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niemals den Knoten endgültig beseitigt. Caruso wartet mit Ungeduld auf den Augenblid, wieder auftreten zu fönnen, aber wann dies geschehen wird, steht einstweilen noch nicht fest.

Das Millionärsheim auf der Jacht. Seit mehr als zwanzig Jahren hat Mr. Bayard Brown, ein Millionär aus Amerifa, auf seiner Jacht, die dicht bei Brightlingsea an der Küste von Essex verankert war, gewohnt. Auf der Jacht wehten die Sterne und Streifen, ihre Schornsteine rauchten ohne Unterlaß, ihre Mannschaft war immer zur Ausfahrt bereit. Nie aber hat sie in all den langen Jah­ren ihren Ankerplay verlassen. Brown galt als ein Son­berling. Was er in seinem Berufsleben ist, weiß kein Mensch. Er bezahlte alles mit blankem Golde, nur seine Einkommensteuer bezahlte er nicht. Er ließ sich verklagen und machte geltend, daß er Ausländer sei und nicht auf britischem Grund und Boden lebe, sondern auf seiner eige­nen, ganz amerikanischen" Jacht. Aber das Gericht ent­schied, daß er als Bewohner Großbritanniens zu betrach= ten sei, und verurteilte ihn, 200,000 Mart Einkommensteuer zu bezahlen. In Brightlingsea ist man gegen die Steuer­behörde aufs höchste erbittert. Denn nun hat Brown ge= droht, endlich zum ersten Male die Anker lichten zu lassen und abzufahren, was einen riesigen Verlust für den Kü­Stenort bedeuten würde; denn Brown hat dort nicht nur viel Geld ausgegeben, sondern er und seine Jacht bildeten auch eine Sehenswürdigkeit, die viele Fremde nach Bright­lingsea 30g.

Die erste Passagierfahrt des Luftschiffes Ersah Deutschland". Das Luftschiff Ersatz Deutschland" hat Sonnabend nachmittag, nachdem es zuvor noch eine Gas­füllung erhalten hatte, seine erste gut verlaufene Passa­gierfahrt ausgeführt. Veranstaltet wurde die Fahrt von der Deutschen Luftschiffahrtsgesllschaft. Graf Zeppelin selbst führte das Luftschiff. Bei mäßigem Westwind stieg es furz vor drei Uhr empor und flog zunächst über die Stadt hinweg in der Richtung gegen Konstanz zu. Nach zwei weiteren Stunden erschien es wieder über dem See und landete kurz nach 5 Uhr auf der Luftschiffswerft. An dieser ersten Passagierfahrt nahm u. a. die Schwester des Grafen Zeppelin teil.

Der Kassenraub des Untersetundaners Leist. Der ju= gendliche Kassendieb Kurt Leist, der, wie wir meldeten, aus dem Kassenschrank seines Vaters im Mannheimer Hauptsteueramt 54 000 Mark stahl und damit nach Frank­furt a. M. flüchtete, wo seine Verhaftung erfolgte, hat sich anscheinend schon wiederholt an dem seinem Vater anver­trauten Geldern vergriffen. Es wurden nämlich schon fünf­mal vorher Mantos in Höhe von 10 bis zu 400 Mark in der Kasse des Hauptsteueramts festgestellt, die der Vater

nes Leben geöffnet und mich dahin gebracht, wieder ein anständiger und ehrlicher Mann zu werden."

Die Gewinnung der Schwämme.

Der Beruf des Schwämmesammlers ist ungemein ge­fahrvoll. Von den durchschnittlich 700 Tauchern, die ihm an der tripolitanischen Küste obliegen, sterben jährlich 60 bis 100, und früher oder später ereilt fast jeden die sogenannte Taucherlähmung. Die Hauptgefahr ist mit dem raschen Auf­stieg verknüpft, der ein plößliches Nachlassen des Druckes zur Folge hat; war die durch den Aufstieg verursachte Läh­mung nur eine teilweise, so erlangt man durch den Abstieg den Gebrauch der Glteder wieder. Die Taucher arbeiten das halbe Jahr hindurch( April bis Oktober) von Sonnenauf­gang bis Sonnenuntergang in furchtbarster Gluthitze, und zumeist bei heftigem Wellengang. Im Winter verbringen fie fast ihre ganze Zeit in ihren Wohnungen auf den nahen Inseln. Ein tüchtiger Taucher verdient jährlich 800 bis 2400 Mark. Die gewinnsüchtigen Kapitäne der Sammel­schiffe behandeln diese Leute sehr streng, und die Aufsichts­organe wenden zu ihrer Ausbeutung recht grausame Mit­tel an. Fällt ein Fang nicht ergiebig genug aus, so muß der Taucher trotz aller Widerrede wieder hinunter und länge= re Zeit unten bleiben. Die heiße Wüstenluft, die sich durch die Reibung in den Luftpumpen noch mehr erhitzt, wird nicht immer vorschriftsmäßig durch Wasser gekühlt, sondern nur zu oft entseßlich heiß hinabgepumpt.

