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Gießener Zeifung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

vierteljährlich) 1,50 Dit., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 wt.- Erscheint Mittage 3 Uhr. Die Illustr. Weltrundschau". Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.

Nr. 152.

Telephon: Nr. 362.

an

Neue Vorschriften über den Lebrver­trag. Towie über weibliche Lehrlinge. HK. Von den Beschlüssen der diesjährigen Plenar­versammlung der Hessischen Handwerkskam­mer verdient ganz besondere Beachtung zunächst die neue Vorschrift, daß fünftig alle Lehrverträge im Handwerk dreifach( nicht, wie bisher, nur dop­pelt)) ausgefertigt werden müssen. Das dritte Exemplar ist, ohne hierzu erst eine Aufforderung abzuwarten, mit der Anmeldung an die Handelskammer einzureichen und verbleibt bei deren Akten.( Bisher war der Lehrherr zur Einreichung seiner Lehrverträge nur dann gehalten, wenn die Handwerkskammer ihn ausdrücklich hierzu aufforderte.) Durch diese neue Maßnahme wird eine bessere Kontrolle über den rechtzeitigen Abschluß und die inhaltliche Richtigkeit der Lehrverträge bezweckt. Die zweite wichtige Neuerung betrifft die Einbeziehung der weiblichen Handwerkslehrlinge unter die Vorschriften der Handwerkskammer. Die Reichsgewerbeordnung macht feinen Unterschied im Geschlecht, und deshalb sind sich die weiblichen Handwerker ohne weiteres den glei chen Vorschriften unterworfen, wie die männlichen. Es hat sich aber als notwendig erwiesen, die fraglichen Vor­schriften in vollem Umfange auch auf die weib­lichen Handwerker auszudehnen, insbesondere hinsichtlich der Bestimmungen über die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen( Kleiner Befähigungsnachweis), Festsetzung der Lehrzeit, Anmeldung bei der Handwerkskammer, vor­schriftsmäßigem Lehrvertrag 2c. In den Vorschriften der Handwerkskammer zur Regelung des gewerblichen Lehr­lingswesens ist daher zunächst ausdrücklich bestimmt, daß diese nunmehr auch in allen Fällen auf weibliche Hand­werker Anwendung finden. U. a. ist die Lehrzeit für weibliche Lehrlinge bei Weißnäherinnen, Putzmacherin­nen und Damenfriseusen auf 2 Jahre, für alle übrigen Gewerbe( z. B. Damenschneiderinnen) auf 3 Jahre fest­gesetzt. Es sei ausdrücklich bemerkt, daß die Arbeitgeber weiblicher Lehrlinge gesetzlich verpflichtet sind, diese vorgeschriebene Lehrzeit einzuhalten, nicht aber nach eigenem Gutdünken eine kürzere Lehrzeit zu vereinbaren. Die Lehrherrinnen sind weiter verpflichtet, die Meister­prüfung abzulegen, soweit sie nicht die Befugnis zum Anlernen von Lehrlingen nach Antrag amtlich weiter= verliehen erhalten können. Alle weiblichen Lehrlinge sind binnen 4 Wochen nach Beginn der Lehre bei der Hand­werkskammer anzumelden, zugleich ist ein Exemplar des dreifach auszufertigenden Lehrvertrages einzureichen. Eine Zuwiderhandlung gegen vorstehende Vorschriften unter­liegt nach der Reichsgewerbeordnung gesetzlicher Strafe.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 1. Juli. Die Großherzoglichen Herrschaf= ten sind Donnerstag nachmittag mit Gefolge aus Lon­don in Groß- Gerau eingetroffen und begaben sich im Der Erb= Auto nach Jagdschloß Wolfsgarten. großherzog und Prinz Ludwig sind Frei­tag in Begleitung der Oberhofmeisterin Freiin v. Grancy von Kiel in Wolfsgarten eingetroffen.

