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Die Neujahrsfeier am Kaiserhofe

ist in der üblichen Form verlaufen. Kurz vor 8 Uhr wurden auf dem Königlichen Schloß zu Berlin die Kaiserstandarte, die Königsstandarte und die Kurbrandenburgische Flagge gehißt. Um 8 1hr blies das Trompeterkorps der Garde= Kürassiere von der Galerie der Schloßkuppel den Choral " Nun danket alle Gott", und unmittelbar darauf begann das Große Wecken,

das die Spielleute der Zweiten Garde- Infanterie- Brigade und die Hoboisten des 4. Garderegiments ausführten. Viele Tausende hatten sich eingefunden und begleiteten zum Teil die Musik, zum Teil blieben sie in der Umgebung des Schlosses versammelt. Der Kaiser und die Kaiserin verlie= ßen das Neue Palais in Potsdam im Automobil um Uhr und trafen um Uhr vormittags im Königlichen Schlosse zu Berlin ein. Das Publikum begrüßte beide Ma­jestäten herzlich. Die Anfahrt der Prinzen und Prinzessin= nen, der Fürstlichkeiten, Generäle, Staatswürdenträger und Hofchargen, sowie der Anmarsch der Galawache der Gardes­du- Corps und des 2. Zuges der Leibgendarmerie( der Leib­garde der Kaiserin) boten ein wechselvolles Bild.

Der Kaiser empfing um 9% Uhr die Generalobersten Graf v. Schlieffen, v. Bock und Polach, Frhr. v. d. Golz, von Plessen und von Lindequist. Hierauf nahmen die Maje­stäten die Glückwünsche des Königlichen Hauses und darauf diejenigen des Hofstaates entgegen. Um 10 Uhr begann in der Schloßkapelle

der feierliche Gottesdienst.

Es hatten sich versammelt die Mitglieder des hohen Adels, der Reichskanzlers, die Bevollmächtigten zum Bun­desrat, die Generalität und die Admiralität, die General­felomarschälle, darunter Graf Haeseler und v. Hahnke, und die neuernannten Generalfeldmarschälle

Der Neujahrsempfang der Generäle beim Kaiser.

Die Ergebnisse der französischen Erbschaftssteuer für das Jahr 1909 werden soeben veröffentlicht. Danach wur­den in Frankreich in dem genannten Jahre rund 393,000 Erbschaften im Gesamtbetrage von 5,740 Millionen Frcs. versteuert. Die erhobene Steuersumme betrug 270 Millio­nen Francs.

Ueber den Verlauf des Neujahrsempfanges der kom­mandierenden Generäle beim Kaiser wird der Inf." fol= gendes geschrieben: Die Gratulationscour der kommandie­renden Generale ist durch die streng geheim gehaltene Be­sprechung aller militärischen Fragen zwischen dem obersten Kriegsherrn und seinen hervorragendsten Offizieren für das Heer von außerordentlicher Bedeutung und wird da= rum nicht nur von der militärischen Welt mit großer Span­nung verfolgt. Ueber den Inhalt der Besprechungen lassen sich naturgemäß keinerlei Mitteilungen machen, aber eine Schilderung des äußeren Vorganges wird von Interesse sein. Zuerst ist zu bemerken, daß die allgemeine Bezeich= nung Glückwunsch der kommandierenden Generäle" nicht völlig zutrifft, da nicht nur die 23 fommandierenden Ge­neräle des deutschen Heeres bei diesem Neujahrsempfang zugegen sind, sondern auch alle anderen Offiziere, die einen gleichen oder höheren Rang haben. Außerdem sind zu dem Neujahrsempfang noch die im gleichen oder höheren Rang stehenden Offiziere der Flotte befohlen. Der Gesamtem= pfang aller Offiziere erfolgt im Königlichen Schlosse zu Ber­lin durch den Kaiser selbst. Früher wurde beim Empfange durch den rangältesten General an den Kaiser eine An­sprache gehalten, in der militärische Fragen behandelt wur­den. In den letzten Jahren war es stets der Generalfeld­marschall Graf von Moltke, der diese Ansprache an den Kai­ser hielt. Mit dem Tode des Generalfeldmarschalls ist aber diese Einrichtung abgekommen, und an ihre Stelle ist eine intimere Aussprache zwischen dem Kaiser und seinen Generälen getreten, da der Kaiser den einzigen Tag im Jahre, an dem alle hohen Offiziere um ihn versammelt sind, dazu benußen will, um genauere mündliche Mitteilungen über den Stand und die Leistungen der Armee und Ma­rine zu erhalten. Die Ansprache des rangältesten Generals fiel darum auf persönlichen Wunsch, des Kaisers fort. Die Zusammenkunft dauert im allgemeinen eine Stunde. Nach dem Empfange nehmen alle Offiziere im Gefolge des Mo­narchen an der großen Parole" im Zeughause teil. Dann werden sie zur kaiserlichen Tafel gezogen, an der außer den Generäien no chdie Prinzen des königlichen Hauses und einige Minister teilnehmen.

