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Unsere neue Felduniform.

Das Kriegsministerium hat, so schreibt die Allg. Armee- Corr.", soeben den Truppen die ihm zugegan­genen Urteile über die Bewährung unserer neuen Felduniform befannt gegeben. Danach wird die feld­graue Farbe durchweg sehr günstig beurteilt: sie paßt sich gut dem Gelände an, erschwert in hohem Grade bas Erfennen der Truppen und besonders auch die Feststellung, welche Waffengattungen man vor sich hat. Hieraus ergaben sich namentlich für die feldgraut ge­fleidete Kavallerie im Gefecht zu Fuß große Vor­teile, da auch mit einem guten Glase selbst auf nähere Entfernungen schwer zu erkennen war, ob man sich Infanterie oder Kavallerie gegenüber befand.

Natürlich sind auch Beanstandungen und Wünsche vorgebracht. Sie erftreden sich bei der Ofifatersuni­form im wesentlichen auf Beseitigung der weithin sicht­baren Feldbinden und Adjutantenfchärpen, sowie auf Berkleinerung der Ordensschnallen, auch wird Ein­führung von Aermelaufschlägen( wie bei den Genera­Ten) zum Einsteden von Karten und die Anbringung von Bordertaschen befürwortet. Einige Stellen wollen außerdem die Schuppenfetten der Offiziere matt gehal­ten oder durch Lederrtemen ersetzt haben.

An der Ausstattung der Mannschaften find es eigentlich nur die Signalinstrumete und nie felle der Tambeurs, die als zu weit sichtbar bezeichnet werden. Daneben haben die losen Achselklappen und das Halstuch, wenn auch nur vereinzelt, Gegner, wäh­rend bei der Kavallerie etwas deutlichere Unterschet­bungszeichen der gleichartigen Truppen( Manen, Hu­faren usw.) von einander gewünscht werden.

Diese Beobachtungen beruhen in der Hauptsache auf den Erfahrungen, die während der voriährigen Kaiser­manöver in Ostpreußen gemacht worden sind. Ins­besondere ftel damals auf, daß Borposten, die ein Dra­gonerregiment stellte, erst auf ganz kurze Entfernung als Ravalleristen zu erkennen waren. Der Feind war also bis zuletzt ungewiß darüber, ob er nur vorgescho= bene Kavallerie vor sich hatte oder schon in Berührung mit der Infanterie selber war. Der Wunsch, die ein­zelnen Gattungen der Kavallerie besser zu unterschet­ben, wie er in den obigen Ausführungen hervortritt, ist eigentlich nicht verständlich, da die Kavallerie durch die verschiedenartige Kopfbedeckung schon hinreichende Unterscheidungsmerkmale hat. Dagegen ist der Wunsch, bie Feldbinden und die Adjutantenfchärven verschwin ben zu sehen, wohl allgemein. Die Artillerie hat sich bisher noch nicht in der neuen Uniform im größeren Manövergelände gezeigt.

Die nächste Zukunft des Hansabundes.

Der Inf." wird über die nächsten Vorgänge im Hansabund und über die Stellung, die das Präsidium bazi einzunehmen gedenkt, folgendes mitgeteilt: Am Freitag, den 30. Juni wird in Essen im Saale des Stadtpartes eine Sigung der rheinisch- westfälischen Be­airtsgruppe des Hansabundes stattfinden, an deren Spitze der Geheimrat Kirdorf stebt; in der Sizung wird der Austritt des Landrats a. D. Rötger aus dem Präsidium des Hansabundes erörtert werden. Wie man annimmt, ist zu erwarten, daß die Bezirksgruppe den Austritt des Landrats Rötger aus dem Hansabundprä­fidium belfällig begrüßen wird. Nur wenn dieses nicht ber Fall sein sollte, wäre dies für das Präsidium des Sansabundes eine Ueberraschung, da ta der Austritt Rotgers aus dem Präsidhum des Hansabundes unter Billigung des Zentralvorstandes des Bundes der In­dustriellen stattfand. Ob eine solche, den Austritt Nöt­gers aus dem Präsidium billigende Erklärung der rhet­nisch- westfältschen Bezirksgruppe weitere Austritte grö­Beren Umfanges zur Folge haben wird, ist vorläufig noch durchaus unsicher. Jedenfalls würde auch hier­durch in der Stellung des Sanfabundes nichts geändert werden, denn das Präsidium des Hansabundes ist nach dem Ausscheiden des Landrats Rötger in allen Punften einig. Da somit nach dieser Mitteilung eine Acn­derung in der Stellung des Bundes in feinem Falle zit erwarten ist, so darf man der weiteren Entwicklung der Dinge mit großem Interesse entgegensehen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Das deutsche Kronprinzenpaar hat am Donners­tag, wie gemeldet, die Heimreise von London aus an­getreten. Das Andenken, das das Kronprinzenpaar in England Hinterlassen hat, ist das denkbar beste, was aitch in den Abschiedsartikeln der Presse fitr die auslän­dischen Gäste zum Ausdruck kommt. Da heißt es an einer Stelle: Wenn es uns gestattet ist, einen Gast be sonders zu erwähnen, so geben wir sicherlich dem Em­pfinden eines sehr großen Teils der öffentlichen Met. nung Ausdruck, wenn wir aussprechen, welche Freude

