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Genau fann man beobachten, meijer maschinellen Silts= fräfte fich diese Institute bedienen und wie schnell sich die Wasch- und Kochprozesse vollziehen. Es wird jezt mit Dampffraft und Elettrizität nicht nur ge= maschen, sondern auch gerollt und geplättet. Blättmaschinen fommen namentlich für glatte große Wäschestüde: Bettbezüge, Lafen, Tischzeug in Frage, fie helfen auch den Stärffragen­und Stulpen ,, erste Form" geben, während den letzten Schliff: das Blankplätten und Runden die geschickten Hände geübter Blätterinnen besorgen. Wir dürfen bei dem heutigen Stande der Blätterei vollberechtigt von einer Blättkunst sprechen. Sit es nicht unft, diese Falten und Fältchen zu plätten, diese ,, Tollen" mit den fast stricknadelfeinen Tolleisen hervorzu­zaubern, diese Einfäße, Stidereien, Applikationen, echte Epißen aller Art ,, auf neu" herzurichter?

Wenn auch die Maschinen der Plätterin viele Arbeit ersparen, so fönnen fie doch die Blätterin selbst nie ersetzen, den letzten Schliff, die höchste Vollendung fann doch nur die geübte Hand einer Plättfünstlerin hervorbringen.

Mit der Ausstellung ist ein Kongreß der Waschanstalt= befizer verbunden worden, auf dessen Tagesordnung in'er­effante Punkte zur Beratung anstehen, z. B. ob Krankheit= feime durch die in Dampfwaschanstalten gereinigte Wäsche berbreitet werden fönnen? Daran dürfte sich die Frace zweckmäßiger Desinfektion für Krantenwäsche schließen. Auch die Frauenheimfrage im Interesse der im Wasch- und Plän gewerbe arbeitenden Frauen und Mädchen wird besprochen werden. Fr. Th.

Nab und Fern.

Die jüngste Großstadt. Eine neue Stadt mit meh als 100 000 Einwohnern meldet sich. Es ist die Stadt Erfurt In ihr sind 100 065 Einwohner gezählt.

Bergungslohn für ein gesunkenes Torpedoboot Als dem Nordischen Bergungsverein die Hebung des ge funkenen Torpedobootes S 126" vom Reichsmarineam übertragen wurde, fand eine Vereinbarung dahin statt, das der Gesellschaft ein Drittel des Bauwertes zustehen solle falls die Aufgabe vollständig gelingen sollte. Nachdem so wohl das Vorder- wie das Achterschiff, Geschüße unl Kommandobrüde gehoben sind, ist die gestellte Bedingung ald erfüllt zu betrachten. Da S 126" die Summe von 1140 000 m. gefostet hat, erhält der Verein 380 000 M. an Bergungslohn.

+ Vom Eisenbahnzuge getötet. Bei der Station Erfner der Schlesischen Vorortbahn wurde ein Strecken. arbeiter, der seine Schippe von den Schienen holen wollte, von der Lokomotive eines Güterzuges erfaßt. Dem Un glücklichen wurde der Kopf und die rechte Hand buchstäblich vom Körper abgeschnitten.

Wieder ein Tunnel- Einsturz. Der große Eisenbahn. tunnel auf der Linie Saarbrücken- Konz der preußischen Staatsbahn ist bei Mettlach an der Saar zu seinem größten Teile zusammengestürzt. Die Katastrophe ereignete sich fur vor der Durchfahrt des Schnellzuges zwischen Köln und Straßburg, der einer großen Gefahr entronnen ist. Schon vorher hatte sich ein Erdrutich im Tunnel gezeigt, als ein Arbeiterzug hindurchfuhr; es hatten sich von der Decke des Tunnels Steinmassen losgelöst, durch die die letzten Wagen des Zuges beschädigt wurden.

bte linke Hand von einem Bolizisten durch einen Sävelhieb abgeschlagen wurde. Die Verhandlung wurde bis zum 26. September vertagt.

+ Opfer der Size. Die große Hiße, die vorige Woche fich vielfach geltend machte, hat auch Menschenleben gefordert. So wurde ein Arbeiter beim Bahnbau in Klein- 3ichocher bom Hißschlag betroffen. Er gab bald darauf seinen Geist auf. Auch in Connewiß ist ein Arbeiter gestorben, der beim Abladen von Kohlen vom Hitzschlag befallen war.

