Ausgabe 
1.4.1911 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

Am Donnerstag wurde zunächst das Gesetz zu einer sweiten, durch die Militärvorlage notwendig gewordene Er­gänzung des Besoldungsgesetzes ohne Debatte in dritter Refung definitiv angenommen. Das folgte der Etat des Reichskanzlers und der Reichsfanzl. Der Bundesratstisch, Haus und Tribünen waren stark besetzt. Der Reichskanzler teß den Rednern der Parteien des Hauses den Vortritt. Als erster sprach in Vertretung des schwererkrankten Abg. Frhr. v. Hertling für das Zentrum Abg. Spahn. Er ge­dachte der guten Beziehungen zu allen Auslandsstaaten, Insbesondere zu Desterreich, die durch den Besuch des Kat­fers, und zu Italien, die aufs neue aus Anlaß des Ju­biläums ihre Bekräftigung gefunden haben, und ferner des günstigen Abschlusses hinsichtlich der Bagdadbahn. Im glet­chen Sinne äußerte sich darauf namens der Konservativen Graf Kaniz; er wünschte vor allem auch etne Aufrechterhal= tung der Algecirasatte und eine Einwirkung auf die fran­zösische Regierung dahin, daß Deutsche in die Fremdenle­gion nicht mehr eingestellt werden sollen. Er zog sodann ben sich durch den neuabzuschließenden Zollvertrag vorbe­reitenden Anschluß Kanadas an die Vereinigten Staaten in ben Kreis seiner Erörterungen. Für die Sozialdemokraten prach Abg. Scheidemann, vor allem zugunsten einer allge­meinen Abrüstung. Nach ihm hielt Abg. Bassermann( ntl.) eine lange Rede über unsere auswärtigen Beziehungen, die fich in letzter Zeit erfreulich gebessert hätten. Auch er unter­trich wie Graf Kanit unser Interesse an der Integrität Marokkos. Der zweite Teil seiner Ausführungen war der Inneren Politik gewidmet. Bassermann sprach von der anti­sozialen und antinationalen Reichsfinanzreform und ver wahrte fich gegen den Vorwurf der Landwirtschafts- und Mittelstandsfeindlichkeit. Die polttische Lage sei eine Folge des Haffes der Rechten gegen den Liberalismus, der sich aber dadurch in seinen Zielen nicht anfechten lasse. Abg. Wiemer( fortschr. Vp.), der nun folgte, sah eine große Ge fahr darin, daß das Gleichgewicht zwischen Industrie und Landwirtschaft sich immer mehr zuungunsten der Industrie verschiebt und rief den Hansabund auf den Plan. Dann ging er auf die äußere Politik ein und meinte, für eine Verbindung der cussischen konstitutionellen Verhältnisse mit den unsrigen müsse man sich bestens bedanken. Er­freulich seien die Aeußerungen des englischen Staatssekre tärs zur Abrüstungsfrage; an dem Reichskanzler set es Jetzt zu handeln. Die Uhr zeigte schon auf, als

