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tracht oer Verhaltnisse des jezigen Einnehmers beschlos= sen, diesem die Stelle zu belassen. Darauf bot der neue Stei­gerer um 1000 Mark mehr und drohte dem Magistrat, falls er die Stelle nicht erhalte, daß er sich bei der Kgl. Regie­rung beschweren werde. Jetzt hat der Magistrat dem neuen Steigerer den Zuschlag erteilt, doch nur mit der Klausel, daß er den von ihm gebotenen Pflasterzoll in Höhe von 3300 Mart pro Jahr sofort als Kaution stelle.

Die Margarinevergiftungen. Bei der Staatsanwalt= schaft in Altona war, wie gemeldet, von einem Vertreter verschiedener Margarinefabriken gegen die Firma Alto­naer Margarinewerke Mohr und Co." in Altona Anzeige wegen Nahrungsmittelverfälschung, fahrlässiger Tötung und unlauteren Wettbewerbs erstattet worden. Dem An­zeiger ist jetzt von der Staatsanwaltschaft durch das Ber­liner Polizeipräsidium mitgeteilt worden, daß dem Antra­ge stattgegeben und ein Verfahren eingeleitet worden ist. Wegen unlauteren Wettbewerbs sollen weitere Ermitt­lungen angestellt werden. Jm hygienischen Institut in Hamburg sind mit zahlreichen Margarineproben der Mar­garine Bada, Luisa und Frischer Mohr aus der Fabrik der Altonaer Margarinewerke Mohr u. Co., Altona- Ottensen, ausgedehnte Versuche an Hunden angestellt worden, wonach die Hunde erkrankten. Durch die Untersuchung wurde fest­gestellt, daß in der Margarine ein Cordamonöl" genann­tes Fett zur Verwendung gekommen ist. Da sowohl anor­ganische Gifte wie auch Pflanzengifte nicht ermittelt wer­den konnten, so muß die Giftigkeit die Konstruktion des Fettes verursacht haben.

Eine Schreckenstat kroatischer Mordbuben. Wie aus Köln gemeldet wird, kam es bei dem bergischen Orte Kalt­hofen zwischen mehreren mit Bahnarbeiten beschäftigten Kroaten nach einem Zechgelage zu Streitigkeiten, in deren Verlauf einem Arbeiter der Leib aufgeschlitzt wurde. Die Täter ergriffen die Flucht und raubten unterwegs einen Radfahrer aus, nachdem sie ihn mit dem Tode bedroht hatten. Unterdessen hatte einer der Kroaten Anzeige er­stattet, daß die geflüchteten Täter früher einen bisher un­gefühnten vierfachen Mord verübt und an einer anderen Bahnstrecke, wo sie früher gearbeitet hatten, den Kanti­nenwirt mit Frau und zwei Kindern ermordet hätten. Die Behörde ist eifrigst bemüht, die Spur der flüchtigen Mord­buben aufzudecken.

Ein Opfer der Wissenschaft. Mr. Harnack, der seit vie­len Jahren im London Hospital" der X- Strahlenfor­schung nachgeht, befindet sich gegenwärtig als Patient in demselben Hospital, ein Opfer seiner Forschungen. Vor einigen Tagen wurde dem bedauernswerten Forscher die linke Hand abgenommen und nunmehr wird es auch für notwendig erachtet, die Amputation des rechten Armes vor­zunehmen. Mr. Harnack fügt sich aber mit philosophischer Gelassenheit in sein Schicksal, er hegt keinen Gram und ist nicht verbittert, im Gegenteil, er bemüht sich, die anderen Kranken auf seiner Abteilung durch gütige Worte zu trö­sten und sie mit ihrem Schicksal zu versöhnen.

