Mr. 219
Roboftien u bauptexpedition: Gießen, Seltersweg 88.
Fernsprechanichinh Nr. 862.
Dienstag, den 18. September 1906
Gießener
15. Jahrgang
Gentibellagen: Oberheffiſche Familienzeitung 5. and bie Gießener Setfenblafon( wöchentlich).
Neuelle Nachrichten
( Sichener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Beifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Velizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen
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auf
vorliegende Tageszeitung
für das
letzte Quartal 1906
werden von allen Postämtern, bei unseren Trägern und in unserer Geschäftsstelle entgegengenommen.
Reicher Text.
Gute Information.
Ausgezeichnetes
Familienblatt für alle Kreise.
Der Hcbtubr- Ladenfchluß.
Die Stadt Leipzig hat für ihren Bereich die Bestimmung getroffen, daß die Ladengeschäfte sämtlich von 8 Uhr abends an geschlossen sein sollen. Die Mehrzahl der LadengeschäftsInhaber hatte die Verfügung befürwortet. Es kann nicht fehlen, daß der Vorgang von Leipzig eine Ermunterung für andere Städte bilden wird, die neue Einrichtung gleichfalls einzuführen. Leipzig ist ein Geschäfts- und Industrieort ersten Ranges und hat sehr starken Fremdenverkehr. Gleichwohl haben dort die Kaufleute selbst sich dahin erklärt, daß die Läden von 8 Uhr abends an geschlossen sein sollen. Man wird hiernach nicht sagen können, daß die Vorschrift handelsfeindlich, daß sie gegen den Handel auch nur rücksichtslos ist.
Als der Ladenschluß um 9 Uhr abends gesetzlich angeordnet wurde, sagte mancher voraus, daß daraus großer geschäftlicher Schaden entstehen müsse. Sogar den jungen Angestellten prophezeite man Unheil aus der Neuerung, die fie veranlassen würde, in die Kneipe zu gehen, was immer weniger gesund wäre, als der überlange Aufenthalt im Geschäftsladen. Kurz: man versprach sich von dem Ladenschluß um 9 Uhr abends die übelsten Folgen.
Nur eine merkwürdige Erscheinung zeigte sich, die zu denken gab die großen Warenhäuser, die man nicht in Verdacht haben darf, daß sie aus übertreibender sozialer Gesinnung etwas tun möchten, was ihrem Geschäftsinteresse abträglich sein tönnte, erhoben nicht blos gegen den Neunuhr- Ladenschluß keinen Einspruch, sondern schlossen bereits um 8 Uhr. Sie hatten also keine Furcht, ihre Kundschaft an die kleineren und Spezialgeschäfte zu verlieren, die ihre Läden bis 9 Uhr offen hielten. Sie waren im Gegenteil ficher, daß das Publikum sich schnell gewöhnen würde, seine Einkäufe vor 8 Uhr abends zu machen. Sie mußten sogar der Ueber= zeugung sein, daß die Ersparnis an Beleuchtung den etwaigen Entgang am Umsatz reichlich decken würde. Und sie haben Recht behalten. Kein einziges Warenhaus hat daran gedacht, zu der vorigen und gesetzlich gestatteten Ausdehnung der Geschäftszeit zurückzukehren. Wenn jetzt die Mehrzahl der Leipziger Ladengeschäftsinhaber sich der Ansicht der Warenhäuser angeschlossen hat, so ist damit der Beweis erbracht, daß wenigstens in Leipzig die Ladengeschäftsinhaber von dem zeitigeren Ladenschluß feine Beeinträchtigung ihres Betriebes mehr besorgen.
