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( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
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vierteljährlich 1,50 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 4.
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Telephon: Nr. 362.
Zur Entlassung der hess. Bauaspiranten
schreibt uns der Verband der mittleren Baubeamten in Hessen:
Am Neujahrstag tagten die mittleren hessischen Baubeamten in einer außerordentlichen, sehr zahlreich besuch ten Hauptversammlung in Frankfurt a. M., um zu der neuerdings von der hessischen Regierung verfügten Entlassung sämtlicher noch im Dienst befindlichen Staatsdienstanwärter Stellung zu nehmen.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei Amtes
Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
Donnerstag den 5. Januar 1911
Aus der Heimat.
Gießen ,, den 5. Januar. Das hess. Volksschulwesen erfordert im Jahr 1911 einen Gesamtaufwand des Staates von 2 781 510 Mart, 68 400 Mt. mehr als im Vorjahre. Im Jahre 1908 gab es in Hessen 982 Volksschulen, davon 414 in der Provinz Oberhessen, 369 in der Provinz Starkenburg und 199 in der Provinz Rheinhessen. An Lehrkräften waren tätig: 2973 Lehrer und 467 LehWie bekannt, sind im vorigen Jahre durch die fast rerinnen. Die Schulen wurden besucht von 96 907 vollständig lahm gelegte staatliche Bautätigkeit in Hessen Knaben u. 98 485 Mädchen, zusammen 195 392 Kinder. zirka 40 Bauaspiranten aus staatlicher Verwendung entlassen worden. Nun erhielten in diesen Tagen, durch Beförderung von Kranten auf der eine allgemeine Verfügung Großh. Ministeriums an die Eisenbahn. Der preußische Eisenbahnminister hat staatlichen Bauämter, sämtliche noch im Dienst befind- angeordnet, daß fünftig für die Beförderung eines Kranlichen 38 Bauaspiranten wenn auch in weniger scharfen auf der Eisenbahn sechs Fahrkarten zweiter Klasse fen Form als im vorigen Jahre zu lösen sind, wozu noch ein Extrazuschlag von 7 Pfg. pro Achse und Kilometer für die Zeit kommt, während welcher der Wagen vor und nach dem Transport des Kranken zu seinem Bestimmungsort leer läuft.
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ihre Kündigung. Die in der Presse und auch vom ganzen hessischen Volk einstimmig verurteilte Regierungsmaßnahme ist umso bedauerlicher und härter, daß sie Staatsdienstanwärter mit 6-13 Jahren Dienstzeit und im Alter von 31-47 Jahren trifft. Es wurde allgemein die Ansicht kund, daß eine gleiche harte Maßnahme noch nie eine hessische Be amtengruppe betroffen hat und ein derartig harter Fall noch in keinem anderen Bundesstaat zu verzeichnen war. Die von der Regierung veröffentlichte, objektiv einseitige Erklärung in der„ Darmstädter Zeitung" vom 22. Dezember 1910, worin man den Bauaspiranten vorhält, daß diese schon vor Jahren vielleicht schon etwa vor 6-10 und noch mehr Jahren? einsehen mußten, daß die staatliche Bautätigkeit einmal ganz aufhören würde und sie dieserhalb auf Anstellung im Staatsdienste nicht zu rechnen hätten, erregte allgemeinen Unwillen. Wie bitter ist jetzt bei den Betroffenen die Enttäuschung, durch alle Staatsdienstanwärter 10 und noch mehr Jahre für einen fast sündhaft niedren Ge= halt dem Staat seine besten Jahre und Kräfte geopfert zu haben und hiernach noch entlassen zu werden. Was nüzen alle schönen und fürsorgenden Worte der Regier ung, wenn ihnen die Tat fehlt. Wie kann man stehen, daß die Regierung nicht die Macht und das Recht hat, in die Selbstverwaltungsbestimmungen der Kreise wenn nötig durch Gesetzesänderung einzugreifen und die gekündigten Staatsdienstanwärter im Kreis= dienste, anstelle des hier sehr zahlreich vorhandenen, viel