Bobiel ich fehe, fönnen Sie jest ble Figur ohne fene Dame
Fertigstellen.
Sirngespinst einer nervösen Ueberspannten. Das hat gar Heiraten ist doch nur ein schlechter Scherz oder ein törichtes Sie ihr noch einen gehörigen Bay Geld. Das mit dem Die Hauptfache baran ist ja getan. Also geben
bas auch bei Ihnen der Fall?"
Künstler, fagt man fa wohl oft, hätten ein weites
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" Das tann ich von mir nicht sagen." Biebe zurüidgelaffen? Oder haben Sie " Dann haben Sie wohl brüben in Ihrer
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Nr. 160
Nebattion u.Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83, Fernsprechanschluß Nr. 362.
Mittwoch, den 11. Juli 1906
Gießener
15. Jahrgang
Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( g und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umachuma.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheijen
Jugendliche Verbrecher.
Es vergeht faum ein Tag, an dem wir nicht von schweren Vergehen, ja Verbrechen Jugendlicher hören. Und es will fogar scheinen, als ob die Zahl dieser jugendlichen Verbrecher bedenklich anwüche.
Das Problem der Erziehung der Jugend zu ordentlichen Mitbürgern beschäftigt feit langem in gleicher Weise Vädagogen, Juristen und Mediziner. Und auf feinem Gebiete fann man deutlicher die Zunahme sozialen Verständnisses erfennen, als auf diesem; schafft sich doch immer deutlicher die Erkenntnis Raum, daß die Gesellschaft selbst am stärksten daran intereffiert ist, durch aeeignete Maßnahmen die Gefahren der Runahme jugendlicher Verbrecher zu befämpfen. Denn der Verbrecher ist der Feind der Gesellschaft. Sorgfame Aufnahmen haben uns über die Ursachen der sozialen Krankheitserscheinungen orientiert. Wodurch fommen die Kinder auf den Wea des Lasters? Da wir den quals vollen Gedanken des„ aeborenen Verbrechera" ablehnen und die Ansicht Lombrosos vermerfen müssen, daß gewisse Schädelformen und mancherlei Reichen förberlicher Degeneration den damit Behafteten zum Verbrecher machen, so baben mir die fozialen Ursachen zu fludieren. Und in der Tat: von gerinaen Ausnahmen abaefehen, wird man immer in der Familie ingendlicher Verbrecher die letzten Quellen der Vermahrlosuna finden. Es ist sehr bezeichnend, daß ein aroßes Kontingent dieser Jugendlichen die unehelichen Kinder stellen, die immer der Rucht des Vaters, sehr häufig auch der Liebe der Mutter entzogen, von Fremden nur Härte und Liebloftafeit empfanden, und so aus eächteten Verächtliche merden. Meist freilich ist die Armut die Ursache fittlichen Verfommens. Wo die Mutter tagsüber in der Fabrik arbeiten muß, da fommen die Kinder bald aus Rand und Rand. Dazu kommen die Gefahren der Wohnung not. Wenn fich das häusliche Reben mit ſeinen 11nrithen und Sorgen in einem Raum abspielt, so ermachien fittliche Gefahren. Kommt dann noch hinzu, daß man fremde Leute die Heimatlofen unserer Reit bei sich aufnehmen muß, über deren ttliche Eigenfchaften man nicht orientiert ist, so der Verführung die Bahn gegeben, daß in den Familien, in denen Vater und Mutter oder Geschwister in Gefängnissen und Zuchthäusern als Staatspennonäre gelebt haben, fein besonders ver fittlichender Einfluß auf die Kinder ausgeübt wird, darüber braucht faum noch ein Wort gesagt zu werden. Vor allem aber zeigt sich wie in den meisten Lebensbeziehungen der Alkohol als soziales Gift. Kinder, die das böse Beispiel trunksüchtiger Eltern vor sich haben, sind der Verwahrlosung besonders ausgesetzt. Oft wird man in solchen Familien die Kinder unter den verschiedensten Formen zum Betteln anhalten. hf die Straße geworfen, erzieht sie das Bettlerleben zur Verlogenheit, zur Naschhaftigkeit, zum Neid gegen den gleißenden Schimmer der Reichen, bis aus dem Neid und der Habgier verbrecherischer Antrieb zum Diebstahl wuchert.
