Ausgabe 
7.7.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 157

Erstes Blatt.

Redaktion u.Haupterpebition: Gießen, Selters weg 83, Fernsprechanschluß Nr. 362.

Samstag, den 7. Juli 1906

Gießener

15. Jahrgang

Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglichy und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheien

Glückliche Aussichten.

Politische Wochenscha u.]

Das deutsche Volk kann wohlgemut in die Zukunft blicken. Weit über den Rahmen eines frohen Familien­ereignisses hinaus hebt sich der Vorgang, der sich am Mitt­woch im Marmorpalsis zu Potsdam abwickelte. Der neue Sproß des Hohenzollernhauses ist dazu be­stimmt, dereinst die deutsche Kaiserfrone zu tragen, die ruhm­bollen Traditionen seiner Vorfahren fortzusehen zu des Volkes Wohl und des Reiches Gedeihen. In der Fülle männlicher Kraft waltet Kaiser Wilhelm II. feines Amte3. blühende Söhne find ihm herangewachsen und nun ist auch die dritte Generation auf den Plan getreten. Dem auf seiner alljährlichen Nord­landsreise befindlichen faiserlichen Großvater mag die Kunde aus Potsdam fröhlich geklungen haben, sieht er doch sein Werk gesichert in den Nachfahren. Die Kaiserkrone strahlt in vollem Glanze, Preußens Herrscherhaus hob sie mit starker Hand aus dem Wirrnis der Zeiten, zu ihrem Schuße stehen Kinder und Enkel bereit. Mit Freude und lebhafter Be­friedigung blickt das deutsche Volk auf die Wiege des jungen Hohenzollernfindea, in allen Ganen des weiten Vaterlandes bat Arm und Reich gemeinsam Teil an ihm. Das zarte Kind wird in Gesundheit, wenn alle Erwartungen und Wünsche Wahrheit werden, heranreifen und dereinst_be­deutenden Einfluß auf die Geschicke der Nation ausüben. So fnüpfen fich die wärmsten Hoffnungen an sein Wohl­ergehen und an die Bildung seines Charakter, der nach den erhabenen Traditionen des Hauses Hohenzollern hin­gelenkt werden wird zu lauter stem Pflichtgefühl, zum Bewußtsein, daß nach dem Worte des großen Friedrich, der König des Staates erster Diener sein soll. So eröffnen fich wahrhaft glückliche Aussichten für Herrscherhaus und Volk, Aussichten auf Ausgleichung der Gegensäge im Innern, auf Frieden mit den Nachbarn, auf gedeihliche Ent­wickelung und Kulturfortschritt.

Gute Aussichten geben die Verhandlungen über wichtige Fragen der inneren Politik in den einzelnen Bundesstaaten. Das langeriehnte Werk der Personentarifreform ist einen Schritt vorwärts gebracht worden. Württem berg will den Stein, von dem bisher die Verhandlungen still standen, aus dem Wege räumen und die vierte Wagen­klasse einführen. Bayern und Baden sind zu diesem Ent­schlusse bisher nicht gefommen, aber bei dem auf allen Seiten vorhandenen Willen wird auch hier die Zeit sicherlich eine Verständigung mit den norddeutschen Vorschlägen bringen. In Preußen haben sich die maßgebenden Parteien über das Schulgeset geeinigt, so daß ein Abschluß der gesetz. geberischen Aktion in Kürze zu erwarten ist.

Die Zustände in unseren Kolonien find noch nicht bis zu dem Punkte geregelt, an dem man von voller Be: friedigung sprechen könnte. Mit eifriger Hingabe und rück: haltlofer Einsetzung von Leben und Gesundheit sind unsere Truppen dabei, den unruhigen Gebieten die notwendige Sicherheit wiederzugeben. Nach der Mühe wird des Sieges Preis nicht ausbleiben, zumal auch die obersten Reichsbehörden alle Kraft daran sezen, einzelne bei allen menschlichen Unternehmungen unvermeidliche Mißstände aus dem Wege zu räumen. Von großem Un­heil wurde in dieser Woche die freie Reichsstadt Ham burg betroffen. Das in einem der ehrwürdigsten firchlichen Baudenkmäler aus vergangenen Zeiten ausgefommene Feuer vernichtete nicht nur das Gotteshaus, sondern legte auch eine Reihe von Wohn- und Geschäftshäusern in Asche. Doch der Mut unserer waderen Hanseaten wurde durch die Kata­strophe nicht gebrochen. Wetteifernd wirfen Senat und Bürger chaft zusammen, um den Schaden wettzumachen, das durch des Schicksals Ungunst Vernichtete nen aufzurichten. Bei diesem Stande der Dinge find die besten Aussichten vor: handen, daß in absehbarer Zeit das schwere Unglück über­wunden sein wird.

