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Rundschau vom Cage.

Politisches.

Das deutsche Kronprinzenpaar wird Mitte Mai nach Petersburg reisen und dem 3aren zu seinem Ge­burtstag die Glückwünsche des Kaisers überbringen. Das Kronprinzenpaar wird im großen Schlosse 3arskoje Sselo absteigen. Die Vorbereitungen hierzu sind bereits getrof­fen. Der Besuch soll vier bis fünf Tage andauern. Ein detailliertes Programm liegt noch nicht vor. Politische Kreise erblicken in dem Besuch nicht nur einen verwandt­schaftlichen Aft, legen ihm vielmehr große politische Bedeu­tung bei. Der Besuch, der auf eine frühere Einladung des Zaren zurückzuführen ist, beweist aufs neue die Herzlich­keit der Beziehungen zwischen den beiden Kaiserfamilien. Da der Kronprinz in Petersburg zugleich seinen Dank für die geplant gewesenen sibirischen Aufmerksamkeiten ab­statten will, dürfte die Petersburger Reise noch weitere im Gefolge haben.

An den Frühjahrsmanövern in der deutschen Flotte, die am 1. Mai mit der Ausfahrt der beiden Linienschiffs= geschwader und der Kreuzeraufklärungsflottille von Kiel ihren Anfang nehmen, nehmen insgesamt 16 Linienschiffe, darunter zum ersten Male eine volle Division Dread­noughts, vier große Kreuzer, darunter der erste Turbinen­linienschiffskreuzer Von der Tann" und sechs kleine Kreu­zer teil. Den Oberbefehl führt als Flottenchef der Admiral v. Holzzendorff.

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Eine deutsche offiziöse Auslassung zu den Vorgängen in Marotto. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt zu dem französischen Vorgehen in Marokko: Es ist zu hoffen, daß die Ereignisse der französischen Regierung die Innehaltung ihres Programms gestatten werden. Ein Hinausgehen über dasselbe würde deshalb nicht mit der Algecirasafte im Einklang stehen, weil ein wesentlicher Bestandteil der Akte ein unabhängiger marokkanischer Herrscher ist. Ein Durchbrechen wesentlicher Bestimmun­gen der Algecirasatte, selbst wenn es durch zwingende äußere Umstände und durch den Willen der handelnden Macht herbeigeführt würde, würde sämtlichen Mächten ihre Aktionsfreiheit wiedergeben und könnte damit zu Kon­sequenzen führen, die sich zurzeit nicht übersehen lassen. Wir können aber nur wiederholen, daß vorläufig kein An­laß vorliegt, bei der bisherigen beobachtenden Haltung der französischen Regierung eine so weit gehende Entwide­lung der derzeitigen Verhältnisse vorauszusagen.

Der Vorentwurf des Privatbeamtenversicherungsge= seges ist in den Bestimmungen über die Ersatzkassen inzwi­schen einer Umarbeitung unterzogen worden. Es werden nämlich in der dem Reichstag Anfang nächster Woche zu­gehenden Vorlage bestehende Kasseneinrichtungen Werk Densionskassen und andere unter folgenden Voraussetzun­gen als Ersatzeinrichtungen zugelassen: Die Kassenleistun= gen sollen den gesetzlichen Leistungen mindestens gleichwer­tig und ihre Erfüllbarkeit dauernd gewährleistet sein. Die Beiträge der Arbeitgeber müssen mindestens den gesetz­lichen Arbeitgeberbeiträgen gleichkommen, und die Kassen müssen sämtliche versicherungspflichtige Angestellte eines Arbeitgebers ohne Auswahl aufnehmen. Den Kassenmit­gliedern ist ferner ein Rechtsspruch auf die Kassenleistun gen und eine Mitwirkung bei der Verwaltung und Ent­scheidung über die Gewährung der Kassenleistungen ein­zuräumen. Bei einem Stellenwechsel muß eine den ge= schlichen Vorschriften und der Mitgliedsdauer entsprechende Anwartschaft aufrecht erhalten werden; das Deckungskapi­tal der während der Mitgliedschaft bei der Kasse erworbe­nen gesetzlichen Ansprüche wird beim Eintritt des Ver­ficherungsfalls an die Reichsanstalt überwiesen.

