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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oterteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint jeden Werktag früh.- Die Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 81.

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Telephon: Nr. 362.

die Gießener Zeitung" bisher nicht abon­niert hat, kann dem Leserkreise von jetzt ab beitreten. Bestellungen werden in Gießen von den Zeitungsträgerinnen u. der Expedition, Selters, weg 83( Baden), außerhalb von allen Postanstalten ent­gegengenommen. Der Bezugspreis beträgt in der Stadt Gießen wie bei unseren Landagenturen 50 Pfg. den Monat

frei ins Haus.

Die Partei der Stimmziffer.

Der alte Bebel hat in seinem Hamburger Wahlkreise seine Kandidatenrede gehalten und sich dabei auch über die bei den allgemeinen Wahlen zu befolgende Taktik der Sozialdemokratie geäußert, nicht zur Freude der frei­sinnigen Sozenfreunde. Denn er hat wieder einmal wie oft soll er's eigentlich noch? aufgeräumt mit Großblochoffnungen und aufgeräumt mit dem holden Wahn, die Sozialdemokratie möchte, zum größeren Scha­den des schwarz- blauen Blocks", zwecks taktischen Zu­sammengehens auf Zählkandidaturen verzichten und den Sieg des entschieden Liberalen fördern.

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Es ist noch immer nichts mit der nun schon reich­lich lange erwarteten Mauserung der Sozialdemokratie, noch immer nichts mit dem Antiblock". Die Sozialde­mokratie hat's eben nicht nötig, irgendwelche Rücksichten auf ihre Freunde von der entschiedenen Linken zu neh­men, die für sie ja doch letzten Endes den Bourgeois­geruch an sich haben.

Der Freisinn aber zerdrückt eine Träne im seelen= vollen Demokratenauge.

Und tritt Dir einer vor den Wanst,

So stöhn': es hat mir wohlgetan! Diese schönen Worte, die die Jugend den Gießener Nationalliberalen widmete, passen sie nicht in weit hö­herem Maße auf die Herren vom Freisinn, die entschlos= sen sind, der Sozialdemokratie den Stiefelputzer zu ma­chen ,,, selbst wenn sie die Parole: mit Links gegen Rechts ihrerseits nicht befolgt und durch Aufstellen eigner, aus­sichtsloser Kandidaten den Sieg eines Schwarz- Blauen fördert?"

Ob

Vier Millionen Stimmen und 50 Mandate sind mir lieber als drei Millionen Stimmen und hundert Man­date" hat Bebel gesagt. Und er hat recht vom Stand­punkt der Sozialdemokratie. Die Tatsache, Viermillio­nenpartei zu sein, ist für sie ein unendlich besseres Agi­tationsmittel als eine starke Reichstagsfraktion. Schon deshalb, weil man in der Sozialdemokratie mit den Mandaten doch nichts Rechtes anzufangen weiß. fünfzig Leute zu allem" nein" sagen, oder ob es achtzig oder hundert sind, bleibt in der Wirkung nach außen völlig gleich. Oder vielleicht: es bleibt sich insofern nicht gleich, als bei hoher Mandatsziffer doch hier und da im Kreise der Genossen der Wunsch nach praktisch wahr nehmbaren Erfolgen sich regen könnte. Und daran ist ja nicht zu denken, soll nicht gedacht werden. Denn wenn man so bewußt auf die Grundlage zur Mitwir­fung an gesetzgeberischer Arbeit und auf das Mittel zur Ausübung politischer Macht verzichtet, wie Bebel es hier tut, so ist das eben wieder ein Beweis dafür, daß man in der Sozialdemokratie nach wie vor nicht an positives Schaffen denkt, und daß die links genährte Hoffnung auf ihre Erziehung zu praktischer Mitarbeit ein frommer Wunsch bleibt, wie manches andere. Wie das überdies auch aus der deutlichen Absage an die Hoffnungsmeier" des Großblocks hervorging.

