Ausgabe 
3.11.1906 Zweites Blatt
 
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Deinrich Laube

Nr. 259.

Zweites Blatt.

Samstag, den 3. November 1906

15. Jahrgang

Rebattion n. Bausterschiion: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Setfenblasen( wöchentlich).

6.

Gießener

Neneste Nachrichten

( Gießener Tagelleft)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Der Triumph des Kraftwagens.

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Die VII. internationale Automobil- Husftellung in Berlin Aller Anfang ist schwer. Neberraschende Wandlungen.- Schnelligkeit ift Trumpf. Brachtgefährte.- Wißbegierde. ,, Danke schön." Ausstellungsschreden. Die letzten Modelle. Eisschrank und Sektkühler. Fahrende Wohnungen. Ein gepanzertes Automobilgeschüß. O. Berlin, 2. November Sechs Jahre ist es erst her, als auf dem Ererzierplat einer Berliner Kaserne eine fleine Schar von Automobiler unter freiem Himmel, Wind und Wetter ausgesezt, als di erste internationale Automobilausstellung in Berlin eröffne wurde. Das Publikum waren ein paar Interessenten, Käufer und Verkäufer, eine Schar von voraussehenden Männern. Der Laie tam mu, um nach ein paar schlechten Wizen schnel wieder zu verschwinden. Welche Wandlung seitdem! In der glänzend und nenesten Ausstellungshalle Berlins, einem zweihundert Meter langen Doppelgebäude auf dem Gelände des Zoologischen Gartens" hat die zweite diesjährige inter nationale Automobilausstellung eine würdige Stätte gefunden. Nam vor fechs Jahren laum ein Mensch auf den sandigen Exerzierplay, so drängt umd stößt fich jezt eine unübersehbare Menschenmenge in den Gängen zwischen den Ständen der Fabriken. Dazu schmettert eine Militärkapelle ihre Märsche durch die Räume, deren Steindecke und Eisengerippe den Klang wie ein Echo zurückwerfen. Fast tönnie nian glauben, in einen echten Jahrmarktstrubel geraten zu sein, wenn der Fuß nicht auf Schritt und Tritt auf Gegenstände stöße, die ben Reichtum und die Procht einer wertvollen ernsten Industrie bezeugten.

Draußen rollt ununterbrochen eine Wagenburg von Automobilen heran, die nun einmal in einem Zeitalter, wo es gilt Mimten und Sekunden zu sparen, Trumpf find. Mancher, der noch vor einem Jahr fich Stein und Bein gegen bie Knatterfäften verschwor, ist längst in sich geschlagen: er fährt im eigenen Automobil und versteht es nun absolut nicht", wie man etwas gegen ein solches Prachtgefährt haben tann. Es ist schwer zu sagen, was eigentlich den Laien an­zieht, vor allem den, der nach Adam Riese wohl niemals in seinem Leben dahin kommen wird, sich ein Auto zuzulegen. Ja, es ist beinahe komisch, zu sehen, wie gerade diese Art

Bekanntmachung.

Laien die größte Wißbegierde an den Tag legt. Da steht einer vor einem neuen bligblanken Chassis. Er umschleicht das stählerne Gestell, hat die Hände auf dem Rücken und berührt nichts. Nach ein paar Sekunden fängt di eine Hand an, vorsichtig dies und jenes am Motor zu betasten. Schließlich arbeitet er mit beiden Händen ax allen möglichen Hebeln herum, verstellt die Geschwindigkeits. hebel, er fragt den erstaunt herantretenden Standinhaber bia aufs Hemd aus, als ob er fich nicht bloß einen Wagen sondern gleich ein ganzes Dugend Automobile erstehen möchte, er läßt fich auch noch einen Stoß Kataloge, die doch schließlich auch ihr Geld kosten, überreichen und mit einem schlichten Danke schön" ist er verschwunden, um auf dem nächsten Stand das selbe Spiel zu wiederholen. Solche Autofreunde find ein wahrer Ausstellungsschrecken. Man erkennt sie sofort: fie tragen alle Drucksachen pfundweise mit sich. Eigentlich böse sein fann ihnen aber niemand, denn die Wißbegierde steckt nun einmal in allen Menschen, auch in denen, die sich kein Auto kaufen können.

