Ausgabe 
13.10.1906 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

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Samstag, pen 13. Oftober 1906

Gießener

15. Jahrgang

Sontibellagen: Oberbeffische Familiengritung und bie Gießener Seifenblassa( wöchentlich)).

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

fir Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Rokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

# rtbält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großb. Bürgermeisterei Gießrn, des Gron. Volizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Cherheffen

Heizen und Lüften.

Die Sorge für unsere Bimmer im Winter. Von Heinrich Osten.

Der Herbst schickt seine talten Binde durch das Land. Wie lange wird es dauern und der Winter tritt die Herr­schaft mit Schnee, Eis und Frost an. Da heißt es, Wärme im Heim zu schaffen, damit die im Freien steifgewordenen Glieder auftauen können in der Behaglichkeit des häuslichen Herdes. Die regelrechte Zuführung reiner frischer Luft in Die zum Aufenthalt von Menschen bestimmten Riume ist aber ebenso wichtig; leider aber noch nicht überall genügend

erfannt.

Von den Brennstoffen kommen für die Erwärmung der Wohnräume im Grunde nur die festen, nämlich Stein-, Braun­und Preßkohle, Holz, Torf und Kots, sowie von den gas­förmigen noch das Leucht- und Generatorgas in Betracht. Der Verbrennungsprozeß und die Wärmeentwicklung dieser Heizmaterialien beruhen auf der Verbindung der brennbaren Bestandteile mit dem Sauerstoff der Luft. Die Verbrennung erfordert also die Zuführung einer gewissen Luftmenge; je vollständiger die Verbrennung, um so besser wird die Heiz­traft eines Materials ausgenutzt.

Die durch den Verbrennungsprozeß einer Menge Sauer­ftoffs beraubte, aber mit gesundheitsschädlichen Verbrennungs­produkten erfüllte Luft steigt infolge ihres verringerten spezifischen Gewichts in die Höhe und entweicht durch den Schornstein, um unten der frischen Luft den Zutritt zur Feuerung zu gewähren. Die Unterhaltung des Feuers be­dingt also einen beständigen Luftzug, über dessen Wirkung uns die Färbung der Flammen belehrt. Die bläulich- grüne Färbung zeugt von vollständiger, eine rötliche oder rötlich­graue Flamme von unvollständiger Verbrennung der Kohlen­ftoffteilchen.

Von einer guten Ofenkonstruktion wird vor allem eine hinreichende und richtige Zuführung des Sauerstoffs, sowie eine angemessene Wärmeabgabe an die Zimmerluft verlangt. Diesen Bedingungen entspricht am wenigsten der Kamin, dessen Feuer nur durch direkte Warmeausstrahlung heizt, aber nichtsdestoweniger durch neuere, rationell eingerichtete Feuerungsanlagen noch immer nicht zu verdrängen ist. Das Leucht- und Generatorgas zur Zimmerbeizung zu verwenden,

Bekanntmachung.

Die nachstehende Bekanntmachung bringen wir hier­mit zur öffentlichen Kenntnis.

Gießen, den 11. Oftober 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen

Curschmann.

Bekanntmachung.

Bei der heutigen Wahl durch die Vertrauensmänns­männer im 1. Wahlbezirk Gießen ist

Herr Wilhelm Weil zu Lang- Göns

jum Mitglied der Landwirtschaftskammer und die Herren 1. Heinrich Silbert II zu Heuchelheim, 2. Bürgermeister Hirz zu Wagenborn

zu Mitgliedern des Ausschusses der Landwirtschaftskammer ir die Provinz Oberhessen gewählt worden.

Einwendungen gegen die Wahl können binnen einer Woche nach Ablauf des heutigen Wahltags( 18. Oftober 06) erhoben werden. Sie find bet der Bürgermeisteret des Wohnorts oder bei dem Unterzeichneten vorzubringen. Gießen, den 11. Oftober 1906.