Graf Ballestrem auf der Festung Glogan. Wie der Niederschl. Anz. erzählt, wurde beim Beginn des Kultur­tampfes im September 1873 Graf Ballestrem, der kurz vor­her als Rittmeister der Breslauer Kürassiere seinen Ab­schied genomment hatte, wegen Mitunterzeichnung eines Wahlaufrufs der schlesischen Zentrumspartei zu einer sie­benwöchigen Festungshaft verurteilt, die er in Glogau ver­büßen sollte. Am 7. September trat der Rittmeister a. D. v. Ballestrem in der Hornburg, jenem alten, vor dem ehe­maligen Breslauer Tor gelegenen Gefängnis, das in sei­nen Mauern u. a. auch Fritz Reuter beherbergt hatte, seine Haft an, die bis zum 8. November währte. Dem Inhaf­tierten gingen aber von seinen Parteigenossen so viele Trostschreiben und Telegramme zu, daß die Regierung nicht länger ruhig zusehen wollte. So inhibierte sie die te­legraphische Adresse einer oberschlesischen Volksversamm= lung und schließlich sah sich die Glogauer Kommandantur veranlaßt, ihn in strenge Haft zu nehmen. Die gesamte Korrespondenz wurde überwacht, Besuche wurden nicht mehr gestattet.

Seit wann ist der 1. Januar Neujahrstag? In sei­nem Festkalender fragt Ovid: O Janus! Sage, warum das erneute Jahr mit Frösten sich anhebt? Wär' es nicht besser, der Lenz machte des Jahres Beginn?" Janus ant­wortet, die bruma, die Sonnenwende, sei eigentlich der letzte Tag des alten und der erste des neuen Jahres. Diese Antwort ist teils unflar, teis falsch, denn man hat die bruma, den fürzesten Tag, nie auf den 1. Januar verlegt. Vielmehr ist der Grund in folgendem zu suchen. Von 153 v. Chr. an pflegten die Konsuln, nach denen ja die Jahre genannt wurden, ihr Amt lieber am 1. Januar, als am 15. März anzutreten. So wurde dieser Tag der erste des neuen Jahres, obgleich dies offiziell erst 46 v. Chr. von Caesar bestimmt wird.

Ein Hygienemuseum in Paris. In einigen Tagen wird im Herzen von Paris auf dem Boulevard Sebastopol ein neues Museum seine Pforten öffnen, das den verschiedenen Fächern der modernen Hygienewissenschaft gewidmet ist. In 25 Sälen und Galerien entfaltet sich ein außerordent­licher Reichtum von Gegenständen, die nach Karten, Plä­nen und Modellen die Fortschritte der modernen Gesund­heitspflege vorführen. Die reiche Sammlung hat sich aus fleinen Anfängen entwickelt, die zunächst nur der von der Stadt gepflegten Hygiene galten. Sie wurde dann durch Schenkungen der verschiedenen öffentlichen Verwaltungen und privaten Unternehmen außerordentlich bereichert und stellt heute einen ziemlich lückenlosen Ueberblick über die Erfolge der Gesundheitspflege dar. Die erste Abteilung des neuen Museums ist der städtischen Hygiene gewidmet, ver­anschaulicht die Straßenreinigung, die Wasserversorgung, die Einrichtung von Rieselfeldern usw. In der zweiten Abteilung ist das gesamte Material für die Hygiene der Wohnung gesammelt; besonders reichhaltig gestaltet sich der Ueberblick über die verschiedenen Desinfektionsvor richtungen. Drei weitere Abteilungen beschäftigen sich mit der Hygiene in den öffentlichen Anstalten, ospitälern, Schulen, Kasernen, mit der sozialen Hygiene, Kampf gegen Tuberkulose und Alkoholismus, mit Hygiene der Nahrung usw. Im Anschluß an die Sammlung des Museums wer den Vorträge stattfinden, für die ein besonderer Raum da ist, und eine reichhaltige Bibliothek erleichtert weitere Studien.

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Zwischen Himmel und Erde. Die Bauunternehmung Der Rhätischen Bahn hat jezt, auf der im Bau befindlichen Engadiner Linie Bevers- Shuls, oberhalb Zernez, b. Brail, eine der größten hängenden Brücken fertiggestellt. handelt sich um eine Materialbrücke, die von der links am Inn laufenden Landstraße über den Fluß nach der auf der rechten Seite befindlichen Trace der Bahn führt. Diese Brüde hat die ganz beträchtliche Spannung von 160 Me­tern und über dem Wasserspiegel eine Höhe von 80 Metern. Erbaut wurde fie, wie der Bund" berichtet, von dem durch

