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Deutscher Reichstag..

Der Reichstag bertet am Sonnabend die Einnahmen bes Reiches an Zöllen und Stenern. Es lagen dazu meh­rere Resolutionen vor, in denen Maßnahmen zum Schuße der heimischen Steinindustrie, ins.besondere der Pflaster­steinindustrie gegen die Konkurrenz Schwedens befürwortet werden. Der Abg. Arendt( Rp.) beantragte als Berichter­statter der Budgetkommission, dem Voranschlag der Regie­rung zuzustimmen. Der Abg. Sped( 3entr.) führte aus, daß der Reichsschatzsekretär bei der Schäzung der Einnahmen große Vorsicht habe walten lassen. Er erklärte unter dem Beifall der Mehrheit, daß seine politischen Freunde es sich fehr überlegen werden, ob sie einem Handelsvertrage mit Schweden zustimmen fönnten, wenn dadurch nicht Vorteile für die deutsche Steinindustrie erreicht würden. Der Abg. Brunstermann( Reichsp.) trat gleichfalls für diese ein. Auch weiterhin wurden fast ausschließlich diese Resolutio= nen behandelt. Es sprachen dafür die Abgg. Burchardt( w. Vgg.), Gracfe- Sachsen( Rfp.), Wallenborn( 3tr.) und Graf Kaniz( fons.). Dagegen der Sozialdemokrat Scheidemann und der Freifinnige Kaempf. Letzterer wollte auch die 30 Millionen Etatsüberschüsse zur Ausmerzung der Zündholz­steuer und des Scheckstempels aus der Finanzreform ver­wertet wissen. Er stieß aber damit auf den energischen Wi­derspruch des Schazsekretärs, der dringend darum bat, alle Vermutungen über den Etatsabschluß zu unterlassen und Iteber erst den endgültigen Abschluß abzuwarten. Nach Er­ledigung des Etats der Zölle und Steuern nahm das Haus den Etat des Reichsschazamts in Angriff. Der Inhalt der stundenlangen Debatten erschöpfte sich in der Erklärung des Schatzsekretärs, daß er eine Novelle zum Zündwarengesetz einbringen werde, in der das Kontingent herabgesetzt wer= den soll. Abg. Conze( natl.) befürwortete die nationallibe= rale Resolution auf weitere Unterstützung der Tabakarbei­ter. Diese sei ein Bedürfnis, denn es herrsche wirklich Not bet den Tabafarbeitern. Wenn in einigen Gegenden wie­der normale Verhältnisse herrschten, so sei die Not an an= deren Stellen um so größer. Die Resolution wurde ange= nommen, die weitergehende sozialdemokratische dagegen ab­gelehnt. Nachdem sich zwölf Redner von der Liste hatten streichen lassen, gelang es nach neunstündiger Sizung die ganze Tagesordnung aufzuarbeiten und damit die zweite Lesung des Etats zu erledigen. Bereits am Montag will man in die dritte Lesung eintreten.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Einen offiziösen Kommentar zu der Rede des Reichs­tanzlers über die Abrüstung gibt die Nordd. Allg. 3tg." Sie unterstreicht in ihrem Wochenrückblick über den Etat des Reichskanzlers den Standpunkt, daß Deutschland dem Schiedsgerichtsgedanken keineswegs ablehnend gegenüber­stehe, aber der praktischen Friedenspolitik zu dienen glaube, wenn es nur klar zu übersehende Rechtsverhältnisse der Schiedssprechung unterwirft. Konform mit dieser An­Schauung, heißt es weiter, hat die kaiserliche Regierung den von England vorgeschlagenen Nachrichtenaustausch über die Schiffsbauten akzeptiert. Das bedeutet die Ver­ständigung über eine konkrete Frage, die ganz im Rahmen der von den Regierungen beider Länder verfolgten Pflege offenherziger und vertrauensvoller gegenseitiger Bezie­hungen liegt. Eine Bindung der beiderseitigen Streit­fräfte Itegi darin nicht, es soll nur Ueberraschungen vor­gebeugt werden, die Paniken und als deren Folge frampf­haftes Wettrüsten hervorrufen könnten. Mit Befriedi­

gung nimmt die ,, Nordd. Allg. 3tg." davon Kenntnis, daß im Inlande wie im Auslande die Presse in ihrer Mehr­heit die Grundgedanken der Rede des Reichskanzlers als zutreffend erkannt und gewürdigt habe.

