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Deutscher Reichstag.

worden, nämlich durch die Rede des deutschen Reichstanzler 8. Diese bemerkenswerte Rede, die von mannhaftem Empfinden und staatsmännischer Weisheit zeugt, hat bei mir Empfindungen gelöst, für die ich schwer einen Ausdruck finden kann. Nach des Reichskanzlers An­sicht und Meinung müssen die bewaffneten Streitkräfte des Reiches in bestimmten Beziehungen zu den materiellen Hilfsquellen stehen. Diese Ansicht( staatsmännisch und unwiderleglich), muß auch auf Großbritannien an­gewendet werden. Ich möchte sie aber dahin modifizieren, daß die Streitkräfte des Reiches nicht nur zu den materi­ellen Beziehungen, sondern auch zu dem Geist der Na= tion in Beziehungen stehen müssen. Leider besitzt Groß­britannien eine Armee, die diesem entspricht, nicht. Der Feldmarschall kritisierte dann scharf die Territorialarmee. Die Armee müßte auch fähig sein, die ausländischen Inte­ressen Großbritanniens zu verteidigen. Großbritannien sollte gegen die Möglichkett einer Invasion von 150 000 Mann vorberettet sein. Großbritannien brauche eine Ar­mee von einer Million Mann.

Diese Worte des englischen Generalfeldmarschalls be­weisen, daß der deutsche Netchskanzler in seiner Rede das ausgedrückt hat, was auch die anderen Mächte über die Abrüstung" denken, daß die Rücksichten auf die Sicherheit des eigenen Landes eben wichtiger sind als internationale Vereinbarungen über die Stärke der Rüstungen.

Sim Montag wurde zunächst das Reichsbestenerungsges Jeg in dritter Lesung endgiltig verabschiedet und zwar unter Wiederherstellung der Kommissionsbeschlüsse. In die kurze Debatte griff auch der Reichsschatzsekretär ein. Dann be= gann die dritte Lesung des États. Die Generaldebatte wurde durch eine lange Rede des Abg. Ledebour( Soz.) aus­gefüllt, in der er alle Fragen der inneren Politik berührte. Er verlangte einen früheren Zusammentritt des Reichs­tages mit sofortiger Budgetberatung. Den Streit um die Stichwahlparolen habe seine Partej mit Gemütsruhe ange­hört. Ste entscheide sich natürlich für die Parteien, die noch am ehesten die Opposition mitmachen. Auf die Auf­stellung eigener Kandidaten könne die Sozialdemokratie nicht verzichten. Kämen die Freifinnigen aus eigener Kraft in die Stichwahl, so könnten sie auf die Unterstützung der Sozialdemokratte rechnen, wie diese umgekehrt auf ihre Hilfe hoffe. Die schlimmste Antwort habe der Reichskanz­ler, dessen Rede wie ein falter Wasserstrahl auf alle Frie­densfreunde gewirkt habe, von dem Chauvinisten Delcassee erhalten. Redner machte noch weitere stundenlange Aus­führungen. Damit endete die Generaldiskussion. Abg. Werner( w. Vg.), der nengewählte Vertreter für Gießen, versuchte in persönlichen Bemerkungen zu erklären, wie sein bekannter Ausdruck über die nationale Schurken­partet", den er übrigens reftifiziert habe, entstanden set. Der Präsident machte den Redner wiederholt darauf auf­merksam, daß persönliche Bemerkungen nicht angängig seien. Der Redner trat schließlich unter dem Gelächter der So­staldemokratte ab. Der Etat des Reichstages wurde ohne Erörterung erledigt, ebenso der Etat des Reichskanzlers. 8u etwas längerem Aufenthalt führte alsdann der Etat des Auswärtigen Amts. Hier wurde eine Nach­lese aus der zweiten Beratung hinsichtlich der Behandlung von Auswanderern vorgenommen. Es war damals vom Abg. David( Soz.) behauptet worden, daß die Landespo Itzeibehörden mit den großen Schiffahrtsgesellschaften Hand in Hand gingen, um letzteren Vorteile zuzuwenden. Abg. Hormann( f. Bp.) nahm sich hier der Schiffahrtsgesellschaften in sehr weitgehender Weise an. Natürlich erwiderte Abg. David, und es entspann sich ein Hin und Her zwischen diesen beiden Rednern, an dem auch der Abg. Dove( f. Vp.) fich beteiligte. Nachdem der Staatssekretär darauf hinge. wiesen hatte, daß die Fremdenpolizei zur Kompetenz der Einzelstaaten gehöre, daß aber Erwägungen schweben, in welcher Art den in Einzelfällen entstehenden Härten zu be­gegnen set, wurde vom Abg. Arendt( Reichspartei) scharf be­tont, daß tatsächlich schwere Mißgriffe vorgekommen sein müßten, indem z. B. ein Reisender, der von Wien nach London reisen wollte, als Auswanderer" behandelt und über Bremen geleitet sei. Immerhin könne es sich nur um Einzelfälle handeln. Abg. Prinz zu Schönaich- Garolath