Seit dem 1. Juli haben die neuen Steuergefeße eine gewisse Erhöhung der Portokosten gebracht. Dafür winfi uns die Aussicht auf eine Herabsetzung der Portokosten nach Holland. Die Verhandlungen der beiden Regierungen ver­sprechen gute Resultate. die gewiß im Interesse der be­nachbarten, im regsten Waren- Austausch stehenden Länder zu begrüßen wären.

Ueber ihre Interessen im Lande des Negus Negefti, in Abessinien, verhandeln augenblicklich die Vertreter Frankreichs, Englands und Italiens in London. Die Nach richten über die Konferenzen lauten widersprechend, bald sollen die günstigsten Aussitten zur Verständigung bestehen, bald spricht man von Unstimmigkeiten und italienischem Miß­trauen in die guten Absichten Frankreichs und Englands. Vom Kaiser Menelik ist wenig die Rede und doch hat dieser begabte afrikanische Fürst genugsam bewiesen, daß er sich so leicht nicht an den Wagen fahren läßt. Aus der abessinischen Frage wird schwerlich vorläufig eine brennende Weltangelegenheit werden. Den Starten läßt man gern in Ruhe und das wisen die drei europäischen Mächte wohl zu schäßen. Die Niederlage der Italiener bei Adua ist unvergessen und äußert heute noch ihre Wirkungen.

Bwischen Oesterreich- Ungarn und Serbien ist der Zollfrieg zum Ausbruch gekommen, den Serbien seit längerer Zeit durch sein provozierendes Verhalten vorbereitete. Die Schikanen an den beiderseitigen Grenzen haben bereits begonnen, und sowohl in Wien wie in Belgrad erklärt man, nicht nachgeben zu wollen. Unsere Sympathien stehen jeden= falls bei der befreundeten habsburgischen Monarchie, die wahrhaftig von jeher Geduld gegenüber den in höchst un­berechtigter Weise vom Großmachtfigel befallenen Ballan­staaten bewies. War Serbien gezwungen, sich dem allge­meinen Urteil der europäischen Kulturwelt gegenüber dem eigentümlichen Verhalten in Bezug auf die Königsmörder zu beugen, so wird es auch in der Zollfrage erkennen lernen, daß es nicht gut tut, als fleiner Gernegroß sich alle Aussichten auf Duldung durch schroffes Auftreten zu ver­Scherzen.

Schwere Sorgen bereitet unserem britischen Vetter der Aufstand in Natal, und die wachsende Erregung der Be­völkerung egypten, die neuerdings durch die Hinrichtung einer Anzahl Eingeborener noch verstärkt wurde. Die armen Fellachen sollten sich gegen englische Offiziere vergangen haben. Im Unterbause griff die Opposition die Minister heftig an und verlangte größere Kourtoisie im Auftreten der Beamten und Offatere namentlich in Aegypten, das man nicht durch rigorosc Bebandlung, wohl aber auf dem Wege achtungsvoller Schonung der Einwohner gewinnen fönne. Viel Widerspruch fand auch die projektierte Fahrt einer englischen Flotte nach russischen Häfen, in der man nur eine Sympathie- Kundgebung für die russische Regierung erblicken müsse, trotzdem diese Scheußlichkeiten wie in Bjelostok dulde. Der antwortende Minister verhielt sich diplomatisch und sagte, der russische Kaiser und die russische Regierung seien nach glaubwürdigen Mitteilungen nicht verantwortlich für die von aller Welt ver­urteilten Vorgänge. Es würde außerordentlich unpassend sein, wenn bei der Kreuzfahrt der englischen Schiffe die russischen Häfen oftentativ vermieden würden. Jede direkte oder indirekte Einmischung eines Außenstaates würde das begonnene russische Reformwert stören. Damit gab man sich zufrieden.

Und Rugland? In dem Reiche des Zaren sind alle Aussichten noch immer trübe und verworren. Auflehnung in der Armee, Ratlosigkeit der regierenden Männer, beklagens­werte Metzeleien und Hervortreten wilder Leidenschaften aller­orten. Was sich aus dem brodelnden Herenfessel der gegen­einander fämpfenden Mächte gestalten wird, kann heute niemand voraussagen. Für das Erbe Ruriks ist die Zukunft dunkel, dem russischen Volfe ist es zu gönnen, daß bald andere Tage mit glücklicheren Aussichten kommen.

