Deutscher Reichstag.
paares in Potsdam stattgefunden. Der Kaiser richtete anläßlich der Feier an das Regiment eine Ansprache.
Für die Beteranenfürsorge sind bekanntlich durch das Zuwachssteuergesetz 5 Millionen Mart mehr bereitgestellt. Unter Berücksichtigung der Abgänge ist es auf diese Weise möglich, 60 000 Veteranen mehr zu unterstützen als bisher. Die zu diesem Zwecke zu e assenden Bestimmungen haben daher die Aufgabe, die gesamte Summe dieser Zahl den Kriegsteilnehmern ohne Einschränkung zukommen zu lassen. Um das zu erreichen, sollen die Begriffe„ Unterstüzungsbedürftigkeit“ und„ Erwerbsunfähigkeit" wesentlich weiter ausgelegt werden als bisher. Unterstützungsbedürftigkeit wird dann immer als vorhanden anzusehen sein, wenn der Kriegsteilnehmer infolge von Alter, Krankheit oder Gebred; lichkeit nicht mehr imstande ist, durch eine seinen Kräften und Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Die Beratung des Bekleidungswesens im Heere zeigte den Reichstag am Mittwoch wieder als Freund der Kleinen. Den Heimarbeitern, den Handwerksgenossenschaften und Handwerkerinnugen wollen mehrere Resolutionen Arbei= ten zuwenden, und der Lohgerber und Gerbervereine ge= dachten die Abgg. Pauli- Cochem( 3.) undVogel( ntl.). In der letzten Frage war der Abg. Wehl anderer Meinung; er wollte die Verwertung der neuesten industriellen Methoden der Lederbereitung, die Heeresverwaltung brauche eine leiftungsfähige Industrie für den Krieg; die Gerbervereinig= ungen könnten da noch nicht das notwendige Material Ite= fern. Die Militärverwaltung teilte durch ihren Kommissar mit, daß keine Ursache vorliege, das mit Lohe gegerbte Leder abzuschaffen, wofern nicht der Nachweis erbracht würde, daß die Militärverwaltung anders wirtschaftlicher und besser fortkäme. Abg. Albrecht( Soz.) kritisierte die Verhältnisse bei den Bekleidungsämtern. Dazu muß man wissen, daß die gegenwärtige Einrichtung der Bekleidungsämter auf die Anregung des Reichstages zurückgeht. Abg. Gans Edler zu Putliz( kons.) gestand ein, daß Handwerkerintereffe und Geldfrage zuweilen kollidierten. Die Bekleidungsämter seten teurer geworden als man erwartet habe; daher sei ein langsamer Ausbau zu empfehlen, eine finanzielle Notwendigkeit, der sich auch Sommer( fortschr. Vp.) trotz aller Liebe zum Handwerk nicht verschloß. Der Vertreter der Militärverwaltung erklärte, daß die Lieferungen fletner Handwerker durchaus befriedigend ausgefallen seten und sagte weitere Berücksichtigung des Handwerks entspre= chend den vorhandenen Mitteln zu. Sommer sprach noch den Wunsch aus, daß an Stelle der leitenden Offiziere der Bekleidungsämter kaufmännisch geschulte Kräfte treten möchten. Abg. Duffuer( 3.) kam auf die Lederfrage zurück und gab dem Einloheverfahren den Vorzug vor neueren schnelleren Gerbmethoden. Er hat sich ein Bekleidungsamt angesehen und der Kriegsminister v. Heeringen versprach, auch in Zukunft den Abgeordneten Gelegenheit dazu zu geben. Den Wunsch Sommers nach kaufmännischen Leitern der Bekleidungsämter hielt er aber nicht für erfüllbar; ebenso erklärte er im Anschluß an Straßburger Vorgänge, daß für die sozialdemokratischen Arbeiter kein Platz in den Bekleidungsämtern sei. Aehnliches hatte schon vorher der württembergische Militärbevollmächtigte im Zusammenhang mit dem Bekleidungsamt in Ludwigsburg gesagt. mehrstündiger Verhandlung verließ man die Bekleidungsämter, nicht ohne die Handwerferresolutionen angenommen zu haben. Die Beratung wird am Donnerstag fortgesetzt. Der Reichstag und die Postassistenten.
