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Deutscher Reichstag.

Die dritte Lesung der Reichsversicherungsordnung, die am Dienstag beim dritten Buch Unfallversicherung" forts geführt wurde, nimmt einen wenig befriedigenden Verlauf, der trotz des frühen Stzungsbeginns die Einhaltung der Bisherigen Geschäftsdispositionen kaum zulassen wird.

eine besonders reiche Entenzucht betrieben hat, meldet, daß der Reichskanzler von Bethmann Hollweg zum Grafen er­nannt werden solle wegen seiner Verdienste für die el­saẞ- lothringische Verfassungsreform. Ausnahmsweise dürf­te die Meldung dieser Korrespondenz diesmal vielleicht zu­treffen. Wenigstens erzählt man sich in Regierungsfrei­sen, daß der Gedanke aufgetaucht sei, dem Kanzler den Titel eines Grafen zu verleihen. Unzutreffend dagegen soll das Gerücht sein, daß Staatssekretär Delbrück bei die­ser Gelegenheit in den Adelsstand erhoben werden wird. Er dürfte jedoch eine hohe Auszeichnung erfahren.

Hinsichtlich des Kreises der Unfallversicherungspflichtt­gen wurde ein nationalliberaler Antrag gegen die Stim­men der Sozialdemokraten angenommen, eine besondere Be­rufsgenossenschaft für die Kleinhändler zu bilden. Ebenso fand gegen den Widerspruch des Staatssekretärs ein Antrag Bassermann Annahme, daß die staatlichen Schiffahrtsbetriebe den gebildeten Berufsgenossenschaften angehören müssen. Mit 203 gegen 97 Stimmen wurde so= dann eine andere Fassung des§ 896 einem Kompromißan­trage entsprechend beschlossen, der hinsichtlich der zivilrecht­Itchen Haftung des Unternehmers die in zwetter Lesung ab­geänderte Kommissionsfassung wiederherstellt. Namentlich abgestimmt wurde auch über den Antrag Dörtsen( Rp.), dte Beiträge zu der Unfallversicherung nicht nach dem Grund­Steuerreinertrag, sondern nach der Zahl der beschäftigten Arbeiter zu bemessen. Der Antrag stel, nachdem sich Mint­sterialdirektor Caspar, Geheimrat Boden, namentlich mit Rücksicht auf die württembergischen Verhältnisse, der Abg. Dr. Heim mit Rücksicht auf die in Bayern dagegen ausge­sprochen hatten, mit 170 gegen 126 Stimmen bei 3 Enthal­tungen. Beim vierten Buche Hinterbliebenen- und Inva­Iidenversicherung" wurde ein Versuch gemacht, auch für die Invalidenversicherung die Einkommensgrenze auf 2500 M zu erhöhen, und bedauert, daß für die Heimarbeiter nicht mehr erreicht sei. Der Staatssekretär legte dar, daß die Heraufsetzung der Einkommensgrenze bei der Krankenver­ficherung kein Anlaß sei, bei der Invalidenversicherung ebenso vorzugehen. Im übrigen verwies er auf das in der Herbstsession zu verabschiedende Heimarbeitergesetz. Die Herabsetzung der Altersgrenze vom 70. auf das 65. Jahr wurde auch jetzt wieder von Sozialdemokraten und Fortschritt beantragt; lezterer hatte einen Eventualantrag gestellt, sie für das Jahr 1917 in Aussicht zu nehmen. Staatssekretär Dr. Delbrück wiederholte in Anwesenheit des Reichskanzlers mit Nachdruck die unbedingte Unan­nehmbarkeit dieser Anträge, auch des letzteren wegen Man­gels an Deckungsmitteln. Dementsprechend wurden die An­träge in namentlichen Abstimmungen mit erheblichen Ma­joritäten abgelehnt.

Schließlich wurde die Reichsversicherungsord nung in namentlicher Abstimmung mit 232 gegen 58 Stim­men bei 15 Enthaltungen endgültig angenommen. Gegen das Gesetz stimmten die Sozialdemokraten, sowie ein Teil der fortschrittlichen Volkspartei, die Polen enthielten sich der Abstimmung. Dann ging man zum Einführungsgesetz über.