Ein Journalist schildert die Tätigkeit eines von ihm be­obachteten Schwammtauchers wie folgt: Unten angelangt, froch er auf dem Meeresboden herum, wobei er sorgfältig darauf achtete, die schweren Gewichte, die er an den Füßen trug, um nicht kopfüber zu fallen, nicht zu verlieren. Er suchte zwischen den Wundern und Schönheiten des halb= tropischen Seegartens nach Ansammlungen rötlich- brauner Schwämme Hatte er eine solche Gruppe gefunden, so gab er dem Aufseher ein Zeichen, worauf die Stelle in Angriff genommen wurde. Der Taucher warf nun die wertlosen schwarzen männlichen Stüde fort und behielt nur die ab= satzfähigen; die besten fand er auf den Felsen. Zuweilen glitt die schattenhafte Gestalt cines Haies oder eines See­wolfs bedenklich nahe an ihm vorbei. Plötzlich erschien er wieder an der Oberfläche. Das Wasser rann ihm von Helm und Schultern wie einem Amphibium. Mit seiner Tasche voll schwerer, schlammtriesender Schwämme wurde er an Bord gezogen."

Die Schwämme werden an Bord haufenweise zusam­mengeworfen und barfüßige Matrosen stampfen Schlamm und Wasser heraus. Sodann zieht man sie auf Schnüre und läßt sie, nachdem man sie seitwärts zum Nachschleppen auf­hängt, zehn Stunden lang schwimmen. Die Befreiung von Muscheln und Parasiten geschieht durch Schlagen mit schwe­ren Stöcken. Hierauf erfolgt ein neuerliches Waschen im Meere, worauf sie in einem mit einer schwachen Orallölung gefüllten Faß gebleicht werden.

ersetzen mußte. Offenbar hat der jugendliche Miſſetäter Hinter den Kulissen von Monte Carlo.

auch diese Diebstähle ausgeführt und aus diesem Grunde erklärte es sich auch, daß er bei seiner Verhaftung etwa 50 Mart mehr besaß, als er das letztemal gestohlen hatte. Der Vater, Kassierer und Oberbuchhalter Alfred Leist, ist Infolge der Aufregungen ernstlich erkrankt und hat sich beshalb einstweilen vom Dienst suspendieren lassen, zu­gleich auch seine Versetzung nachgesucht.

Die Stadt der Taugenichtse. Das Parlament des amerikanischen Staates Nebraska beschäftigt sich gegen= wärtig mit einem originellen Gesezentwurf, der darauf abzielt, die Gesellschaft von der Last der Fürsorge für die perkommenen Elemente der Bevölkerung zu entledigen. Der ungewöhnliche Plan gipfelt in der Absicht, eine Stadt Der Unnüßen" zu gründen, in der unter staatlicher Auf­ficht alle Landstreicher, alle unheilbaren Trinker und alle Individuen, die der menschlichen Gesellschaft nur zur Last fallen, ein Heim finden sollen. Es handelt sich dabei um fene Leute, die von den Gerichten nicht zu Gefängnisstra­fen verurteilt werden können, weil sie fein eigentliches Berbrechen begehen, die aber fortwährend wegen gering­fügiger Vergehen mit Polizeistrafen belegt werden müssen oder der öffentlichen Fürsorge anheimfallen. Der Gesetz­entwurf schlägt vor, die Stadt oder Kolonie der Unnüzen möglichst fern von allen anderen Ansiedlungen inmitten einer großen Ebene zu begründen, deren Gebiet dann den Bewohnern der Stadt der Unnügen reserviert bleiben soll, Die Arbeit wird unter Staatsaufsicht gestellt, und die Er­zeugnisse dieser Gewerbetätigkeit sollen dann nicht in den Handel kommen, sondern vom Staate übernommen wer= ben. Zugleich ermächtigt ein besonderer Paragraph die Gerichte, in geeigneten Fällen Urteile auf ,, Verbannung" in jene Stadt zu erlassen.

