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Wie der Kaiser seinen Soldaten gehorcht.

Keine Einrichtung einer Reichslotterie. Wie der Inf." mitgeteilt wird, ist die Meldung, daß die preußt­sche Klaffenlotterie allmählich zur Reichslotterie ausge­baut werden soll, nicht richtig. Der Anschluß der süd­deutschen Staaten erfolgt zu dem Zweck, den Einzel­staaten Einnahmequellen zu verschaffen, über die sie zum Teil noch nicht verfügen. Auch Preußen bezieht aus seiner Lotterie eine Einnahme, die es nicht abzugeben gebenft. Wenn aber die Schaffung einer Reichslotterie beabsichtigt wäre, dann müßten die Einnahmen der Lot­terie zum Nachteil der Einzelstaaten an das Reich ab­geführt werden. Die Initiative zur Einrichtung der preußisch- süddeutschen Klassenlotterie ging nicht von Preußen, sondern von den süddeutschen Staaten aus.

Die konservative Stichwahlparole wird von der Streuz- 8tg." in einer Bolemit gegen den fortschritt­lichen Abgeordneten Wiemer nochmals dahin firiert, daß diejenigen Parteien, die für die Stichwahl eine ge­genseitige Unterstützung mit der Sozialdemokratie ab­schließen, auch ebenso behandelt werden müssen, wie die Sozialdemokratie selbst. Eine Bekämpfung der Sozial­demokratie sei überhaupt unmöglich, wenn man die Hel­fer und Förderer der Sozialdemokratie unterstütze. Die " Kreuz- 3tg." fügt dieser Auslegung der Heydebrand­schen Stichwahlparole die Mitteilung hinzu, daß die Pa­role seit langem schon festgelegen habe.

Aus Swinemünde wird der Inf." vom Aufenthalt pes Statsers daselbst folgender verbürgte Vorgang be­richtet, der beweist, wie der Kaiser in jeder Lebenslage die strengste Beobachtung militärischer Vorschriften auch dann zu schäßen weiß, wenn sie ihm selbstUnannehmlich= fetten bereiten. Am zweiten Tage seiner Anwesenheit in Swinemünde fand ein Seeschießen statt, das einige größere Einschränkungen des Verkehrs an dem Strande notwendig machte. Der Kaiser ging am Morgen um einhalb neun Uhr mit dem General von Scholl und et­nem Gefolge von mehreren Offizieren spazieren und fam dabei auch auf die Westmole. Hier war es des See­schießens wegen nicht gestattet, weiter zu gehen. Als der Monarch mit seinem Gefolge zu den beiden Posten tam, die dastanden, um dem Durchgangsverbot Gehor­sam zu verschaffen, untersagten ihm die Bosten das Wet­tergehen. Es ist ungewiß, ob sie gewußt haben, wen sie vor sich haben. Der Kaiser gab sich jedenfalls nicht zu erfennen, lachte nur und leistete der Aufforderung der Soldaten Folge. Als er einige hundert Schritte ge­gangen war, passierte ihm genau dasselbe. Auch hier standen zwei Soldaten als Posten, um jeden Verkehr zu unterbinden. Einer der Posten muß wohl den Monar­then erkannt haben, denn in streng militärischer Hal­tung meldete er, daß hier der Durchgang wegen der Lebensgefahr feinem Menschen gestattet werden könne. Auch diesmal gehorchte der Kaiser mieder lachend und machte zu seiner Umgebung die Bemerfung, daß seine Soldaten doch verteufelt auf dem Posten seien und ihre Instruktionen vorzüglich im Kopfe hätten. Da ihn die Leute nicht weiter gehen lassen wollten, so müsse er eben, wie er hinzufügte, hierbleiben, bis er Durchgangser­laubnis erhielte. Er lud seine ganze Umgebung zum Hinsetzen auf dem Rasenplatz ein, wo alle eine längere Beit bet dem Genusse einer Zigarre den Schießübun= gen aus der nötigen durch die Posten gebotenen Ent­fernung zusaben. Man kann daraus ersehen, daß es im militärischen Leben auch Fälle geben fann, wo der Kaiser seinen eigenen Soldaten gehorchen muß.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser ist mit Gefolge Dienstag abend um 10 Uhr im Sonderzuge von Swinemünde nach Altengra­bow abgereist. Das Publikum brachte dem Kaiser stür­mische Ovationen dar.

Aus den Gerichtssälen.

