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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 Pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint
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jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 31.
Telephon: Nr. 362.
Hessischer Landtag.
Darmstadt, 4. Februar. Die Erste Kammer der Stände hat ihre Plenarsitzungen über die Wahlrechtsvorlage wieder aufgenommen. Der Ausschußreferent, Geh. Justizrat Dr. Schmidt, begründete zunächst die Abänderungsvorschlä ge des Ausschusses und wies auf die geringen Aenderungen hin, die der Ausschuß vorgenommen habe, in der Hoffnung, darüber mit der Zweiten Kammer einer Verständigung zu fommen. Staatsminister Ewald führte aus, daß sich der Ausschuß der Ersten Kammer in dankenswerter Weise zurückhaltung auferlegt habe, wodurch die Hoffnung gerechtfertigt sei, daß jedesmal eine Verständigung zwischen beiden Kammern erzielt
werden würde.
zu
Nach weiterer kurzer Debatte wurde die erste der drei Vorlagen, betreffend die Verfassungsartikel 67 und 75, nach dem Ausschußantrage angenommen.
Bei dem zweiten Gesetzentwurf, betreffend die Landstände, hatte sich der Ausschuß im wesentlichen auf die Wiederherstellung der Regierungsvorlage beschränkt. Nach furzer Begründung durch den Ausschußreferenten wurde auch dieser Gesetzentwurf nach kurzer Debatte angenommen und ebenso der dritte Entwurf, betreffend Wahlfreiseinteilung.
Die Herrschaft
der Sozialdemokratie
in der Krankenversicherung. Die„ Kyffhäuser- Korrespondenz" veröffentlicht darüber folgendes:
Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg hat am 10. Dezember des Jahres 1910 in seiner großen innerpolitischen Rede, in der er die bürgerlichen Parteien zum festen Zusammenschluß gegen die Sozialdemokratie aufforderte, an sie die Bitte gerichtet, auch angesichts der
Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
sowie vieler anderers
des Großherzoglichen Polizei Amfes
=
Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Samstag den 4. Februar 1911
Kein Wunder, daß in vielen Krankenkassen die schwersten Mißstände auf finanziellem Gebiete herrschen, und daß Nachrichten über Unterschlagungen von sozialdemo= Blätter gehen. In einer Anzahl Verträge ist den Bekratischen Krankenkassenbeamten oft durch die bürgerlichen amten ihre dauernde Anstellung vertraglich sogar für den Fall verbürgt, daß ihnen bei einer gerichtlichen Bestrafung rechtskräftig die bürgerlichen Ehrenrechte ab= erkannt würden. Die schlimmsten Mißstände treten naturgemäß gerade dort hervor, wo die Sozialdemokraten am uneingeschränktesten herrschen. Selbstverständ= lich werden alle Aufträge von den krantentassen ohne Rücksicht auf den Preis Parteidruckereien überwiesen und ferner die sozialdemokratischen Gewerkschaftshäuser durch Abhaltung der Kran= tentassen Versammlungen in ihren Räumen unterstützt. Nicht genug damit, werden sogar, wie die Aufsichtsbehörde festgestellt hat, die Kassenräume selbst zu Parteizwecken benutzt und die Kassenbeamten zu Arbeiten für Parteizwecke während der Dienststunden in umfangreichen Maße herangezogen oder gar beurlaubt.
M
Es ist dringend nötig, die öffentliche Meinung über die Bedeutung, die die Krankenkassen unter den gegenwärtigen Verhältnissen für die Ausbreitung des sozialdemokratischen Geistes haben, aufzuklären, um diesem Mißbrauche ein Ende zu machen, der Tausende und
Abertausende mit dem brutalſten Terrorismus, dessen die Sozialdemokratie fähig ist, unter das sozialdemokra= tische Joch beugt.
Lokal- Nachrichten.
Gießen, den 6. Februar.
