Eine Forderung unserer Zeit.
Staatsmänner über staatsbürgerliche Erziehung.
Die neue Zeitschrift für den Geschichtsunterricht und Naatsbürgerliche Erziehung Vergangenheit und Gegenwart"( Verlag von B. G. Teubner, Leipzig) bringt in ihrem ersten Heft interessante Aeußerungen praktischer Staatsmänner über die Aufgabe des Geschichtsunterrichts und der staatsbürgerlichen Erziehung, die auch für weitere Kreise von Interesse sind. So schreibt für st Bülow:
„ Als ich vor einigen Jahren in einem Gespräch mit dem verewigten Ministerialdirektor im Kultusministerium Dr. Althoff die Aeußerung fallen ließ, daß die politische Schulung in Deutschland noch manches zu wünschen übrig lasse, erwiderte mir der hervorragende Mann in der ihm eigenen drastischen Art:„ Wir sind das erste Volk in der Philosophie, der Musik, der Lyrik. Niemand übertrifft uns an TapferTeit vor dem Feinde. In Wissenschaft und Technik, in Hamdel und Industrie haben wir gewaltige Fortschritte gemacht. Da man nicht alles zu gleicher Zeit leisten und sein kann, dürfen Ew. Durchlaucht sich auch nicht wundern, wenn wir politische Esel sind." Er fügt hinzu:„ Ich möchte nicht so weit gehen wie Dr.Althoff. Daß aber unsere politische Schulung noch Lücken aufweist und politische Erziehung uns in mehr als ciner Richtung not tut, dürfte für jeden nachdenk Aus der Kenntnis lichen Deutschen unbestreitbar sein.
unserer Vergangenheit die praktischen Folgerungen für die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten zu ziehen, sollte vor allem die Aufgabe eines fruchtbringenden Geschichtsunterrichts sein."
beren Entwicklung in Kunst und Wissenschaft, Handel und Industrie die Achtung und Bewunderung der Welt erwecken, und begrüßt den Kronprinzen ferner als Verwandten des Königs Georg und als Urenkel der Königin Vittoria, deren Andenken in Indien nicht erlösen werde. Der Kronprinz dankte für den warmen Empfang und erklärte, seine Reise nach Indien werde bei ihm unvergeßliche Eindrücke hinterlassen. Er werde bestrebt sein, das bei seinen Landsleuten vorhandene Interesse für die Geschichte und die Kultur Indiens zu heben und selbst die Entwickelung des Landes stets mit größtem Interesse verfolgen.
Generalfeldmarschall Frhr. v. d. Golz betont mit Recht:„ Wir sind zu sehr gewöhnt, die Wandlungen im GeSchicke der Staaten und Völker als die Schuld oder das VerDienst einzelner anzusehen. Freilich sind große Taten niemals von der Masse des Volkes, sondern stets von bedeutenden Männern vollbracht worden, aber sie hatten doch eine Vorgeschichte, die das Vollbringen erst möglich machte und an der die Allgemeinheit ein gewisses Verdienst hat. Schärfer noch tritt es bei unglücklichen Katastrophen hervor, daß die Schuld den an hervorragender Stelle handelnden Personen aufgebürdet wird, während doch meist das ganze Ge= schlecht der Zeit an den gleichen Fehlern gelitten hat und sich derselben Verirrungen zeihen sollte. Dies aus dem inneren Zusammenhange der geschichtlichen Vorgänge zu lernen und die staatsbürgerlichen Pflichten zu erkennen, ist ihm die Aufgabe."
Graf Posadowsky- Wehner endlich sagt:„ Geschichte ist nicht nur eine Aufeinanderfolge von Tatsachen und Zahlen, sondern meistens die logische Entwicklung wirtschaftlicher, politischer, sittlicher und religiöser Verhältnisse. Diese innere Triebfraft äußerer Ereignisse nachzuweisen, Ist die kritisch- erziehliche Aufgabe des Geschichtsunterrichts."
