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1.4.1911 Erstes Blatt
 
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Ein tragisches Ende fand ein 50jähriger Arbeiter in Bichtenberg bei Berlin. Als er nachts berauscht nach Hause fam, wollte er sich unaasgekleidet in das Bett legen. Da bei fiel er so unglücklich, daß sich sein zusammengeknotetes Halstuch an einem an dem Bettpfosten befindlichen Hafen verfing. Da ber Arbeiter sich infolge seiner Trunkenheit nicht zu befreten und auch nicht um Hilfe zu rufen ver­mochte, mußte er elendiglich ersticken.

Ein Säurespriger treibt wieder einmal im Berliner Tiergarten sein Unwesen. Der gefährliche Bursche macht fich an Damen heran und begießt deren Kleidung mit einer äßenden Flüssigket. Die Kleider werden dadurch vernichtet.

Von einem bissigen Hund übel zugerichtet wurden in Meinickendorf bei Berlin zwei Lehrlinge. Als sie ruhig bie Straße entlang gingen, wurden sie plötzlich von einer großen Dogge angefallen, gegen die sie sich vergeblich zu wehren suchten. Beide Burschen erlitten tiefe Bißwunden an den Beinen und mußten ärztliche Hlfe in Anspruch nehmen. Erst als Straßenpassanten hinzukamen, gelang es, das wütende Tier zu verscheuchen.

Tragödie in einer Menagerie. Im Zirkus Truzzi in Petersburg warf während der Vorstellung, als der Domp­teur ben Käfig verlassen wollte, sich ein Löwe auf den Rücken des Bändigers, seine Pranfen tief in die Schul­tern schlagend. Gleichzeitig sprang ein zweiter alter Löwe hinzu und brachte den Dompteur zu Fall, worauf die Be­ftten ihn mit den Zähnen bearbeiteten. Nur mit Mühe gelang es, bte wütenden Tiere von dem Dompteur fort. zutreiben und den tödlich Verletzten aus dem Käfig zu retten.

Vermischtes.

Eine furchtbare Tat hat sich in dem französischen Dorfe Chasternat abgespielt. Ein geistesschwaches 26jähriges Mädchen, das fürzlich als ungefährlich aus der Jrrenans stalt entlassen worden war ,, stritt sich mit ihrer 72jährigen Großmutter. Sie geriet dabei in furchtbaren Zorn und eilte in die Küche, um ein großes Küchenmesser zu holen. Dann warf sie die Großmutter zu Boden und schnitt ihr mit einem Messerschnitt die Zunge ab und bearbeitete weiter die alte Frau mit dem Messer, bis Nachbarn her. beieilten und die alte Frau aus den Händen der Wahn­finnigen befreiten. Diese wollte die abgeschnittene Zunge, die sie in der Hand hielt, nicht herausgeben und eilte mit den Worten: Go, nun wird die Alte nicht mehr Schwätzen," davon. Die Frau liegt infolge der vielen Ver­legungen hoffnungslos danieder.

Der Gymnasiaft als Rassenräuber. Der Untersefun­daner Leist, der, wie gemeldet, den Kassenraub im Mann­heimer Hauptsteueramt ausgeführt hatte, ist am Donners­tag in Frankfurt a. M. verhaftet worden. Der Verdacht der Täterschaft hatte sich sofort auf Leist gelenkt, und es wurde ein Stedbrief hinter ihm erlassen, der einen Vorsprung von 40 Stunden hatte. In Frankfurt wurde der Steckbrief In den Zeitungen veröffentlicht. Ein Gastwirt in der Niddastraße las ihn und bemerkte, daß die Beschreibung des Flüchtigen auf einen jungen Mann passe, der seit ei nigen Tagen bei ihm wohnte. Er unterrichtete sofort die Polizei in Mannheim, die ihrerseits die Frankfurter Po­Ilzei informierte, und alsbald begaben sich ein Kriminal­wachtmeister und ein Kriminalfommissar ins Gasthaus, wo sie Leist auf seinem 3immer in Hemdärmeln am Tisch fizend antrafen. Leist leugnete anfangs, gab aber dann ben Diebstahl zu. In seinem Zimmer fand sich noch die Handtasche, in der 53 666 Mart 75 Pfennige waren. In den Taschen seines Ueberziehers fanden sich zwei Blätter mit Aufzeichnungen des Diebstahlsplanes. Leist erklärte dazu, er habe sich alles vorher notiert, um nichts falsch zu machen. Das Motiv zu der Tat sei darin zu suchen, daß er zu Ostern nicht versetzt werden solle und daher beschlos= sen habe, sich Geld zu verschaffen, um sich irgendwo nieder zulaffen. Als seine Eltern am Sonnabend ausgegangen waren, fei er mit der Bahn nach Frankfurt gefahren, und habe dort das Zimmer in der Niddastraße gemietet, wo­rauf er nach Heidelberg reiste und dort unter falschem Na­men fich in einem Gasthaus einlogierte. Dann fuhr er nach Mannheim zurück, führte hier den Diebstahl aus und begab sich darauf nach Frankfurt, wo er sich in Gesellschaft verschiedener Frauenspersonen herumgetrieben und die fehlenden 300 Mart verpraßt hat. Leist hatte seit Mon­tag fein Zimmer nicht mehr verlassen. Er wurde nach Mannheim transportiert.