Gießen. Landtagsabgeordneter Dr. Gut= fleisch hat, wie man aus Darmstadt meldet, infolge Krankheit sein Amt als Mitglied des Finanzaus
bevorstehenden Verabschiedung der Reichs- Versicherungs- schusses der Zweiten Kammer niedergelegt.
ordnung die Regierung in ihrem Kampfe gegen die Sozialdemokratie zu unterstützen und„ unsere sozialen Einrichtungen dagegen zu sichern, daß sie zu einem Werkzeuge sozialdemokratischer Machtpolitik werden." Diese Mahnung ist ganz besonders dringend angesichts der geringen Neigung, die die bürgerlichen Parteien bekunden, der von der Regierung vorgeschlagenen Halbierung der Krankenkassenbeiträge zuzustimmen. Bekanntlich werden gegenwärtig zwei Drittel der Krankenkassenbeiträge von den Arbeitnehmern und ein Drittel von den Unternehmern getragen. Da nun das Stimmrecht im Verhältnis zu den Beiträgen abgestuft ist, haben infolge= dessen die Sozialdemokraten in den Krankenkassen Führung an sich gerissen und mißbrauchen Krankenkassen fast durchgehends in unglaublichster Weise zu parteipolitischen Zwecken. Dieser ausschließlichen Herrschaft der Sozialdemokratie in den Krankenkassen würde ein Ende bereitet werden, wenn die Unternehmer statt des bisherigen Drittels die Hälfte der Krankenkassenbeiträge zahlten und infolgedessen dieselbe Stimmenzahl wie die Arbeiter besäßen.
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Trotzdem diese Aenderung für die Arbeiter eine große finanzielle Erleichterung bedeutet, indem sie weniger bezahlen sollen, als bisher, wehren sich die Sozialdemofraten dagegen mit aller Hartnäckigkeit, weil sie am be= sten wissen, was ihnen die Krankenkassen im Klassen tampfe(!) wert sind. Der praktische Arzt Dr. Wilh. Möller in Kirchseeon bei München hat sich ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er die Herrschaft der Sozialdemokratie in der Krankenversicherung in einem umfangreichen, im Verlage des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie in Berlin erschienenen Buche dargestellt hat. Das Buch bringt schier unerschöpflichen Stoff dafür, daß die Krankenkassen vollständig eine sozialdemokratische Do= mäne geworden sind. Machtlosigkeit der Arbeitgeber ist die bezeichnende Erscheinung der herrschenden zwei Drittel Mehrheit der Arbeiter. Auf die Aerzte wird in parteipolitischer Hinsicht ein außerordentlicher Druck ausgeübt. Niemand kümmert sich um ihre wis senschaftliche Befähigung, sofern sie nur in ihrem Bewerbungsschreiben nachweisen können, daß sie politisch und gewerkschaftlich organisiert sind und daß in ihren Wartezimmern die Büsten von Bebel und Liebknecht stehen. Noch schlimmer ist die Vettern- und Günstlingswirtschaft bei den Kassenbeamten, für deren Anstellung fast ausschließlich die Agitationstätigkeit der Bewerber im Dienste der sozialdemokratischen Partei maßgebend ist. Selbst vielfach bestrafte Leute sind, noch dazu auf Lebensdauer, angestellt worden, schon um den Aufsichtsbehörden die Möglichkeit zu nehmen, derartige, völlig ungeeignete Menschen aus den sicheren Stellungen wieder herauszubringen.
Das von ihm bearbeitete Kapitel„ Justizministerium im Staatshaushaltsetat" ist einstweilen von Dr. Osann
übernommen worden.
*) Gießen. Am vergangenen Samstag waren es 40 Jahre, daß Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch hier als Anwalt am damals bestehenden Hofgericht zum 1. Male tätig war. Gießen ist dem Jubilar, der in Lorch geboren ist, die zweite Heimat geworden.
-to- Gießen. Der Plan über die Errichtung einer unterirdischen Telegraphenlinie in der Marburgerstraße zu Gießen liegt bei dem Kaiserlichen Telegraphenamt in Gießen von heute ab 4 Wochen aus.
