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Das Deutschtum in Süd- und Mittel- Amerika.

Rastende Karawane beim Übergang über die Kordilleren( zwischen Argentinien und Chile).

allen südamerikanischen Staaten von jeher Deutsche als Lehrer, Universitätsprofessoren und als Leiter wissen­schaftlicher Institute gespielt. Man findet sie heute dort noch genau so stark vertreten als zur Zeit der Begrün­dung dieser Lehranstalten.

Ganz besonders stark vertreten sind in jenen Gegen­den deutsche Ärzte und Apotheker, während deutsche Offi ziere in den unterschiedlichsten Staaten unseres südlichen Kontinentes mit der Rorganisation des Militärwesens betraut wurden.

Doch auch in der modernen Technik sind Deutsche meist an leitender Stellung zu finden. Hier treibt ein deutscher Mineningenieur verzwickte Stollen in die Kor­billere, während an anderer Stelle der Eisenbahningenieur deutschen Blutes mit kühnen Bogen- und Brückenkonstruk­tionen das Gebirge bezwingt, bamit das moderne Dampf­roß darüber wegeilen kann. Der Kaufmann hingegen nimmt durchweg eine hoch geachtete Stellung in jenen Ländern ein und der Groß­handel liegt zum guten Teile in der Hand des deutschen Kaufmannes. Wie geachtet und geschätzt dieser in jenen Ländern durchweg bei Freund wie Feind ist, läßt sich daraus ersehen, daß der nationalstolze Engländer wie Amerikaner mit Vor­Hebe deutsche Kaufleute als ihre Agenten beschäf tigen.

er auch immer seine Schritte lenkt, sei es in die Mr­wälder Brasiliens oder in die ausgedehnten Pampas Argentiniens, ist stets bestrebt, in möglichst kurzer Zeit sich eine solide Grundlage zu schaffen mit dem bestimmten Biele vor Augen, daß alles möglichst so werde ,, wie drüben".

Kolonien, wie Blumenau in Brasilien, Esperanza in Argentinien, Valdivia in Chile, ganz willkürlich aus der großen Masse gleichwertiger Unternehmungen her­ausgegriffen, beweisen, was der deutsche Pionier geschaf­fen hat.

Dabei war diese Kulturarbeit durchweg schwieriger als in vielen anderen Ländern, welche nur von einer inferioren schwarzen oder roten Rasse bevölkert waren und einfach von den neuen Ansiedlern unterjocht oder beiseite geschoben wurden.

In Süd- und Mittel­amerika gibt es außer den Indianern vor allen Dingen die verschiedenen Misch­rassen, welche auf einer ver­hältnismäßig hohen Kultur­stufe stehen. Die deutschen Ansiedler sahen sich daher wohl oder übel von vorn herein gezwungen, in diesen Elementen die Herren des Landes anzuerkennen und ihr Verhalten darnach ein zurichten. Dies konnten sie nur in friedlicher Arbeit mit- und nebeneinander be­werkstelligen, was auch tat­sächlich zum Vorteile beider nicht nur geschehen ist, son­dern noch täglich ge­schieht.

Eine tatsächlich hohe Kul­turmission aber hat der beutsche Ansiedler und Pflan­3er in diesen Ländern zu erfüllen. Sie sind es, welche unter hartem Ringen dem Urwalde und der Pampa Haus der deutschen Firma Zerenner, Bülow& Co. und Agentur des Norddeutschen Lloyd. leistete der deutsche Pionier

Kolonie auf Kolonie abge­

Im Geschäftsviertel des Kaffeehafens Santos( Brasilien).

rungen und in blühende Gefilde verwandelt haben. Zu vielen Tausenden sitzen sie einzeln oder in Gruppen als selbständige Bauern auf eigener Scholle. Während Bichzüchter, Großgrundbesitzer als Plantagenpflanzer von Patagonien bis Meriko durch die Einführung und Mo­bernisierung derselben ein achtungsvolles Stud Kultur­arbeit geleistet haben und noch täglich leisten.

Der deutsche Auswanderer in jenen Ländern, wohin

Durch das engere Zu­sammenleben und Wirken

dort die Kulturarbeit, auf welche alle, die deutscher Abstammuug sind, mit Recht stolz sein dürfen.