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seine fühnen Gerüstbauten beim Filisurer Viadukt und im Sittertobel bei St. Gallen auf der Linie der Bodensee­Toggenburg- Bahn bekannt gewordenen Unternehmer Co­ray, einem Bündner. Die Herstellung des Bauwerks war äußerst schwierig und gefahrvoll. Nachdem man an beiden Ausgangspunkten der Brüde Gerüstköpfe errichtet hatte, wurden diese durch vier starke Seile miteinander verbun= den. Nun handelte es sich um die Anbringung der eisernen Hängestäbe an den über die grause Tiefe schwankenden Seilen. Da fein Arbeiter sich dazu bereit finden wollte, so vollbrachte der Unternehmer diese Arbeit selbst, indem er, nur mit einem Knie an das schwankende Seil ge= flammert, um beide Hände frei zu haben, über dem Ab­grund schwebend die eisernen Hängestäbe an den Tauen befestigte. Danach wurden diese mit hölzernen Querbalken verbunden und so rückte er Stüd für Stück vor, bis die ganze Spannung von 160 Metern auf diese Weise über­brüdt war.

Choleraunruhen in Italien. In Tarent herrscht unter der Bevölkerung große Erregung, weil seit dem Bestehen der Choleragefahr der Austernverkauf verboten ist, von dem die Fischer Tarents leben. Als am Sonnabend ein Sanitätswagen ein Kind, das unter Choleraverdacht ge= storben war, auf den Friedhof schaffen wollte, sammelte sich auf das furchtbare Geschrei der Angehörigen eine große Menschenmenge an. Se bedrohte die Sanitätspolizei, und es fielen mehrere Schüsse, die einen Bürger und einen Karabinier verwundeten. Gestern wiederholten sich die Tumulte noch heftiger. Die Menge zog vor das Rathaus, riß das Stadtwappen herab, durchstürmte unter Rufen: ,, Nieder mit der Stadtverwaltug!", Scheiben und Laternen zerstörend, die Straßen bis zur Kaserne des 29. Regiments. Hier ererzierten einige Abteilungen mit geladenem Ge­wehr. Die Soldaten wurden mit Steinen beworfen, wo­rauf der führende Offizier erst in die Luft und dann auf die Menge zu feuern befahl, die nun entsetzt auseinander­stob. Auf dem Plaze blieben drei Männer und ein Kind tot zurück.

Unverfroren.( Vor Gericht.) Richter: Das ist doch infam, daß Sie Ihrem Chef gleich am nächsten Tage mit der Kasse durchgingen!"- Angeklagter: Na, ich hatte aber doch ausdrücklich annonciert: Kassierer sucht Posten. Geht auch nach auswärts."

Das Haustöchterchen. Dame: Meine Tochter hat so viel wirtschaftlichen Sinn! Gestern hat sie den ganzen Tag in ihren Kleidern die Löcher gestopft, die sie sich beim Zi­garettenrauchen hineingebrannt hat!"

Eine Carnegie- Stiftung für Lebensretter.

Andrew Carnegie, dessen Stiftungen für Friedenshel­den bereits in den Vereinigten Staaten, England und Frankreich segensreich wirken, hat jetzt auch für Deutsch­land eine solche Stiftung mit einem Kapital von 1% Mill. Dollars begründet. Kaiser Wilhelm hat zur Ehrung Car negies der Etiftung den Namen Carnegie- Stiftung" für Lebensretter" beigelegt, und das Protektorat über sie übernommen. Der Zweck der Stiftung ist die Linderung der finanziellen Notstände, die sich aus heldenmütigen An­strengungen zur Rettung von Menschenleben im Gebiete des Deutschen Reiches und seiner Gewässer ergeben, sei es für die Lebensretter selbst durch deren vorübergehende oder dauernde Erwerbsunfähigkeit, set es, im Falle des Todes derselben, für ihre Hinterbliebenen.

In erster Linie sind dabei diejenigen Unglücksfälle ins Auge gefaßt, welche sich bei Ausübung friedlicher Be= rufe, z. B. derjenigen der Bergleute, Seeleute, Aerzte Krankenpfleger, Feuerwehrleute, Eisenbahn- und Polizeis beamten ereignen. Unter Lebensrettern" werden auch dies jenigen Lente verstanden, deren heldenmütige Anstrengs ungen zur Rettung von Menschenleben von Erfolg nicht ge­krönt worden sind. Zur Verwaltung der Stiftung hat derkat­ser ein Kuratorium eingesetzt, dessen Vorsitz zunächst demChef des Geheimen Zivilkabinetts übertragen ist. Dem aus min destens 12 Kuratoren bestehenden Kuratorium gehöri satungsgemäß der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin und je ein Vertreter des Bergfachs, des Eisenbahuwesens des Seewesens, der Aerzteschaft und der Industrie an.

