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etwa 20 verhafteten Zigeunern fand sich ein ganzer Korb voll Schlagringe, Dolche, Meffer und Revolver.

Ein entseglicher Unglücksfall ereignete sich in der Nacht zum Montage in einem Hause der Besselstraße in Berlin. Bet etner im Quergebäude wohnenden Familie war seit einigen Tagen ein vierjähriger Knabe besuchsweise unter­gebracht. Das Kind wurde gegen 9 Uhr abends zu Bett gebracht und schlief auch bald ein, während sich seine Ver­wandten im Nebenzimmer aufhielten. Der Knabe erwachte dann plötzlich, kletterte aus dem Bett heraus, stieg auf einen am halboffenen Fenster stehenden Stuhl und sah auf den Hof hinab. Dabei beugte sich der Kleine zu weit hinaus und stürzte fopfüber aus der Höhe des dritten Stockwertes auf ben gepflasterten Hof hinab, wo er mit zerschmetterten Glte dern liegen blieb. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur den infolge mehrfachen Schädelbruches und innerer Ver­legungen auf der Stelle eingetretenen Tod feststellen. Ein zwetter Todessturz trug sich in einem Hause der Vor­bergstraße in Schöneberg zu. Dort wohnt in der vierten Etage der 44jährige Kaufmann Fink mit seiner aus Frau und zwet Kindern bestehenden Familie in guten pekuntären Verhältnissen. Infolge geschäftlicher Ueberanstrengung hat­te sich bei dem Kaufmann seit längerer Zeit ein schweres Nervenleiden eingestellt, gegen das er vergeblich die Hilfe mehrerer Aerzte in Anspruch nahm. In der Nacht wurde er wiederum von einem sehr heftigen Anfall seines Leidens bes fallen. Er erhob sich, fleidete sich nur notdürftig an und stürzte sich dann kopfüber aus dem Fenster des Schlafzim­mers auf die Straße hinab, wo er mit zerschmettertem Schä­del tot Itegen blieb.

sen Draht an einem Hause zu befestigen, berührte aber mit dem anderen Ende des Drahtes die Hochspannungs­leitung, so daß der Strom von 4500 Volt Spannung durch seinen Körper ging. Es dauerte eine weitere halbe Stun de, bis es gelang, den Betäubten von seinem Sitz zu ent­fernen. Er gab kein Lebenszeichen mehr von sich, auch nicht, nachdem man längere Zeit durch Auf- und Abwärts: bewegung der Arme eine fünstliche Atmung hervorgerufen hatte. Erst als man gewaltsam den Mund öffnete und abwechselnd an der Zunge zog, nahmen die Lungen des Scheintoten ihre Tätigkeit wieder auf und nach zwei Stunden hatte der Verunglückte seine Sprache wiederer­langt. Außer Brandwunden hatte er feinen Schaden er­litten.

Ein deutsch- österreichischer Ueberlandflug. Die Bera­tungen über die Verwendung des ursprünglich für den europäischen Rundflug ausgesetzten 100 000 M- Preises des Verlages Ulstein sind zu einem vorläufigen Abschluß ge langt. Der Verlag hat beschlossen, die 100 000 M als B.- 3."- Preis der Lüfte dem Verein deutscher Flugtechnik zur Veranstaltung eines deutschen Ueberlandfluges zu über­geben. Es soll ein Ueberlandflug deutscher und österreicht­scher Flieger über deutschen Boden werden, der in Berlin beginnen und in Berlin endigen wird. Bei der Strecke sol­len diejenigen Städte berücksichtigt werden, mit denen be­reits Verhandlungen eingeleitet oder zum Abschluß gebracht waren. Bei der Ausschreibung sollen nach Möglichkeit die Bedingungen der Kriegsbrauchbarkeit berücksichtigt werden.

Ein furchtbarer Unglüdsfall hat sich in Esch- sur- Alzette, einer kleinen Stadt an der luxemburgisch- französischen Grenze, ereignet. Ein junger Arbeiter war damit beschäf­tigt, 2500 Dynamitpatronen in eine Kiste zu verpacken. Als er dann mit einem Hammer die Nägel in die Kiste einschlug, erfolgte eine kurze Explosion, die den Arbeiter in tausend Stücke zerriß und fie metlenweit fortschleuderte. Durch die Gewalt des Luftdrucks wurden zahlreiche Beschädigungen an den umliegenden Häusern angerichtet und der Bevölke­rung bemächtigte sich große Bestürzung.

