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Lu- Han- Sa- T'si.

Lu- Han- Sa- T'si.

Eine Episode aus den letzten Jahren der älteren Dynastie Han.

Wang- mang, ein Neffe der Witwe des Kaisers Qüanti, zeichnete sich in seiner Jugend durch umfassendes geistiges Wissen aus und gewann damit großen Einfluß auf seine Tante, die Kaiserin. Geadelt zu einem Siu­Tuhuo, einem kaiserlichen Grafen, gelangte er sehr schnell von einem Amt zum andern und erreichte allmählich eine Stellung im Obersten Gerichtshofe. Im Jahre 6 vor Christ Geburt wurde er zum Oberbefehlshaber mit dem Titel Ta- Sze- Ma ernannt. Nach dem Tode des Kaisers Ngai- Ti im Jahre 1 v. Chr. übertrug ihm die Kaiserin= witwe das höchste Amt des Reiches; sie machte ihn zum Vormund des neunjährigen Kaisers P'ing- ti. Ein Jahr darauf erhielt Mang den Rang eines An- Han- Kung, eines herzoglichen Schirmherrn des Hauses Han. Durch seinen Einfluß brachte er es nun fertig, daß seine älteste Tochter zur Gemahlin des Kaisers P'ing- ti erwählt wurde. Aber auch damit war der Ehrgeiz Mangs, der sich übri­gens durch Einführung zahlreicher Neuerungen im Gesetz­und Verwaltungswesen verdient gemacht hat, nicht Genüge geschehen. Seine weitfliegenden Pläne zu fördern, ließ er im Jahre 5 nach Christi Geburt den Kaiser, seinen eigenen Schwiegersohn, mit Gift aus dem Wege räumen. Nunmehr veranlaßte Mang seine Tochter, die junge Raiserinwitwe, einen zweijährigen Knaben, der ein un­mittelbarer Nachkomme des früheren Herrschers Suanti war, zum Kaiser zu ernennen. Er erhielt den Namen Ju- Tse- Ning( Ning das Kind). Zunächst führte nun Wang- Mang auch im Namen dieses jugendlichen Kaisers, des letzten der ältern, sogenannten westlichen Dynastie Han, die Regierungsgeschäfte, aber schon nach drei Jahren entthronte er ihn, machte ihn zum Herzog von Ting- an in Shensi und erklärte sich selbst im Jahre 8 zum Kaiser. Er gedachte der Gründer einer neuen Dynastie zu sein, die er Hsin, d. i. die Neue, nannte. In der Geschichte wird er daher vielfach als der Usurpator Hsin bezeichnet. Die jüngste Tochter Wang- Mangs war als eines der hübschesten Mädchen in China berühmt. Ihr raben­schwarzes Haar, ihre zarte Gesichtsfarbe, ihre ungemein stattliche Figur und ihr anmutiges Wesen trugen zur Vervollkommnung ihrer Schönheit bei. Daneben besaß sie viele hervorragende Tugenden, Aufrichtigkeit in ihrer Meinung, eine liebenswürdige Natur, Ehrerbietung zu ihren Eltern und Mitleid für ihre Mitmenschen. Eine solche Vereinigung von natürlichem Reiz und sittlicher Vollkommenheit machte sie zum Abgott im ganzen Lande, zum Liebling ihrer Eltern und zur begehrenswertesten Gattin. Nachdem ihr Vater sich widerrechtlich des Thrones bemächtigt hatte, war er besorgt, einen geeigneten Ehe gatten für seine Tochter zu wählen; er sah sich nach einem solchen weit und breit im ganzen Lande um, bis er schließlich einen Offizier namens Lu- Han, der Gou­verneur der Feste Tung- Kuan war, fand und diesen sofort mit ihr verheiratete.

Lu- Hans Vater, der ein hochgeachteter Minister unter der Dynastie Han gewesen war, war von Wang- Mang wegen seines erbitterten Widerstandes gegen seine An­ordnungen hingerichtet, als Lu- Han noch in der ersten Jugend stand. Lu- Han bewährte sich später als ein sehr tüchtiger und tapferer Mann. Den Befehlen seiner Mutter gehorchte er in allen Fäll n und folgt: stets ihrer Meinung.