Die von dem Kuratorium zu bewilligenden Beihilfen sind einmalige oder fortlaufende. Letztere sollen für Lebens­retter auf die Dauer ihrer völligen oder teilweisen Er­werbsunfähigkeit und für Hinterbliebene von Lebensrettern und zwar für Witwen bis zur eventuellen Wiederverhei­ratung und für Kinder bis längstens zur Erreichung eines zur selbständigen Ernährung befähigten Alters gewährt werden Für besonders befähigte Kinder können zu ihrer Erziehung für einen gehobenen Beruf in Bezug auf die Höhe und Dauer der Unterstüßung außergewöhnliche Auf­wendungen gemacht werden. Den Hinterbliebenen können gleichgeachtet werden andere nähere Verwandte, welche mit dem Verstorbenen einen Haushalt gebildet und in ihm den Ernährer verloren haben Die Zahlungen sollen in der Re­gel monatlich bewirkt werden. Sämtliche Bewilligungen aus der Stiftung erfolgen unter Voraussetzung der Wür­digkeit und Bedürftigkeit der Empfänger, die fortlaufenden dementsprechend mit dem Vorbehalt jederzeitigen Wider­rufs, wenn diese Voraussetzungen nicht mehr zutreffen. Die Stiftung tritt mit dm Tage ihrer landesherrlichen Geneh­migung in Kraft. Anräge auf Berücksichtigung aus der Siftung sind an das Kuratorium derselben Berlin, Wil­Helmstraße 64 zu ritchen.

Die neue Stiftung ist, wie ein Berliner Blatt zu mel­den weiß, in erster Linie auf die Initiative des amerikani­schen Botschafters in Berlin Dr. Hill zurückzuführen. Vor einigen Monaten machte Dr. Hill im Verlaufe eines Pri­vatgesprächs dem Kaiser Mitteilung, daß Carnegie nicht ab= geneigt wäre, auch in Deutschland eine solche Stiftung ins Leben zu rufen. Der Kaiser war hocherfreut und ließ Car­negie durch Dr. Hill mitteilen, daß er gern der Protektor der Stiftung sein wolle. Dies ist die vterte deutsche Stif tung Carnegies. Zuerst stiftete er eine namhafte Summe für das Institut Robert Kochs, dann kamen nach­einander die Treptower Sternwarte, das Museum für Na­turkunde an die Reihe und jetzt ist nun diese größte Stif= tung Carnegies ins Leben gerufen worden. Sie wird in Deutschland offiziell die Lebensrettungsstiftung" genannt werden. In anderen Ländern heißt sie die Heroenstiftung. Carnegie hat den Kaiser nur einmal gesprochen und zwa bei der Kieler Woche von 1906. Bei dieser Gelegenheit wird auch erzählt, wie es kam, daß Carnegie bei der Hundert jah, jeier der Berliner Universität nicht zugegen war. Au irgend eine geheimnisvolle Art war die Einladung an Cars negie verloren gegangen. Man suchte sie lange Zeit vergeb lich und entschloß sich, ihm eine neue zu senden Diese ge langte erst so spät an ihre Adresse, daß Carnegie ihr nicht mehr Folge leisten konnte.

3wei nene Opfer der Aviatik.

Die traurige Ziffer der Totenliste der Aviatik ist am Jahresschlusse noch vermehrt worden. In Amerika sind abermals zwei Flieger abgestürzt und dabei zu Tode ge­Fommen. Damit hat sich die Zahl der im Jahre 1910 tödlich verunglückten Aviatiker auf 31 erhöht.