Reichskanzler v. Bethmann Hollweg

fich erhob. Der Kanzler äußerte sich in ruhigen, aber scharf akzentuierten Darlegungen zu dem viel erörterten Problem der Abrüstung, von der Rechten bis in die Kreise der Na­tionalliberalen mit Zustimmung begleitet, während sich auf der Linken des öfteren temperamentvoller Widerspruch gel­tend machte. Der sozialdemokratische Antrag, so führte der Kanzler aus, verlangt, ich solle Schritte tun, um eine in­ternationale Verbindung über eine allgemeine Einschrän­fung der Rüstungen einzuführen, diskutable Vorschläge sind für eine solche Abrüstung noch niemals gemacht wor­ben. Die Zeit, wo in Europa die Kriege durch die Ka­binette gemacht wurden, sind vorüber. Ich wäre der erste, der es dankbar begrüßen würde, wenn es der internationa= len Arbeit gelänge, praktische Maßregeln zu schaffen. Alle bie Friedensbeteuerungen haben wenig Zweck, deren sind wir in der 40jährigen Friedenspolitik überhoben, welche beweist, daß wir keine Händel suchen. Jeder Versuch einer allgemeinen internationalen Abrüstung mußte immer wie= der an der Frage der Kontrolle scheitern, diese ist absolut undurchführbar und der Versuch der Kontrolle würde zu andauernder Erregung und Mißgriffen führen. Die Idee, mit England über die Flottenrüstung ins Benehmen zu treten ist uns sympathisch, denn unser Flottenprogramm Itegt vor aller Welt offen dar. In unserer Heeresmacht müssen wir so stark sein, daß wir allen Eventualitäten ge= wachsen sind. Wir Deutschen in unserer disponierten Lage find vor allem darauf angewiesen, der rauhen Wirklich­feit unerschrocken ins Gesicht zu sehen, nur dann werden uns Frieden und unsere Existenz gewahrt.( Lebhafter Bei­fall).

Nachdem noch Staatssekretär Kiderlen- Wächter einige unbedeutende Einzelheiten zur Sprache gebracht und der Redner der Polen über angebliche Verlegung des Postge­heimnisses geklagt hatte, vertagte das Hans die Weiterbe­ratung auf Freitag.

Die internationale Friedensidee.

Die Rede, die der Reichskanzler am Donnerstag bet der Etatsberatung seines Refforts im Reichstage über die internationalen Schiedsgerichte und die Möglichkeit einer allgemeinen Abrüstung gehalten hat, wird kaum dazu an= getan sein, die Begeisterung der überzeugten Pazifisten al­ler Länder zu erwecken. Darauf weist schon das vernehm Niche Zischen hin, das sich nach den letzten Worten des Reichskanzlers auf der linken Sette des Hauses erhob, und das selbst der Beifall, der dem Redner von anderer Sette im Hause gespendet wurde, nicht übertönen konnte. Wer aber in den Theorien der Friedensfreunde nur Träume sieht, deren Verwirklichung unmöglich erscheint, solange die Menschen Menschen bleiben und die Staaten nichts anderes als eine Gemeinschaft von Menschen, der wird dem Inhalt

4)

Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümde.

Nachdruck verboten.

Ganz gewiß hatte der nichts dagegen, denn blizschnell ist er aufgesprungen, um als galanter Kavalier der jun­gen Dame behilflich zu sein. Und nun sieht er ihr Gesicht.

der Rede des Reichskanzlers seine Anerkennung nicht ver­fagen können. Denn die Worte, die Herr v. Bethmann Hollweg gesprochen, sind nur allzu geeignet gewesen, die wünschenswerte Klarheit über die Abrüstungsfrage und die internationalen Schiedsgerichte zu schaffen, soweit diese von Politikern aller Parteirichtungen noch nicht selbständig durch eigenes Nachdenken erworben ist. Aus den Worten des Reichskanzlers ist klar und deutlich eine Absage der deutschen Regierung hervorgegangen an alle Gerichte, die Deutschland für die Durchführung einer internationalen Abrüstung und für die Ausdehnung interstaatlicher Schieds­verträge ohne jede Klausel zu gewinnen hofften. Man fann im Voraus annehmen, daß die deutschfeindliche Presse, sofern sie in England und Frankreich besteht und die Bahl folcher Blätter ist nicht gering mit unverhohlenem Triumphe auf die deutsche Regierung hinweisen wird, als der einzig Schuldigen, die die Begründung eines ewigen Friedens auf Erden verhindere. Es läßt sich auch erwar­ten, daß die englischen Liberalen mit ausdrucksvoller Geste auf ihren verantwortlichen Better der auswärtigen Polt­tif hinweisen werden, der jüngst im englischen Unterhause durch seine Rede den Anlaß zu der internationalen De­batte über die Abrüstungsfrage gegeben hat, um seine Ver­dienste in dieser Frage hervorzuheben. Die gleiche Er scheinung wird man vermutlich in Frankreich beobachten können und ähnliche in anderen Staaten.

