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Die Kronprinzessin und der mißtrauische Portier. Zum Besuch der Kronprinzessin in Danzig wird noch berichtet: Nachdem die Kronprinzessin, die zu ihrer Fahrt nach Lang­fuhr. 3oppot und Oliva eine einfache Automobildroschke benutte, mit ihrer Hofdame von Oliva zurückgekehrt war, äußerte sie den Wunsch, der kaiserlichen Werft in Danzig einen kurzen Besuch abzustatten. Kurz darauf hielt der Chauffeur vor dem Hauptportal der Werft, aber der Por­Hier blieb der Bemerkung des Chauffeurs gegenüber, dah seine beiden Insassinnen die Kronprinzessin und ihre Hof­bame seien, etwas zugeknöpft. Das könne jeder sagen, meinte der Portier, zunächst einmal kostet die Sache 50 Pfennig pro Person." Die Kronprinzessin lachte und er flärte, sie wolle sich jetzt mit dem Besuch der Werft nicht länger aufhalten, damit sie den Zug nach Berlin nicht ver­säume und ließ das Automobil direkt zum Bahnhof fahren.

Schlichtings letzte Fahrt. Die Leiche des in Konstan­tinopel ermordeten Oberstleutnants v. Schlichting traf in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend mit dem Dampfer Samos" in Hamburg ein. Sie wurde in einem Schuppen des Amerikafais aufbewahrt. Sonnabend nachmittag wurde eine einfache Trauerfeier militärischen Charakters abgehalten. An dieser nahmen die dienstfreien Offiziere der Garnisonen Hamburg, Altona, Wandsbek und Um­gegend, sowie Vertreter des Senats, der Direktion der Deutschen Levantelinie und kaufmännische Firmen tell. Unter den Kränzen befanden sich solche vom Senat und vom türkischen Generalkonsulat. Die Leiche wurde mit dem abends abgehenden Schnellzuge nach Berlin überge­führt, wo sie um Mitternacht am Lehrter Bahnhof an­langte. Von dort wurde sie nach der Kaserne des Königin Elisabeth- Garde- Grenadier- Regiments Nr. 3 gebracht, wo sie bis zum Montag aufgebahrt wird. Die Beerdi= gung wird Montag auf dem alten Luisenkirchhof zu West­end stattfinden.

Der Papst als Erbe. Die in Würzburg 1910 verstor= bene Privatiere Endres hatte, wie schon gemeldet, den Papst Pius X. zum Erben ihres 80 000 M betragenden Bermögens eingesetzt. Die Erben Endre's hatten den Papst auf Herausgabe des Erbes verklagt. Jetzt ist der Rechtsstreit vom Landgericht Würzburg durch Zahlung els ner Abfindungssumme von 40 000 M an die Erben beendet worden. Die andere Hälfte der Erbschaft soll nach Bestim­mung des Papstes zum Bau einer katholischen Kirche in Oberndorf( Niederbayern) verwendet werden.

Freiwilliger Hungertod einer Millionärin. Die Mos­fauer Millionärin Fürstin Schachowskaja ist am Hunger­tod gestorben. Sie führte seit zwanzig Jahren ein Ein­Hedlerleben, bewohnte das kleinste Zimmerchen in ihrem eigenen großen Palais und verweigerte jedem den Zutritt. Türen und Fenster wurden niemals geöffnet. Die Fürstin drohte, sie würde Selbstmord verüben, falls jemals ein Mann ihre Türschwelle übertrete. Sie wurde von Schmutz tarrend, in Lumpen gehüllt aufgefunden. Die wunden Füße waren mit schwarzen Lappen umbunden. Das Zim mer füllte ein penetranter Gestant. Die Obduktion ergab Tod durch Herzschlag und völlige Magenleere.

Bom Laufjungen zum Millionär. In Hull( England) starb fürzlich George Thomas Appleyard, Direktor eines großen Handlungshauses und hinterließ ein Vermögen von 58 000 Pfund, also mehr als eine Million Mark, Die Laufbahn dieses Mannes ist interessant. Als Knabe war er Bote in einer großen Eisenwarenhandlung und stieg Hier von Stufe zu Stufe, bis er es zum Leiter desselben Unternehmens brachte, das seine bescheidenen Anfänge ge­Jehen hatte. Appleyard starb im Alter von 80 Jahren. Er war finderlos, und sechs Neffen und Nichten, die bisher Insgesamt in ärmlichen Verhältnissen lebten, teilen sich nun in sein Vermögen.