jüngeren und ungeprüften Personals, zu verwenden? Es wurde allgemein der Ansicht Ausdruck verliehen, daß die Kündigungsverfügung hätte unterbleiben müssen, und, daß der Regierung vornehmste Aufgabe die wesen wäre, bei den Kreisverwaltungen, den Kulturinspektionen, der Kgl. Preußischen und Großh. Hessischen Eisenbahnverwaltung 2c. vorstellig zu werden und die Beamten in andere Dienstzweige zu überweisen, anstatt sie ihrem Schicksal und sich selbst zu überlassen. Die Versammlung ist einstimmig der Hoffnung, daß die Kündigungsverfügung vom 2. Dezember 1910 zurückgezogen wird und die überflüssigen Beamten der Bauabteilung in geeigneter Weise anderweitig verwendet werden. Zum Schlusse wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen und der Vorstand der Vereinigung mittlerer Baubeamten beauftragt, diese Großh. Ministerium und der Kammer der Landstände zu unterbreiten:
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,, Die am 1. Januar 1911 zu Frankfurt a. M. tagende zahlreich besuchte außerordentliche Hauptver= sammlung der Vereinigung der mittleren Baubeamten Hessens erblickt in der angekündigten Entlassung der seit 6-13 Jahren im Staatsdienst beschäftigten Bauaspiranten, zu einer Zeit anhaltenden wirtschaft lichen Tiefstandes und während gleichzeitiger Weiterbeschäftigung von 43 ungeprüften Technikern in staatlichen Baubetrieben und Baubetrieben der Kreisver waltungen, eine unberechenbare Schädigung der von der Kündigung Betroffenen sowohl, als auch des gesamten mittleren Baubeamtenstandes. Die Versammlung hofft, daß die Großh. Regierung ernstlich bestrebt ist, Schaden hier abzuwenden und, daß Maßnahmen getroffen werden, die aufgekündigten Staatsdienstanwärter in staatlichen Betrieben sowohl als auch in den unter der Oberaufsicht des Staates stehenden und mit staatlichen Mitteln unterstützten Baubetrieben der Kreise, unterzubringen und nach und nach dekretmäßig anzustellen. Sie richtet an die Großh. Regierung und an die Hohen Kammern der Landstände wiederholt und dringlich die Bitte, eine Aenderung des Kunststraßengesetzes von 1896 dahingehend herbeizuführen, daß die Kreisstraßenmeisterstellen verstaatlicht werden, damit die Anstellung aller mittleren Baubeamten nach einheitlichen Grundsätzen geregelt werden kann und ältere Anwärter dieser Stellen nicht übergangen werden."
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Der Finanz ausschuß der 3 weiten Rammer trat unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Osann zusammen, um zunächst in eine allgemeine Be prechung der Finanzlage mit Rücksicht auf das neue Staatsbudget einzutreten. Es wurde allseitig der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß eine Besserung in allen Gebieten zu konstatieren ist, so daß man mit Vertrauen auf eine günstige Weiterentwicklung die Beratung des vorliegenden neuen Staatsvoranschlages herantreten kann. Da durch den Tod des Abgcordneten Reinhart eine Neueinteilung der Referate notwendig ist, wurde diese vorgenommen.
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-0- Paketeinsammlung durch die Post. fendende Pakete auf Bestellung aus den Wohnungen abEs ist noch nicht genügend bekannt, daß die Post abzuholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten:„ Paket abhonächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger len bei( Name und Wohnung)" unfrantiert in den mitzugeben, und die Sendung wird bei der nächsten Pafetbestellfahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. von dem Hause des Absenders abgeholt. Das Verfahren ist einfach und bequem und besonders solchen Personen zu empfehlen, denen ein Dienstbote nicht zur Verfügung steht.
