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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

vierteljährlich 1,50 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint

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jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 2.

Probenummern.

Telephon: Nr. 362.

der Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeit­ung interessieren dürften.

Die Fabriklebrlinge in Hessen.

Ueber die handwerksmäßige Ausbildung von Lehr­lingen in Fabriken sowie in Werkstätten, welche Beſtand­teile fabrikmäßiger Betriebe sind, hat die Großh. Hess. Zentralstelle für die Landesstatistik im Auftrage des Mi-| nisteriums auf Grund von Berichten der Hessischen Ge­werbeinspektionen Mitteilungen gemacht, die bemerkens­wert sind. Die Zahl der Fabriken mit Lehrlingen und die Anzahl der Lehrlinge ist im Wachsen begriffen, eben­so hat sich das Streben der Fabrikindustrie, sich beim Bezuge ihrer qualifizierten Arbeitskräfte vom Hand­werke immer unabhängiger zu machen, weiter verstärkt. Die Lehrlinge in der Fabrik und im Handwerk sind grundverschieden von einander, nach ihrer Ausbildung und nach dem Ziel, dem sie mit ihrem Lehrgang zu= streben. Die Fabrikausbildung bietet reichere Hilfsmittel an Maschinen und Werkzeugen und die Zerlegung des Arbeitsprozesses, wodurch ein ungezwungener Austausch des Personals zwischen Fabrik und Handwerk unmög­lich ist; das Ziel des Fabriklehrlings wird wohl nie die Stellung eines selbständigen Handwerkers sein. Es kommt daher auch selten vor, daß Fabriklehrlinge in Handwerksbetriebe übergehen. Die Fabrik bietet dem Lehrling auch baren Verdienst, Stetigkeit der Arbeit. Die Fabriklehre wird oft für besser gehalten, da eben bessere Hilfsmittel zur Verfügung seien und auf die Ausbild­ung der Lehrlinge größere Sorgfalt verwendet werde. Der anleitende Werkmeister oder Arbeiter sei im allge­meinen dem gewöhnlichen Handwerksmeister auch an tech­nischen Kenntnissen überlegen, endlich kämen in Fabriken die vielen nebensächlichen, zum Teil häuslichen Verricht­ungen in Wegfall, welche die Ausbildung im Hand= werksbetrieb verzögern. Die festgelegte Arbeitszeit und größere persönliche Freiheit in der Fabrik spielen bei der Wahl ebenfalls eine Rolle. Da aber nicht in allen Fa­briken besondere Werkstätten für die Lehrlingsausbild­ung vorhanden sind, so bleiben, wie der Bericht zu­gibt, die praktischen Kenntnisse der Lehrlinge mitunter lückenhaft und unvollkommen. Der Besuch der Fach­schule und Handwerkerschule wird von den Arbeitgebern in vielen Fällen den Lehrlingen empfohlen und es gibt Fabrikbesitzer, welche die von den Gewerbevereinen ge­leiteten Handwerkerschulen durch Beiträge unterstützen. Jm allgemeinen geschieht die Ausbildung von Lehrlin­gen in Fabriken nach zwei Grundsätzen; entweder sollen die Lehrlinge das betreffende Gewerbe möglichst voll­ständig handwerksmäßig erlernen, um tüchtige Leute in dem betreffenden Fach zu werden, oder sie werden nur

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Der Schuldschein.

Eine Bauern- Geschichte aus dem Taunus ( Nachdruck verboten. ,, Christian, liewer Bub, sag ihm doch aa gut Wort! Du siehst jo, was der arm Mann aushält!"

Wenn noch ein Funke von Groll in dem Herzen Christians gegen den Besucher glimmte, die liebe Stim­me der Mutter löschte ihn aus. Langsam trat der junge Mann zu Ferber, faßte seine Hand und sagte in feier­lich ernstem Ton:

,, Hankunrad Ferber, wir wolle en Strich drunner mache, loẞt alles begrawe un vergesse sein! Unser Herr­gott werd Eich verzeihe, was Ihr an uns getan habt; wir wolle aach nit mehr dran denke!"

und

Von Rührung überwältigt, erhob sich der Bauer und drückte, keiner Sprache mächtig, abwechselnd die Hände von Mutter und Sohn. Endlich ermannte er sich flüsterte: Ich dank Dir, Christian, ich dank Dir, Lis= beth! Ihr gebt eme alte franke Mann sei Ruh wieder, unser Hergott lohnt's Eich! Gute Nacht, ich muß haam. Mei Leit wisse nit wo ich bin."