Kaiser Franz Josephs Befinden.

Deutschlands Haltung in der Schiedsgerichtsfrage wird von der amerikanischen Regierung mit der größten Ge­nugtuung begrüßt. Die Washingtoner Beamtenkreise glau­ben, da vier Großmächte an den Unterhandlungen über den internationalen Frieden teilnehmen, sei eine bedeu­tende diplomatische Errungenschaft in Sicht.

Die Ferien des Bundesrats. Wie der Inf." mitge= teilt wird, dürften sich die geschäftlichen Erledigungen des Bundesrats noch eine Zeitlang hinziehen. Die Ferien können daher erst Ende Juni beginnen. Als Zusammen­tritt der gesetzgebenden Körperschaft nach den Ferien ist ein Termin in Aussicht genommen, der einige Zeit vor Beginn der Beratungen des Reichstages in der Herbstta­gung liegt. Voraussichtlich wird der Bundesrat Ende September seine Arbeiten nach den Ferien wieder auf­nehmen.

Das in Wien erscheinende Slawische Tagblatt", das zur tschechischen Feudalaristokratie, der auch die Herzogin von Hohenberg, die Gemahlin des Erzherzog- Thronfolgers, angehört, sehr gute Beziehungen unterhält, bringt allerlei Mitteilungen über den Gesundheitszustand des Kaisers, die erheblich von den bisher beliebten offiziösen Darstellungen abweichen. Es heißt dort u. a.: Nach unseren verläßlichen Informationen erscheint die Krankheit des Kaisers trotz der seit zwei Tagen erkennbaren scheinbaren Besserung als sehr ernst. Der Monarch wird gezwungen sein, sich auf drin­genden ärztlichen Rat von allen Regierungsgeschäften fern zu halten."

Die Viehseuchengesetzkommission des Abgeordneten­hauses hat den Gesezentwurf gestern in zweiter Lesung angenommen. Zu§ 1 wurde ein von Vertretern verschie­dener Parteien gestellter Antrag angenommen, wonach den besonderen Seuchenkommissaren, denen die Leitung und Ueberwachung der Bekämpfungsmaßregeln für das ganze Staatsgebiet oder einzelne seiner Teile übertragen werden tann, polizeiliche Befugnisse nicht übertragen werden dür­fen, es sei denn, daß der Auftrag einer nach dem Gesetz zuständigen Verwaltungsbehörde für Gebiete erteilt wird, die ihrem Verwaltungsbezirk benachbart sind oder in dessen Nähe liegen.

274 Chinesen in Torreon bestätigt sich. Der Anschlag, den Zug Maderos in die Luft zu sprengen, der von Mitglie dern der Organisation der sogenannten Wissenschaftler" angezettelt worden war, ist vereitelt worden. In Cho­lula ist ein Aufruhr ausgebrochen, wobei 40 Personen ge­tötet wurden. Mehrere Kaufläden, Regierungsgebäude und Privathäuser wurden geplündert. Der Pöbel hat die Herrschaft an sich gerissen. Es besteht Gefahr, daß die ganze Stadt Cholula zerstört wird, da die Aufrührer über­all Feuer angelegt haben.

Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses hat in ihrer gestrigen Situng ausschließlich Petitionen erledigt. Ueber eine Petition der Strommeister um Einreihung in die Klasse der mittleren Beamten und Vermehrung der etatsmäßigen Stellen ging die Kommission zur Tagesord­nung über. Eine Petition um etatsmäßige Anstellung der Gestütwärter mit Pensionsberechtigung wurde zur Erwä­gung, Petitionen um Uebernahme der Privatbeamten der Landratsämter in den Staatsdienst und um Gleichstellung der Meldeamts- Bureauassistenten mit den Polizei- Bureau­assistenten wurden als Material überwiesen.

