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Gießener Zeitung

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die Illustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.

Nr. 153.

Telephon: Nr. 362.

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

Die Wirkungen des Jatbo- Spruches.,

Angesichts der andauernden Erregung, welche die Entscheidung des Spruchfollegiums über den Irrgeist vom Rhein" im ganzen Lande hervorgerufen hat, ist ein Artikel der Natl. Bl." von Interesse, der sich mit dem Falle Jatho insbesondere mit seinen voraussichtlichen Folgewirkungen eingehend beschäftigt. Der aus hervorragender geistlicher Feder stammende Artikel ver­

breitet sich zunächst über die Einrichtung des Spruchkol legiums, warnt vor den Uebertreibungen, kommt dann aber zu dem Ergebnis, daß die Entscheidung ein Fehl­spruch sei.

Der Verfasser wird aber auch dem Spruchkollegium darin gerecht, daß er auf die großen Schwierigkeiten aus­führlich verweist, die Jatho selbst einer etwaigen, mil­deren Auffassung durch seine rüdgratfeste Haltung bei der Verhandlung bereitete. Dann verbreitet er sich über die voraussichtliche Wirkung des Spruchs:

" Ein so eigenartiger Mann wie Jatho, hätte auch nen. Aber das sind verspätete Wünsche. Der Spruch ist gesprochen. Die Folgen lassen sich noch nicht über­sehen. Wir glauben nicht, daß Jatho viele Nachfolger haben wird. Es wird kaum einen Theologen in Preu­Ben geben, der solche theologische Struktur hat, wie Ja­tho. Deshalb werden Massenerklärungen von Theolo­gen, die sich mit Jatho theologisch identifizieren und

gleiche Behandlung erfordern, wohl schwerlich erfolgen. Vielleicht kann die jetzt noch unbekannte Begründung des Urteilsspruches Weiterungen bringen. Sollte sie irgend wie eine Lehrnorm als Bekenntnis der Kirche" festle gen, die das Gewissen zahlreicher Pfarrer beschwert, so könnten sich allerdings Verwickelungen herausstellen. Die Kirchenbehörde hat selbst keine Neigung, von sich aus " Fälle" ungeduldig herbeizuführen. Man ist sich Ernstes der Lage überall wohl bewußt und wird hof­fentlich den Weg gehen, der noch am ehesten die prote­stantische Freiheit und evangelische Wahrheit mit der wünschenswerten Glaubenseinigkeit der Landeskirche er­möglicht, man wird den Pfarrern die Entscheidung tief in das Gewissen schieben, ob sie ihre Lehrverkündigung mit den geschichtlichen Grundlagen und der Entwicklung der Kirche der Reformation vereinbaren können. Aufrich tige Gewissenserforschung und zuversichtliche Gewißheit, daß Gott über seiner Wahrheit waltet, können unabseh­bare Schädigungen des protestantischen und damit auch des nationalen Lebens hintanstellen.

Eine Verknöcherung der Landeskirche und eine Ver­schüchterung der freier gerichteten Geister, ein Miß brauch des Spruchkollegiums zur Herrschaft einseitiger Richtungen im evangelischen kirchlichen Leben würden die Folgen herbeiführen, die jetzt schon in den Jathobetrach­tungen geschildert werden: Spaltung der evangel. Kirche und Trennung von Kirche und Staat! Was das aber in unserem konfessionell zerrissenen Volke im Zeitalter der ultramontanen Machtentfaltung bedeutet, darüber wol­len wir heute nicht reden.

Wir beschränken uns darauf, alle Freunde der idea­len religiösen Lebenswerte, die als unveräußerliche Grundlage der deutschen Kultur uns in der weltgeschicht­lichen Tat der Reformation und ihren Entwickelungs= möglichkeiten gegeben sind, zu bitten, daran zu denken, daß der deutsche Protestantismus und die Landeskir chen nicht dasselbe sind, und sich deshalb die Freude an ihm, das Vertrauen zu ihm durch Spruchkollegien nicht rauben zu lassen. Weil aber evangelische Kirche und Protestantismus einander bedingen und fördern, Sarum sollte man durch regere Mitarbeit an den kirch lichen Gemeindeaufgaben und Gemeindewahlen der frei­heitlichen Richtung größeren Einfluß erkämpfen, um der engherzigen Orthodoxie die Macht zu nehmen, und der innerkirchlichen Duldung und freimachenden Wahrheit den Sieg zu erringen."

