Ausgabe 
3.11.1906 Zweites Blatt
 
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Nun ist bei dieser Gelegenheit der Schleier des Geheim­nisses, der über dem Tun und Treiben der Anhänger der Christlichen Wissenschaft" lag, etwas gelüftet worden, und hochinteressant war es, was man da zu sehen bekam. Was ist die ganze Sache: Schwindel, plumper Schwindel, ein Betrugsmanöver, das, weil es den Vorzug der Originalität hatte, biel, viel Geld einbrachte. Unter dem Namen Christliche Wissenschaft" verbirgt sich eine Gruppe von geriebenen Betrügern, die denen, die es glauben wollten, und es waren deren nicht wenige, erzählten, sie seien imstande, alle möglichen Krankheiten und Gebrechen burch, Gesundbeten" zu heilen. Die Jdee, so wahuwihig fie auch ist, fand bald in der ganzen Welt begeisterte Anhänger und Anhängerinnen. Und fling, flang, rollten und fielen die Gold- und Silberstücke in den unergründlichen Beutel der professionellen Gesundbeter". Mit dem Geld der Dummen lebten die Hauptmacher" in Newyork ein herrliches Leben. Die Stifterin der Sefte wurde mit königlichem Prunk um­geben, sie wohnte in Concord in einem palastähnlichen Ge­bäude, angetan mit einem prächtigen Hermelingewande, um­geben von ihrem Hofstaat". Die Neugierde der nach Concord wandernden Gläubigen" wird dadurch gestillt, daß fie täglich durch die engen Gassen der kleinen Stadt einen altertümlichen Wagen, von zwei schwarzen Rossen gezogen, fahren sehen, dessen einzige Insassin, eine undeutlich sichtbare, weißhaarige, alte Dame in einem Hermelingewande, sie ehr­fürchtig grüßen; denn das soll Mrs. Eddy sein. Nun hat man aber herausbekommen, daß die Dame nicht Mrs. Eddy iſt, sondern eine Mrs. Parmelia Leonard, die mit einer meißen Perrüde angetan und im Gesicht weiß angemalt eine flüchtige Aehnlichkeit mit der Hohenpriesterin besigt. Die ,, frommen" Gaben und Spenden fließen alltäglich weiter reichlich ein, und der ganze Schwinde! nimmt seinen Fort­gang. An der Spize der ganzen komplizierten Organisation, die nun an die Stelle der einstigen Herrscherin getreten ist, steht Mrs. Eddys Kutscher Calvin A. Frye, der zugleich als ihr Sekretär gilt. In schwarzem Gesellschaftsanzug und mit liebenswürdigem Lächeln tritt er den Gläubigen entgegen. Er teilt ihnen mit, daß die Prophetin zu beschäftigt sei, um sie zu empfangen, flüstert ihnen dann mystische Verkündigungen zu und steckt die Gaben ein.

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Vor kurzem ist man aber doch hinter diesen Schwindel gekommen und so mußte denn die echte Mrs. Eddy den Neu­gierigen, die in das Palais Einlaß gefunden hatten, gezeigt werden. Man fand die Frau, die einst eine Macht über Dillionen besaß und nun in einem Zustande körperlicher Auf­Töfung und geistiger Umnachtung, bereits von der Kämpfen des Todes befallen, von ihren Anhängern grausam am Leben gehalten wird. Sie sah mehr wie eine Tote aus denn eine Lebende. Stelettartig abgemagert blickte sie aus tiefeinge= funfenen Augen matt und stumpf. Die eingefallenen Backen waren mit roter Schminke bedeckt, die Züge dick mit Puder überflebt. Ihr Körper war völlig abgemagert und der Hals, an dem eine fostbare Brillant broche funfelte, voller Runzeln.

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Das letzte Erscheinen von Wirs. Eddy in der Oeffentlichkeit iegt drei Jahre zurüd, als sie für einen Augenblick auf dem Salfon ihres Hauses erschien und zu einer Schar von Bläubigen heruntergrüßte, die borbeizogen. Seitdem hat sie vahrscheinlich ihr Haus nicht mehr verlassen. Von den großen Schätzen, die Mrs. Eddy besaß, fann auch nicht die geringste Spur mehr gefunden werden. Ihr Vermögen belief sich auf nindestens 60 Millionen und ihr jährliches Einkommen betrug siele Jahre hindurch 5 Millionen Marf.

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Nun liegt die Stifterin der Sefte der Glansheiler m. Sterben, und kein Gewaltmittel vermag die Ratastrophe rufzuhalten. Vielleicht mischt sich auch noch die Gerichts­jehörde in die ganze Angelegenheit, dann fällt auch die legte pülle, und was bleibt übrig: Schwindel, Humbug!

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Vermischtes.