Die Leichenfeier für den ermordeten Oberstleutnant von Schlichting gestaltete sich am Sonnabend nachmittag zu einer der imposantesten Kundgebungen, welche die tür­tische Hauptstadt jemals gesehen: Der halbstündige Weg vom deutschen Hospital zum Friedhof war von sicher hun­derttausend Menschen eingesäumt; die Infanterieregimen­ter bildeten Spalier und hielten die Ordnung aufrecht; im Auftrage des Sultans nahm dessen Neffe, Prinz Abdul Halim an der Trauerzeremonie teil; fast sämtliche Mini­ster, die gesamte Generalität mit dem Kriegsminister Mah­mud Schefket an der Spitze, Deputationen der Kammer und des Senats, Offiziere und Mannschaften aller frem= den Kriegsschiffe und zahlreiche Mitglieder der diploma­tischen Missionen erwiesen Schlichting die letzte Ehre. Be­sonders hervorgehoben muß außer der stimmungsvollen Rede des Pastors, Grafen Luettichau, noch werden, daß zum Schmuck des Sarges auch herrliche Blumenspenden türkischer Frauen beitrugen. Die Leiche wird in den näch­sten Tagen nach Deutschland übergeführt werden.

Die Petitionskommission des Reichstages beschäftigte sich mit einer Petition des Fachverbandes für die wirt­

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blüm ck e. Nachdruck verboten.

Da flopft jemand! Der Herr Rentmeister öffnet die Tür, und Woltersdorf tritt ein, sich tief verbeugend und um Verzeihung bittend, wenn er störe. Komme aber auf Seiner Exzellenz allerhöchsten Befehl", fügte er mit süßem Lächeln hinzu. Der Herr Papa hat nämlich Sehnsucht nach seinem Sohn und befürchtet fast schon, weil der Herr. Leutnant so ganz und gar verschwunden wären, ein Un­glück. Ich wurde darum auf die Suche geschickt und erriet fofort das Richtige."

Hardi machte eine abwehrende Handbewegung, denn der Schwäter war ihm in diesem Augenblick höchst un­Sympathisch. Auf seine goldene Uhr schauend, fuhr er dann überrascht auf und rief aus:

Es ist ja in der Tat gleich zwei! Da muß ich sehr um Entschuldigung bitten, daß ich Sie beim Mittagessen aufgehalten habe. Das ahnte ich nicht! Wie ist die Zeit nur dahingeflogen! Da will ich mich schleunigst empfeh= Ien."

Wieder erschien Erna in ihrer kleidsamen, einfachen Küchentracht. Woltersdorf, dessen Erscheinen ihr gerade jekt gewiß nicht angenehm war, obwohl sie ihn sonst gern hier im Hause sah, füßte ihr ehrerbietig die Hand und sagte Ihr ein paar Artigkeiten, wie er deren stets genug auf Lager hatte. Der Leutnant verabschiedete sich aufs herz­lichste und eilte aufs Schloß, wo der Papa ihn in der Tat mit wachsender Ungeduld seit zwei Stunden erwartete. , Also bei Rentmeisters warst Du? Junge, verdrehe bloß dem Mädel nicht auch den Kopf!" sprach der alte Herr ernst. Die ist zu schade dazu, und ihre Eltern verdienen es nicht, daß man ihnen ihre Heiratspläne verdirbt." Aber Papa!- Wer denkt denn an so etwas?- Ich bin doch nicht mehr der Mensch, der Deine Verachtung ver­bient wegen seines Leichtsinns. Ich habe Dir mein Wort

