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Kein Frauenüberschuß im Heiratsalter.

Die Heiratsanssichten der deutschen Mädchen.

Nach der vorletzten Volkszählung( 1905) übertrifft die Zahl der weiblichen Einwohner Deutschlands die der männ= lichen um 871 916. Die Frage ist aber, ob man nach dieser Ziffer die Heiratsaussichten der weiblichen Bevölkerung be= rechnen darf. In Schmollers Jahrbuch" vertritt der Ham­burger Statistiker R. C. May die Ansicht, man dürfe Frauen und Männer nicht mechanisch gegenüberstellen, sondern es müsse zuerst das Heiratsalter, das für beide Geschlechter in Frage kommt, an der Hand der Reichsstatistik ermittelt wer= den. Diese Ermittlungen ergaben nun, daß man den Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren die Männer im Alter von 21 bis mindestens 40 Jahren und höchstens noch ben Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren die Männer im Alter von 21 bis mindestens 45 Jahren gegenüberzustellen hat. Hierbei stellt sich heraus, daß die Frauen vom 30. Lebensjahre an überwiegend jüngere Männer heiraten. Die Heiratsaussichten der deutschen Frauen im allgemei= nen feten deswegen wesentlich schlechter, weil die Frau von 30 Jahren in der deutschen Frau anscheinend eine sehr ge= fährliche Vertreterin findet. Denn die Frauen, die sich in bem als interessant" gekennzeichneten Alter befinden, ran­ben den jüngeren Frauen anscheinend eine Menge soge­nannter guter Partien, da gar so viele jüngere Männer von älteren Frauen geheiratet werden.

Die Untersuchung hat schließlich ergeben, daß im Hei­ratsalter überhaupt kein Frauenüberschuß vorhanden ist, und daß die Männer erst für diejenigen Jahrgänge der weiblichen Bevölkerung rar werden, in denen die Heirat noch zu den Seltenheiten gehört. Also nicht im Heiratsalter liegt der Ueberschuß der Frauen, sondern erst nach dem­felben. Und für diese Jahre beträgt der Gesamtüberschuß ber weiblichen Bevölkerung im ganzen gerechnet nicht eine Million; diese Million bezieht sich einzig und allein auf die ledigen Frauen. Rechnet man aber alle Frauen zusammen, so ergibt sich ein Ueberschuß von Millionen. fommen 930 433, also nahezu die vielbesprochene Million, auf ben ledigen Stand, weiter sind 1 573 095 verwitwete und ge= schiedene Frauen darunter. Im Heiratsalter sind aber nur 284 000 überschüssige Frauen vorhanden. Diesem Ueber­Schusse stehen Männer höheren Alters gegenüber, während im Heiratsalter bis zum 30. Lebensjahre der Frau und zum 40. Lebensjahre des Mannes ein Frauenüberschuß über­haupt nicht vorhanden ist.

Davon

Interessant ist der Schluß, den der Statistiker aus seinen Beobachtungen und Berechnungen zieht. Er sagt, daß die Mütter selbst schuld daran sind, wenn der Frauenüberschuß noch immer ein so großer ist. Es werden nämlich mehr Knaben als Mädchen geboren. Es hat sich erwiesen, daß die Aufziehung der Knaben ungleich schwieriger ist, und daß die Rebenskräfte der männlichen Säuglinge geringer sind als bie der weiblichen. Wenn also alle Mütter ihre Söhne selbst nähren wollten, so würde der Frauenüberschuß sich im Baufe der kommenden Jahrzehnte von selbst verringern.

Unser guter Freund England.

Phantasien über die Aufteilung Chinas.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Das Schicksal des Enteignungsgesetzes. Es steht nun­mehr fest, so hört die N. G. C." aus zuverlässiger Quelle, daß das Enteignungsgesetz nicht zur Anwendung gelangen wird. Die Entscheidung ist jetzt von der maßgebendsten Stelle nach sorgfältiger Erwägung des Für und des Wider getroffen worden.

Eine amtliche Erhebung über die gegenwärtigen Zünd­holzpreise hat der Staatssekretär des Reichsschazamtes ver­anstaltet. Es ergibt sich daraus, daß der Großhandels­preis in neuester Zeit ganz erheblich gefallen ist. Früher betrug er zeitweise ohne Steuer mehr als 90 M für die Kiste( zu tausend Paketen, zu zehn Schachteln, zu 60 Höl­zern), jetzt ist er bis auf etwa 60 bis 65 M gesunken. Der Detailhandel ist dem Sinken der Preise noch nicht völlig gefolgt. Indessen werden, namentlich in den Warenhäu­sern, jezt vielfach für das Paket 25 statt früher 30, in einzelnen Warenhäusern für vier Pakete 95 h gefordert.