Nach
Der Gesezentwurf über die fakultative Feuerbestattung in Preußen ist dem Abgeordnetenhause zugegangen. Er bestimmt, daß die Feuerbestattung nur in landespolizeilich genehmigten Anlagen erfolgen darf, und zwar nur, wenn der Verstorbene die Feuerbestattung selbst angeordnet hat und seitens der Ortspolizeibehörde keine Bedenken gegen die Feuerbestattung bestehen, wenn insbesondere der Verdacht, daß der Tod durch eine strafbare Handlung herbeigeführt worden ist, nicht vorliegt.
Die Budgetfommission des Reichstages setzte die Beratung des Bostetats am Mittwoch fort. Die Forderung von 800 neuen etatsmäßigen Stellen für Assistenten wurde angenommen, dazu aber einstimmig folgende, von Vertretern aller Parteien unterzeichnete Resolution: Den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß 1. von der Einberufung von Anwärtern für den mittleren und höhe= ren Postdienst bis auf weiteres Abstand genommen und das Bedürfnis für die Vermehrung von Beamtenkräften durch die Einstellung von Unterbeamten und gehobenen Unterbeamten befriedigt wird; 2. daß demnämn dem Reichstage eine Denkschrift vorgelegt wird über die anderweitige Organisation der Beamten der Reichspoſtterwaltung unter konsequenter Festhaltung des Grundfazes, daß Arbeiten, für die eine geringere Qualifikation ausreichend ist, Beamten mit niedrigerem Rang und Gehalt übertragen werden, unter Schonung der Interessen der vorhandenen Beamten."
Ein Rekordjahr der preußischen Eisenbahnverwaltung. Nach Mitteilungen, die der Minister der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbach in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses gemacht hat, darf man annehmen, daß das Jahr 1910 in Bezug auf den Reinüberschuß, der zu erwarten ist, einen neuen Rekord aufstellen wird. Bisher hat das Jahr 1905 den höchsten Reinüberschuß gebracht, nämlich 257 Millionen Mark. Und dieser Betrag wird mit aller Wahrscheinlichkeit im verflossenen Jahre noch überschritten werden Der Reinüberschuß ist in den letzten Jahren sehr erheblichen Schwankungen unterworfen gewesen. So fiel er von 241 Millionen im Jahre 1903 auf 226 Millionen im Jahre 1904, um dann im nächsten Jahre mit 257 Millionen seinen bisher höchsten Stand zu erreichen.
Reichsschatzsekretär Wermuth warnte davor, für die nächsten Jahre zahlreiche neue Etatsstellen in Aussicht zu stellen. Der Ueberschuß der Post, 1905 noch ziemlich hoch, set allmählich auf den Nullpunkt gesunken und wenn die Erträgnisse sich nun allmählich wieder steigerten, dürfe man deshalb nicht gleich wieder an neue Beamte denken.
fich eine großere Anzahl Schlachtenbilder aus dem danischen und dem deutsch- französischen Krieg. Diese Schlachtenbilder sind jetzt in das Zeughaus überführt worden, wo eine besondere Halle eingerichtet wurde, um das Andenken an die großen Kriege des 19. Jahrhunderts zu ehren.
Die Sozialdemokraten des vierten Berliner Reichs: tagswahlkreises stellten anstelle des verstorbenen Abgeordneten Ginger für den Reichstag den Vorsitzenden der Wahlkreisorganisation, Krankenkassenrendant Otto Büchner auf. Der Kreis ist sicherer Besitz der Sozialdemokra ten, die dort im Jahre 1907 mit rund 82 000 gegen 15 750 freisinnige, 6600 konservative und 2700 Zentrumsstimmen siegten.