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Ichaftlichen Interessen des Kunstgewerbes, die beantragt, das Einjährig- Freiwilligen- Institut dahin abzuändern, daß es nicht mehr in stetig steigendem Maße den Zufluß aus besitzenden bürgerlichen Familien zum Handwerk hindert. Die Petition schlägt vor, die Erlangung des Einjährig­Freiwilligen- Zeugnisses an das vollendete 15. Lebensjahr zu binden und älteren Schülern die Erlangung dieses Zeugnisses nicht mehr zu gestatten. Dadurch, daß heutzu­tage fast jeder Bürgersohn sich dieErlangung desEinjährig­Freiwilligen- Zeugnisses zum Ziele setzt, um in die soge­nannten besseren Berufe eintreten zu können, geht dem Handwerk der Zufluß aus besitzenden bürgerlichen Familien größtenteils verloren und das werk büßt an Qualität ein. Die Masse des sogenannten ge­bildeten Proletariats sei oft stellenlos, während tüchtige Handwerker immer gesucht werden. Die Kommission war der Ansicht, daß die Vorschläge der Petition, selbst wenn sie zur Durchführung kommen sollten, dem Handwerk kaum nügen werden. Es müsse festgestellt werden, daß sogar viele Handwerksmeister es nicht über sich gewinnen können, ihren Sohn, der das Einjährigen- Zeugnis nicht erworben hat, wieder dem Handwerk zuzuführen. Die Kommission über­wies die Petition dem Reichskanzler als Material.

Hand­

Ein blutiger Kampf in Französisch- Westafrita. Wie aus Ronakry, einem Hafen in Französisch- Guinea( West­afrika), gemeldet wird, sind ein französischer Hauptmann und ein Leutnant, die den Auftrag hatten, den Wali von Gumba festzunehmen, beim Einmarsch in das Dorf des Wali infolge von Verräterei getötet worden. Tirailleure bemächtigten sich des Dorfes und schlugen den Feind in die Flucht. Außer den beiden Offizieren wurden etwa zehn französische Soldaten getötet und sechzehn verwundet. Die Eingeborenen verloren im Kampf um Gumba drei­hundert Tote. Unter den Gefallenen befindet sich der Sohn des Wali von Gumba.

Der Rücktritt des spanischen Kabinetts ist zur Tatsache geworden. Diesen Erfolg der neuen Ferrer- Debatte in der spanischen Kammer haben die Gegner des früheren Mi­nisteriums Maura sich gewiß nicht träumen lassen, als sie ihre Forderung nach einer Revision des Prozesses mit schweren Angriffen gegen die leitenden Kreise der Armee verquickten. Alle patriotisch gesinnten Spanier stehen un­ter dem Eindruck dieser Nachricht, die bedeutet, daß das ganze Werk von Canalejas zerstört oder doch vertagt ist. Die Haltung der Spitzen des Heeres, die in der Erklärung des Ministerpräsidenten gegenüber den Angriffen der Re­publikaner feine ausreichende Genugtuung sahen, war aus­schlaggebend für die Entschließung des Kabinetts. Der König soll nach einer Madrider Meldung den Marschall Weyler mit der Kabinettsbildung betrauen, um den un­zufriedenen Offizieren volle Genugtuung zu verschaffen.

Kleine nadridten.

Der Truppentransportdampfer Neckar" des Norddeut­schen Lloyd traf am Sonnabend mit 1200 abgelösten Offi­zieren und Mannschaften von Tsingtau in Wilhelmshaven ein. Viele Angehörige begrüßten die Heimkehrenden. Am 13 d. M. befördert der Dampfer Neckar" den Ablösungs­transport für das ostastattsche Kreuzergeschwader nach Kt­autschou.

Der Militärzweidecker Albatros", der von Hannover fommend am Sonnabend nachmittag in Braunschweig ge­landet war, ist am Sonntag morgen dort wieder aufge= stiegen. Die beiden Militärflieger Oberleutnant Erler und Leutnant Mackenthun mußten wegen dichten Nebels vor­mittags 10 Uhr in Miesterhorst bet Stendal landen. Der Flug sollte nachmittags fortgesetzt werden.