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Abschlusses eines Handelsvertrages. Wenn diese Verhand lungen zu feinem befriedigenden Resultat führen, wird das Ministerium sich im Monat Mat zurückziehen.

China reformiert. Auf Anordnung des Vizekönigs der Mandschurei sind in der Provinz Kirin Bestimmun­gen eingeführt, welche die Rechte der Europäer, chineft­schen Firmen Kredite zu gewähren, sehr beschränken und den Chinesen durch allerhand Forderungen die Inanspruch­nahme solcher Kredite sehr erschweren. So müssen die chi­nesischen Firmen, welche solche Kredite erlangen wollen, den Behörden zuerst ihre Bilanz vorlegen. Die Regie: rung hofft hierdurch, die Tätigkeit der chinesischen Staats­bank zu heben.

Ein nationalliberal- freisinniges Wahlabkommen für Pommern ist nach langen Verhandlungen jetzt perfekt ge­worden. Der Voss. 3tg." zufolge sind danach der fort­schrittlichen Volkspartei die drei gegenwärtig von ihr ver­tretenen Wahlkreise Stralsund, Greifswald und Stettin, sowie die beiden gegenwärtig konservativ vertretenen Wahlkreise Random- Greifenhagen und Kolberg- Köslin überwiesen worden. Die Nationalliberalen haben zuge= teilt bekommen die fünf zurzeit konservativ vertretenen Wahlkreise Belgard, Neu- Stettin, Greifenberg- Kammin, Pyriz- Saatig und Naugard- Regenwalde. Je eine natio­nalliberale und fortschrittliche Kandidatur sollen aufge= stellt werden in den drei Wahlkreisen Stolp- Lauenburg, Schlawe- Rummelsburg und Anklam- Demmin. In dem Wahlkreise Usedom- Wollin, der bei der Ersazwahl für den verunglückten freisinnigen Abgeordneten Delbrück an die Sozialdemokratie verloren ging, wird ein gemeinsamer wildliberaler Kandidat aufgestellt.

( natl.) hob in warmen Worten die Verdienste und die Be­deutung der Bestrebungen der Interparlamentarischen Union hervor, die sich die Förderung der schiedsgerichtlichen Bewegung angelegen sein läßt, und der Parlamentarter in aller Welt und aller Parteien angehören. Er dankte zu­gleich für den erstmalig eingestellten Beitrag von 5000 M. Abg. Frhr. v. Gamp( Reichspartei) unterstützte sehr lebhaft die Ausführungen des Staatssekretärs, wonach die Auswei­fung des Russen Montag, eines gemeingefährlichen Men­chen", wie er bezeichnet wurde, völlig gerechtfertigt war. Abg. Ledebour( Sozd.), der bei der Erörterung dieses Falles fich scharf gegen den Staatssekretär von Ktderlen- Wächter wandte, erhielt zwet Ordnungsrufe. Zum Etat des Junern hielt der Sozialdemokrat Hengsbach eine längere Rede über Arbeiterverhältnisse. Staatssekretär Delbrüd griff in die fozialpolitische Debatte ein und wies auf seine Darlegungen Bet der zweiten Lesung hin. Den Etat des Innern hatte man auch in dritter Lesung noch mit einigen Resolutionen bepackt, die zum Teil in der zweiten Lesung abgelehnt wa= ren, wie denn überhaupt die ganze Generaldebatte bei die­fem Etat mehr eine kurze Nachlese von Ueberbleibseln der awetten Lesung war, während sich die Spezialdebatte zu ei­nem Rededuell Stresemann- Röside zuspizte, wobet Abg. Stresemann die vom Abg. Röside angefochtene Produktions­statistik des Hausabundes verteidigte. Erst in später Abend­stunde gelang es den Etat des Reichsamts des Junern fertig zu stellen, so daß Aussicht vorhanden ist, daß der Reichstag fchon am Dienstag abend in die Ferien gehen kann.