Revolverkampf eines Betrunkenen mit der Polizei. In Hamburg kam es am Sonnabend durch die Revolverschieße= rei eines Betrunkenen, der sich zuletzt selbst tötete, zu auf­Sehenerregenden Vorgängen. Der Kutscher Westfal hatte fich morgens finnlos betrunken. In diesem Zustande tor­telte er in seine in der Deichstraße gelegene Wohnung, wo er sich seinen Revolver holte und eine große Anzahl Pa­tronen zu sich steckte. So bewaffnet zog er in dem Hause von Wohnung zu Wohnung, indem er unaufhörlich schrie, er würde jeden erschießen, der sich auf der Treppe zeigen würde. Schließlich auf dem Boden angelangt, schloß er sich ein und begann, durch das Dachfenster auf Passanten zu schießen, ohne jedoch glücklicherweise jemanden zu treffen. Jetzt rüdte eine Anzahl von Schuyleuten heran. Zuerst redeten sie dem Betrunkenen gütlich zu, dieser machte je­doch keine Miene, die Tür zu öffnen. Darauf begannen die Schutzleute zu stürmen. Als die Tür gesprengt wurde, fiel ein letzter Schuß, und in die Schläfe getroffen sah man den vom Delirium ereilten Mann zusammenbrechen. Er hatte seinem Leben mit eigener Hand ein Ende gemacht.

Radieschen als Hutschmud. Täuschend nachgeahmte, frisch und appetitlich aussehende Radieschen sind, wie man aus Paris berichtet, in diesem Frühjahr als Hutschmud eleganter Frauen zu sehen und nehmen sich gar nicht übel aus. Bisher waren nur einigen edlen Obstsorten, der dunkelroten, der gelblichen und der schwarzen Kirsche, al lenfalls auch der blauen Pflaume die hohe Ehre vorbehal­ten, unseren Damen als Hutgarnitur zu dienen. Aber es ist im Grunde garnicht einzusehen, warum diese Auszeich nung nicht auch dem Radieschen zufallen soll, dieser be scheidenen Erdwurzel, die von der Natur mit so freund= lichen Farben bedacht worden ist und, wie die Aerzte neuer­dings behaupten, außer ihrem pikanten, anregenden Ge­Schmad sehr schäzenswerte, die Gesundheit fördernde Eigen­schaften besitzt. Und wenn das Radieschen auf dem Hute Schule macht, wer weiß, ob nicht nächstens noch andere nüzliche Gemüse, Wetßkohl, Spargel oder Salatblätter, zur Verzierung des modernen Damenhutes Verwendung finden werden!

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Ein seltsames Testament. Vor einigen Tagen starb, wie aus Paris gemeldet wird, in Lassay alte Dame ohne Nachkommenschaft. Sie hat ihrer Heimat­gemeinde ein fleines Landgut vermacht unter der Bedin­gung, daß ihr Grab unterhalten werde. Ueber den Rest hres Vermögens aber verfügte sie in folgender Weise: es Joll nämlich unter alle die gleichmäßig verteilt werden, ble fte zur letzten Ruhe begleitet haben. Ein Notar hat Deshalb bei der Beerdigung jedem Anwesenden eine Karte Aberreicht, auf der er seinen Namen eintragen mußte. Im ganzen haben 140 Personen an dem Leichenbegängnis tell­genommen und jeder Teilnehmer wird nun eine ziemlich bedeutende Summe erben. Wenn alle Leute nach dem Beispiel diefer seltsamen Frau verfahren würden, dann önnten te jedenfalls auf ein anständiges" Begräbnis technen.

Im Eifer. Bet einem städtischen Festmahl hält der Bürgermeister eine Rede an die anwesenden örperschaften. Und was uns dieses Jest noch besonders wert macht, das

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ist die Anwesenheit der Feuerwehr unserer Nachbargemein­de, die mit seltener Pünktlichkeit auf dem Plane war."

Graf de Passy" und seine Abenteuer.

