Ausgabe 
4.3.1911 Zweites Blatt
 
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beschwert sich denn auch fortgesetzt über die lange In­Haftierung, die Ohm für ungerechtfertigt hält. Mit der aftentloffung Ohms wird es indessen noch gute Weile Baben, es schweben gegen Ohm nicht weniger als 34 Straf nerfahren, davon 7 Depotunterschlagungen, in 3 Fällen die Untersuchung abgeschlossen, so daß diese Anklage­unite alsbald zur Verhandlung kommen werden. Das Verfahren richtet sich niemals gegen Ohm allein, sondern tommen auch die übrigen Verhafteten in Frage, die Ihre Pflicht verabsäumt haben sollen. So sind zum Bei­piel in einer Sache 10, in einer anderen Sache 14, in iner weiteren 12 und in der größten Sache nicht weniger cls 18 Personen angeklagt.

Ein Flug übers Meer. Ein abenteuerlicher Plan soll in Kürze zur Ausführung gelangen. Mr. Twonbly, ein amerikanischer Ingenieur, baut zurzeit einen 75pferdigen Flugapparat, mit dem er den Atlantischen Ozean über­fliegen will. Er beabsichtigt allerdings nicht, den Flug ununterbrochen durchzuführen, sondern will eine Anzahl von Schiffen chartern, die er mit Plattformen für Flug­apparate versehen lassen will. Er beabsichtigt dann, auf Diese Weise von Dampfer zu Dampfer über den Ozean gewissermaßen zu hüpfen. Der Apparat ist mit einer Echwimmvorrichtung versehen, damit er sich, falls dem Aviatiker ein Unfall zustoßen sollte, über Wasser halten lann, bis der nächste Dampfer herangekommen ist.

Berwegener Banteinbruch in Panama. Ein Tele­gramm des ,, New York Herald" vom 1. März aus Panama meldet einen Einbruch in die Bank der Gebrüder Bran­don, die über große Häuser in Neuyork und Panama ver­fügen. Bereits vor vier Monaten hatten die Einbrecher ein Hotelzimmer gemietet, das an die Banträume stieß. Gie gaben sich für Ingenieure aus und brachten in ihrem Zimmer zahlreiche elektrische Apparate an. Hierdurch ge­lang es ihnen, ihre wirkliche Tätigkeit, nämlich das Gra ben eines Tunnels bis unter die Hauptstahlkammer der Bank, zu verbergen. Als vorgestern der Kassierer der Bant die Stahltammer öffnen wollte, fand er sie verschlos= Fen. Sie war von innen verriegelt. Die Tür wurde mit einem Sauerstoffgebläse geöffnet, und man fand die Stahl­Tammer leer. Durch ein Loch im Fußboden war sie aus­geraubt worden. Den Dieben ist die verhältnismäßig geringe Summe von 17 000 Dollars in die Hände gefallen. Sie haben sich nach Gelingen des Einbruchs ein Petroleum­boot für 2000 Mart, sodann Gewehre, Revolver und Mu­nition getauft, und sind mit dem wohlverproviantierten Fahrzeug auf das offene Meer hinausgefahren. Zwei Po­lizeipinassen sind ihnen gefolgt.

Das Abflauen der Pest. Nach einer Depesche des New York Herald" aus Peking sind nach dem offiziellen Bericht in Fudsjadjan am Mittwoch weder Krankheits­noch Todesfälle an Pest vorgekommen. Dies ist der erste Zag seit Beginn der Epidemie, an dem die Pest keine Opfer gefordert hat. Dieser Erfolg ist durch die von den Chinesen durchgeführten sanitären Maßnahmen erzielt worden. Nachrichten aus chinesischer, russischer und japani­cher Quelle zufolge hat sich die Epidemie jedoch weiter ausgedehnt, und zwar mit einer furchtbaren Schnelligkeit. Besonders der Norben der Mandschurei und die Gebiete westlich des Flusses Liao sind gefährdet. Dr. Aitzato mel­bet dem Heraldbureau in Peking, daß er in Tschang- Tschun Fälle gefunden habe, die alle Charaktereigenschaften der Bubonenpest zeigten. Mehr als 20 000 gefangene Ratten aus infizierten Häusern in der Mandschurei wurden unter­ucht, doch wurde keine als Bakterienträgerin festgestellt. Es besteht jedoch die Befürchtung, daß die jetzt eintretende Därmere Witterung eine Infizierung durch Ratten mög­lih macht. Wenn diese da ist," so sagte Dr. Strong dem Rorrespondenten des Herald, so haben wir statt des En­des der Epidemie erst ihren Anfang." Unter den Chinesen in dem russischen Grenzorte Blagoweschtschenst sind einige Bestfälle vorgekommen. Das Chinesenquartier ist mitten in der Stadt gelegen und bedeutet eine große Gefahr für Die russische Bevölkerung.

