschuß für Oberhessen wird in der nächsten Zeit durch Obstbaulehrer Wiesner in Lang- Göns vom 15.- 17. August und in Treis a. d. Lda. vom 22. bis 24. August Obst- und Gemüseverwertungskurse abhalten.
Das Ende der großen Size? Die Wetterdienststelle Weilburg meldet, daß jetzt endlich die Bahn frei sei für die ozeanischen Tiefdruckwirbel. Ein plötzlicher Umschlag zu Regenwetter ist aber kaum zu hoffen, da über dem östlichen Deutschland und über dem westlichen Rußland die Lufttemperaturen noch zu hohe sind. Dagegen ist ein langsamer und allmähliger Uebergang zu fühlem, trübem Wetter mit Regenfällen wahrscheinlich.
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Leihgestern, 5. August. In dem Gruben feld Grenza, Gemarkung Lüzellinden, fand man beim Bohren mächtige Eisen- und Manganerzlager.
-)(- Nidda, 5. Aug. Dem Lokomotivführer Karl Hilgärtner wurde aus Anlaß seiner am 1. Aug. d. Js. erfolgten Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift„ Für treue Dienste" verliehen.
h Ehringshausen( Sr. Alsfeld), 5. August. Dem Oberbriefträger Ludwig Haberkorn wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift„ Für lang= jährige treue Dienste" verliehen.
*) Darmstadt, 4. August. Infolge der groBen Hitze fällt die 1 Uhr- Post hier bis auf weiteres aus. Auch viele größere Bureaus haben nachmittags zeitig geschlossen.
Offenbach, 5. Aug. Der Schulvorstand faßte den einstimmigen Beschluß, die Einführung der Pflichtfortbildungsschule für Mädchen zu empfehlen. Nicht nur die gewerblichen Arbeiterinnen, sondern auch die weiblichen Dienstboten sollen in diese Schule einbezogen wer den; ganz besonders soll die hauswirtschaftliche Bildung der Schülerinnen in Betracht kommen.
Main 3, 5. August. Nicht weniger als 225 Journalisten aus Europa und überseeischen Ländern haben sich zum Katholikentag angemeldet.
-m- Ulm( Kr. Wetzlar), 5. Aug. Pfarrer Stu h I ist aus Anlaß seines Uebertrittes in den Ruhestand von Sr. Majestät dem König der rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden.
= 0= Rodheim, 5. Aug. Morgen findet hier ein großes firchliches Fest statt, zu welchem Generalsuper= intendent Professor Maurer- Wiesbaden sein Erscheinen zugesagt hat. Während im Vormittagsgottesdienst Missionszögling Schlaudroff, ein Sohn unserer Gemeinde, ordiniert wird, ist für den Nachmittag am nahen Launscheidsberg ein Missionsfest vorgesehen.
-r Marburg, 5. Aug. Ein trauriger Unglüdsfall ereignete sich im nahen Bauernbach. In der allgemeinen Aufregung, die bei einem Landwirt das plötzliche Verenden zweier wertvoller Milchkühe in der gesamten Familie des Mannes hervorrief, vergaß man, auf das 2jährige Söhnchen zu achten. Als man schließlich nach dem Kleinen suchte, fand man dessen Leiche in dem Gartenbrunnen.
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Frankfurt, 4. Aug. Die Feuerwehr wurde am Mittwoch bis nachmittags 6 Uhr zu nicht weniger sich als 7 Brand stellen gerufen. Obschon es meist um fleinere Brände, z. B. in Kellern u. dergl. handelte, gab es doch infolge der Hitze und Trockenheit Ein für die Wehrmänner überall schwere Arbeit. Korpsbefehl ordnet an, daß während der großen Hitze von 10 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags teine militärischen Uebungen außerhalb der Kaserne abgehalten werden.- Der neue 3 eppelinfreuzer Schwaben" wird am 11. oder 12. August von Baden- Oos aus eine Fahrt nach dem Taunus unternehmen und hierbei Frankfurt seinen ersten Besuch abſtatten.
u Frankfurt, 5. Aug. Frankfurt hat sich zu Ehren des Bundestages und seiner zahlreichen Gäste in ein schmuckes Festkleid geworfen. Von staatlichen und auch vielen städtischen Gebäuden grüßen stolz im Winde flatternde Fahnen. Die Hauptversammlung des D. R. B. nahm Freitag vormittag unter zahlreicher Beteiliallendeutschen Gauen im gung der Delegierten aus Kaufmännischen Vereinshaus ihren Anfang. Neben der Genehmigung des Rechenschaftsberichts, sowie desjenigen des Bundes- Sortausschusses beschäftigte sich die Versammlung mit verschiedenen Anträgen, u. a. betr. die Jugendfürsorge im D. R. B.


