Deutscher Reichstag.
bezeichnet werden kann:„ Den Reichstanzier zu ersuchen, dahin zu wirken, daß den vor 1900 angestellten Oberassistenten und Vorstehern von Postämtern 3. Klasse, soweit sie mindestens drei Jahre im Genuß ihres Höchstge= haltes sind, eine pensionsfähige( oder auch nicht pensionss fähige) Bulage gewährt werde." Eine Reihe neu gefor= derter Beamtenstellen wurde bewilligt.
Die Reichstagskommission zur Vorberatung der Reichs: versicherungsordnung hat am Donnerstag den§ 356, der über die Anstellung der Beamten bei den Krankenkassen handelt, entsprechend dem Kompromißantrage der Konser= vativen, des Zentrums und der Nationalliberalen, mit großer Mehrheit angenommen:„ Bei den Krankenkassen werden die Stellen der Beamten durch übereinstimmende Beschlüsse beider Gruppen im Vorstande besetzt. Einigen sich die Gruppen nicht, so wird die Beschlußfassung auf einen anderen Tag anberaumt. Wird auch dann keine Einigung erzielt, so kann die Anstellung beschlossen werden, wenn mehr als zwei Drittel der Anwesenden dafür stimmen. Aber ein solcher Beschluß bedarf der Bestäti= gung durch das Versicherungsamt. Sie darf nur auf Grund bestimmter Tatsachen versagt werden." Es wurde ein neuer§ 356a eingefügt, der unter Umständen dem Versicherungsamt das Recht gibt, Kassenbeamte anzustellen.
Am Donnerstag wurde der Militäretat fortberaten. Die Pofition„ Ankauf der Remontepferde" nahm der Abg. Raske( Soz.) zum Anlaß, gegen eine weitere Erhöhung der Nemontenpreise zu protestieren. Er richtete seine Polemik m Grunde gegen die Großagrarier, die nach seiner Metnung die für die Armeepferde aufzuwendenden Mittel in ihre ohnehin vollgefüllten Taschen stecken. Er mußte fich freilich von den verschiedensten Seiten eines Besseren belehren laffen. Selbst der Abg. Gyßling( fortschr. Vp.) warnte vor falscher Sparsamkeit und betonte das hohe Risiko und die geringe Rentabilität der Pferdezucht, weshalb auch die Landespferdezuchtkommission eine Preiserhöhung für unbedingt erforderlich erklärt hat, denn die Produktionskosten werden jetzt kaum gedeckt. Auf Grund ihrer eingehenden Sachkenntnis legten dies die Abgeordneten Rogalla von Bieberstein( f.), Varenhorst und Freiherr von Gamp( Rp.) im einzelnen dar. Letzterer hob besonders die eminent wirtschaftliche Bedeutung der Frage hervor; der schwere ostpreußische Boden erfordert schwere Kalt= blüter, zu deren Zucht man daher immer mehr überzugehen genötigt ist. Die Remontezucht lohnt an sich nicht, zudem finfen die Preise für nicht von den Remontekommiffionen angefaufte Pferde bis fast auf die Hälfte. Die nationale Bedeutung einer Remontezucht für den Kriegsfall wurde u. Der a. auch vom Abg. Becker- Cöln( 3.) gekennzeichnet. Wunsch, von kleineren und mittleren Besitzern zu kaufen, wurde mehrseitig an die Militärverwaltung gerichtet, diese teilte mit, daß über die Notwendigkeit einer Preiserhöhung gegebenenfalls eine Prüfung eintreten solle. Weiterhin wurde über die freisinnige Resolution verhandelt, besonders guten Turnern Bevorzugungen beim Militärdienst, wie Berkürzung der Dienstzeit und besseres Avancement einzuräumen. Der Kriegsminister hob hervor, daß die Staatsverwaltung vom Werte guter turnerischer Ausbildung durchdrungen sei, daß aber Schwierigkeiten, insbesondere