Die klerikale Reichspost", die gleichfalls gute Bezie= hungen zum Hefe des Erzherzog- Thronfolgers unterhält, bringt eine Meldung, die diese Ausführung des Slawischen Tagblatt" in gewissem Sinne bestätigt. Es heißt darin, daß der Kaiser infolge seines hohen Alters nicht mehr voll fähig set, die Regierungsgeschäfte zu versehen. Man ha­be den Kaiser vor kurzem vor Uebermüdung bei den Akten am Schreibtische eingeschlafen gefunden. Darauf hat die Um­gebung beschlossen, ihn am folgenden Tage erst um 8 Uhr morgens, statt wie gewöhnlich um 4 Uhr, zu wecken. Der Kaiser hat denn auch wirklich bis 8 Uhr geschlafen, ist aber sehr ungehalten gewesen, daß man ihn die Zeit hatte ver­schlafen lassen. Der Kaiser wird fortan nur die staatsrecht­lich unumgänglich formaler Afte vollziehen. Damit sind auch die Abdankungsgerüchte in Verbindung zu bringen, die in den letzten Tagen in ganz ernsten Kreisen aufgetaucht sind." U. a. erzählt man sich in Wien, der Kai­ser habe in Gödöllö einen Schlaganfall erlitten und fet eine Zeitlang ohnmächtig gewesen, hätte auch die Sprache verloren gehabt. Er sei zurzeit überhaupt nicht transport­fähig, weshalb die Ueberführung aus Ungarn nach Dester= reich immer wieder hinausgeschoben worden set. Jeden­falls scheint so viel festzustehen, daß die offiziösen Dar­stellungen stark geschminkt sind, und daß in Wahrheit es sich um eine sehr ernst zu nehmende Krise handelt.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Kleine Nachrichten.

Das Befinden coon Preußen hat& us fhmerzvolle N haben die Schmerze heinungen find n am wird das Kran perben; auch wird ngere 3elt der Gd Fallenten liegt aud fabsarztes Dr. Wi rlieder ihren Sohn. Cine erfchlitter pielt. Der 63 Ja ba hat gestern na Ernanin vergiftet. afgefordert, ihr ein ba geftand feiner Se und auch ich ve

Der Kronprinz bei der Breslaner Universitätsfeier. Wie der Kultusminister dem Rektor der Breslauer Universität anzeigte, hat der Kaiser den Kronprinzen mit seiner Ver­tretung bei der Jahrhundertfeier der Breslauer Universi­tät betraut, die am 1. bis 3. August stattfindet.

Der frühere preußische Kultusminister v. Zedlig wollte gestern in Berlin einem Straßenbahnwagen ausweichen. Er wurde umgestoßen und kam unter den Vorderperron vor den Schuhrahmen zu liegen. Hinzueilende Personen richteten ihn wieder auf. Er fuhr nach der Unfallstation, wo eine leichte Quetschung der Hand festgestellt wurde.

Der König von England und die Arbeiterführer. König Georg hat dem parlamentarischen Komitee dre Ar­beiterpartei mitteilen lassen, daß er die Anwesenheit zweier Mitglieder der Arbeiterorganisationen bei der Krö­nung in der Westminsterabtei wünsche. Es ist dies das erste Mal, daß eine derartige Einladung an die als Trade­Unions bekannten Arbeiterorganisationen ergeht.

Eine Erhebung des Reichstanzlers in den Grafen­stand? Eine Preßkorrespondenz, die in der letzten Zeit

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3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von LtItencron.

Jubelfahrt van Deutsch- Amerikanern nach Deutschland. Anläßlich des 100. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leip­zig, an welchem die Enthüllung des großen Nationaldenk mals erfolgen wird, ist für das Jahr 1913 von den Deut­schen Amerikas eine große Jubelfahrt nach Deutschland vor­bereitet.

Der Brush Portugals mit dem Vatikan. Die Regierung hat die Behörden angewiesen, die Verlesung und Veröf­fentlichung der päpstlichen Enzyklika, die sich gegen die Trennung der Kirche vom Staate wendet, mit allen Mit­teln zu verhindern. Die Zeitungen, die die Enzyklika wiedergeben, werden konfisziert. Die Regierung beschloß ferner die Aufhebung der Botschaft beim Vatikan, deren Letzter Beamter Rom in den nächsten Tagen verlassen wird.