*

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3, Juli. Ernennung. Die Privatdozenten an der Landesuniversität: Dr. phil. Jan Versluys bei der phi­losophischen Fakultät, Lic. theol. Paul Glaue bei der theologischen Fakultät und Landgerichtsrat Dr. Julius Friedrich bei der juristischen Fakultät sind zu außeror­dentlichen Professoren ernannt.

* Die Landesuniversität hielt am Sams­tag in der neuen Aula ihr Jahresfest ab, bei dem der Rektor, Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann die Festrede über die Gründe der Zweifelhaftigkeit rechtlicher Ergebnisse hielt. Bei der Verkündigung der Ergebnisse

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Montag, den 3. Juli 1911.

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( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

der Preisarbeiten für 1910-11 wurden folgende Preis| einigten sich die Festteilnehmer in Steins Garten, wobei

fräger mitgeteilt: In der theologischen Fakultät August

Dell aus Mainz, in der medizinischen Fakultät Eduard Benninger aus Gießen und Ernst Lang aus Bingen heim, in der philosophischen Fakultät Robert Schütz aus Gießen, Ferd. Kutsch aus Groß- Gerau und Otto Jung Stiftung erhielt Robert Schütz aus Gießen. Die Preis­aus Darmstadt. Das Reisestipendium der Heimburger aufgaben der theologischen Fakultät für den Lendhecker­

Preis, der juristischen Fakultät und der philoſophiſchen der Kunstwissenschaft hatte keine Bearbeiter gefunden. Fakultät aus den Gebieten der Sprachwissenschaft und In Steins Garten fand ein Festessen statt, an dem Do­fich an. zenten und Beamte teilnahmen. Ein Gartenkonzert schloß

-g- Stenographentag. Unter großer Beteilig­ung hielt am Samstag und Sonntag der Hessisch= Nassauische Main Rheing a u- Verband Ga­belsbergerscher Stenographen seinen 32. Stenographen= tag, verbunden mit der Jubelfeier des 50jährigen Be­stehens des Gabelsbergerschen Stenographenvereins Gie Ben, gegr. 1861, ab. Allein über 1000 auswärtige Mit­glieder waren herbeigeeilt, um in der Lahnstadt Gie­Ben den Verhandlungen und Festlichkeiten beizuwohnen. In einer am Samstag abend abgehaltenen Vertreter= versammlung fanden nur geschäftliche Angelegenheiten Erledigung. Nach Bericht des Verbandsvorstandes zählt der Verband 195 Vereine mit 7500 Mitgliedern. Als

Vorstand wurden gewählt die Herren Lehrer Müller­

2.

Offenbach, 1. Vorsitzender; Lehrer Schöpp- Mainz, Vorsitzender; Kaufmann G. Rommeis- Frankfurt a. M., Wiesbaden, Beisitzer. Als Ort der nächsten Tagung ist Kassierer; Rechnungsrat Haupt- Kassel, Dr. Kranz- Busch­Höchst a. M. bestimmt. Ein lebhaftes Treiben herrschte bereits in den Morgenstunden des Sonntages. Außer mit dem Extrazug von Frankfurt, kamen aus allen Tei­len des Verbandsgebietes zahlreiche Jünger Gabelsber­gers, um einerseits an dem vormittags 9 Uhr im Kollegiengebäude der Landesuniversität und Realgym­nasium stattfindenden Wettschreiben teilzunehmen, ande­rerseits um der öffentlichen Festversammlung und der abends stattfindenden Jubelfeier beizuwohnen. An dem Wettschreiben nahmen 751 Stenographen teil. Am Abend Ehrenpreise, 41 an der Zahl, in einem Gesamtwert von konnte bereits das Ergebnis bekannt gegeben und die zirka 1000 Mt., gestiftet von Behörden und der Bür­gerschaft Gießens, ausgehändigt werden. Insgesamt wurden 583 Arbeiten, nämlich 292 mit 1., 105 mit 2., 122 mit 3. Preisen und 64 mit lobenden Erwähnungen ausgezeichnet und zwar bei 100 Silben 210, bei 120 Silben 124, bei 140 Silben 115, bei 160 Silben 69, bei 180 Silben 34, bei 200 Silben 9, bei 220 Silben 13, bei 240 Silben 11, bei 260 Silben 5, bei 280 Sil­ben 1, bei 300 Silben 1 und bei 320 Silben 1 Arbeit.