Der berüchtigte Hochstapler und Urkundenfälscher Max Schiemangt, der unter dem Namen eines Grafen de Passy" zahlreiche Schwindeleien verübte und erst fürzlich aus dem Untersuchungsgefängins in Heilbronn ausbrach, ist, wie ge­meldet, in dem idyllischen Spreewalddorf Lehde unweit Lübbenau wieder verhaftet worden. Schtemangt hielt sich bereits seit etwa einer Woche im Spreewalde auf; er Io­gierte bei einem Spreewälder Bauern und hatte sich als Ingenteur Wendt aus Berlin ausgeben. Er lebte im Spreewald sehr lustig und unternahm alle Tage mit einem gemieteten Kahnfahrer Ausflüge in den Spreewald. Wo etwas los" war, war auch Ingenieur Wendt zu finden. Er hätte sich noch lange im blühenden Spreewald amüsieren können, wenn nicht aufällig ein Stadtsekretär von Lübbe­nau den Ingenieur Wendt" nach dem Steckbrtefe, den die Berliner Kriminalpolizei erlaffen hatte, erkannt hätte. Der Sekretär erstattete det der Lübbenauer Polizeiverwaltung sofort Anzeige. Da der Behörde bekannt war, daß sie es mit einem gefährlichen Verbrecher zu tun hatte, ging fie bei der Verhaftung überaus vorsichtig zu Werke. Die Ge­wohnheiten des Verbrechers waren den Spreewäldern be­kannt, und es wurde beschlossen, ihn während seines ge­wohnten Mittagsschlafes zu verhaften. Gegen mittag be­gaben sich der Stadtsekretär, ein Gendarm und ein Polizei­beamter aus Rübbenau mit Revolvern bewaffnet nach Lehde. Sie ließen Schiemangt in aller Ruhe sein Mittagbrot ver­zehren und sich zur Ruhe begeben. Als er fest eingeschla­fen war, fuhren die drei Beamten mit einem Kahn zur Wohnung Schiemangfs beim Kahnbauer. Dort wurde er ties schlafend angetroffen. Der Polizist weckte ihn und sagte ihm auf den Kopf zu, daß er der steckbrieflich verfolgte Schiemangt sei. Der plößlich aus dem Schlaf geweckte Ver­brecher gab dies in seiner Verwirrung sofort zu. Er wurde gefesselt in den Kahn getragen, und der Bootsmann, der ihn sonst in den grünen Wald gefahren, ruderte ihn kopfschüt telnd nach dem Polizeigefängnis in Lübbenau.

Wie noch erinnerlich, hatte der Graf", der in der Unt­form eines amerikanischen Generals auftrat, sich auch in den besten Familien Berlins Eingang zu verschaffen gewußt. Seine Erzählungen von seinen großen Reichtümern fanden allenthalben Glauben. In Wirklichkeit war er fast mittel­los und lebte ausschließlich vom Heiratsschwindel. Er wur­de schließlich zu drei Jahren Gefägnis verurteilt, die er im August vorigen Jahres verbüßt hatte. Kaum hatte er seine Freiheit wiedererlangt, so begab er sich von neuem auf den Weg des Schwindels. Seinen letzten Betrug versuchte er bei dem Anfauf des Schlosses Stettenheim bei Heilbronn zu verüben. Er wurde aber rechtzeitig entlarvt und ver­haftet. In der Zwischenzeit scheint er bereits wieder er­folgreich gearbeitet" zu haben. Jedenfalls ist bei ihm ein großer Geldbetrag gefunden worden, und es steht fest, daß er bei seinem Ausbruche aus dem Untersuchungsgefängnis in Heilbronn, feinen Pfennig besaß. Bei seiner Inter­nierung im Amtsgefängnis zu Lübbenau äußerte er zynisch: Wenn Sie mich auch verhaftet haben, das Vergnügen wird nicht lange dauern." Es wurden infolgedessen die umfas­sendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen, um ein neues Ent­welchen zu verhindern. Er legte keinerlei Widerstand an den Tag und gestand alles. Bei seiner Ankunft in Lübbe­nau gab ihm eine ganze Schar junger Spreewälderinnen, die den splendiden Ingenieur Wendt" aus Berlin anschet­nend nur ungern in dieser Verfassung sahen, bis an die Tore des rotfarbigen Gefängnisses das Geleit.

Trauer in Schaumburg- Lippe.