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Der Münchener Ordensschwindel vor dem Kriegss gericht. Wie aus München gemeldet wird, wurde der bayerische Oberstleutnant von Strizl gestern vom Kriegsgericht der ersten Division nach zweitägiger Ver handlung wegen Betrugs in mehreren Fällen zu fünf Monaten Gefängnis und Ausstoßung aus dem Heere verurteilt. Oberstleutnant von Strigl bat, wie seiner­zeit berichtet wurde, gemeinsam mit dem Agenten Hahne Inserate in den Zeitungen erscheinen lassen, int welchen gegen Gewährung eines Darlehens Orden und staatliche oder kommunale Aemter in Aussicht gestellt wurden. Er erhielt auch in einer Reihe von Fällen Darlehen, hat aber nicht einmal den Versuch gemacht, sein Versprechen einzulösen. Die Gerichtsverhandlung hat ergeben, daß zumeist fleine Leute, Gewerbetret bende, Diener, Bauern durch den Angeklagten um ihre Ersparnisse oder ihr Vermögen gebracht worden sind. In der Regel waren 5000 Mart Darlehen verlangt fitr die Verschaffung einer Lebensstellung. Ein Bauer in Schwaben, der seinen Sohn beim Münchener Magist­rat unterbringen wollte, hat 11 000 Mart verloren. Der angeklagte Oberstleutnant scheute sich nicht, die Dar­Tehnsgeber in Uniform aufzusuchen oder sie in seinem Bureau beim Generalfommando zu diesem Zweck zu empfangen. Mit den Frauen Stellungssuchender trat er zuweilen in galante Beziehungen und führte davon unter der Ueberschrift Manöverstudien" eine Liste, die aus den Aften verschwunden ist. Der Verurteilte steht im Verdacht, diese Liste entfernt zu haben, als es ihm gestattet war, im Bureau des Gerichts in die bei ihm beschlagnahmten Schriftstücke Einsicht zu nehmen. Der als Zeuge vernommene Kriegsgerichtsrat bezeichnete diesen Zettel als ein niederschmetterndes Dokument für die Unmoral des Angeklagten, der im übrigen bestritt, den Bettel entfernt zu haben. Seinen durch Selbst­mord aus dem Leben geschiedenen Helfershelfer, den Agenten Hahne, der den Oberstleutnant, gegenüber den Geprellten, als die rechte Hand des fünftigen Königs, des Prinzen Rupprecht, bezeichnete, hat der Angeklagte nach eidlicher Aussage der Witwe Hahne gleich nach der ersten Begegnung auf der Straße um 50 Mark ant­geborgt und mit ihm ausschließlich verfehrt und verwe gene Geschäfte mit ihm gemacht, obwohl Hahne bereits sechzehnmal vorbestraft war.

Die Kriegsgefahr auf dem Balkan ist wieder ge­wachsen. Die türkischen Vorbereitungen für den Kriegs­fall und die Ausbreitung des albanesischen Aufstandes werden unentwegt fortgesetzt. Seit gestern haben drei Transportdampfer mit Truppen in Saloniti angelegt, um Kriegsmaterial an Bord zu nehmen. In den ver= schiedenen Wilajets müssen im Verlaufe von 4 Wochen je 7000 Pferde von der Bevölkerung gestellt werden. Starke griechische Banden sind auf türkisches Gebiet vorgedrungen.

Ueber eine angebliche Grenzverlegung durch deutsche Soldaten sind verschiedene französische Blätter sehr auf= geregt. Sie bringen unter sensationellen Ueberschriften eine Nancyer Meldung, nach der sechs deutsche Soldaten die Grenze überschritten, Telegraphendrähte durchschult­ten und mehrere Telegraphenstangen umgeworfen hät­ten, und daß zwei von ihnen von französischen Jägern verhaftet und in das Gefängnis von Longwy abgeführt worden wären. An amtlicher Berliner Stelle ist über einen solchen Vorfall nicht das mindeste bekannt. Die Meldungen der Pariser Blätter flingen auch so unwahr­scheinlich, daß sie einem der Size zum Opfer gefallenen journalistischen Gehirn zu entstammen scheinen.

Der Kreuzer Beslin" ist gestern nach Tenerifa zum Einnehmen von Kohlen gefahren; das Kanonen­boot Eber" nahm seine Stelle vor Agadir ein. Im Hinterlande von Agadir Herrscht Ruhe. Dieser Tage statteten sechs Scheichs eines gefürchteten Bergstammes dem Kommandanten der Berlin" einen Besuch ab. Ste erklärten, daß im Lande Genugtuung über die Anwesen­

Kleine Nachrichten.

Die Besserung im Befinden des Papstes dauert an, doch besteht der Zustand allgemeiner Schwäche fort. Audienzen werden immer noch nicht gewährt. Die gestrige Frühmesse hat der Bapst in seiner Privatkapelle zelebriert.