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Jugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)

Der Nähtisch stand in der Fensternische, davor ein bequemer Korbsessel, den hatte Grotenbach seiner Thekla zum Geburtstage geschenkt und dabet gesagt: Du mußt einen Platz haben, um Dich auszuruhen, Mutting." Ja, sie war oft recht milde, die rübrige Hausfrau, von frith bis spät mußte sie schwer schaffen, an alles den­fen und alles zusammenhalten, damit die kleinen Mit­tel ausreichten. Ein großer Korb mit Socken und Strümpfen stand auch heute auf dem Nähtisch, der flet­Bigen Finger barrend, die da ausbesserten, die Hälfte threr Zeit vergeht Thekla mit Flickarbeiten.

Ein sehr schlichtes, dunkelblaues Kleid umgibt ihre bohe, etwas volle Gestalt, eine Schürze ist unerläßlich, um das Gewand zu schonen. Frau Grotenbachs Ge­sicht ist sehr bitbsch, in den blauen Augen Itegt etwas Sinnendes; oft aber sind diese Iteben Augen getrübt, wenn des Lebens Last und Size allzu schwer drückt. Ihr Gatte darf es aber nie feben, mutig kämpft seine Frau die Sorgen nieder, thr Wahlspruch ist:

" Nach oben schau', auf Gott vertrau', Nach Wolfen wird der Himmel blan."

Ein schwarzes Spitzenhäubchen bedeckt Theklas vol­Ies, braunes Haar, durch das sich schon manche Silber­fäden ziehen. Die wohlgeformten Hände verraten es, daß sie titchtig arbeiten müssen, als einziger Schmuck glänzt der schlichte Trauring daran, den der geliebte Mann ihr einst gegeben hat.

Ihre Kinder hängen alle mit größter Liebe an th= rer Mutter. Sie genießt das Vertrauen ihrer Söhne und Töchter, von dem Studenten Alfred ant, ihrem Aeltesten, bis auf den erst siebenjährigen A- B- E- Schützen Kurt, das Nesthäkchen der Familie.

Selten genoß Thekla Grotenbach eine ungestörte

wir empfunden haben, den deutschen Kronprinzen und seine bezaubernde Gemahlin willkommen heißen zu dürfen. Die mannhafte und freundliche Art des Prin­zen und die Liebenswürdigkeit und Anmut der Prin­zeffin haben überall den glücklichsten Eindruck ge­macht, der in den spontanen Rundgebungen der Menge auf den Straßen in herzlicher Weise zum Ausdruc fam. Des Prinzen faiserlicher Vater und das deutsche Bolt werden sich sicherlich freuen, daß sie in so gewin­nender Weise vertreten worden sind. Die angenehmen Erinnerungen, die Ihre kaiserlichen Hoheiten zurück­lassen, fömen nur die glücklichste Einwirkung auf die politischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland ausüben."

Der vorbereitende Ausschuß zur Gründung eines Reichsdeutschen Mittelstandsverbandes erläßt soeben einen Aufruf an den selbständigen Mittelstand zum Beitritt. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß der selbständige Mittelstand trotz seiner großen zah­lenmäßigen Stärke infolge seiner Zersplitterung so ohn­mächtig geworden ist, daß er auf fast allen Gebieten des wirtschaftlichen und sozialen Lebens zu einer atel­bewußten Wahrnehmung seiner wirtschaftlichen Inte ressen unfähig war. Das hatte auch zur Folge, daß für den Mittelstand nicht so ausgiebig gesorgt wurde wie für die anderen aktiv auftretenden Stände. Beson­ders nachdrücklich wird in dem Aufruf darauf hinge­wiesen, daß der Reichsdeutsche Mittelstandsverband nur wirtschaftliche Fragen fennt und sich von Parteipolitik und konfessionellen Dingen fernhalten will. Am 23., 24. und 25. September d. J. wird in Dresden der erste Reichsdeutsche Mittelstandstag stattfinden, auf dem dann der Zusammenschluß des selbständigen Mittel­standes zu erwarten sein wird.