Kleine Nachrichten.

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Eine halbe Million mehr Einkommensteuer in Berlin Nach Mitteilung des Vorsitzenden der Berliner Einkom mensteuerveranlagungskommission ist das vorläufige Ein­tommensteuersoll für die Stadt Berlin nur um 400 000 bis 500 000 höher als im Vorjahre. Der Jahresbetrag der überhaupt veranlagten Steuer betrug im Vorjahre 42255307 Marf, für 1911 42 736 311 Mart, mithin mehr 481 004 Mark. Zur Charakterisierung des Zeugfeldwebels Müller, der, wie gemeldet, vom Oberkriegsgericht Frankfurt wegen Mor­des an seiner Geliebten zum Tode veruteilt worden ist, wird einem Berliner Blatte mitgeteilt, daß Müller, nachdem das Verdikt ausgesprochen war, mit Erlaubnis des Gerichtsvor sitzenden selbst ein Telegramm an seine Eltern geschickt hat, worin er ihnen das Todesurteil zur Kenntnis brachte.

Zur dritten Etatslesung sind im Reichstage eine Reihe neuer Resolutionen gestellt worden. U. a. beantragt das Zentrum zum Postetat, die nicht etatsmäßigen Unterbe­amten, sowie die zum Aufrücken in Unterbeamtenstellen bestimmten Arbeiter und Handwerker der Reichspostver­waltung spätestens nach 10jähriger Dienstzeit etatsmäßig anzustellen.

Bei der gestrigen Stichwahl zum sächsischen Landtag im Wahlkreise Leipzig- Land wurde der Sozialdemokrat Lagerhalter Möller mit 5379 Stimmen gewählt. Der frei­fonservative Gemeindevorstand Zeller erhielt 5172 Stim­men. Früher wurde der Wahlkreis durch den verstorbe= nen Abgeordneten Dürre vertreten.

Ein Wort zur ,, Abrüstung. Lord Roberts über Bethmann Hollwegs Rede. Der englische Generalfeldmarschall Lord Roberts brachte am Montag im Oberhause folgende Resolution ein: Ange­fichts der veränderten strategischen Verhältnisse in Europa betrachtet das Haus die ungenügenden militärischen Vorbe reitungen, die die Regierung für die Verteidigung des Reiches getroffen, mit schwerer Sorge. Lord Roberts sagte in Begründung seiner Resolution: Ich bin einigermaßen in Verlegenheit, daß ich diese Resolution einbringen sollte, während der Ereignisse, durch welche die Hoffnung auf eine allgemeine Abrüstung und auf einen allgemeinen Frieden wachgerufen wird, eine Hoffnung die, wie man und sagt, fehr schnell in Erfüllung gehen wird. Aber durch ein ganz unerwartetes Ereignis ist meine Verlegenheit gemindert

7)

Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümd c. ( Nachdruck verboten.)

Das Eisenbahngleis als Ruhestätte. In der vergange­nen Nacht legte sich ein obdachloser Mann mit einem Kna­ben vor der Station Schönwald bei Gleiwiß zum Schlafen auf den Eisenbahnkörper nieder. Ein Zug fuhr über beide hinweg. Der Mann wurde getötet, der Knabe blieb unver­letzt.