Herr Oberbibliothekar Dr. Ebel nahm sich in liebens­würdiger Weise den nicht am Wettschreiben beteiligten auswärtigen Kunstgenossen an, indem er ihnen bei einem Rundgange durch die Stadt die Sehenswürdigkeiten Gie­Bens zeigte. Im Anschluß hieran hielt Herr Dr. Ebel in der Univ.- Bibliothek einen sehr interessanten Vortrag über: Die Schrift im Mittelalter. Zu diesem Zwecke hatte er daselbst eine große Anzahl alter Handschriften aufgelegt.

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Die öffentliche Festversammlung wurde Mittags um 11½ Uhr unter zahlreicher Beteiligung seitens des Ver­bandsvorsitzenden, Herrn Lehrer Müller- Offenbach öffnet. Nach Begrüßungsansprachen der Herren Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann, Rektor der Universität, Landgerichtspräsidenten Dr. Güngerich, Beigeordneten Keller als Vertreter der Stadt Gießen, des Regierungs­rates Welder, als Vertreter des Provinzialausschusses und Kreises Gießen, des Majors Nücker seitens des hiesigen Regiments Nr. 116, des Geh. Kommerzienrats Heichelheim als Präsident der Handelskammer und Re­ferendar Brause- Dresden als Vertreter des Kgl. Steno­graphischen Landamtes, hielt Herr Prof. Pfaff- Darm­stadt, Vorsitzender des deutschen Stenographenbundes Gabelsberger, einen mit Begeisterung aufgenommenen Vortrag: Jm Kampf um die Einheitsstenographie". Steins Um 2 Uhr mittags fand eine Festtafel in Garten statt; während derselben ging vom Großherzog von Hessen folgendes Telegramm ein:

Lehrer Müller, Vorsitzender des Hessisch- Naj­sauischen Verbandes der Gabelsberger Stenogra­phen- Gießen, Wolfsgarten- Jagdschloß. Uebermitteln Sie bitte den zum Stenographentag Versammelten meinen Dank für die an mich gerichteten freundlichen Grüße. Ernst Ludwig."

3u der Sonntag Abend stattgefundenen Jubelfeier ver­

die Preisverteilung vorgenommen wurde. Den Abschluß

des Festes bildet heute ein Frühschoppen und ein Aus­flug nach dem Schiffenberg..

* Der Kreisschulfommission Darmstadt ist von der obersten Schulbehörde eine Verfügung zu­gegangen, daß die Ferien für Volks- und höhere Schu­len gleiche Dauer erhalten. Mit Rücksicht auf die grund­

sätzlich wohlwollende Stellung der Regierung beantragt

Antrag für erledigt zu erklären. der Ausschuß der Zweiten Kammer, den vorliegenden

Gerichtsferien. Die Gerichtsferien begin­nen am 15. Juli und endigen am 15. September 1911. Während der Ferien werden nur in Feriensachen Ter= mine abgehalten und Entscheidungen erlassen.

-u= Heuchelheim, 3. Juli. Das Kreisbauamt hat jetzt eine Versuchsstraße mit Kitton, einer teerähn­lichen, im Wasser löslichen Masse, hier hergestellt. Eine weitere Strecke bei Lich soll folgen. Die Kittonstraßen sollen staubfrei und äußerst dauerhaft sein.

