r. 225
Bebalden Baupterbebition: Gießen, Selterweg 88.
Bernsprechenschink Nr. 362.
Dienstag, den 25. September 1906
Gießener
15. Jahrgang
Svatlebellagen: Oberbeffiche Famillenzeitung( and bie Gießener Seifenblasen( wöchentlich).
Neuelle Nachrichten
( Gickener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung.
( Gießener Zeifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle antlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes
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Hochachtend Redaktion und Berlag. Gießen, Seltersweg 83.
Weltfrieden.
In Mailand hat der diesjährige Weltfriedenstongreß getagt. Jm kommenden Jahr wird er seine Sigungen in München abhalten. Der bayerische Ministerpräsident hat an den Kongreß telegraphiert, daß die bayerische Regierung es als eine freudige Pflicht der Gastfreundschaft ansehe, in ihrer Hauptstadt den Kongreß begrüßen zu können.
Es ist das erste Mal, daß eine deutsche Bundesregierung in solcher Weise sich zu dem Weltfriedenstongreß stellt. Bisher war die Haltung der deutschen Regierungen jenem Kongreß gegenüber zwar durchaus nicht unfreundlich, aber es war nirgend etwas von einem besonderen Entgegentommen zu merken. Die Aenderung ist jedenfalls be achtensivert und zeigt, daß man in den Kreisen der deutschen Regierungen den Bestrebungen des Weltfriedenskongresses mit größerer Sympathie als früher gegenübersteht. Freilich fonnte auch sonst schon nicht daran gezweifelt werden, daß die Verbündeten deutschen Regierungen in ihrer Gesamtheit wie jede einzelne, die Bestrebungen billigten. Doch hatte man zu der Vermutung eine gewisse Berechtigung, daß die Regierungen in Deutschland von den Beratungen des Kons gresses feine Unterstützung ihrer eigenen praktischen Friedensbestrebungen erwarteten. Das muß jest insofern anders geworden sein, als man wenigstens in München zu der Ansicht gekommen ist, der Kongreß fönne an seinem Teil dazu beitragen, daß der Gedanke eines allgemeinen Friedens der Verwirklichung näher gebracht werde. Man darf nicht so weit gehen, etwa anzunehmen, daß nunmehr wirklich der Friedensgedanke durch jenen Kongreß unmittelbar zu einer Wahrheit werden könne. Solche Hoffnung würde den Tatsachen weit vorauseilen. Dagegen ist man wohl zu der Vermutung berechtigt, daß jetzt auch in den Kreisen der Regierungen anerkannt wird, die öffentliche Meinung sei eine Macht, der man eine Einwirkung auf die Entschließungen der Regierenden in aller Welt zutrauen dürfte, und daß unsere Regierungen fich gern bereit finden, die Unterstützung der öffentlichen Meinung für das Ziel der Friedenserhaltung anzunehmen und umgekehrt durch ihre freundwillige Haltung
die öffentliche Meinung, die den Frieden wünscht, zu stärken.
Das ist, wie gesagt, ein Fortschritt. Die bayerische Vie gierung hat sich um das Werk des Friedens verdient gemacht, indem sie den Weltfriedenskongreß, der im nächsten Jahre in München tagen soll, in der angegebenen Weise entgegentommend begrüßte; und als selbstverständlich kann gelten, daß der bayerische Ministerpräsident den rühmlichen Schritt nicht getan hat, ohne sich des vollkommenen Einvernehmens mit allen übrigen Verbündeten Regierungen des Reiches bewußt zu sein. Weiß man doch überall in der Welt, daß Deutschland den Frieden mill, nichts als den Frieden, und daß eine Störung des Weltfriedens nur von anderer Seite kommen fönne. Zwar hat es in einem Teil der ausländischen Presse zu feiner Zeit an gegenteiligen Ausstreuungen gefeht. Aber man wußte auch, daß diese Ausstreuungen der Wahrheit widersprachen und eine ganz bestimmte Tendenz verfolgten, die keineswegs eine Friedenstendenz war. Feinde des Weltfriedens sind es gewesen, die sich unausgesetzt bemühten, den Glauben zu erwecken, als ob von Deutschland aus Pläne verfolgt würder, deren Ausführung anders als mit gewaffneter Hand nicht möglich sei. Sie wollten damit nur verbergen, daß ihre eigenen Ziele das Licht der. Deffentlichkeit nicht vertragen. Hierüber ist allmählich die öffentliche Meinung in allen Landen hinreichend aufgeklärt worden, sodaß nicht mehr zu besorgen steht, es möchte aus jenen AusStreuungen Mißtrauen gegen Deutschland, aus dem Mißtrauen eine Mißstimmung, und aus der Mißstimmung ein Zwist erwachsen. Gerade die Vorkommnisse des letzten Jahres haben diese Intrigen blosgelegt und die Urheber der Intrigen aller Welt kenntlich gemacht. Alle die dunklen Machenschaften, die erst auf dem Kongreß von Algeciras ihre Beseitigung fanden, sind vergeblich gewesen, und es ist zu einem Besitztum der allgemeinen Einsicht geworden, daß Deutsch: lands Stärke zu den vornehmsten Sicherungen des Friedens gehört. Nachdem dies erreicht worden, war der Zeitpunki gekommen, in dem die deutschen Regierungen, ohne ein Miß: verständnis besorgen zu dürfen, Anschlaß an den Teil der öffentlichen Meinung nehmen konnten, der die Propagierung bes Weltfriedensgedankens sich zur Aufgabe gemacht hatte. Die bayerische Regierung war die gegebene Wortführerin, nicht weil sie mehr als die anderen deutschen Regierungen Dem Gedanken bing, sondern weil die bayerische Hauptstadi ausersehen war, den nächsten Weltfriedenstongreß in ihren Mauern zu sehen.