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Gesamtergebuiffe der Reichsarbeiterversicherung.
Der Kronprinz dürfte die Rückreise von Kalkutta bis Colombo, ebenso wie die Hinreise, an Bord des Kreuzers „ Gneisenau" machen. Colombo war bekanntlich der Ausgangspunkt der offiziellen Reise, während der Kronprinz bis Colombo mit seiner Gemahlin an Bord eines Reichspostdampfers reiste. Voraussichtlich wird er auch von Colombo ab die Rückreise auf einem Reichspostdampfer machen.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Die amtliche Abstimmungsliste über die Reichswert: zuwachssteuer stellt nach der Köln. Volksztg." folgendes fest: Es stimmten: Konservative 44 mit Ja, 7 mit Nein, 1 enthalten; Zentrum 56 mit Ja, 17 mit Nein, 3 enthalten; Nationalliberale 41 mit Ja; Reichspartei 14 mit Ja, 1 mit Nein, 1 enthalten; Wirtschaftliche Vereinigung jämtliche 17 mit Ja; Fortschrittliche Volkspartei 19 mit Ja, 20 mit Rein; Reformpartei 3 mit Ja; Sozialdemokraten 41 mit Nein. Die Polen, die mit 14 Stimmen anwesend waren, enthielten sich sämtlich der Abstimmung. Von den feiner Fraktion angehörenden Abgeordneten stimmten 5 mit Ja und 3 mit Nein.
der Entrevue abgegebenen Erklärungen vollkommen auf dem Laufenden erhalten. Der Minister erklärte weiter, er habe über das, mas sich aus diesen Mitteilungen möglicherweise ergebe, keine Erklärung abzugeben, könne aber nersichern, daß Frankreich vom Gesichtspunkt der Interessen des Landes und des Friedens nichts zu bedauern haben werde.
Wie Rußland Schiffe baut. In einer Veröffentlichung des russischen Reichsverteidigungkomitees wird das Marineministerium schwerer Nachlässigkeiten angeklagt. Für den Bau von Torpedobooten ist in den Jahren 1908/09 eine Summe von 6 665 000 Fr. ausgeworfen gewesen. Torpedoboote sind aber nicht einmal auf Kiel gelegt wor den und das Geld ist weg. 9 Mill. Fr. waren für drei Unterseeboote der Schwarzen Meerflotte bewilligt. Ein Boot ist gebaut; 5 300 000 Franken sind für ,, unbekannte Zwecke" verwendet worden. Das Komitee stellt die Frage, ob das Marineministerium Rußlands Stellung im Schwarzen Meer als so gesichert betrachtet, daß keinerlei Flottenverstärkungen und Bauten moderner Fahrzeuge mehr vorgenommen zu werden brauchen.
Was Herr von Jagow gesagt haben soll. Der Berliner Polizeipräsident von Jagow, der bekanntlich mit den Sozialdemokraten der Reichshauptstadt nicht gerade auf dem besten Juße steht, soll dieser Tage seiner Gesinnung ihnen gegenüber in recht drastischer Weise Ausdruck_ge= geben haben. Das„ B. T." meldete darüber:„ Eine Berliner Korrespondenz verbreitete die Mitteilung, der Polizeipräsident von Jagow habe sozialdemokratischen Abgeordneten, die zu ihm kamen, um seine Genehmigung für den Trauerzug bei der Beerdigung Paul Singers nachzusuchen, geantwortet:„ Mein Entgegenkommen würde sich noch steigern, wenn alle Sozialdemokraten sich in Friedrichsfelde begraben lassen wollten." In Kreisen, in denen man informiert sein muß, ist von einer solchen Aeußerung Die des Polizeipräsidenten dagegen nichts bekannt." Korrespondenz ist also auf einen Scherz hereingefallen, der angesichts des ernsten Ereignisses, an das er anknüpft, nicht gerade sehr geschmackvoll erscheint. Im übrigen wird berichtet, Herr von Jagow habe der sozialdemokratischen Deputation in entgegenkommendster Weise ihre Wünsche be= willigt.