Schön? Nein, märchenhaft! Wie ein taufrisches, eben erblühtes Röslein. Holderrötend wendet es sich ihm Jetzt zu. Da sieht er in ein paar Blauaugen, die ihn er­staunt, verlegen und glücklich anschauen. Schönere Augen hat er noch niemals gesehen, trotzdem er bereits in viele geschaut. Aber wo nur sah er dieses Wesen Ichon einmal?

" Herrgott, bin ich denn blind?" ruft er jetzt aus, sich an die Augen greifend, und dann mit beiden Händen des Fräuleins zierliche Rechte ergreifend, daß sich in dem lieb­lichen Gesichtchen zu Staunen, Verlegenheit und Glück noch die Furcht recht offenkundig gesellte. Sie sind es ja, Fräu­lein Erna Raben! Bei Ihrem Bruder Hans auf dem Familienbilde sah ich Sie bereits. Nein, sonst würde ich Sie nicht wiedererkannt haben."

Doch es wäre ein Verrat an der nationalen Sache, wollte man aus unzufriedenen Urteilen des Auslandes da­rauf schließen, daß Deutschland wahrhaftig der Störenfried set, als welcher es von seinen Gegnern hingestellt wird. Zum Glück sind Abrüstungsvorschläge und Friedenspolitik zwei grundverschiedene Dinge, die sich in ihrem innersten Kerne nicht nur nicht berühren, sondern einander feindlich gegenüberstehen. Für den internationalen Frieden zu spre= chen, set füglich den Schwachen überlassen, die für seine Erhaltung mit der Tat doch nicht eintreten können. Des Deutschen Reiches Verdienst ist es, eine Polttik des Friedens bereits 40 Jahre praktisch getrieben zu ha= ben, der Europa und die Welt bereits vor manchem Kriegs­falle bewahrt hat und auch in Zukunft schützen wird. Und so wie der gesunde Teil des deutschen Volkes, denken auch im Grunde ihres Herzens die anderen großen Nationen, die zwar im Kriege ein Uebel erblicken, aber zugleich seine Notwendigkeit als ultima ratio nicht verkennen. So ist durch die Rede des Reichskanzlers zwar die Idee einer in­ternationalen Abrüstungskonferenz frühzeitig zu Grabe ge= tragen worden, aber nicht die weitere Bewahrung des eu­ropäischen Friedens, weil an seiner Erhaltung alle Mächte gleichmäßig interessiert sind und für seine Erhaltung, ge­rade in der letzten Zeit, erfolgreich gewirkt haben.

Auch Sie haben sich merklich verändert, Herr Leut­nant," sagte Erna mit ihrer glodenreinen Stimme. Nur ble Uniform und Ihre Größe ließen mich nicht im Zwei­fel, daß Sie es waren."

Und nun war alle Verlegenheit und Furcht dahin, die beiden, die ja von Kindesbeinen auf gute Freunde gewe fen machten fein Hehl daraus, daß dieses Wiedersehen eine höchst freudige Ueberraschung bedeute und plauderten so eifrig darauf los, daß die halbe Stunde der Fahrt wie Im Handumdrhen verstrichen war. Da grüßten von ferne hinter den uralten Ulmen und Eichen die Zinnen bes ,, grauen Schlsosses", wie man es wohl nannte, man war in Wedelstein, im Dorfe.- De Hardi nicht geschrie= ben, wann er tommen wiirde, so wat niemand zu seinem Empfang auf der Station. Und das akte ihm recht gut,

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Das preußische Feuerbestattungsgeseh ist am Donners tag in der mit der Durchberatung betrauten Kommission des Abgeordnetenhauses in erster Lesung abgelehnt wor den. Verschiedene auf Verschärfung und Erschwerung der Feuerbestattung gerichtete Anträge des Zentrums und der Konservativen, wie z. B., daß die Leichen nackt verbrannt werden sollten, daß die Verbrennung erst nach acht Tagen stattfinden dürfte, wurden mit elf gegen sieben Stimmen, ein anderer Antrag, daß in jedem Falle eine Leichenöff nung erfolgen müsse, mit sieben gegen sieben Stimmen ab gelehnt. Annahme fand dagegen ein tonservativer Zusatz antrag, der die ausdrückliche Genehmigung zur Verbren nung seitens der Ortspolizeibehörde des Verbrennungs ortes vorsieht. Bei der Gesamtabstimmung wurde dann aber das Gesez mit sieben gegen sieben Stimmen abge lehnt. Die zweite Lesung soll Freitag stattfinden.