Die große Bewegung im deutschen Baugewerbe vom Frühsommer des vergangenen Jahres ist bekanntlich durch einen Vertragsschluß zwischen den streitenden Parteien beendigt worden. In diesem Vertrage ist, wie wir ge­legentlich schon mitteilten, zur Entscheidung grundsätzlicher Streitigkeiten ein Zentralschiedsgericht für das Bauge­werbe eingesetzt worden. Dieses tritt am Donnerstag den 5. Januar im Reichstagsgebäude sa Berlin zu seiner er­sten Sizung zusammen. Es besteht aus vier Arbeitgebern, vier Arbeitern und drei Unparteiischen, die mangels Eini­gung unter den Parteien auf deren Ersuchen vom Staats­sekretär des Innern ernannt worden sind.

Die Londoner Daily Mail" richtet neue Verdächtig­ungen gegen Deutschland, indem sie von einer deutsch­ussisch- japanischen Verschwörung zur Aufteilung" fabelt. Wenn in China die Sturmglocke der Revolution läutet, führt das Blatt aus, werde es sich zeigen, daß Deutschland, Nußland und Japan ein geheimes Bündnis abgeschlossen hätten, um das Reich der Mitte untereinander aufzuteilen. Dies Gerücht, erklärt die" Daily Mail", hat Glauben bei vielen Leuten gefunden. Das Blatt versucht den Ursprung des Gerüchts auf die Zusammenkunft zwischen Kaiser und Bar in Potsdam zurückzuführen, greift dann aber noch wei­ter zurück auf fene Bett, als der amerikanische Staatssekre= tär nor durch seinen unwillkommenen Vorschlag, die hinesischen Bahnen zu internationalisieren", eine Ver­ständigung zwischen Rußland und Japan beschleunigte. Hier setzt das Gerücht ein mit der Behauptung, daß damals schon Deutschland als dritter in diesem Bunde aufgenom= men wurde, dessen Endzweck die Aufteilung Chinas im_ge= gebenen Momente sei. Natürlich alles Erfindung, versichert die Daily Mail immer wieder übere frig. gibt sich dann aber doch die Mühe, in einer spaltenlangen Ausführung nachzu= weisen, wie durch dies Abkommen Japan und Rußland sich als Werkzeuge für Deutschlands schwarze Pläne hergeben würden, das dann ungestört gegen Frankreich und England vorgehen könne.

Dieses seltsame Gemisch von Lüge und Drohung wird Sann in einem Leitartikel weiter besprochen. Dabei wird auch der Versuch gemacht, Deutschland mit den Vereinigten Staaten zu verheßen; denn ein engerer Anschluß Englands an die Union scheint in London augenblicklich sehr vorteil­haft, und zum Schluß folgt die Drohung: Und wenn die Stunde kommt, da China sich gegen die Mandschudynastie erheben wird, und da nach diesem Gerücht Deutschland sich einen Platz im Reiche der Mitte nehmen will, so wird Deutschland Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Ja= pan. Frankreich und Rußland vereint finden in der Ver­teidigung der Unverletzlichkeit des chinesischen Reiches!" Es ist ja alles Erfindung, aber deswegen droht die Daily Mail doch: Gott gnade dir, Deutschland!"

Das Bild vom Königsstuhl.

Skizze von Else Krafft. ( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) Nomtek Melanie war alle Augenblide verschwunden. Sie hatte an der kleinen, blonden Oberstentochter eine Reißige Wertreterin gefunden, die geduldig am Bücher und Bilbertische der Käufer harrte und in argloser Kindlichkeit bie Pflicht noch vor das Vergnügen stellte.

Vor allem nichts wechseln, nichts herausgeben", hieß bie Barole der Komtesse.

In der Mitte des Tisches prangte der Schwester Bild. Ganz in der Frühe heute morgen hatte Rose Marie fie beim Arm genommen.

Zur zweiten Beratung der Novelle zum Strafgesetzbuch ist von sozialdemokratischer Seite der Antrag gestellt wor= den, in allen Fällen, wo Betteln aus Not erfolgt ist, Straf­losigkeit einzuführen. Diesem Antrage dürfte seitens der Es wird aner­Regierung nicht stattgegeben werden.

kannt, daß die Regelung der Strafbarkeit des Bettelns verbesserungsbedürftig sei, es ist auch beabsichtigt, bei der allgemeinen Revision des Strafgesetzbuches diese Frage im Zusammenhang mit verwandten Fragen, wie z. B. Dieb­stahl oder Mündraub aus Not, zu regeln. Im Zusam= menhang mit diesen Fragen ist alsdann auch die weitere grundsätzliche Frage zu lösen, ob und in welchem Um­fange den Gerichten ein allgemeines Strafmilderungsrecht einzuräumen sei.