Ein neues Berliner Riesen- Vergnügungsetablisse­ment. Von einer Londoner Finanzgruppe wird, wie die ,, B. 3. a. M." erfährt, die Gründung eines großen Ver­gnügungsetablissements in Moabit geplant. Ein Vertre­ter dieser Gruppe hat sich ein Grundstück gesichert, das in der Nähe des Bahnhofes Tiergarten direkt an der Spree liegt. Die Ausdehnung dieses Terrains ermöglicht, das Unternehmen besonders groß und umfangreich zu gestal­ten. Ebenso wie der Lunapark soll das neue Unterneh­men nach dem Muster amerikanischer Riesenetablissements eingerichtet werden.

Ein Straßentrawall als Folge einer Verkehrsstörung. In München entstand am Montag wegen einer unbedeu­tenden Verkehrsstörung, bei der ein Pferd zu Fall tam, ein Auflauf. Schuyleuten gelang es nicht, den Auflauf einzudämmen und die Strecke freizumachen. Die Menge Johlte und beschimpfte die Schußleute. Diese zogen blant, mußten aber vor der wütenden Menge flüchten, bis Sol­daten vom schweren Reiterregiment zu Hilfe kamen. Nach einer Stunde gelang es, die Ruhe wiederherzustellen. Es wurden zahlreiche Passanten verhaftet, von denen einige leicht verwundet waren.

Ein Jagdausflug ins innerste Asien.

Der Leutnant der anglo- indischen Armee P. T. Ether­ton, der in Chitral in Quartier lag, hatte nur eine große Sehnsucht: er wollte die weiten, unbekannten Gebiete im Herzen Afiens, die sich jenseits der Grenzen des indischen Neiches dehnten, durchstreifen und als leidenschaftlicher Jä­ger neue Sensationen im Erlegen seltener Tiere aus­foften. Seine höchste Sorge bestand nur darin, nun auch ein Land aufzufinden, das noch nicht von Reisenden und Jägern besucht worden sei, und das war gar nicht so leicht, denn das innerste Asien ist bereits von manchem kühnen Europäer durchquert worden. Wie er nun sein verwegenes Unternehmen schließlich durchsetzte und wenigstens einen Teil seiner Wünsche und Träume verwirklichte, hat er in einem amüsanten und inhaltsreichen Buche erzählt, daß er vor kurzem in London unter dem Titel Quer über das Dach der Welt, ein Jagd- und Reisebericht durch Kaschmir, Gilgit, Hunza, Pamir, Chinesisch- Turkestan, die Mongolei und Sibirten" veröffentlichte.

Nachdem er seine Vorbereitungen getroffen hatte, begann er am 15. März 1909 seinen denkwürdigen Jagdausflug von Landsdowne aus, cinem Winterquartier im Himalaja, 6000 Fuß über dem Meeresspiegel. Sein einziger ständiger Begleiter war sein eingeborener Bursche, der sich während der ganzen langen Wanderung trefflich bewährte. Andere Leute nahm er während des Ausfluges" vielfach in Dienst, aber sie blieben nur vorübergehend bei ihm und leisteten ihm selten gute Dienste. Zuerst ging die Reise nach Gilgit. Der Weg war außerordentlich beschwerlich, denn in der frithen Jahreszeit drohten in dem wilden Gebirgsland von allen Seiten die Lawinen. Nach den langen Mühen dieser Gebirgswanderung tat ein Aufenthalt von zehn Tagen in Gilgit wohl. Am 20. April 1909 ging die Fahrt weiter durch das Kanjuttal, von dem aus er durch den Mintaka­paß auf das Dach der Welt" gelangte. Bei den Pamirs angekommen, gab sich der Leutnant dem Vergnügen der Jagd hin und wandte sich dann auf einem unbekannten Wege nach dem Oberlauf des Yarkandflusses.