Doppelt hält besser. Die Stadt Mülhausen in Elsaß hatte von einem Eigentümer ein Haus zum Breis Jon 5800 Mart erworben und die Summe auch richtig aus iezahlt. Bald darauf erhielt der Eigentümer, der inzwischen ach Muttenz verzogen war, nochmals von der Stadtkassi ine Anweisung auf die gleiche Summe. Das Geld wurd en Leuten förmlich aufgedrängt, da sie die Annahme de weiten Zahlung zunächst verweigerten. Sie trugen da Beld auf eine Bank, damit es sofort bei der Hand sei, wenn der Fall sich aufkläre. Und richtig, man entdeckte den Fehler and forderte den Eigentümer zur Rückzahlung des doppell rhaltenen Geldes auf. Er tat es bis auf einen Betrag von 500 Mark, den er für Reise und sonstige Auslagen behielt. Die Stadtverwaltung flagte hierauf gegen ihn wegen Unter chlagung und zivilrechtlich auch auf Herausgabe der ein: behaltenen 600 Mart. Das Gericht in Liestal hat aber die Klage der Stadt abgewiesen, und nun will obendrein der pausverkänfer die Stadtbehörde wegen Beleidigung belangen.

= Das Drama der Kabarettsängerin. Die in Berlin nicht unbekannte Kabarettsängerin Fräulein 8. hatte Grund an die Untreue ihres Verehrers zu glauben. Als sie ihn in einem Restaurant traf und er sie nicht beachtete, verließ sie bie Gesellschaft und eilte nach Hause. Etwa eine Stunde päter telephonierte Fräulein 8. an die noch in dem Lokale weilenden Damen, daß sie sich erschießen werde, falls ihr Freund nicht innerhalb einer Stunde nach ihrer Wohnung lommen würde. Darauf jahr eine der Freundinnen sofort nach der Wohnung hin, fam jeboch zu spät, um den Selbst­mordversuch zu verhindern. Als das junge Mädchen die Wohnung der 8. betrat, far es diese besinnungslos auf dem Sofa. Die Sängerin hatte sich eine Stugel in den Kopf gejagt. Das Geschoß war im Gehirn stecken geblieben. Die Schwerverletzte wurde nach dem Elisabeth- Krantenhause über: führt.

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Jakob Appel, Krofdorf.. 50

Heinr. Binz, Allendorf a. L. 48,

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Reminiszenzen zum Falle Köverid. Die Behauptung, der Hochstapler Voigt habe auf die Dauer von einer Stunde das Postamt sperren" lassen, erweist sich als unwahr. Der Telephonverfehr hat sich an jenem Nachmittag ordnungs­gemäß abgewickelt. Die Leitungen des Magistrats find sogar ungewöhnlich stark benutzt worden. Das Gerücht von einer Sperrung ist wohl darauf zurückzuführen, daß der augen­blickliche Herr der Stadt" vor einen der im Rathaus be­findlichen Fernſprechapparate einen Posten gestellt hutte, der die Benutzung verhindern sollte.

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Ungefühnte Verbrechen. Im Jahre 1880 wurde in Lemberg die ganze Familie des Gastwirts Kortes, bestehend aus dem Wirt, dessen Frau, einem älteren Kinde und einem Säuglinge, ermordet und die Gastwirtschaft total ausgeraubt. Trotz der eifrigsten Nachforschungen wollte es nicht gelingen, auch nur eine Spur des Täters zu finden. Im Jahre 1884 entstand in dem außerhalb der Stadt gelegenen Militär. Heudepot, wo obdachlose Vagabunden einer Unterschlupf zu suchen pflegten, ein ungeheurer Brand, der volle acht Tage dauerte und bei dem etwa 300 obdaajlose Individuen, die von dem Brande im Schlafe überrascht worden waren, den Tod fanden. Liefer Brand war offenbar in verbrecherischer Weise verursacht worden, doh fonnte man auch hier den Täter nicht ermitteln. Nun erfrankte im Laufe des vorigen Monats in der Strafanstalt in Wilna( Rußland) ein Häftling namens Josef Windisch so schwer, daß er mit den Sterbe sakramenten versehen wurde. Um sein Gewissen vor dem Tode zu erleichtern, beichtete Windisch und gestand, die er wähnten zwei Verbrechen begangen zu haben. Auch wieder. holte Windisch sein Geständni vor dem herbeigeholten Unters suchungsrichter. Der Verbrear wurde der Lemberger Polizei ausgeliefert und wird nun die vor fast 30 Jahren begangenen Verbrechen fühnen.

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Der Held" von Port Arthur. Nachdem General Stöffel seiner militärische: Dienststellung enthoben worden ist, hat er jetzt freiwillig" auf den Titel eines General adjutanten des Zazen verzichtet. General Stössel hat sich aber auch mit anderen unangenehmen Dingen zu befassen. Der Pächter des Marineflabs von Port Arthur hat ihn um die Summe von 12000 Rubel verflagt, die ihm die Offiziere während der Belagerung schuldig geblieben sind. Der Pächter flagt ferner auf den Ersch der Einrichtung des Klubs, die ihm auf Befehl des Generals Stössel am Vorabend der Uebergabe von Port Arthur fortgenommen worden sei, an geblich für die Kranken und Verwundeten, in Wirklichkeit aber, um den Japanern bermutlich gegen flingende Münze ausgehändigt zu werden. Die Höhe der An sprüche, die der Klubpächter gegen den General Stössel geltend macht, beläuft sich auf 200 000 Rubel eine Summe, die vielleicht das Privatvermögen des Generals übersteigt.

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zu beobe englern fommt dieſer Himmelssegen

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Samstag, ben 3. November

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