Der Wahlfommissär:

gez.: Dr. Breidert, Gr. Provinzialdirektor, Geheimerat. Betr.: Rotlausseuche.

Bekanntmachung.

Nachdem die unter dem Schweinebestand des Wilhelm Better, Leihgesternerweg 23 dahier ausgebrochene Rotlauf­sen dhe erloschen ist, wird die unterm 13. September 1906 angeordnete Sperre aufgehoben.

Gießen, den 10. Oftober 1906.

Großh. Bolizeiamt Gießen.

Herberg.

Bekanntmachung.

Die unterm 13. September 1906 angeordnete Sperre

von Mem der Crednerstraße zwischen Klinik- und Hofmannstraße|

Ein Trauerspiel mit Chören

Fr. Schiller.

bird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 12. Oktober 1906.

Großherzogliches Bolizeiamt Gießen.

Herberg.

tt nicht ganz unbedenklich. Es sind selbst bet sorgfältigster Beobachtung der Oefen Gefahren nicht ausgeschlossen.

Meistenteils werden wohl noch Oefen verwandt. Die Luft erwärmt sich an den Ofenflächen, dehnt sich aus, wird spezifisch leichter und steigt infolgedessen nach der Decke des Raumes, während unten falte, schwere Luft an ihre Stelle tritt.

So erfolgt eine fortwährende Zirkulation und all­mähliche Erwärmung. Der Hauptzweck der Defen, die auf­genommene Wärme der Zimmerluft mitzuteilen, ist für die Wahl des Ofenmaterials bestimmend; es kommen allerdings nur zwei sehr wohlfeile und zugleich sehr feuerfeste Bau­materialien, Ton und Gußeisen, in Betracht. Um die Be­dienung der eisernen Desen zu erleichtern und das fort­währende Nachschütten von Brennmaterial zu vermeiden, hat man sogenannte Füll- und Regulieröfen konstruiert, in denen eine größere Menge von Heizmaterial zur allmählichen Ver­brennung gelangt.

Die Zentralheizanlagen, welche sich in öffentlichen An­stalten, wie Schulen, Museen, Kranken- und Badehäusern, Kasernen usw. so vortrefflich bewährten, haben sich für Miets­häuser nicht als zweckmäßig erwiesen. Dagegen ist eine Zentralheizung wohl angebracht in Gebäuden, welche von einer Familie allein bewohnt werden, also in Villen, Palästen usw. Zentralheizungen erzeugen häufig durch Ver­brennen von Staub, der auf die heißen Flächen der Heiz­förper fällt, gesundheitsschädliche Verbrennungsprodukte. Es muß daher für die Reinhaltung der Heizkörper ganz besonders gesorgt werden. Die Ursachen der Luftverunreinigung in den von Menschen benutzten Räumen erfolgt in der Tat nicht zum geringsten Teil durch Verbrennungsprodukte, und zwar sowohl durch Gase der Heizanlagen, wie durch solche der Beleuchtung. Hierzu kommen die Ausscheidungsprodukte der Menschen durch Ausatmung und Ausdünstung.

Es gibt zwei Wege, die Lufterneuerung zu bewirken: entweder jagt man die schlechte Luft zum Hause hinaus und überläßt es dem atmosphärischen Druck, das fehlende Luft­quantum zu ersezen, oder aber man preßt mit Gewalt frische Luft in den zu lüftenden Raum hinein und zwingt die ver­brauchte zu entweichen. Die letzte Methode kommt für die Ventilation von Wohnräumen nicht in Betracht, da sie gleich­sam als ultima ratio angesehen wird.