Ein tödlicher Unfall hat sich in der Artillerickaserne in Turin ereignet. Zwei Korporale und vier Soldaten beug­ten sich zu einem Fenster hinaus. Die Fensterbrüstung gab nach und alle sechs stürzten zwet Stockwerk hinab. Drei waren auf der Stelle tot, die anderen sind schwer verwundet.

Der Gatte als Wüterich. In Obereichelsheim bet seil­bronn hat der Eisengießer Merkle seine Frau durch dret Messerstiche in den Hals lebensgefährlich verletzt. Er gibt an, daß er seine Frau, seine fünf Kinder und sich selbst habe töten wollen. An der Ausführung seines Planes wurde er durch die auf das Gefchrei der Frau herbeieilenden Nach­baru gehindert.

Eine tödliche Bergisinug durch Wasserschierling wird aus Danzig gemeldet. Auf einem Spaziergange fanden vier Knaben Wasserschierling und aßen von den Wurzeln. Zwei 8 und 9 Jahre alten Knaben sind gestorben; die beiden anderen konnten gerettet werden.

Zur Abrüstungsfrage wird in der, Magdeb. Zeitg." daran erinnert, daß bereits in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Frage der Abrüstung zwischen den kontinentalen Großmächten auf der Tagesordnung stand. Auf dem Wiener Kongreß 1814 bis 1815 wurde die Angelegnheit zum erstenmale erörtert, allerdings ohne praktischen Erfolg. Die Angelegenheit ruhte, bis Louis Philipp im Jahre 1830 die Sache entschieden in die Hand nahm. Frankreich war damals der Urheber und Förderer des Abrüstungsgedankens, der schließlich nach jahrelangen Berhandlungen insofern feste Gestalt annahm, als Ruß­land, Desterreich, Preußen und Frankreich ein Protokoll vereinbarten, das einen Termin festsetzte, von dem an die vier Mächte mit einer bestimmten Verminderung ihres Heeres beginnen sollten. Zu einer Verwirklichung dieser Vereinbarung ist es niemals gekommen, da kurze Zeit darauf Rußland seinen Krieg gegen die Türket plante, womit von selbst der Versuch, die Abrüstungsidee in die Tat umzusetzen, zunichte wurde. Man ging stillschwei­gend über das Protokoll hinweg und kam auf die unaus­führbare Jdee nicht mehr zurück.

Heute hatte Hardt unbeschränkten Urlaub, er durfte Frau Rabens Einladung, bei ihnen den Tee zu trinken, Folge leisten, denn sein Vater war zum Statabend beim Forstmeister und Amtsvorsteher Ehrhardt im Dorfe.

Da der alte Raben eben vom Schlosse fam seine Feierabendstunden begannen punkt sieben Uhr-, so bega­ben sich die drei Freunde aus Hans Stübchen, wo sie bis­her geweilt, nach unten in die trauliche Wohnstube, in welcher sich um diese Zeit die Familie zu versammeln pflegte.

Da Hans natürlich auch den Eltern sein großes Glück nicht verschwiegen hatte und diesen die lange gehegte Hoffnung nunmehr verwirklicht schien, so war der heutige Abend im wahrsten Sinne des Wortes ein Feierabend".

So fröhlich wie heute hatte Hardi den ehrwürdigen Rentmeister noch niemals gesehen, und die nervöse Gattin, die sonst nur an ihre sieben Krankheiten dachte und von neuen Heilmethoden zu reden pflegte, schien völlig genesen.

Ein schweres Brandunglück hat sich in dem hannover­schen Städtchen Misburg ereignet. Im Wohnhaus des Schmieds Engelfe brach nachts Feuer aus, das so schnell um sich griff, daß die Frau des Besitzers und ein sechsjähri­ger Enkel nicht mehr gerettet werden konnten und in den Flammen umkamen.