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Das Kind foll feine Jugend froh aenießen, an guten Beispielen feine fittlichen Kräfte entfalten und nur in den Vorstellungskreisen der Kindesfeele heranreifen. Swingt man aber die Kinder frühzeitig in die Not des Lebens hinaus, so wird die sogenannte Kinderarbeit zugleich mit den physischen Kräften der Kinder auch die sittlichen Impulse zerstören. So hat man feftuellen fönnen in der Pfalz, in Thüringen, den nördlichen Kreifen von Baden und in Sachsen, daß überall, wo die Verwendung der Kinder in der Industrie stark verbreitet ist, auch die Kriminalität der Jugend im Verhältnis zu der der Erwachsenen sehr hoch ist.
Freilich muß es die Aufgabe unferer Justiz sein, die Kriminalität der Kinder und Jugendlichen besonders sorgsam zu behandeln. Die Reform des deutschen Strafgesetzbuches dürfte auch hierin Wandel schaffen und die Verschiebung der Strafmündigkeitsgrenze von zwölf auf vierzehn Jahre berbei ühren, wie in England, oder gar auf fechzebn Jahre, mie es im Staate Connecticut Gesetz iſt. mar läßt das deutsche Strafgesetzbuch dem Richter insofern freie Hand, daß es eine Verurteilung des Jugendlichen nur bann zuläßt, menn dieser eine Einsicht in seine firafbar Handlung gehabt hat. Indeß, wo ist hier eine Grenze z11 ziehen? Der Gedanke, daß ein Zwölfiähriger, der seinem Spielkameraden eine Tüte Bonbons oder eine Stulle wer nimmt, mit Gefängnis bestraft wird, hat etwas Erichüttern, des für uns. Wir schlagen uns an unsere eigene Brust und fragen uns: Hast du das als Runge nicht auch getan? Und wie dehnbar ist doch der Begriff der Einsicht in eine ftrc= bare Handlung bei einem Jugendlichen! Wir stehen beute erst bei den frühesten Anfängen einer KinderpsychoJonie. Die Seele des Kindes, wie sie sich in den verschiedenen Lebensjahren entwickelt, ist uns noch ein ganz unbekanntes Gebiet und wie- fremd ist uns da erst die Kenntnis des Eins Flusses, den äußere und innere Impulse auf die Kindesseele haben! Was wissen wir vom freien Willen des Kindes und von den Kräften, die ihn abdrängen, schwächen und gar ausschalten!
So darf man es denn als einen glücklichen Vorschlag bezeichnen, der für die Jugendlichen eigene Gerichtshöfe wünscht, in denen nicht formales Recht und die Kunst, selbst
den gewiegtesten Verbrecher zu entlarven, sondern die Kinderpsychologie richtet.
Dann werden wir wohl auch dahin kommen, daß der jugendliche Verbrecher nicht im Gefängnis sühnt, sondern in Erziehungsanstalten oder bei ernsten Familien zu brauch baren Gliedern der Gesellschaft herangebildet wird.
Politifche Rundfchau.
Deutfches Reich.
* Halbamtlich werden Aufschlüsse über die Mrheiten des Reichetans nach seinem Zusammentritt im Herbst ge= neben. Fertingestellt find Gefeßentwürfe über die Rerieibung der Rechtsfähigfeit an die Berufsvereine, die Novelle zum Börsengesetz und der Gefeßentmurf über die Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker. In Vorbereitung find die Novelle zum Niehseuchengefeß, Entwürfe über die Mene una des Gebeimmittelmesena, über den Schuß der Heimarbeiter im Tabafaewerbe und einige Versicherungsentwürfe, one en zu den Gesetzen über die Untersuchung der Seeunfälle und über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, auch ein Steuerentwurf über die Neuregelung der Maischbottichsteuerbergütung u. a. m.
* In den Aufstandsgebieten von Deutsch- Ostafrika fanden mehrfache erfolgreiche Gefechte statt. Oberleutnant Abel stieß in das Trakugebiet vor und wurde mehrfach angeariffen. Die Abteilung Reißenstein hatte einen Verlust von sieben Toten und 16 verwundeten Hilfskriegern. Der Aufstand in Iraku gilt als lokalisiert.
* Ein internationaler interparlamentarischer Sozialistenfongreß findet vom 17. bis 20. Juli in London statt. Vertreter aller Parlamente, darunter solche der Duma, werden den Beratungen beiwohnen.
Frankreich.