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daß den Studenten die Fahrkarten abgenommen und fie selbst in Nürnberg sistiert und einem Verhör unterzogen wurden.

Edisons erster Sched. Der berühmte Erfinder und Millionär Edison hat die Zeit nicht vergessen, die er als armer Telegraphist verlebte, und noch hente blizen seine Augen, wenn er erzählt, wie er über Nacht ein wohlhaben der Mann geworden ist. Edisons erste Erfindung war, was nicht allgemein bekannt ist, der Ticker", jener mit einem Glasballon bedeckte telegraphische Apparat, aus dessen flap­perndem Munde fortwährend ein mit den Börsenberichten, Resultaten der Wettrennen usw. bedruckter endloser Pa­pierstreifen hervorgeht. Ich war damals ein armer Teu­fel," erzählte Edison selbst, aber immer träumte ich von 5000 Dollars, als dem kolossalen Vermögen, das ich einst zu= sammengescharrt haben würde. Mit dem Patent für den Tider" fam ich nach Neuyorf, um es loszuschlagen. Ich bachte 2000 Dollars würde otel sein, aber die heißersehnten 5000 wollten mir nicht aus dem Sinn. Und schließlich nahm ich mir vor, frech zu sein und 5000 zu verlangen; abhandeln fonnten sie ja doch noch. So kam ich zu dem Fabrikanten, dem ich empfohlen war; ich erklärte ihm meine Erfindung, legte das Modell vor, und dann kam die Preisfrage. Als er wissen wollte, wie viel ich verlange, wurde es mir schwarz vor den Augen. Alles drängte in mir, laut 5000 Dollar zu schreten, aber ich fürchtete, der Schreck könnte ihn töten, und ich fragte ihn schließlich stotternd, was er mir geben wolle. Er bestellte mich auf den nächsten Morgen; die Nacht träumte ich von lauter 2000 und 5000 Dollar­Schecks. Am andern Morgen schlich ich mich sehr schüchtern zu meinem Fabrikanten; 1000 Dollar wären mir in diesem Augenblick schon als eine Riesensumme erschienen. Und mein Fabrikant sah mich gelassen an und sagte dann im kühlsten Geschäftston: Wir geben Ihnen 40 000 Dollars, feinen Gent mehr. Ist's Ihnen nicht genug, so nehmen Sie das Ding wieder mit." Ich weiß nur, daß ich mit taumeln= dem Hirn einen Kontraft unterzeichnete, mit einem Sched für 40 000 Dollars auf die Straße fam, während eine Stim­me in mir gellend rief: Du bist betrogen, er hat Dir einen wertlosen Schein gegeben Erst, als ich von der Bank die volle Summe ausbezahlt erhielt, begann ich, an mein Glück zu glauben.