Vielleicht ist es auch noch eine andere Erwägung, die Bebels Abneigung gegen gemeinsam taktisches Vor­gehen mit der Linken und gegen eine hohe Mandats= ziffer begründet: die Frage nach der Lebensdauer des nächsten Reichstages. Mit 120 Sozialdemokraten, etlicher. 60 Freisinnigen ist unter Hinzunahme der Polen, Wel­fen 2c. eine positive Arbeit stark gefährdet, wenn nicht unmöglich. Und damit ist die Notwendigkeit der Auf­lösung, des erneuten Appells an die Wähler gegeben. Das aber kann der Sozialdemokratie nicht gerade wün­schenswert sein, denn der Umschwung in den Wähler-, vor allem den Mitläufermassen wird sich dann in für­zester Zeit vollziehen, und die extreme Linke wird die Zeche zu begleichen haben. Das zu vermeiden, ist vom Sozialdemokratischen Standpunkte nur taktisch flug, denn dann bewahrt sie den Nimbus der hohen Stimmen= zahl.

Und wenn die Freisinnspresse nun Herrn Bebel gu­ten Rat weiß, wie er durch Aufstellen mehrerer Kandi­

der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei- Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Mittwoch den 5. April 1911

daten in einzelnen Kreisen die hohe Stimmziffer errei­chen und dabei doch die Stärkung der gesamten Linken fördern könne, so sind wir zwar überzeugt, daß dieser Rat aus einem guten Herzen kommt, daß er aber schwerlich befolgt werden wird. Erstens aus taktischen Gründen, und zweitens, weil die Sozialdemokratie sich um ihrer freiwilligen bürgerlichen Helfer willen nicht von ihrem geraden Draufgehen ablenken lassen wird.

( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

| renzfalle die mündliche Befähigung für die Hauptnote ausschlaggebend sein. Die Note ungenügend" in einem Hauptfach wird durch eine Note 3 in einem anderen Hauptfach bei der Versetzung aufgehoben. Zum Matu­rum wird nur zugelassen, wer die Note ungenügend" in einem Hauptfach durch eine vorausgehende besondere Prüfung in diesem Fach vorher beseitigt hat.

Gießen, 5. April. In einem soeben an die Eisenbahndirektion ergangenen Erlaß des Eisenbahn=

Wozu soll sie's auch? Sie weiß, der entschieden li­berale" Troß folgt ihr auch ohne Entgegenkommen ihrer- ministers wird darauf hingewiesen, daß die planmäßi­seits. Und wenn er's nicht täte, wär's ihr auch noch gleichgültig. Ihre Parole ist einfach und klar und hat mit der Großblockidee nichts gemein: Viermillionen­partei.

Der Freisinn aber ist in der Lage des betrübten Lohgerbers, dem die schönen Felle der erschlagenen Schwarz- Blauen" davonschwimmen.

,, Unentwegt" wie er ist, wird er aber weiter mit Manneswürde" der roten Internationale nachlaufen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. April 1911. Gießen, 4. April. Das Großherzogs paar, in Begleitung von Landgraf und Landgräfin Chlodwig von Hessen, Prinzessin zu Solms- Lich und Gefolge, traf gestern, von Darmstadt kommend, in Frank­furt ein und stieg im Engl. Hof" ab. Die Herrschaften wohnten dem Konzert des Rühlschen Gesangvereins im Saalbau bei, nahmen dann im Englischen Hof das Diner ein und kehrten hierauf nach Darmstadt zurück.

- Gießen. Mit dem 1. April sind versetzt worden der berittene Wachtmeister Eichenauer von hier nach Groß- Gerau als Fußgendarm; Wachtmeister Matthes von hier nach Alsfeld und der berittene Wachtmeister Janson von Alsfeld nach Gießen.

* Gießen, 5. April. Nächsten Sonntag tagt hier der Landesverband hessischer Architekten, er verbindet mit seiner diesjährigen Generalversammlung eine lusstellung von Plänen und Zeichnungen kunstgewerblicher Erzeug­nisse seiner Mitglieder. Nach den zahlreich eingelaufenen Anmeldungen werden Entwürfe von Kleinwohnungs bauten ganz besonders stark vertreten sein. Die Ausstel­lung ist in der alten Klinik, der Verbandstag in Steins Garten.