Was bringt nun eigentlich eine internationale Automobil. Ausstellung. Wiel, sehr viel. Vor allem hundertmal mehr, als man zunächst beim ersten verwirrenden Anblick zu hoffen wagt. Der Fachmann kann zunächst die letzten Modelle mit vielen hunderten von nenen Erfindungen bis ins kleinste an den Chassis studieren. Den Laien entzücken die glänzenden Karosserien, von deren Raffinement er oft keine Ahnung hat. Da fann man Wagen finden, die in ihrem Innern Eisschränke und Sektkühler bergen, die Kisten und Kästen für alles be­fizzen, was der Mensch an fleinen Bedarfsartikeln auf einer längeren Reise bedarf. Nicht vergessen sind: Rauchservice, Bibliotheken, Waschbecken und Wasserreservoir, die eine kleine Wasserleitung für sich bilden. Sogar das- pardon W. C. ist ab und zu eingebaut, so daß die modernen Reise­nomaden sich in ihren Automobilen wie in fahrenden Zelten befinden, in denen sie nichts entbehren. Sogar in Schlaf­wagen find einige Automobile umzuwandeln. Da schlummert man, während der Wagen mit Schnellzugsgeschwindigkeit durch die nächtliche Landschaft saust, in einem weich gepolsterten Lagerstuhle und spürt nichts von dem Rattern und Knattern des Autos. Man kann alles in allem wirkliche Entdeckungs­reisen unter den Karosserien antreten.

Das Interessante findet man überhaupt schnell heraus, wie die Bienen Süßigkeiten umschwirren, so steht..Kreti und

Arbeitsvergebung.

Die Firmen Julius Stohr und Georg Becker Die nachstehenden zur inneren Einrichtung der dahier find zur Ausführung von Entwässerungs- Höheren und Erweiterten Mädchenschule nötigen Arbeiten Anlagen gemäß§ 16 der Polizeiverordnung die Ent- follen wässerung bon Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation in der Provinzialhauptstadt Gießen betreffend Samstag, den 10. November d. Js., vorm. 10 Uhr öffentlich bergeben werden. bom 1. August 1904, angelassen worden.

Nach§ 16 der genannten Polizeiverordnung dürfen Entwässerungsanlagen im Anschluß an die städtische Kanalisation nur durch die hierfür zugelassenen Unter­nehmer ausgeführt werden.

Gießen, den 31. Oktober 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

Bekanntmachung.

Die Lieferung des Bedarfs an Streuftroh für den Schlachthof, etwa 100 3tr. Kornstroh, Maschinen­drusch, lieferbar in verschiedenen Mengen, ist zu vergeben.

Angebote hierauf werden bis zum 7. d. Mts. ver­schlossen mit entsprechender Aufschrift erbeten.

Gießen, den 2. November 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen Mecum.

Arbeitsvergebung.

Nachstehende Arbeiten und Lieferungen zum Neubau des Stadttheaters in Gießen

1. Liefern und Befestigen von 1600 Stüd Kleiderhaken,

Li fern und Befestigen von 460 lfdm. Bilderstäben.

2. Liefern von 25 Bodien.

3. Liefern von 9 Schränken.

Zeichnungen, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage.

300

Gießen, den 31. Oftober 1906.

Städtisches Hochbauamt.

Gerbel.

Vergebung

von Pflastersteinlieferungen.

tod­

Blethi" bei den Ciou der Aussenung. Da ist ein ges panzertes Automobilgeschüß. Man sieht nur das bringende Fünfzentimeter- Geschosse schleudernde Rohr. Alles andere, der Schüße, der Wagenlenfer, die Bedienungsmann­schaften, die 100 Geschosse umfassende Munition, verbirgt sich anter einem 32 mm starken Nickelstahlpanzer.

In dem einen Saal ist die Luft von einem Surren und Schnurren erfüllt, wie in einem Fabrikraum. Und eine Fabrik im kleinen findet sich hier auch. Hunderte von gerade­zu raffiniert ersonnenen Maschinen führen die Präzisions­arbeiten vor, deren alle Teile eines Chassis, das ja beinahe aus dreitausend verschiedenen Stücke besteht, unter­worfen werden müssen. Hier kommt man wirklich an die Grenzen menschlicher Macht, denn die seinsten Dimensionen, die der Mensch in der Praxis überhaupt abzumessen vermag, tommen beim Automobilbau zur Anwendung. Rechnet man hinzu, daß dem Ausstellungsbesucher ein ganzer auto­mobiler Feuerwehrzu in voller Tätigkeit vorgeführt wird, daß riesige Dampfautomobile draußen vor der Halle arbeiten, daß abends Versuche mit einem fahrbaren gewaltigen Scheins werfer veranstaltet werden, so ergibt sich in der Tat ein Reichtum von Eindrücken, die ein einzelner an einem Tage faum zu bewältigen vermag und die Hunderttausende von Automobilfreunden und Automobilfeinden in die neue comanische Halle am Zoologischen Garten locken.