* Erledigte Lehrerstellen sind zur Zeit an den Gemeindeschulen zu Schlitz, Kr. Lauterbach, Watzenborn Steinberg, Kreis Gießen und Rebgeshain, Kr. Schotten. Mit der letzten Stelle ist Organisten- und Vorleserdienst verbunden. Dem Jn haber kann eine Ortszulage gewährt werden.

so

Nachrichten für Handel und Indu­strie. Die im Reichsamt des Innern zusammengestell­ten Nachrichten für Handel und Industrie" haben, wird uns vom Großh. Ministerium des Innern ge= schrieben, bei weitem noch nicht die Verbreitung gefun­den, die ihrer Bedeutung für unser Wirtschaftsleben ent­spricht; in manchen Kreisen, denen sie zu dienen bestimmt sind, scheinen sie völlig unbekannt zu sein. Sie sind da­zu bestimmt, aktuelle Mitteilungen über die wirtschaftl. Verhältnisse und über die Zoll- und Handelsgesetzgebung des Auslandes in weitesten Kreisen bekannt zu machen. Der Stoff wird teils den Berichten der Kaiserlichen Kon­suln und Missionen und der Handels- und der landw. Sachverständigen, teils den einschlägigen ausländischen Publikationen entnommen. Besondere Berücksichtigung finden Ausschreibungen und Lieferungen, die neuerdings in einem besonderen Abschnitt Absatzgelegenheiten im Ausland", wo auch sonstige Winke für den Absatz deut­scher Waren auf ausländischen Märkten Aufnahme fin­den, zum Ausdruck gelangen. Für die Nachrichten", die zur Zeit in der Woche etwa dreimal in dem Umfang

des Großherzoglichen Polizei Amfes

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Samstag, den 1. Juli 1911.

von je 8 bis 10 Seiten erscheinen, wird keinerlei Abon­nementspreis erhoben. Jeder Inländer ,, der ein fort­dauerndes Interesse an der Publikation dartut,

sie unmittelbar beziehen. Um den Bezug der Nachrich ten" nach Möglichkeit zu beschleunigen, werden sie neuer­dings im Postzeitungswege zugestellt. Anträge auf Ue­berweisung der Nachrichten" sind jedoch nicht bei den Postämtern zu stellen, sondern an das Reichsamt des Innern, Berlin W. 8, Wilhelmstraße 74, zu richten. Hierbei ist anzugeben, ob die einzelnen Nummern bei der Post abgeholt werden sollen oder ob die Zustellung ins Haus erfolgen soll. Im letzteren Falle ist mitzutei­len, daß das Bestellgeld( etwa 96 Pfg. jährlich) dem Empfänger bei der Postanstalt bezahlt werden wird. Einzelne Nummern können auf Antrag unmittelbar zu= gestellt werden.

von

* Wie wir bereits berichteten, veranstaltet der K a i= serliche Automobilklub für die Zeit vom 5. bis 20. Juli eine Zuverlässigkeitsfahrt für sogenannte Tourenwagen der Prinz Heinrich- Fahrt 1911, durch wel­che auch der Kreis Wetzlar berührt wird. Die Fahrzeuge kommen von Homburg v. d. H., benutzen die Straßen Weilmünster- Einhaus und von Einhaus ab die große Straße nach Weilburg. Bei Kilometerstein 51.3 biegen sie nach Braunfels ab und nehmen hier Aufenthalt. Die ersten Wagen werden gegen 9 Uhr er­wartet.

*

Der Presse Ausschuß des hiesigen Ga= belsberger Stenographenvereins hat aus Anlaß des 32. Stenographentages des Hess.- Nass.­Main Rheingau- Verbandes, verbunden mit der Jubel­feier des 50jährigen Bestehens des Gabelsberger Steno­graphen- Vereins Gießen( E. V.), eine hübsch ausgestat tete Festschrift herausgegeben, die u. a. Beiträge aus der Geschichte des Vereins, ein Mitglie derverzeichnis und das vollständige Programm für die Festtage vom 1.- 3. Juli enthält.