Es wurde weiterhin über eine von den Refernten beantragte Resolution verhandelt, worin die Verbündeten Regierungen ersucht werden, bis zur dritten Lesung des Reichshaushaltsetats ihr Einverständnis dahin zu erklären, daß den Oberpost- und Telegraphenassisten ten, sowie den Vorstehern der Postämter 3. Klasse, soweit dieselben vor dem 1. Januar 1900 in den Reichspost- und Telegraphenverwaltungsdienst eingetreten find, eine persönliche, pensionsfähige 3ulage von 100 M nach 15 Jahren gewährt werde, welche sich nach 18 Jahren auf 200 M und nach 21 Jahren auf 300 M erhöht. Der Reichsschatzsekretär ebenso wie die Reichspostverwaltung Tegten ihren ablehnenden Standpunkt dar. Die Mehrkosten würden sich auf 2,5, steigend auf 5,5 Millionen belaufen. Eine Schädigung und Rechtsansprüche dieser Beamtenkategorien lägen nicht vor. Die Verhandlung hierüber wird Tonnerstag fortgesetzt.
Rundschau vom Tage.
Politisches.
Das legte Lebenszeichen vom Zirkus Renz. Das Amtsgericht Berlin- Mitte gibt bekannt, daß die Liquidation über die G. m. 6. H. Zirkus Renz beendet und die Firma erloschen ist. Damit sind die letzten Spuren einer großen zirzensischen Vergangenheit getilgt.
Danny Gürtler, der„ König der Reklame", der sich seit einiger Zeit in einer Nervenheilanstatt in Heidelberg befindet, ist, nachdem er in den ersten Wochen gegen seine Unterbringung protestiert hatte, nun schwer erkrankt. Er leidet an schweren Tobsuchtsanfällen und darf selbst seine nächsten Angehörigen nicht mehr empfangen.
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Die Gasflamme von Neuengamme soll in den nächsten Tagen, wie aus Hamburg gemeldet wird, wieder angezündet werden. Der Druck des Gases ist noch immer so gewaltig, daß man fürchtet, der Verschluß der Gasquelle werde über kurz oder lang dem Druck des abgesperrten Gases weichen.
Ein heftiger Rassenkampf ist im Fort Worth im amerttanischen Staate Teras ausgebrochen, weil die Neger einen ausschließlich für Farbige bestimmten Kientopp" eröffnet haben. Ein Haufen von etwa tausend Weißen zertrümmerte das Theater und veranstaltete eine Jagd auf sämtliche Neger, die sich auf der Straße befanden. Viele Neger wurden grausam verprügelt, einer wurde erschossen. Mehrere Negerhäuser wurden zertrümmert und in Brand gesteckt.
Einer Wurstvergiftung sind in München zwei Frauen zum Opfer gefallen. Mittwoch früh wurde die junge Frau des Rentners Zimmermann in ihrer Villa an der Böcklin= straße im Bett tot aufgefunden. Das 17jährige Dienstmädchen, das in Abwesnheit des Hausherrn mit Frau Zimmermann im gleichen Zimmer geschlafen hatte, lag dem Tode nahe röchelnd am Boden. Die ärztliche Untersuchung ergab Wurstvergiftung.
Beim Einsturze eines Treppenhauses bei einem Neubau in Wilmersdorf bet Berlin wurden ein Steinträger getötet und zwei Maurer schwer verletzt.
Ein Kanonier vom Pferde erschlagen. Als die Pferde der 6. Batterie des in Güstrow in Mecklenburg liegenden Holsteinischen Feldartillerieregiments Nr. 24 von Bedienungsmannschaften in die Reitbahn geführt werden sollten, schlug ein Pferd aus und traf einen hinter ihm gehenden Kanonter derart vor die Brust, daß er nach wenigen Augenblicken starb.