Das Fürstlich Schaumburg- Lippische Ministerium in Bückeburg teilt dem Wolfffchen Telegraphenbureau mit: Sonnabend abend Uhr ist Seine Hochfürstliche Durch­laucht Fürst Georg zu Schaumburg- Lippe im 65. Lebensjahre nach einer achtzehnjährigen gesegneten Re­gierung fanft entschlafen. Die Trauer über das Hin­scheiden des in allen Kreisen der Bevölkerung geliebten Fürsten ist tief. Die Gemahlin des Entschlafenen, Fürstin Maria Anna, ist eine Schwester des Herzogs von Sachsen­Altenburg. Der Erbprinz, der bisher bei dem Husaren­Regiment König Wilhelm I.( 1. Rheinisches Nr. 7) in Bonn Dienst tat, hat die Regierung als Fürst Adolf angetreten.

Ueber das Ableben des Fürsten wird weiter gemeldet: Fürst Georg wurde Sonnabend mittag von einer plötzlichen Herzschwäche befallen. Die Anfälle von Herzschwäche wie­derholten sich trotz aller angewendeten Gegenmittel. Gegen abend trat Bewußtlosigkeit ein, und ohne schweren Todes­kampf ist der Fürst um Uhr abends gestorben. Der Tod erfolgte in Anwesenheit der Fürstin, des Staatsministers Freiherrn von Feilißsch und des Hofstaates, während die Prinzen erst nach dem Ableben eintrafen. Kurz vor dem Tode sprach der Hofprediger ein Gebet. Die Beiseßung fin­det wahrscheinlich am nächsten Sonnabend statt, und zwar vorläufig in der lutherischen Kirche in Bückeburg, später in dem neu zu erbauenden Mausoleum.

Fürst Georg war als Sohn des Fürsten Adolf von Schaumburg- Lippe und seiner Gemahlin Hermine, geb. Prinzessin zu Waldeck, am 10. Oktober 1846 zu Bückeburg geboren, vermählte sich 1882 mit Prinzessin Marie Anna von Sachsen- Altenburg und folgte seinem Vater nach dessen am 8. Mai 1893 erfolgten Tode in der Regierung. Er war preußischer General der Kavallerte und Chef des westfäli­schen Jäger- Bataillons Nr. 7. Der verstorbene Fürst ist unter den regierenden Häuptern nie besonders hervorge= treten. Er begnügte sich damit, als treuer Landesvater für die Entwicklung und das Wohl seines Fürstentums zu wirken, und er hat dafür in reichlichem Maße den Dank und die Liebe seiner Landeskinder geerntet, die jetzt voll tiefer Trauer an der Bahre des so plötzlich aus dem Leben Geschiedenen stehen. Auch damals, als der Name des Für­stenhauses Schaumburg- Lippe in aller Munde war, als der unerquickliche Streit um die Erbfolge im Fürstentum Lippe­Detmold ausgefochten wurde, blieb sein Name im Hinter­grunde. Es mag ihm auch damals gewiß schmerzlich ge­wesen sein, daß sein Bruder Prinz Adolf, der Schwager des Kaisers, nachdem er einige Zeit die Regentschaft von Lippe- Detmold geführt hatte, dem Grafen Ernst zur Lippe­Biesterfeld weichen mußte, zu dessen Gunsten das Schieds­gericht unter dem Vorsitz des Königs Albert von Sachsen entschied. Aber Fürst Georg war verständig genug, sich dem Schiedsgerichtsspruch uneingeschränkt zu unterwerfen, und wechselseitige Besuche des Fürsten Georg und des neuen Fürsten Ernst zu Lippe- Detmold bewiesen bald, daß er auch etne persönliche Verstimmung dem Hause Lippe- Biesterfeld gegenüber nicht hegte. Es lag eben in seiner ganzen Na­tur, daß er Kämpfen und Differenzen abhold war, und das prägte sich auch in der Art aus, wie er die Regierung seines Landes führte. Stets darauf bedacht, das Wohl sei­nes Bandes zu fördern und auch den Wünschen der Gering­ften setner Untertanen gerecht zu werden, hat er ein ar­bettsretches, aber auch ein an glücklichen Erfolgen reiches Leben geführt, dem auch das Glück im Kreise seiner Familie nicht fehlte.

Drahtnachrichten und neuestes.