** Zwischen zwei m der Dreyfus- Affäre vielfach acnannten Persönlichkeiten fand anläßlich des neuesten Prozesses vor dem Kasationshof ein Duell statt. General Gonse, einer der heftigsten Ankläner des Dreyfus, hatte in einem offenen Briefe, an den Kassationshof gewiffe auf ihn bezüg= liche Aussagen des Oberst Picquart als Lüge bezeichnet. Vicquart hatte geantwortet: Jeder Protest ist überflüssig. General Gonse hat im Laufe dieser Affäre so oft die Wahrheit entstellt, daß sein Wort feinen Wert mehr besitzt." Darauf fandte Gonse seine Zeugen, den General Delohe und den Publizisten Ernest Judet zu Piquart. Man schoß einige Löcher in die Luft und ging dann nach Hause.
Balkanftaaten.
** Wie es heißt, soll der griechisch- rumänische Konflik in den nächsten Tagen endgiltig beigelegt werden. Inzwischen Griechische dauern die Untaten griechischer Räuber fort. Banden verübten sieben Mordtaten an Rumänen in Maze= donien. Unter den Ermordeten befinden sich der Vater des Dragomans der rumänischen Gesandtschaft in Konstantinopel und der Schwiegervater des Direttors der rumänischen Schule in Magarowa.
Nach einer min steriellen Erklärung steht auch für Bayern eine Porto- Erhöhung bevor. In der Budgetkommission des bayerischen Abgeordnetenhauses sagte der Verkehrsminister, daß die vom Reichstage für das Gebiet der Reichspost beschlossene Porto- Erhöhung vom 1. August auch in Bayern eintreten wird.
Oefterreich- Ungarn.
** Im österreichischen Abgeordnetenhause wurde ein Antrag angenommen, demzufolge behufs Erhaltung der Ausfuhr von Gerstenmalz nach Deutschland Einfuhrscheine für Gerste und Malz nach dem in Deutschland bestehenden System vom 1. August ab eingeführt werden sollen.
Amerika.
** Bei der erneuten Regierungsübernahme hat Präsident Caftro von Venezuela eine allgemeine 2mnestie für die sämtlichen politischen Gefangenen erlassen. Auch hat er den beſchlagnahmten Besitz des Generals Matos freigegeben. Afrika.
** Schlimme Nachrichten lommen über Ausschreitungen der Kafern in Transvaal. In Johannesburg und Umgegend kommen fortgesetzt Vergeben gegen Leben und Eigentum vor. Die chinesischen Kulis beginnen mit den Kaffern gemeinsame Sache zu machen. Sie vlündern die Farmen, bedrohen die Einwohner mit Ermordung und schleppen die Frauen fort.
Die Kolaken meutern!
Was von fundiger Seite schon seit Längerem angefündigt wurde, beginnt zur Tat zu werden. Die letzten Säulen des Zarentums wanken: nach der Garde kommen die Kosaken und zeigen die Absicht, mit der Revolution ges meinsame Sache zu machen.
Was von den betreffenden Vorgängen bekannt wird, flingt bedenklich genug.
Kosaken und Arbeiter verbrüdern sich! Während früher einmal vereinzelt ein baar Kosalen vom Polizeidienst nichts mehr wissen wollten, ist es neuerdings zu einem Zusammenwirfen ganzer Cotnien mit Scharen demonstrierender Arbeiter gefommen. Be sonders deutlich trat diese Wendung in Jusowta int Bouvernement Sefaterinoslat in die Erscheinung. Nach dem schon mehrfach unter den hort garnisonierende Koiaken schwere Verstöße gegen die Disziplin vorgekommen waren, weigerte sich eine Sotste ausdriteflich, zur Nebung auszurücken. Als die Aufrühe arfangen gesetzt wurder. beschlossen die Arbeiter, sie zu befreier, und eine andere Sotnie weigerte fich, auf die Denonitranten zu feuern. Es wurden andere Truppen zum in der Sofatentaferne herangezogen, und zwischen diesen und den Arbeitern fam es zum Kampf, bei denen es auf heiden Seiten Verwundete gab. Als dann die Arbeiter durch 3000 Berelente Verstärkung or bielten, entwickelten sich wüfte Szenen, her d: 8 in einent Telegramm aus Petersburg wie jaigt bericht wirb:
Ala die Berglente vor der Seierne erfuhren, daß der Pug mit den berbafteten Sofaten bereits nach Bodmut abaefertigt sei, besetzten sie die Bahnlinie und forderten daß der Zug zurückbeordert werde. Den herbeieilsuden Truppen gelang es erft nach großer Anstrengung, die Stake herzustellen.