Wenn du's fannst, Lenchen,-- gib's nicht für ge­ringen Preis hin. Sag das Doppelte des Angefeßten, wenn man dich fragt. Soll's nun einmal fort, was mir bas Liebste war, so sollen auch viele, viele arme Kinder badurch beglückt werden."

Gerade, als die Komtesse wieder einmal in dem Gewühl verschwunden war und gegen sehr hohe Preise winzig fleine Blumensträuße den vorübergehenden Herren ins Anopfloch steckte, dachte Lenchen an der Schwester Bitte.

Ueber die Lösung der Aerztefrage in der Reichsver­sicherungsordnung ist in der Reichstagskommission eine Verständigung erzielt worden, der auch die Regierung zu­stimmen dürfte. Die Verständigung beruht darauf, daß die in der Vorlage vorgesehenen Vertragsausschüsse als solche überhaupt in Fortfall kommen sollen. Lediglich ihre Funktion, als Einigungsamt zu wirken, soll erhalten bleiben.

Eine Erinnerung an die Reichstagsauflösung von 1906. Der Hamburgische Korrespondent" erklärt in der Lage zu sein, die Blättermeldung als unwahr zu bezeich­nen, daß Graf Ballestrem am 13. Dezember 1906 den Für­sten Bülow im Reichstag vor Beginn der Sitzung gefragt habe, ob es wahr sei, daß der Reichstag aufgelöst werden solle, falls die Regierungsvorlage abgelehnt würde und daß Fürst Bülow ihm erwidert habe, er denke nicht an eine Auflösung, es sei kein Wort davon wahr.

Kleine Nachrichten.

Die Carnegieftiftung für Lebensretter. Der Reichs anzeiger" veröffentlicht eire königliche Order, wonach der von Andrew Carnegie mit einem Krita! von Millionen Dollars unter dem Namen Carn çiftisiung für Lebens­retter" in Berlin begründ ten den Stiftung die landes­herrliche Genehmigung( it d.

Ein großes Berliner projekt ut ett eine grundsäbliche Zustimmtung gefun. Die er Ver= fehrsdeputation stimmte gestern em Vertragsent, rf zwis schen der Stadtgemeinde Berlin und der A. EG über den Bau einer elektrischen Hoch- und Untergrun bahn vom Ge sundbrunnen Eis Rirdorf zu. Der Entwurf wird der Ma gistrat unverzüglich zur Beschlußfassung zugehen.

Ueber 32 Millionen Mark für Armenpflege wurden Berlin im Etatsjahre 1909/10 verausgabt. Davon curden 6 Millionen Mark durch Einnahmen gedeckt. Es mußte so. mit ein Zuschuß von 26% Millionen Marf geleistet verden. Dieser Zuschuß hat sich in den letzten fünf Jahren, in denen die Bevölkerung nur um 24 000 Seelen zugenommen hot, um 7 Millionen Mark erhöht.

Die provisorische Regierung in Portugal hat mit Be­ginn des neuen Jahres drei Gesetze erlassen. Das erste will für Arbeiterschutz in Fabriken und Handwerksbetrieben sorgen, das zweite erniedrigt die indirekten Steuern auf wichtige Lebensmittel und verspricht weitere Ermäßigun­gen am 1. Juli. Das dritte endlich gibt der Königin= witwe Maria Pia eine monatliche Rente von 25 Reis­Contos, bis das Parlament endgültig über die Ansprüche und finanziellen Rechte des Königshauses entschieden hat. Fortgesetzt treffen Privatberichte über den ungünstigen Etand der Verhältnisse in Portugal in Paris ein. Die Möglichkeit der Wiederherstellung der Monarchie gilt aller­dings vorläufig für sehr gering. Wahrscheinlicher ist, daß im republikanischen Lager die Radikalen zur Macht ge= langen werden.

Lotie von Tresch, die ihre Lose bereits ausverkauft hatte, bot jest Süßigkeiten feil und erzählte der Schul­freundin lachend, daß sie für jedes Pralinee, welches fie selber angebissen, das Dreifache bezahlt bekomme. Lenchen fühlte ihr Herz ängstlich flopfen. Irgend etwas in threm Innern empörte sich über dieses Gebaren. Da, schon wieder ein Käufer. Diesmal fein blutjunger Leutnant oder Primaner. Groß, fräftig, Stirn und Wangen wie von herber Bandluft gebräunt. Er stand und hielt Rose Maries Bild in der Hand.