Tung- Ruan( Ruan= Paß) war einer der wichtigsten Plätze des Reiches, besonders in früheren Zeiten, als China von der See her nur selten besucht wurde, aller Verkehr sich vielmehr über die großen Heerstraßen be­wegte. An der Straße, die von Süden nach Norden hier vorbeiführte, gelegen, verschloß er das Reich gegen die wilden Volksstämme der Barbaren, welche im Nor­den lebten und China in den Vorzeiten häufig belästigten. Auch hatte der neue Gouverneur Lu- Han genaue Be­fehle von dem Kaiser Wang- Mang erhalten, daß keine der Barbaren innerhalb sechzig Li von Tung- Kuan wohnen und keine Chinesen die Feste passieren durften, weil der Tyrann fürchtete, daß Abkömmlinge der Dy­nastie Han zu den Tataren im Norden fliehen würden, mit diesen ein Bündnis schließen und dann ihn mit einem Barbarenheere angreifen könnten.

Nach der Verheiratung Lu- Hans mit der Tochter Mangs war das junge Paar sehr glücklich und zufrieden und lebte in bester Eintracht. Bald jedoch ereignete sich

ein Vorfall, der dem Glück und Frieden für immer ein schnelles Ende machen sollte. Eines Nachmittags kam zu Lu- Han einer seiner besten Freunde mit einem Fremd­linge und ersuchte ihn, den Reisenden durch das Tung­Ruan passieren zu lassen. Diese Bitte war für den Gou verneur schwer zu erfüllen; so fragte er den Freund nach dem Namen und Stand des Fremden. Dieser er­widerte, daß er Siu- Lin heiße, ein naher Verwandter des Hauses Han sei und in wichtigen Angelegenheiten zu den nördlichen Tataren reisen müsse. Als Lu- Han das vernahm, änderten sich sofort seine Gesichtszüge. Mit sprühenden Augen und dröhnender Stimme rief er zwei Soldaten herbei und befahl ihnen, den Fremdling ins Verließ zu werfen. Dann wandte er sich an seinen Bes fannten und sagte: Mein Freund! Du hast ein Ver­brechen begangen, das mit dem Tode gesühnt werden müßte. Aber ich kann nicht ertragen, meinen besten Freund sterben zu sehen, wenn ich selbst die Mittel zur Rettung in der Hand habe. Schnell mußt du fliehen und dich in Sicherheit bringen, und ich werde dich nicht verfolgen, ehe der morgige Tag vergangen ist; aber wenn ich dich dann noch ergreifen sollte, kann dich nichts vom Tode retten."