Der Arbeitgeber- Schutzverband für das deutsche Holzgewerbe hielt kürzlich in Dresden seine neunte Generalversammlung ab, die von 138 Delegierten aus 78 Orten besucht war und in der die letzten Lohnbe­wegungen und die dabei gemachten Erfahrungen ein­gehend besprochen wurden. Der Vorsitzende, Ober­meister Rahardt, trat für die Schaffung einer Zentral­stelle mit bezahlten Kräften ein. Ein Antrag des Vor­standes, alle Arbeiter, die am 1. Mat feiern, auf drei Tage auszusperren, fand ohne Debatte einstimmige An­nahme. In der vertraulichen Sitzung drehte sich die Debatte hauptsächlich um die zukünftige Taktik bet Ta­rifbewegungen, die besonders deshalb eingehend erör­tert wurde, weil der Arbeitgeber- Schutzverband bisher vier verschiedene Ablauftermine vereinbart hatte.

Eine Entlastung des Reichsgerichts ist durch die im vorigen Jahre erfolgte Erhöhung der Revisionssumme tatsächlich erreicht worden, und zwar ist eine erhebliche Minderung in Revisionseingängen zu verzeichnen. An­derseits ist durch die Mehrarbeit der vom Oftober 1910 an tätigen Hilfsrichter ein großer Fortschritt in der Aufarbeitung der älteren Sachen gewonnen worden, so daß bald von einer Ueberlastung des Reichsgerichts nicht mehr gesprochen werden kann.

Eine Wehrftener für ungediente, die auch in Deutsch­Iand angestrebt wird, hat Bulgarten längst durchge­führt. Ste ist in der letzten Session der Sobrante ein wenig modernisiert worden, um nicht für schwächere Schultern" zu drückend zu sein. Sie besteht jetzt aus einer Grundsteuer von 10 Frank jährlich und einem Zuschlag von 2 v. H. des Vermögens und 2 v. H. der jährlichen Abgaben. Sie wird 20 Jahre lang erhoben und darf 4000 Fr. nicht übersteigen. Die Wehrsteuer bringt sehr erhebliche Beträge.

Sozialdemokratische Protestversammlungen sollen am kommenden Dienstag in Berlin und in anderen preußischen Städten veranstaltet werden. Es soll gegen die Stellungnahme der Mehrheitsparteien des preußt­schen Abgeordnetenhauses in der Wahlrechtsfrage pro­testiert werden.

Eine Versammlung der Friedensfreunde hat in Paris stattgefunden, um das Gedächtnis an die erste Haager Konferenz vom Jahre 1899 zu feiern. Die Bot­schafter von Deutschland, England, Spanien, Italien, Japan, Rußland und mehrere Vertreter der franzö= fischen Regierung wohnten der Feier bet. Der Fest= redner erklärte dem Kriege den Krieg und bezeichnete den bewaffneten Frieden als noch schlimmer wie den Krieg selbst. Der nachfolgende Redner schlug die Ver­breitung einer Weltfriedensmarke vor, deren Ertrag internationalen Wohlfahrtsbestrebungen dienen sollte. Die Veranstaltung ist natürlich völlig bedeutungslos.

Der erste ruffische Dreadnought" Sebastopol" ist am

Stunde, sie wurde auch heute mehrere Male beim Le­sen des Briefes unterbrochen. Als sie ihn endlich zu fammenfaltete, lag ein feuchter Schimmer in ihren Au­gen. Kein neidisches Gefühl regte sich in der Brust der ärmeren Frau, als sie von dem Reichtum Annas las; Mißgunst blieb Theklas Seele fern. Ste steckte den Brief in ihre Tasche, in der Absicht, thn am Abend th= rem Mann vorzulesen. Ein schwaches Stimmchen rief aus dem Nebenzimmer, die Mutter eilte dorthin.