Allgemeiner Krankenkassentag in Berlin. Berlin, 1. Mat. Der sechste allgemeine Kranken­taffentag trat gestern mittag zusammen. Der Kongreß war von über 2000 Delegierten aus allen Tetlen Deutschlands

besucht. Die vorgeschlagene Resolution, die eine wesentliche Aenderung der Fassung der Reichsversicherungsordnung oder die Ablehnung des ganzen Gesetzes fordert, wurde an­

genommen.

Schülerselbstmord.

Berlin, 1. Mai. Aus unüberwindlicher Abneigung gegen die Schule hat der 13 Jahre alte Knabe Klusch aus Rigdorf Selbstmord begangen. Der Knabe war seit Don nerstag verschwunden. Am Sonnabend entdeckte ihn seine Pflegemutter in einer Ecke des Bodens hinter einem Vers schlag. Der Knabe hatte sich an einem Haken in knieender Stellung erhängt.

Mordtat in einem Berliner Vorort.

Berlin, 1. Mai. Im Vorort Lichtenberg wurde die Schlachtersfrau Mickel heute früh ermordet aufgefunden. Ueber die Tat schwebt noch völliges Dunkel.

Parteitag der fortschrittlichen Volkspartei der Provinz Sachsen.

Nordhausen, 1. Mai. Der Parteitag der fortschrittlichen Volkspartei der Provinz Sachsen sprach sein Bedauern da riber aus, daß entgegen den Vereinbarungen über ein taktisches Zusammengehen der fortschrittlichen Volkspartei und den Nationalliberalen bei den kommenden Reichstags­wahlen im Wahlkreise Nordhausen- Grafschaft Hohenstein die nationalliberale Kandidatur aufrecht erhalten werde. Damit werde die unabweisliche Voraussetzung für die Durchführung des Abkommens hinfällig.

In der Notwehr erschossen.

Düsseldorf, 1. Mai. Ein Schuhmann, der von etwa 20 jungen Burschen angegriffen wurde, feuerte mehrere Schreckschüsse ab und, als diese nichts nüßten, schoß er in der Notwehr scharf. Ein Fleischergeselle wurde auf der Stelle getötet. Der Schutzmann war durch verschiedene Messerstiche schwer verletzt.

Selbstmordversuch eines Veteranen.

Meuselwitz, 1. Mai. Der Veteran und Invalide Louis Häußner von hier übergoß sich nach einem Streite mit sei-­ner Ehefrau mit Petroleum und zündete sich an. Der alte Mann stand im Nu in Flammen. Das Feuer konnte aber noch durch Nachbarn rasch gelöscht werden. Lebensgefährlich verletzt wurde er ins Krankenhaus nach Altenburg geschafft. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Von einem Geisteskranken ermordet.

0 Wien, 1. Mat. In der vorigen Woche wurde die Bauunternehmerin Marie Weber von hier auf der Rax tot aufgefunden. Die Verstorbene hat ihr 2 Millionen Kronen betragendes Vermögen einer zu errichtenden Stiftung für arme Wiener Studenten vermacht. Gestern erschien in Reichenau ein Tagelöhner namens Schröckel bei der Gen­darmerte und machte die Anzeige, daß er die Frau Weber ermordet und beraubt habe. Im Besitz des Tagelöhners fand man ein Portemonnaie mit mehreren Ringen, die der Frau Weber gehört haben. Weiteren Mitteilungen des Tagelöhners, der den Eindruck eines geistig nicht ganz nor­malen Menschen machte, war zu entnehmen, daß er die Frau Weber auf einem Spaziergange angetroffen habe, mit ihr in einen Wortwechsel geriet und sie gewürgt habe, bis fie von einem Herzkrampf befallen wurde und starb. Schaffung einer russischen Militärfliegertruppe. Petersburg, 1. Mai. Der erste allrussische Luftschiffer= Kongreß hat beschlossen, einen allrussischen Luftschiffer- Ber­band zu organisieren, dessen Haupttätigkeit in der Heran­bildung eines Stammes von Fliegern für Kriegszwecke be­stehen soll.

Hungersnot in Tibet.

