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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

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Erscheint

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. jeden Werktag früh.- Die Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 80.

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der Großherzoglichen

des Großherzoglichen Polizei Amtes

=

Die Illuftr. Weltrundschau Bürgermeisterei sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

Telephon: Nr. 362.

( Haus Brüder Schmidt.)

Dienstag den 4. April 1911

des

geschäftlich wahrnehmen, das weitgehend identisch ist mit dem ſeinigen; denn er ist mit dem Entgelt seiner Arbeit ausschließlich auf den Reinertrag der Unternehm­augenblicklichen Vorteils willen, seinen Mitarbeitern ge­ung angewiesen. Wenn er dieses Interesse, um genüber, furzsichtig übertrieben geltend macht, so handelt er dem dauernden Interesse der Unternehmung entgegen. Er schädigt dadurch auch sich selbst; denn ihm muß nicht an einem augenblicklichen, sondern an einem dauernden Reinertrage liegen, der aber nur erzielt werden kann, dem kommt es unzweifelhaft nicht selten vor, daß ein­wenn die Gehilfen Interesse an der Arbeit haben. Trotz zelne Unternehmer so kurzsichtig handeln. Aber noch weit häufiger schädigen die Handarbeiter in furzsichti= gem Egoismus die Unternehmung. Das muß notwen­digerweise häufiger geschehen, schon weil die Handarbei­tig' offensichtlich und unmittelbar am Gedeihen der Un­chen Sinn hat unter solchen Umständen, immer nur von ternehmung beteiligt sind wie der Unternehmer. Wel­dem Egoismus der Unternehmer zu sprechen? beuter, für den er fortwährend gehalten wird. deutsche Unternehmer ist feineswegs der furzsichtige Aus­

Schlagworte im Klaffenkampt. Seit einigen Jahren hat sich gegen die Hypersozial­politik, wie sie von der mit dem Namen Kathedero fürwortet wird, eine ständig wachsende Gegenströmung zur Geltung gebracht, die mit vollem Recht auf die Wahrung der Interessen des Unternehmerstandes ge= genüber einer seit 40 Jahren fast ausschließlich betrie­benen Arbeitersozialpolitik energisch verlangt. Zu den volkswirtschaftlichen Gelehrten, die sich die Bekämpfung der Uebertreibungen der Weltfremdheiten des Katheder sozialismus zur Lebensaufgabe gestellt haben, gehört auch der Rostocker Professor Richard Ehrenberg. In einer fürzlich erschienenen Broschüre Bismard als Leit­stern" bewertet er die Massenwirkung von Schlagworter, da sie ihren Lohn vorweg bekommen, nicht derar­ten in unserem öffentlichen Leben. Wenn wir auch seine Ausführungen rein theoretischer Art in vielem, so na­mentlich in dem, was er über Schutzzoll, Freihandel, Zwischenhandel 2c. sagt, nicht zustimmen, um so bemer­fenswerter bleibt das, was er über die für das Ver­hältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in unserer Zeit üblichen Schlagworte sagt. Professor Ehrenberg be­handelt zunächst das Schlagwort vom Arbeitsvertrag. Er wird, so führt er aus, von liberalen Sozialpoliti­fern mit Vorliebe angewendet, um das ganze Arbeits­verhältnis zu charakterisieren. Unzweifelhaft beruht das Arbeitsverhältnis auf einem Arbeitsvertrage. Aber sobald dieser Vertrag abgeschlossen ist, wird er vollkommen in den Hintergrund gedrängt durch die tausend täglichen Tatsachen der Arbeitsgemeinschaft, die vertragsmäßig gar nicht festgelegt werden können. Wenn überhaupt ein gedeihliches, vernünftiges Zusammenarbeiten möglich sein foll, muß der Arbeitsvertrag" zeitweilig ganz vergessen werden. Umgekehrt nötigt das Schlagwort Arbeitsver­trag" beide Teile, sich in jedem Augenblicke dieses Ver­trages zu erinnern; das bedeutet, daß der Unternehmer möglichst wenig für den Gehilfen, der Gehilfe möglichst wenig für den Unternehmer, und beide damit auch mög­lichst wenig für die gemeinsame Unternehmung leisten sollen.

Wenn die Unternehmer aber durch Wohlfahrts- Ein­richtungen die Arbeitsgemeinschaft zu stärken suchen, so handeln sie einem anderen Schlagworte zuwider, näm­lich der Freiheit des Arbeitsvertrages". Sie wollen da­durch die Arbeiter fesseln", ihr Selbstbestimmungsrecht" schädigen. Nun machen die Arbeiter von ihrem Selbst­bestimmungsrecht" jetzt einen so ausgedehnten Gebrauch, daß in sehr vielen Betrieben ein großer Teil der Ar­beiter in jedem Jahre wechselt. Dieser maßlose Arbei­terwechsel schädigt nicht nur die Unternehmungen, son­dern auch unmittelbar die Arbeiter selbst, denn solche Zugvögel gelangen meist nicht zu höherem Arbeitsver­dienste und leiden in ganz besonderem Maße unter Un­fällen; die Unfallhäufigkeit steigt und fällt parallel mit dem Arbeiterwechsel. Trotzdem verlangt das Schlag= wort Freiheit des Arbeitsvertrages", daß die Unter= nehmer keine Wohlfahrtseinrichtungen begründen, welche auch dem Zwecke dienen, einen festen Arbeiterstamm zu schaffen. Nur solche Wohlfahrtseinrichtungen sollen ge­stattet sein, welche lediglich darauf ausgehen, den Ar­beitern Wohltaten zu erweisen. Andererseits aber sagt man dann wieder, den Arbeitern sollten keine Wohl= taten erwiesen werden, es sollte ihnen nur ihr Recht zuteil werden.