Während des Gottesdienstes ohumächtig geworden. Durch Ausströmen von Gas wurden in der evangelischen Kirche in Pinne im Kreise Samter( Posen) beim Gottesdienst mehrere Personen ohnmächtig. Als der Geistliche die Schlußliturgie vorgelesen hatte und die Anwesenden sich von ihren Plähen erhoben, brachen gegen 20 Personen be= wußtlos zusammen und mußten sofort hinausgeschafft werden.
Ein merkwürdiger Unfall ereignete sich gestern im Mailänder Hospital. Eine Plattform, auf der eine Anzahl Kranker wartete, die in den Garten gebracht werden sollten, gab plötzlich nach, und die Kranken stürzten aus einer Höhe von vier Metern ab. Zwölf von ihnen wurden vernonenfest, barunter mehrere swer.
Für die nächsten Reichstagswahlen hat die Sozialdemokratie ihre Vorbereitungen bereits insofern vollendet, als die Kandidaten in allen 397 Wahlkreisen aufgestellt sind. Molkenbuhr und andere, die jetzt die Sache in Händen haben, gelten keineswegs als Utopiſten trokdem regnet man in diesem Kreise auf 41% Stimmen, dementsprechend im ersten Wahlgange auf 60 bis 65, in der Stichwahl auf 35 Size. Die Opferfreudigfeit ist in dieser Partei immer groß gewesen, jetzt fließen die Mittel besonders stark. Der Parteivorstand ist schon heute in der Lage, über 3½ Millionen Wahlgelder zu verfügen. Keine Partei hat so viele freiwillige Hilfskräfte als gerade die Sozialdemokratie( man braucht nur auf die 80 000 Radfahrer zu verweisen.) Bis zu den Reichstagswahlen sollen jede größeren Lohnbewegungen vermieden werden, einerseits um die Mitläufer nicht stuzzig zu machen, anderseits um die Gelder zu schonen.
Die Einstellung des jüngsten Sohnes des Kaisers, des Prinzen Joachim von Preußen, in das 1. Garderegiment zu Fuß, hat heute nachmittag in Anwesenheit des Kaiser
5)
Das Familiengeheimnis.
Roman von 2. Walter.
Nachdruck verboten.
Karl nahm den Bestand des Vorhandenen auf, der Jeinen Erwartungen nicht entsprach.„ Der Vater," dachte der junge Mann ,,, war zu klug, als daß er große Kapitalien hier zinslos aufbewahren sollte, das Geld steckt in rentablen Unternehmungen."
Das Programm des neuen französischen Kabinetts. Als Ergebnis der Besprechungen zwischen Senator Monis und den Versönlichkeiten, die in das neue Kabinett eintreten sollen, läßt sich verzeichnen, daß die neue Regierung die Politik der Verweltlichung der Schule fortsetzen wird, jedoch unter strenger Vermeidung jeder Art von Verfolgung. Sie wird unter Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit für die soziale Verbrüderung zu wirken suchen, bei den Eisenbahngesellschaften für die Wiederanstellung der entlassenen Beamten sich verwenden, dagegen an dem Gesezentwurf über die Unterdrückung der Sabotage festhalter Indes sollen die Bestimmungen des Entwurfs, die den Eisenbahnangestellten das Recht des Ausstandes nehmen, gestrichen werden. Außerdem wird
Die Mappe enthielt Eisenbahnaktien und Staatsobligationen, aber leider auch nicht von dem Werte, den man bei dem reichen Halling voraussetzen durfte. Karl zog nun die Bücher hervor. Der Bestand stimmte genau mit den eingetragenen Posten. Nun öffnete er das Geheimbuch. Der zuletzt eingetragene Saz erregte seine Aufmerksamkeit. Er las:„ Die schreckliche Krankheit hat mich ergriffen, sie tann mich töten; ich halte es für meine Pflicht, hiermit zu bekennen, daß meine Schwester Selma zu fünfundsiebzigtausend Talern an meiner Firma beteiligt ist, die sie einst bar bei mir deponierte. Sollte ich sterben, so wird mein Sohn und Erbe für Rückzahlung sorgen. Es ist dies eine Ehrensache für ihn, da meine Schwester feinen Depositenschein besitzt, auf dessen Grund sie Ansprüche erheben kann. Ich schreibe unter heftigen Schmerzen diese Erklärung nieder. Schenkt mir Gott das Leben, so werde ich selbst diese Angelegenheit ordnen. Friedrich Halling."