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Darmstadt. Die Besetzung des durch den Tod des Frhrn. v. Gagern freigewordenen Gesandten= postens in Berlin wird, wenn man den hier umlaufenden Kombinationen Glauben schenken darf, eine Umbildung des hessischen Ministeriums zur Folge haben. Es heißt, daß als Nachfolger v. Gagerns in erster Linie der Minister des Innern v. Hombergf zu Vach in betracht komme. An seiner Stelle würde Finanzminister Br a un wieder das Ministerium des Innern übernehmen. Nach einer anderen Lesart soll Finanzminister Braun, der sich augenblicklich zur Erholung auf Urlaub befindet, selbst nach Berlin gehen. Für den so oder so freiwerdenden Finanzministerposten wird neben dem wegen seiner finanzpolitischen Qualifikation prädestinierten Geh. Rat Dr. Becker, der Oberbürgermeister einer rheinhessischen Stadt genannt.
? Krofdorf. Durch die erfolgte Zusammenlegung der Feldmark Krofdorf- Gleiberg, insgesamt 2000 Hektar, konnte bereits in dem abgelaufenen Jahr eine rege Bautätigkeit hier einsetzen. Für das neue Jahr sind u. a. auch öffentliche Gebäude, eine Kgl. Försterwohnung und eine Schule, in Aussicht genommen. Durch Geländeaustausch zwischen Fiskus und Gemeinde hat letztere an der Straße nach dem Kgl. Forst eine Parzelle von 25 Aar abgetreten zur Erbauung eines Forsthauses. Zwischen Krofdorf- Gleiberg wird für beide Orte eine gemeinsame Schule, einstweilen zu drei Klassen, errichtet. Krofdorf zählt 5 Klassen aber nur 4 Lehrer, dazu gilt auch Gleiberg schon seit Jahren als die stärkste einklassige Schule des Bezirks.
(* Lauterbach. Im vergangenen Sommer wurde in Altenschlirf eine der Kirchenglocken durch eine neue ersetzt. Diese stürzte nun kürzlich in den Turm herab und wurde stark beschädigt.
Sprendlingen b. Langen. Ein junger Bursche war in der Neujahrsnacht damit beschäftigt, in einer Wirtschaft einen Feuerwerkskörper anzuzünden, als plötzlich die Polizei eintrat. Er steckte den bereits brennenden„ Frosch" in die Tasche, in der er noch mehrere der= artige Körper hatte. Jm Nu explodierten dieselben und rissen dem bedauernswerten Menschen die eine Seite auf. Braunfels. Der Zar hat dem Kriegsveteranen Friedrich He ß, der 44 Jahre in fürstlichen Diensten stand und am 1. Oktober in den Ruhestand trat,
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( Gießener Tageblatt)
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Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
zu Weihnachten ein Andenken zugehen lassen. Heß hatte bei dem Zarenbesuch im Herbst im Schloß die Wache. Frankfurt a. M. Zum Zwecke der Hebung des Frankfurter Fruchtmarktes wurde beschlossen, wöchentlich einen zweiten großen Fruchtmarkt abzuhalten, und zwar regelmäßig Mittwochs.
Gelnhausen. Die Stadt verkaufte den Schöfferpark um 150 000 Mt. an die„ Neue Badegesellschaft zu Gelnhausen".
Gelnhausen. Der Dienstag nachmittag die Station Meerholz durchlaufende Frankfurt- Berliner D- Zug Nr. 5 überfuhr bei Meerholz ein mit Holzstämmen beladenes Fuhrwerk. Der Fuhrmann wurde verletzt, 1 Pferd getötet, der Wagen zertrümmert. Der Zug blieb intakt.
* Braubach. Die hiesigen Gastwirte sind nun ebenfalls mit dem Wein aufgeschlagen, und zwar um 20 Pfg. pro Liter.