§ Prozeß Dreyfus. Ein Journalist will in einem Vorort von London den Hauptbelastungszeugen gegen Drey­sus, den Major Esterhazy entdeckt haben. Dieser gestand, daß das Bordereau von ihm geschrieben sei und zwar auf Befehl des damaligen Chefs des Spionage- Bureaus. Der ganze Generalstah habe von dieser Tatsache Kenntnis ge= habt, und alle Fälschungen und Meineide der Generalstäbe hätten nur den 3wed verfolgt, die Sachlage zu verschleiern. Ihm, Esterhazy, seien alle seine Aussagen von dem General­stab vorgeschrieben worden.

§ Das amerikanische Millionärdrama vor Gericht. Der Newyorfer Millionär Thaw, der den seiner Frau nachstellenden Architekten White in einem Variété. Theater erschossen hatte, wurde dem Kriminalgerichtshofe vorgeführt. Er plaidierte selber für nichtschuldig. Da Frau Thaw fich entschlossen hat, für ihren Gatten Zeugnis abzulegen, erwartet man einen der größten Standal- Prozesse aller Zeiten. In Newyork hat eine panifartige Flucht aller Persönlichkeiten begonnen, die befürchten müssen, daß sie durch den Prozeß bloßgestellt werden könnten.

+ Ein treibendes Wrack. Der in Hamburg eingetroffene Tankdampfer ,, Czar Nikolai II." passierte am 24. Juni im Golf von Biscaya einen auf der Backbordseite treibenden Baffelschoner. Nach dem Befund zu schließen, muß das Schiff vorher gefentert sein; von der Besatzung war nichts zu entdecken. Das Schiff treibt in der Route Cap Finisterre­Duessant.

Ueberfälliger Dampfer. Schwere Befürchtungen begt man wegen des Dampfers" Amerika". Er ist mit 50 Mann Befagung und mehreren hundert Passagieren, meist italienischen Auswanderern, von Marseille nach Newyork ab­gegangen, wo er am 23. Juni eintreffen sollte. Die letzten Nachrichten über die Amerika" stammen vom 11. Juni, als ber Dampfer die Azoren passierte. Man fürchtet, daß das Schiff im Sturm untergegangen ist.

Aus dem Gerichtsfaal.

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Alt- Wandervogel."

Ferienbetrachtung von Hermann Breuer.

Die Ferienzeit ist gekommen. Wenn in einzelnen Gegenden des deutschen Vaterlandes auch der Schulschluß noch nicht eingetreten ist oder erst unmittelbar bevorsteht, so be­schäftigt sich aller Orten doch die Jugend schon lebhaft mit der fommenden schönen Zeit.

Wie eine uferlose Gegenwart erscheint die Ferienzeit, fie soll die Erfüllung sein für alle überschwänglichen Jugend­wünsche, Erfüllung für alle Sehnsucht nach Welt und Wandern, die winterlang ihre blassen Träume spann. Auch die Er­wachsenen glauben nur zu gern an diese Art einer Massen­erfüllung.

Aber wie manche Knaben gibt es, denen der Ferien­aufenthalt auch nicht die geringste Veränderung des Alltags­lebens bringt! Morgens Schularbeiten mit Schelte, nach­mittags Familienspaziergänge, gerade so weit, als es das Wohlbefinden nach einer guten Mahlzeit erlaubt, oder aber man fizt, wenn man besser fituiert ist, gemeinsam stundenlang am Strande des Meeres oder in einer Sommerfrische, einem Badeorte u. dergl. Alle die unsichtbaren Schranken, die es zu Hause gab, türmen sich nur zu oft auch hier draußen auf und gewöhnlich noch einige mehr dazu, so dak es vorkommen soll, daß Jungen, die nicht einmal Musterschüler sind, nach den ersten Wochen den Schulanfang ordentlich herbeisehnen! Und doch haben die Eltern alles für ihren Sohn getan, alles ihm gegeben, nur das eine nicht, dessen sein Herz so sehr bedurfte: das bißchen Fretheit.