Politifche Rundschau.

Deutfches Reich.

* Für die freie Eisenbahnfahrt der Reichstagsabge­ordneten hat der Bundesrat auf Grund des Diätengesezes amtlich veröffentlichte Grundsäße aufgestellt. Die Freifahr­farte berechtigt zur Fahrt auf allen deutschen Haupt- und Nebeneisenbahnen. Im Auslande belegene Strecken deutscher Eisenbahnen können nur unter den für die Fahrt auf diesen Strecken bestehend. sonderen Bedingungen benutzt werden. Die Benutzung von Kleinbahnen und Straßenbahnen ist aus­geschlossen. Die Berechtigung endet mit Ablauf des achten Tages nach dem Schlusse der Sizunasveriode, auch wenn die Reise früher angetreten ist. Für Schlafwagen und Luxus­züge müssen die entsprechenden Ruschläge bezahlt werden, die Wagenklasse kann beliebig gewählt werden, 50 kilo Reise­gepäck find frei. Die Bestimmungen treten am 1. August in Kraft.

Eine Verfügung des Reichspostamts bezweckt die Ein­schränkung des amtlichen Schreibwerkes. Im Bereiche der Postverwaltung sollen polizeiliche Ausfünfte über anzu­ftellende Personen nicht mehr verlangt werden, wenn der Bewerber unmittelbar von der Schule und nicht später als 3 Monate nachher in den Dienst tritt, wenn Personen aus einem anderen Zweige des Reichs- oder Staatsdienstes über­nommen werden und ein Registerauszug bei der Aufnahme in die frühere Stellung beschafft mar, wenn Lehrer oder Beamte als Postagenten oder Hilfestelleninhaber angenommen werden, oder wenn die Annahme im Anschluß an die Benfionierung erfolgt, endlich wenn es sich um Aushelfer zur Bewältigung des Weihnachts-, Neujahrs, Oster- oder Pfingst­verkehrs oder sonst handelt.

* Der aus Amerifa gekommene Anarchist Rosenberg, dem man in seinem Heimatorte Seattle eine Attentatsabficht auf den deutschen Kaiser zutraute, ist in Altona verhaftet worden. Der deutsche Konsul in New- York hatte auf die der deutschen Regierung gewordenen Mitteilungen eine Haus­suchung in der Wohnung Rosenbergs veranlaßt, bei der man zahlreiche Bomben und andere Mordwerkzeuge vorfand.

Die lippische Staatsregierung beschloß die schleunige Aufbesserung aller Beamtengehälter des Fürstentums Lippe wegen der anhaltenden Verteuerung aller Lebens­mittel. Die Anregung zu diesem Vorgehen ging vom Fürsten Leopold aus.

* Das Zustandekommen der württembergischen Ver fassungsrevision fann als gesichert gelten. Die zweite Rammer hat in mehreren strittigen Punkten sich nachgiebig gezeigt und in der Schlußabstimmung das ganze Gesetz mil 65 gegen 23 Stimmen des Zentrums und dreier Ritter bel einer Stimmenthaltung, also mit der nötigen Zweidrittel Mehrheit, angenommen.

* Ueber die Verwendung des Liebesgabenfonds für Südwestafrika waren in einem Teil der Presse Angaben berbreitet worden, nach denen von den Fonds ein unrechts mäßiger Gebrauch gemacht worden wäre. In einer amt­lichen Veröffentlichung wird nun festgestellt, daß die ver breiteten Gerüchte über Unregelmäßig feiten feine tatsächliche Unterlage haben.

Die amtliche Richtigstellung sagt, daß die Liebesgaben nicht mit dem Südwestafrika- Fonds verwechselt werden dürften. Die für die Truppen gestifteten Gelder und Naturalien find ausnahmslos zu diesem Zweck verwendet worden. Ebenso seien die Südwestafrika- Fonds genau nach den Absichten der Spender und den neltenden Bestimmungen verbraucht worden, iede Unregelmäßigkeit sei ausgeschlossen. Schweiz.

** Die in Genf tagende Konferenz zur Revision der Genfer Konvention genehmigte den Wortlaut der neuen Konvention.

Spanien.