Grävenwiesbach. Jm hiesigen Gemeindewald wurde ein Baumriese, die sogn.„ Meineidsbuche" gefällt, die eine Holznutzung von 20 Rm. Scheit-, 4 Rm. Knüppelholz und 200 Wellen lieferte.
* Mainz. Am Samstag besuchte eine hiesige Dame, geziert mit dem modernen großen Hut, an dem sich ebenso lange Hutnadeln befanden, ein Warenhaus. Im dichten Gedränge wendete die Dame ihren Kopf, wobei eine andere Frau durch die langen Hutnadeln 2 mächtige Risse im Gesicht erhielt. Das Blut rann der Verletzten in Strömen vom Gesicht herab. Die Fahrlässig= keit der Dame, deren Namen festgestellt wurde, dürfte sie teuer zu stehen kommen.
* Wöllstein. Beim Sammeln der SauerwurmPuppen stellte sich heraus, daß die meisten tot sind. Hoffentlich ist das ein gutes Zeichen für die Abnahme der Plage.
Aus dem Gerichtssaal.
Strafkammer.
Gießen, 3. Januar 1911. Das Schöffengericht hatte den Uhrmacher Heinrich Gondner von Hungen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung zu 6 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er einen Jungen von Villingen, der sein Kind auf der Straße angefahren hatte, mißhandelt und dessen Rad demoliert hat. Der Angeklagte bestritt die Mißhandlung, wie auch die Sachbeschädigung und focht das Urteil an. Die Sache stellte sich bedeutend roher heraus als Schöffengericht, so daß auf eine höhere Strafe erkannt worden wäre, wenn die Staatsanwaltschaft auch Berufung eingelegt hätte.
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Der Taglöhner Georg Flauße und seine Ehefrau sind früher wegen Entführung angeklagt. Die Frau war mit einem Schreiner zu Ulrich st ein verheiratet. Nach der Scheidung heiratete sie nach Saarbrücken. Die Kinder wurden dem Manne zugesprochen, der sie in schiedenen Familien unterbrachte. Im letzten Herbst kamen die Angeklagten nach Wohnfeld in die Schule, wo es ihnen unter Täuschung des Lehrers gelang, das 12jährige Mädchen mitzunehmen. Sie kleideten es und brachten es trotz Sträubens bis zur Bahnstation Mücke, wo ihnen das Kind durch einen Gendarmen abgenommen wurde. Die Frau bekam 10 und der Mann 5 Tage Gefängnis.
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In der Bollerschen Metzgerei in Gießen stahl der Taglöhner Georg Wienhold aus Grünberg ein Paar Stiefel, die er verkaufte. Er ist rückfällig. Urteil: Monate Gefängnis, abzüglich 5 Wochen Untersuchungshaft.
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Beim Schächten hingen die Megger Salli Stern aus Geiß- Nidda und Markus Grünebaum aus Nidda ein Kalb an den Hinterfüßen auf, statt die Vor= richtung zu gebrauchen. Sie erhielten Strafbefehle über je 4 Mark, deren Einspruch am Schöffengericht verworfen wurde. Auf Berufung des Grünebaum wurde des= sen Strafe auf 1 Mark ermäßigt.
Die Privatklage des Kaufmanns Wilhelm Homberger in Gießen gegen Friz Drullmann in Wetzlar, die sich wegen der Preise bei der Hundeausstellung veruneinigt und sich gegenseitig verklagt hatten, wurde zurückgenommen, da beide Teile ihre Ausdrücke widerriefen. Am Schöffengericht sind beide für straffrei erklärt
worden.
Gestorben.
Georg Friedrich, Gießen, Steinstraße 75.- Beerdig= ung 5. Januar, 3 Uhr. Theodore Güth Witwe geb. Jsterling, 69 Jahre alt, Gießen, Ludwigsplatz 3.- Beerdigung 6. Jan., 3 Uhr.