Tod des ältesten Gardejägers. Jm Alter von neunzig Jahren ist in seinem Heim in Reinickendorf bet Berlin der Königliche Förster a. D. Karl Bünger, der älteste Gardejäger, gestorben. B. war bereits vor zwei Jahren gelegentlich der Feier des Tags, an dem er vor damals 70 Jahren in die Elitetruppe eingetreten war, Gegenstand von Ehrungen durch den Kaiser, sein Offizierkorps und viele Kameraden. Von seinem Urgroßvater an, der unter dem Alten Frizz in einem der Freibataillone gedient hatte, find die zahlreichen männlichen Mitglieder der Familie B. sämtlich in Krieg und Frieden erprobte Soldaten oder Forstleute gewesen. Sie haben durchweg ein Alter von neunzig Jahren erreicht, einige auch von 103 und 115 Jahren.

Ein Lotalbahnidyll wird aus Baden geschildert. Auf der Station Elsenz an der Lokalbahn Hilsbach- Bruchsal hatte der Lokomotivführer ein Signal falsch verstanden und fuhr mit dem Zügle ohne den Schaffner und Schluß­bremser ab. Auf der nächsten Station, Eichelberg, wurde das bemerkt. Aber diesmal fuhr das Zügle nicht wie sonst vielleicht einfach zurüd, um die Verlassenen zu holen, nein, es wartete in Eichelberg eine kleine halbe Stunde, bis das Bugpersonal die zwei Kilometer lange Strecke auf Schu­sters Rappen zurückgelegt hatte. Dann ging's mit Voll­bampf weiter, Bruchsal zu.

Begnadigung eines Raubmörders. Man erinnert sich noch des Schicksals der Bürgermeisterstochter Grete Beter, die ihren Bräutigam, einen Chemnizer Ingenieur, meuch­Tings niederschoß. Die Vollstreckung der Todesstrafe er­regte damals großes Aufsehen und schuf neue Gegner der Todesstrafe. Die scharfen Proteste scheinen auf die säch fische Regierung nicht ohne Einfluß geblieben zu sein. Der Rönig von Sachsen hat inzwischen mehrere zum Tode Ver­urteilte begnadigt und jetzt eine Begnadigung vollzogen, die ptemand erwartet hat. Es handelt sich um den Raubmörder Süßmann, der zwei Frauen, Mutter und Tochter, in Nie­derruppersdorf in der Lausitz ermordet hat. Der Mörder hat die Leichen der ermordeten Frauen mit Petroleum be­goffen und fie ebenso wie das ganze Anwesen der Ermorde= fen in Brand gesetzt. In eingeweihten Kreisen ist man der Ansicht, daß die feßige Abneigung des Königs gegen bie Vollstreckung der Todesstrafe auf den Prinzen Johann Georg zurückzuführen ist. Prinz Johann Georg, der wäh rend der bwesenheit des Königs die Regierungsgewalt ausübt, hat, im Einverständnis mit seinem Bruder und dem Juftiaminister, auch die letzte Begnadigung vollzogen.