Die Regierung der Republit Portugal beschloß, der Agitation der Geistlichkeit gegen die Trennung von Kirche und Staat so lange passiv zuzusehen, wie sie innerhalb der gesetzlichen Grenzen bleibt, jede Aufhebung von der Kanzel herab jedoch auf das strengste zu ahnden. Am Kirchen­trennungsgesetz wird nichts geändert werden.

Ueber die Unruhen in Südchina meldet die Köln. 3tg." aus Schanghai: Die Revolutionspartei in Kanton versuchte Freitag abend den Palast des Generalgouver­nements in die Luft zu sprengen. Beteiligt ist die Gesell­schaft vom Großen Messer". Ueber die Verluste ist noch nichts bekannt. Augenscheinlich sind jedoch höhere Beamte nicht umgekommen. Die Lage ist noch nicht geklärt. Deut­sche Reichsangehörige und deutsche Interessen sind bisher nicht gefährdet, zumal der Aufstand keine fremdenfeind­liche Tendenz zeigt. Das deutsche KanonenbootJltis", das zurzeit in Hongkong stationiert ist, hat Befehl erhal­ten, nach Kanton zu gehen.

Nach einer amtlichen Statistik über die Arbeit der preußischen Ansiedlungskommission für Westpreußen und Posen, die am 26. April das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens feiern konnte, sind 295 Dörfer neu begründet, bavon in der Provinz Posen 218, in Westpreußen 77, in 300 alten Gemeinden und 40 Städten sind Ansiedlungen geschaffen und die deutschen Grundbesitze vermehrt worden. Ben den 19 000 Familien, die bisher angesiedelt wurden, entfallen rund 13 000 auf Posen, 6000 auf Westpreußen. Der Zuwachs hat in den letzten 10 Jahren durchschnittlich 1500 Familien betragen; genug, um 40 Dörfer zu bevöl­fern. Rund 80 000 Morgen Land sind vergeben worden. Da etwa der Ansiedler von außerhalb kamen, ist der Reinzuwachs von insgesamt mehr als 14 000 für die Pro­vinz Posen allein auf 10 000 Familien mit 60 000 Köpfen zu veranschlagen. Gering gerechnet, hat jede dieser Fami­lien ein Vermögen von 5000 Mark mitgebracht. Es sind also etwa 50 Millionen Mark allein der Provinz Posen zugeführt worden, abgesehen von dem Anteil an den 400 Millionen Mart, die der eigentliche Ansiedlungsfonds bis­her verausgabt hat.

Kleine Nachrichten.

Die Ausgrabungen auf Korfu haben einen neuen Er­folg gehabt. Am Sonnabend wurde ein Teil einer gepfla= sterten Straße aufgedeckt, die vermutlich zum Altar führte, von dem Säulenstücke gefunden wurden.

Eine Versammlung zur Propagierung der deutsch- eng­lischen Verständigung hat soeben in London stattgefunden. Sie war von der internationalen Schiedsgerichtsliga und dem englisch- deutschen Freundschaftskomitee einberufen worden. Professor Sieper von der Münchener Universität sprach über das Problem einer deutsch- englischen Verstän= digung und erklärte u. a.: Ich weiß aus offizieller Quelle, daß ein freundschaftlicher Meinungsaustausch der beiden Regierungen über das Flottenproblem stattgefunden hat. Der Staatsmann, der mir das mitteilte, fügte hinzu, dies möge zu weiterem führen." Der den Vorsitz führende Lord­tanzler Lorcourn erklärte, er sei überzeugt, daß die Zeit nahe sei, wo auch zwischen England und Deutschland herz­liche Freundschaft bestehen werde. Balfour hatte ein Te legramm gesandt, worin er der Versammlung allen Erfolg wünschte und seine Sympathie für die Bestrebungen, die beiden Nationen einander näher zu bringen, aussprach.

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blüm c c. ( Nachdruck verboten.)