Ministerkrisen überall. Jetzt ist auch in Japan eine Ministerkrisis ausgebrochen. Der Minister für das öffent­liche Unterrichtswesen hat seine Demission eingereicht, weil im Parlament eine scharfe Kritik gegen die Organisation des Unterrichtswesens gerichtet wurde. Das gesamte Ka­binett würde gern mit dem Unterrichtsminister demissio= nieren, wenn es nicht verhindert wäre durch die Verhand­lungen, die Japan mit England angeknüpft hat zwecks

Erna sah wie verklärt aus, denn des Bruders Glück war ihr eigenes.

Zu Hardis größtem Leidwesen, aber jedenfalls zur be­sonderen Freude der Familie Raben, fand sich nach dem Abendbrot auch Woltersdorf wieder ein. Daß die redselige Hausfrau diesen Menschen gleich in alles einweihte, be­fremdete den Leutnant nicht wenig.

Sollte der Papa wirklich mit seiner Andeutung von Heiratsplänen Rabens, die er nicht durchkreuzen durfte, recht gehabt haben?

Ein Vater mit vier Kindern ertrunken. Bei Bergen überfuhr ein Dampfer ein Boot. Von den Insassen, einem Ehepaar mit sieben Kindern, ertranken der Vater und vier Kinder; die übrigen wurden gerettet.

Eine Familientragödie wird aus Neichenberg in Böh­men gemeldet. Dort sprang der Tuchmachergehilfe Klein nach einem ehelichen Streit in die hochangeschwollene Neiße. Seine Frau, die ihn zurückhalten wollte, stürzte ihm nach. Beide verschwanden in den Fluten und ertranken.

großartigen Humoristen vielleicht bald gewöhnt haben. So aber sah er in demselben einen Menschen, der ihm in We­delstein höchst überflüssig schien. Das war ja eigentlich ungerecht. Aber Woltersdorf schien es nicht zu empfin­den, er bemühte sich vielmehr mit allen Künsten der Heu­chelei, auch des Leutnants Gunst zu gewinnen.

Selbst Sans schien dieser zungengewandte Inspektor zu gefallen. Er verstand es ja auch so vorzüglich, sich ein­zuschmeicheln.

Hätte ihn die Eifersucht nicht voreingenommen, so würde sich Hardi an den interessanten Gesellschafter und

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Aus den Gerichtssälen.

Verurteilung wegen Mißhandlung eines Lehrers. Der Arbeiter Kritschke und Frau aus Oranienburg bei Berlin, die eines Abends auf der Landstraße dem Lehrer ihrer Kin­der auflauerten und ihn mit Stöcken derart mißhandelten, daß er mehrere Wochen in ärztlicher Behandlung sein mußte, wurden von der zweiten Straffammer des Landge­richts Berlin III wegen vorsätzlicher Körperverlegung mit etnem gefährlichen Werkzeuge und zwar der Ehemann zu 9 Monaten, die Frau zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten haben den Lehrer aus Rache geschlagen, weil er sie mehrfach wegen Schulversäumnis ihrer Kinder angezeigt hatte.

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Einen heftigen Zusammenstoß zwischen Zigeunern und der Polizei gab es gestern nachmittag auf dem Pferdemarkt in Frankfurt a. M. Die Zigeuner waren unter sich wegen eines Pferdehandels in Streit geraten, als ein Schußmann einschritt, um die Hauptschreier zu verhaften. Dabei fiel aber aus der Mitte der Zigeuner ein Schuß. Die Zigeuner umringten den Schuhmann und entrissen ihm den Verhaf= teten. Darauf gab der Schußmann das Notsignal, worauf brei weitere Schutzleute erschienen, die ebenfalls von den Zigeunern und ihren Weibern tätlich angegriffen wurden. Die Beamten zogen darauf blank; mehrere Zigeuner wur­den mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Bei