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* Das Wetter im Juli. Für den Sommer 1911 wird allgemein viel Hitze vorausgesagt. Auch der 100jährige Kalender, der allerdings oft im Stiche lassen pflegt, sagt große Hitze für dieses Jahr voraus; sie soll besonders im August eintreten! Doch auch zu Anfang Juli sollen heiße Tage kommen mit täglichen Gewittern, mitunter Schloßen. Vom 13. bis 28. Juli soll es trübe und kühl sein( hier und da Regen), an­haltenden Regen sollen die Tage vom 29. bis 31. Juli bringen. Für die Witterung der Mondviertel ist vorge­merki: Erstes Viertel( 3.) Gewitter. Vollmond( 11.) abwechselnd Regen und Sonnenschein. Letztes Viertel ( 19.) heiter und warm. Neumond( 25.) Gewitter und stürmisch.

* Aus dem Vogelsberg. Auf Anregung des verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms- Laubach setzte im Jahre 1896 im oberen Vogelsberg die Hutwei­denmelioration ein. Es ist dem landwirtschaft­lichen Provinzialverein bisher gelungen, mehr als 1500 Morgen Wüstungen in üppige Wiesen und Weiden um­Die zuwandeln, wobei 28 Gemeinden beteiligt sind. Maßnahmen bestehen darin, daß die Felsblöcke beseitigt und die Erdhügel( Ameisenhausen) geebnet werden. Es wird nach Bedarf bewässert und entwässert, und allen Dingen werden die seit Jahrhunderten ausgesoge­nen Flächen endlich einmal und fortgesetzt gedüngt. Der Geldaufwand betrug 114 000 Mark, wovon die kleinere Hälfte die Gemeinden beisteuerten, die das vorgelegte Kapital zweifellos in wenigen Jahren durch bessere Vieh­haltung, durch Grasverkäufe zurückgewinnen werden.

vor

Julimärkte. 3. Juli Marburg und Dillen­burg, 4. Juli Gießen, 5. Juli Wetter, 13. Juli Mar­burg, 18. Juli Hatzfeld, Gießen und Altenkirchen, 20. Juli Frankenberg und Haiger, 25. Juli Battenberg, 26. Juli Bromskirchen und Wetzlar, 27. Herborn.

*) Gießen, 1. Juli. Brand unfall. Heute Nacht gegen 12% Uhr ertönten die Feuersignale durch die Stadt. Die Wagenremise der Molkerei von Gebr. Grieb, Schanzenstraße, stand in Flammen. Das Feuer fand reiche Nahrung in den großen Heu- und Stroh= vorräten. Wie uns mitgeteilt wird, ist die Entstehungs­ursache noch nicht bekannt; doch dürfte Selbstentzündung ausgeschlossen sein. Das Feuer griff auch auf den Stall über, der geräumt werden mußte. Wagenremise und Stall sind ausgebrannt.

*

Buzzbach, 1. Juli. Am Mittwoch entgleisten beim Rangieren im hiesigen Bahnhof drei Güterwagen, die vorher das Wellblechhäuschen mit der Wage stark angerannt hatten. Ein Rettungswagen aus Gießen war

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

bald zur Stelle, so daß die Betriebsstörung bald beho­ben werden konnte.

* Bad Nauheim, 1. Juli. Expräsident Pro­firio Diaz ist mit Familie zu längerem Kuraufenthalt hier eingetroffen und hat im Park- Hotel Wohnung ge­

nommen.