( Nachdruck verboten.) Alles Blut war ihr zu Kopfe gestiegen, sie betrachtete den Brief hin und her und entdeckte, daß das Kuvert an der einen Seite nicht fest schloß, man konnte, ohne das blaue Siegel mit dem Herzen darauf zu verlegen, das Ku vert an der Seite öffnen und den Brief herausziehen.

Zu den großen Pelzdiebstählen in einem Berliner Ges schäft wird gemeldet, daß jezt auch die beiden letzten Mit­glieder der siebenundzwanzigköpfigen Bande festgenommen worden sind, und zwar in Leipzig.

Die Witwe des Bauernkönigs als Wahlrednerin. Bet einer in Befososaka in Ungarn abgehaltenen Wählerver­sammlung trat auch die Witwe des erschossenen Bauern= führers Achim in Trauerkleidung als Rednerin auf. Sie hielt ein Stück des blutgetränkten Hemdes ihres Mannes hoch und forderte die Wähler auf, für den gewesenen Mini­ster Christoffi zu stimmen, denn so habe thr verstorbener Mann es gewollt. Die Frau wurde von den Bauern in thre Wohnuna getragen.

Die Franzosen in Marokko. Ueber die Marokkopolitik der Regierung herrscht noch immer Unklarheit. Soviel steht fest, daß, falls die Franzosen Fez räumen, unter dem Vorwande einer besonderen Leibgarde für den Sultan eine stärkere französische Besatzung zurückbleibt. Hier wird er­wartet, daß die Algecirasmächte bei der Erneuerung des Vertrags am Schlusse des Jahres Frankreich größere Voll­machten als bisher einräumen werden. In Tanger läuft das Gerücht um, daß zwischen dem französischen Minister des Aeußern und dem marokkanischen Ministerium ein Geheimvertrag abgeschlossen worden sei, dessen Be­stimmungen das französische Protektorat über Marokko auf­richten würden.

Einen Augenblick zögerte sie, aber das brennende Verlangen, zu wissen, ob dies wirklich ein Brief der Rose­marie sei, siegte über ihr Bedenken. Ehe sie noch recht wußte, was sie tat, war das Schreiben in ihrer Hand, und fte las:

Lieber Hans!

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machen. Mit de tri nenden Auges, fi nahm der Mann ef bradte dann der To ftigte auf die Straß te: ftellte er fich der umgebracht habe un men auch Vergiftun brachte man ihn i fuhungsgefängnisfes Unter dem Vert haben, steht der 22jä rers des Schwel wi Monaten starb lich unter Vergiftun tage folgte der Vat tjeit etwa drei S and Erbrechen gelit paltschaft wurde die abnt und am näch bollen fich, laut der, ten von Vergiftung id feit gestern in S egen ihn vorliegt. Lelge der Mutter ste Neue bayerische aht fich zum 25. Brinzregenten Luitp indiefes Ereignis altung zwei besonde musgegeben werden. nitten eines von zw rierten Kranzes d

Erdbeben im Rheinland. Gestern abend wurden in Aachen mehrere heftige Erdstöße verspürt, durch die die Gegenstände in den Wohnungen ins Schwanken gerieten. In einer nahegelegenen Waldschänke fielen die Gegenstände von den Wänden.

Ueber das Unwetter in Baden wird noch gemeldet: Auf weite Strecken ist die Ernte vollständig vernichtet. Die in Grünsfeld ertrunkenen Personen famen beim Einsturz ih= rer Häuser um, die von den rasend dahinströmenden Wasser­massen weggeschwemmt wurden. In Paimar sind auch 200 Stück Vieh den Fluten zum Opfer gefallen. In Gamburg. wurden eine Brücke und 200 Bäume weggerissen.

Der türkisch- russische Zwischenfall beigelegt. Die Köl­nische Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Der türkisch­russische Zwischenfall ist Die Beziehungen zwi fujen ver Lüftet und haben sich soweit ge= bessert, daß ein Besuch des Königs in Aussicht genommen ist. Das Nähere darüber wird nach der Rückkehr des Sul­tans bestimmt werden.