Politifche Rundschau.
Deutsches Reich.
* Zu der Thronfolgefrage in Braunschweig veröffentlicht Graf von der Schulenburg, der Führer der Braunschweiger welfischen Parteien, eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Der Herzog von Cumberland wünsche unter Zuziehung seiner Söhne und Berater und auf Grund des in Gmunden liegenden Aftenmaterials alsbald zur Braunschweiger Thronfolgefrage Stellung zu nehmen. Neuerdings verlautet, daß der Landtag bei etwaiger Unentschiedenheit des Herzogs von Cumberland einen neuen Herrscher in der Person des zweitberechtigten Agnaten, des Herzogs Karl Vorwin von Mecklenburg- Strelitz, zweiten Sohne des Großherzogs Adolf Friedrich, zu wählen beabsichtige.
* In Homburg v. d. H. wurde der stellvertretende Kolonialdirektor Dernburg von dem zur Kur sich in Homburg aufhaltenden Reichskanzler Fürsten von Bülow empfangen. Die Herren fonferierten längere Zeit über die schwebenden Kolonialfragen.
* Die Verhandlungen des sozialdemokratischen Parteitages wurde durch eine Begrüßungsversammlung eröffnet. Der Andrang war so groß, daß der riesige Nibelungensaal des städtischen Saalbaus schon von 6 Uhr abends an gesperrt werden mußte. Reichs- und Landtagsabgeordneter Dreesbach begrüßte die Delegierten und Gäste, worauf Bebel das Wort zu einer längeren programmatischen Ansprache nahm, an derer Schluß er den Parteitag für eröffnet erklärte. Im Anschluß daran wurden Singer und Dreesbach zu Vorsitzenden des Parteitages gewählt und die Tagesordnung festgesetzt, deren Hauptpunkt die Frage des Massenstreifs bildet. Kurz vor Beginn erschien auch Rosa Luxemburg. Singer drückte ihr fast zärtlich die Hand, als sie am Vorstandstische erschien, während Stadthagen in der Freude des Wiedersehens ihr sogar einen Auß gab.- An die geschäftlichen Verhandlungen schloß sich ein Kommers an. Für den sozialdemokratischen Parteitag war eine eigene Postanstalt in Aussicht genommen, für die alle Einrichtungen bereits vollendet waren. Durch Verfügung des Reichspostamts in Berlin ist die Poststelle wieder aufgehoben worden. In der gestrigen Delegiertenfizung sprachen mehrere russische Gäste, die sich natürlich in lebhafter Weise mit den inneren Zuständen des Zarenreiches beschäftigten. Parteisekretär Pfannkuch erstattete den Geschäftsbericht, der sich in eingehender Weise auch über die Gewerkschaftsfrage verbreitete. Der von dem Parteikassierer Gerisch gegebene Kassenbericht beklagt die Lässigkeit einzelner Lofalorganisationen in der Abführung und Aufbringung der
Gelder.
Rufeland.
** Die Lage im Lande ist unverändert. Man befürchtet in Polen den Ausbruch einer militärischen Menterei. Die Attentate mehren fich und die Attentäter finden die Unter
Gießen und anderer Behörden von Oberheisen
ftuzung der Bevölkerung. Es liegen folgende Weldungen vor: Warschau, 23. September. Eine ganze Kompagnie eines Jekaterinburger Regimentes ist durch das hiesige Kriminalgericht zu lebenslänglicher Zwangsarbeit wegen Meuterei verurteilt worden.
Stettin, 23. September. Der schwedische Dampfer Standinavia" wurde auf der Reise nach Finland bei Bornholm von 2 russischen Dampfern angehalten und die gesamte Ladung, bestehend aus 3000 Gewehren und reichen. Batronenvorräten tonfisziert.
Sosnowice, 24. September. 200 Kosaken um zingelten in der Sielcer Vorstadt ein Arbeiterhaus, um eine Bombenfabrik auszuheben. Die Hausbewohner schossen auf das herankommende Militär, das die Schüsse erwiderte. Sechs Arbeiter wurden getötet, vier verwundet; drei Bom: ben beschlagnahmt. Auch einige Soldaten sind verletzt.
Warschau, 23. September. In der Gefangenen. anstalt zu Mokotow haben 200 politische Verbrecher die Annahme von Nahrung verweigert und die Abänderung des Reglements betreffend den Verkehr mit Bekannten so wie bessere Ernährung und Behandlung gefordert.