Ja, wer war dieser Mensch eigentlich? Alle, die ihn kannten Hardi allein ausgenommen, mochten ihn gern, nicht nur die ihm Gleichgestellten und die Vorneh­men, nein, auch das Gesinde, Arbeiter, Knechte und Mägde. Und dennoch täuschte den jungen Offizier sein durch die Eifersucht geschärfter Blick nicht. Es steckte fein guter Geist in diesem Manne. Lug und Trug, erbärmliche Heuchelei, schnödester Egoismus, das waren Woltersdorfs hauptsäch lichsteCharaktereigenschaften. Ach, hätte alle diese arglosen Leute, die ihn hier so hochschätzten, nur einen einzigen Blick in seine bewegte Vergangenheit werfen dürfen, sie würden sich mit Abscheu von ihm gewandt haben. Und er empfand feineswegs Reue über seine Schandtaten, setzte vielmehr seine Gaunereien ganz in der Stille in sehr raffinierter Weise fort. Bisher war es ihm hier auf Schloß Wedel­stein allerdings noch nicht möglich gewesen, seinen Herrn, der ihm unbeongtes Vertrauen schenkte, um größere Be­träge zu beschwindeln. Aber die Zeit, wo ihm das ein Leichtes wäre, mußte tommen, war seine Hofnfung. Wenn er Erna Raben geheiratet hätte, dann würde deren Vater sich zur Ruhe ſegen und er zweifellos Rentmeister werden. Und das wäre so ein Posten, an dem sich etwas verdienen ließe.

Gut besessen, verlassen, um in Amerika sein Glück zu su­chen. In Chikago machte er die Bekanntschaft einer wohl­habenden Kaufmannsfamilie, wußte sich deren Vertrauen zu erheucheln und verlobte sich mit der einzigen Tochter Mary, lediglich, um das Vermögen ihrer Eltern zu sehr gewagten Spekulationen zu benutzen. Da seine Unterneh­mungen anfänglich guten Erfolg hatten, ließen die Leute ihm völlig freie Hand. Und da betrog er sie ebenfalls in nichtswürdigster Weise, brachte sie um Hab und Gut, machte sich dann aus dem Staube, die Braut in Schande und Elend zurücklassend, und fehrte nach Europa zurück. Unterwegs erlitt er Schiffbruch, verlor alles, was er an Geld und Gut ergaunert und rettete nur mit genauer Not das nackte Leben. Ein Jahr nach seiner Heimkehr trat er hier in Wedelstein die Inspektorstelle an.

Ueber Woltersdorfs Heimat wußte man nichts Be­stimmtes. Er sprach nie von derselben, wie er denn über­haupt vermied, über die Vergangenheit zu reden. Daß er mehrere Jahre in Amerika gewesen, hatte er freilich öfter erwähnt.

Nachdem er durch eine ganz gemeine Erbschleicherei in den Besitz eines kleinen Vermögens gelangt war, hatte er seine pommersche Heimat. in der sein Vater ein kleines

Das war der interessante, liebenswürdige Herr, dessen geistreichen Gesprächen soeben die Familie Raben und Hardi lauschten.

Es ist übrigens Zeit, daß ich aufbreche," sagte der lettere, sich erhebend.

" Ich begleite Dich bis ans Schloß, habe Kopfschmer­zen, und draußen ist es herrlich wie in einer Maiennacht." Damit schloß Sans sich seinem Freunde an. Woltersdorf ließ sich nicht vergebens nötigen, noch ein Viertelstündchen zu bleiben. Als die beiden eben gegangen waren, sagte er mit dem ehrlichsten Gesicht von der Welt, trotzdem er Hardi Tod und Verderben aus Herzensgrund wünschte: ,, Ein angenehmer Mensch, der junge Herr! Hat so etwas Kindliches. Ein hübsches Herrchen übrigens. Kann mir wohl denken, daß der in der Frauenweltt- pardon, meine Damen! ich spreche natürlich von einem gewissen Teil des weiblichen Geschlechts, von jenem Teil, der sich allzu leicht betören läßt! Also, ich kann mir wohl denken, daß der Herr Leutnant in den Kreisen jener Frauen ge­waltiges Glück gehabt hat. Halte es durchaus nicht für übertrieben, was er hier gelegentlich von unzähligen Lie­besabenteuern erzählt haben soll."( Fortsetzung folgt.)

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