Graf v. Schlieffen, von Bock und Polach und Frhr. v. d. Goltz, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Komman= deure der Leibregimenter, die aktiven und inaktiven Staats­minister, die Staatssekretäre, die Präsidien des Reichstages und beider Häuser des Landtages, die Wirklichen Geheimen Räte und die Räte erster Klasse. Die Hofgeistlichkeit stand am Altar. Unter Vorantritt der Pagen und der Herren des großen Vortritts nahten die Majestäten und die Prin­zen und Prinzessinnen. Der Kaiser, in Generalsuniform mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens und der Kette des Hausordens von Hohenzollern, führte die Kaiserin, die das gleiche Ordensband über einer dunkel- lilafarbenen No­be trug. Es folgten die übrigen Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und die in Berlin anwesenden Fürst­lichkeiten. Nach Gemeindegesang und Liturgie, die der Bläserbund begleitete, predigte Oberhofprediger D. Dryan­der über den vom Kaiser gewählten Text 2. Mose 13 u. 14: Und Mose sprach zum Volfe: Fürchtet Euch nicht, stehet fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an Euch tun wird."

Der Gottesdienst schloß mit dem Niederländischen Dank­gebet. Dann setzte der Bläserchor mit dem Wilhelmus von Nassauen" ein, und in feierlichem Zuge begaben sich die Ma­jestäten nach dem Weißen Saat zur Entgegennahme der

Gratulations- Defilierconr.

Die Schloßgardekompanie präsentierte die Leibbatterte des 1. Garde- Feldartillerieregiments schoß im Lustgarten Salut. Kaiser und Kaiserin traten vor die Stufen des Thrones, neben dessen beiden Thronseffeln die Leibpagen Wache hielten. Die Prinzen stellten sich rechts, die Prin­zessinnen links neben den Thronhimmel. Unter Leitung des Oberstfämmerers Fürsten zu Solms- Baruth begann die Cour nach den Klängen der Musik. Kaiser und Kaiserin gaben dem Reichskanzler die Hand, der Kaiser auch den Ver­tretern der Parlamente. Für den Reichstag sprachen der Präsident Graf v. Schwerin- Löwiß und Vizepräsident Schultz die Glückwünsche aus. Für das Herrenhaus in Ver= tretung des Präsidenten der Fürst von Haßfeld, Herzog zu Trachenberg, für das Abgeordnetenhaus Exzellenz v. Krö­cher und Dr. Krause. Nach der Cour empfing der Kaiser im Marincfaal die Botschafter, die in Galakarossen eingefah­ren waren, dann in der Roten Sammetkammer das Staats­ministerium, im Rittersaal die kommandierenden Generale und Admirale. Die Kaiserin empfing im Königinnenzim­mer die Botschafter und im Pfeilersaal die Fürstinnen.

Um 12% Uhr begab sich der Kaiser, gefolgt von den Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, Oskar und Joa= chim und dem militärischen Gefolge.

nach dem Zeughaus,

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Kleine Nachrichten.

Die Beisetzung des verstorbenen Majors Dominik fin­det am 4. Januar 1911 um 1 Uhr nachmittags, auf dem Alten Zwölf- Apostel- Kirchhof in Schöneberg bei Berlin mit militärischen Ehren statt. Die Leiche ist am Sonnabend in Hamburg an Land gebracht worden.

Der Kaiser hat am Neujahrstage die Generalobersten Graf von Schlieffen, von Bock und Polach und von der Goltz zu Generalfeldmarschällen ernannt und den General­obersten von Lindequist und von Plessen den Rang eines Generalfeldmarschalls verliehen.

Ein dreister Raub wurde in Bonn verübt, wo ein 23­jähriger Bursche seine Wirtin beobachtet hatte, wie sie eine große Geldsumme in die Tasche steckte. Er warf der Frau gemahlenen Pfeffer in die Augen und versuchte sie zu fne­beln. Auf das Hilfegeschret der Ueberfallenen floh der Räuber, fonnte aber alsbald verhaftet werden.