Auf einem niederen Sofa lag ein Kind, es war mit einem Tuch bedeckt und schien geschlafen zu haben; es bielt die Lider gesenkt, und die lauschende, vorgebeugte Haltung verriet, daß es blind war. Frau Grotenbach Intete neben dem kleinen Mädchen nieder und umfaßte es. Es lag etwas unendlich weiches in ihrer Stimme, als sie fragte:

Sat meine Irma gut geschlafen? Die letzte Nacht war so schlecht!"

Ich habe Dich gestört, Mutting," flüsterte das Kind, dann fügte es leise hinzu: für mich ist es ja einerlei, ob es Tag oder Nacht ist."

Die Mutter fitßt das schwale Gefichtchen und ihre Augen quellen über. Wie gering find alle Sorgen ge­gen diese: als achtjähriges Mädchen hatte Irma ine schwere Gebiryentzündung; als sie genas, waren tre Augen so geschwächt, daß der Hausarzt gleich das schlimmste fürchtete. Sie reisten mit der Kleinen nach Berlin zu einem berühmten Spezialisten, sie nahmen das Geld dazu von dem fleinen Kapital, das sie be­faßen. Der Ausspruch des Arates lautete: Der Seh­nerv ist angegriffen, so daß bald völlige Blindheit er­folgen muß."

Das war die traurigste Stunde in der Grotenbach­schen Ebe.

Mutting, es will heute gar nicht Tag werden," sagte Irma. Die tastenden Händchen des Kindes streckten fich nach der Mutter aus, mit unsicheren Schritten fam

Donnerstag von Stapel gelaufen. In einem Tagesbe fehl des Marineministers aus Anlaß des Stapellaufes heißt es: Der Name dieses ersten russischen Dread­noughts soll erinnern an die Heldenmittige Tapferkett der Russen, sowohl der Marine, wie des Landheeres vor Sebastopol und an das tapfere Aushalten des Banzers gleichen Namens vor Port Arthur. Der Geist, der die russische Marine in schweren Tagen beherrscht hat, bürgt für eine Wiedergeburt der rufftschen See­macht."

Im englischen Oberhanse stehen die Dinge im Ver­faffungskampfe zurzeit auf des Meffers Schnetde. Den Lords, die schon zur Nachgiebigkeit berett erschienen, ist plötzlich wieder der Nacken gestelft worden, und zur zeit ist ihre Opposition gegen die Betobill so scharf wie nur je. Bekanntlich will die Betobill bei Finanzge­setzen die Befugnisse des Oberhauses wesentlich ein­schränken. Sollte das Oberbaus seine angedrohte Op­position tatsächlich durchführen, so wird die Regierung doch noch zu dem Mittel des Peersschub greifen mits­sen. Es ist allerdings nicht beabsichtigt, diesen Peers­schub, falls es nötig werden sollte, auf einmal auszu­führen. Vielmehr dürfte die Regierung ihre Anhän­ger in kleinen Trupps in das Oberhaus bringen. Mög­lich ist es, daß dann die Lords einlenken. Einstweilen scheinen sie immer noch nicht an den Ernst der Re­gierung zu glauben. Sie scheinen sich auch der Hoff­nung hinzugeben, daß durch die Krönungsfeierlichket­ten wieder ein konservativer Zug ins Land gekommen ist, der die Macht der Regierung brechen könnte.

Kleine Nachrichten.

Göln, die zweitgrößte Stadt Breußens. Nach den jetzt beendeten Feststellungen des Statistischen Amtes in Göln zählte die Stadt im Januar 520 700 Einwoh­ner. Dadurch hat sie Breslau an Einwohnerzahl über­flitgelt und ist nun die zweitgrößte Stadt Preußens. Ein deutsch- amerikanisches Wettschießen wurde in Riel abgehalten, an dem je zehn Schitzen vom Nord­deutschen Schützenbund und von dem in Riel liegenden amerikanischen Geschwader teilnahmen. Steger war ein Hamburger mit 283 Ringen bei 10 Schiffen. Insge famt siegten die deutschen Schützen mit mehr als 500 Ringen über die Amerikaner.

Die letzten Unwetterschäden im Kreuznacher Wein­gebiet, die, wie gemeldet, anfangs mit 1% Millionen Mart beziffert wurden, stellen sich jetzt als erheblich hö­ber heraus. Wie das amtliche Abschätzungskomitee festgestellt hat, beläuft sich der Gesamtschaden auf dret Millionen Mart. Ein großer Teil der Weinberge, der Obst, Gemüse- und Feldfrüchte sind fast völlig zerstört worden.