Bei einer durchschnittlichen Gesamtbevölkerung vom 68 879 000 Personen waren im Deutschen Reiche im Jahre 1909 auf Grund des Krankenversicherungsgesetzes rund 13 385 000 Personen versichert., davon 9 928 000 männliche und 3 457 000 weibliche. Es waren 23 449 Strantentassen tätig. Die Gesamtzahl der gegen Unfall verficherten Personen betrug nach Abzug der auf rund 8,5 Mill. zu schätzenden in der Gewerbe-, Bau- und Seeunfallversicherung und in der Unfallversicherung für Land- und Forstwirtschaft doppelt Versicherten rund 23 767 000 Perfonen, 14 854 000 Männer und 8913 000 Frauen. Träger der Unfallversicherung waren 66 gewerbliche und 48 landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften und 545 staatliche, Provinzial- und kommunale Aufsichtsbehörden. Die Ju= valtdenversicherung umfaßte rund 15 444 000 Perfonen, 10 707 000 Männer und 4737 000 Frauen. Als Träger dieses Versicherungszweiges bestanden 31 Versicherungsanstalten und 10 zugelassene Kasseneinrichtungen. Die ordentlichen Einnahmen beliefen sich auf 891 598 000 Marf, die Beiträge der Arbeitgeber machten 413 497 000 Warf aus, die der Versicherten 342 076 000 Mart. Der Zuschuß des Reiches betrug 51,5 Millionen. Die ordentlichen Ausgaben erreichten die Höhe von 598 924 000 Mark ohne die Rücklagen zur Vermögensbildung. Die Summe der Entschä= digungsleistungen ist für die Krankenversicherung, einschließlich der Knappschaftskassen, auf 338 972 000 Mart, für die Unfallversicherung auf 162 266 000 Mark, für die In= validenversicherung auf 189 029 000 Mark berechnet.
Der Kronpring in Kalkutta.
Der deutsche Kronprinz ist Freitag nachmittag in Kalfutta eingetroffen, wo festlicher Empfang stattfand. Unter Salutschüssen schritt der Kronprinz die von englischer Infanterie und eingeborenen Freiwilligen vor der Station Haura ausgestellte Chrenkompanie ab und fuhr dann, zur Rechten des Vizekönigs sizzend, zu Wagen nach dem Palais. Eine große Menschenmenge begrüßte den Kronprinzen mit lebhaften Hurrarufen. Vor dem Palats standen ebenfalls Ehrentruppen. Der Kronprinz nahm die Vorstellung zahlreicher Geladener entgegen und empfing den Magistrat von Kalkutta, der eine Begrüßungsadresse überreichte. Adresse heißt den Kronprinzen willkommen Repräsentanten einer Nation, deren Patriotismus und
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Der Familienschmuck der Wallutjeffs.
Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)
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Aus dem Reiche der Mitte. In Peking sollen dyna= stische Umtriebe entdeckt worden sein. Anscheinend soll versucht werden, einen älteren direkten Nachkommen des Kaisers Taokwang auf den Thron zu erheben. Die Angelegenheit wird in Peking geheimgehalten.
Ein großer deutscher Privatangestelltentag ist auf den 19. Februar nach Berlin einberufen worden. Er soll zu dem Gesetzentwurf einer Privatangestelltenversicherung, der jetzt dem Bundesrate vorliegt, Stellung nehmen. Da das vorgeschlagene Gesetz die Privatangestellten aller Berufe einschließt, so ist eine starke Beteiligung zu erwarten. Frühere Veranstaltungen dieser Art, die im Laufe der ziemlich weit zurückreichenden Vorbereitungen dieses Gesetzes stattfanden, waren die Privatangestelltentage zu Leipzig am 13. Mai 1906 und zu Frankfurt a. M. am 17. November 1907.