hinsichtlich einer Verfürzung der Dienstzeit, entgegenstän= den. Eine Verkürzung der Dienstzeit sei unmöglich. Jeder gute Turner sei nicht ohne weiteres ein guter Soldat, wenn er nicht tüchtiger ist beim Schießen und beim Felddienst als andere Leute. Man könne auch nicht behaupten, daß ein Turner alles leisten kann. Wer solle übrigens entscheiden, ob jemand ein guter Turner ist? Das seien alles große Schwierigkeiten. Ein intelligenter Turner werde sich auch von selbst durchsetzen. Die Freisinnigen änderten auf na= tionalliberalen Vorschlag ihre Resolution dahin, daß ganz allgemein die Militärverwaltung um Sympathien für die guten Turner ersucht wird. Die so abgeänderte Resolution wurde nach weiterer Debatte gegen die Stimmen der Nationalliberalen und der Volkspartei abgelehnt. Schließlich wurde noch über das Kapitel Artillerie und Waffenwesen beraten, wobei auch die Arbeitsverhältnisse in den Militärbetrieben erörtert wurden. Dann wurde die Wetterberatung auf Freitag vertagt.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
tot, und der Reisende gab sich auf der ponizel an, wo dann die Aufklärung des Scherzes" erfolgte.
Ein Attentat auf den Orientexpreßzug wurde in der Nähe von Konstantinopel verübt. Eine Anzahl Banditen hatten den Versuch gemacht, den Zug durch Aufreißen von Schienen zum Entgleisen zu bringen, was aber noch rechtzeitig entdeckt und verhindert werden konnte. Die Bahnverwaltung verlangt militärische Schuhmaßregeln.
Der Neubau des Königlichen Opernhauses in Berlin beschäftigte am Donnerstag die Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses. Die Gesamtkosten dafür werden, für den wahrscheinlichen Fall, daß es auf dem Krollschen Gelände und den hierzu zu erwerbenden Grundstücken In den Zelten und in der großen Querallee erbaut wird, auf etwa 21 Millionen Mart geschäßt, wobei der Bau mit rund 12 Millionen Mark angenommen ist. Zu einer endgültigen Beschlußfassung kam es noch nicht.
Ein tragisches Geschick hat den Arbeiter Spiemer in Berlin betroffen. Er hatte gegen weitläufige Verwandte einen Prozeß angestrengt, der schon mehrere Jahre sich hinzog, und in dem am Mittwoch ein neuer Termin anstand. Nach langer Verhandlung wurde der Prozeß zugunsten des Arbeiters entschieden. Bei Verkündung des Urteils geriet der Arbeiter in eine derartige seelische Erregung, daß er einen Herzschlag eritt, der sofort seinen Tod herbeiführte. Auf der Rückfahrt vom Musterungsgeschäft ertranfen in Schwarzenkrug vier Personen. Das Boot schlug auf der Memel beim Abdrücken von auf dem Flusse schwimmenden Eisschollen um. Nur einer der fünf Insassen konnte sich retten.
In der gestrigen Landtagsersatzwahl im Wahlkreise Bielefeld- Herford wurden abgegeben: 484 Stimmen für Malermeister Lieneweg- Werther( fons.), 202 Stimmen für Dr. Conze( natl.), Herford. Ersterer ist somit gewählt. Die Sozialdemokraten und Christlich- Sozialen hatten sich der Stimme enthalten.
Im Maskenkostüm verbrannt ist gestern in Osterath bei Düsseldorf auf einem Maskenball eine Tänzerin, deren Kleider in Brand geraten waren. Ehe man die Flammen löschen konnte, hatte die Unglückliche schon ihren Geist auf= gegeben. In Hagen i. W. verbrannte eine 86jährige Witwe, deren Kleider bei einer Petroleumexplosion Feuer gefangen hatten.