Da eine Rassenverwandtschaft zwischen den deutschen Ansiedlern und den Bewohnern jener Länder nicht be­steht, sowie ihr Fühlen und Denken, Erscheinung und Gestalt, Sitten und Gewohnheiten grundverschieden sind, so fand eine Assimilierung und Rassenvermischung nur in sehr geringem Umfange statt. Dies gibt dem Deutsch­

Aus dem Reiche der Mitte.

zu ihr paßt und daher für sie ein Leben des Elendes heraufbeschwört.

Ein anderes übel, das eng mit dem Wunsche der Chinesen, Söhne zu haben, zusammenhängt, die den Ahnen Ehrerbietung erweisen können, ist die Viel­weiberei. Angeblich haben zwei Fünftel aller wohl­habenden Chinesen Nebenfrauen. Bekommt die erste Frau keinen Sohn, so nimmt der Chinese in der Hoffnung, daß ihm solche von anderen Frauen be schert werden mögen, mehr Frauen. Ja, eine gute Frau wird, sobald sie merkt, daß sie wahrscheinlich keine Kinder bekommen wird, es für ihre Pflicht er­achten, in ihren Gatten zu dringen, eine andere Frau zu nehmen. Aus der Polygamie aber entstehen wieder im Hause Eifersüchteleien, Streit und häufig Selbst­mord. Ein chinesisches Sprichwort sagt: Neun Zehn­tel aller Frauen sind eifersüchtig.

Ein anderer, indessen nicht schlimmer Brauch, der dem Wunsche entspringt, Söhne zur Fortsetzung des Ahnendienstes zu haben, ist es, arme Knaben anzu­nehmen. Reiche kinderlose Eltern wählen dazu beim Fehlen von Neffen Agnaten oder Rognaten, also Ver­wandten entweder des Bruders oder der Schwester, meist Kinder desselben Namens aus. Der angenommene Rnabe kann auch nachträglich noch der Adoptivsohn und Erbe eines schon Toten werden. Namentlich wo es sich um Agnaten und Rognaten handelt, bedarf es dabei keiner Mitwirkung der Behörden; Verab­redungen innerhalb der Familie allein genügen völlig. Es heißt, daß fünf Prozent aller Chinesen Kinder annehmen, und daß von den Angenommenen siebzig Prozent Knaben sind. In Amoy ist es Sitte, daß Kaufleute Söhne adoptieren, um sie als Agenten in andern Ländern zu verwenden.

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Im Zusammenhang mit dem Ahnendienst steht schließlich noch ein schreiendes übel: nämlich der in den ärmeren Klassen verbreitete Mädchenmord. Wozu, sagen die Leute, sollen wir Mädchen erziehen, die nichts zum Aufbau einer eigenen Familie tun können, die vielmehr, nachdem sie unnütze Kosten verursacht haben, nur dazu beitragen müssen, die Familie ihres Gatten aufzubauen? Die Erziehung von Knaben und Mädchen im Sinne der Kultur des Westens wird zweifellos mit der Zeit mit dem Mädchenmord, der Polygamie und den vorzeitigen Verlobungen und Heiraten aufräumen und der Jugend ein größeres Bestimmungsrecht in der Wahl des Gatten, als bisher, geben. Durch die Erziehung werden auch die Mädchen bessere Frauen einsichtiger Männer werden, welch letz­tere, sobald die westliche Erziehung allgemein gewor den ist, in der Mehrzahl sein werden. Dr. Allen be richtet, daß, als Prinz Ch'un auf dem Rückweg nach China eine Mutter und eine Erzieherin zwei Kin­dern an Bord des Dampfers Unterricht erteilen sah, er in die Worte ausbrach: Jetzt verstehe ich es, jetzt verstehe ich es", womit er offenbar ausdrücken wollte, daß er jetzt das Geheimnis der Blüte der westlichen Völker erfaßt habe, nämlich, daß auch Frauen unter­richtet würden und imstande seien, ihrerseits wieder zu unterrichten.

Die sozialen Bräuche in allen Ländern, auch in denen der Christenheit, sind bei weitem nicht voll­kommen. So kann man auch nicht erwarten, daß sie es in China sind, das in dieser Hinsicht weit weniger erleuchtet ist, als die Völker der Christenheit. Zweifellos ist es, das daß Christentum auf die sozialen Bräuche Chinas einen großen, verändernden Einfluß übt. Wer die Chinesen aber wirklich kennt, findet manches, daß er in seiner Art bewundern muß.

Versand von Teeballen in einer chinesischen Hafenstadt.