Derartige Vorfomniss me noch vor kurzer Zet: etnfach undenkbar.
Die Kosaken und die Duma. Smmer Iouter erhebt sich allenthalben im Rofafenla der Ruf nach Demobilisierung der aufgebotenen Landesfinder. Nach Beendigung des Krieges wollen die Kosaten in die Heimat zurück, und neue Anfaebote sind nicht mehr ers reichen. So wird aus Nowotscherfast gemelder, daß die Sofafen nicht in die Mobilmachung neuer Sotnien des zweiten Aufgebots einwilligen und den Beschluk fakten, die Reich duma 11 ersuchen, fie möchte auf die Entlassung der hereits mobilisierten Kosaten- Regimenter hinwirken. Diefer Appell der Kosaten an die Duma gehört zu den bezeichnendsten Phasen der neuesten Werbung.
Die Nevolutionierung der Armee.
Wie wir ons einmandfreier Quelle erfahren, bat die Gärung in der mee viel weiter um sich gegriffen, wie die ei. zelnen darüber aus Rußland zu uns gedrungenen Meldungen erkennen ließen. Die planmäßig hetriebene Taitation ist unter den Soldaten auf sehr faren Boden gefallen. Gerade auch die Garde ist per Desorganisation. Die Versetzung von Gardeoffizieren in die Linie und der gleichen Behandlung ganzer Truppenteile nimmt ihren Fortoang. So find die beiden Wu forps des Preobrafchensfifchen- Regiments, die an der Aufmiegelung besonders tätig waren, ebenfalls in de Linie aefteckt worden. Immer deutlicher tritt die rein politische Seite der Bewegung in die Erscheinung. So wird uns aus Warfchou berichtet:
Zwei hier garnisonierende Sappeur- Bataillone verlangten die Freiheit für das Land. Sie stellten die Forderung auf, die Regieruna abzusetzen und sie einem Voltsgerichte zu übergeben, sowie eine fonftituierende Ver: sammlung zu berufen auf der Grundlage des allgemeinen und direkten geheimen Stimmrechts.
Alle offiziösen Versuche, die Tatsachen zu verschleiern. vermögen nichts daran zu ändern, daß die militärischen Obrigkeiten die strengsten Maßnahmen treffen müssen, um das Umsichgreifen der Gährung zu hindern.
Die Bauern und die Revolution.
Für die fernere Entwicklung fommt alles auf die Be wohner des piatten Landes an. Bei der russischen Bauern schaft liegt zur Zeit die zufünftige Entwicklung. Wie wir von dem erwähnten Gewährsmann ferner erfahren, ist die revolutionäre Propaganda eifrig am Werke, wie die Arme so auch die Bauern überat für ihre Tache zu gewinnen, un wie behauptet wird, soll dieser Plan dicht vor der Verwir?. lichung stehen. Daß diese Hoffnung feine übertriebene uit. ceht aus den von allen Seiten einlaufenden Meldungen her vor, die eine Zunahme der Ausbreitung der grarunruber feststellen. Immer bäufiger werden zugleich die Meldunger über bewaffneten Widerstand der Bauern. Inzwischen has der Ausschuß der Duma, der die Bauernfrage bearbeitet, einstimmig die Enteignung sämtlicher Staats-, Kron- und Kirchenländereien zugunsten der Bauernschaft beschlossen. Nur dem Klerus soll eine mäßige Entschädigung gewährt werden. Aufreizend wirkt auf das Land auch das Beispiel der Stadt. So ist im Hafen von Odessa wieder ein allgemeiner Ausstand ausgebrochen.
Roschdjestwensli freigesprochen.
In der Verhandlung über die Uebergabe des Torpedobootes ,, Bedowy" an die Japaner ist nun das Urteil vom Kronstädter Marinefriegsgericht gefällt worden. Vier Offiziere wurden für schuldig erachtet, die Bedowy" den Japanern übergeben zu haben, wofür die Todesstrafe durch Erschießen über sie verhängt wurde. Sie werden jedoch der Gnade des Kaisers empfohlen mit der Bitte, die Todes.