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Eine Familientragödie wird aus dem westfälischen Grubenorte Castrop gemeldet. Im benachbarten Dorfe Bövinghausen kam der Bergmann Prinz abends angetrunfen nach Hause. Aus geringfügiger Ursache begann er mit seiner Frau, die sich schon zur Ruhe begeben hatte, Streit, brachte der Frau einen Stich in die Brust bei und zerschnitt ihr die Sehnen eines Armes. Die Frau starb kurz darauf. Prinz wurde verhaftet; die Kinder wurden dem Waisenhause zugeführt.
Das neue französische Kabinett setzt sich voraussichtlich wie folgt zusammen: Vorsiz und Inneres Monis, Justiz Jeanneney, Aeußeres Cruppi, Krieg Berteaux, Marine Delcassé, Finanzen Caillaux, Unterricht Steeg, öffentliche Arbeiten Charles Dumont, Handel Poirrier, Ackerbau Masse oder Paul Boncour, Kolonien Messimy, Arbeit und soziale Fürsorge Viviani oder Paul Boncour. Ein Postministerium soll neu geschaffen werden; dieses Portefeuille soll Chaumet übernehmen. Monis ist Senator und 65 Jahre alt. Er begann seine politische Laufbahn als Abgeordneter und gehörte bereits dem Senat an, als ihn Waldeck- Rousseau auf den Posten des Justizministers berief. Monis wurde von Briand aufgefordert, in sein zweites, im November 1910 gebildetes Ministerium einzutreten, lehnte aber in letzter Stunde ab.
Die Einstellung des Prinzen Joachim von Preußen, des jüngsten Sohnes des Kaiserpaares, in die Lehrkompanie des ersten Garderegiments fand am Donnerstag nachmittag im Beisein des Kaisers im Langen Stall zu Potsdam statt. Um 2 Uhr nahm dort die Leibkompanie des ersten Garderegiments zu beiden Seiten eines Feldaltars Aufstellung. Außer dem Kaiser, der die Einstellung des Prinzen selbst vornahm, waren alle in Berlin weilenden Prinzen erschienen, ferner die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise. Prinz Joachim leistete den Eid auf die Fahne, die vom Obersten v. Kleist gehalten wurde. Nach der Vereidigung hielt der Kaiser eine kurze Ansprache an Offiziere und Mannschaften. Während der Feier war der Lustgarten für das Publikum gesperrt.
Aus den Gerichtssälen.
Die Tücke des Telephons wäre beinahe einem Göttinger Fabrikanten zum Verhängnis geworden. Um eine dringende Verbindung zu erlangen, rief er das Amt an, im selben Moment hatte aber die amtierende Telephonistin eine Verbindung eines anderen Teilnehmers mit dem Fabrikanten hergestellt, und, um ihn anzurufen, seine Lettung eingeschaltet. Durch den Anruf des Fabrikanten durch den Kurbelwecker hatte daher die Telephonistin einen leich= ten elektrischen Schlag bekommen. Darüber ungehalten, rief sie den Fabrikanten nicht gerade zart an:„ er habe nichts zu wecken; wenn er eine neue Verbindung wünsche, dann soll er doch gefälligst erst den Hörer wieder hinhängen, ehe er wecke." Der Fabrikant fand natürlich diesen Verweis höchst seltsam; als die Telephonistin ihm erregt antwortete, ersuchte er sie dringend, ihm feine langen Reden zu halten, sondern ihm die gewünschte Verbindung zu geben. Nachdem er diese erhalten hatte, und das Gespräch erledigt war, rief die Telephonistin ihn nochmals an und setzte ihn wegen seiner nach ihrer Ansicht ungebührlichen Aeußerungen zur Rede. Der Fabrikant, der immer noch nicht wußte, was die Telephonistin so erregt hatte, verbat sich schließlich deren Reden und hing mit den Worten: Das ist doch wirklich eine ganz unverständige Geschichte" den Hörer an den Hafen. Die Folge dieses Renkontres war, daß die Oberpostdirektion in Braunschweig auf Veranlassung des der Telephonistin vorgesetzten Telegraphendirektors Strafantrag gegen den Fabrikanten stellte, weil er die Telephonistin durch die Worte beleidigt habe: fie folle teine„ dicken" Reden führen“ und„ das ist doch wirklich eine ganz unverschämte Gesellschaft." Der Fabrikant konnte durch einen Zeugen, der in einem Nebenraum das Gespräch mit angehört hatte, nachweisen, daß er nicht diese, sondern die oben mitgeteilten Redewendungen gebraucht hatte, während die Telephonistin beschwor, er habe sich der erwähnten beleidigenden Aeuße= rungen bedient. Da Eid gegen Eid stand, war ein großer Zeugen- und Sachverständigenapparat aufgeboten worden. Nach langer, eingehender Verhandlung kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß die Telephonistin sich geirrt haben müsse, also eins der berüchtigten Telephon- Mißverständnisse vorliegen müsse, und sprach den Fabrikanten fret. Die Kosten zweier Instanzen, Schöffengericht und Straffammer, wurden der Staatskasse auferlegt.