Das eingestürzte Polizeigefängnis. Aus Wien wird den Münch. N. N. geschrieben: Das ärarische Gebäude in der Leopoldstadt, in dem das Polizeikommissariat und der Einfachheit halber auch gleich die Räume für die Polizei­gefangenen untergebracht sind, ist seit Jahren schon so baufällig, daß eine private Partei aus diesem Hause schon längst wegen Einsturzgefahr ausgetrieben worden wäre. Man raunt sich gegenseitig zu, die Baufälligkeit des Hau­ses sei so groß, daß bei den Polizeiverhören nur mit lei­ser Stimme gesprochen werden dürfe und, daß der kühnste Verbrecher sich nicht getraue, dort eine einigermaßen un­verschämte Lüge vorzubringen, aus Angst, die Balken könnten sich biegen oder brechen. Man vermag sich die merkwürdige Tatsache, daß der Bau überhaupt noch steht, nur dadurch zu erklären, daß der Respekt vor der Staats­gewalt ihn zusammenhält. Das gilt allerdings nicht vom Polizeigefängnis und es fonnte daher nicht weiter wun­bernehmen, daß die Decke dieser traurigen Stätte ihrer Schiefen Lage endlich müde wurde und über Nacht zusam menstürzte. Vorsichtig natürlich, wie sich's für die Decke eines ärarischen Gebäudes gehört, so daß nicht einem ein­zigen Häftling ein Haar gekrümmt wurde. Der heilsame Schrecken, der die Gefangenen durch einen plöglichen Zu­sammenbruch ihre Herberge eingefagt wurde, konnte ihnen umsoweniger schaden, als damit für die meisten Verhafte­ten eine Art Amnestie verbunden war. Da nämlich für die thres Heimes Beraubten in der Nacht kaum eine andere Unterkunft zu beschaffen war, wurden die ,, leichteren Fälle" einfach freigelassen, während die schweren Jungen als Gäste in dem nächstgelegenen Polizeigefängnis unter­gebracht wurden.

Frauendemonstrationen aus Anlaß der englischen Volkss zählung. Am Montag morgen fand in Großbritannien eine Volkszählung statt, wobei alle Personen aufgenommen wur den, die um Mitternacht lebten. Die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts benutzten die Zählung zu einer Demon­stration gegen die Regierung. Unter dem Feldgeschret: " Keine Stimme, keine Zählung", riefen die Führerinnen der Bewegung ihre Partet auf, sich aus Opposition gegen die liberale Partet nicht zählen zu lassen. Da in einem Hause Verweilende wegen Verweigerung der Zählangaben be­ftraft werden, so blieb den Suffragettes nichts anderes lib­rig, als die Nacht unterwegs zuzubringen. Es war beab­fichtigt, auf der Straße und den Pläßen zu kampieren. Da es aber falt war, so fonnte man dies nicht durchführen. Nur etne kleine Zahl von Frauen verbrachte die Nachtstunden tm Freien. Der Versuch, die Volkszählung durch die passive Resistenz der Frauen unmöglich zu machen, ist also gänzlich mißlungen. Die große Armee der Heimatlosen Londons wurde mit Silfe der Heilsarmee, so gut es ging, gezählt. Patrouillen der Heilsarmee sammelten mit- und Logter­billets so viel Obdachlose als möglich in mehreren großen Hallen, wo sie nach erhaltener Stärkung von den Beamten. der Armee in die Zähllisten eingetragen wurden.

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Der gefräßige Einbrecher. Aus Berlin wird berichtet: Schlecht bekommen ist einem Einbrecher Richard Knote der Besuch, den er nachts einem Schankwirt in Schmargendorf abstattete. Knote brach dort vor einiger Zeit mit zwet Spießgesellen, den Arbeitern" Hugo Schmiedecke und Hugo Richter, ein und machte reiche Beute. Seine Helfershelfer wurden erwischt und festgenommen; er selbst entschlüpfte. Er hatte gesehen, daß bei dem Wirte noch mehr zu holen war, und es ließ ihm keine Ruhe, bis er in einem Schlosser Johann Hechner einen neuen Komplicen gefunden hatte, der bereit war, noch einmal mit ihm nach Schmargendorf zu gehen. Auch jetzt fand Knote außer anderen Sachen wieder allerhand Leckerbissen. Besonders tat es ihm die Haus­macherwurst an. Sie schmeckte ihm so gut, daß er davon nach seiner Schätzung gegen sieben Pfund auf der Stelle verzehr te. Diese Ueberfüllung des Magens aber bekam ihm schlecht; gleich nachdem er in Berlin eine Kaschemme erreicht hatte, wurde ihm übel. Er legte sich hin und schlief schließlich ein. Kriminalbeamte untersuchten derweil die Pakete, die er bet fich hatte, nahmen ihn fest und brachten ihn nach der Poltzet­wache, wo schon sein Spießgeselle eingetroffen war.