Die 2. Etatslesung im Reichstage soll nach den augen­blicklichen Arbeitsdispositionen spätestens am Montag ab geschlossen werden. Vom 4. bis 6., eventuell bis 7. April soll die Etatslesung erledigt werden. Die Osterferien werden vom 7. April bis 2. Mai währen.

Eine Englandfahrt deutscher Arbeiter. Die Deutsch landreise englischer Arbeiter nach Düsseldorf und Frank furt a. M., die im vorigen Jahre von englischen Arbeitern unternommen wurde, um deutsches Wesen und die Ver hältnisse der deutschen Arbeiterschaft fennen zu lernen, wird in diesem Jahre von deutschen Arbeitern erwidert werden. Etwa fünfzig Mitglieder des Düsseldorfer evan­gelischen Arbeitervereins und des Hirsch- Dunckerschen Ge werkvereins werden im Monat Juli nach England reisen. Die gleiche Anzahl Arbeiter wird sich aus Duisburg und Frankfurt a. M. der Reise anschließen. Nach dem aufge stellten Reiseplan erfolgt die Ankunft in London am 8. Juli. Von dort geht die Reise nach einigen großen eng lischen Industriestädten. Die Rüdreise führt wieder über London, wo vor der Heimreise eine große allgemeine Ver­sammlung stattfinden soll, zu der auch englische Parlamen tarier ihr Erscheinen schon zugesagt haben. Die Reise wird insofern von Bedeutung sein, als die deutschen Arbeiter

durfte er doch so die Nähe des holden Mägdleins, dessen Anmut ihn ganz und gar verwirrte, noch länger genießen.

Gestatten Sie, Fräulein Erna, daß ich Ihre Sachen trage." Damit nahm er Schachteln und Düten in seine Hände.

Aber ich danke Ihnen vielmals Herr Leutnant! Das ist ja ein Unding! Sie sind doch in Üniform! Nein, nein, das geht nicht!"

Er lachte herzlich, wie sie ihn als Jungen oft hatte lachen sehen.

" Ja, nun machen Sie doch etwas dabei!" erwiderte er. Ich habe die Macht, Sie müssen sich mir fügen!"

Ach dieses Gesicht voll Schalt und guter Laune sah sie früher immer so gern.

,, Herr Leutnant, was werden die Menschen sagen,

wenn­

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In allen englischen Städten die Gäste der englischen Ars beiter und Bürgerfamilie und deshalb in der Lage sein werden, Vergleiche zwischen ihren Wohnungen und ihrer Lebensweise und der ihrer englischen Gastgeber anzustellen.

Von tattischen Wahlbündnissen mit den Liberalen will Bebel nichts wissen. Ein Großblock von Bassermann bis Bekel, so sagte er in seiner Hamburger Kandidatenrede, sei Unsinn. Aber auch die Freisinnigen sind ihm nicht zu verlässig genug, und deshalb weist er ihre Hand zurück: , Es gibt Leute unter uns, die gemeint haben, wir sollten In allen Kreisen, in denen wir nicht siegen fönnen, von vornherein für die Liberalen stimmen. Wer solche Vors schläge machte, beweist nur, daß er vom eigentlichen Wesen der Partei keine Ahnung hat. Wer einen derartigen Vor schlag auf einem Parteitag machen wollte, dem würde ein Empfang bereitet werden, wie er noch keinem bereitet wurde. Für uns sind nicht die Mandate, sondern die Stim­men die Hauptsache! Wir wollen bei der Wahl vor allen Dingen wissen, wo unsere Freunde stehen, wir wollen fon­statieren, wie unsere Agitation gewirkt hat, und wie das sozialdemokratische Feuer weiter und weiter züngelt bis in die entlegensten Gegenden! Mir sind vier Millionen Stimmen und 50 Mandate viel lieber, als drei Millionen Stimmen und 100 Mandate."