Der Draht meldet über die Unfälle:

Neuyork, 1. Januar. Der spanische Flieger John Moi­fant stürzte gestern in New Orleans aus einer Höhe von

etwa dreihundert Meter mit seinem Aeroplan ab und wur de tödlich verletzt. Seine Maschine ging völlig in Trümmer. Los Angeles, 1. Januar. Der Aviatiker Horsey, der kürzlich den Höhenrekord von 11 474 Fuß aufgestellt hat, machte gestern den Versuch, diesen Rekord zu verbessern. Beim Abstieg geriet er in einen Luftwirbel, sein Wrightscher Zweidecker überschlug sich zweimal, und angesichts einer großen Zuschauermenge fiel Horsey aus fünfhundert Fuß Höhe zur Erde. Er wurde tot unter dem Motor des Aero­plans hervorgezogen.

Drabtnachrichten und neuestes.

Kaiser Franz Josef leicht erkrankt.

Wien, 2. Januar. Wie offiziell mitgeteilt wird, leidet Kaiser Franz Josef an einem leichten Schnupfen, der jedoch ohne Bedeutung, weder von Husten noch auch von den aller­geringsten Fiebererscheinungen begleitet ist. Der Kaiser ist aus diesem Grunde gestern in Schönbrunn geblieben. Nach den Aussagen des Leibarztes Dr. Kerzl kann von einer Er­frankung des Kaisers faum gesprochen werden. Bei dem hohen Alter des Herrschers sei es aber begreiflich, daß man bereits bei den gewöhnlichen Erscheinungen des Schnupfens selbst wenn sie ohne Komplikation auftreten, alle Aufmerk­samkeit anwenden müsse, um ein Uebergreifen auf die Bron­chien zu verhüten. Ueber das Allgemeinbefinden des Kai­sers wird in Hoffreisen versichert, daß der Kaiser bei bester Laune sei und sich nur in der letzten Zeit etwas ermüdet ge­fühlt habe. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß der Erzherzog Thronfolger immer häufiger mit der Stellvertre tung des Kaisers bei repräsentativen Pflichten betraut wurde.

Unfall der Königin von Italien.

Rom, 2. Januar. Bei der gestrigen Gratulationscour trug die Königin von Italien den linken Arm in der Binde. Ste erzählte den Vertretern des Senats und der Kammer, sie hätte die Kinder nicht ohne Kuß ins neue Jahr gehen lasses wollen und sei deshalb zu ihnen gegangen und da­bei auf der Treppe so unglücklich gestürzt, daß ihr ganzes Körpergewicht auf den linken Arm fiel. Der Arm set stark gequetscht worden. Der Leibarzt habe den Arm geschient, so daß es ihr jetzt besser gehe.

Ausschreitungen in der Neujahrsnacht.

Frankfurt a. M., 2. Januar. In der Neujahrsnacht wurden auf die Blockstation Hellerhof mehrere scharfe Schüsse abgegeben. Eine Kugel ging dicht an dem den Ap­parat bedienenden Beamten vorbei und prallte an dem Weichenstellapparat ab.

Worms, 2. Januar. In der Silvesternacht wollte der 19jährige Schreinergeselle Michael Kopp von hier in einer Wirtschaft der Speyererstraße einen Revolver abfeuern. Die Waffe versagte jedoch und als er nach der Ursache sehen wollte, ging der Schuß los. Die Kugel traf den Bedauerns­werten ins Gehirn. Er war sofort tot.

Bielefeld 2. Januar. In der Silvesternacht wurden bei Schlägereien zwei Personen erstochen, mehrere schwer verletzt. Beim Hantieren mit einem Tesching erlitt gestern abend ein Arbeiter eine tödliche Verwundung.

Düsseldorf, 2. Januar. In der Silvesternacht erstach der Dekorationsmaler Franz Kluges den Dekorateur Henkes. nach einem Wirtshausstreit.

Fünf Kinder in einer Familie gestorben. Guben, 2. Januar. In der Zeit vor und nach Weih­nachten find den Grubenschmied Bieleschen Eheleuten in Heinrichsfeld, Kreis Spremberg, sämtliche fünf Kinder an Masern und Scharlach gestorben.

Verhaftung eines frechen Erpressers.