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Bitternde Lichtwellen ergossen sich über das blonde Mädchenbaunt im Boote. Gerade se, als müßte es fich

Ein schwerer Wettersturz ist in den Vereinigten Staa­ten eingetreten. In Neuvork herrscht eine ungewöhnliche Wärme, die von dichtem Nebel begleitet ist. Gleichzeitig herrscht im Westen große Kälte. Schwere Schneestürme ha­ben empfindliche Verkehrsstörungen zur Folge. Schneefall und Kälte werden übrigens auch aus Frankreich und Ita= lien gemeldet.

Zur Beleuchtung der Zustände auf den französischen Ei­senbahnen teilt eine badische Firma der Frff. 3tg. mit, daß fie am 11. Oktober zwei Korbflaschen mit Kirschwasser nach Paris gesandt, und erst am 23. Dezember die Nachricht er­halten habe, daß der Adressat die Annahme der Sendung verweigere. Das hat zusammen 72 Tage gedauert.

Die Türkei rüstet. Wie die türkischen Blätter melden, hat das türkische Marineministerium bei englischen Werf= ten 10 Kanonenboote bestellt, von denen 8 für den Per­sischen Golf und für die albanesische Küste bestimmt sind. Demnächst soll auch die Ausschreibung einer Offerte für den Bau von 30 kleineren Kanonenbooten erfolgen, die der Ueberwachung der Küste des Roten Meeres dienen.

im nächsten Augenblick umwenden und dem Bejmauer en strahlend glückliches Antlig zeigen. Die Ulanenuniforn blizte auf, der lachende Mund darüber, das dunkle, lockigi Haar des jungen Offiziers--

Ein paarmal strich der Fremde mit dem Finge darüber hin. Ein verträumter Bug um die Lippen, eir füßselig Erinnern. Und nun sah er hastig empor uni gerade in Lenchens blaue, neugierige Augen. Fast erschreck glitt sein Blick über das hübsche, sonderbar vertraute Ge fichtchen.

hervor.

Wie, wie heißen Sie?" stieß er fast raul Sie antwortete wie unter einem Banne. Wer hat das Bild gemalt?" Benchen hob stolz das Köpfchen.

Rose Marie, meine Schwester. Es ist abe schrecklich teuer", fezte sie troẞig hinzu.

Ein nicht alltäglicher Streif ist im Münchener Schlacht­hof ausgebrochen. Infolge der neu in Kraft getretenen Schlacht- und Viehhofordnung lehnten sich die Viehhofkom­missäre gegen die nun obligatorisch gewordene Ausstellung eines Verkaufsscheines auf. Sämtliche Kommissäre haben diese Ausstellung verweigert und Streifposten ausgestellt, die die Nichteingeweihten unterrichten sollten. Die Direk tion des Schlachthofes geht gegen diesen Streik ganz ener­gisch vor.

Der Fremde lächelte. Rose Marie", wiederholte ei leise, zärtlich. Immer wieder sah er auf das Bild. Hier - hier faß er selbst am Ruder unter dem Königsstuhl hier trug er noch den bunten Rock in erster, sorgloses Jugend, und neben ihm im Boote sein blondes Lieb, das auf ihn warten wollte, warten.

Ein Bierstreit ist in dem Städtchen Neuses im Franken­walde ausgebrochen. Die Einwohnerschaft hat sich bei hoher Geldstrafe verpflichtet, im neuen Jahr kein Bier zu trinken, bis die Wirte den Preis für den Liter von 24 wieder auf 20 Pfennige herabsetzen. Wenn die guten Bürger das nur aushalten!

Ein Offiziersdrama hat sich in der Neujahrsnacht in Deutsch- Eylau abgespielt. Als sich der Leutnant Krüger nach seiner Wohnung begab, geriet er mit mehreren Zivil­personen in Streit, die ihn mißhandelten, ihm seinen Degen entrissen und zerbrachen. Erst die Dazwischenkunft anderer Bersonen befreite ihn aus seiner peinlichen Lage. Dieser Vorfall ließ in dem jungen Offizier den Entschluß reifen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Er schoß sich eine Revolverkugel in den Kopf.

Acht Hundertmarkscheine im Ofen verbrannt. In Os nabrück hat die Frau eines Bahnbeamten, der sein Viertel­jahrsgehalt in acht Hundertmarkscheinen auf einen Tisch gelegt hatte, die Scheine mit Neujahrs- Briefkouverts in den Ofen gesteckt und versehentlich verbrannt.