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*) Gießen. Am 28. Februar wird die Annahme von Anmeldungen für die Abteilung„ Landwirtschaftliche Erzeugnisse und Hilfsmittel" der großen landwirtschaftlichen Wanderausstellung, die vom 22. bis 27. Juni d. Js. in Kassel stattfinden wird, ge= schlossen. 3 u gelassen werden alle landwirtschaft- lichen Wirtschafts- und Felderzeugnisse, Hilfsmittel aller Art, welche in landwirtschaftlichen Betrieben und Nebenbetrieben Verwendung finden können, sowie wissensch. Darstellungen, die sich auf die Landeskultur, das Vereins-, Genossenschafts- und Versicherungswesen beziehen, ferner die einschlägigen Fachzeitungen und Literatur, überhaupt alle Gegenstände, die der Eigenart einer landwirtschaftlichen Fachausstellung entsprechen. Für Samen, Flachs, Weidenkultur, frisches Gemüse, frisches Obst, Obstweine, Obst- und Traubenbranntweine, dere Obsterzeugnisse( eingemachte und getrocknete Früchte, Marmeladen, Säfte und Sirupe), Milch, Butter, Käse, lebende Bienen, Bienenerzeugnisse und Bienenwohnun gen sind Preisausschreiben erlassen. Für diese sind erhebliche Geldbeträge und eine große Anzahl Preismünzen zur Verfügung gestellt worden. Auch ist eine Ausstellung von deutschen Weinen verbunden mit einer Rosthalle in Aussicht genommen worden. Weitere Kosthallen werden eingerichtet für Apfel-, Schaum- und Beerenweine, für alkoholfreie Obstgetränke und für Mol ereierzeugnisse. Die Standgelder sind in mäßigen Grenzen gehalten. Anmeldepapiere versendet kostenfrei die Hauptstelle der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, Berlin SW. 11, Dessauerstraße 14.
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*) Friedberg. Die Handwerksleute sind mieder in unserem Schlosse seit einigen Tagen tätig. Oberhofmarschall von Ungern- Sternberg gibt die Anleitungen dazu, sodaß man auf die Wiederkehr der Zarin hier bestimmt rechnet.
Wetzlar, 5. Febr. Der Regierungspräsident hat eine Polizeiverordnung erlassen, wonach Gefäße zur Aufbewahrung größerer Mengen von Mineralölen( mehr als 2 Kilogramm) aus verzinntem, verzinktem oder verbleitem Blech hergestellt sein müssen. Die Oeffnungen sind durch sicher mit dem Gefäß verbundene, feinma
( Gießener Tageblatt)
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die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
schige haltbare Drahtnetze gegen das Hindurchschlagen von Flammen zu sichern.
= m= Wetzlar. Der Kaufmann H. veranstaltete wegen Umbau des Geschäfts einen Räumungsausverkauf, bei dem auch Ware verkauft sein soll, die
während des Ausverkaufs zu diesem Zweck erst beschafft worden sei. Er wurde deshalb wegen unlauteren Wettbewerbs unter Anklage gestellt. Da seine Angaben nicht widerlegt werden konnten, erkannte die Straffammer auf Freisprechung.
== Wetzlar, 5. Febr. Vor den Schöffen. Wegen ruhe störenden Lärms erhielten zwei Former aus Lollar 3 Mark Polizeistrafe, die auf ihre Berufung auf 1 Mark festgesetzt wird. Der hiesige Fuhrmann B. hatte einem Landwirt beim Vorbeifahren mit der Peitsche über den Kopf geschlagen. Er er-hielt mit Rücksicht auf die Vorstrafen 1 Woche Gefängnis. Es erhielt ferner wegen gefährlicher Körperverletzung der Arbeiter St.- Frickhofen 6 Monate Gefängnis, wegen Diebstahls der Knecht Sch.- Hartehausen 4 Wochen Gefängnis, wegen gefährlicher Körperverletzung der hiesige Arbeiter Schr. 2 Monate Gefängnis, wegen Bedrohung der Arbeiter W.- Bischoffen 3 Wochen und seine Ehefrau wegen Bettelns 4 Wochen Haft. Eine nette Blütenlese!