Die Hamburger Fernsprechzentrale, die größte der Welt, wird im Juli d. J. noch bedeutend erweitert. Seit März d. J. werden durchschnittlich täglich über 400 000 Ge­spräche vermittelt.

Ueber den Rückgang des Branntweinkonsums werden amtlich folgende Zahlen mitgeteilt: Jm Betriebsjahr 1909/10 sind im deutschen Branntweinsteuergebiet 867 595 Hef­toliter Branntwein weniger verbraucht worden als im Jahr zuvor. Auf den Kopf der Bevölkerung kommt dabei ein Rückgang von 4,2 auf 2,8 Liter, also um ein genaues Drittel.

Herr Gott, das ist ja Hardis Ring! Derselbe, den seine verstorbene Mutter getragen, den ich so oft bewun­bert!" ruft sie aus. Den Namenszug, das Wappen, alles erfenne ich ganz genau. Nur der kleine Diamant ist aus­gebrochen. Was soll das nur?"

Ein nenes Mesencafee wird in Berlin Unter den Lin­den erstehen. Der Neubau, mit dem im Herbst d. J. be­gonnen wird, soll 2000 Personen fassen. Im ersten Stock­werk werden 50 Billards Aufstellung finden.

In höchster Spannung durchflog sie den Inhalt der Zeilen. Sie war noch nicht zu Ende, als der Brief ihren bebenden Fingern entglitt. Entsetzen malte sich in ihren eben noch so selig glänzenden Zügen, Entsetzen, Entrüstung, Zorn.

zwei Kinder im Alter von 2 und 4 Jahren durch Deffnen des Gashahns zu töten. Die Kinder konnten jedoch recht­zeitig gerettet werden. Die Frau ertränkte sich im Rhein.

In einer Waschanstalt tödlich verunglückt ist in Magde­burg ein dreijähriges Mädchen. Es geriet unter eine ro= tierende elektrische Welle, die das Kind völlig skalpierte und tödlich verlebte.

Millionenstiftung für weibliches Aerztestudium. Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat der verstorbene Millio­när Rotoreff dem Petersburger medizinischen Institut für Frauen 1 Mill. M Hinterlassen.

,, Elende Lügnerin!" teuchte sie, den Brief wieder auf­hebend, um ihn noch einmal in Ruhe zu lesen. Er lautete also:

Schandtaten eines Dienstknechtes. In Burg bet Frets burg( Breisgau) zündete ein Knecht nachts eine Scheuer an und schlug die Besitzerin des Hofes nteder, die man blut­überströmt auffand. Der Knecht flüchtete. Der Besitzer des Hofes befindet sich auf einer Wallfahrt in der Schweiz.

Fingierter Postkassenraub. Die seinerzeit gemeldete mysteriöse Beraubung der Postkasse in Breinig( Rheinland) ist vom Postverwalter Müller fingiert, der jetzt das Ge= ständnis ablegte, 6000 M unterschlagen zu haben. Müller wurde verhaftet.

Eine folgenschwere Brandkatastrophe wird aus Myslo witz gemeldet. Bei Rozwadow an der Grenze brannten in der vorigen Nacht über 40 Häuser nieder. Drei Erwachsene und zwei Kinder fanden bet dem Schadenfeuer den Tod in den Flammen.

Von erregten Bauern erschossen. In Gejatsch( Serbien) ist ein Polizeikommissar von Bauern, die durch Feldstreitig= feiten erregt waren, erschossen worden. Außerdem ist ein Gendarm schwer verwundet worden.

Die Ursache der Vergiftungen im Crefelder Kinderhort ist, wie jetzt amtlich ermittelt wurde, der Genuß von Fleischwaren. Vier Kinder sind noch bedenklich frank.

Volkswirtschaftliches.