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Der Mann mit den vielen Schwiegermüttern. Ein recht geplagter Mann ist ein Gastwirt S., der im Zentrum Berlins ein flottes Geschäft betreibt. Dieser Gastwirt hat besonders unter seinen vielen Schwiegermüttern zu leiden. S. ist im Laufe der letzten fünfzehn Jahre fünfmal die Ehe eingegangen. Die Frauen sind ihm meist schon nach kurzer Ehe sämtlich weggestorben, geblieben aber sind ihm die Schwiegermütter. Diese Damen sind alle sehr streitbarer Natur und da sie sich für verpflichtet hielten, das Wohlerge­hen ihres Schwiegersohnes und seiner Kinder zu überwa­hen, so tommt es, wenn einmal einige dieser Frauen zu­sammenkommen, zu lauter Differenzen oder auch zu Brit­geleien. Drohungen, daß sie sich die Haare vom Kopfe ret­Ben wollen, gehören beinahe zu den Alltäglichkeiten. Am schlimmsten geht es zu, wenn einmal alle fünf Schwieger­mütter versammelt sind, dann regnet es Bemerkungen und Anzüglichkeiten, die selbst in einem Vokabularium Sökerfrauen nicht zu finden sind. Der bedrängte Gastwirt hat schon alle möglichen Schritte unternommen, um seine ver ehrlichen Schwiegermütter los zu werden, aber auf irgend eine Weise kommen sie ihm doch wieder auf den Hals. Aus Angst vor der sechsten Schwiegermutter will Herr S. nicht wieder heiraten.

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Franen, die trinken.

Bei dieser gefährlichen und anstrengenden Unterneh mung, die ihn durch ganz unbetretene Gegenden führte, kamt er über einen Paß, dem er den Namen Dogoi Dotcher gab. So seltsam wie der Name ist der Ort selbst, eine unheimliche, von phantastischen Naturformen umgebene Stelle. An die­sem wunderlichen Fleck Erde passierte ihm ein Unglück, in­dem ein mit sehr wichtigen Gegenständen beladener Yak in einem Abgrund 2500 Fuß herabstürzte und seine wertvolle Last auf Nimmerwiedersehen mit sich nahm. Von Yark­land aus mußte Etherton wieder betretene Pfade einschla­gen, aber das Glück winkte ihm in den herrlichen Jagdge­genden des Tian Schan, An den verschiedenen wichtigen Plätzen, die er berührte, trat er in voller englischer Leut­nantsuniform auf, ward von den chinesischen Behörden freundlich aufgenommen, reichlich bewirtet und tatkräftig für seine Reise unterstützt. In diesen fruchtbaren Jagd­gefiloen erlegte er manch seltenes Tier; so fonnte er meh­rere der seltenen asiatischen Wapitis und Steinböcke erbeu ten; das längste Steinbockhorn, das er mit fort nahm, war 55 Zoll lang.

Aber in diesem lustigen Treiben, dem er sich mit voller Seele hingab, überraschte ihn der Winter, und als er nun daran ging, den Altan zu übersteigen, ward er von der schlimmsten Kälte überfallen, so daß ihm und seinem wacke­ren Burschen Giyan mehrere Glieder erfroren. In höchst elendem Zustande schleppten sie sich schließlich bis Zaisan, einer kleinen Niederlassung der russischen Militärpost, wo fle in einem dürftigen Hospital die so notwendige Heilung und Stärkung fanden. Hier berührten sie wieder die mo­derne Kultursphäre, und am 17. Gebruar 1910 bestiegen sie die transsibirische Eisenbahn, die sie nach Moskau führte. Nachdem sie ein volles Jahr unterwegs gewesen waren, langten sie schließlich in London an.

Der fühne Jagdausflug ist dem Leutnant ein unver­geßliches Erlebnis gewesen, von dem er in lebhaft farbiger Weise erzählt. Aber noch stärkeren Eindruck machte die Reise auf seinen Burschen, für den die Wunder und Erfah­rungen der langen Wanderung ihren Höhepunkt im An­blick der Weltstadt London erreichten. Bis wir Vlissingen elfeinhalb Monate nach dem Verlassen von Lansdowne er­retchten, hatte er noch niemals das Meer gesehen; nun tat fich die riesige Wasserfläche vor ihm auf, und dann stieg, ein noch größeres Wunder, vor seinen erstaunten Augen das ungeheure London empor, dessen Herrlichkeiten, beson ders die Untergrundbahn, er nicht genug bestaunen konnte."