Ich habe großes Verlangen, Dich zu sehen und mit Dir zu sprechen. Es ist so viel zu bereden, das Herz ist mir schwer, bis ich mich mit Dir ausgesprochen habe. Wenn Du da warst, wie vorige Woch, dann ist mir alle­mal leichter, denn Du kannst mich so schön trösten. Ich hatte Dich gebeten, Montag oder Dienstag zu mir zu fommen, und Du meintest, es könnte auch beide Tage sein, Du hättest dafür immer Zelt. Nun bitt ich Dich Schön, komm am Dienstag, dieweil ich Montag mit mei­ner Herrschaft weg muß.

Es grüßt Dich

Verseuchtes Brunnenwasser. In Groß- Soltfeld im Kreise Flensburg sind sämtliche 8 Mitglieder der Familie eines Landmanns infolge Verseuchung des Brunnens er­frankt. Zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren sind gestorben.

Neue Unruhen in Merito. Die Hauptstadt ist ruhig, dagegen besteht in St. Louis, Potosi und Pueblo die Ge­fahr einer Herrschaft des Pöbels. Die Abschlachtung von

Deine dankbare Rosemarie. Langsam, als müßte sie jedes Wort studieren, hatte Kathi den Brief gelesen. Nun sah sie auf, und dabei fiel ihr Blick in den kleinen Spiegel, der ihr gegenüber an der Wand hing. War sie das denn selbst, dies kreideweiße Ge­ficht mit den tiefumschatteten Augen und der Falte auf der Stirn?

Die Folgen anonymer Briefe. Die Frau des Fabrt­fanten Tröster in Gera machte ihrem Leben durch Erhängen ein Ende, nachdem sie in letzter Zeit fortwährend durch anonyme Brief bedroht worden war.

Mechanisch faltete sie das Schreiben und steckte es sorgfältig wieder in das Kuvert. Man fonnte nicht ent­decken, daß der Inhalt des Briefes untersucht worden war.

Ja, nun is allens vorbi! Allens!" murmelte ste. Nu wet ich ju, warum er dies' Tag ntt zu mi fumme kunnt, er mußt bi sin Schatz sin!"

Vom Blizz erschlagen. Hagelwetter gingen am Montag im ganzen Kreise Lebus in Brandenburg nieder. Die Ern­te ist vernichtet. Der Gutsschäfer von Mirbenfelde wurde mit 10 Schafen vom Blizz erschlagen. Auf der Domäne Le­bus verbrannte ein Viehstall mit 300 Schafen.

Da klopfte es ans Fenster. Es war der Briefbote, der in seiner Tasche den Brief vermißt und gleich gedacht hatte, daß er wohl in das Blatt hineingerutscht wäre.

Kathi gab ihm das verhängnisvolle Schreiben. Bring ihn man glir dem Ruland, fagre ste, der wird sine helle Früd daran habe, wennst er a Brief kriege dut."

Selbstmord einer Krankenschwester. Eine 25 Jahre alte Krankenschwester, die in der Privatklinik eines Charlotten­burger Professors beschäftigt war, wurde in der Wohnung ihres Bräutigams, eines Malers, leblos aufgefunden. Sie hatte sich mit 3yankali vergiftet. Der Beweggrund zur Tat ist Liebesgram.

Sie zwang sich dabei zu einem Lächeln, aber das sah so bitter, so wunderlich aus, daß der Briefbote meinte: ,, Sie seien aberst hüt mal furios, Kathi, das kummt wohl von die Stadtluft!"

Schrecklicher Selbstmord. In einem Hotel in Prag set­te gestern früh der aus Budapest zugereiste Kaufmann Freid­rich Deutsch sich auf das Fensterbrett eines offenen Fen­sters im zweiten Stockwerk und schoß sich in dieser Lage eine Kugel in den Kopf. Die Leiche stürzte auf das Straßen­pflaster, wo sie von der Polizet aufgefunden wurde.

Aus den Gerichtssälen.

Wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Ge= setze verhandelle gestern eine Berliner Straffammer gegen den Redakteur der Zeitschrift Tribüne", Lauterbach. Lau= terbach kritisierte in einem Ariifel ein Urteil des Dresdner Kriegs gerichts, durch das zwei Interoffiziere, die einen Re­fruten im Winter bei großer Kälte mit eisigem: Wasser ge­reinigt hatten, zu drei Wochen Arrest verurteilt worden waren. Der Artikel besagte ungefähr, daß die Albanesen zu bewundern seien, die eine unberechtigte Berührung des Körpers sofort mit dem Tode rächen, während die Deutschen sich dazu hergäben, ihre Kameraden auf höheren Befehl zu mißhandeln. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis, der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 400 M Geldstrafe.