Eine antirussische Propaganda hat im fernen Osten eingesetzt. 1200 in Tokio lebende chinesische Studenten haben beim chinesischen Botschafter Protest gegen die Schwäche der Regierung eingelegt, die durch ihre Nachgiebigkeit gegen Rußland die Nation erniedrige. Es wurden 18,000 Yen gesammelt zu einer antirussischen Propaganda in China und Europa.
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Zur Frage der elsah- lothringischen Verfassungsreform meldete eine Berliner Zeitung, daß mit Bestimmtheit schon in den nächsten Tagen eine Verständigung unter den Bundesregierungen zu erwarten sei, nach der Elsaß- Lothringen drei Bundesratsstimmen für wirtschaftliche Fragen zugestanden werden sollen. Diese Nachricht ist unzutref= fend und non feiner zuständigen Stelle veranlaßt.
Ueber den Aufruhr auf Haiti bringt ein in London eingetroffener englischer Dampfer entsetzliche Einzelheiten nach Europa. Auf der Negerinsel fließt das Blut in Strömen. Viele Ortschaften sind niedergebrannt und verwüstet. Das deutsche Konsulat in der Hauptstadt soll noch die einzige Zufluchtsstätte für die europäischen Bewohner der Stadt sein. Der Dampfer mußte den Bewohnern Lebensmittel abgeben, da sie durch die plündernden Neger um ihre ganze Habe gekommen sind. Viele Familien be= finden sich in ernster Not.
Der Postetat in der Kommission. Die Budgetkomisfion des Reichstages setzte Donnerstag die Beratung über die beantragten Zulagen für alte Oberpost- und Telegra= pherassistenten( 100 bis 300 M) fort. Nach Mitteilung der Reichspostverwaltung würden sich die Mehraufwendungen belaufen 1911 auf 2,4 Millionen, 1913 auf 24 Millionen, 1914 auf 3 Millionen. Sie steigen dann bis 1922 auf 5% Millionen, dann aber würden sie allmählich wieder sinken, um 1947 ganz fortzufallen. Man überzeugte sich, daß die mitgeteilte Resolution angesichts der finanziellen Konsequenzen und der Rückwirkung auf an dere Beamtenklassen, keine Aussicht auf Erfolg bei den Verbündeten Regierungen haben würde und nahm folgende Resolution an, die als ein gangbarer Mittelweg
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Das Familiengeheimnis.
Noman von L. Walter. Nachdruck verboten.
Kleine Nachrichten.
Der
130 000 Mark für die Speisung von Schulkindern. Magistrat von Berlin hat für die Mittagspeisung bedürftiger Volksschulkinder 130 000 Mark bewilligt. Von privater Sette waren in den letzten Jahren außerdem noch erhebliche Beiträge für diesen Zweck berett gestellt worden.