,, Weißt Du, mein Jegor, daß ich am liebsten ganz in Walkowa leben möchte," sagte sie eines Tages.„ Sier habe ich mehr von Dir, als in Petersburg, wo Dich Dein Dienst und die geselligen Verpflichtungen oft allzusehr in Anspruch nehmen."
„ Ich bin mit Leib und Seele Soldat, mein Seelchen," entgegnete der Graf, es würde mir schwer fallen, meine militärische Laufbahn aufzugeben, in der ich es zu etwas zu bringen hoffe. Wir sind beide noch zu jung, um uns hier zu vergraben; das bleibt uns vorbehalten nach zehn oder fünfzehn Jahren."
Kleine Nachrichten.
Den jüngsten Meldungen über die Pest zufolge ist die Seuche längs der Schantung- Eisenbahn aufgetreten. Die Bersonenbeförderung zweiter und dritter Klasse zwischen Tsingtau und Tsinanfu ist auf Veranlassung der chinest schen und der deutschen Behörden eingestellt worden.
Eine Influenzaepidemie wütet in Mannheim. Es sind 10 000 Personen von der tückischen Krankheit befallen. Bei dem naßfalten Wetter nehmen die Erkrankungen wetter zu.
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Der Selbstmord eines Gymnasialdirektors erregt in Jüterbog großes Aufsehen. Der Direktor namens Höfer war lange in Ems tätig gewesen und als Direktor an die neue Schillerschule in Jüterbog berufen worden. Bevor er diese Stelle zu Neujahr antrat, wurde er plößlich keurlaubt zur Klarstellung von peinlichen Vorkommnissen, die bei seinem Weggehen von Ems ruchbar geworden waren. Er sollte sich in eine Nervenheilanstalt begeben, zog es aber vor, sich zu erschießen.
Zum Strafverfahren wegen Verfälschung von Nahrungs- und Genußmitteln hat der preußische Justizminister eine Verfügung an die Strafverfolgungsbehörden erlassen. Die Zunahme der Nahrungsmittelverfälschungen werde durch die Kriminalstatistik bestätigt. Je mehr die Fäl= scher die Fortschritte der Wissenschaft mißbrauchen, um die Arten und Mittel der Verfälschung zu vermehren, um so nachdrücklicher müsse diesem gemeingefährlichen Treiben entgegengetreten werden. Es soll deshalb stets möglichst schnell eingeschritten und auf eine strenge Bestrafung hingewirkt werden.
,, Vielleicht hast Du recht, aber Petersburg ist mir nie lieb gewesen," versetzte Maria Nikolajewna.„ Das dortige Leben reibt die Menschen frühzeitig auf, und ich fürchte, meine Nerven halten es nicht mehr lange aus."
,, Vorläufig verbietet unsere Trauer uns ja auch die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben," meinte Wallutjeff ,,, und im Frühling wollen wir dann nach Jalta und in die Krim reisen."
,, Ach! wenn bis dahin doch schon der Schmuck gefunden wäre," seufzte Maria.
Einen schrecklichen Tod fand ein junger Fabritarbeiter zu Lichtenberg bei Berlin, der in einer Metallwarenfabrik beschäftigt war. Er wollte seinem Meister eine Mitteilung machen und begab sich dazu in den Maschinenraum. Hter hängte er sich unachtsam mit dem rechten Arm in den Treibriemen, der von der Welle herabhing. Im nächsten Augenblick wurde er hochgezogen, mehrmals um die Welle herumgeschlagen und zermalmt.