Selbstmord aus Fürcht vor dem Gericht. Auf dem Neuen Markt in Wien, einem der belebtesten Knoten­punkte der Inneren Stadt, hat sich ein tragischer Vorfall ereignet, der wegen der merkwürdigen Begleitumstände großes Aufsehen und allgemeine Teilnahme erregte. Aus dem fünften Stockwerk eines Hauses stürzte sich eine Frau auf das Straßenpflaster herab und unmittelbar hinter ihr Sprang ein Pudel. Die Selbstmörderin wie ihr Pudel waren auf der Stelle tot. Die angestellten Ermittelungen ergaben, daß die Selbstmörderin die bei dem greisen Pri­vatier Konrad bedienstete Wirtschafterin war, eine brave und ehrliche Person, die lediglich die ganz unbegründete Furcht vor einer gerichtlichen Verhandlung in den Tod ge­trieben hatte. Sie war von einem im Hause wohnenden Schneider angezeigt worden, weil sie wiederholt ein heißes Bügeleisen auf dem Korridor so geschwungen haben soll, daß daraus Funken fielen. In einem an ihrem Brotherrn hinterlassenen Briefe heißt es: Den treuen Karo habe ich mit mir in den Tod genommen. Sie sind zu alt und gebrechlich, um das gute Tier zu pflegen, deshalb ist es besser, er stirbt mit mir." Als an Gerichtsstelle die Sache Langbauer aufgerufen wurde, konnte der Verteidiger nur die Mitteilung machen, daß die Angeklagte ihrem Leben soeben ein Ende gemacht habe.

Der gefühlvolle Dieb. Vor zwei Wochen gelang es einem fühnen Einbrecher, sich in das Haus der Familie Liebig zu Neuyork einzuschleichen und außer anderen kost­baren Sachen eine goldene Spange, die einer der Töchter des Hauses, Fräulein Minnie Liebig, gehörte, sich anzu­eignen. Die Nachforschungen der Polizei führten zu kei­nem Ergebnis. Da erhielt Fräulein Minnie eines Tages von einem Ungenannten einen Brief. Der Absender ent­hüllte sich als der Einbrecher, der, nachdem er zunächst we­gen jener Missetat um Verzeihung gebeten hatte, der Adresatin anzeigte, daß die Goldspange und die übrigen geraubten Kostbarkeiten auf dem und dem Pfandhause zur Abholung für sie bereit lägen. Der Anonymus erklärte auch den Grund seines reumütigen Betragens. Er hatte nicht mehr ruhig leben können, weil die Augen des bestoh­lenen Fräuleins, die er auf der an der Goldspange an­gebrachten Miniatur täglich und stündlich habe sehen müß­en, ihn bei Tag und Nacht mit einem unvergleichlichen Ausdrucke höchsten Vorwurfes anschauten: Ihr Blick," so khloß der Brief, hat mir die Augen über mein vergange=

Der Kenner von Monte Carlo lächelt gewöhnlich über­legen, wenn er von den märchenhaften Gewinnen liest, öte diesem oder jenem Glückspilz in den Spielfälen zugefallen sein sollen. Die Gäste von Monte Carlo erinnern sich dann auch jener Gestalten, die sie mit leidenhaft verzerrten Zügen am Spieltisch siten sahen, jener Unglücklichen, die erst Hun­derte, dann Tausende und schließlich ein ganzes Vermögen verlieren. Man sah sie, wie sie zuletzt totenbleich, den Aus­druck trostloser Verzweiflung mühsam niederfämpfend, vom Spieltisch aufstanden und still davongingen, ohne zu ahnen, daß die Geschichte ihre Tragödie trotz aller Selbstbeherr= schung deutlich in ihren Mienen zu lesen war. Von diesen Opfern der Spielhölle erfährt die Deffentlichkeit fast nie etwas. Woher kommt das? Weil die Beamten von Monte Carlo, so antwortet eine amerikanische Zeitschrift in einem großen Aufsatz über das Spielwesen, die besten und zuver­lässigsten Reporter und Preßagenten der Welt sind. Wenn immer ein Spieler vom Glück begünstigt ist und eine grö­here Summe gewinnt, so macht die Kunde davon sofort die Runde durch die Presse aller Länder, wenn immer etne be= kannte oder berühmte Persönlichkeit das Kasino betritt und einige hundert Franks aus dem Kampfe mit dem Spiel­glück davonträgt, weiß das zwei Tage später die ganze Welt, die aber nie etwas davon erfahren wird, wieviel Menschen als vermögende Leute nach Monte Carlo tamen und als ruinierte Existenzen die Riviera verließen.