Die Tragödie einer Bergmannsfamilie. Zu der Jrr­Instragödie in dem Bergmannsdorfe Spiesen bei Saar­brüden wird noch berichtet, daß die Mörderin, die ihre fünf Finder ermordet hatte, erst dann Selbstmordversuch beging, Is die Nachbarn die Tür zu der Wohnung gewaltsam ein­cichlagen hatten. Sie brachte sich zwei Schnittwunden am balfe bei die aber nicht tödlich sind. Während die Tat ver­it wurde, befand sich der Mann auf der Schicht, auf dem peimwege hörte er von der Schreckenstat seiner Frau und rach auf der Straße bewußtlos zusammen, so daß er nach Danse geschafft werden mußte. Die Frau hat schon früher Anzeichen von Geistesgestörtheit gezeigt. Die Kinder stan­en im Alter von dret Monaten bis zu sieben Jahren. Das Reiseabenteuer des Bulgarenkönigs. Ueber den Studentenulf, den sich Erlanger Musensöhne im Speise­gen des München- Berliner D- Zuges mit Zar Ferdi­and von Bulgarien geleistet haben, wird von einem Au­genzeugen berichtet: Ein recht absonderliches Erlebnis hat= en am Fastnachtsdienstag die Insassen des D- Zuges 46 Berlin- München. In diesem Zuge wird bis Nürnberg ein eisewagen geführt. Hinter Saalfeld, gegen Uhr bends, wurde den Fahrgästen, die den Speisewagen benu­sen wollten, mitgeteilt, daß das größere Abteil für eine Fürstlichkeiten reserviert sei, die in Lichtenfels einsteigen urde. Wie man dann erfuhr, handelte es sich um den 3a= Ferdinand von Bulgarien, der auf der Rückreise von Ruburg nach Sofia begriffen war. Die Fahrgäste erklärten ur, daß sie nach den Bahnvorschriften zur Benutzung des isewagens, solange Plazz vorhanden sei, berechtigt wä­en, und gaben diese Meinung dem Oberkellner unverblümt erkennen. Schließlich wurde ihnen bedeutet, daß die lafwagengesellschaft das Hausrecht besitze. Die Fahrgäste gten sich, und der Oberkellner ließ sich nicht mehr sehen. Die Gäste des vollbesetzten Abteils des Speisewagens fonn­en eine furze Zeitlang noch Speisen bekommen. Dann er­ffnete ihnen ein zweiter Kellner, daß das Souper für den Baren und sein Gefolge hergerichtet werden müsse und die Speisekarte nicht mehr im vollen Umfang Geltung haben önnte. Weltere ahnungslose Reisende mußten dann hung­g und durftig in ihre Abteile zurückkehren, da natürlich e glücklichen Besitzer von Pläßen nicht von diesen wichen nd lieber fortwährend Bier und dergleichen bestellten, um te Ankunft des 3aren und seines Gefolges zu erwarten. Lichtenfels stiegen die bulgarischen Prinzen und Be­Leitung, insgesamt zehn Personen, ein, und in Bamberg Bar Ferdinand selbst, so daß von dort aus in dem reser­Herten Raum des Speisewagens, der 18 Pläße enthält, elf Personen saßen, die ein Souper von acht Gängen einnah­en. In Erlangen stiegen maskierte Studenten ein, von enen einer zufällig als Serbe oder dergleichen verkleidet ar. Diese offenbar schon angeheiterten jungen Leute let= ten fich den Maskenscherz, dem König eine Ovation dar­bringen, indem sie unter Eljen- und Ziviorufen und un­Butwinfen in den geheiligten Raum" eintraten und en Baren begrüßten. Der König erschrat ob des unge­hnten Anblicks; offenbar dachte er nicht daran, daß Fast­htwar und glaubte vielleicht einen Revolutionär zu er­der. Wütend eilte der Oberkellner zum Zugführer, be­leitet von einem Geheimvolizisten, und das Ergebnis war,

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Ueber gewaltsame Todesarten gab der Berliner Ge­richtsarzt Dr. Strauch vor den Hörern des dritten krimi­nalpolizeilichen Fortbildungskursus interessante Erklärun­gen. Unter den gewaltsamen Todesarten die am meisten von Lebensmüden angewandt werden, ist besonders das Ge= biet der Erstickung durch Erhängen ebenso interessant wie kompliziert. Jedes lebende Wesen bedarf der Zuführung von Sauerstoff Wenn die Luftröhre zusammengepreßt wird, hört die Zufuhr auf, und der Tod tritt ein. Die Bewußt= losigkeit jedoch, die sofort beim Erhängen erfolgt, ist auf ein ganz anderes Moment zurückzuführen, nämlich auf die so­fortige Abklemmung der vier Schlagadern und des damit zusammenhängenden Aufhörens der Zufuhr des Blutes zum Gehirn. Das Erhängen geschteht gewöhnlich mit ei= ner Zuckerschnur, aber auch Handtücher, Halstücher, Ta­schentücher, Ketten, Hosenträger, Riemen, ja selbst Lampen­dochte und Leitungsdraht find zu diesem Zwecke benutt worden. Wird jemand noch rechtzeitig abgeschnitten, so er­geben sich bei dem Geretteten ganz eigentümliche Erschet­nungen. Der Betreffende ist heiser, und manchmal ist die Stimme auch völlig tonlos. Das eigenartigste ist aber die rückwärtsschreitende Erinnerungslosigkeit. Der wieder zum Bewußtsein Gelangte weiß sich an dte Geschehnisse in den letzten Stunden vor der Tat nicht zu erinnern und ist sich auch nicht klar, auf welche Weise er die Tat vollbracht hat.

Wissenschaft, Runst und Literatur.