Frankreich und Rußland sind zu enge Verbündete, so sagte der französische Minister des Auswärtigen in der jüngsten Sizung des Senats, als daß Rußland Frankreich nicht vor der Potsdamer Entrevue über das, was es in Potsdam zu sagen gedenke, Mitteilungen gemacht haben sollte. Wir sind in der Tat genau unterrichtet worden. Rußland teilte uns mit, es würde bei dieser Entrevue von Versien und den Bahnen in der Türkei und Persien die Rede sein. Es könnten im Verlauf der Entrevue von dem Vertreter Rußlands auch andere Fragen aufgeworfen wer= den. Rußland hat uns Tag für Tag über alle während
Clairon muß bald in Amerifa angelangt sein. Ich hoffe, bei unserer Rückkehr einen Brief von ihm zu erhalten," versezte Wallutjeff. Heute will ich mit den Verwaltern auf die Wolfsjagd gehen; übermorgen verlassen wir Walkowa."
,, Wie? Du willst auf die Wolfsjagd!" rief Maria entsetzt.„ Ach bitte, bitte, tue es nicht!" Und sie hing fich an ihres Mannes Arm.
Warum nicht?" fragte Jegor verwundert.
Es könnte Dich ein Unglück treffen," flüsterte die funge Frau, sich scheu umblickend.
"
Wie findisch Du bist!" schalt der Graf halb ärger
Eine Rächerin ihrer Ehre. In Burbach im Rheinland benutzte der Geselle eines Pferdemetgers die Abwesenheit seines Meisters, um dessen Frau zu belästigen. Die Beleidigte flüchtete, ergriff den Revolver ihres Mannes und streckte den Gesellen durch einen Schuß in die Brust nieder.
lich und betroffen über den fast beängstigend furchtsamen Blid Miaria's.
Ein gewaltiger Schneesturm führte gestern in München schwere Verkehrsstörungen herbei. Der Straßenbahnver= fehr lag zeitweilig ganz still. Ein Knabe kam auf dem Schnee zu Fall und wurde von einem Fuhrwerk überfahren und auf der Stelle getötet.
Sie aber ließ nicht nach, bis Wallutjeff sich schweren Herzens ihren immer dringender ausgesprochenen Bitten fügte. Er liebte die Jagd, das edle Waidwerk, dem alle seine Ahnen gehuldigt hatten, aber er liebte seine zarte, ängstliche Frau noch viel mehr. Deshalb versprach er, dem eigenen Wunsche zu entsagen und nur die Verwalter in Begleitung des Försters in den Wald zu schicken.
Ein jugendlicher Defraudant, der 18jährige Willi Schnell aus Hamburg, wurde in Quedlinburg festgenom men. Auf dem Transport zur Wache erschoß er sich.
Die Jagd war bei Einbruch der Dämmerung beendet. Zwei junge Wölfe waren getötet worden; man brachte sie in die Halle, um sie den Herrschaften zu zeigen.
Ein Scherz- Duell mit blutigem Ansgang. In der rufftschen Stadt Samara fingen der Adelsmarschall Graf Tolstot und der Edelmann Averdanow in einem Vergnügungslokal aus Scherz cin Säbelduell an, das bald in einen ernsten Zweikampf ausartete. Beide wurden schwer verwundet ins Hospital geschafft. Ihr Zustand ist hoffnungslos.
„ Leider sind uns zwei viel größere entschlüpft," er= zählte der Förster dem Grafen, aber wir friegen sie schon noch."
Aus den Gerichtssälen.
Freispruch im Essener Meineidsprozeß. Im Meineidsprozeß gegen Schröder und Genossen wurde am Freitag die Beweisaufnahme geschlossen. Es begannen alsdann sofort die Plaidoyers. Der Erste Staatsanwalt Dr. Eger beantragte die Freisprechung der Angeklagten. Nach ganz turzer Beratung sprachen die Geschworenen gemäß dem Antrag des Staatsanwalts sämtliche Angeklagten frei. Die Kosten des Verfahrens sowie die notwendigen Auslagen wurden der Gerichtskasse auferlegt. Der Angeklagte Meyer brach bei Verkündigung des Urteils zusammen, die übrigen Angeklagten nahmen das Urteil mit sichtlicher Freude auf. Der Zufall wollte es, daß am Freitag gerade der Jahrestag jener verhängnisvollen Versammlung vom 3. Februar 1895 gewesen ist.