Der Kampf um den Zopf wird weiter geführt. Aus Peking wird berichtet: Ein kaiserliches Edikt lehnt ent= schieden das Gesuch des Reichsausschusses um Beseitigung des Zopfes und Abänderung des Kleiderschnittes ab. Ein schweres Unglück ereignete sich in Hamborn t. W. bei einem Umzuge. Der 3jährige Sohn und das jährige Töchterchen eines Bergmanns spielten zwischen den herum­stehenden Möbeln, als diese plötzlich umstürzten und die Kinder unter sich begruben. Auf das Geschrei des Knaben eilten die Eltern herbei. Der Knabe konnte unversehrt unter den Möbeln hervorgezogen werden, das kleine Mäd­chen war bereits tot.

Der neue Vorsitzende des Deutschen Kriegerbundes, Generaloberst von Lindequist, dem jetzt vom Kaiser der Rang eines Generalfeldmarschalls verliehen worden ist, ist am 10. Dezember 1838 geboren, steht also im 73. Lebens­jahre. Er hat die erste Garde- Infanteriebrigade, dann die 21. Division, darauf das 13.( württembergische) und später das 18. Korps befehligt. Neujahr 1902 wurde Ge­neral v. Lindequist mit dem Schwarzen Adlerorden aus­gezeichnet und im Mai 1904 zum Generalinspekteur der dritten Armeeinspektion( Hannover) ernannt. Nachdem er am 2. März 1907 sein goldenes Dienstjubiläum gefeiert hatte, wurde er im Herbst desselben Jahres in Genehmi­gung seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt.

vom Publikum stürmisch begrüßt. Vor dem Zeughaus stand eine Ehrenkompanie vom 2. Garderegiment zu Fuß mit Fahne und Musik, die direkten Vorgesetzten am rechten Flügel. Im Zeughaus wurde die feierliche Nagelung und Weihe der Standarte des Jägerregiments zu Pferde Nr. 6 ( Erfurt) vorgenommen. Während der Weihe im Lichthof wurde abermals Salut geschossen. Nach der Ausgabe der Parole, die wie immer Königsberg- Berlin" lautete, nahm der Kaiser die Rapporte der Leibregimenter und militärische Meldungen entgegen. Um 1hr ließ der Kaiser vor dem Zeughaus die Ehrenkompanie und die Salutbatterie defilieren. Nachmittags fuhr der Kaiser bei den Botschaf= tert vor.

Das Bild vom Königsstuhl.

1)

Skizze von Else Krafft.

Nachdruck verboten.

Von einem abfahrenden Zuge überfahren wurde auf der Station Reinbach bei Köln ein zwanzigjähriges Mädchen. Es wollte auf den fahrenden Zug springen und geriet da­bei unter die Räder, wobei es vollständig zermalmt wurde. In einem Anfall von Wahnsinn durchschnitt die Gattin des Bahnbediensteten Ranftel in Linz ihrem sechs Wochen alten Kinde mit einem Rasiermesser den Hals, brachte ihrem vierjährigen Töchterchen lebensgefährliche Verletzungen bet und schnitt sich dann selbst die Kehle durch.

Der Gesetzentwurf über arbeitsscheue Unterhaltungs­pflichtige ist, wie der Inf." mitgeteilt wird, in dem zustän­digen Ministerium nunmehr fertiggestellt worden. Er wird eine der ersten Vorlagen sein, die den Landtag in seiner nächsten Tagung beschäftigen werden. Da es sich um keinen umfangreichen Entwurf handeit, kann erwartet werden, daß das Parlament ihn in nicht langer Zeit verabschieden wird.

Man hätte es Rose Marie von Diefenbach, die über das Beichenbrett gebeugt, bunte Blumen auf die weiße Papierfläche malte, nimmer angesehen, daß sie die Stärkste der Familie war, so schmal und blaß war ihr fein­geschnittenes Gefichtchen; daß sie nach jenem Schicksals. schlage, als der älteste Sohn als junger Leutnant seinen Schulden durch den Tod entflohen, die Eltern empor gehalten, die kleinen Geschwister geführt und getröstet hatte.

-

Von einer neben dem Bette stehenden brennenden Kerze ergriffen und schwer verbrannt wurde in Düsseldorf das achtjährige Söhnchen eines Fabrikarbeiters, als es abends schlafen gebracht werden sollte. Das Kind starb alsbald un­ter gräßlichen Schmerzen.

Der Papst richtete, wie die Köln. Volksztg." erfährt, an die katholischen Patriarchen des orientalischen Ritus, anknüpfend an den Artikel des Prinzen Max von Sachsen, ein Schreiben, worin er seine Ansicht über die Art und Weise einer Vereinigung beider Kirchen darlegt. Die französische Nachricht, Prinz May sei von polnischer Seite als Kandidat für den Erzbischofsitz in Posen in Betracht ge= zogen worden, wird von dem Blatte als unsinnig gekenn­zeichnet.