Der berühmte Chemiker der Berliner Universität Prof. J. H. van t'Hoff ist Mittwoch abend an einem Lungenleiden in seiner Wohnung in Steglitz im Alter von 58 Jahren ge= storben. Jakobus Hendrikus van t'Hoff war am 30. August 1852 in Rotterdam geboren, studierte in Delft, Leiden, Bonn, Paris und Utrecht, wurde 1876 Lehrer an der Tier­arzneischule in Utrecht, 1877 Lektor und 1878 Professor an der Universität in Amsterdam, 1890 o. Honorarprofessor an der Universität Berlin. Er war der erste Begründer der Stereochemie und einer der hervorragendsten Förderer der neuen physikalischen Chemie. 1901 erhielt er den Nobel­preis für Chemie. Er war Mitglied der Akademie der Wissenschaft in Berlin und korrespondierendes Mitglied der Pariser Akademie. Mit Ostwald gab er die Zeitschrift für physikalische Chemie" heraus.

Aus dem Reiche der Technik.

Erdbewegung durch Wasser. Das Versetzen von Ber­gen" ist für die heutige Technik gewiß fein Kunststück mehr, denn für die Bewegung großer Erdmassen stehen uns eine Reihe sehr leistungsfähiger Maschinen zur Verfügung. Originell aber ist die Methode, die man in der Stadt Seatt­le in den Vereinigten Staaten anwendet, um große Erd­massen rasch und billig zu bewegen, um ein paar Hügel abzutragen, die der Ausdehnung der Stadt hinderlich sind. Die Stadt Seattle erfreut sich nämlich, wie viele ameri­fantsche Städte, eines äußerst schnellen Wachstums die Einwohnerzahl stieg von 80 000 im Jahre 1900 auf 320 000 im Jahre 1910 und der weiteren Ausdehnung der Stadt sind die sie umgebenden Hügel natürlich sehr im Wege. Man braucht neue Bauplätze, und da man es nicht für praktisch hält, den neueren Teil der Stadt 30-40 Meter hö­her zu legen, so räumt man die Hügel weg und zwar da­durch, daß man sie durch Wasser ins Meer schwemmt. Im Jahre 1907 hat man, wie der Prometheus berichtet, mit den Arbeiten begonnen, 11 Millionen Kubikmeter Erdreich hat man schon beseitigt und etwa 15 Millionen Kubikmeter sind noch zu bewältigen. Das Wasser wird unter einem Truck von 12.5 Atmosphären durch 0.6 Meter weite, höl­zerne, mit Eisen bandagierte Rohrleitungen von den drei verschiedenen, mit Zirkulationspumpen ausgerüsteten Pumpwerken an die Arbeitsstellen geführt und wird hier in mächtigen Strahlen gegen das Erdreich gespritzt. Die­ses wird aufgewühlt, fortgewaschen und durch die großen Wassermassen schließlich durch einen besonderen Tunnel ins Meer gespült. Die zurzeit im Betrieb befindlichen Pump­anlagen von über 3000 Pferdekräften können in der Minute zusammen 93 Kubikmeter Wasser unter 12.5 Atmosphären Druck liefern; die Kosten für die Bewegung von einem Kubikmeter Erdreich sollen 1.50 M betragen. So schnell wie die hydraulische arbeitet natürlich keine andere Methode der Erdbewegung. Neu ist die Methode nicht, denn schon selt den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird in Kalifornien und im Ural goldhaltiges Gestein und Erd­reich durch Wasserstrahl losgelöst und zur Verarbeitung fortgeschwemmt.

Wie Moltke im Feuer stand.

Der Gedenktag an den Einzug des deutschen Heeres in Paris ruft, wie der Inf." aus Offizierskreisen geschrie­ben wird, die Erinnerung daran wach, wie oft der greise Generalfeldmarschall Graf von Moltke im Kriege 70/71 be­sonders vor Paris sich in die größte Gefahr begab, und mit welch unerschütterlicher Ruhe er im größten Kugelregen sei­ne Beobachtungen anstellte. Besonders eine Episode ſei wiedergegeben, wie sich Moltke durch senen Heldenmut einmal in großer Lebensgefahr befand. Das war am 11. Januar 1871. Der Kampf wurde vor Paris auf beiden Seiten mit größter Hartnäckigkeit und Todesverachtung ge­führt. Besonders an der Südfront in der Nähe des fran­zösischen Forts Jory, wo das 2. bayerische Armeekorps