*) Gießen, 5. April. Der diesjährige Verbands­tag der Gabelsberger Stenographenvereine findet hier vom 1. bis 3. Juli statt.

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* Gießen. Ausbildung von Handar beitslehrerinnen. Man schreibt uns: Wie aus dem Inseratenteile ersichtlich, beginnen die neuen Kurse der Abteilung 1 des Alice Schul- Ver­eins- Seminar zur Ausbildung von Handarbeits­lehrerinnen und Gewerbeschule für alle weiblichen Hand­arbeiten Dienstag, den 25. April. Die seitherige ver­dienstvolle Leiterin, Oberlehrerin Lina Moeser, legte mit Schluß des letzten Schuljahres, eines Augenleidens wegen, ihr Amt nieder, das sie 23 Jahre hindurch mit größtem Eifer und treuester Pflichterfüllung ausgeübt hat. An ihre Stelle tritt eine am Lettehaus in Berlin ausgebildete staatlich geprüfte Lehrerin, Fräulein Hed­wig Hoppe, die schon einige Jahre als ausbildende Lehrerin von Handarbeitslehrerinnen tätig war. Die Leitung des Ganzen Abt. 1 wurde in die Hände von Fräulein Mathilde König, preuß. Gewerbeschul­lehrerin, gelegt. An diese sind alle Anfragen, Anmel­dungen und Forderungen zu richten. Daß mit diesen Veränderungen zugleich auch auf verschiedenen Gebieten eine Umgestaltung verbunden ist, erscheint selbstverständ­lich gilt es doch mit der raschlebigen Zeit und ihren wachsenden Werten Schritt zu halten und zu bedenken, daß Rasten heißt Rosten. Besondere Erwähnung ver­dienen die zusammengesetzten Kurse, in denen die Grund­lage für jegliche Handarbeit gelegt wird. In diesen er­lernen die Schülerinnen gründliche Anleitung in Weiß­und Maschinennähen, Stopfen und Flicken, um dann wohl vorbereitet mit bestem Erfolge und Nutzen die Ein­zelkurse besuchen zu können. Verständige Mütter wer­den die Notwendigkeit und Nützlichkeit dieser Vorstufe sofort einsehen. Nur da, wo ein guter Grund gelegt ist, kann man ruhig und sicher aufbauen.

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Gießen, 5. April. Mit dem 1. April endete in diesem Jahre in allen hessischen höheren Lehranstal: ten das laufende Schuljahr. Für die Aufstellung der Klassenzeugnisse kam diesmal eine in den letzten Tagen erst erlassene Ministerialverfügung der obersten Schulbe­hörde zum ersten Male zur Anwendung, wonach bisher in Deutsch, Lateinisch, Griechisch, Französisch und Mathematik gebräuchlichen geteilten Noten für mündliche und schriftliche Befähigung nicht mehr zulässig sind. Es darf fernerhin auch für diese Hauptfächer nur noch eine Hauptnote erteilt werden und zwar soll im Diffe

gen Dienstschichten des gesamten Personals höchstens 15 Stunden dauern dürfen. Nur, wenn es gilt, eine Rück­fehr des Dienstpersonals zur Heimat zu ermöglichen, darf eine dienstlose Heimfahrt die Grenze der 15. Stunde um ein Mäßiges überschreiten. Soweit noch 16stündige Dienstschichten bestehen dürften, sind sie sofort zu besei­tigen. Als einheitliche Höchstgrenze für die zulässige In­anspruchnahme der Eisenbahnbetriebsbeamten seien aller­dings von den Bundesregierungen mit Staatsbahnbesitz 16 Stunden festgesetzt worden, für die preußisch- hessische Staatsbahnverwaltung seien aber die milderen Dienst­dauervorschriften unverändert in Kraft geblieben.