Berlin, 2. Januar. Wegen einer ungewöhnlich dreisten Erpressung wurde ein 18jähriger Hausdiener festgenommen, der an eine betagte Hausbesißerin seit drei Wochen fortge= setzt Briefe schrieb, in denen er von ihr 5000 Mark ver­langte, andernfalls es ihr ergehen werde, wie der Witwe Hoffmann in der Blumenthalstraße. Er verlangte schließ= lich, die Adressatin solle die geforderte Summe in ihrer Woh­nung bereit halten. Er werde einen Jungen schicken, um sie abzuholen. Es kam auch ein Junge, dem ein Brief mit wertlosen Dingen übergeben wurde. Als dieser das Haus verließ, trat ihm ein Radfahrer entgegen, riß ihm den Brief aus der Hand und jagte davon. Ein Kriminalbeamter schleuderte ihm einen Stock zwischen die Radspeichen, brachte ihn zu Fall und verhaftete ihn nach heftigem Widerstand. Vermißter Ballon.

Berlin 2. Januar. Große Besorgnis herrscht über den Verbleib des Ballons Hildebrand vom Berliner Verein für Luftschiffahrt, der am Donnerstag voriger Woche von der Schmargendorfer Gasanstalt aus aufgestiegen ist. Füh­rer des Ballons ist Rechtsanwalt Dr. Kohrs- Berlin. Außer­dem befand sich ein Passagier in der Gondel. Dr. Kohrs hatte die Absicht, 48 Stunden in der Luft zu bleiben. Die vom Berliner Verein für Luftschiffahrt angestellten Nach­forschungen haben bisher keine Aufklärung über den Ver­bleib des Ballons gegeben. Der Ballon hatte die Richtung nach der Ostsee eingeschlagen.

Tod eines Reichstagsabgeordneten. Immenstadt( Allgäu), 2. Januar. Der Reichstags­abgeordnete für den Wahlkreis Schwaben 6, Immenstadt­Lindau, Alois Schmidt( 3entrum) ist in der vergangenen Nacht gestorben. Schmidt war Privatier und gehörte dem Reichstage seit 1893 an.

Beim Schlittschuhlaufen ertrunken. Hallerndorf( Bayern), 2. Januar. Gestern nachmit tag sind drei Knaben beim Schlittschuhlaufen eingebrochen und ertrunken.

Abenteuer russischer Matrosen in Toulon. Toulou, 2 Januar. Gestern abend näherten sich drei Matrosen des russischen Kriegsschiffes Slava dem, Feuerwerksarsenal. Als sie der Aufforderung des Wacht­postens, sich zu entfernen, nicht nachkamen, gab der Posten- Feuer und tötete einen der drei Matrosen.

Die Erderschütterungen in Griechenland. Athen, 2. Januar. Der Minister des Innern be­suchte gestern die von den Erderschütterungen heimgesuchten Gegenden. In Leschena sind fast alle Häuser unbewohnbar geworden. Die meisten Einwohner sind nach Patras und Pyrgos geflüchtet. Fortgesett treten neue Erderschütte­rungen auf. Es regnet und Hagelt.

Handel und Verkebr.

Frankfurt, 31. Dezember Viehmarktpreise vom 29. De­zember. Preise für ein 3entner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast( Lebendgewicht) M( Schlachtgewicht) M b) feinste Mast( Vollmilchmast) und beste Saugkälber( Le­bendgewicht) M 58-62,( Schlachtgewicht) M 96-103, c) mitt­lere Mast- und gute Saugfälber( Lebendgewicht) M 52-57, ( Schlachtgewicht) M 88-97, d) geringere Saugfälber( Le­bendgewicht) M 46-51,( Schlachtgewicht) M 80-86. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgewicht) M 36-37,( Schlachtgewicht) M 76-78, 6) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Lebendgewicht) M 30-32,( Schlacht­gewicht) M 73-75, c) mäßig genährte Hammel und Schafe ( Merzschafe)( Lebendgewicht) M d) Marschschafe oder Niederungsschafe( Lebendgewicht) M( Schlachtgewicht) MSchweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebend­gewicht( Lebendgewicht) M-,( Schlachtgewicht) M-, 6) voll­fleischige Schweine über 3entner Lebendgewicht( Lebend­gewicht) 53,( Schlachtgewicht) M 66%, c) vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 55-55%,( Schlachtgewicht) M 69-70, 6) vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 53-55%,( Schlachtgewicht) M 68-70, e) fleischige Schweine ( Lebendgewicht) M 52-54,( Schlachtgewicht) M 67-69.