Damit ist freilich nicht gesagt, daß für alle Orte zutreffen muß, was für Leipzig zutrifft. Die Lage des Geschäfts ist nicht überall gleich, die Geschäftsbedingungen sind nicht überall die nämlichen. In Süddeutschland gibt es fleinere und mittlere Städte, in denen Geschäfte mittags eine Stunde oder auch anderthalb Stunden lang geschlossen sind. Das ist keine Vorschrift, sondern Brauch. Die Geschäftsleute wissen, daß zur Zeit des Mittagessens der heimische Verkehr ruht. Da es einen auswärtigen Verkehr nicht gibt, so können sie ohne Schaden die Läden schließen und in Ruhe ihr Mittagsmahl verzehren. In Großstädten ginge das nicht an, schon weil es dort eine allgemeine Essenszeit nicht gibt. Hier hat man also einen Unterschied, der zeigt, daß für Großstädte nicht
ratsam ist, was sich in manchen Kleinstädten von seibst ein gebürgert hat. Nicht in allen Kleinstädten übrigens. Der an Wochenmärkte anknüpfende Besuch der ländlichen Bevölke= rung kann bereits die Geschäftsbedingungen umgestalten, den mittäglichen Ladenschluß hindern.
Beobachtung und theoretische Erwägung lassen erkennen, daß Inhaber und Angestellte von Tendenzgeschäften ihren Umsatz mit Bequemlichkeit in fürzerer Zeit besorgen könnten, als während deren sie dem Käufer sich zur Verfügung halten. Daraus geht die theoretische Möglichkeit hervor, in verfürzter Geschäftszeit die notwendige und erwünschte Arbeit zu leisten. Es handelt sich nur darum, daß der Käufer angehalten und gewöhnt wird, innerhalb billiger Grenzen sich in eine verfürzte Einkaufsgelegenheit zu schicken. Wird die Kürzung in einer Art allgemein eingeführt, so kommt niemand zu Schaden und es bleibt der reine Zeit- und Arbeitsgewinn für den Geschäftsinhaber und seine Angestellten. Es war deshalb sehr flug von dem Gesetzgeber, daß er den einzelnen Orten gestattete, in Uebereinstimmung mit der Mehrzahl der nächsten Interessenten eine weitere, mäßige Kürzung der Tendenzgeschäftszeit anzuordnen.
Das Hauptgewicht ist dabei auf die Zustimmung der nächsten Interessenten zu legen, denn diese werden in der Regel die besten Beurteiler der einschlägigen Verhältnisse sein. Sie werden sich nicht gegen Reformen sperren, die unter allen Umständen eine Vermehrung des Behagens bieten, sobald sie einsehen, daß ihnen daraus tein Schaden erwächst. Sie werden aber auch dafür sorgen, daß nicht sozialer Uebereifer zuweit geht und in einseitiger Berücksichtigung der Verkäufer bem Käufer Unbequemlichkeiten auferlegt und den Verkehr belästigt. Das Beispiel Leipzigs ist belehrend, aber nicht zwingend: es gibt nur eine Anregung, von Stadt zu Stadi eine erneute Prüfung der Verhältnisse eintreten zu lassen. Merkur.
Politifche Rundschau.
Deutsches Reich.
* Der preußische Justizminister Dr. Beseler weihte das neuerrichtete Oberlandesgericht in Düsseldorf feierlich ein. Im Anschluß an die Eröffnung fand in dem Rittersaale der städtischen Tonhalle ein Festmahl statt, an dem u. a. der Finanzminister sowie die Spigen der Behörden teilnahmen. Italien.
** In Mailand ist der 15. internationale Kongreß der Friedensfreunde eröffnet worden. Ein Vertreter aus Amerika berlas eine Depesche des Präsidenten Roosevelt, in der dieser namens des amerikanischen Volkes die Hoffnung ausdrückt, baß die Arbeiten der Konferenz für den Frieden einen neuen Schritt vorwärts zur Verwirklichung der Ziele der Anwälte des allgemeinen Friedens bedeuten möchten.
Amerika.
** Da die Intervention der Vereinigten Staaten auf Ruba in drohende Nähe gerückt ist, wollen die einheimische Regierung und die Insurgenten sich möglichst vertragen, um ber Intervention die Grundlage zu entziehen. Die Regierung ündigte die Einstellung der Feindseligkeiten an. Emissäre ber Regierung verhandeln mit den Aufständischen. Man nimmt an, daß genug nordamerikanische Kriegsschiffe in der hubanischen Gewässern oder unterwegs sind, um 5000 So' baten und Matrosen in vier Tagen an Land zu setzen.