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Gießen, 5. April.( Bodelschwingh- Denkmal.) Am 2. April war es ein Jahr her, daß in Bethel bei Bielefeld Pastor D. v. Bodelschwingh, der Leiter der dortigen Anstalten, gestorben ist. Bekannt ist seine Tätigkeit auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge. Er hat Bethel zu der größten Anstalt für Epileptische gemacht, die es gibt. Er war der Gründer von Wilhelmsdorf, der ersten deutschen Arbeiterkolonie, und ein Bahnbre cher bei der Bekämpfung der Not der sogenannten ,, rei­senden Handwerksburschen" Weniger bekannt ist, daß er auch für die deutschen Kolonien mit hingebender Liebe gewirkt hat. Er war der Vater und Leiter der Mis­sionsgesellschaft für Deutsch- Ost- Afrika, die mit etwa 30 europäischen Missionsarbeitern in Usambara und Ruanda tätig ist. In der letzten Zeit seines Lebens weilten seine Gedanken mit Vorliebe in Ruanda, am Kiwusee, dem schönsten See Afrikas. Dort soll ihm auch ein Denk= mal gesetzt werden in Gestalt eines Motorbootes, das plötzlichen Stürmen ausgesetzt ist, denen die gebrechlichen den Namen Bodelschwingh" tragen soll. Da der See Fahrzeuge der Eingeborenen so leicht zum Opfer fallen, so ist ein solches Boot notwendig. Es wird nicht nur den Missionaren bei ihren Reisen dienen, sondern auch sonst zu Verkehrs- und Transportzwecken gebraucht wer­den. Die 3000 Kranken in Bethel bei Bielefeld haben schon angefangen, für dieses Denkmal zu sammeln. Aber vielleicht findet sich sonst noch mancher, der das An­denken des großen Mannes durch einen Beitrag zu der Sammlung ehren möchte. Gaben nimmt entgegen die Ostafrika- Mission in Bethel bei Bielefeld.

Worms. Ein furchtbares Gewitter, begleitet von schwerem Hagelschlag, ging über Monsheim und Umgebung nieder. In den Weinbergen wurde durch die gewaltigen Wassermassen großer Schaden angerichtet; große Löcher wurden in den Boden gerissen und Weinstöcke stellenweise eine Viertelstunde weit fortgeführt. In Nieder- Flörsheim lagen viele Hasen und Rebhühner tot auf dem Felde.

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rich Werner 3. zu Wieseck ist Milzbrand festgestellt * Wieseck, 5. April. Bei einer Kuh des Hein­worden, desgleichen bei einer Kuh des Heinrich Ernst zu Bellersheim.

* Lichtenberg. In unserem Städtchen regt es sich von Frühjahrsarbeiten. Das gewaltige Schloß ist bekanntlich vor 5 Jahren zu einem Erholungsheim der Beamten des Reichsverbandes der deutschen land­wirtschaftlichen Genossenschaften hergerichtet worden. Jahr für Jahr ist die Zahl der Heimgäste gewachsen. Zum Teil aus den entlegensten Ostseeprovinzen des Reiches, aus Preußen und Posen waren erholungsuchende Ge­nossenschaftler hier anwesend, um in der herrlichen Luft auf der Höhe des Lichtenbergs Lunge und Nerven zu stärken. Der stets wachsende Zudrang bringt die In­anspruchnahme neuer Räume des alten Schlosses und da­mit die Ausführung neuer Herstellungen.

Literarisches.

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Unsere Klassiker im Volksmund. Ein kleiner Zitatenschat. Herausgegeben von Richard 3003mann. Leipzig, Hesse& Becker Verlag. Preis 20 Pfennig, kartoniert 50 Pfg. Gleich ausgezeichnet durch Billigkeit, Handlichkeit, praktische Form und Inhaltsfülle bei aller Knappheit! Die alphabetische Zusammenstel= lung nach Dichtern und deren einzelnen Werken macht das Schriftchen gerade wegen seiner Uebersichtlichkeit zu einem Kompendium und Nachschlagewerk, zu einem Nimm mich mit" bei der Lektüre zu Hause, in der Ta­sche des Reisenden, in der Mappe des Schülers und Studenten, zu einem Ratgeber auf jedem Schreibtische.