Zu Fuß um die Erde. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Weltreisende Konstantin Weltschikow, der 1903 von Sofia aufbrach, um zu Fuß rund um die Erde zu wandern, traf Mittwoch hier ein. Er hat alle fünf Weltteile durchquert.
Dieser Meinung, lieber Karl, bin auch ich; es kommt nur darauf an, ob die Verpflichtung, die Ihnen das Geheimfach auferlegt, der letzte Wille ihres Vaters ist. Ich habe an dem Eterbebette meines guten Herrn gestanden, ich habe ihn nicht verlassen, bis er den letzten Atemzug getan... war er auch kraftlos, litt er auch unsägliche Schmerzen... mir hätte er gewiß eine Andeutung über die so ernste Eache gegeben. Selma tam und ging, fragte oft nach dem Befinden des leidenden Bruders; aber auch sie hat kein Wort geäußert, das meine Aufmerksamkeit erregte."
Einen eigenartigen„ Scherz" erlaubten sich mehrere Heidelberger Studenten. Ste provozierten mit einem Reisenden einen Streit, und es kam zu einer Duellforderung mit zweimaligem Kugelwechsel. Das Duell fand statt, die Pistolen waren aber nur mit Plakpatronen geladen. Der sich duellterende Student stellte sich nach dem zweiten Schusse
,, Warten Sie, Karl, es ist das Beste. Tun Sie, als ob nichts vorgefallen und behandeln Sie die Tante wie bisher. Aber schweigen Sie... das Geheimbuch verschließen Sie sorgfältig. Später beraten wir weiter."
lag, daß hier eine Fälschung verübt, wollte er die Handschrift des Vaters als echt anerkennen.
Die
Vermischtes.
Der westfälische Banktrach. Der Direktor der verkrachten Niederdeutschen Bank in Dortmund, Bankier Ohm ist, wie dem B. T." aus Dortmund geschrieben wird, in der Untersuchungshaft ernstlich erkrankt. Er leidet an einem starken Influenzaanfall, und es haben sich Erscheinungen einer Kippenfellentzündung mit hochgradigem Fieber bemerkbar gemacht. Die Untersuchungsbehörde wie auch die Staatsanwaltschaft erwägen zurzeit, ob die Unterbringung des Kranken in einer Anstalt nötig ist. Frau Ohm wurde von der Erkrankung ihres Mannes amtlich benachrichtigt. Die lange Untersuchungshaft scheint seine Gesundheit, obschon ihm eine Reihe Vergünstigungen eingeräumt sind, arg in Mitleidenschaft gezogen zu haben.
Der Nachmittag brachte zahlreiche Kondolationen und Beileidsbesuche, die Selma empfing. Halling war ein zu geachteter Mann gewesen, als daß seine Freunde sich hätten abhalten lassen, das Trauerhaus zu betreten. Nachricht von dem jähen Unglück hatte sich erst nach dem Begräbnisse verbreitet; man hatte nicht einmal in gröBeren Kreisen gewußt, daß der Kaufherr krank gewesen. Die Bestürzung war eine allgemeine, die Teilnahme eine innige. Erst abends sieben Uhr, als die Comptoirs ge= schlossen waren, konnte Karl sich entfernen, um den Besuch abzustatten, der ihm am Herzen lag.
Karl tat, wie Horn gesagt. Der Geschäftsgang ward nicht unterbrochen. In den Mittagsstunden fand der junge Mann Gelegenheit, mit Selma längere Zeit zu sprechen; sie äußerte kein Wort über ihr Verhältnis zu dem vertorbenen Bruder und zeigte überhaupt kein Interesse für den Nachlaß. Auf die wiederholte Frage, ob Halling nicht einen Wunsch cusgedrückt oder eine Bestimmung hinterlassen habe, antwortete sie:„ Ich weiß nichts." Karl teilte dies dem Kassierer mit.
Mein junger Freund," sagte Horn,„ ich habe über pie Angelgenheit nachgedacht und gefunden, daß sie sehr geheimnisvoll ist. Beobachten Sie, beobachten Sie! Ein schneller Tod bewirkt oft seltsame Dinge."