Diese Gleichberechtigung" der Arbeiter ist ein Schlag­wort, das in allen Farben schillert. Man versteht da­runter oft allgemein menschliche, soziale, oft direkt wirt­schaftliche Gleichberechtigung. Unbestritten ist, daß die Handarbeiter als Menschen das gleiche Recht wie andere Klassen haben auf freundliches Entgegenkommen im Ver­kehr, auf Bildung, auf ein menschenwürdiges Dasein. Auch die formale, juristische Gleichberechtigung beider Teile beim Abschluß eines Arbeitsvertrages ist unbestrit­ten. Aber die Bedeutung der Leistung eines Handar­beiters ist eine so viel kleinere als die Bedeutung der Unternehmerleistung, und der Handarbeiter hat notwen­digerweise soviel einseitigere, engere Anschauungen von den gesamten Existenzbedingungen der Unternehmung, daß eine tatsächliche Gleichberechtigung beider Teile bei Festsetzung der Arbeitsbedingungen leicht zu schwerer Schädigung der Unternehmungen führen wird, und oft­mals bereits dazu geführt hat. Vor allem wird ganz übersehen, daß die organisierten Handarbeiter selbst nicht Gleichberechtigung, sondern Herrschaft erstreben, und daß sie diesen Anspruch bereits in weitem Umfange durchge­setzt haben. Welchen Sinn hat unter solchen Umständen das Schlagwort von einer Gleichberechtigung der Ar­beiter?"

Das oft gehörte Schlagwort von dem Egoismus der Unternehmer" ist ganz besonders schädlich. Gewiß muß der Unternehmer das Interesse der Unternehmung

Der

Die herrschenden sozialethischen Anschauungen sprechen tatsächlich die Sprache des Sozialismus und sind auch weitgehend selbst direkt sozialistische Anschauungen. Ihr Gerechtigkeitsideal ist dasjenige des Sozialismus. Es

ist nicht das der entgeltenden, sondern das der austei­lenden Gerechtigkeit, welche nicht nach der Leistung der

Menschen fragt, sondern nach ihren Bedürfnissen.

Wie sollen, bei Verwendung dieses Maßstabes, im Daseinstampfe die Tüchtigen vorankommen? Wie soll das deutsche Volk im Daseinskampfe auf dem Weltmarkt siegen? Was den Handarbeitern als hart und unbillig erscheint, wird von unseren Sozialethikern sofort als un­sittlich gestempelt. Was ihnen als sittlich erscheint, soll ohne weiteres eine Forderung objektiver Sittlichkeit sein verwandelt werden. Unser subjektives sittliches Empfin­und wenn irgendmöglich gleich in Gesetzesparagraphen den, unser Gewissen sagt uns, daß es unsere Pflicht ist, Bedürftigen zu helfen. Aber andererseits ist auch Strenge, ja Härte nicht selten nötig, um Menschen zu leiten. Rein Einzelwesen und kein Volk ist zur Reife gelangt ohne eine harte Schule. Ist es nicht eine ungesunde Rich tung in unserem öffentlichen Leben, welche nur immer darauf bedacht ist, den Handarbeitern neue Rechte zu geben, neue unverdiente Wohltaten zu erweisen, ohne gewirkt haben? Wir werden uns zu erwägen, wie die bisherigen Maßregeln dieser Art der sozialethischen Schlagworte entwöhnen, werden wieder lernen müssen, 3weckmäßigkeit zu folgen. Politik und Moral sind zwei in unserem öffentlichen Leben Erwägungen sozialer voneinander deutlich gesonderte Lebensgebiete.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. April 1911. ben wir wieder einmal zu verzeichnen. Nachdem be­- Gießen, 4. April. Einen Wetterumschlag ha­reits das schönste Frühlingswetter herrschte und viele Damen sich schon im neuesten Sommerhut, vereinzelt so= herrscht seit gestern wieder eine recht empfindliche Kühle. gar schon in lichter Sommergarderobe präsentierten, Im Laufe des Nachmittags schneite es sogar zur Ab­wechselung. Ja, der böse April, er tut was er will.