Ein Freund der Blinden. Der Rentner August Fran­fen in Pinnich im Rheinland hat sein Gesamtvermögent in Höhe von 143 000 Mark der dortigen Blindenanstalt vermacht.

Ein mehrstöckiges Bierdepot in Brüssel stürzte am Sonntag infolge Ueberlastung zusammen. Die Frontmauer barst in Stücke und das ganze Gebäude senkte sich wie cin Kartenhaus. Zahlreiche Fässer mit insgesamt 750 000 Liter Bier wurden zertrümmert. Das Bier floß in Strö men auf die Straße.

Von einem Zuge überfahren und getötet wurde vor den Augen des Vaters, eines Lokomotivführers, auf dem Bahnhof Ehringhausen im Sauerlande dessen einaige acht­zehnjährige Tochter. Vater und Tochter wollten verreisen und gingen zum Bahnhof. Die Tochter wollte gerade das Gleis überschreiten, als ein Zug heranbrauste und sie vor den Augen des Vaters zermalmte.

Die Verzweiflungstat einer Mutter wird aus dem Norden Berlins gemeldet. Die Arbeiterfrau Martin ver­suchte in ihrer Wohnung sich und ihr Kind durch Leucht= gas zu vergiften. Als sie glaubte, daß ihr Kind tot sei, sah sie von ihrem Vorhaben ab und machte dem zuständigen Polizeirevier von ihrer Tat Mitteilung. Mutter und Kind fonnten gerettet werden.

bis heute gehalten und werde es auch fernerhin tun. Nie, nie könnte ich mit Erna Raben ein frivoles Spiel treiben, sie wäre mir offen gesagt zu heilig dazu!" ,, Dann ist es gut, mein Sohn. Diese Erklärung ge= nügt mir."

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Aber die Unmutsfalte schwand dennoch nicht von des Generals Stirn. Erst als er seinen Sohn wieder so recht vergnügt plaudern hörte, wurde er allmählich heiterer und trennte sich gegen Abend in bester Laune von seinem Jüng­sten.

,, Der Kern ist gut, ein reiner Edelsinn," sagte er her­nach zu sich selber. Der Junge hat keine Geheimnisse vor seinem Vater, wie die beiden andern sie immer hätten." 2. Kapitel.

Hardi und Hans waren täglich zusammen. Am nächsten Samstag reisten sie gemeinsam wieder nach We­delstein und wurden von der Familie Raben mit großer Freude empfangen. Hardi mußte, wie er Ernas zarte Hand wieder in der seinen fühlte, wie ihm diese wunder­baren Blauaugen wieder mit so blendendem Glanze strahl­ten, sich laut und gewaltig zurufen: Sei start!"

Nachher, als der Vater ihn ebenso herzlich begrüßt hatte, wie vor acht Tagen, trieb es ihn hinaus in den ein­samen Park, der hinter dem Schloß lag und sich weithin ausdehnte, bis an den Wedelsteiner See und die uralten Waldungen, an denen zu Hardis Großvaters Zeit noch Wolfsjagden abgehalten wurden und wo jeder Baumriese ihm einst, wie er als wißbegieriger Knabe auch die Spra­che der Bäume und der Fantasie verstanden, gar schauer­liche Ritter- und Räubergeschichten erzählt.

Da fühlte er sich so frei und so wohl. Es wurde ihm so leicht ums Herz. Und das drohende Wort: ,, Sei start!" schien ihm lange nicht mehr so grausam wie vorhin. Ja, sei stark!" rief er aus, die nervigen Fäuste ballend, sei start, erkämpfe Dir Dein Glück! überwinde all die fleinlichen Hindernisse."