die Regierung die Einführung der Einkommensteuer weiter betreiben. Dem früheren Minister des Auswärtigen Delcassé ist in dem neuen Kabinett das Marineministerium übertragen worden.
Kleine Nadridten.
In der Nationalgalerie in Berlin ist eine große Veränderung vorgenommen worden. Im Erdgeschoß befand
Lesen Sie, lieber Horn!"
Nachdem vun der Alte die Zeilen gelesen, sah er ganz erstaunt. Dann las er sie noch einmal mit halblauter Stimme.
Karl betrachtete erstaunt die Zeilen, die er, obwohl Sie flüchtig und verzerrt geschrieben, doch für die Züge eines Vaters halten mußte. Der Schmerz hatte die Hand bes Kranken zittern gemacht, es ließ sich dies nicht verkennen. Auch war von der Ehrlichkeit Hallings zu erwarien, daß er aus Besorgnis vor dem raschen Tode diese Erklärung abgab, die seine einzige Schwester sicherstellte. Der junge Mann rieb sich die Stirn. Daß die Firma so schwer belastet sei, hatte er nicht für möglich gehalten. Er ging und holte den Kassierer.
Von ihren Dienstmädchen überfallen wurde in Salima bei Budapest die schwer krante Beamtenfrau Gauß in Abwesenheit ihres Gatten. Die beiden Mädchen betäubten die Kranke mit Chloroform und raubten die Wohnung völlig aus, worauf sie flüchteten.
,, Sorn, Sie haben das volle Vertrauen besessen... hat er je über diesen Punkt ein Wort geäußert?"
In einem Anfall geistiger Umnachtung hat in dem Orte Spießen bei Saarbrücken die Ehefrau des Bergmanns Fritsch drei ihrer Kinder erdrosselt, dem vierten die Kehle durchgeschnitten und das fünfte, jüngste, mit Lysol vergiftet Darnach schnitt sie sich selbst den Hals durch. Die Frau lebt noch, während die fünf Kinder tot sind.
,, Nein!" versicherte der alte Mann.„ Gehen Sie die Notizen in dem Geheimbuche durch, Herr Halling; der peinlich gewissenhafte Mann hat gewiß die Summe eingetragen, als sie ihm abgeliefert ward."
Man suchte, fand aber nicht die geringste Andeutung. ,, Seltsam, Seltsam!" murmelte Horn. So lange ich hier diene, ist mir nie ein Zufluß von fünfundsiebzigtausend Talern bekannt geworden."
Volkswirtschaftliches.
von
Das Wachstum der Völker. Einen lehrreichen Ueberblic über die Zunahme in den Bevölkerungsziffern der Großmächte gewährt ein soeben in London erschienenes Blaubuch, das die Ergebnisse der letzten Volkszählungen mit denen des Jahres 1909 vergleicht. Die größte Bevölkerungszunahme hat Rußland zu verzeichnen; während man noch im Jahre 1900 insgesamt 135 590 000 Seelen zählte, ergab die neue Volkszählung des Jahres 1910 nicht weniger als 160 095 000 Bewohner des russischen Reiches. Frankreich hat in den letzten zehn Jahren eine nur sehr geringe Steigerung verzeichnen können, die Bevölkerungsziffer ist rund 38 900 000 auf 39 276 000 gestiegen. Bei den übrigen Staaten ergibt der Vergleich der Zahlen des Jahres 1900 mit denen des Jahres 1910 folgendes Bild: Spanten stieg von 18 607 674 auf 19 945 000, Italien von 32 346 000 34 270 000, Desterreich- Ungarn von 45 405 267 auf 49 163 000, Vereinigte Staaten von 76 303 387 auf 88 566 000, Japan von 44 831 000 auf 49 905 000, Großbritannien von 41 155 000 auf 45 006 000. Für Deutschland lauten die Zahlen 56 367 178 auf 63 879 000. So läßt sich bei allen Völkern ein stetes Wachsen der Zahlen beobachten, bei denen Rußland, die Vereinigten Staaten, Deutschland, Japan und Desterreich an der Spitze marschieren.