stand, war der Kampf äußerst heftig, und ununterbrochenes Gewehrfeuer ertönte, da die Position der Deutschen derartig war, daß von ihrem äußersten Vorposten aus der Feind vorzüglich beobachtet werden konnte. Die Franzosen wuß­ten das und wollten darum unter allen Umständen eine ruhige Beobachtung ihrer Lage von setten der deutschen Vorposten verhindern. Jeder Schritt, der hier gemacht wor den ist, wurde tatsächlich mit Lebensgefahr erkauft. E8 wurden stets die allergrößten Vorsichtsmaßregeln bei Po­stenablösungen angewendet. Eines Tages erschien plötzlich in einem alten und ziemlich ramponierten Ueberrod, eine zerdrückte Müße auf dem Kopf, den Feldstecher in der Hand, der greise Feldmarschall zur größten Ueberraschung der Offiziere und Mannschaften. Er hatte mit scharfem Auge erkannt, daß von hier aus der Ausblick sehr günstig war und wollte sich diese gute Gelegenheit nicht entgehen lassen. Als der Feldmarschall Miene machte, weiter über die Schützenkette hinaus vorzugehen, wollten ihn die Offiziere davon abhalten unter Hinweis auf die Gefährlichkeit der Lage. Moltke aber wehrte lächelnd alle Einwände ab und sagte: Wo so viel Soldaten stehen und kämpfen, ohne an ihr kostbares Leben zu denken, da werde ich auch mal eine fleine Sefunde nachschauen können, ohne daß es bald an Hals und Kragen geht." Er wehrte auch gleichzeitig jede Begleitung ab, da er meinte, allein im Kugelregen am sichersten zu sein. Denken Sie mal an, so sagte er, wenn wir zehn Mann hoch gehen, dann brauchen sich die Herren Franzosen nur den 10. Teil so anzustrengen, um uns zu sehen und zu treffen, wie wenn ich allein gehe." Mit diesen Worten führte er seinen Plan aus und sprang wie ein junger Soldat von einer gedeckten Stellung zur anderen, um von den Franzosen nicht gesehen zu werden. Eine kurze Strecke, wo Deckung fehlte, lief er so rasch, daß niemand in diesem Krieger einen Mann von fast 71 Jahren vermutet hätte. Trotzdem die Offiziere und Mannschaften sahen, daß der Heerführer auch das Handwerk eines einfachen Schützen und Soldaten vorzüglich verstand, warteten sie doch mit Bittern und Zagen auf seine Wiederkehr. 40 Minuten nach 11 Uhr kam er plöblich hinter einer Deckung hervor, schmunzelte und ging grüßend, ohne ein Wort weiter zu sagen, seines Weges. An seinem Gesicht konnte man aber erkennen, daß er alle seine Absichten erreicht hatte. So zeig­te fich Moltke auch in diesen fleinen Zügen als das Muster eines echten Soldaten.

Drabtnachrichten und neuestes.

Eine monarchische Verschwörung in Portugal? Rio de Janeiro, 3. März. Die Zeitungen veröffent­Itchen Berichte von einer monarchischen Verschwörung die sich gegen die Regierung in Portugal richten solle. Die An­hänger folgen den Anordnungen eines Komitees, das set­nen Sitz in London habe. Ein hiesiges Blatt veröffentlicht den Inhalt vertraulicher Briefe, worin an die Anhänger in Lissabon die Aufforderung gerichtet sein soll, die portu­giesischen Minister zu ermorden.

Amerika und der Weltfriedensgedanke.

Washington, 3. März. Das Repräsentantenhaus hat eine Resolution abgelehnt, nach welcher der amerikanische Delegierte bei der internationalen Friedenskonferenz an­gewiesen werden sollte, für den Abschluß eines internatio­nalen Abkommens einzutreten, das sich gegen Kriege rich­ten sollte, die zum Zwecke der Erwerbung neuer Gebiete geführt werden.

Eine Universität in Frankfurt a. M.

Frankfurt a. M., 3. März. Den Stadtverordneten ist die Universitätsvorlage des Magistrats zugegangen. Ez wird die Errichtung einer Stiftungsuniversität durch Zu­sammenschluß der städtischen Kliniken und wissenschaftlichen Institute vorgeschlagen. Der Jahresbedarf wird auf rund zwei Millionen Mark angenommen. Die Universität wird feine theologische Fakultät erhalten, sondern nur eine ju­ristische, philosophische und medizinische.

Verhaftete Kindesmörderin.