Die Kron

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Die deutschen Gewerkschaften im Jahre 1910. Die So­zialpolitische Chronik" bringt eine eingehende Darstellung der deutschen Gewerkschaftsbewegung im verflossenen Jahr, aus der hervorgeht, daß die politische Erregung des vers gangenen Jahres zu einer weiteren Stärkung der Gewerk­schaften geführt hat. Wenn auch für die freien Ge werkschaften die Zahl der Mitglieder Ende 1910 noch nicht genau feststeht, so kann man doch aus dem bisher vorliegenden Material mit Sicherheit annehmen, daß die Mitgliederzahl die zweite Million überschritten hat. Das bedeutet eine Verdoppelung der Mitgliederzahl inerhalb der letzten sechs Jahre. Dabei hatten den Hauptzuwachs die großen Gewerkschaften zu verzeichnen, die Metallar­beiter, Transportarbeiter und Vergarbeiter. Die Gestal= tung des Vermögens der freien Gewerkschaften läßt sich für 1910 noch nicht übersehen. Troßdem erhebliche Aus­gaben für Lohnbewegungen zu leisten waren, nimmt man an, daß infolge der erhobenen Extrabeiträge eine Minde­rung des Vermögens nicht eingetreten ist. Dieses belief sich Ende 1909 auf 43,5 Millionen Mark. Die christlichen Gewerkschaften haben im vergangenen Jahre keine wesentliche Zunahme an Mitgliedern zu verzeichnen. Mon nimmt an, daß die Zahl von 280 000, die Ende 1909 vo handen war, um etwa 5000 Mitglieder gestiegen ist. Ihr Vermögen dürfte sich zurzeit auf 5,5-6 Millionen Mark belaufen. Den geringsten Zuwachs im Jahre 1910 haben jedenfalls die Hirsch Dunkerschen Gewerkschaf= ten zu verzeichnen, deren Mitgliederzahl von 108 000 im Jahre 1909 nur eine Steigerung von 2400 erfahren hat. Ihr Vermögen dürfte sich gegenwärtig auf 4,5 Millionen Mark belaufen. Ueber die gelben Gewerkschaften lassen sich zuverlässige Zahlen einstweilen nicht angeben.

Ein tödlich verlaufener Streit um die Miete hat sich in Königshütte( Oberschlesien) abgespielt. Dort bemerkte ein Hausbesitzer. daß ein in seinem Hause wohnender Gruben­häuer, der schon seit mehreren Monaten feine Miete be= zahlt hat, Möbel aus der Wohnung schaffte. Er untersagte es ihm, worauf ihn dieser mit mehreren Brettern so hef= tig vor Brust und Magen stieß, daß er tot zusammenbrach. Eine sehr kostspielige Autofahrt machte ein Kaufmann Richter aus Schöneberg bei Berlin. Er hatte eine Hand­tasche, die für 16 000 Mark Schmucksachen und Wertpapiere enthielt, während der Fahrt neben sich in den Wagen gelegt. Beim Aussteigen vergaß er, das wertvolle Paket zu sich zu nehmen. Erst später bemerkte er den Verlust. Bisher sind alle Nachforschungen nach dem Schatz vergeblich gewesen.

,, Mein liebes Fräulein! Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf, wer die Schreiberin dieser Zeilen sein könnte, wenn Sie die Namensunterschrift vermissen. Die Versicherung möge Ihnen genügen, daß es eine Freundin ist, die Ihnen einen Dienst erweisen möchte, wie Ihnen noch kein Mensch einen ähnlichen erwiesen hat. Ich will Sie vor einem Schritt bewahren, der Sie und die Ihrigen Zeit Ihres Le­bens unglücklich machen würde. Zufällig erfuhr ich, daß ein gewisser Herr v. Eschenholdt, Leutnant im Leibküras­fier- Regiment, gesonnen ist, sich mit Ihnen zu verloben und Ihnen bereits treue Liebe geschworen hat. Ein Herr, der dieser Tage auf seiner Reise Ihren Heimatsort besuchte, hat mir alles erzählt. Da ich nun auch zu den vicien gehöre, benen jener saubere Edelmann ewige Treue gelobt und ihmi geglaubt, so fühle ich mich, nachdem ich seinen gemeinen, falschen Charakter tennen gelernt, verpflichtet, ein armes Menschenkind zu warnen, dem ähnliche Enttäuschungen, wie ich sie durchkostet, zweifellos bevorstehen. Der Leut­nant ist nämlich nicht nur ein gemeiner Lügner, sondern auch ein Spitzbube. Würde die Erinnerung an meines

Ein furchtbarer Unglücksfall hat sich am Sonnabend in der Nähe von Müllrose im Kreise Lebus zugetragen. Ein junger Bootsmann aus Fürstenwalde geriet zwischen einen Dampfer und einen Kahn. Es wurde ihm der Kopf voll­ständig zermalmt. Er war auf der Stelle tot.