Hierauf, in der Überzeugung, eine große Versuchung überwunden zu haben, begab er sich in das Zimmer seiner Mutter und berichtete ihr den ganzen Sachverhalt. Doch, entgegen seinen Erwartungen, brach seine Mutter bei der Erzählung dieser stolzen Tat in Tränen aus, was ihn so überraschte, daß er gar keine Worte fand. Mein lieber Sohn," sagte die alte Dame, langsam ihren Kopf erhebend und ihn starr in das Gesicht sehend, seit dem Tode deines Vaters lasteten mir zwei große Dinge auf dem Herzen, mit denen mich dein Vater kurz vor seiner Hinrichtung betraut hat. Das erste ist, wann immer Siu- Lin darum bitten sollte, ihn frei durch das Tung­Kuan passieren zu lassen; das zweite aber, die Familie Wang- Mangs zu vernichten und die Dynastie Han wie­der auf den Thron zu erheben." Lu- Hans Verwunde­rung war durch diese wenigen Worte auf das höchste gestiegen, und er bestürmte seine Mutter um weitere Aus­kunst. Ich wundere mich nicht, daß dir dies alles neu ist, denn du warst noch ein Säugling, als dein Vater auf dem Richtblocke sein Blut vergoß," setzte die alte Dame ihre Rede fort. Mang war früher ein Minister des Kaisers P'ing- ti, aber er nutzte die Ohnmacht des jungen Kaisers aus und bemächtigte sich des Thrones. Viele getreue Anhänger des Hauses Han erhoben sich und wider­setzten sich diesem unerhörten Verbrechen. Aber Mang brachte sie alle zum Schweigen, indem er sie zum Richt­block sandte; und unter ihnen befand sich auch dein Vater. Es war sein Wunsch, daß du, wenn du erwachsen wärest, die Dynastie Han bei der Vernichtung der Familie der Wang- Mangs und der Wiedereinsetzung des rechtlichen Nachfolgers auf den Thron unterstützen sollst. Der Grund, warum ich dir dieses Geheimnis nicht schon längst eröffnet habe, ist, daß ich deinen übereifer fürchtete. Jetzt bietet sich eine goldene Gelegenheit und du sollst sie ergreifen, um meine lang gehegten Pläne auszuführen. Zuerst mußt du Siu- Lin das Tung- Kuan zu passieren gestatten, und dann mußt du versuchen, des widerrechtlichen Kaisers Familie auszurotten, und zwar indem du mit deiner eigenen Gemahlin, seiner Tochter, beginnst."

Den ersten Auftrag führte Lu- Han sofort aus. Doch bei dem Gedanken, seine Gemahlin zu töten, vergingen ihm fast die Sinne, und seine Entschlossenheit verließ ihn. Sie war so schön, unschuldig, treu und sittsam. Wäre es menschlich, solch liebliches Geschöpf zu er schlagen? Wäre es gerecht, sie für ihres Vaters Schuld dulden zu lassen? So warf er sich zu Füßen seiner Mutter und bat, ob es nicht möglich sei. ihr Leben zu schonen. Die alte Dame erwiderte nichts, aber sie nahm ein Schwert und warf es vor ihm auf den Boden; dann verließ sie das Zimmer. Da Schweigen mehr beeinflußt, als Beredsamkeit, und Lu- Han nicht der Mann war, den Befehlen seiner Mutter ungehorsam zu sein, erhob er sich, nahm das Schwert und wankte nach seiner Ge­mahlin Zimmer.

Es war Mitternacht. Tiefe Stille herrschte überall. Als er vor ihrem Raume ankam, hörte er sie für seine

Das Deutschtum in Süd- und Mittel- Amerika.

Mutter und für ihn selbst beten. Der süße Klang ihrer Stimme und die Treue ihrer Liebe traf sein Herz. Sein Innerstes straubte sich, und sein Mut schwand; er er­starrte bei dem Gedanken, ein solch liebliches und schönes Geschöpf töten zu müssen. Er wagte nicht, das Schlaf­zimmer seiner Gattin zu betreten, beschloß vielmehr, zu feiner Mutter zurückzugehen und um jeden Preis um ihr Leben zu bitten. Aber der Entschluß der alten Dame war unerschütterlich; sie sagte zu ihm: Mein Sohn, geh und töte deine Frau. Du sollst mich nicht wieder sehen, ohne daß du mir ihren Kopf bringst!"

Lu- Han war natürlich findlich gehorsam. Er erhob sich wieder, nahm das Schwert in die Hand und ging hinaus, ent­schlossen, den Kopf seiner Frau zu holen. Als er ihr Zimmer erreichte, war sie bereits eingeschlafen. Er näherte sich ihr schnell und erhob das Schwert, um es auf ihren Hals nieder­fallen zu lassen. Aber ein Blick auf ihr Gesicht erweichte sein Herz nochmals. Er mußte sie wieder anschauen und ionnte sich nicht enthalten, auszurufen: O schönes Geschöpf! Ich wünschte, ich hätte dich nie gekannt. Du liebst mich und bist treu zu mir; aber nun werde ich dir deine Liebe und Treue vergelten, indem ich dich umbringe. Ich könnte ertragen, daß mir meine Arme abgebrannt, meine Augen ausge­schnitten werden; aber mir fehlt der Mut, dir den Kopf abzuschlagen!" Seine Tränen flossen in Strömen und sein Körper bebte, wie ein Baum im Sturme. Wiederum