Ein Profefforendnell in Heidelberg. Schon seit län­gerer Zeit bestand unter den Lehrern der Heidelberger Oberrealschule ein peinliches Rivalitätsverhältnis über die Besetzung einzelner Lehrfächer. Die Differenzen haben sich so zugespitzt, daß der noch junge Professor und Leutnant der Reserve Rudolf Strasser den älteren Kollegen Professor Gustav Schmidt und Professor Dr. Ullrich eine Pistolenforderung zugeben Iteß.

Die Streifenden Safenarbeiter in Amfterdam üben eine wahre Schredensberrschaft in dem Stadtviertel, das fie bewohnen. aus. Sie belästigen Frauen und Kinder der Arbeitswilligen, zertrümmern diesensterscheiben der Läden der Lebensmittellieferanten fitr die Dampfer und mißhandeln deren Angestellte. In Liverpool stauen sich die Bost und große Warenmengen, da feine Schiffe ausfahren können.

Nach Unterschlagungen von 29 000 art aeflüchtet ist der Leipziger Ratsexpedient und Schulgeldeinneh­mer Lüpfert. Er hat sich wahrscheinlich nach London be­geben, wohin er seine Braut ersuchte, nachzukommen. Der Rat der Stadt hat auf die Ergreifung des Täters eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt.

Ein neuer Sabotageaft wird aus Frankreich ge­meldet. Gestern nacht haben unbekannte Täter in der Nähe des Bahnhofes Saintes 6000 Schwellen, die der staatlichen Eisenbahnverwaltung gehören, angezündet. Sämtliche Schwellen sind verbrannt. Neben der Brand­stelle wurde eine Flasche gefunden, die Petroleum ent­halten hatte.

Eine folgenschwere Dampffeffelerplosion ereignete fich gestern in einer Fabrit in Nivelles in der spanischen Provinz Brabant. Fünf Arbeiter wurden getötet me mehrere schwer verletzt. Der Schaden ist bedeutend.

Aus den Gerichtssälen.

Eine Dorftragödie vor Gericht. Eine Verhandlung. die einem Roman alich, spielte sich gestern vor der Straffammer in Trier ab. Angeklagt waren Vater, Mutter und die Söhne Jakob und Johann der sehr angesehenen wohlhabenden Bauernfamilie Feid aus

Irma zu ihr und schmiegte sich an sie. Nun sehe ich nichts mehr", hieß es später, aber das tut nichts, die Engel sind bei mir und erzählen mir schöne Geschich ten und einmal werde ich doch wieder alles sehen kön nen, die Bäume und die Blumen und den blauen Himmel."

Und die arme Mutter rang die Hände in stummer Qual.

Warum so Schweres?"

Sie sagte es mit gebrochenem Herzen wie so viele Kreuzträger.

Rufen wir es nicht alle in solchen Stunden? Gott legt uns die Leiden auf, um unseren Glauben zu prit­feni, es dauert lange, bis wir das Haupt beugen und beten lernen, beten mit dem Erlöser:

Herr, dein Wille geschehe!"

Thekla batte es in heißem Ringen gelernt und sie fand Ruhe und Erhebung nach diesem Kampf.

Sie konnte es faum erwarten, ihrem Mann den Brief ihrer Jugendfreundin vorzulesen, aber es fand sich so viel dringende Arbeit, daß es erst am Abend ge­schehen konnte. Große und kleine Arme legten sich um die Mutter und alle ihre Buben und Mädchen brauch­ten sie, so war sie reich durch die Liebe ihrer großen Familie und bedauerte Anna Haideck, die nur ein ein­siges liebliches Kind besaß.

Die fleine Blinde saß neben dem Nähtisch auf th rem Stühlchen, sie erfannte mit ihrem geschärften Ge­hör den Schritt der Geschwister, und wenn ihre Mut ter ins Zimmer trat, zog ein glückliches Lächeln über das blasse Gesichtchen Jrmas. Es heißt, daß ein Un­glück felten allein fommt, aber es gibt auch Tage, wo das Leben das gutzumachen sucht, was es verschuldet, Tage, wo die Freude einkehrt und das Füllhorn des Glückes fiber uns ausschüttet.

( Fortsetzung folat.)