Da lief er schon davon mit ihrer ganzen Bagage und sie hatte Mühe genug, ihm zu folgen. Man hatte vom Dorf bis zum Schloß, neben dem auch das Wohnhaus des Rentmeisters Raben lag, eine gute Viertelstunde zu gehen. Hohe Pappeln standen zu beiden Seiten der Straße und rechts und Inits dehnten sich Kiefernwälder aus. Inmit­ten derselben lag auf einer Anhöhe der Stammsitz derer von Eschenholdt.

Ein Glück," dachte Erna, während ihre hellen Augen ängstlich nach allen Seiten schweiften, es find heute keine Beobachter in der Nähe."

Aber da tauchen zwei Gestalten auf! Eine riesen­große, schlanke und eine plumpe, fleine.

Die finanziellen Wirkungen des Reichserbschaftssteuer­gesetzes vom 3. Juni 1906 find in 1909 wie folgt festgestellt: Erwerb von Todeswegen brachte in 104 904 Fällen einen Steuerertrag von 47 242 667 M, Schenkungen unter Leben­den brachten in 5561 Fällen einen Steuerertrag von 3 268 973 M, also einen Gesamtertrag von 50 511 640 M. Außerdem wurden bei 21 Erwerbsfällen aus Erbschaften von zusammen 202 755 M- Reinwert 20 965 M und bei 14 dergleichen aus Schenkungen unter Lebenden von zusam­men 212 511 M Reinwert 11 495 M Steuer niederge schlagen.

Es ist Papa!" ruft Hardi aus und Erna bittet ihn sehr verlegen, in fast weinerlichem Ton, sie doch ihre Sa­chen wenigstens jetzt tragen zu lassen. Vielleicht hätten die Herren es noch nicht gesehen.

Der große, stattliche Herr mit dem bis auf die Brust herunterwallenden weißen Barte ist der General, der an­dere, der zu seinet Linken immer einen halben Schritt hinter ihm drein trippelt, heißt Heinrich Woltersdorf und

Zur Ermordung von Schlichtings wird aus Konstan tinopel gemeldet: Der Sultan bestätigte das Todesurteil gegen den albanesischen Soldaten Hadji Bairam, dem Mörder Schlichtings. Da am Freitag türkischer Sonntag ist, wird die Erekution erst am Sonnabend vormittag, je­doch vor der feierlichen Beisezung des Obersten von Schlich­ting, welche auf denselben Tag festgesetzt ist, erfolgen. Am Leichenkondukt des Obersten v. Schlichting werden vier Re­gimenter seiner Division, Deputationen anderer Truppen­teile und das Offizierkorps teilnehmen, ebenso mehrere kai­serliche Prinzen.

Eine neue Eintreisung" Deutschlands? Wie aus Tokio gemeldet wird, sollen die Vereinigten Staaten Ja­pan den Abschluß eines Schiedsgerichtsvertrages in der­felben Weise wie England, Rußland und Frankreich vor­geschlagen haben. Die japanische Regierung soll den Vor­schloin ernste Erwägung ziehen. Da Deutschland aus diese Reich des Friedens hartnädig ausgeschlossen wird, scheint eine neue Einkreisung", nur mit anderen Mitteln, beabsichtigt zu sein.

Die

Des österreichische Reichsrat ist aufgelöst worden. Der Kaiser hat Donnerstag vormittag das Patent unterschrie­ben, das die Auflösung des Reichsrates ausspricht. Neurahlen sind für den 10. Juni in Aussicht genommen. Am 27. Juni soll das neue Haus zusammentreten. Das Kabinett Bienerth bleibt im Amte und führt die Neu­wahlin durch und erscheint auch vor dem neuen Hause.