Als kürzlich der amerikanische Stahlkönig Charles Schwab einen Tisch der Bank sprengte, gingen noch am sel­ben Abend die Telgramme und Kabeltelegramme nach allen Weltrichtungen ab. Ste erzielten eine prompte Antwort: denn am nächsten Tage erhielt der Milliardär, der in einer flüchtigen Laune einige 50 000 Frants riskiert hatte und das Dreifache gewann, aus seinem Heimatlande mehr als 60 Kabeldepeschen, in denen Bekannte und gute Freunde ihn beschworen, seinen Ruf nicht zu gefährden; das Ver­trauen in der Geschäftswelt zu ihm könne erschüttert wer­den, er möge um Gotteswillen nie mehr an den Spieltisch gehen. Und in Amerika machte die Nachricht von der Spie­lerleidenschaft" des Stahlkönigs so großes Aufsehen, daß die Aktionäre des Trusts daran dachten, den verlorenen Mann" abzusetzen. Schwab, der mehr aus Laune als aus Leiden­schaft hin und wieder auch ins Kasino ging und sogar ge= wann, verläßt sich im Spiele auf sein gutes Glück und be­hauptet, daß man die Bank jederzeit sprengen fönne, wenn man mehr Geld bei sich habe, als das Kapital des einzelnen Spieltisches betrage. Bekanntlich eröffnet jeder Croupier an jedem einzelnen Tische das Spiel mit einem Kapital von 100 000 Frants, und es ist der Ehrgeiz jeden Spielers, we­nigstens einmal die Bank gesprengt und einen Tisch für den Rest der Nacht außer Tätigkeit gesezt zu haben.

Der Stahlkönig hatte an dem Tage, da er ins Kasino ging, 142 000 Franks gewonnen, aber sein Glück verblaßt neben dem des britischen Artilleriehauptmanns de Courcey Bower, der zu den weißen Raben zählt, die in Monte Carlo reich geworden sind. Er soll in einer Saison nahe an 5 Millionen Franks gewonnen haben. Der Kapitän hatte sich mit fünf Freunden zusammengetan, die alle am selben Tisch Platz nahmen und auf genau dieselbe Weise spielten. Keiner setzte je mehr als 1000 Franks, aber wenn sie gewonnen hatten, ließen sie die Summe stehen, bis das Maximum er­reicht war. Die Teilnehmer nannten das ihr System"; je­denfalls waren sie vom Glück begünstigt und haben einmal an einem und demselben Tage nicht weniger als sechs Mal die Bank gesprengt und sechs Spieltische außer Gefecht ge= setzt. Der Kapitän war mit verhältnismäßig geringen Mit­telu nach Monte Carlo gekommen, aber bald konnte er wie auch seine Gefährten die Lebensweise ändern und als Mil­lionär auftreten. Natürlich wurden auch seine Gewinne sofort als willkommene Reklame für das Kasino bekanntge­macht, und bald war der britische Hauptmann der Empfän= ger zahlloser Bettelbriefe. Zuguterlegt mußte er sich in Monte Carlo eine Sekretärin engagieren, um seine Korre­spondenz zu erledigen. Aber solche Glücksfälle sind natür­lich ganz seltene Ausnahmen, und die Skeptiker, die da be= haupten, daß auf ein gewonnenes Vermögen in Monte Carlo zehn oder zwanzigmal soviel ruinierte Gristenzen entfallen, sind jedenfalls nicht zu widerlegen.

Drabtnachrichten und neuestes.

Trauerfall in der Familie des Reichskanzlers. Berlin, 3. April. Die Schwiegermutter des Reichs­fanzlers, Frau von Pfuel, ist in der Nacht zum Sonntag im Hause Königgräherstraße 141, wo fie sich bei demt Gra

fen zu Dohna- Schlodien zum Besuch aufhielt, plötzlich an einem Herzschlage im Alter von 64 Jahren gestorben.