§ Betrugsprozeß Zander. Der Angeklagte Lüttig erklärt, daß er früher wohl mit Rander gut befreundet ge= mesen, daß er aber, wenn er gewußt hätte, daß Pfändungen pegen von Zander schweben, er thn mit dem Stocke vom Hofe vertrieben hätte." Der Angeklagte von Zander hat bamals ein Darlehen von 30 000 Mart verlangt, und als Sicherheit ihm sein Besitztum verpfändet. Der Bruder des Angeklagten, Hauptmann von Zander vom 10. Jägerbataillon In Straßburg befundet, Lüttig habe sich über den Vertrag sehr aufgeregt gezeigt und gesagt, wenn er gewußt hätte, baß noch weitere Schulden vorhanden seien, hätte er den Bertrag nicht unterschrieben. Die Tagebuchaufzeichnungen seines Bruders seien nicht wörtlich zu nehmen, fie entstammen frankhaften Stimmungen. Im übrigen sei er der Ueber­zeugung, daß Lüttig niemand um einen Pfennig benachteiligen wolle. Der 12. Verhandlungstag wird mit der Verlesung einiger Briefe eingeleitet, in denen Frau von Zander sich bitter beflagt, daß Lüttig mit dem Verkauf der Möbel Ernit machen wolle. In einem Briefe des Angeklagten Zander nennt dieser Lüttig einen Wucherer und Halsabschneider." Herr von Zander betont nach Verlesung dieser Briefe, daß er die f. 8. in höchster Aufregung geschriebenen beleidigenden Musdrücke schon hundertmal zurückgenommen habe, Lüttig habe immer nur sein Bestes im Auge gehabt.

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Es ist eine föstliche Gabe, die der Alt- Wandervogel" bei Beginn der Ferien den Eltern bietet. Auskunft und nähere Angaben erhält man jederzeit von dem Vorfizenden des , Eltern- und Freundesrates" zum Alt- Wandervogel" Ritter gutsbefizer Jansen- Friemen bei Waldkappel- Cassel und dem Bundesleiter Postinspektor Semmelroth, Berlin SW., Gneisenau­Straße 22.

Es wird manchem Vater zu toll diefe völlig unpädagogische Weisheit. Man kann den Jungen doch nicht wochenlano fich selbst überlassen, wohin soll es denn kommen mit der Er­ziehung! Wer Knaben fennt, weiß, wie gerne sie sich der Aufsicht entziehen, um schlimme Streiche zu begehen! Mag sein! Wer Knaben fennt, weiß aber auch, daß nur eine angemessene Freiheit ihre wahre Erzieherin fürs Leben sein kann. Wer in seinen Kindern nicht nur sich selbst liebt, der kann es auch ertragen, wenn die Knaben selbstständig zeigen, was in ihnen stecft, wenn fie unter Altersgenoffen erproben fönnen, wes Geistes fie find, ohne daß die Eltern als glückstrahlende Zeugen daneben stehen müffen.

§ Pfarrer Bachstein vor dem Reichsmilitärgericht. Die Revision des Divisionspfarrers Bachstein, der wegen Beleidigung der fatholischen Kirche zu einem Tage Gefängnis berurteilt war, wurde vom Reichsmilitärgericht als berechtigt anerkannt und die Verhandlung in die Vorinstanz zurück­berwiesen.

§ Der Fall Biewald. Vor der Zivilkammer des Land­gerichts in Breslau fand unter großem Rudrang des Publi­fums die Verhandlung der Zivilflage statt, die der Bierspüler Franz Biewald gegen die Stadtgemeinde Breslau deshalb angestrengt hat, weil ihm bei den Krawallen am 19. April

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Kunst und Wiffenfchaft.

TO. Künstler- Auszeichnungen. Anläßlich der Großen Berliner Kunstausstellung sind vom Kaiser jetzt die Aus­zeichnungen an die Künstler verliehen worden. Es habem erhalten die große goldene Medaille für Kunst der Architett Geb. Baurat Franz Schwechten und der Bildhauer Loui Tuaillon in Berlin. Die goldene Medaille für Kunst wurde berliehen: dem Bildhauer Paul Desten, dem Bildhau Wilhelm Wandschneider, dem Maler Franz Hoffmann­Fallersleben in Berlin; ferner dem Maler Paul Joanowitsch in Wien und dem Bildhauer Josef Hinterseher in Paris.

Es ist vieles anders geworden und besser auf diesem Gebiete. Vor einem Jahrzehnt noch wäre in meiner Voter­stadt, die am schönsten deutschen Strome liegt, jeder Versuch einer selbständigen Schülerfahrt durch den Widerstand der Lehrer und das Mißtrauen der Eltern im Keim erstickt worden,- heute ist der Bund für Jugendwanderungen, der sich unter dem Namen: Alt- Wandervogel" vor Jahren bildete, und unter dem Schuße eines Eltern- und Freundes­rates" steht, bereits über ganz Deutschland verbreitet. Er führt alljährlich Hunderte von Schülern in fleineren Scharen durch des Vaterlandes schönste Gouen und nimmt namentlich in den Ferien alle die unter seine flugbereiten Schwingen, die sonst zu Hause bleiben müßten, oder deren fnabenfrischer Sinn es vorzieht in fräftigenden Taneswanderungen mit den Altersgenossen Wald und Gebirge zu durchstreifen, statt in Badeorten den auserwählten Vergnügungen der schönge= scheitelten Großstadtjugend nachzugehen.