== Holzheim, 3. Juli. Von heute ab ist hier auf längere Zeit ein Gendarm stationiert, der die Be­

folgung der Vorschriften, die wegen der Maul- und Klauenseuche von der Behörde erlassen sind, überwachen soll. Zweifellos wird diese Maßnahme dazu beitragen, der Verbreitung der Seuche entgegenzuwirken.

* Bad Nauheim, 3. Juli. Expräsident Por­firio Diaz hat sich nicht zur Kur nach hier begeben, sondern zum Besuch seines langjährigen Privatsekretärs, der dort für ein schweres Herzleiden Heilung gesucht und gefunden hat. Diaz beabsichtigt seinen Besuch in Deutsch­land längere Zeit auszudehnen.

* Bad Nauheim, 1. Juli. Am 16. Juli fin­det hier ein Blumentorso statt. Es hat sich ein Ausschuß gebildet, dem die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden 2c. angehören.

== Alsfeld, 3. Juli. Das Kornhaus bei Sta­tion Nieder- Gemünden, das vor einigen Monaten durch Feuer zerstört wurde, läßt jetzt die Oberhessische Korn­hausgenossenschaft durch einen größeren Neubau wieder

entstehen.

-d- Büdingen, 3. Juli. Nachdem das am letz­ten Sonntag auf der Ronneburg aufgeführte Festspiel: " Im Glauben stark, in Treue fest" einen so guten Ver­lauf genommen hat, ist eine Wiederholung am Sonn­tag, 16. Juli, beschlossen worden. Da bei der Erstauf­führung mit geringen Ausnahmen Karten nur an die eingeladenen Ehrengäste und an die Mitglieder der mit­wirkenden Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs ausgegeben werden konnten, so war diese Wiederholung unbedingt nötig, um auch den Mitgliedern der übrigen V.- H.- C.- Zweigvereine und der Bevölkerung der Umge­bung Gelegenheit zu geben, sich das Festspiel anzusehen. Wegen der Eintrittskarten wolle man sich an den näch­sten V.- H.- Cl.- Zweigverein wenden.

*

Offenbach, 1. Juli. Eine stürmische Stadt­verordnetensizung fand gestern in Offenbach statt. Den Anlaß gab ein scharfer Artikel der Offenbacher Zeitung gegen den Oberbürgermeister Dr. Dullo, in dem der Vorwurf erhoben war, Dullo habe den aus den Kai­serhofäffären bekannten Bankier Wolff empfangen und mit ihm über die Anlage städtischer Gelder konferiert. Es tam zu äußerst heftigen Zusammenstößen zwischen dem Bürgermeister und dem Abg. Ulrich auf der einen, und dem Stadtv. Feistmann, dem Gewährsmann der Offb. 3tg." auf der anderen Seite. Die Stadtverordneten stell­ten sich in ihrer weit überwiegenden Mehrheit auf die Seite des Oberbürgermeisters und nahmen gegen die Offenb. 3tg." Stellung.

-u Gau Algesheim, 3. Juli. Auf die im Laden des Kaufmanns St. angebrachte Schelle hat ein Schwalbenpaar sein Nest gebaut. Obwohl die Schelle fast unausgesetzt am Tage in Tätigkeit ist, haben sich die zutraulichen Tierchen bis jetzt nicht im geringsten an dem Geklingel gestört, sondern eifrig ihrem Brutgeschäft obgelegen, so daß jetzt bereits fünf muntere junge Tier­chen in dem Neste sich ihres Lebens freuen.

*) Marburg, 3. Juli. Der Stadtverordneten­versammlung liegt folgender Antrag zur Beschlußfassung vor: Jm Bezirke der Stadt Marburg dürfen studentische Verbindungshäuser und Kneipen von Korporationen oder Dritten nur an nachfolgenden Straßen gebaut oder eingerichtet werden: Lutherstraße, Hainweg, Kaffweg, Wehrdaerweg. Die Verfügung soll rückwirkende Kraft vom 1. April d. Js. haben.

tegen.