Eine überflüssige Einrichtung. In London gibt es Viertel, in denen die hygienische Bedeutung des Bades nicht nur nich genügend gewürdigt wird, sondern sogar un­befannt ist. So lesen wir in einem englischen Blatte, daß in der Riesenstadt bei einem Fall einer ansteckenden Krankheit der Bezirksvorsteher, der in das Patientenheim fam und den Wohnungsinhaber fragte: Haben Sie auch Badeeinrichtung im Hause?", die gelassene Antwort er= hielt: Ja, die haben wir, aber gottseidank hatten wir es noch nicht nötig, sie zu benußen."

120 000 Mark für einen Apfelbaum. Kürzlich wurde ein Angebot von 120 000 Mark für einen einzigen Apfelbaum gemacht, der in der Nähe des Chelan- Sees im Staate Was­hington wächst. Der Eigentümer lehnte das Angebot ab, da er glaubte, ein besseres Geschäft zu machen, wenn er die Früchte des Baumes auf den Markt bringen würde. Der Baum ist aus einem Samenforn gezogen, das ein Indi­aner vor zwanzig Jahren in die Erde legte. Die Früchte find von gelber Farbe und sollen von außerordentlich guter Qualität sein.

Ein neuer schöner" Titel. Aus Landau( Bayern) schreibt man dem Hann. Cour.": Die allbekannten schönen bayerischen Bezeichnungen Ochsenmaulsalatfabrikantens­witwe" usw. haben Konkurrenz bekommen. Frau Lina Horn­bach von hier, die Inhaberin eines Dachdeckungs- und Blitz­ableitergeschäfts, unterzog sich in der Königlichen Kreis­oberrealschule in Kaiserslautern unter der Leitung von Prof. Ruppel einem Blizableiterkurse( sehr schön gesagt!). Ste hat bei der Prüfung im Theoretischen wie im Prakti= schen die nötigen Fachkenntnisse bewiesen, und führt als erste Dame den Titel Staatlich geprüfte Blizabletter­feterin".

Ein weiblicher Dauerläufer. Neuyorker Meldungen zufolge ist Miß Dora Harrison in Tampa im Staat Florida eingetroffen, nachdem sie die ganze Strecke von Neunort nach Tampa zu Fuß zurückgelegt hat. Sie hat Brooklyn am 2. Januar infolge einer Wette um 1000 Dollar verlaffen, die zwischen ihrer Mutter und einem Bekannten eingegangen wurde. Die Strecke beträgt unter Zugrundelegung des fürzesten Eisenbahnweges rund 2000 Kilometer. Miß Har­rison legte im Durchschnitt 32 Kilometer pro Tag zurück. Die 75 Kilometer zwischen Baltimore und Washington machte sie sogar in einem Tagesmarsche. Eine Bedingung der Wette bestand darin, daß die Dauerläuferin auf jede Hilfe von zu Hause zu verzichten habe, fie sah sich deshalb betreffs Nahrungsmittel und Nachtlager auf die Unter­stützung der Bewohner der Orte, durch sie ihr Wege führte, angewiesen, und war oft genug, wenn sie der Anbruch der Nacht in menschenleerer Gegend überraschte, genötigt, hung­rig im Freien zu nächtigen. Bei ihrer Ankunft in Tampa telegraphierte Miß Harrison nach Hause und war in weni­gen Stunden im Besitz der 1000 Dollars. Die schnellfüßige junge und hübsche Dame hat unterwegs hunderte von Het­ratsanträgen erhalten.