= 0= Wezlar. Jm Januar 1911 hatte die Kreisarbeitsvermittelungsstelle und Herberge zur Heimat 424 Durchreisende, wovon 151 mittellos waren. Arbeit=
suchende waren 41 vorhanden, angemeldete offene Stellen nur 33, vermittelt wurden 17 Stellen.
-f Wetzlar. Jm Schützengarten feierte der Wirteverein Wetzlar und Umgegend sein 18. Stiftungsfest, welches durch seine interessante Ausgestaltung einen für alle Beteiligten befriedigten Verlauf nahm.
-h Hochelheim, 6. Febr. Die Bilanz des hiesigen Spar- und Darlehenskassenvereins G. m. b. H. für 1180,78. Die Zahl der Genossen beträgt 32. das Geschäftsjahr 1910 beziffert den Gewinn auf Mark
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Braunfels, 5. Febr. Die deutsche Strecke der diesjährigen Prinz- Heinrich- Tourenfahrt führt auch durch unseren Ort. Im Schlosse findet beim Fürsten eine Frühstückstafel statt.
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Darmstadt. Der Fürsorge für nichtver= sicherte Lungenkranke soll jetzt eine größere Aufmerksamkeit zugewendet werden. Ein Vergleich der Zuwendungen für die Nichtversicherten mit den Ausga= ben für versicherte Lungenkranke im Großherzogtum zeigt mit großer Deutlichkeit, daß gerade für die Nichtversicherten noch viel getan werden muß. Darum sollte niemand, der diesen sozialhygienischen Aufgaben Verständnis entgegenbringt, versäumen, dem Heilstättenverein beizutreten.
*) Bensheim. Als nationalliberaler Reichstagskandidat wird der Branntweinbrenner Scio r- Erbach genannt, andererseits kommt aber auch Schloßhauptmann a. D. Major Ba u r- Linden- fels in Frage.
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Darmstadt, 5. Febr. Der Vorstand des Verbandes der Detaillistenvereine im Großherzogtum Hessen hielt fürzlich eine Sigung ab, in welcher hauptsächlich die Frage der Gemeinde steuerreform noch= mals eingehend erörtert wurde, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Erste Kammer den Wünschen der Detaillisten Verständnis entgegenbringe und die von 3weiten Kammer im Interesse des Detaillistenstandes angenommene Sondersteuer nicht zu Falle bringe. Mainz- Momba ch. Dieser Tage stach der Rentner A. Kirschner von hier den ersten Spargel.
der
* Worms. Ein Mieterschutzverein, der hier gegründet wurde, machte sich zur Aufgabe, durch Aufstellung schwarzer Listen, gemeinsame Regelung der Verwaltungsbedingungen 2c. die Mieter- Interessen ge= genüber den Hausbesitzern zu wahren.
Briefkasten.
wir
S. in Gießen. Sie wundern sich darüber. Das ist falsch. Wir nehmen von jeder Partei sachlich abgefaßte Artikel auf, wenn solche uns eingeschickt werden. Aber das ist es ja eben, die einzelnen anderen Parteien Die lassen nichts von sich in unserer Zeitung hören. Freisinnigen und die Nationalliberalen haben jedes ihr Leibblatt und wer will es uns verdenken, wenn die Artikel der Christlich- und der Deutsch- Sozialen veröffentlichen. Oder würden Sie, wenn ein Antisemit bei Ihnen Einkäufe machen will, nicht auch an diesen verkaufen. Das ist unser Geschäft, und das ist Ihr Geschäft, oder wollen Sie uns den Schaden, der uns entsteht, wenn wir Ihrem Gefallen nach die Artikel der Wirtschaftlichen Vereinigung nicht aufnehmen, ersetzen. Wir bezweifeln es sehr.