Petersburg, 1. Mai. In der chinesischen Provinz Set­schuan in Tibet ist infolge Hungersnot eine Revolte ausge­brochen. 10 000 hungrige Männer und Weiber beginnen die wohlhabende Bevölkerung auszurauben. Sie befreiten die Gefangenen in den Gefängnissen und zerstörten diese. Die zur Unterwerfung des Aufstandes ausgesandten Trup­pen gingen zum Volk über. Die Aufständischen wollten die Stadt Tscheambo ausplündern, wurden jedoch vor Ausfüh­rung der Tat von regulären Truppen zurückgeschlagen. Mehrere Jührer der Aufständischen wurden gefangen und grausam hingerichtet.

Grubenkatastrophe in Belgien. Mons( Belgien), 1. Mai. Auf der Grube Escouffiaux find 17 Bergarbetter im Förderkorb verunglückt. Zwei sind tot, die übrigen verletzt.

Die Maifeier in Paris. Paris, 1. Mai. Die Arbeiterverbände wollen bei der heutigen Maifeier das Militär und die Polizei nicht pro­vozieren, aber mit allen Mitteln jeden Versuch, den Zug zu sprengen, entgegentreten.

Blutige Familientragödic.

Marseille, 1. Mai. Der Schiffsleutnant Maurin drang in das Haus seiner geschiedenen Frau ein. Als diese sich mit ihrem Kinde und einer Tante in das Schlafzimmer flüchtete, eilte er ihr nach und gab mehrere Revolverschüsse auf sie ab. Die Frau und das Kind wurden schwer, die Tante tödlich verletzt. Hierauf tötete sich der Mann selbst durch einen Schuß in den Kopf.

Die Winzerunruhen in Frankreich. Bar sur Aube, 1. Mai. Nach einer Versammlung der Winzer kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Militär und Winzern, bei dem ein Dragoneroberst verwundet wur de. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.

0 Bar fur Aube, 1. Mai. Der Zusammenstoß zwischen den Soldaten und den Winzern wiederholte sich zweimal. Oberst Dimitry wurde beim Sturz seines Pferdes aus dem Sattel geworfen und verletzt. Bei den Zusammenstößen wurden mehrere Soldaten und Demonstranten verletzt. Englische Riesenkreuzer.

London, 1. Mai. Der am Sonnabend vom Stapel ge­laufene Panzerfreuzer Prinzeß Royal wird der schnellste und größte der englischen Flotte sein. Das Schiff verdrängt 26 350 Tonnen. Die Kosten betragen über 2 Mill Pfund. Heute wird ein Schwesterschiff der Prinzeß Royal, der Kren­zer Conqueror, vom Stapel laufen.

Schweres Eisenbahnunglück in Amerika. Neuyork, 1. Mai. Ein Sonderzug mit 250 Lehrern, die nach Washington zu einem Besuch beim Präsidenten Taft fahren wollten, ist nahe der Station Easton im Staate Pennsylvania entgleist, als er mit einer Geschwin­digkeit von 50 Meilen die Stunde fuhr. Er stürzte die Böschung hinunter, die Trümmer gerieten in Brand. Nach den letzten Nachrichten sind 25 Passagiere tot und 35 bis 40 verlegt, unter diesen mehrere lebensgefährlich.

Easton( Pennsylvania), 1. Mai. Nach neueren Meldun= gen sind bei dem vorgestrigen Eisenbahnunglück elf Ber­fonen getötet worden.

Eine zweite Meldung stellt das Unglück in seinen Fol­gen weniger schwer dar:

Easton( Pennsylvania), 1. Mai. Die ersten Angaben über das Eisenbahnunglück scheinen sich als übertrieben herauszustellen. Die Beamten des verunglückten Sonder­zuges berichten, daß sich Leichen unter den Trümmern nicht gefunden hätten, doch sei der Zug vollständig verbrannt und die Hälfte der Passagiere verletzt. Drei Personen werden vermißt.

Riesenbrand in Amerifa.

Nenyork, 1. Mai. In Bangor im Staate Maine brach gestern abend ein Brand aus, der das ganze Geschäfts­viertel und einen großen Teil des Wohnviertels zerstörte. Der Schaden wird auf sechs Millionen Dollars geschätzt.

Bandel und Gerkebr.

Cassel, 29. April. Weizen( 100 Kilogramm) 19,00 bis 10,75 M. Roggen( 100 Kilogramm) 16,00 bis 16,75 M. Gerste ( 100 Kilogramm) 16,00 bis 17,50 M. Safer( 100 Kilogramm) 17,50 bis 19.50 M. Heu( Bentner) 2.70 bis 3,50 M.