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Und dennoch seufzte er so schwer, wie er wieder durch

Aus dem vierten Stock auf die Straße gestürzt ist in Berlin die 12 Jahre alte Tochter eines Kriminalschutz­mannes. Das Kind war auf der Stelle tot. Als das Un­glück geschah, befanden sich die Eltern gerade in einem anderen Zimmer. Anscheinend hat sich das Kind zu weit aus dem geöffneten Fenster hinausgelehnt und ist dann in die Tiefe gestürzt.

Drei Personen durch Blitzschlag getötet. Bei einem Ge­witter, das am Sonnabend über die Rheingegend nieder­ging, wurden von mehreren Personen, die in einer Scheune bei Siegburg Zuflucht gesucht hatten, drei vom Bliz er­schlagen, zwei andere Personen werden vermißt.

Harakiri eines Verurteilten. Ein wegen Diebstahls zu drei Jahren Gefängnis verurteilter Dieb beging in Neapel in öffentlicher Sigung bei Verkündigung der Strafe Hara­kirt, indem er sich den Leib aufschlitzte. Er wurde schwer verwundet in das Hospital gebracht.

Volkswirtschaftliches.

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Die Zahl der Reichsrentner betrug nach einer neuen amtlichen Zusammenstellung zu Anfang des Jahres 1911 1034 060. Davon kommen auf Invalidenrenten 918 760, auf Krankenrenten 16 965 und auf Altersrenten 98 335. Die Zahl der laufenden Renten hat sich im Jahre 1910 um etwa 20.000 vermehrt. Es entfallen auf Invalidenrenten 25 000, während die Kranken- und Altersrenten erheblich zurückgegangen sind. Beitragserstattungen wurden im Jahre 1910 182 722 festgelegt. Davon tamen auf Heiraten 147 292, auf Unfälle 494 und auf Todesfälle 34 936. Seit dem Jahre 1895 wurden 2 109 632 Bräuten die Beiträge zum Teil wieder erstattet. Neu festgesetzt wurden im Jahre 1910 insgesamt 138 554 Renten, davon 114 679 Invaliden­renten, 12 263 Krantenrenten und 11 612 Altersrenten. Seit dem Jahre 1891 sind insgesamt 2 471 265 Renten festgesetzt worden. Es haben also seitdem 1437 205 Renten wieder aufgehört. Invalidenrenten wurden seit 1891 1862 816 fest= gesetzt, Altersrenten 492 994, Krankenrenten seit 1900 ins­gesamt 115 455.

Aus den Gerichtssälen.

Wegen Ermordung der Geliebten zum Tode verurteilt. Der 28jährige Zeugfeldwebel Ernst Müller von der könig­lichen Pulverfabrik in Hanau, gebürtig aus Jecha bei Son= dershausen, wurde vom Oberkriegsgericht des 18. Armee­forps in Frankfurt a. M. wegen Ermordung der 20 Jahre alten Verkäuferin Anna Iffland in Hanau zum Tode ver= urteilt. Er hatte mit der Iffland ein Liebesverhältnis un­terhalten, das diese löste, als sie in Erfahrung gebracht hatte, daß Müller sechs uneheliche Kinder hatte. Müller faßte darauf den Entschluß, die Iffland, die er einem an­deren Manne nicht gönnte, zu erschießen. Die Tat führte er im August vorigen Jahres auf offener Straße in Hanau an einem Sonntag mittag aus. Das Kriegsgericht der 21. Division hatte ihn wegen Totschlags zu 14 Jahren Zucht­haus verurteilt, doch legte der Gerichtsherr Berufung ein. Müller selbst versicherte wiederholt in der Verhandlung, daß er die Tat mit Ueberlegung ausgeführt habe.

Empfindliche Strafe für einen Kautionsschwindler. Die Straffammer in Kiel verurteilte den Subdirektor Knuth, der in einem Zeitraum von 11½ Jahren in 23 Fällen Stellungssuchende um Kautionen im Gesamtbetrage von 30 000 Mart betrogen hatte, zu sechs Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Der vollkommen ungebildete An­geklagte war bis zum Jahre 1902 Dienstknecht auf dem Lande und hatte seine Opfer zum größten Teil unter den gebildeten Ständen gesucht und gefunden.