*) Schotten, 30. Juni. Die Bürgermeisterei er­ließ einigemal eine Bekanntmachung, daß infolge der trockenen Jahreszeit das Wasser der Schottener Leitung knapp würde, man solle das Spritzen der Gärten un­terlassen und mit dem Wasser sparsam umgehen. Dazu äußert sich ein Einwohner folgendermaßen: Wir ſitzen hier im Vogelsberg im Wasser. Vor einigen Jahren wurde die Zuleitung zum Hochbehälter, welche schlecht war, hergestellt und ein zweiter Hochbehälter gebaut. Damals schien die Wassermenge ausreichend. Wie ist es aber zu verstehen, daß das Wasser jetzt wieder knapp ist, wo von einer großen Trockenheit nicht die Rede sein tann und was soll werden, wenn wirklich große Tro­denheit eintreten sollte? Große Gemeinwesen suchen sich auf jede Weise mit Wasser selbst für die weite Zukunft zu versehen, darum entnehmen sie unserem Vogelsberg sehr große Wassermengen( Queckborn für Gießen, Lauter für Bad- Nauheim 2c.) und viele Gemeinden um und im Vogelsberg haben in letzter Zeit Wasserleitung angelegt. Es ist aber wenigstens für den Laienverstand außer Zweifel, daß bei solch verstärkten Abnahmen aus einem Reservoier, wie es der Vogelsberg ist, sich der Wasserstand dieses Behälters senten muß und daß die Quellen, die auf der Höhe des Gebirges und im Be­reiche der verstärkten Abnahme liegen, zu versagen dro­hen. So scheint es mit den Schottener Quellen zu sein, die auf der Feldkrücker Höhe sich befinden und deren na­türlicher Druck wohl in Verbindung mit dem Horlofftal bezw. dem Inheidener Gebiet gebracht werden Sollte sich das bestätigen, dann kann nach Inbetrieb setzung des Inheidener Werks die Stadt Schotten viel­leicht trocken gesetzt werden. Dann hat der Staat bezw. die Provinz unser Wasser verkauft, wofür wir uns neu­lich das elektrische Licht, das mit aus den Ueberschüssen des Wasserverkauss beschafft werden soll, abgekauft haben. Unsere Stadt aber, die sich stets vergrößert, hat die Ver­pflichtung, ausreichend für Wasser zu sorgen und viel­leicht macht sie keinen Fehler, wenn sie auf eine andere Seite des Gebirges geht, um Wasser zu holen, etwa aus der Gemarkung Breungeshain. Denn auch in Michel= bach besteht ein Wassermangel und mit dieser Gemeinde fönnte ein gemeinsamer Bezug von den Ueberschüssen in Breungeshain wohl erfolgen, mit dem gleichen natür­lichen Druck, wie von der Feldkrücker Höhe, aber vor= aussichtlich mit größerer Konstanz.

fann.

Büdingen, 1. Juli. Die für die Umpflaste­rung der Straßen der Stadt ausgeschriebenen Arbeiten und Steinlieferungen hatten Angebote von 80 000 Mt. bis 145 000 Mt. ergeben. Den Zuschlag erhielt als Mindestfordernde die Firma Zipp in Gelnhausen. Auf eine Eingabe der Bewohner einer neu angelegten Straße um Ausdehnung der durch die Ortsschelle erfol­genden Verkündigungen auf diese Straße beschloß der Gemeinderat, das Ausschellen demnächst ganz einzu­stellen. Tierarzt Docter hier wurde zum Fürst­lich senburg- Büdingischen Hof- Tierarzt anläß­lich seiner 20jährigen Praxis am hiesigen Ort ernannt. r Herborn, 1. Juli. Morgen nachmittag findet im siskalischen Walde bei der Baumschule am Kreuz weg ein christlich- soziales Sommerfest statt, bei dem die Reichstagsabgeordneten Franz Behrens und Dr. Burckhardt, sowie Parteisekretär Albertsmeier Vorträge halten werden. Abends 8 Uhr ist Nachver­sammlung in Dillenburg in der Alten Post".

Herborn, 30. Juni. Da infolge der Maul­und Klauenseuche keine Viehmärkte hier und in der Um­gegend abgehalten werden dürfen und die Metzger ihren Bedarf an Fettvieh hier nicht decken können, haben sie sich dänisches Vieh schicken lassen. Da das Vieh aber lebend nur bis Siegen transportiert werden darf, lassen sie das Vieh dort abschlachten.

-m- Limburg, 1. Juli. Der nass. Bauern­verein nahm in seiner Generalversammlung eine Re­solution an, daß der Landwirtschaft der bisherige Zoll­schutz erhalten bleibe und dieser gleichmäßig auf alle land­wirtschaftlichen Erzeugnisse ausgedehnt wird.

Münchhausen, 1. Juli. Hier findet morgen Sonntag, nachm. 2 Uhr, eine Soldaten- Missi ons Versammlung unter freiem Himmel statt. Als Redner ist der durch die Herausgabe der Zeug­nisse eines alten Soldaten an seine Kameraden" in wei­ten Kreisen bekannte Generalleutnant 3. D. Se. Exz. Herr von Viebahn gewonnen.