Die Cholera verbreitet sich nicht nur in den Vor­orten von Konstantinopel, sondern auch im Zentrum Beras. Gestern waren dreißig Fälle zu verzeichnen, darunter elf tödliche. Auch in der Armee fordert die Cholera mehr Opfer, weshalb auch die nächsten Mili­tärübungen eingestellt werden sollen.

Bu empörenden Szenen fam es gestern in einem Hause in Cöln, wo der Pfarrer Becker, der eben eine Leiche einsegnen wollte, von sechs jungen Burschen an­gegriffen und an der Ausübung seiner seelsorgerischen Tätigkeit verhindert wurde. Als die Poltzet sich ins Mittel leate, fielen die Burschen auch über sie her, so daß die Polizisten von der Waffe Gebrauch machen mußten. Die Haupttäter wurden verhaftet.

Infolge einer Spirituserplosion ist in Wannsee bet Berlin das 12jährige Töchterchen eines Kutschers Ie= bensgefährlich verbrannt. Das Kind hatte in einen brennenden Spirituskocher aus der Flasche Spiritus nachgegossen, wobei die Flasche explodierte und die Kleider des Kindes Feuer fingen. Es besteht wenig Hoffnung, das Kind am Leben zu erhalten.

Ueberraschende Erfahrungen haben die deutschen Ar­beiter gemacht, die jüngst ihre Rundfahrt durch Eng= I and vollendeten. Es fiel ihnen auf, daß in Leicester eine Massenversammlung mit dem Choral Nun danket alle Gott" eröffnet wurde. Die Schlußrede der Ver= sammlung, die der greise Herr Merttens, der dauernde Begleiter der deutschen Arbeiterdelegation hielt, trug durchaus religiösen Charakter und enthielt Gedanken, denen man sich nur anschließen kann, ohne mit den Zie­Yen der deutschen Suomitatis auth mus das ges ringste zu tun zu haben. Eine so starke und mächtige Bewegung, wie die deutsche Sozialdemokratie, so führte er aus, dürfe die Religion Christi nicht verleugnen, wenn sie auf dauernden Einfluß auf das Beste im Menschen, die Seele, rechnen wolle. Ferner beschwor er sie, von dem Gedanken einer gewaltsamen Umgestaltung der Ge­sellschaft zit lassen. Das beste Mittel, den Menschen zu bessern, set, wenn die deutsche Sozialdemokratie dafitr Sorge trage, daß jeder einzelne den Anfang mache. Wo der Haß ist, kann nichts Gutes gedeihen, wo aber die Liebe ist, wie sie Jesus gepredigt, da müssen die Men­schen besser werden."

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Jugendfreundschaft.

( Nachdruck verboten.)

Ein gewaltiger Heide: und Waldbrand wütete ge­Stern im Kreise Gelle. Das Dorf Wendisch- Evern war start bedroht. Von allen Seiten waren die Feuerweh= ren zur Silfe herbeigeeilt.

Eine Strafanstalt, die sich nicht rentiert, ist die­fenige zu Rhein in Ostpreußen. Sie ist eingegangen, weil feine Strafgefangenen vorhanden sind. Die An= stalt, die nur für Frauen bestimmt war, ist seit langer Zeit sehr schwach besetzt, so daß jetzt ihre Auflösung ver­fügt werden mußte. Die Räumlichkeiten stehen zum 1. August d. J. zur Verfügung.

Vermischtes.

Ein eigenartiges Gesuch an den Kaifer unterliegt gegenwärtig der Begutachtung durch das Kaiserliche Bl vilfabinett. Der Bureauvorsteher Harms in Steglig bei Berlin hatte kürzlich auf dem Tepeler Schießplate eine Granate gefunden, die dort etwa 45 Jahre in der Erde gelegen haben muß, da sie einem Modell aus der Mitte der sechziger Jahre entspricht. Das Fundobjekt ist inzwischen im Spandauer Feuerwerkslaboratorium entladen und zerlegt worden. Der Finder hat sich in einer Bittschrift an den Kaiser als Finderlohn die Er­laubnis erbeten, noch jest, obgleich er längst dem Land­Sturm angehört, durch Ablegen der Prüfung das Ein­jährig- Freiwilligen- Beugnis zu erwerben. Gleichzeitig bat er, ihn zum Unteroffizier der Reserve zu befördern. Es dürfte dies eine der originellsten Bitten sein, die je an den Kaiser gerichtet wurden.