Es war niemals gekommen, wie sie beide es erträumt Das Schicksal selbst hatte ihm durch einen einzigen leicht finnigen, im Jugendübermut vollbrachten Streich den Ab schied von der geliebten Uniform gegeben, ihn jahrelang ergrimmt und einsiedlerisch auf des Vaters weltfremdei Scholle festgehalten und seine siegreiche Jugend mit genommen. Sie, die er lieb gehabt, das verwöhnte, stolze Soldatenkind, wie bald, ach, wie bald mocht sie wohl den Verbannten, Ausgestoßenen vergessen haben Er stand in Träume versunken und rührte sich nicht Lenchen wurde ungeduldig. In ihrer findlichen Offenheit begann sie das Bild anzupreisen. Erzählte der Schwester Gebot, erklärte den teuren Preis und schmückte das liebe, blonde Haupt daheim mit einem wahren Glorienschein selbstloser Liebe und Opfermilliafeit

Aus Furcht vor langem Krankenlager hat sich in Ha­binghorst( Westfalen) eine siebzigjährige Witwe im Emscher­fluß ertränkt.

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Wegen Verunt renung von zwei Millionen Rubel ist der Chef der Wladiwostoker Festungsingenieure nach einer Meldung aus Petersburg verhaftet worden. Der Fall er­regt großes Aufsehen.

Mit einem Bierglas seiner Frau den Schädel zertrüm mert hat ein Arbeiter in Charlottenburg. Hausbewohner veranlaßten die Verhaftung des Mannes, der die Tat im Rausche begangen hat. Die Verletzte wurde ins Kranken= haus geschafft.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Die deutsche antarktische Expedition. Unter dem Vorsitz des Prinzen Heinrich hat sich gestern in Berlin der Arbeits­ausschuß der deutschen antarktischen Expedition des Ober­leutnants Filchner konstituiert. Prinz Heinrich führte aus, es, sei eine Freude, noch Männer zu finden, die bereit seien, für eine Idee ihre Haut zu Markte zu tragen oder Opfer zu bringen. Die Persönlichkeit des Führers und der Expeditionsteilnehmer bürge für ihren Erfolg.

Gerhart Hauptmann wird im Laufe dieser Woche in Berlin eintreffen, um die letzten Proben zu seiner Tragi­komödie Die Ratten" persönlich zu überwachen, deren Ur­aufführung am 13. Januar im Lessingtheater stattfinden soll. Der Dichter hat hier, der Voff. 3tg." zufolge, das zuletzt von ihm bevorzugte Gebiet des Märens und der Legende verlassen, um sich, sich seiner naturalistischen Anfänge er­innernd, wieder der näheren Wirklichkeit zuzuwenden. Das neue Stück spielt in einem Berliner Milieu auf einem Dachboden, in dem sich ein verkrachter Theaterdirektor mit seinem Fundus untergebracht hat, mit richtigen Ratten und bildlich gemeinten, die an seinem Leben nagen.

Ein Bittern tam über den starken Mann, ein Jube und Jauchzen plöblich, als er so den Worten des Back fischchens lauschte.

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Rose Marie,- sie war frei, Rose Marie hatte ihn nicht verdammt, nicht vergessen, nur das eine hörte und fühlte er aus allem Trubel ringsumher.

Troß des hohen Preises gab Lenchen nur trübselig das Bild zum Verkauf hin. Etwas wie Schuldbewußtsein regte sich nun doch in ihr, als sie des blassen, traurigen Gesichts der Schwester gedachte. Der Fremde, der schon ein paar Schritte durch den Saal gegangen war, fehrte plößlich wieder um. Einen ganzen Büschel rote Rosen in der Hand, die er hastig vor dem erstaunten Backfisch nieder­legte. Wollen Sie die Ihrem Fräulein Schwester geben, ja, wollen Sie das? Und von dem Bootsmann grüßen, dem Flüchtling, dem Verdammten, ja, ver geifen Sie das nicht? Er,- er wird das alte Bild wiederbringen,- wiederbringen",--septe er haltlos Hinzu.

Lenchen fah ihm nach, bis sein dunkler Rod in dem bunten Gewühl verschwunden war. Dann faltete fie er­schauernd die Hände. Das hatte ja geradeso ausgesehen, als ob der fremde Mann geweint hätte.-

Heute hat das Bild einen Ehrenplaß auf dem Gute Bornstädt.

Frau Rose Marie steht oft glücklich davor und läßt ihren braunlockigen Buben nach dem lustig tanzenden Boote greifen, auf dem der Papa die Ruder führt. Wie sie dann lächeln miteinander,== Mutter und Kind!

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