- Gießen, 4. April. Die Versammlung des B ür­gervereins gestern abend in Steins Garten brachte eine sehr rege Aussprache über die Verwendung des alten Kliniksgebäudes als zukünftiges neues Rathaus. Vor mehreren Monaten war es schon einmal in der Stadt bekannt geworden, daß das alte Kliniksgebäude umgebaut, entweder ein Realschulgebäude oder ein städtisches Verwaltungsgebäude geben soll. Das da= malige Gerücht aber verstummte schnell wieder, weil die Bürgerschaft sich ganz energisch dagegen wehrte. Erstens dürfte ein ehemaliges Krankenhaus nicht zu Schulzwe­den verwendet werden und zweitens ist das alte Kli­niksgebäude von dem Zentrum der bebauten und be­wohnten Flächen der Stadt viel zu weit entfernt. Mit Recht wollen darum auch jetzt besonders die Bewohner des Nord- und Ostviertels von dem neuen Rathaus an der Liebigstraße nichts wissen. Mehrere Redner, darun­ter Architekt Nikolaus und Schreinermeister Beil besonders, stellten fest, daß ein neues großes Rathaus, das allerdings notwendig ist, damit alle städtischen Aem­

ter endlich einmal an einer Stelle vereinigt werden, auf

dem jetzigen Platz an der Gartenstraße sehr wohl nach und nach, d. h. Flügel an Flügel gereiht, erbaut wer­den kann. Kaufmann Horst erinnerte daran, daß jetzt die beste Gelegenheit sei, die Frankfurterstraße im Bo­gen über das alte Kliniksgebäude zu leiten, um damit leicht die so sehr notwendige Ueberführung der Oberhessischen Bahn zu bekommen.

( Gießener Tageblatt)

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23. Jahrg.

Wetzlar, 4. April.( 3mpfgegner= prozeß.) Der Vorsitzende des Münchener Jmpfgeg­nervereins Prof. Dr. Molenaar- Starnberg hatte die Be­hauptung des Prof. Dr. Schloß man n- Düsseldorf

die Impfung sei ein harmloser Eingriff, der völlig un­schädlich sei" für eine schamlose Lüge" erklärt, Sch. auch nur einen kleinen Teil der von impffreund­

wenn

lichen Aerzten über Impfschäden veröffentlichten Litera­tur kenne, dagegen für eine geradezu verbrecherische Jg­noranz", wenn er nichts davon wisse. Das Landgericht Düsseldorf hatte deshalb Prof. M., ohne den Wahr= heitsbeweis zuzulassen, zu 100 Mark Geldstrafe und den Kosten verurteilt. Der Brief an Professor Sch. war in dem von W. Ressel- Dresden herausgegebenen Impf­gegner" erschienen, weshalb sich der Verfasser und der Redakteur am 23. Februar vor dem Schöffengericht in Dresden zu verantworten hatten. Beide Angeklagte er­klärten den Satz des Prof. Sch. Man achte nicht auf das törichte Geschwätz halb- und ungebildeter Menschen, welche in der Impfung den Grund für alle möglichen Erkrankungen sehen" für eine unverantwortliche Ver­

leumdung, da sich hervorragende medizinische Autoritä­

ten, Naturforscher und andere berühmte Männer sowie

zahlreiche Reichstagsabgeordnete schon vor Jahrzehnten offen als Impfgegner bekannt hätten. Professor M. er­klärte, er könne aus der Literatur Millionen von Fällen nachweisen, wo die Impfung als Schutzmittel versagt habe, sowie 340 Schriften impffreundlicher Aerzte über tausende von Fällen, wo die Impfung schwere Erkran­kungen und den Tod im Gefolge hatte. So seien in England( ohne Schottland und Jrland) 1875-1908 nach offiziellen Angaben, die sehr weit hinter der Wahr­heit zurückblieben, 1327 Kinder totgeimpft worden. Das Gericht lehnte aber den Wahrheitsbeweis ab und ver­urteilte beide Angeklagte trotz Anerkennung der Wah­rung berechtigter Interessen zu je 100 Mark Geldstrafe und den Kosten.

wurde Geh. Baurat Dr. Eser ernannt.- Mit den Obliegenheiten des hiesigen Kurdirektors wurde Oberst a. D. Oskar v. Frankenberg und Proschlitz betraut.

* Bad Nauheim. Zum Badedirektor

* Darmstadt. Der hess. Landesgewerbeverein begeht in diesem Jahre die Feier seines 75jährigen Be­stehens. Die Großh. Zentralstelle wird aus diesem An­laß eine Denkschrift herausgeben.

* Villingen. Am Samstag verunglückte der Sägewerksbesitzer Jung dadurch, daß er beim Brenn= holzschneiden von der Kreissäge erfaßt wurde, die ihm 3 Finger der rechten Hand wegschnitt.

Immer langsam voran,

immer langsam voran!...

So hiess es in der guten alten Zeit. Dieses Wort gilt für uns moderne Menschen nicht mehr! Wer heute vorwärts kommen will, für den heisst es, alle Kräfte anspannen, vor allem die Gesundheit, die schneidigste Waffe im Lebenskampfe, allzeit frisch erhalten. Um das zu erreichen, muss man auf eine durchaus gesunde Kost bedacht sein. Dazu gehört, dass man täglich morgens und nachmittags Kathreiners Malzkaffee trinkt. Er ist unschäd­lich, bekömmlich, wohlschmeckend und billig.

Der Gehalt macht's!