Infolge ehelicher Zerwürfnisse versuchte am Sonn­abend die Ehefrau eines Kaufmanns in Düsseldorf ihre

Aus den Gerichtssälen.

Spionageprozeß in Kiel. Das Kriegsgericht des ersten Geschwaders verurteilte in nichtöffentlicher Sitzung den Torpedomatrosen Nikolaus vom Linienschiff Nassau" we­gen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse sowie Fahnenflucht und Diebstahls zu Jahren Gefängnis. Der Angeklagte hatte geheim zu haltende Zeichnungn ent­wendet und versucht, sie an eine fremde Macht zu verkaufen. Bei dem Urteil wurde mildernd berücksichtigt, daß dem Reich durch die Tat des Angeklagten kein Schaden zugefügt wor den ist.

Der Erfinder im Zuchthause. Der seit einer Reihe von Jahren im Zuchthause zu Werden( Ruhr) eine längere Strafe verbüßende Schlosser Flöthe hat im Buchthause eini­ge aussichtsreiche Erfindungen gemacht und sie durch den in der Strafanstalt angestellten Gefangenenaufseher Kugel zur Verwertung weiter befördern lassen. Flöthe stand sogar mit dem englischen Kriegsministerium wegen der Erfindung eines lenkbaren Luftschiffes in Unterhandlungen. Später versuchte der Aufseher dann, den Sträfling zu hintergehen und die Erfindung als sein eigenes geistiges Produkt zum Patent anzumelden. Die Straffammer in Essen verurteilte nun am Sonnabend den Sträfling Flöthe, der einen Teil der aus der Verwertung zu erwartenden Gewinne dem Aufseher zugesprochen hatte, wegen Bestechung zu zwei Wo­chen Gefängnis und den Aufseher wegen Verletzung der Dienstpflicht zu drei Monaten Gefängnis.

Vermischtes.

Der Diebstahl beim Reichskanzler. Unter dem Bera dacht, vor einigen Wochen den Diebstahl im Reichstanz­lerpalais begangen zu haben es wurde, wie erinnerlich sein wird, dem Reichskanzler eine Brillantnadel im Werte von etwa 1800 Mark entwendet, steht der vor einigen Tagen in Spandau wegen mehrerer Einbrüche in Wohnun­gen verhaftete Händler Starrost aus Königsberg i. Pr. Er hat zahlreiche Einbrüche in Potsdam ausgeführt. Bisher leugnet er, den Diebstahl beim Reichskanzler ausgeführt zu haben. Es wird vermutet, daß er der alleinige Täter ist. Man hat in verschiedenen Leihhäusern Gegenstände gefunden, die auf den Namen Starrost versetzt worden Darunter soll sich auch die gestohlene Juwelen­nadel des Reichskanzlers befinden.

