Ausgabe 
13.10.1906 Zweites Blatt
 
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trac 1866 in ein artillerieregiment ein. Dann machte er schnell Karriere.

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Das Telephon in der Westentasche. Nach den Berichten polnischer Blätter hat ein Warschauer Ingenieur einen Telephonapparat erfunden, der nicht größer als eine gewöhnliche Taschenuhr ist und mit Leichtigkeit in der Westen­tasche getragen werden kann. Der Gebrauch dieses Taschen­telephons geschieht in folgender Weise: Jeder Abonnent er­hält ein Taschentelephon und ein Schlüsselchen, das die Kontakt fästchen öffnet, die an allen Straßeneden und in den öffent­lichen Lokalen aufgestellt werden. Sobald der Abonnent sein Taschentelephon mit dem Kontaktkästchen verbunden hat, kann er mit der Station oder mit jedem Abonnenten, der ein Telephon besitzt, sprechen.

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Die Aufzeichnungen eines Selbstmörders veröffentlichten gestern Budapester Blätter. In den Amtsräumen der dortigen Staatsanwaltschaft hat sich am vorigen Donnerstag der 26jährige Schreiber Kornel Daumann erschossen. Auf seinem Schreibtisch fand man folgende Aufzeichnungen:

Beit meines Selbstmordes: 27. September, abends 1/28 Uhr.

Motiv: Liebe und Geld. Ich war in eine schöne Schauspielerin närrisch verliebt, die mich aber nicht ver­stand. Ich empfinde eine solche seelische Befriedigung, daß ich sie nicht beschreiben kann. Jezt kann sie sehen, wie sehr ich fie liebe.

Eltern: Jch bitte euch, verzeiht mir, aber ich konnte nicht anders.

Die Polizei bitte ich, mich nicht zu obduzieren. Freund Arthur: Den Revolver, mit dem ich den Selbstmord verübte, vermache ich dir. Unser Freund N. hat sich neulich fünf Gulden von mir geliehen. Kassiere das Geld von ihm ein und vertrinkt es beide zu meinem Andenken.

Gläubiger: Jhr aber weinet und schluchzet jetzt. So viel steht fest, wenn niemand um mich weint, ihr werdet mich beweinen!"

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Wustergültige Sträflinge. Die Sträflinge des Brionder Gefängnisses haben gar weiche Herzen. Ihr einziger Wärter stürzte neulich auf einem dienstlichen Gange hin und verlegte fich. Sein Seufzen und Stöhnen erweckte die Auf­merksamkeit und das Mitleid der Gefangenen, die ohne größere Anstrengung ihre Zellen aufbrachen und zu seiner Hilfe her­beteilten. Mit seinen Schlüsseln, die sie sich sofort verschafften, öffneten fie auch das Tor des Gefängnisses, begaben sich auf die Straße und requirierten auch dort Beistand für den er­frankten Wärter. Nachdem ein Arzt beschafft war, der übrigens nicht mehr viel zu helfen hatte, denn der Aufseher starb bald nach seinem Schlaganfall, kehrten die Sträflinge ruhig in ihre Zellen zurück.

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Ungefährliche Granaten. Im Arsenal von Hanyang am Yangtsefiang fand jüngst ein Versuchsschießen statt mit zwei schnellfeuernden Gebirgsgeschützen, die dort hergestellt waren. Für jedes Geschütz hatte man drei ebenfalls in dem Arsenal angefertigte Granaten bereit. Von diesen sechs Granaten wollte aber nicht eine einzige trepieren! Die als= bald angestellte Untersuchung ergab, daß ein kleines Versehen unterlaufen war, denn man hatte ganz vergessen, die Granaten mit Bulver zu laden!

Freiwillige Sanitätskolonne

Gießen.

Am 16. ds. Mts beginnt ein Ausbildungskurses

der von Herrn Oberarzt Dr. Flath geleitet wird.

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Ein irrfinniger Kaiser. Der Beherrscher des Kaiser­ceiches Annam, der 27jährige Tan Thai, von dem in den legten Tagen ganz unerhörte Grausamfeiten berichtet wurden, wird von der französischen Kolonialregierung abgesetzt werden. Ein Ministerrat des annamitischen Reiches wird nach Hue einberufen und wird dort unter dem Vorsitz des französischen Residenten den Nachfolger Tau Thais designieren. Tau Thai, der schon früher Anwandlungen blutigster Grausamkeit hatte, quält seine Frauen eigenhändig durch unerhörte Martern, ja er tötet fie in Scharen. Die entsetzlichen Folterungen, die er an den unglücklichen Geschöpfen zu seinem Privatvergnügen" bornimmt, lassen sich nicht einmal andeuten.