Die Vernichtung des Geheimbuches hätte den jungen Mann jeder Verpflichtung enthoben; aber sein Ehrgefühl sträubte sich dagegen, er ließ den Gedanken an einen Betrug nicht aufkommen. So lange die Gewißheit nicht vor
,, Wohin gehst Du?" fragte Selma, als sie ihn mit Hut und Stock erblickte.
„ Ich will mit unserem Rechtsanwalt beraten, der mir sagen soll, was ich bei lebernahme der Firma zu beobachten habe. Es gibt gewisse Formalitäten, die erfüllt werden müssen."
,, Weitläufigkeiten können nicht entstehen, da Du der einzige Erbe bist. Statt des Vaters vertrittst Du die Firma nach allen Richtungen hin...." ,, Gewiß, Tante!"
" Du übernimmst alle Rechte und alle Verpflichtungen." ,, Die ich zu leisten schuldig bin."
schreckliche Krankheit wütct noch immer fort. Man sagt, es sterben ganze Familien aus. Wäre ich nicht an die Wirtschaft gebunden, die ich unmöglich den Bediensteten überlassen kann, ich würde die Stadt verlassen."
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Karl reichte ihr die Hand mit der Bemerkung:„ Ich werde nicht lange ausbleiben." Selma hatte das erste Wort über den Fortgang des Geschäfts gesprochen. Warum wollte sie die Einmischung des Rechtsanwalts nicht? Warum sprach sie von Rechten und Pflichten? Sie mußte doch wohl Forderungen an den Bruder haben, die geltend zu machen sie unterließ, da die Zeit dazu eine ungeeig= nete war. Kar! suchte wirklich den Rechtsanwalt auf, um ihm das Ordnen seiner Angelegenheit zu übertragen. Starke, so hieß der Jurist, hörte mit Entsetzen die Trauerbotschaft. Halling war ihm befreundet gewesen, er hatte oft heitere Stunden mit ihm verlebt.
" Und dazu bedarfst Du keines Advokaten, der die Angelegenheit in die Länge zieht, um zu liquidieren. Der selige Friedrich hatte nicht gern mit Rechtsanwälten zu tun." „ Es handelt sich auch nicht um einen Prozeß, liebe Tante, sondern nur um die Erfüllung von Formalitäten, die das Gesetz vorschreibt."
,, Du solltest heute nicht ausgehen, Karl." „ Warum?"
" Es ist so unheimlich still in unserem Hause; ich sehne mich nach Unterhaltung.. außerdem ist es nicht geraten, gerade jet: fremde Häuser zu betreten.... die
„ Es ist gräßlich!" murmelte der fünfzigjährige Mann, der sich kaum fassen konnte.„ Halling stand noch in der Kraft seines Lebens, er fonnte noch viel Gutes wirken.. Er mußte sich die Augen trocknen.
„ Ich werde alles, alles besorgen," versicherte der Advokat. Arbeiten Sie ruhig in Ihrem Comptoir und überlassen Sie mir die nötigen Anmeldungen bei der Behörde." ,, Herr Advokat, eine Frage möchte ich an Sie richten." " Fragen Sie, mein lieber Freund."
Hat mein Vater ein Testament gemacht?" Nein."
" Sie müssen es wissen, da er sich stets Ihres Rechtsbeistandes bediente und nichts ohne Ihren Rat unternahm."
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,, Er hat nie davon gesprochen, auch ist ein Testament nicht nötig, da Sie, der einzige Sohn, der gesetzmäßige Erbe sind. Sie haben mit niemandem zu teilen, nieman dem Abfindungssummen auszuzahlen. Da Sie bereits großjährig sind, wird die Webertragung der Firma auf Ste ohne weiteres stattfinden." ( Forts. folgt.)
Rorrespondenten
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Beifalle vorgeto
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Die Nachbarn ciollagen hatten
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