Kleine Dadridhten.

Untersuchung in der Hamburger Spionageaffäre ist vom Reichsgericht an das Landgericht nach Hamlarg überwiesen worden. Sobald die Untersuchung abgeschlossen ist, geht die Angelegenheit zur Erhebung der Anklage an den Oberreichsanwalt nach Leipzig zurück.

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat den Oberbürgermeister Kirschner mit 98 von 98 gültigen Stim­men auf die Dauer von zwölf Jahren zum Oberbürger­unbe= meister wiedergewählt. Acht Stimmzettel waren schrieben.

Eine Niederwaldfeier der rheinhessischen Turner. Auf dem rheinhessischen Gauturntage wurde beschlossen, im Mai anläßlich der vierzigjährigen Gedächtnisfeier des Friedens­schlusses eine große Feier am Niederwald zu veranstalten, die mit einem Gilbotenlauf von Worms über Mainz nach Bingen verbunden sein soll.

Vom Ueberlandflug der Militärflieger wird aus Bre men gemeldet: Der Zweidecker Albatros" mit Oberleut­nant Erler and Leutnant Mackenthun an Bord tam Donnerstag nachmittag kurz nach 4 Uhr in Bremen auf­gestiegen und in der Richtung nach Hannover davonge­flogen. Um 5% Uhr landete der Apparat auf einer Wiese bei Verden a.. Aller. Die Weiterfahrt nach Hannover wird wahrscheinlech Freitag vormittag angetreten.

Eine Medaille für Verdienste um die Landwirtschaft. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer der Provinz Sachsen beschloß, aniäßlich des Ausscheidens des Prjiden=

bekleidet seit einem Jahr das Amt eines Gutsinspektors auf Wedelstein, wie Erna eben erklärt. Er wäre ihres Vaters guter Freund und stände, da er äußerst tüchtig und flug, bei Exzellenz in besonderer Gunst.

Um seine schöne Begleiterin nicht zu erzürnen, gibt Sardi endlich ihren Bitten nach, aber zu spät, den die beiden mußten es deutlich sehen, wie er sich seiner Bürde entledigte

Der Inspektor, ein feineswegs schöner Mann, zu des= sen sommersprossigem, fahlem Gesicht das brandrote, etwas gelichtete Haupthaar sehr gut paßt, beißt in diesem Augen­blick die Zähne zusammen, daß das starke Kinn noch un­schöner hervortritt als gewöhnlich und greift mit der diden, unschönen Hand an seinen struppigen Schnurrbart, als wollte er die roten Stoppeln in purer Verzweiflung aus Grund und Boden reißen. Glühender Haß loderte in seinen graugrünen Augen. Da sieh einer die Dirne!" spricht er zu sich selber. Den Don Juan, dessen Liebes­abenteuer nicht zehn Romanbände fassen könnten, ver= schmäht sie nicht als Begleiter! Ich aber ja, meine Wenigkeit, die genügte ihr vor acht Tagen nicht! Da schlug die Unschuld hübsch den Waldpfad ein, um schneller nach Hause zu kommen. Na, warte, der Herr Papa hat auch noch ein Wort zu reden!"

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Nichtsdestoweniger zieht er jetzt ehrerbietig seinen Hut und macht eine Verbeugung, als wollte er den Sant der Straße tüssen. Beiden soll der Gruß gelten.

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Der General aber hat für Erna nur ein hastes Kopf­niden, während er seinem Sohn mit ausgestreckten Armen entgegeneilt. Es ist eine reine, wahre Freude, die Herr Woltersdorf konstatieren muß. Auch kein Stachel scheint zurückgeblieben zu sein und das hatte er doch für selbst­verständlich gehalten.

Erna ist inzwischen verschwunden und der Inspektor hält es für angebracht, sich zu empfehler, neben der General ihn sehr hastig seinem Sohn vorgestellt.

( Fortsetzung folgt.)

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