Ein entsetzliches Ehedrama. ( Sonder- Bericht.)

Frankfurt a. D., 1. Juli.

Morgen nimmt vor dem hiesigen Schwurgericht ein Mordprozeß seinen Anfang, der auf Grund seiner entsetzlichen Einzelheiten zu einem geradezu sensationellen Ereignis zu werden verspricht. In einer Schifferfamilie, in dem vor den Toren Berlins belegenen Spree- Dörfchen Rauen hat sich ein Drama abgespielt, das an die schrecklichen Bilder erinnert, wie Tolstoi und andere russische Schriftsteller fie aus ihrer unglücklichen Heimat uns gezeichnet haben. Die Urheberin der Schreckenstat aber ist es, die morgen vor ihren irdischen Richtern stehen wird.

Ueber diesen Alt- Wandervogel" ein Wort gerade jetzt, da von den meisten Eltern die oft so schwierige Entscheidung für die Ferien getroffen wird. Für die Väter und Müter denen allein das Wort ,, Autorität" eine innerlich füke Be­ruhigung zu geben vermag, soll als Erklärung vorausgesagt werden, daß nicht irgend ein obsturer Nachtvogel im Ver= borgenen seine Fangfrallen ausstreckt, sondern daß es ein Bund von Lehrern, Eltern und einsichtigen Jugendfreunden ist, der sich zusammengetan hat, um unsere Jungen das Wandern wieder zu lehren. Und denen, die in allen Ver­bänden zuerst einen organisierten Angriff auf die väterliche Börse wittern, fann verraten werden, daß als erster Grund­saß beim Alt- Wandervogel" gilt, den Eltern das Geld sparen zu helfen. Mit wenig Geld fröhlich zu sein, in der Anspruchslosigkeit den Genuß zu finden, das ist eine große Erziehungsaufgabe, die man namentlich in der modernen Zeit nicht hoch genug schäßen fann.

Der Rüdgang der Spree- Schiffahrt und die ungünstige Lage der Kleinschiffer haben viele Leute, die früher in diesen Gewerbe ein lohnendes Auskommen fanden, gezwungen, fich nach anderem Verdienst umzusehen. Zu diesen gehörte auch der Arbeiter Karl Korn im Dorfe Rauen. Da der Ertrag feines Gartengrundstückes zur Ernährung der aus den Eltern und vier Kindern, im Alter von 20 bis berab zu drei Jahren, bestehenden Familie nicht ausreichte, hatte der Vater eine Stellung als Fabrifarbeiter in Fürstenwalde angenommen, wie auch die beiden ältesten Kinder, der zwanzigjährige Sohn und die achtzehn Jahre zählende Tochter in gleicher Weise ihren Unterhalt verdienten. Nun hatte der Vater seine Stellung verloren und trotz eifriger Bemühungen war es ihm nicht gelungen, anderweitig Verdienst zu finden. Darauf hin hatte er zu Hause böse Tage. Oft genug wurde den Nachbarn das wenig schöne Schauspiel geboten, daß der Mann von seiner Frau unter Assistenz seiner älteren Kinder mißhandelt wurde.

Innigste Fühlung mit der ewig jungen, allbelebenden Natur zu gewinnen, ist der Zweck des Wanderns. Darum werden die Hotels gemieden, darum selbst die Bahnfahrt auf das notwendigste beschränkt, oder doch in der IV. Klasse unternommen, weil diese allein genügend Raum für die aus­dehnungsbedürftige Jugendfröhlichkeit bietet. Was das leib­liche Leben erfordert, muß von den Wandervögeln selbst ge= fauft, ja selbst gefocht werden. Wenn am lichten Abend­himmel die ersten Sterne aufziehen, dann wird nach heißem Tagesmarsch draußen am Waldessaum gelagert. Bald wirit ein flackerndes Feuer grelle Lichter auf die malerisch im Grase liegende Schar. Die Speisen brodeln, ein blasser Rauch steigt über die Baumkronen. Schweigsam ist der Sommer­abend geworden, und schweigsam die sonst so ausgelassene Gesellschaft. Durch die jungen Herzen aber zieht der große stille Zauber der Natur. Nach dem Abendbrod geht man frühzeitig schlafen. In frisches Heu strecken sich die müden Glieder zu tiefem Schlummer, um am frühesten Morgen wieder der Sonne entgegen zuwandern.