1eberfall auf einen Kassenboten.

Berlin, 8. April. Vorgestern abend gegen 8 Uhr wurde auf dem Hofe des Grundstücks Friedrichstraße 70a ein Raub­anfall gegen den 60 Jahre alten Kassenboten Schmidt ver=" übt. Dort drängte sich ein junger Mensch an den Mann heran und versuchte ihm seine 1000 Mark enthaltende Tasche zu entreißen. Zwischen beiden entspann sich ein Kampf und es gelang durch Hinzukommen anderer Personen, den Burschen zu verhaften.

Der militärische Ueberlandflug beendet. Berlin, 3. April. Die beiden Offizierspiloten Erler. und Mackenthum sind gestern abend 7 Uhr 05 Min. auf ihrem Albatros- Flieger in Döberitz glatt gelandet und haben daher den ersten militärischen Rundflug in größerem Stil tros mancher Hindernisse erfolgreich durchgeführt. Ein Anto in eine Schar spielender Kinder gefahren. Berlin, 3. April. Vor den Augen zahlreicher Pas­santen, die nicht mehr zu helfen vermochten, fuhr gestern eine Automobildroschke in eine Gruppe von Kindern. Meh­rere Passanten sprangen hinzu und zogen die vor Schreck besinnungslos gewordenen Kleinen, die stark bluteten, unter dem Kraftwagen hervor. Die Verlegungen der Kinder scheinen nicht lebensgefährlich zu sein.

Die Opfer der Explosion auf dem Kreuzer York". Kiel, 3. April. Die Beerdigung der bei der Explo­fion auf dem Kreuzer York getöteten drei Unteroffiziere fand heute nachmittag 3 Uhr statt.

Ein Schumann erschossen.

Benthen, 3. April. Ein Schutzmann in Laurahütte bemerkte nachts auf einem Patrouillengang mehrere ver­dächtige Personen. Als er sich ihnen näherte, schossen fie auf ihn. Er wurde durch fünf Schüsse schwer verletzt und starb alsbald.

Verhängnisvolles Spiel mit ungelöschtem Kalk. Oppeln, 3. April. Ein bedauerlicher Unfall creig­nete sich in Malin. Eine Anzahl Knaben hatten ungelösch­ten Staff in ein Gefäß getan und mit Wasser übergossen. Der Kalf explodierte und verbrühte drei Kinder schwer. Drei Knaben haben das Augenlicht verloren.

Berunglückter Luftschiffer.

Böhmis- Leiva 3. April. Ein Sonnabend nachmittag in Bitterfeld aufgeftiegener Ballon wollte negen 18 Uhr im Walde in der Nähe von Weffeln landen. Dabei verfing fich der Ballon in einer Höhe von 25 Metern in einer Fichte Ein preußischer Offizier fprann herab und brach sich das rechte Bein. Er verlor aber nicht die Besinnung, sondern rief den beiden anderen Infaffen au, er sei aut angefommen. Sonntag früh gelang es ihm, das Dorf Weffeln auf den Knieen rutschend zu erreichen. Er wurde nach Reichstadt gebracht und trat die Abreise nach Berlin an. Der Ballon hatte sicb infolge der Entlastung wieder erhoben und war davongeflogen. Ueber fein Schicksal ist noch nichts bekannt.

Ein weiteres Telegramm meldet über den Unfall des Offiziers: Prag, 3. April. Der Offizier wollte, nachdem sich der Ballon in einer Fichte verfangen hatte, sich an der Schlepp­leine langfam herunterlassen. Er rutschte jedoch mit solcher Ge­schwindigkeit berab, daß er sich Wunden an den Händen zuz. Als er am Ende der Leine angelangt war, fprang er ab, wobei er sich das rechte Bein brach. Kurz darauf wurde er ohnmächtia. Nach drei Stunden weckte ibn die Nachtfälte. Da er den Fuß nicht bewegen fonnte, versuchte er, sich rutschend von der Un glücksstelle fortzufchleppen, er wurde dabei abermals ohn mächtig. Gegen 3 116r früb fam er wieder aut sich und schleppte fich num durch den Wald fort, bis er eine Hütte in dem Dorfe Wesseln erreichte. Hier wurde im Hilfe zuteil.

Schweres Schiffsunglück..