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verfiel er in einen Zustand von Weichmütigkeit und Zögern, als er plötzlich an der Wand zwei Inschrift­tafeln mit den folgenden beiden Denksprüchen bemerkte: ,, Bon zehntausend übeln ist Untreue die größte" und Bon hundert Tugenden ist Gehorsam zu den Eltern Die erste."

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Der letztere Sinnspruch erweckte seine Lebensgeister wieder, kaum hatte er ihn gelesen, so fiel der unbarm herzige Stahl auf den zarten, schlanken, schneeweißen Hais. Nach der Tat nahm Lu- Han den Kopf der Gattin und brachte ihn nach dem Zimmer seiner Mutter. Hier aber sah er, daß die alte Dame inzwischen Selbstmord be gangen hatte; sie hatte sich am Dachbalken erhängt.

Lu- Han war sehr betrübt und trauerte lange Zeit. Er befahl seinen Soldaten, seine Mutter und seine Ge mahlin in einem Berge nahe der Festung zu begraben. Dann unterstützte er Siu- Lin, der ins Gefängnis gesteckt war, gegen den unrechtmäßigen Kaiser Wang- Mang. Nachdem er in mehreren Schlachten gegen den Usurpator siegreich gewesen war, errang er im Jahre 23 nach Christi Geburt einen großen Sieg, bei dem er den Wang- Mang völlig vernichtete und dem rechtmäßigen Erben der Dy­nastie Han zum Throne verhalf. Siu- Lin bestieg im Jahre 25 nach Christi Geburt als erster Kaiser der späteren sogenannten östlichen Dynastie Han den Thron.

Das Deutschtum in Süd- und Mittel- Amerika.

Das ganze lateinische Amerika zählt etwa rund 500.000 deutschsprechende Bewohner. Eine große Zahl und dennoch klein im Verhältnis zu den deutschsprechen­den Bewohnern der Vereinigten Staaten. Mehrere der amerikanischen Großstädte beherbergen in ihren Mauern mehr deutschsprechende Menschen als in dem ganzen spanischen Amerika selbst leben.

Aber die Zahl der in Süd- und Mittelamerika leben­den Deutschen gewinnt an Gewichtigkeit, wenn man deren Bestandteile näher betrachtet.

Während die deutschsprechenden Bürger in Amerika, wie auch im Kaplande und Australien in dem Völker gewimmel wenig markant hervortreten und nur in ihrer Gesamtheit als Masse wirken, leisten die Deutschen in den südlichen Teilen des Kontinents als Gruppen und

Einzelindividuum meist durchweg hervorragende Kul­turarbeit. Während in den englischen Kolonien wie auch in den Vereinigten Staaten die Bürger deutscher Ab­stammung selten erkennbar aus der Schar der verwandten angelsächsischen Umgebung heraustreten, trägt das Deutsch­tum im Süden in bedeutend stärkerem Maße einen indi­viduellen Charakter

Wo immer im spanischen Amerika, in den sehr dünn besiedelten Ländern, Deutsche ansässig sind, läßt sich be haupten, daß sie eine eigene Kulturarbeit verrichten. Es spielt dabei feine Rolle, ob der Deutsche als Führer, Ackerbauer, Industrieller, Handwerker, Lehrer oder als Kaufmann tätig ist, stets hat er eine führende Rolle auf seinem Plaze auszufüllen.

Eine ganz besonders hervorragende Rolle haben in

Der Popocatepetl, aus der Nähe gesehen.( Dieser erlosd ene Vulkan erhebt sich nicht weit von der Stadt Mexiko mit seiner schneebedeckten Spize

4200 m hoch frei aus dem Tiefland bis zu einer Höhe von 5452 m).

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