Mit einer mit Grauen gemischten Neugier betrachtete Maria die beiden Raubtiere. Ihr fielen die Märchen ihrer alten Wärterin ein; der Wolf spielte fast immer eine böse Rolle in diesen Erzählungen.
,, Wie gut, daß Du nicht mit zur Jagd gingst," sagte die junge Frau, die Tiere sehen schrecklich aus."
Das ist noch gar nichts, gnädiges Mütterchen," sagte ein alter Bauer, der auch mit in die Halle getreten war. „ Diese Bestien sind erst zwei Jahre alt und noch lange nicht ausgewachsen. Es gibt Wölfe, die fast doppelt so groß sind und ein Schaf auffressen können. Ich glaube, der alte Jsegrimm, der hier herumstreicht, ist einer der schlimmsten."
Vermischtes.
Sind die Kinder des Kaisers geimpft? Von seiten der Impfgegner, die jetzt wieder im Reichstage gegen unser Impfgesek Sturm laufen, wird immer und immer wie
Am Tage vor der Abreise wollte Jegor Alexejewitsch noch einmal mit seiner Frau zum Grabe seiner Mutter fahren. Die Bahn war vorzüglich. Wallutjeff bestellte einen fleinen Schlitten mit einem Traber, einem jener Orlower Rassepferde, wie sie nur in Rußland gezüchtet werden, und deren Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit unerreicht bleibt.
„ Soll ich den Herrn Grafen begleiten?" fragte der alte Kutscher Ossip, der schon bei dem Großvater Jegors
gedient hatte.
,, Nein, es ist nicht nötig." Verzeihung," sagte der graubärtige Greis,„ aber die
Wölfe."
Du glaubst wohl, ich fürchte mich vor ihnen?" lachte Wallutjeff.„ Ich bin doch kein kleiner Junge mehr, mein alter Ossip."
Jegor steckte aber doch aus Vorsicht einen großkalibrigen, sechsläufigen Revolver und einen wuchtigen Totschläger mit schwerem Bleiknopf zu sich. In warme Pelze gehüllt, fuhr das junge Paar durch den Wald. Es war ein windstiller Tag und es fror wenig. Der Reif, der in der Nacht gefallen war, hüllte die Bäume wie in weiße, zarte Schleier ein; pfeilgeschwind jagte der kleine Schlit= ten über die glatte Bahn. Jegor zog die große, warme Bärendecke sergsam über Marias Knie. Er selbst war in einen Belz gehüllt, der zwar warm hielt, aber jede Bewegung hinderte und erschwerte.
,, Welch köstliche Fahrt," sagte die Gräfin Wallutjeff, und sie atmete mit Behagen die frische Winterluft ein. Wie viel schöner ist es doch, hier durch den prächtigen Forst zu fahren, als durch die Straßen Petersburgs, wo man jede Minute grüßen muß."
Du entwidelst ja ganz menschenscheue Ideen," bemerkte Jegor mit leichtem Tadel in der Stimme ,,, es wird mir wohl nichts übrig bleiben, als nach Walkowa zu ziehen."
Als sie das Erbbegräbnis erreichten, stiegen sie aus. Das Pferd wurde angebunden. In stiller Andacht stan= den die Gatten nebeneinander an den Gräbern ihrer Lieben. Wohl verpackt hatte Maria in einer Schachtel. einen Strauß feltener Treibhausblumen mitgebracht. Sie beugte sich nieter und legte dieses Zeichen findlicher Verehrung auf die Gruft ihrer Schwiegereltern. Aber entsetzt stieß die Gräfin einen Schrei aus; ihre Hand deutete auf große Fußtapfen, die in dem lockeren Schnee sichtbar ( Forts. folgt.)
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