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Diebische Ratten. Ein Imker in Apen vermißte dieser Tage plöglich eine Summe von 600 Mark in Papiergeld, den Ertrag der letzten Honigernte. Nach langem Suchen stellte fich heraus, daß Ratten die Diebe waren. Die Tiere hatten die Banknoten in ihre Schlupflöcher geschleppt. Glücklicher­weise waren die Scheine nur wenig versehrt.

= Der schneuste zug Deutschlands ist nicht der D- Bug Berlin- Mailand, der zwischen Berlin und Halle eine Ge schwindigkeit von 87,8 Kilometer erreicht, sondern der D- Zug der Badischen Bahn, der zwischen Mannheim und Basel vers fehrt. Die Grundgeschwindigkeit dieses Zuges beträgt 95 Kilo­meter in der Stunde, darf jedoch in Verspätungsfällen auf 110 Kilometer gesteigert werden. Die Lokomotiven, die diese Züge führen, haben seinerzeit bei Schnellfahrten eine Höchst­geschwindigkeit von 144 Kilometern in der Stunde erreicht, noch dazu auf start ansteigender Strecke.

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Berlin als Fremdenherberge. Die Berliner Hotels verfügen nach einer statistischen Erhebung über 6849 Fremden­zimmer mit 10 711 Betten. Wenn also in den Hotels gegen 11 000 und in andern Logements etwa die gleiche Zahl von Fremden untergebracht ist, dann ist Berlin boll. Somit wären also die ungeheuren Zahlen gleichzeitiger Besucher, die man manchmal liest, in das Reich der Fabel zu verweisen. Eine Fabrik für Schulaufgaben ist in diesen Tagen in Budapest entstanden. In sämtlichen Mittelschulen wurden gedruckte Aufrufe verteilt, in denen den Schülern das An gebot gemacht wird, ihre Schulaufgaben um billigen Preis durch die erwähnte Unternehmung herstellen zu lassen. Die Unternehmung fertige schriftliche Aufgaben aus dem Kreise der Literatur, der Physik und der Geschichte, ferner Vor­lesungen für Selbstbildungsvereine, Abhandlungen, Festreden und dergleichen an, und zwar um den Preis von 80 Heller für je vier Seiten. Die Schulbehörden der Hauptstadt haben sich selbstverständlich sofort ins Mittel gelegt, um dieser selts fainen Unternehmung das Handwerk zu legen.

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Edelstein- Schmuggel en gros. Bei einem Spanier, namens Manuel Saurez, der am Mittwoch in Newyork an kam, fand man bei der Leibes visitation eine große Anzahl von Smaragden. Ein kleines Paket der Edelsteine war in den Rocksaum eingenäht. Weitere Pakete fand man in dem Hosensaum und unter den beiden Armlöchern. Bisher hat man 300 Smaragden von der feinsten Qualität entdeckt, hat aber Saurez in Gewahrsam behalten, um weitere Nach forschungen anzustellen. Die Edelsteine, die natürlich konfisziert wurden. repräsentieren einen Wert von etwa 100 000 Mart.

Bekanntmachung.

= rei ist der Bursch". An der amerikanischen Uni verfität Syrakuse scheint es außerordentlich streng herzugehen, was die Zucht" der Studenten anbetrifft. Der Kanzler der Universität teilte diesen nämlich mit, daß alle diejenigen, die in Zukunft Tabak rauchen oder ins Theater gehen, das volle Universitätsgeld zu zahlen haben werden. Die Universität hatte im letzten Jahre tausend Freistudenten, von denen mindestens die Hälfte durch dieses merkwürdige Verbot des Rauchens und des Theaterbesuches betroffen wird.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Die gestohlenen Goethe- Manuskripte. Im Laufe vorigen Jahres wurde die unliebſame Entdeckung gemacht, daß aus dem Schloß in Weimar eine Anzahl Kunstgegenstände, wert. bolle Manuskripte, Aquarelle 2c. entwendet seien. Der Antiquar Bach aus Weimar wurde verhaftet, weil man ihn in dem Verdacht hat, daß er, von dem unredlichen Erwerb der Kunst gegenstände wissend, sie dennoch gekauft hat. Bei seiner ersten Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter bestritt Bach jede Schuld; er behauptete, nicht gewußt zu haben, daß die Manuskripte auf rechtswidrige Weise aus dem Goethe und Schillerarchiv abhanden gekommen seien. Er selbst habe die wertvollen Schriftstücke von einem inzwischen verstorbenen großherzoglichen Küchenmeister zu angemessenen Preisen fäuflich erworben. Eine Haussuchung bei dem Verhafteten förderte verschiedene andere Manuskripte zutage, die ebenfalls dem Goethe- Schillerarchiv gehören. Die Verhandlung vor dem Landgericht in Weimar wird in großem Styl geführt, und zahlreiche Mitglieder der höheren Gesellschaft sind als Zeugen geladen.