Drahtnachrichten und neuestes.

Abreise des Kronprinzenpaares von Korfu. Korfu, 4. April. Die Hohenzollern mit dem Kront­prinzenpaare an Bord ist heute vormittag nach Brindisi in See gegangen.

11nbestätigte Gerüchte ans Maroffo.

o Paris, 4. April. Aus Tanger wird gemeldet, daß dort das Gerücht verbreitet sei, Fez sei von den aufständi­schen Stämmen eingenommen worden. Das Gerücht ist bisher unbestätigt. Weiter wird gemeldet, daß die dem Sultan feindlichen Stämme in Fez sich mit den Häuptlin­gen der Aufständischen verbunden und diesen die Tore der Stadt geöffnet haben. Der neue Muley Ismael ist auch in Fez zum Sultan ausgerufen worden. Inwieweit die Europäer durch die neue Lage betroffen sind, ist noch un­bekannt.

Kürzlich ist von einem amerikanischen Geistlichen be= wegliche Klage darüber angestimmt worden, daß in den Ver­einigten Staaten allen Mäßigkeitsbestrebungen zum Troß alkoholische Getränke auf zarte Lippen eine immer stärkere Anziehungskraft ausüben. Schon am Beginn unseres Jahrhunderts mußten in Neuyort allein in einem einzigen Jahre nicht weniger als 800 Frauen und Töchter der oberen Gesellschaftsklassen Trinkerheilstätten überwiesen werden. Die alte Welt hat jedoch keine Ursache, in dieser betrüb­lichen Hinsicht phartsäerhaft nach der neuen hinüberzublicken, denn auch diesseits des großen Waffers gibt es mehr als ein Land, in welchem der Dämon Alkohol unter dem zarten Geschlecht ziemlich viele mehr oder minder leidenschaftliche Anhängerinnen findet, wobei Erscheinungen zutage treten, dte wahre Seelenrätsel bilden. So war eine junge, ver­waiste Engländerin, die über ein nach Millionen zählendes Vermögen fret verfügte, schon im Alter von 20 Jahren we­gen öffentlicher, in sinnloser Trunkenheit begangener Ruhe­störungen fünfunddreißigmal polizeilich bestraft worden, und wenige Jahre später fonnte sie im Kreise gleichgesinnter Freundinnen ihre hundertste polizeiliche Verurteilung fetern. Als fte einst nach etnmonatlicher Saft entlassen war, schloß fie sich mit einer Anzahl Flaschen, die die stärksten geistigen Getränke enthielten, in ihr Zimmer ein und tranf fich zu Tode. Sonst haftete an threm Ruf nicht der geringste Makel. In London soll es nicht wenig Pastetenkäcker ge­ben, die zugleich einen heimlichen Ausschank der schwersten spirituosen Flüssigkeiten für trunksüchtige Ladies betreiben. Und dazu gefellt sich das heimliche Trinken zu Hause, das jenseits des Kanals wohl nicht gerade zu den Seltenheiten gehört, denn einer der angesehensten Aerzte des besten Stadtteils Londons hat in seiner langjährigen Praris nach dieser Richtung verblüffende Erfahrungen gemacht. Eines Tages erhielt er den Besuch einer Dame der höchsten Ge­fellschaft, mit Tränen in den Augen bat sie ihn, sie von ihrer unseligen Leidenschaft für geistige Getränke zu heilen. Über während der Beit, da sie mit ihm sprach, trank sie wieder­holt verstohlen Whisky aus einem Parfümfläschchen, das fie in ihrem Taschentuch verborgen hatte. Andere, die den Arzt aus derfelben Veranlassung konsulterten, sogen wäh­rend thres Besuches mit der unschuldigsten Miene von der Welt an dem Griff thres Regenschirms, der nicht zu klein, hohl und mit dem verführerischen Naß gefüllt war. Die Frau eines Mannes der vornehmen Londoner Welt wußte sich zu dessen Verzweiflung troh der sorgfältigsten Bewach= ung immer von neuem auf die verschiedenste Art hinter fetnem Rücken Spirituosen zu verschaffen. Man hatte schon die Hoffnung aufgegeben, hinter ihre Schliche zu fommen, als der Arzt fte eines Tages ganz durch Zufall auf frischer Tat ertappte. Bei einem seiner Besuche in der Wohnung der Trunksüchtigen brachte gerade der Angestellte eines Buchhändlers für die Dame des Hauses Bücher, die ihm verdächtig vorkamen. Er untersuchte sie, wobei ihm das un­gewöhnliche Gewicht eines Bandes aufftel, der sich als ein Behälter in Buchform für Flaschen herausstellte, die aller­lei sehr starke spirituose Getränke enthielten. Mehr als ein Ehemann hat im Innern eines Pianos eine verschwiegene Vorratskammer seiner holden Gattin für gebrannte Wasser und ähnliche Flüssigkeiten entdeckt. Leider wissen auch wohl die Trinkerheilstätten bei uns manche traurige Geschichte von weiblicher Trunkfucht zu erzählen.