Kopenhagen, 3. April. Bei nebeligem Wetter er folgte in der Nacht zum Sonntag an der südlichen Einfahrt des Sundes ein Zusammenstoß zwischen dem Hamburger Dampfer Belfried Bismarck" mit Stückaut nach Malmö be­stimmt, und dem Kopenhagener Dampfer Saxo". Leẞterer wurde mitschiffs angerannt und die Steuerbordfeite aufgeriffen. Das Schiff fant binnen wenigen Minuten. Belfried Bismarck" wurde am Bua schwer beschädigt. Gleichwohl aelang es ihm aber, die Boote auszufeben und die 15 Mann Besatzung des " Saro" zu retten. An Bord des Dampfers befand sich auch eine Menagerie, darunter 18 Eisbären, die einen Wert von 80,000 Marf repräsentieren. Sämtliche Tiere sind ertrunken. Allgemeiner Ausstand der französischen Hafenarbeiter. Paris, 3. April. Der nationale Verband der Ha­fenarbeiter hat heute beschlossen, einen Aufruf zu erlassen, in dem die Hafen- und Dockarbeiter aufgefordert werden, von heute ab in fämtlichen Hafenstädten in den Ansstand zu treten, weil die Reeder die Absicht haben, die Organi­sation der Hafenarbeiter zu stören.

Zur spanischen Ministerfrise.

Madrid, 3. April. Der König empfing sofort nach seiner Ankunft aus Melilla Canalejas in Audienz und sprach ihm sein volles Vertrauen aus. Er ermächtigte ihn, die bisher von ihm verfolgte Politik fortzusetzen und in der Zusammensetzung des Kabinetts die Aenderungen, die er für notwendig hält, vorzunehmen. Canalejas nahm den Auftrag an. Er ist bemüht, den Ministerwechsel auf das Portefeuille des Krieges zu beschränken und unterhandelt deswegen mit General Weyler in Barcelona. Es ist mög­lich, daß der Finanzminister ebenfalls ersetzt wird. Heute sollen die Kortes die Debatten wieder aufnehmen. Nene Sturmszenen stehen in Aussicht.

Angriff auf einen Missionar in China. Schanghai, 3. April. Der Amerikaner Murray, ein Mitglied der Mission in Tsinanfu, wurde am 28. März bei Tsinanfu angegriffen und verwundet. Sein Zustand ist nicht bedenklich. Der Angreifer wurde festgenommen. Die Beamten zeigen große Besorgnis.

Ausbruch der Beulenpest auf Java. Kalkutta, 3. April. Die Beulenpest ist in Ost- Java ausgebrochen. Hunderte von Eingeborenen sollen der Senche zum Opfer gefallen sein.

Bandel und Oerkebr.

Saatenstandsbericht der Preisberichtsstelle des Deut schen Landwirtschaftsrats vom 1. April 1911. Nach den bei der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats Ende März eingelaufenen Berichten haben die Saaten unter den Einwirkungen des Winterwetters im allgemeinen. nur wenig gelitten, wohl aber haben, wie dies zu erwar= ten war, Mäuse und Schnecken den Roggen- und Klee­jaaten zum Teil erheblichen Schaden zugefügt, so daß es bei diesen Fruchtarten vielfach zu größeren Umpflügungen tommt. Aber auch sonst lauten die Berichte über die Rog­gensaaten im allgemeinen weniger günstig als über Wei­zen. Letzterer fam zwar infolge des trockenen Herbstwet­ters schwach in den Winter und ist auch jetzt noch vielfach im Wachstum zurück, scheint aber, soweit es sich bisher übersehen läßt, durch Fröste oder tierische Schädlinge we­nig gelitten zu haben und läßt bei entsprechender Witte­rung eine günstige Entwicklung erhoffen. Von den Rog­gensaaten haben namentlich die spät bestellten, die diesmal einen großen Prozentsatz der Gesamtfläche bilden, das wech selvolle Winterwetter gut vertragen, anscheinend auch durch die letzten Märzfröste gelitten, wenigstens wird allgemein über dünnen Stand und ungesundes Aussehen der Rog gensaaten berichtet. Der durch Mäuse- und Schneckenfraß angerichtete Schaden ist so bedeutend, daß stellenweise na= mentlich in Süddeutschland die Hälfte der Saaten umges pflügt werden dürfte. Die Bestellungsarbeiten sind infolge guter Beschaffenheit des Bodens ziemlich weit vorgeschrit ten und dürften bei andauernd günstiger Witterung bald beendet sein.