Lebens schönsten Traum, mich nicht davon abhalten, so hätte ich den Erbärmlichen längst bei seinem Obersten angezeigt. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß er seinen Vater be­sinhlen und Ihrer Familie all das Leid zugefügt, das sie erlitten haben und noch erleiden unter dem schrecklichen Verdacht. Als ich nämlich erfuhr, daß er sich mit der Kon­tesse verloben wollte, schrieb ich an ihn, daß ich alles, was ich über ihn wüßte, der Oeffentlichkeit preisgeben würde, wenn er auch dieses Mädchen unglücklich machen wollte. Darauf sandte er mir, gerade einen Tag nach dem Dieb­Stahl auf Schloß Wedelstein, weit über 1000 Mark Schwei­gegeld, das ich natürlich abwies. Nun, die Komtesse war flug genug, auch ohne meine Mitteilungen noch rechtzeitig in Erfahrung zu bringen, wes Geistes Kind der schöne Hardi" ist. Sie fand ja schnell Trost und Ersay.- Mein liebes, armes Fräuleinchen, Sie sind gewiß in den ritter­lichen Offizier dermaßen verliebt, daß Sie alle meine Worte für elende Verleumdungen einer Eifersüchtigen neh­men werden. Damit Ihnen aber fein 3weifel an der Wahrhaftigkeit meiner Mitteilungen bleibt, füge ich die­sen Ring bei, den der Leutnant mir einmal geschenkt hat, trotzdem er ihm als ein Andenken an seine verstorbene Mutter sehr wertvoll war. Es fehlt der kostbare Diamant. Ein spitbübisches Dienstmädchen hat ihn mir entwendet. Zum Schluß möchte ich Sie bitten, meine Mitteilungen geheim zu halten und Ihre eigene Vernunft allein raten zu lassen. Würden Sie diesen Brief jemand zeigen, viel­leicht dem Leutnant selber, so dürfte die Notwendigkeit einer Anzeige von meiner Seite gar zu leicht an mich her­antreten. Es würde einen Skandal geben, wie wir ihn large nicht erlebt. Genug, ich tat meine Pflicht.- Sollte ich mit diesen Zeilen nicht erreicht haben, was ich erreichen wollte, so werden Sie bald weiteres von mir hören, auch meinen Namen. In schwesterlicher Liebe eine Betrogene."

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Das war der Brief. Mit den Füßen zertrat ihn Erna, denn in der ersten Erregung hielt sie ihn für ein ganz abscheuliches Teufelswerk.

ibaren.

Gerade soll er ihn sehen, mein lieber, guter Hardi! Alles soll daran gesetzt werden, daß diese Schlange, die mir ihn entreißen will, unschädlich gemacht wird!"

De nahm sie wieder das Ringlein in die Hand- das mußte echt sein, trotz des fehlenden Diamanten. Nur zu oft hatte sie es an der Generalin Finger bewundert. Wie konnte diese Person nur in seinen Besitz gelangt sein? Na­türlich, in einem Leihhause wäre ja leicht etwas Wert­volles zu kaufen, was jemand in der Not verpfändet. Aber solite Sardi den Ring seiner Mutter verpfändet und nicht wieder eingelöst haben? Undenkbar!

Mehrmals schon hatte die Mutter an Ernas Tür ge­pocht, und sie daran erinnert, daß es höchste Zeit wäre, das Essen zu bereiten. Ein kurzes: Ja, ja, im Augenblic bin ich in der Küche!" war dreimal die Antwort gewesen. Jetzt aber, wie die Frau Rentmeister etwas ärgerlich rief: ,, Der Liebesbrief hat Dich wohl ganz und gar in den sie­benten Himmel versetzt, so daß Du Deine Eltern vergessen hast. Das ist nicht recht, mein Kind!" jezt tönte es müde und kläglich aus dem Kämmerlein an der überraschten Mutter Ohr: ,, Mütterchen, sei mir nicht böse. Ich habe mich auf mein Bett gelegt, habe furchtbare Kopfschmerzen. Viel leicht geht es ohne mich. Sei mir nicht böse. Es wird bale vorüber sein, hoffe ich."

Ach, Erna war ein harmloses Kind. Damit sollte die Mutter, wo sie doch den Brief von Hardi mit dem goldenen Monogramm auf dem Kuvert gesehen, sich zufrieden geben? In höchster Erregung begehrte sie Einlaß, denn sie mußte etwas Schlimmes vermuten. " Was ist geschehen? Hat Hardi Dich gekränkt? Was schreibt er?" Auf diese nervösen Fragen findet Erna lange feine Antwort. Sie weiß ja nicht, was sie tun soll, ob es ratsam, der Mutter den Brief zu zeigen oder nicht. Doch da steht diese den Ring auf dem Tische liegen, der auch ihr nicht unbe­fannt ist.

( Fortsetzung folgt.)

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