Der verstorbene Halling war Buchhalter bei dem früheren Chef der Handlung gewesen, hatte die einzige Tochter desselben geheiratet und das blühende Geschäft übernommen, um es unter seiner Firma fortzusetzen.
Die Familie meines Vaters hatte nie Vermögen", sagte Karl.
Horn schüttelte start das graue Haupt.
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Karl erzählte nun, wie er zu dem Schrankschlüssel gekommen; er schilderte Selmas Angst und fragte dann: Halten Sie die Schrift für die meines Vaters?" Der Kassierer betrachtete aufmerksam die Züge. Ich weiß nicht," murmelte er ,,, was ich daraus machen soll. Eine zitternde Hand hat die Zeilen geschrieben, die entfernte Aehnlichkeit mit den Zügen ihres Vaters tragen... das Geheimbuch hat wohl verwahrt in dem schweren Eisenschrank gelegen... den Schlüssel hat Herr Salling bei sich getragen, er legte ihn nie von sich... der Krankenwörter hat ihn dem Rode entnommen, den Selma und jeder andere Mensch nicht anzugreifen gewagt ... Wie haben Sie den Schrank gefunden?" ,, Regelmäßig und fest verschlossen. Ich hatte Mühe, ihn zu öffnen."
„ Ich weiß wohl; alles was vorhanden, stammt von Ihrer seligen Mutter. Halling hat nichts mitgebracht, als seine Kenntnisse und seine rastlose Tätigkeit. Tante Selma fann unmöglich reich sein, während ihr Bruder arm gewesen ist. Hat er sie doch zu sich genommen, damit sie nicht um Lohn bei anderen Leuten dienen sollte. Sezen wir nun auch den Fall, Ihr Vater habe auf eine delikate Weise die Zukunft seiner Schwester sichern wollen, so würde er dies gewiß nicht auf Unkosten seines einzigen Schnes getan haben, dessen Existenz in Frage gestellt wird, wenn dem Geschäfte eine so bedeutende Summe abgeht. Fünfundsiebzigtausend Taler! Nein, es ist nicht möglich! Ich begreife den Zusammenhang der Dinge nicht. Hätte Ihnen der Vater zur Pflicht gemacht, Selma nicht zu verlassen, so ließe sich dies durch die Milde seines Charakters rechtfertigen; aber daß er Sie ruiniert, um die Schwester reich zu machen...
"
,, Wunderbar!" murmelte Horn. Stimmt die Kasse?" Bis auf den letzten Taler."
Wenn es einem Diebe oder Betrüger gelungen wäre, den Schrank zu öffnen, so würde er diese Notiz nicht in das Geheimbach gemacht, sondern einfach das Geld und die Wertpapiere gestohlen haben. Es ist das ein fürzerer Weg, reich zu werden. Ich finde keinen Schlüssel zu diesem Rätsel."
, Was beginne ich?"
Der Kassierer zuckte mit den Achseln.
,, Horn, raten Sie mir!" rief bittend der junge Mann. „ Sie beginnen unter sehr schweren Verhältnissen, mein armer Freund!"
„ Soll ich mit Selma Rücksprache nehmen?" ,, Nein!"
" Sie darf das Kapital nicht zurückziehen." Schweigen Sie," flüsterte Horn;„ schweigen Sie vor der Hand!" Aber der letzte Wille meines guten Vaters muß mir heilig sein."
( Fortsetzung folgt.)
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