Ein Aft unglaublicher Robeit. der die gesamte Be vifferung der Gegento in gerechte Empörung versetzt hat, ereignete sich gestern in der Swinemünderstraße in Ber lin. Dort hat der Gastwirt Leipnitz im Verein mit seiner Frau und seiner Schwägerin ein Dienstmädchen mit einem Gummischlauch, einem Fleischbrett und durch Fußtritte derart mißhandelt, daß es im Krankenhause auf den Tod darniederliegt.

Roman von G. v. Schlippenbach. Im Hochsommer reiste Frau Haideck zu ihrer Toch­fer und Eva begleitete sie. Sie kamen recht milde von der langen Eisenbahnfahrt in Petersburg an, wo Al­fred sie erwartete. Am folgenden Tage begleitete er die Damen nach Kaporinoff, wo Karla seit Anfang Mat mit ihrem Söhnchen lebte. In sehnsüchtiger Ungeduld wurden die Iteben Reisenden erwartet. Endlich war das Rollen der Räder auf dem weichen Waldboden zu hören. Karla war sehr bewegt, als sie die geliebte Mut­fer und die langentbehrte Pflegetochter wiedersah, so vieles war inzwischen geschehen.- Alfred stand beschei­den im Hintergrunde und wartete, bis auch er sie be­grüßen konnte. Karla streckte ihm lächelnd die Hand bin.

Durch Wespenstiche schwer verletzt. Im Stadtpark zut Schöneberg bei Berlin stöberten am Sonntag in der Nähe der Untergrundbahn mehrere Kinder einen Wes­penschwarm auf. Ein 1% jähriges Mädchen stach mit einem langen Stock in der ziemlich großen Deffnung des Nestes herum, als plößlich Hunderte von Wespen hervorquollen und sich wütend auf die Kinder stürzten, die im Nu von den Insekten bedeckt waren. Schreiend und vor Schmerz halb betäubt, warfen sich die Kinder zu Boden, ohne indes den gereizten Tieren entrinnen zu können. Besonders schlimm erging es der 1% fäh­rigen Anna Feuer, die derartig von den Insekten zer­stochen wurde, daß sie das Bewußtsein verlor. Man. schaffte die verlegten Kinder zu einem in der Nähe woh nenden Arzt, der die erste Hilfe leistete. Die zur Silfe herbetgerufene Feuerwehr füllte das Nest mit Petro­leum aus und es gelana thr, den Wespenschworm nu fair oterunoiger zirveit zu vernichten.

Blichtige Defraudanten. Der 20jährige Buchhalter Horstmann von der Norddeutschen Kreditanstalt in Kö­nigsberg fälschte in Gemeinschaft mit dem 23jährigen Buchhalter Boderke eine Zahlungsanweisung über 42 000 Mart. Sie erhoben durch eine Mittelsperson bet der Stettiner Filiale 28 000 Mart und wurden damit flitchtig. Die Betritger sind als Lebemänner bekannt, fie konnten noch nicht gefaßt werden.

" Rolfa kann geben," sagte sie milt strahlendem Ge­ficht, v, ich bin so glücklich!"

In einem weißen, gestickten Kleidchen trippelte der Kleine noch etwas zaghaft auf den jungen Arzt au.

" So, mein tapfrer Mann, das geht ja vortrefflich," Lobte Grotenbach erfreut.

Der versiegelte Ader. Man schreibt den M. N. N.": Einen sonderbaren Anblick bietet ein Acer in der Ge-, meinde Biere bet Groß- Salze. Mitten im Felde er­heben sich Stangen, die das farbige Pfändungszeichen des Gerichtsvollziehers aufweisen. Ein Landmann hatte von der Gemeinde den Acker gevachtet, war aber mit der Zahlung der Bachtsumme rückständig. Da sonst nichts But holen war, kam der findige Gerichtsvollzieher auf die Idee, den Acker auf diese Itebliche Weise zu verzieren.

Der fühlste Gottesdienst. Als findiger Geschäfts­mann hat sich ein amerikanischer Methodistenprediger in Chicago erwiesen, der vor sein Kirchenportal Zettel an geklebt hat, die folgendes besagen:" Der fühlste Gottes dienst in Chicago. Kurze Predigt und lange Erholung. Es wird ununterbrochen für die Mitglieder meiner Ge