Ein angenehmes Bankett. Seltsame Bankette find in Amerita schon oft veranstaltet worden, aber eine wiffen­schaftliche Unterhaltung, wie ste jüngst Herr Ditmars, der Direktor der Reptilienabteilung des Zoologischen Gartens au Neuyork, seinen Tischgästen bot, ist selbst im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten noch niemals mit cinem fest= lichen Gelage in Verbindung gebracht worden. Herr Dit mars erschien bei dem Bankett mit zahlreichen Kisten und Rörben, aus welchen- so erzählt die Neuyorker World" plöblich etwa hundert Niesenschlangen, Klapperschlangen, Vipern aller Art, Etdechsen, Salamander, Schildkröten, Ratten, Affen und anderes Getter hervorkrochen,-spran­gen und kletterten, um die Tafel im Sturm zu nehmen. Die angenehme Gesellschaft machte sich angelegentlich zwi­schen den Tellern und Schuffeln zu schaffen und probierte, während die Herren sich vor Ekel schüttelten und die Da­men laut aufschrien, mit großem Eifer die Speisen und Weine. Ditmars aber begann mit einem Vortrag über die Zähmung feiner Tiere, machte sich aus seiner steben Meter langen Boa und aus verschiedenen anderen Schlangen Kra­vatten und Iteß Vipern und Schildkröten Proben ihrer Ge­schicklichkeit geben. Ein brasilianischer Affe, der auf das Wohl fedes einzelnen Gastes trant, war schließlich so be= trunken, daß er alles vierfach fah, aber er und die interes­santen Bestien kehrten folgsam in ihre Kisten und Körbe zurüd, als Ditmars es ihnen anbefahl.

,, Dat Wegfmieten".( Wahres Geschichtchen.) Wegen bö­sen Rheumas in der rechten Schulter bleibt- so erzählt ein Leser der Tägl. Ndsch." der ländliche Eterlieferant der Frau X. in D. t. Gr. zeitweilig aus. Endlich kommt er wieder. Hausfrau: Na, wo getht Se dat denn nu mit Ehr Schuller?" Er: Och, de Nääs kann id mt all wedder snuwen; bloot wegsmteten tann id't noch nich!"

Geheimnisse des Diamantenschmudels.

Die strengen und obendrein auch recht kostspieligen Maßregeln, die das Reichskolonialamt und die Regterung von Deutsch- Südwestafrika neuerdings zur Einschränkung des Diamantenschmuggels getroffen haben, weisen deutlich barauf hin, wie sehr diese gewinnbringendste aller Zollbe­trügereten, im Vergleich mit der der Schmuggel von Seide, echten Spitzen, Tabak, Uhren und Saccharin ein harmloses Kinderspiel genannt werden darf. Heute wieder in Blüte steht. Den Staaten werden dadurch Millionen entzogen, und ein Millionenschmuggel war es auch, der die deutsche Kolontalregierung zu threm jebtgen scharfen Vorgehen ver­anlaßte. Die südwestafrikanische Diamantregie hatte in Er­fahrung gebracht, daß die Besitzer von großen, nicht dekla­rterten Borräten Diamanten im Werte von 2 Millionen Mark, auf die eine Abgabe von rund 700 000 Mark zu ent­richten gewesen wäre, durch zwet von Lüderizbucht nach Kapstadt reisende Damen, die fene toftbaren Steine in thre Kleider eingenäht hatten, aus bem Schutzgebiet hatten hin­ausschmuggeln lassen. Als man in Kapstadt die Frauen verhaftete und einer peinlichen Durchsuchung unterwarf, waren die Diamanten, weil sie sich bereits auf einem nach Europa fahrenden Dampfer befanden, nicht mehr zu finden und die Regierung hatte das Nachsehen.

Weitaus umfangreicher als aus Deutsch- Südwest ist selbstverständlich der Diamantenschmuggel aus dem Kimber­leydistrikt, für deffen Ueberwachung die Debeers- Compagnie seit langem eine komplizierte Garde von Privatdetektivs eingerichtet hat, die immer wieder die Erfahrung machen, daß die Berufsschmuggler im Ersinnen neuer Schwärzer­fniffe unerschöpflich sind. Besonders umfangreich ist der Schmuggel nach den Vereinigten Staaten. Ein anscheinend harmloser Schiffsreisender, der einen Hund bet sich hatte, wurde der Neuyorker Zollbehörde als ein geriffener Dia= mantenschmuggler von Bord aus durch drahtlose Telegraphie angekündigt. Die genaueste Revision förderte nichts zutage, sodaß man ihn ungehindert landen lassen mußte. Hinter­drein ermittelten die Zollbeamten, daß er seinen Hund einige Tage vor der Ankunft hatte hungern lassen und ihm dann Fleischstücke vorgeworfen hatte, in denen die Diamanten ver­borgen waren. Nach der Landung erschoß der Reisende den Hund und holte die Steine aus seinem Körper. Eine Dame bediente fich zu demselben Zwecke eines Spikes, dem sie über sein echtes Fell ein zweites von derselben Hunderasse zog; in dem Zwischenraum verbarg fie allerhand Kostbarkeiten, darunter auch Diamanten. Das Einnähen von Diamanten in das Futter auf der Innenseite des Korsetts oder ihre Unterbringung in der Höhlung abnehmbarer Stiefelabsätze tst etwas in Verruf gekommen, seit die Beamten ein be­sonderes Augenmerk darauf richten. Dafür machten die Neuyorker Beamten kürzlich die überraschende Entdeckung, baß eine aus Südafrika stammende Sammlung ausgestopster Vögel eine Diamantenmenge im Betrage von mehreren Millionen in sich barg.