Als das letzte Vermögen schwand, als der Oberst alles und jedes dem reinen Andenken seines Sohnes opferte, gab die älteste Tochter ihrer Jugend beste Jahre für die Ihren hin. Aus der kleinen Garnisonstadt nach Berlin verseßt, begann ein neues Leben für die einstmals so per­wöhnte Familie: Das glänzende Elend, dessen trauriges Walten hinter Schloß und Riegel sein Dasein fristete. Der Bursche, das Mädchen, sie waren in litauischer Treue und Anhänglichkeit ihrer Herrschaft gefolgt. Und auch sie bildeten im stummen Einverständnis mit der schwer. geprüften Offiziers familie echte, rechte Hüter der Schwelle. Darüber hinaus ging Frau Sorge nie, darüber hinaus glänzte der alte Name und Stolz derer von Diefenbach in unveränderter Frische.

Liebestragödie in der Neujahrsnacht. In der Neujahrs­nachtnacht vergiftete sich in Charlottenburg eine Frau mit 3yankali, ein bei ihr wohnender Mann stürzte sich aus dem Fenster. Beide sind tot. Die Beweggründe und nähe­ren Umstände sind noch nicht aufgeklärt.

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Ein vielseitiger Räuber und Mörder ist der berüchtigte italienische Brigant Salomone, der sich vor den Geschwore= nen zu Perugia demnächst wegen dreifachen Mordes zu rechtfertigen haben wird. Er hat im Kerker zu Catania ein neues Drama geschrieben, dessen Titel Brigantentum und Mafia" lautet.

Rußland und Deutschland in Persien. Es wird in Petersburger Meldungen bestätigt, daß zwischen Rußland und Deutschland auf der Grundlage der Kaiserbegegnung in Potsdam Verhandlungen gepflogen werden wegen der schriftlichen Festlegung der beiderseitigen Interessen in Persien.

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Ein Kindesmörder hat sich in Bremen selbst der Polt­zei gestellt. Der Arbeiter Locker, der mit einer aus Dester­reich stammenden Arbeiterin ein Verhältnis unterhielt, aus dem ein sechs Jahre altes Mädchen und ein drei Jahre al­ter Knabe hervorgegangen sind, griff nach einer Eifersuchts­szene mit seiner Geliebten zu einem Beil und zerschmetterte dem Knaben durch mehrere Beilhiebe den Schädel. Dann lief er auf die Straße und stellte sich einem Polizeibeamten.

Ueber die Lage in Lissabon teilt die Berliner portu­giesische Gesandtschaft mit, daß die dortige Aufstandsbe= wegung feinen Anlaß zu Gewalttätigkeiten gegeben habe. Die Disziplin in Heer und Marine sei tadellos, und inner­halb der Republik beständen keine Verschwörungen.

Rose Marie malte. Tage, wochenlang zauberten ihre Hände all die fleinen, gefälligen Bildchen auf Seide, Leinewand oder Papier, die das Publikum liebte und be­zahlte. Der große Papier- und Kunsthändler war ein fluger, verschwiegener Mann. D, wie gut konnte er all die vielen, rührend fleißigen Frauenhändchen gebrauchen, von denen die linke nicht wissen durfte, was die rechte tut. Billig, geschmackvoll und produktiv, - ja, das paren fie.

Frau von Diefenbach stopfte. Der Badfisch Lenchen

hatte eine kleine Weile der Schwester Arbeit zugeschaut, dann aus dem Fenster gesehen. Und nun prallte sie plöz­lich vom Glase zurück und wandte sich hastig gegen Mutter und Schwester.

Die Gräfin, Mama, die Gräfin Bandow kommt zu uns", flüsterte fie atemlos. Da,-- eben hält ihr Wagen vor der Tür."

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Ein deutsches Musikmuseum in Weimar. Ein Konsor tium einflußreicher Personen, an deren Spiße eine bekannte Persönlichkeit aus einer der größten deutschen Musikver­Tagsanstalten steht, geht mit dem Gedanken um, das Liszt= Museum in Weimar in ein deutsches Musikmuseum umzu­wandeln. Zu diesm Zwecke sollen alle Andenken an die großen Tondichter gesammelt und mit dem Liszt- Museum vereinigt werden. Man hat auch bereits Verhandlungen angeknüpft, um die in Eisenach in der Reutervilla unterge­brachten Wagnererinnerungen für diesen Zweck zu werben.