Karla Kannte durch Alfred Grotenbach ihres Man­nes Leiden; sie hatte viel geweint, als sie es erfuhr, fetzt suchte auch sie in Gottes Fügung stille zu werden und nur noch das tiefste Mitleid gegen den Mann, den fie heiß geliebt, erfüllte ihre Seele. Ste begriff, daß er oft nicht zurechnungsfähig war, wenn er die heftigen Szenen machte, vor denen sie zitterte, daß Konstantin nicht für Dinge verantwortlich gemacht werden konnte, die er unter dem Drucke seiner Krankheit sagte und tat. In diesem Sinne sprach sie sich auch gegen ihre Mutter aus, es ging auch durch Frau Haidecks Herz etwas Ber­söhnliches, Verstehendes. Der Sommer war unge­wöhnlich lang und schön, so recht dazu geeignet, das Welke und Kranke herzustellen. Mit Heimlicher Freude beobachtete Frau Haideck Tochter und Enkelchen, die sich von Tag zu Tag erholten; Kolja entwickelte sich schnell, er plapperte fröhlich und war von Eva unzer­trennlich, und Karlas schönes Geficht gewann einen ru­higen, glücklichen Ausdruck, über den sich alle freuten, und wohl am meisten der Arzt, dessen Kunst sich auch hier glänzend bewährte. Alfred war aber so beschäf­tigt, daß er nur sehr selten nach Kaporinoff fommen fonnte; seine Praris in der Stadt wuchs, die höchsten Personen Konsultierten ihn, es war Modefache gewor den, sich von dem jungen Deutschen behandeln zu lassen.

Das ist Ihr Werk," sagte Karla herzlich, ich fange ant zu glauben, daß mein Kind mir erhalten bleibt. Steh doch, Mutter, er bat ganz rosige Bäckchen bekom­men und er hat prächtigen Schlaf und guten Appetit."

So plaudert Karla im neuerwachten Mutterglück. Später saßen die vier unter den hohen Tannen vor bem Hause in Kaporinoff, wirzig zog der Odem des Nadelholzes durch den Wald; es dunkelte bereits, das Bwielicht des Nordens sank hernieder, es waren jene weißen Nächte", in denen es nie recht dunkel werden will.

von Ihnen. Werden Sie denn nie die Maske fallen lassen, daß meine leiblichen Augen Sie erblicken? Ich höre Ihr energisches Jch tue es nicht, nein, ich will in­fognito bleiben."

Eva schickte der Redaktion in Hannover, der Ham­mer vorstand, aus Kaporinoff einige Feuilletons, es Iockte sie, ihn noch weiter zu neden; aus Siden und Norden sollte er E. Nordens Gedichte und Novellen er= halten. Sie bekam schnell die Antwort auf ihr Einge­fandtes, dieses Mal war es ein längerer Brief Ham­mers, er schrieb:

Verehrte Mitarbeiterin!

Schade! Es wäre mir sehr interessant, Ihre pers sönliche Bekanntschaft zu machen. Wissen Sie, welches Bild ich mir von Ihnen ausmale, Verehrteste? Ich nehme an, daß Sie neugierig sind, wie die meisten Ih­res Geschlechtes.

Wo verbergen Sie sich? Bald aus dem sonnigen Süden, dann wieder aus dem hohen Norden höre ich

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Also: Sie müssen noch fung sein, es liegt etwas wie Blütenstaub auf Ihren Gedichten und Novellen. Wie Sie sehen, kann ich auch poetisch werden. Sie haben nicht nur die Sonnenseiten des Lebens fennen gelernt, das Leid hat Sie beimgesucht, daher die schwermittige Färbung in Ihre Schriftstelleret, aber dieses Leid Itegt jetzt hinter Ihnen, dafür spricht der gesunde Humor und die Schelmeret in Ihren Arbeiten. Sie sind be geisterungsfäbig, prüfen aber oft zu oberflächlich und fleiden Menschen und Dinge in ein zu ideales Licht. Etwas mehr Energie wäre wünschenswert; Aeußerlich­fetten verlegen Sie leicht, Sinn für Schönheit und An­paffungsvermögen sind Ihnen eigen. Wundern Sie sich über diese Deutung?

Nicht wahr, sie ist richtig? Nut, ich will Ihnen verraten, daß ich Graphologe bin und Ihre Handschrift mir das Gesagte ausgeplaudert hat. Da haben Sie des Rätsels Lösung, Verehrteste.

Nun Jhr Aeußeres. Da gebe ich der Phantasie vollen Spielraum. Hören Sie:

Sie müssen groß und schlank sein, von biegsamer Gestalt, Ihre Bewegungen sind weich und anmutig. Ihr Haar ist hellbraun, es lodt sich in weichen Rin­geln um Ihr Köpfchen, der Teint ist eher blaß als rofig, aber es ist feine Krankhafte Blässe. Farbe der Augen, hm! das ist am schwierigsten zu be­ftimmen.

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