Schwerfällig tastete er mit dem Stock am Boden hin und strebte der Tür zu. Auf einen Wink seiner Mutter

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei Amfes

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Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Dienstag den 3. Januar 1911

in einem Betriebszweig oder bei einer Teilarbeit ausge­bildet, um recht bald im Verdienst den Erwachsenen gleich zu kommen und der betreffenden Fabrik als flotte Teilarbeiter nützlich zu sein. Die Zahl der ausschließ= lichen Fabriklehrlinge ist jedoch kleiner, als man wohl allgemein annimmt, sie wird für Hessen auf 3300 an­gegeben, in etwa 500 Fabriken. Es werden also in den meisten Fabriken Lehrlinge überhaupt nicht heran­gebildet; die jungen Leute, die nach ihrem Austritt aus der Schule in die Fabriken gehen, sind in der Re­gel als jugendliche Arbeiter aufzufassen; im Durchschnitt sind etwa 14 Prozent der gesamten Arbeiterschoft Lehr­linge. Die größte Anzahl von Lehrlingen befindet sich in Maschinenfabriken, dann kommen die Möbelfabriken, es folgen die Industrie der Metallbearbeitung, die Buch­drucker und die Steinmetzen. Mit der Größe und dem Umsange des Betriebs steigt die Zahl der verschiedenen Werkstätten, worunter die Schlosserwerkstätte fast irgends fehlt. Von allen der Gewerbeaufsicht in Hessen unter­stehenden Betrieben befassen sich etwa 18 Prozent mit der Lehrlingsausbildung.

Aus der Heimat.

Gießen, 3. Januar.

* Aus dem Militär- Wochenblatt. Ob e- nauer, Buxmann, Kriegsgerichtsräte bei der Gr. Hess.( 25.) bezw. 33. Division, zu dem Generalkom­mando des 2. Armeekorps bezw. zur Großh. Hess.( 25.) Division versetzt.

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Erledigt: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu De= ckenbach. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektor­dienst verbunden.

*

Die hess. Beamtenentlassungen. Der Verein hess. Baubeamten tagte in Frankfurt, zwecks Be­sprechung über die Entlassung einer Anzahl Mitglieder. Es wurde eine Kommission gebildet, welche eine Reso­lution der großh. Regierung überreichen soll.

* Zur liberalen Einigung in Hessen wird geschrieben: Der hess. Landesausschuß der natio­nalliberalen Partei ist auf den 8. Januar nach Darm­stadt einberufen worden, um über diefkommenden Reichs­tagswahlen zu beraten. Bei dieser Gelegenheit wird wohl auch die Frage erwogen werden, ob die Natio­nalliberalen ihrerseits nochmals an die Fortschrittliche Volkspartei zum Zweck eines Zusammengehens bei den Reichstagswahlen herantreten sollen, nachdem die von freisinniger Seite eingeleiteten Einigungsverhandlungen keinen Erfolg gehabt haben."

* Gasvergiftung. Aus einem in der Steinstraße geplatzten Basrohr drang Gas in ein Haus ein. Dadurch wurde bei mehreren Personen Gasvergiftung hervorge­rufen. Die im Hause wohnende Familie Belz mußte in die Klinik gebracht werden. Frau und Kinder sind außer Gefahr, während der Zustand des Ehemannes noch Be­sorgnis einflößt. Die übrigen Bewohner des Hauses kamen unbeschädigt davon.

*

Vorsicht beim Verfeuern der Christ­bäume. Es ist bis jetzt noch alle Jahre vorgekommen, daß Leute den abgeputzten" Christbaum sozusagen auf einmal in den Ofen gesteckt haben. Die Bäumchen bren­nen sofort lichterloh, dadurch aber entwickeln sich durch die Verbrennung des in den halb vertrockneten Zweigen steckenden Harzes schnell Gase, die oft zur Sprengung des Ofens geführt haben. Man lege die Zweige nur vorsichtig an, nicht mehr als etwa zum Feueranmachen

faßte Christian den gebrechlichen Mann unter die Arme und sagte:

Ich geh mit Eich, Hankunrad, daß Ihr mir auf dem glatte Weg nit fallt. Hängt Eich fest an meim Arm! So! Jetzt fimmt der Tritt, baẞt uff!"

So traten sie hinaus in die kalte Winternacht. Die bleiche Sichel des Mondes goß ihr mildes Licht über das ruhende Dörflein, über die wie Silber schimmernden Berge; sie umwob die auf dem Felsen thronende Ruine sie der Burg Obersachsen mit zaubrischem Schein, daß sich wie ein Märchenschloß von dem sternenbesäten Nacht­himmel abhob. Einige erleuchtete Fensterchen in den Nachbarhäusern warfen ihren rötlichen Schimmer auf die glitzernde Schneefläche und feierlich drangen die Har­monien der Orgel von dem Kirchlein herüber, in wel­chem der Weihnachtsgottesdienst abgehalten wurde. Jetzt erstarben die rauschenden Akkorde in zarten Windungen und jubelnd wie die Verheißung fünftigen Friedens setzte der Chorgesang der Gemeinde ein: Ehre sei Gott in der Höhe, der Herr ist geboren!"

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Schweigend verfolgten die beiden Männer ihren Weg. Der Zauber der Mondnacht, die feierliche Weihnachts stimmung hielt ihre Seelen umfangen, und bannten die Worte auf ihren Lippen. An dem Krautnerschen Hause

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( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

nötig wäre. Denn sonst riskiert man eine recht unange­nehme Nachbescherung".