§ Die Ehetragödie der Landesrätin Rutthofer. Frau Luise Rutthofer, die wegen Mordes an ihrem Ehegatten Landesrat Rutthofer vor dem Geschworenengericht zu Inns bruck stand, wurde von der Anklage des Mordes mit sieben gegen fünf Stimmen freigesprochen. Die Frage, ob sie die Tat im Zustande der Notwehr begangen habe, wurde ver neint. Die Frage, ob sie an dem Gatten Totschlag begangen, einstimmig bejaht. Luise Rotthofer wurde zu sieben Jahren verschärften schweren Kerkers verurteilt.

§ Der Mordversuch gegen die Trödlerin Ehrhardt in Berlin. Der Ueberfall, der am 14. April d. J. von zwei Individuen auf die 62 jährige Trödlerin Josephine Ehrhardt in ihrem Geschäftskeller am Zionskirchplatz ausgeführt worden ist, fam vor dem Schöffengericht des Landgerichts I Berlin zur Erörterung. Die auf versuchten Mord und schweren Raub lautende Anklage richtet sich gegen den noch nicht 25 jährigen Friseurgehilfen Karl Brandt aus Altona und den Steinmez Karl Schäfer. Wegen gemeinschaftlichen Raubes unter Mit führung einer Waffe wurden verurteilt: Brandt zu fünf Jahren, Schäfer zu sechs Jahren Zuchthaus, sowie je fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht.

§ Hartbestrafter Saccharinschmuggler. Die Straffammer in Frankfurt a. M. verurteilte den Kaufmann Högelsberger wegen Vergehens gegen das Vereinszollgesetz mit Süßstoff: jusaz zu 63 000 M. Geldstrafe. Außerdem wird das einen bedeutenden Wert repräsentierende, konfiszierte Saccharin ein. Jezogen.

Billard- Versteigerung.

Montag, den 15. Ditober d. J., mittage 1/2 Uhr

bersteigert der Unterzeichnete in der früheren Attienbrauerei Gießen" Leihgesternerweg, auf Anstehen: vier Billards

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß wieder eine Prämiierung von Dienstboten des Spartaffebezirks stattfinden soll. Prämien können von 5 zu 5 Jahren solche Dienstboten in engerem Sinne er­halten, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich darüber, sowie über gute Führung durch Zeug- bessere Fabrikate und guterhalten, gegen Barzahlung. nisse ausweisen können. Von Vollendung der 5 Dienst­jahre kann nur dann im letzten Dienbjahre abgesehen werden, wenn der Dienstaustritt durch Einberufung zum Die Mitglieder der skolonne wollen sich zu den Militär, durch Auflösung des Haushalts, oder durch Uebungsstunden pünktlich und vollzählig einfinden. Die Gründung eines eigenen Hausstandes erfolgt. Beitritt neuer Witglieder ist sehr erwünscht und nimmt Es werden hiernach alle diejenigen Dienstboten,

Die lebungsstunden werden Dienstags und Fret­tags in der Turnhalle der Stadtmädchenschule an der Westanlage abgehalten. Beginn: 9 Uhr abends.

der Kolonnenführer, Herr Stationsassistent Brück, Bei- welche nach diesen Bedingungen auf eine Prämie glauben trittserklärungen entgegen. Die Anmeldung fann auch Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vor­noch in der ersten Üebungsstunde im lebungs- Lokal lage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über erfolgen.

Gießen, den 6. Oktober 1906.

Der Borstand.

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gute Führung, sowie eines etwaigen Sparkassenbuches ( die Angabe der Nummer des Buches genügt ebenfalls) bei unserer Stasse oder der Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 20. Ifd. Mts. zu melden. Gießen, den 8. Oktober 1906.

Bezirkssparkasse Gießen. Doering.

Arbeitsvergebung.

Die Entwässerungsarbeiten am Lukaspfarrhause, Liebigstraße, sollen vergeben werden. Kostenanschlag und Bedingungen fönnen bei Herrn Architeft Stein bis zum 19. d. Mts.

Ziehung am 17. Oftober.- 1 Los nur 1 Mt. 1 eleganter Wagen, Zweispänner mit 2 Pferden und eingesehen werden. Angebote sind dem Unterzeichneten fompl. Geschirr i. W. von ca. Mt. 6000 bis zum 20. ds. Mts. einzureichen.

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Nr. 236

Samstag, den 13. Oktober

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