** Jm Staate Ohio wurde die Tochter des Präside Roosevelt überfallen und mißhandelt. Frau Longwood frühere Miß Alice, hatte sich nach Colombo begeben, un ber Enthüllung eines Denkmals für Mac Kinley beizum Bei dieser Gelegenheit wurde sie von Weibern ang welche ihr die Kleider zerrissen und sie beschimpfte Longwood mußte in einen Laden flüchten, bis Poli und sie aus ihrer mißlichen Lage befreite. Alien.
** Abermals ist in China ein europäischer mordet worden. Aus Tientsin wird gemeldet, dr des österreichischen Konsulats, Emil Thiele,> war, die Heimreise nach Europa anzutreten, r getötet und einer Summe von 7000 Mar Thiele war ein geborener Samburger.
* Am 1. Oftober d. J. treten im B Eisenbahn- Verkehrsverbandes neue Bedir tellung von Privatwagen in Kraft. Vr ind Aenderungen angeregt worden. ber öffentlichen Arbeiten hat die Kön in Hannover beauftragt, die gemachte Eisenbahnverkehrs- Verbande zur E Rufsla
** Der überraschende Tod Hoftreise in gewaltige Erregu bes Zaren soll eine geheime der Dienerschaft des Zaren
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in Trepow und die anderen Hu, häuf haben. Trepow habe, so wird e über den Zorn seines Herrn, Hand an u Jeits glaubt man an das Bestehen einer Versch.. den Hof und führt die plötzliche Erfcantung mehrerer barauf zurück, daß die Verschwörer ihnen Gift beiceb...
haben. Der Tod Trepows wurde eine zeitlang verheimlicht, wie es heißt, soll das Ableben des Generals bereits vier Tage früher erfolgt sein. An seine Stelle ist der bisherige Kommandeur des Gendarmerieforps, General Dedjulin, zum Balastkommandanten ernannt worden. Amtlich wird erklärt, daß Trepow an Herzschwäche gestorben sei.
** Das Mitglied des Kriegsgerichts in Warschau, Generalmajor Doroschewsky wurde schwer verletzt, als er in einem Wagen durch die Straßen fuhr. Ein Unbekannter trat an den Wagen und verwundete den Generalmajor durch Revolverschüsse. Der Täter entfam.
Kleine politische Nachrichten.
Homburg v. d. H., 17. September. Graf Witte, frühere russische Ministerpräsident, ist bereits zum fi Male operiert worden. Man weiß noch nicht, ob gänzlich hergestellt ist. Nach vollendeter Heilung wi einige Wochen in Paris und Brüssel zubringen, nach Rußland zurückkehrt.
Canea, 17. September. Prinz Georg von hat eine Proklamation erlassen, in der er seine Oberkommissar bekannt gibt.
Mailand, 17. September. Im Ins Pallanza, Gravellona, Baveno 2c. find 8000 in den Ausstand getreten. Die übrigen den Generalstreik. Die Erregung ist gingen Truppen ab.
Teheran, 17. September. Mit
ist der Erlaß betr. die National worden. Die Nationalversamml bestehen, von denen 60 für? vinzen gewählt werden solle Jahre statt, die Abgeordne Dof I'
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ermutigend der Chef. Entschlagen Sie wandelte sich vollständig, was auf dem intlig bes alten Derri Mein Vertrauen zu ihm ist geschwunden, meine Hoffnungen ,, Es wäre denn, mein Sohn ber Liebe keinen Anspruch weiter. Bedenken," sprach
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Kommerzienrats. beugtes Haupt erhob. flammte es auf, uno tolée Don Patt bild Und demütig. Ich weiß es," sprach der Chef, indem er sein geschlages foll keinen Tadel für Sie enthalten. Lassen wir den baß in diesem Augenblid, recht tummervolle Untlig bes Ich rede nur zum Guten," sagte er ftreifte ein tüdischer Abweisung ihres Vor
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von befannter Stuffer
schwindelt wurbe. Das opfern einem tieinen Dorfee
ruhigen, anscheinend von so einfachen nicht träumen lassen, unehelichkeit und truges hätte es fi Schweinehanblerexanbile emmal, baB
eine Truhe aus biefem fleinen
Ort zu finden. Der Schweinehändler Menschen bewohnten
alter Giche.
Sir tru