Für uns handelt es sich hier um kleine, einfache und nicht zu kostspielige Apparate. Ru den einfachsten Vor­

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richtingen gehören die Lüftungsgitter, die in eine Deffnung eines vertikalen, bis über Dach geführten engen Mauerschlots eingesetzt werden, und zwar unmittelbar unter der Zimmer­decke, da die verbrauchte Luft nach oben steigt. Will man die Wirkung erhöhen, so ordnet man hinter diesem Gitter eine Gasflamme an. Um gleichzeitig frische Luft in größerer Menge zuzuführen, kann man am entgegengesetzten Ende des Zimmers und zwar möglichst unmittelbar über dem Fuß­boden eine kleine Deffnung in der Frontwand herstellen, die nach außen durch ein Gitter verschlossen wird; von innen schiebt man in die Deffnung einen quadratischen Blechkasten mit durchlöcherter Rückwand. Man ist nun in der Lage, diesen Kasten nach Erfordern mehr oder minder weit heraus­zuziehen, und je nachdem man ihn mit seiner Deffnung nach unten, oben oder seitwärts einschiebt, die eintretende Luft abzulenken, so daß Zugluft vermieden werden kann. Eine sehr einfache Vorrichtung zur Entlüftung der Gesellschafts­räume bei zahlreichem Besuch kommt merkwürdiger Weise nur selten zur Ausführung. Es ist das eine Deffnung über dem Kronleuchter, die mit einem geschmiedeten Eisen- oder Bronzegitter versehen und mit einem in der Decke liegendeu, nach außen führenden Blechkanal in Verbindung gebracht werden kann.

Daß diese Lüftungsvorrichtungen noch unvollkommen find, muß ohne weiteres zugegeben werden; wir müssen uns jedoch mit diesen Apparaten begnügen, bis beffere geschaffen werden. Thöricht aber ist es, nicht einsehen zu wollen, daß eine rationelle Lüftung der Wohnräume ebenso wichtig ist wie die Kanalisation. Denn es ist nicht minder gefährlich, schlechte Luft einzuatmen, wie verpestetes Wasser zu trinken. Allerdings zeigen sich die Folgen der ungenügenden Ventilation erst nach längerer Zeit, wenn es überhaupt möglich ist, die Einwirkungen der schlechten Luft zu konstatieren.

Vermischtes.

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= Was and einem Schlofferlehrling werden kann. heue Präsident des Reichsmilitärgerichts, General Linde hat einst, was nicht allgemein bekannt sein dürfte, als einfacher Schlosserlehrling angefangen. Er wollte Ingenieur werden und trat gleich nach der Konfirmation in eine kleine Schloffers werkstatt ein, um praktisch zu arbeiten. Die mechanische Arbeit fagte ihm aber nicht zu; er aina aufs Gymnasium zurüd und

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Renntnis, daß die Friedhöfe vom 16. Ottober bis 15. März 1907 von morgens 8 Uhr bis abends 5 Uhr ge öffnet sind.

Die Schließung des Friedhofes wird durch Läuten der Friedhofsglode angezeigt. Bei Beginn des Läutens muß der Friedhof sofort verlassen werden. Eine Viertel­stunde nach dem Läuten werden die Friedhofstore ge­schlossen.

Gießen, den 10. Oktober 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen Mecum.

Bekanntmachung.

Die unterm 17. Eeptember 1906 angeordnete Sperre der Wetsteinstraße zwischen Nordanlage und Wetstein­gasse wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 12. Oftober 1906.

Großh. Bolizeiamt Gießen.

Herberg.

Submission.

Für die Klinik für psychische und nervöse Krank­heiten soll die Lieferung von:

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auf dem Wege der öffentlichen Submiffion vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen liegen an den Wochen­tagen. nachmittags 3-5 Uhr auf dem Verwaltungs­bureau offen.

Angebote unter Anschluß von Proben find ver­schlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin:

Mittwoch, den 24. Oktober 1906, vorm. 12 nhr, auf dem Verwaltungsbureau einzureichen.

Der Zuschlag erfolgt bis zum 29. Oftober 1906. Gießen, den 4. Oktober 1906.

Großh. Direktion der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten. J. V.: Dr. Dannemann.

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