Die kleine Frau Oberst sprang ganz verstört in die Höhe. Die Stopfarbeit flog auf den Teppich, die Hände öffneten bereits die Knöpfe des grauen Morgenkleides, und im nächsten Augenblic war Frau Oberst von Diefenbach im Schlafzimmer verschwunden.

Anders Rose Marie. Ste sah kaum an dem dunklen Kleide herunter, über das die braune Leinenschürze ge­bunden war. Ruhig schob ste das Beichenbrett zurück, legte die Schürze ab und horchte einen Augenblick auf das Gehen der Türen und die devoten Worte des Burschen draußen, der den Besuch in den Salon geführt. Ms er in das Wohnzimmer trat, riß ihm Lenchen förmlich die Karte aus der Hand. Gräfin Bandow", las fie triumphierend. Stehst du, Rose Marie... richtig ge­raten!"

Vermischtes.

Das Reklameluftschiff P. 6". Bei Eintritt der Dun­kelheit unternahm am Sonnabend das Reklameluftschiff P. 6" die erste Fahrt über Berlin. Es freuzte die ver­schiedenen Stadtteile, besonders die Friedrichstadt. Von der Gondel, an deren Rande viele elektrische Lampen ange= bracht waren, wurden die unteren Flächen des Fahrzeuges mit einem Scheinwerfer beleuchtet, die die Worte Prosit Neujahr!" in gewaltigen Buchstaben deutlich zeigten. Das Schiff fuhr in mäßiger Höhe und erregte ungeheueres Auf­sehen.

Die Bandschleifen an den Böpfen fester knüpfend, einen Tintenflecks auf der Schulbluse in eine Falte hinein­schiebend, hängte fie fich aufgeregt in den Arm der Schwester.

Ich geh mit-- ach, ich möchte doch so schrecklich gern mal mit der Gräfin sprechen, Rose Marie", bat fie atemlos. Die sah einen Augenblic schweigend in das holde Gefichtchen. Komm", sagte sie dann freundlich.

Die Gräfin war ungewohnt herzlich und liebens­würdig.

Rose Marie fühlte es mit Befremden.

Ein Stück häßlichen Konkurrenzneides wird aus der bayerischen Stadt Deggendorf gemeldet. Der Magistrat ver­gab pro 1911 die Einnehmerstelle für den Pflasterzoll. Der bisherige Einnehmer ist ohnehin nicht mit Glücksgü­tern gesegnet, doch fand er einen Konkurrenten, der pro Jahr um 500 Mart mehr bot. Der Magistrat hat in Anbe­

Als die Mutter im schwarzen Kleide, ein Spißen häubchen über den weißen Haaren, das 8immer betrat, tam ihr die Gräfin sogar mit ausgestreckten Händen bis zur Tür entgegen. Meine liebe Frau Oberst, man fieht Sie wirklich gar av felten. Da muß ich schon selber

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Tommen und Ihrer und Ihrer Fräulein Töchter Gegen wart in der Gesellschaft erbitten."

Benchen wippte por Vergnügen mit ihrem Stuhle und zog den furzen Rock länger herab.

Unser Frauenverein beabsichtigt, wie Sie, meine Damen, wohl schon erfahren haben mögen, in nächster Woche einen Basar zu veranstalten", fuhr die Gräfin mit gewinnendem Lächeln fort. Bum Besten der kleinen, un­beaufsichtigten Kinder armer, auf Tagesarbeit außer Hause weilender Frauen."

Rose Marie richtete sich unwillkürlich stolzer in die Höhe, als sie das ängstlich erblaßte Antlik der Mutter bemerkte. Ste wußte nun, warum die in der ersten Ge sellschaft tonangebende Gräfin sich zu diesem plößlichen Besuch herabgelassen hatte.

Um unser schönes Unternehmen in den weitesten Kreisen gefördert zu sehen, haben wir dieses Mal von einem hohen Eintrittspreise abgesehen und das Billett auf bret Mark berechnet." Die Gräfin lachte fröhlich bei den legten Worten auf.

Wie mit so kleinen Mitteln große Erfolge erstehen tönnen, sehen Sie schon daraus, meine Damen, daß be­reits die meisten Karten von liebenswürdigen Förderinnen des Wohltuns umgefeßt find."

-

Frau Oberst von Diefenbach neigte gehorsam zu stimmend das Haupt. Selbstverständlich reflektieren auch wir auf einige Billetts", sagte sie bastig. Rose Marie erhob sich.

Wenn Sie uns noch zwei Karten überlassen können, gnädigste Gräfin" Die Dame sah mit halbgeschlossenen Augenlidern in das ernste Mädchengesicht. Dann schüttelte fie den Kopf.

( Fortsetzung folgt.)

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