Drabtnachrichten und neuestes.

Die Sieger im Berliner Sechstagerennen. Berlin, 31. März. Das Sechstagerennen hat um Mit ternacht sein Ende erreicht. Rütt- Stol, das deutsch- hollän dische Favoritenpaar, das immer die Spitze und schließlich sogar drei Runden Vorsprung vor den nächst besten Geg­nern sich zu sichern wußte, blieben Sieger. Jm ganzen wurden 3406,5 Kilometer zurückgelegt. An zweiter Stelle endeten die Amerikaner Mac Farland und Moran, die mit drei Runden zurückstanden.

Bedrohliche Lage in Marokko.

Fez, 31. März. Nach hier eingegangener Telegram­men ist die Lage in Fez und Umgegend äußerst ernst. Sämtliche in der Hauptstadt lebenden Europäer haben in den verschiedenen Konsulaten Zuflucht gesucht.

Der Ueberlandflug der Militärluftschiffer. Hamburg, 31. März. Auf ihrer Fahrt von Bremen nach Verden hatten die beiden Militärluftschiffer Erler und Madenthum mit heftigem Gegenwind zu kämpfen. In der ersten Flugstunde wurden deshalb nor 32 Kilo meter zurückgelegt. Der Führer steuerte den Apparat bis zu 300 Meter Höhe. Da aber auch in dieser Höhe die Windverhältnisse nicht besser waren, beschlossen die Flie­ger, in Verden zu landen. Vom Verdener Artillerieregi­ment wurde ihnen ein Zelt zum Eindecken des Apparates für die Nacht zur Verfügung gestellt. Ein Wachkommando blieb beim Aeroplan. Heute früh 7,26 Uhr sind die beiden Militärflieger zur Weiterfahrt nach Hannover aufge= Stiegen. Nienburg, 31. März. Die leiden Militärflieger find um 11 Uhr bei Langendamm gelander und haben fura nach 12 Uhr die Weiterfahrt nach Hannover angetreten. Feiger Ueberfall auf einen Polizeibeamten. Hamburg, 31. März. Als in einer Versammlung des Holzarbeiterverbandes, der etwa 4000 streikende und ausgesperrte Holzarbeiter beiwohnten, ein Polizeibeamter in Zivil die bei Massenversammlingen vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen fontrollierte, wurde er plötzlich von hinten angefallen und mit einem Schlagring niederge­Schlagen. Schwer verletzt und bewußtlos wurde er aus dem Saal geschafft. Der Täter war in dem entstandenen Tu mult unerkannt verschwunden.

Aus Geiz irrfinnig geworden.

Waldbroel, 31. März. Jn das E'esige Jrrenhaus wurde die in den 50er Jahren stehende Witwe Hundthausen von Obernau eingeliefert, die von aller Welt abgeschlossen lebte und ihr ganzes Anwesen verwildern ließ, sodaß die Haustiere verhungerten. Sie selbst lebte von Brot und Kartoffeln. Steuern zahlte sie nicht und leistete den Pfän­dungen Widerstand, indem sie die Türen vernagelte und die Beamten beschimpfte. Bei eirer Haussuchung wurden wahre Schätze von Gold, Silber und Wertpapieren, Spar­tassenbüchern und Schuldscheinen zutage gefördert. Auch Jollen zirka 30 000 Mart Barvermögen gefunden worden fein.