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Nur bei solch vernunftsgemäßer Lebensweise ist es ver­ständlich, daß die Ausgaben kaum fühlbrr sind, und trotzdem den Jungen alle Schäße unseres schönheitsreichen Vaterlandes geboten werden fönnen.

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Thalia, verb Wo Aus Japan bevorstehend als Jodeys japanischen Tänzerinnen

Ende März dieses Jahres war Korn blötzlich ver­schwunden, und auf Befragen gab die Frau ihrer Freude darüber Ausdrud, daß ihr Mann fich freiwillig entfernt habe; sie sei, so erklärte die Fran, ganz froh ,,, den Kerl los geworden zu sein", der sich von seinen Kindern ernähren lasse und zu nichts im Leben mehr nüße sei, ja fie drückte sogar die Hoffnung aus, daß der Mann sich das Leben ge nommen haben möge.

Gleich darauf wurde in einer Laube in der Nähe der Kornschen Wohnung die Leiche Korns gefunden. Schon die erfte Untersuchung ergab sofort, daß von einem Selbstmorde nicht die Rede sein könne. Der Rod war der Leiche über den Kopf gezogen und mit einem Strid zugeschnürt. Der Kopf wies zahlreiche laffende Wunden auf, die von Beil hieben herrührten. Bei der Leiche aber lag ein Zettel, der von findlicher Hand geschrieben die Worte aufmies: Wahr Scheinlich Karl Korn, in Tielices Schonung gefunden. 3 Mar Belohnung".

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Die gerichtlichen Untersuchungen ergaben, daß in der ge­nannten Schonung von irgendwelchen Spuren, die auf einen dort vollbrachten Mord schließen lassen fönnten, gar nichts vorhanden war. Dagegen wiefen eine Reihe von Anzeichen direkt auf die Familie des Ermoderten als Verüber der Schreckenstat hin. Der Strid, mit dem der Rock des Er mordeten verschnürt war, gehörte der Frau Korn. Der Zettel, den man bei der Leiche gefunden, war von dem zehnjährigen Sohn Karl geschrieben. Dazu fam, dak sowohl die Frau Korn wie die Tochter fich unter häßlichen Schimpfworten weigerten, die Aufbahrung der Leiche in ihrer Wohnung vornehmen zu lassen. Den Schluß der Indizien aber bildet die Tatsache, daß, als der älteste Sohn in der Fabrik ver haftet werden sollte, eine Botschaft seiner Mutter dort ein­traf, die Anweisungen über die von ihm zu machenden Aussagen enthielt. Unter dem Druck aller dieser Vorgänge bequemte sich die Frau Korn nach längerem Lügen endlich zu einem Geständnis. Sie gab an, fie babe fich des Mannes als eines lästigen Kostgängers entledigen wollen. Sie habe ihre Kinder zu Bette geschickt und im Hausflur die Seimfebr des Mannes abgewartet. Als er gegen 12 Uhr nachts nach Hause fam, habe sie ihn mit einem furchtbaren Beilhiebe niedergestreckt. Dann habe sie selber den Leichnamn durch den Schnee in die Laube geschleppt, und von ihrem fleinen Sohne habe sie dann den Zettel schreiben lassen, der dazu bestimmt war, den Verdacht der Täterschaft von ihr abzulenfen.

Nach diesem Geständnis mußte der bereits in Unter­suchungshaft genommene älteste Sohn in Freiheit gesetzt werden, und die unnatürliche Ehefrau hat sich allein wegen der schrecklichen Bluttat zu verantworten.

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Der totgeglaubte Bruder. In Hohenstein- Ernsttal erschien bei der Familie Eliter ein älterer Mann, der sich der Frau als ihr Bruder vorstellte, der vor 41 Jahren nach Amerika auswanderte, nie etwas von fich hören ließ, und den man längst gestorben wähnte. Der ießt 60jährige Mann hatte in Amerifa fich viel Geld gemacht" und fam nun, von Heimweh gepackt, nach dem alten Lande" zurück und in die Arme feiner Schwester und sonstigen Verwandten, die den längst Totgeglaubten freudig aufnahmen.

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Sonderbare Reliquie. In London wurde jüngst ein Stück Haut eines dänischen Seeräuberhäupttings, von der Größe eines Quadratzolles, für 27,50 Mt. verfauft. Das uralte Stückchen Haut gehörte einem dänischen Seeräuber= häuptling, der in grauer Vorzeit in Hadstock in Esser wegen Kirchenschändung lebendig gefchunden worden sein soll. Zum abschreckenden Beispiel wurden Streifen seiner Haut an die Kirchtüre angenagelt und es war ein Rest von diesen Streifen, der neuerdings unter den Hammer fam.

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