Darmstadt. In der Neujahrsnacht ist der in weitesten Kreisen bekannte älteste Oberlehrer am hiesigen Neuen Gymnasium, Professor Robert Trümpert, an einem Herzschlag im 62. Lebensjahre plötzlich gestorben.

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Bad Nauheim. Die Mannschaft einer an unserem Bahnhof beschäftigten Arbeiter- Kolonne übergab einem aus Holland stammenden Arbeiter den Betrag von 100 Mark, um dafür Lebensmittel 2c. für die Fest­woche zu kaufen. Der Bursche ging mit dem Gelde durch. * Offenbach. In den Gemarkungen der meinden Rumpenheim, Bieber und auch auf Offenbacher Gebiet blühte in letzter Zeit die Wilddieberei. Es ist nun­mehr gelungen, die Wilderer, sechs Gelegenheitsarbeiter und einen Offenbacher Metzgermeister, auf frischer Tat zu ertappen.

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Hanau. Das Zentrum beschloß für den Wahl­freis Hanau- Gelnhausen- Orb bei den bevor­stehenden Reichstagswahlen einen eigenen Kandidaten aufzustellen.

Lampertheim. Eine 31jährige Frau Sandhofen legte auf eine aufgesprungene Krampfader ein Zweimarkstück, um den Blutfluß zu stillen, und band dann die Wunde zu. Es trat Blutvergiftung ein, die den Tod der Frau herbeiführte.

* Mainz. Die Stadtverordnetensitzung beschloß die Erbauung eines Gebäudes für die Stadtbibliothek. Als Bauplatz ist die Rheinallee, als Bausumme der Betrag von Million vorgesehen.

* Worms. In der Silvesternacht wollte der 19­jährige Schreinergeselle Michael Stopp von hier in einer Wirtschaft der Speyererstraße einen Revolver abfeuern. Die Waffe versagte jedoch und als er nach der Ursache sehen wollte, ging der Schuß los. Die Kugel traf den Bedauernswerten ins Gehirn. Er war sofort tot.

* Garbenheim. Als dritter Lehrer wurde ein­stimmig Herr Krauß, bisher in Ahrdt( Bürgermeisterei Hohensolms) gewählt. Die Zahl unserer Schulkinder ist in jüngster Zeit auf 171 gestiegen.

Biedenkopf. In der Grube Wernsberger Erbstollen im Siegerland kam der Bergmann Wilhelm Stricker aus Mudersbach vorgestern dadurch ums Leben, daß er aus dem Fahrkorb stürzte.

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Bingen. Für die Unterhaltung des Rheinstro­mes wendet Preußen jährlich 1 130 000 Mt. auf, Hef= sen 180 000 Mt., Holland 900 000 Mt. Die Unter= haltung der Häfen 2c. kostet Preußen 5 Millionen Mark, Hessen 260 000 Mt., Holland 9000 Mark, Bayern 1 200 000 Mark.

Gestorben:

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Frau Pfarrer Magdalene Weih! Witwe, geb. Leistert, 88 Jahre alt, Gießen, Steinstraße 30.- Beerdigung 4. Januar, 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Fried­hofes aus.

Professor Rudolph Tümpert, 62 Jahre alt, Darmstadt­Fulda- Gießen- Rödelheim.

Frau Julie Rachfahl geb. Conrad, Professors Gattin, 37 Jahre alt, Kiel.

Holzverkäufe und Versteigerungen. Oberförsterei Dillenburg. Donnerstag, den 5. Jan., vormittags 10 Uhr bei Gastwirt Zimmer zu Manderbach. Nähere Auskunft erteilt Hegemei­ster Funke zu Manderbach.

angekommen, öffnete Christian die Tortür und wollte sich von seinem Begleiter verabschieden, als dieser seinen Arm fest packend, ihm leise in bittendem Tone zuraunte: No, Christian, willst Du nit meim Lenche guten Owend sage, es buzzt grad des Bäumche?"

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Da erinnerte sich Christian der harten Worte, welche er damals am roten Kreuz" der jungen Frau entgegen­geschleudert hatte. Wie tief hatte er schon seine Heftig­keit bereut, denn nach reiflicher Ueberlegung erschien ihm das Anerbieten Magdalens doch nicht so kränkend für ihn, wie er dies in der ersten Waltung aufgefaßt hatte, besonders wenn er erwog, daß die junge Frau so weit ging, ihr Eigentum zu opfern, nur um die Ehre ihres Vaters vor einem Flecken zu bewahren. Er empfand, daß nur ein durchaus edler Charakter zu einer solchen Handlungsweise fähig sein konnte und hatte schon öf= ters dem Gedanken Raum gegeben, bei erster Gelegen­heit Magdalen um Verzeihung für seine heftigen Worte zu bitten, ohne natürlich von ihrem selbstlosen Anerbie­ten Gebrauch zu machen. Jetzt wäre die Gelegenheit ge= kommen gewesen,- der Vater selbst lud ihn zum Näh­ertreten ein, forderte ihn auf, der ehemaligen Geliebten entgegen zu treten. Aber würde das charakterfeste, stolze ( Forts. folgt.) Weib ihn nicht zurückweisen?