Ohne ein Wort zu sagen, wandte sie sich ins Zimmer zurück. Den Kopf auf beide Arme gestützt, blieb sie re­gungslos sigen, bis das Schnurren der Kaze, die den Kopf an ihrem Knie rieb, sie aus ihrer Versunkenheit weckte. Langsam strich sie die krausen Löckchen aus der Stirn und stand auf. Wie im Traume ging sie dann zum Herd und besorgte die Mahlzeit. Am Nachmittage fuhr sie nach Friedenau, das Herz voll Trotz und Bitterkeit und dabei voll tiefen Wehs.

VI.

Sie wurde mit wahrem Jubel von den Verwandten empfangen, das Käthchen vom Dorf, aber auch die Gäste begrüßten sie lebhaft und erklärten ihr, daß sie sie diese drei Lage schmerzlich vermißt hätten.

Und keiner hat Dich mehr entbehrt als ich, Cousin­chen," raunte ihr dabei der Vetter zu und sah sie mit ein paar Augen an, so heiß und verlangend, daß sie rot wurde, und das um so mehr, als er noch hinzufügte: Ich muß Dich so fest binden und halten, daß Du nimmermehr von mir loskommen kannst!"

Am anderen Morgen erfuhr sie, daß der Patenonkel frank sei. Vetter Julius, der auf Kathis Bitte dem alten Herrn nach ihrer Abreise noch sein Sammetmühchen hatte bringen müssen, das sie ihm wieder zurecht gemacht hatte, war gerade gekommen, als der Alte, von einem Schlagan fall betroffen, bewußtlos im Stuhle vor seinem Schreib tische- zusammengefunden war. Jezt hatte er sich schon et­was erholt, aber bedenklich blieb sein Zustand noch immer. Kathi war gleich bei ihm gewesen, und ihr liebes, betu­liches Wesen, das sie mit dem Alten hatte, tat dem Paten­onkel sichtlich wohl.

Was war das nur? Solche Sprache hate er ja nie geführt? Es wurde ihr schwül dabei zu Mute und doch tat dies Verziehen und Hätscheln ihrem wunden Herzen heute mehr wohl denn je.

Zu ihrer Verwunderung und Freude hatten die Ver­wandten gar nichts dagegen, wenn sie vormittags und nach­mittags ein Stündchen beim Onkel Leberecht zubrachte. In den ersten Wochen ihres Dortseins war es weder der Tante noch dem Vetter recht gewesen, wenn sie zu dem Alten hinüberschlüpfte, jetzt aber forderten sie sie immer von neuem zu den Besuchen auf, und die Tante gab ihr dabei auch manchen Leckerbissen für den Kranken mit.

Woher diese plötzliche Umwandlung fam, begriff Kathi nicht, sie grübelte auch nicht weiter darüber, sondern freute sich nur an der Tatsache.

Der Onkel war freilich sehr verwundert gewesen, als sie bei ihm eintrat, und hatte mit leisem Kopfschütteln ihre Mitteilung aufgenommen, daß sie jetzt auf ein Jahr hier­bleibe. Aber er freute sich doch. ihr liebes Gesicht wieder­zusehen, und vor allem daran, daß sie jetzt so oft zu ihm fam und ihn so herzig", wie er meinte, zu pflegen ver­stand. An einer zwischen den Schwestern abgemachten Sache war ja auch nichts mehr zu ändern, um so weniger, da es mit Kathis Wünschen übereinstimmte. So begnügte er sich damit, dem lieben Mädchen recht eindringlich zu wiederholen: Bleib brav, Kind, und behalte Deinen Herrgott allezeit im Herzen."

Dem Mädchen waren diese Stunden bei dem Onkel Leberecht lieber noch, als sie sich dessen richtig bewußt ge wesen. ( Fortsetzung folgt.)

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