Wiederbelebung vom elektrischen Strome Betäubter. Mit der zunehmenden Verbreitung der elektrischen Ueber­landzentralen und der Hochspannungsleitungen mehren fich auch die Unglücksfälle, die beim Berühren solcher Let= tungen eintreten. Es ist daher eine Erfahrung, über die In der Badischen Gewerbezeitung" berichtet wird, von allgemeinem Interesse. Es hat sich gezeigt, daß die Men­schen, die durch starte elektrische Entladungen betäubt worden sind, durch Anwendung der fünstlichen Atmung ebenso wie Ertrunkene wieder zum Leben gebracht werden tönnen. In der elektrischen Zentrale von St. Denis war vor einiger Zeit eine Betriebsstörung durch Kurzschluß eingetreten. Die Maschine wurde daraufhin angehalten und nach der Ursache der Störung geforscht. Nach etwa einer Viertelstunde fand man einen Arbeiter, der leblos auf einem Gerüst saß und einen Telegraphendraht noch in der Hand hielt. Er war damit beschäftigt gewesen. die­

Militär und Zivil in Frankreich.

Paris, 4. April. In Toulon wurde ein Sergeant vom 111. Infanterieregiment, als er einen Soldaten, der ihn nicht gegrüßt hatte, zur Rede stellte, von Vorüberge henden bedroht. Der Sergeant griff zum Revolver und verwundete einen 15jährigen Menschen schwer. Er wurde. verhaftet und soll von dem bürgerlichen Gericht abgeurteilt werden.

Eine Huldigungsfahrt Zeppelins nach Stuttgart. Stuttgart, 4. April. Graf Zeppelin wird am Frei­tag mit seinem Luftschiff Ersatz Deutschland" hierher fom­men, um dem König und der Königin aus Anlaß ihrer sil­bernen Hochzeit zu huldigen. Nachmittags erfolgt die Wei­terfahrt nach Baden.

Schwerer Straßenbahnunfall.

Hattingen, 4. April. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen ereignete sich zwischen Winz und Linden. Ein den steilen Winzer Berg herunterkommender Wagen stieß mit voller Wucht auf einen unten am Fuß des Berges haltenden Wagen. Viele Personen wurden schwer verletzt.

Rache eines abgewiesenen Freiers. Essen( Ruhr), 4. April. Ein 19jähriger Arbeiter er­schoß in Osterfeld eine Bergmannsfrau, die sein Verhält nis zu ihrer 15jährigen Tochter nicht dulden wollte.

Ein wahnsinniger Lokomotivführer. Wien, 4. April. Gestern abend hielt der Lokomotiv­führer eines Stadtbahnzuges auf offener Strecke an, stieg von der Maschine und troch unter die Lokomotive, angeb­Itch um nachzusehen, ob sich keine Bombe darunter befinde. Die Passagiere, deren sich eine große Aufregung bemächtigt hatte, überzeugten sich, daß fie es mit einem Irrsinnigen zu tun hatten und ließen den Mann, der auf der Fahrt wahnsinnig geworden war, nach dem Krankenhause bringen. Große Bauarbeiteraussperrung in Dänemark. Kopenhagen, 4. April. Die Einigungsverhandlun= gen zwischen den Arbeiterorganisationen und den Maurern find gescheitert. Infolgedessen trat heute früh die von den Arbeitgebern beschlossene Aussperruna in Kraft, von der 11 500 Arbeiter betroffen wurden.