Die Arbeiten am Lötschbergtunnel,

Bern, 31. März. Jm Lötschbergtunnel waren bei dem gestrigen Nachmittagsschichtwechse: noch acht Meter durch­zuschlagen, so daß auf den Durchbruch heute früh zwischen 2 und 4 Uhr gerechnet wurde. Die Nord- und Südseite arbeiten zusammen. Alle vier Stunden wurden auf die Minute genau auf beiden Seiten gleichzeitig Sprengschüsse abgegeben.

Bern, 31. März. Heute frith 3,50 Uhr erfolgte der Durchschlag im Lötschbergtunnel. Die Länge des Tunnels beträgt 15 Kilometer. Das Novoportal befindet sich bei Kandersteg im Berner Oberland, das Südportal bet Goppen. stein im Kanton Wallis. Der Tunnel bedeutet eine wich tige Zufahrt zum Simplon.

Zahlungseinstellung einer Provinzbank. Frankfurt a. D., 31. März. Wie die Frts. Oder­zeitung" meldet, hat das Bankhaus Carl Tourbier die Zah­lungen eingestellt. Die Zahlurgsschwierigkeiten dürften auf zahlreiche Abhebungen zurückzuführen sein, die erfolgt sind, weil das Publikum durch den Konkurs der Vereins­bank gegen kleine Bankinstitute mißtrauisch geworden ist. Deutsche unter den mexikanischen Insurgenten. El Paso, 31. März. Unter den Insurgenten, welche den mexikanischen Regierungstruppen kürzlich eine schwere Niederlage beibrachten, befinden sich zwei Deutsche: Lieber aus Mainz und Oberbucher auk Engelskirchen.

Berliner Getreide und Schla htviehmarktbericht.

Die Abwärtsbewegung der Getreidepreise hat in der am 29. März beendeten Berichtswoche weitere Fortschritte ge= macht. Am Berliner Markte war es neben den Verhält niffen am Weltmarkte hauptsächlich das den Saaten zuträg­Itche Wetter, welches der Abbrödelung der Preise Vorschub leiftete. In gleicher Richtung wirkten für Weizen auch der niedrige Wertstand von Mehl bei großen Beständen. Rog­gen wurde durch die Mattigkeit des Weizens und die be­friedigenden Ernteaussichten mit abwärts gezogen. Im In­lande ist man jedoch für den Artikel weniger matt, da Roggen für die mit Hilfe der Einfuhrschein- Vergütung er= möglichte Ausfuhr gekauft wurde. Hafer ist im Lokohandel in Berlin schwer unterzubringen, aber die Provinz hält auf hohe Preise und die Proviantämter haben wieder= here Preise bewilligen müssen. Mais war ruhig. Am lez­ten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Mailieferung wie folgt: Weizen 200,75 M, Roggen 153,25 Mark, Hafer 156,00 M, Mais 132,57 M.

Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, un, gejocht 79-94 M, 6) junge fleischige nicht ausgemästete und ältere aus gemästete 78-82 M, c) mäßig genährte junge und gut genährt ältere 70-74 M, 0) gering genährte jeden Alters M. 2. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlacht­wertes 73-78 M, b) vollfleischige jüngere 71-76 M, c) mäßig genährte jüngere und gute genährte ältere 64-74 M, d) gering genährte M. 3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes M, b) voll fleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höch ftens 7 Jahre alt 67-72 M, c) ältere ausgemästete und we­niger gut entwickelte jüngere Kühe 62-67 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 58-66 M, e) gering genährte Kühe und Färfen bis 62 M, f) gering genährtes Jungvich ( Fresser) 56-74 M. 4. Kälber: a) Doppellender feiner Mast 111-133 M, 6) feinste Mastfälber 100-107 M, c) mittlere Masts und beste Sangkälber 84-95 M, d) geringe Sang­fälber 60-84 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 76 bis 85 M, b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte jüngere Schafe 72-78 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzschafe) 60 bis 75 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendgewicht M, b) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen über Zentner Lebendgewicht 55 bis 58 M, c) vollfleischige der feines in Rassen und deren Kreuzungen bis Bentnes Leben bewicht 16-57 M, 61 fleischige Sbmeine 53-55 M2) San 50-52.