Ein weiblicher Barnum.

Sn. Newyork, Ende Oktober. Barnum, der König des Humbugs, hat eine würdige Nachfolgerin bekommen: Mrs. Eddy, das Haupt der nach Millionen zählenden Sekte der Christlichen Wissenschaft" Mrs. Eddy gedenkt in diesen Tagen das irdische Jammertal zu verlassen und aus diesem Grunde herrscht im Kreise ihrer Getreuen große Aufregung. Man bangt, daß das Hinscheiden der ,, Stifterin des neuen Glaubens" gleichbedeutend sei mit dem Verfall ihres Werkes. Wenn man den ,, Gläubigen" nicht mehr mit Mrs. Eddy imponieren kann, werden diese vielleicht abtrünnig und das schöne Haus, welches ,, diejenigen, die nie alle werden" hatten bauen helfen, stürzt zusammen.

Restauration ,, Zum Pfau"

Giessen, Neustadt 55( früher Bramm) Schöne Lokalitäten, Saal, heizbare Kegelbahn, Vereins­Zimmer, Fremden- Zimmer

Grosser Hof zur Aufstellung von Fuhrwerken sow. Stallungen Christian Belz.

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Kalkwerke: Abendstern. Telefon 84. Feinste Bau- und Düngekalke in Stücken und gemahlen. Prima Hartbrand- Ziegelsteine D. N. F.

Trische- Dauerbrand- Amerikaner­Regulierbeiz-, Koch, Hopewell- und Darmstädter Oefen in diversen Fabrikaten Ofenschirme, Ofenvorsetzer, Verdampfschalen. Feuergeräte­ständer, Koblenfüller, Koblenkasten, Koblenlöffel, Stocheisen, Ascheeimer, Mülleimer

Die Lieferung von 500 cbm Großpflastersteinen, Wasch-, Wring- und Mongelmaschinen, Dezimal, Tafel: n. sollen im Wege des öffentlichen Angebotes vergeben 200 cbm Mosaikpflastersteinen für das Rechnungsjahr Besen und Türvorlages, Kokosfticke, Flechtrohr, Raffiabaft cbm Aleinpflastersteinen( Sezkleinschlag) und Wirtschaftswages, Fleischhack, Reib- u. Mefferpuhmaschinen, Vogelkäfige und Züchter Utensilien, Fischereigeräte, Bürsten, 1907 foll Werkzeuge, Beschläge, Eisenwaren, Kurzwaren, Solinger Stahlwaren, Waffen und Munition empfiehlt

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1. Kunstverglasungen.

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2. Marmorarbeiten,( Treppen, Bodenbelag, Kamine 2c.) Donnerstag, den 15. November 1906, nachm. 3 Uhr 3. Bestuhlung, ca. 800 Size. Edgar Borrmann, Giessen. öffentlich vergeben werden. 4. Feuerfichere Metalltüren. Lieferungsbeschreibungen und Bedingungen liegen Telefon 165 Zeichnungen, Arbeitsbeschreibungen, Bedingungen während der Dienfistunden bei uns zur Einsicht offen. und Angebotsformulare liegen im Bureau des Architekten Angebote auf vorgeschriebenem Formular, das bei uns Hans Meyer, Weftanlage 6 dahier, zur Einsicht offen erhältlich, find spätestens bis zum vorgenannten Zeit­und können daselbst zum Selbstkostenpreis erhoben werden. punkt verschlossen und mit entsprechender Aufschrift ver­Die Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am sehen an uns einzureichen. am 1. Dezember, vorm. 11 ne mit entsprechender j

Aufschrift versehen portofret an uns einzureichen.

Gießen, den 1. November 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen

Mecum.

Zuschlagsfrist 5 Wochen.

Gießen, den 31. Oktober 1906.

Städtisches Tiefbauamt. Braubach.

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