Göln, 3. März. Eine Köchin in dem Cölner Vor­ort Brühl wurde, als sie von einer Ballfestlichkeit heim­fehrte, wegen Kindesmords verhaftet. Ihre Herrschaft hatte in ihrer Abwesenheit ihren Koffer öffnen lassen und darin eine Kindesleiche mit einer Schnur um den Hals gefunden. Das Mädchen erklärte, daß sie vor Jahren heimlich ge= boren und seit dieser Zeit die Leiche des ermordeten Kindes mit sich geführt habe.

Schwarze Pocken in Duisburg.

Duisburg, 3. März. Eine fünfköpfige Arbeiter­familie wurde isoliert. Bei dem Ehemann wurden die schwarzen Pocken festgestellt; die übrigen Familienmitglie­der wurden nach dem Krankenhaus gebracht.

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Tödlicher Unfall beim Spielen mit einem Revolver. Weißenfels, 3. März. Dte 26jährige Klavierleh­rerin Ilse Benetsch verletzte sich gestern beim Spielen mit einem Revolver durch einen Schuß in den Unterleib so schwer, daß sie bald darauf im Krankenhause starb.

Der Prozeß gegen Rektor Bock.

Berlin, 3. März. Der ehemalige Rektor Bock wird sich am Sonnabend und an den folgenden Tagen wegen Sitt­lichkeitsvergehen und Beleidigung vor der ersten Straffam­mer des Landgerichts Berlin II zu verantworten haben. Wintergewitter und Hagelschlag.

Hannover, 3. März, Außerordentlich heftige Ge­witter gingen gestern nachmittag über einen Teil der Pro­vinz Hannover und Westfalen sowie über das Herzogtum Braunschweig nieder. Stellenweise begleiteten wolfenbruch­artiger Regen und Hagelschlag die Gewitter. Ein erneutes Steigen der Flüsse dürfte die Folge des Unweters sein.

München, 3. März. Wie in Westdeutschland herrschte auch hier gestern ein orfanartiger Sturm. Während einer halben Stunde ging ein furchtbares Gewitter nieder. Die Blikschläge waren von außerordentlicher Heftigkeit. Der Regen war wolfenbruchartig. Aus Elberfeld wird ſtarfe: Hagelschag gemeldet.

Aus dem Pestgebiet.

Petersburg, 3. März. In Kirin, südlich von Char bin hat die Pest wieder großen Umfang angenommen. Die Straßen der Stadt sind mit Leichen übersät. Ein Teil der Leichen ist auf die Abhänge an der Ostseite der Stadt ge= worfen. Die Bewohner der umliegenden Dörfer verwei­gern die Zufuhr von Lebensmitteln. Die Bevölkerung Hungert und der Mob revoltiert. Der Vizekönig der Man­dschurei hat die Bitte des Gouverneurs von Kirin, Trup­pen zu senden, unter dem Vorwande abgeschlagen, daß die Truppen in der pestverseuchten Stadt den Dienst verwei­gern würden. Sensationelle Liebestragödie in Italien. Rom, 3. März. In einem hiesigen Hotel hot sich ge­stern nachmittag der blutige Schlußaft eines Liebesdramas abgespielt, das wegen der Persönlichkeiten der Beteiligten in der Gesellschaft der italienischen Hauptstadt großes Auf­sehen hervorruft. Der Leutnant Baron Vinzenz Paterno in Aosta, erstach gestern nachmittag mit einem Dolch die Ehrendame der Königin, Gräfin Trigona in einem Hotel und feuerte auf sich selbst drei Schüsse ab. Die Gräfin war auf der Stelle tot. Baron Paterno fonnte noch lebend, wenn auch schwer verletzt ins Hospital geschafft werden. 3wt= schen dem Kavallerieoffizier und der Gräfin bestand seit langer Zeit ein Liebesverhältnis, auf Grund dessen Graf Trigona, der Gatte der Gräfin, das Ehescheidungsverfahren eingeleitet hatte. Der Gräfin Trigona wurde daraufhin vom Hofmarschallamt bedeutet, ihr Ehrenamt als Hofdame der Königin niederzulegen. Gestern nachmittag hat sich nun die Gräfin nach dem Hofmarschallamt begeben, um ihr Ab-, schiedsgesuch zu überreichen. Kurz darauf traf fie mit Pa-, terno in dem Hotel am Bahnhof zusammen. Kurz darauk spielte sich dann die Tragödie ah.