Verurteilte Banknotenfälscher. Das Oberbayrische Schwurgericht in München verurteilte am Sonn­abend den Lithographen Jrl aus München und den Kauf­mann Dold aus Stuttgart wegen Banknotenfälschung zu 8 bezw. 12 Jahren Zuchthaus. Irl hatte für Dold gegen eine versprochene Belohnung von 100 000 Mark etwa 1000 falsche Fünfhundert- Mitreisnoten angefertigt und sie an Dold nach Zürich geschickt, der sie dann durch eine Mit­telsperson nach Brasilien schaffte. Infolge einer Unter schlagung von Wertsendungen, die solche falschen Noten enthielten, die durch zwei Züricher Postbeamte verübt war, war der Schwindel entdeckt worden.

Oermischtes.

Die Sorge um Caruso. Unter den Freunden Carusos, der sich gegenwärtig in Neuyork aufhält, wird die Bes fürchtung laut, daß der Stimmbandknoten, von dem Ca­ruso vor anderthalb Jahren operiert wurde, wieder zu muchern beginnt und die Stimmkraft des berühmten Te= nors aufs neu gefährdet. Die Leitung der Metropolitan­Oper hat die immer noch andauernde Indisposition Caru­sos offiziell einer starken Erkältung zugeschrieben, aber ein Freund des Sängers behauptet positiv, daß ein Stimm­bandleiden wieder aufgetreten ist. Die Aerzte, die über die Möglichkeit einer Wiederkehr des alten Leidens be­fragt wurden, erklärten, daß solche Fälle keineswegs zu den Ausnahmen zählen, ja einige von ihnen behaupten. daß die operative Entfernung eines Stimmbandknötchens

das alte Portal schritt, als riefen ihm die rauhen, truhigen Mauern seines Ahnensizes gar zu entschieden zu: Was ist Glück? Es gibt höhere Güter, die sicherere Funda­mente sind als der Traum vom Glück der Liebe!" denke derer, die einst hier gelebt haben!"

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Weihnachten stand vor der Tür. Hans und Hardi waren auf Urlaub in die Heimat gereist.

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,, Bin jezt mit Jda Bolten einig," vertraute der Re­ferendar seinem Freunde glückstrahlend an. meinem Herzen trage ich den bedeutsamen Brief von ihrer Hand. Ach, ich kann es Dir nicht sagen, wie glücklich ich bin. Wie kann nur ein besonnener Mensch so närrisch verliebt sein!- Noch vor wenigen Stunden quälten mich die fürchterlichsten Zweifel. Vom ersten Tage unserer Be­fanntschaft an hat Jda mich geliebt, wie sie mir in ihrem Brief versichert. Der Assessor Reyter, mein gefürchtetster Nebenbuhler, ist ihr stets unsympathisch gewesen, da sie ihn längst als Schmeichler und Heuchler durchschaut. Hardi, lache mich nur nicht aus!- Du kannst Dir ja nicht den­fen, was Liebe heißt, trotz der 99 Liebschaften, von denen Du mir vor einem Jahre schriebst."

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,, Wenn ich lache, Hans, so ist das nur wahre Freude. Du Glücklicher! Ja, ja, alle meine Liebschaften! Aber um eines möchte ich Dich bitten: Erinnere mich nicht mehr an jene tolle Zeit, die ich so gern, so gern aus dem Buche meines Lebens streichen möchte. Wann soll denn die Verlobung gefeiert werden?"

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,, Sicher nicht vor dem Herbst. Ich darf nämlich nicht bei dem alten Herrn um Jdas Hand werben, bevor ich mein Assessorexamen bestanden und Reserveoffizier bin. So wünscht sie es, und ich sehe das, wo ich des Geheimrats Absonderlichkeiten fenne, nur zu gut ein. Nun, im Laufe des Sommers hoffe ich beides zu erreichen."

( Fortsetzung folgt.)

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