Spanien.
** Die in legter Zeit etwas gespannten Beziehungen zwischen der spanischen Regierung und dem Vatikan haben sich wesentlich gebessert. Nach einem regen Notenaustausch bezüglich der religiösen Vereinigungen ist ein Abkommen auf der Grundlage des vorjährigen Konkordats erzielt worden. An dem Konkordat soll nicht gerührt werden. England.
** Die Regierung hat die Absicht, in nächster Zeit eine Vorlage zur Einführung von Home- Rule in Irland im Unterhause einzubringen. Die Vorlage soll bereits bis auf die fleinsten Einzelheiten ausgearbeitet sein. Ueber die Einzelheiten der Vorlage verlautet noch nichts, doch glaubt man, daß die irischen Nationalisten im großen und ganzen bes friedigt sein werden.
Amerika.
** Die Vereinigten Staaten brauchen, wie es jetzt den den Anschein hat, wegen des Aufstandes auf Kuba nicht zu intervenieren. Die amerikanischen Bevollmächtigten Taft und acon verhandeln mit den Aufständischen zwecks friedlicher ilegung der Zwistigkeiten. Für alle Fälle werden 0 Mann amerikanische Marineinfanterie und Matrosen eit gehalten, in Havana zu landen, um erforderlichen as nach dem Lager von Columbia gebracht zu werden. Diese orsichtsmaßregel wird getroffen für den Fall, daß die Aufständischen, unzufrieden mit den Verhandlungen, die Stadt angreifen sollten.
Alien.
** Eine starte Spannung zwischen Rußland und Japan macht sich neuerdings bemerkbar. Der Widerspruch, den die russische Presse erhebt gegen die Eröffnung des Sungari und anderer Flüsse in der Wandschurei für den internationalen Handel, wird in Tokio mit Erstaunen aufgenommen, da die Schlickung des Sungari den Grundsatz der„, offenen Tür" tatsächlich zunichte machen würde. Der Widerspruch wird gerade jetzt als höchst inopportun betrachtet, wo Japan fich bereit zeigt, die freundlichsten Beziehungen zu Rußland zu unterhalten.
Kleine politische Nachrichten.
Wien, 24. September. Die 5., 9. und die 10. Division haben Mobilisierungsbefehl erhalten. Als vorläufiges Hauptquartier ist stip ausersehen. Man bringt die Mobilmachung mit den Balkanwirren in Beziehung.
Paris, 24. September. Der Hirtenbrief des französischen Episkopats über das Trennungsgesez wurde in allen Kirchen Frankreichs verlesen. Irgendwelcher Zwischenfall ereignete fich dabei nicht.
Newyork, 24. September. Eine Revolution gegen den Präsidenten Diaz ist in den Städten Minatitlan, San Geronim und anderen Ortschaften der Provinz Veracruz ausge= brochen. Das Militär schließt sich der Bewegung an.
Tientsin, 24. September. Der die französische Befagungs▪ truppe tommandierende General erhielt von seiner Regierung den Befehl, alle Dispositionen betreffend die Verringerung der Besatzung aufzuheben. Die Besatzungsstärke soll unverändert bleiben.
Deer und flotte.
Ein deutsches Kanonenboot im Taifun. Nach amtlicher Meldung hat das deutsche Flußkanonenboot ,, Tsingtau" durch den Taifun feine Verluste erlitten, weder an Personal noch in Material.
Herzog Albrecht von Württemberg preußischer Korps. Commandeur. Der bisherige Kommandeur der 26. Division, Seneral der Kavallerie, Prinz Albrecht von Württemberg, st nach Preußen kommandiert, um das Kommando des 11. Armeekorps zu übernehmen.
Der sozialdemokratische Reservist. Als auf dem Hauptbahnhof zu Thorn der Rua mit den entlassenen Reservisten
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macht auf mich fast den Eindrud, als ob du selbst" in ärgerliche Falten iegenb. 8um Schluß!" rief er grollend. fieh rasch und mit ungewöhnlicher Energie empor, fein Gesicht amvandelnde Schwäche nicht Herr werden laffen; ex raffte Aber thr Vater hatte
fragen, man drängt mich dazu; daß man fich geirrt, daß die Bewegung, die du an der beiner möglichen Bekanntschaft mit dem Ermordeten zu be statt beiner sprechen. Ich habe mich verpflichtet, dich nach Bewahre dein Geheimnis tief in beiner Brust und lasse mich chtelt eine rein zufämine bea bloßen Schredens und nun werde ich sagen,
wenn fie einem unsicht
nicht?" Heradhängenben leuchte er. Führe mich in den Keller". baren Gegner an die Gurgel wollten. Hände zudten, als
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uns beide gleich beschimpfend iſt" bor meinem Kinde von einem Verdacht zu reinigen, ter für Weil ich es unter meiner Würde halte, y tein 1" In barum chen" he mich
folgte
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tanzen tonnte,
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Kinder. die allerschönste Und ich tanzte immerfort mit Traute. andere junge Mädchen aus der Stadt da, aber Traute roat Beiber