** Nach längerer Dauer ist die Kabinettskrisis dadurch Brendet worden, daß ein neues Ministerium unter dem General Lopez Dominguez gebildet wurde. Es gibt sich als eine dirette Nachfolge des bisherigen liberalen Kabinett Moret, wird aber voraussichtlich vor der konservativen Oppofition in den Cortes einen noch schwereren Stand haben. Die neuen Minister haben dem König bereits den Eit geleistet.

Hof und Gefellschaft.

Ein über das Befinden der Kronprinzessin Sdetlie ausgegebenes ärztliches Bulletin besagt, daß sich se bohe Wöchnerin bei normaler Temperatur sehr wohl be= indet.

** Der König von Sachsen hat bei seinem Aufenthalt in Kiel dem Linienschiff ,, Wettin" einen längeren Bejuch abgestattet.

Preußischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

( 86. Sizung.) RK. Berlin, 6. Juli. Bei der wiederholten Beratung der Schulvorlage gingen die vorliegenden Anträge der drei Kompromißparteien glatt durch. Alle anderen Anträge wurden abgelehnt. Das Ab­geordnetenhaus nahm damit einen großen Teil der im Herrenhause beschlossenen Aenderungen an, lehnte aber ben von der Regierung als unannehmbar bezeichneten Antrag Klizing( Verteilung der Staatszuschüsse) and den Antrag b. Burgsdorff( Patronatsstellen) ab. Beim Abschnitt Lehrer­berufung" wurde eine andere Fassung beschlossen, die aber im wesentlichen die Einschränkung der Rechte der fleinen Gemeinden beibehält. Die Abgg. Frhr. v. 8edlig( frf.) und Winckler( f.) erflärten, daß sie nur ungern dem Herrenhause so weit entgegengekommen seien. Nachdem noch eine Resolution angenommen war, die eine Erhöhung ber Staatszuschüsse für alleinstehende und erste Lehrer in leinen Schulverbänden fordert, wurde das Gesez im ganzen angenommen. Zu Beginn der Sizung hatte das Haus zum erstenmal die Erlaubnis zur strafrecht. lichen Verfolgung einiger Preßbeleidiger erteilt.

Der neue Rheinbafen in Krefeld. ( Sonder- Bericht.) Krefeld, 6. Juli. In Gegenwart des Eisenbahn- Ministers Breitenbach und einer ebenso zahlreichen wie illustren Versammlung Troß des wurde heute der neue Rheinhafen eröffnet. strömenden Regens hatte sich eine überaus große Volksmenge eingefunden, um dem Atte beizuwohnen, ein Beweis dafür, wie sehr das neue Unternehmen in unserer gewerbfleißigen Stadt als ein hoffnungsreiches angesehen wird.

Auf dem Lagerblaze am neuen Hafen vollzog sich die eigentliche Feftfeier. Oberbürgermeister Dehler begrüßie zunächst in einer Ansprache die Ehrengäste, vor allem den Minister Breitenbach und gab befannt, daß der Finanzminister v. Rhein­baben, der durch die parlamentarischen Verhandlungen in Berlin festgehalten ist, ein Begrüßungstelegramm gesandt habe. Dann hielt Beigeordneter Stadtbaurat Hentich, einer der Schöpfer des Rheinhafens, die Feftrede, in der er die Entwicklungs­geschichte des Unternehmens entroute. Der Bau hat die Summe von 11 Millionen Marf erfordert. Am 16. Mai 1903 geschah der erste Spatenstich, am 11. November 1905 fonnte der Hafen in Betrieh genommen werden. Den Schluß des Weiheaftes bildete eine Ansprache des Baurats Voß, der am Schlusse der Hoffnung Ausdrud gab, daß auf dem weiten Gelände bald eine neue aetverbfleißige Stadt erstehen möge

einen Augenblid entschuldigen.

erscheinen.

Sie flingelte ihrer Kammerzofe und begab sich in ein

Ich werde gleich wieder

und Energie

sein mag. erhohen ither ihn nor. erwerben kann, so heiß auch das Bemühen Friß biß sich auf die Lippen.

Dieser Herr tam sich wett Sein Künstlerftola und feine schalt­

Dann

Sie sahen sich beide einen Augenblid wortlos an. " Ich habe viel von Ihnen gelesen," sagte sie endlich mit tam ber Geheimrat und stellte ihn ben Fräulein vor.

Mit leisem Widerstrebent war er brzigen ms er aber in

Motta trant und

ihrem traulichen Boudoir saß, den die Aegypter Dampite, war die Betlemmung von ihm ge

Voor denn je.

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