bestände, so fuhr der Kaiser fort, wäre sie bedeutungslos. Denn die Entscheidung stehe allein ihm, dem Kaiser, zu, er der ihm unvereinbar abcr wolle den Krieg nicht,
erscheine mit seinen Pflichten gegen Gott und gegen jein Volk. Der Kaiser schloß mit folgenden Worten: Gewiß, ich war aufgebracht über gewisse verlegende Machenschaften Delcassés, für den Tatt und die Festigkeit Rouviers habe ich aber volle Anerkennung. Von meiner Seite werden feinerlei Schwierigkeiten fommen. Graf Tattenbach wurde von mir beauftragt, sich durchaus fonziliant zu zeigen."
" Eine bemerkenswerte Rede an die Hereros hat der nene Gouverneur von Deutsch- Südwestafrika, v. Lindequist, nach seiner Antunft in Ewalopmund gehalten. Er hält darin den Hereros vor, daß sie eine Ursache zum Aufstand gehabt und sich dessen blutige Folgen selbst zuzuschreiben hätten, weil sie dem Gouverneur mit Mißtrauen begegnet seien. Er werde fein möglichstes tun, ihnen jederzeit gerechte Behandlung an= gedeihen zu lassen und ihr Los zu erleichtern, sobald sich die noch im Felde stehenden Banden ergeben hätten. Sie sollten daher auf ihre Genossen einwirken und für die Folge ihre Beschwerden dem Gouverneur vorbringen, der sie gerecht prüfen werde, nicht aber zu den Waffen greifen. Die in Swakopmund beschäftigten Hereros nahmen die Rede, die in besonders maßvollem Kone gehalten ist, begeistert auf, und es steht zu hoffen, daß die Politik der Versöhnung, die Herr v. Lindequist damit anschlägt, ihre Wirkung ausüben wird.
* Wie aus Oldenburg gemeldet wird, soll Minister Rubstrat nun doch zurücktreten. Es sollen zwischen ihm und seinem Bruder, dem Finanzminister, einerseits und dem Großherzog andererseits Meinungsverschiedenheiten verwaltungstechnischer Natue bestehen, die einen Rücktritt beider Minister wahrscheinlich machen.
frankreich.
** Für die Neuwahl des Präsidenten der Republik ist der 16. Januar 1906 festgesetzt. Fallières scheint starfe Aussicht zu haben, als Sieger über Doumer aus der Wahluine hervorzugehen.
** Zurzeit steht ganz Frankreich unter dem Banne der Spionen- Affären. In Marseille ist wieder ein Mann verhaftet worden, bei dem wichtige Dokumente gefuuden sein sollen. Auch das piözliche Verschwinden einer hochgestellten diplomatischen Persönlichkeit in Toulon möchte man mit der Spionen- Geschichte in Verbindung bringen. Auf der anderen Seite ist einer der zuerst in Toulon Verhafteten bereits wieder in Freiheit gesetzt, und der angebliche Spion in Belfort ist unter ztle Beobachtung gestellt, da man es allem Anschein nach mit einem Irrsinnigen zu tun hat.
England.
Alle Wasserkraft der Welt wird zur Erzeugung von Elektrizi tät gebraucht werden. Und wenn schließlich die Elektrizität aus der Kohle direkt erzeugt und bei dem Gebrauch von Dampfkesseln und Maschinen alle Kraft ausgenutzt werden könnte, würde eine neue Epoche anbrechen. Wenn diese Entdeckung erst gemacht ist, wird die Dampfmaschine außer Gebrauch gesetzt werden. Dann wird man auch zuverlässige Luftschiffe haben, die die Reisenden sicher befördern; ich hoffe, vor meinem Tode noch Luftschiffe fliegen zu sehen. Ich glaube allerdings nicht, daß sie sehr hoch fliegen werden, aber sie werden sich etwas über die Bäume und Gebäude erheben. Dann tönnten auch die Schiffe elektrisch über den Ozean ge= trieben werden; man würde in drei Tagen über den Atlan= tischen Ozean fahren. Die Elektrizität würde so billig sein, daß jeder elektrisches Licht gebrauchen könnte."
** Auss nene bereitet sich ein großer Armee- Skandal vor. Die fön glide Kommission, die mit der Untersuchung der Korruptions- Affäre in Südafrika beschäftigt ist, hat schlimme Zustände entdeckt. Mehrere Offiziere, die an unehrlichen Geschäften beteiligt sind, sollen in Anklagezustand versetzt werden. Ganz besonders sensationelle Enthüllungen werden als bevorstehend angekündigt.
Spanien.
** Zu dem Attentat auf Kardinal Casanas wird noch bekannt, daß bei der Obduktion der Leiche des Attentäters fein Gift gefunden worden ist, sein Tod also noch der Aufflärung bedarf. Die Sache erregt Aufsehen, und man wirst der Polizei vor, daß sie den Attentäter kurzerhand Urteil um die Ecke gebracht hat.
Amerika.
ohne
** Auch zwischen Venezuela und Kolumbien drohen neue Zwiftigkeiten auszubrechen, da Castro sich bemüht, die Herausgabe eines seiner Generale durchzusehen, welcher nach Columbia geflohen ist.
Alien.
So wünschenswert die Verwirklichung dieser Pläne wäre, so wenig scheint ihre Erfüllung in naher Zutunft zu liegen. Bisher scheitert eben die allge neine Verwendung der Elektrizität an der Kostspieligkeit ihrer Erzeugung und Weiterleitung, und die Versuche, das Verfahren zu verbilligen, sind bisher nur stets im Laboratorium, aber nicht in der Praxis der Deffent= lichkeit geglückt. Es besteht daher noch gelinder Zweifel, daß die Prophezeiungen Edisons sich als wahr erweisen werden.
** Immer weiter gewinnt die fremdenfeindliche Bewegung in China an Ausdehnung. Wegen des Verhaltens der englischen Beamten in Shanghai wird ein Boykott gegen das von Indien eingeführte Opium geplant.
Hus den Parlamenten.
Nab und Fern.
† Der Gräfin Montignoso letzte Zuflucht. Nachdem alle Versuche der Gräfin Montignoso, früheren Kronprinzessin von Sachsen, mit ihren Kindern in Verbindung zu fommen, gescheitert sind, hat sie sich an den Papst Pius X. gewendet. In einem Schreiben hat sie diesen gebeten, er möge sich in christlicher Barmherzigkeit ihrer annehmen und ihrer qualvollen Situation als Frau und Mutter ein Ende bereiten.
Bei der Ersatzwahl zum Reichstage für den Kreis Nördlingen( Bayer.- Schwaben) wurde an Stelle des ge= storbenen Zentrumsabg. Dr. Weißenhagen Dekan Büzz( Zir.) gewählt.
† König Leopold als Ehemann. Wie jetzt bekannt wird, ist König Leopold von Belgien seit einem Jahre wieder verheiratet, und zwar in morganatischer Ehe mit Madame Vaughan. Diese ist die Tochter eines Hausbesitzers in Löwen, Namens Lacroix, und was die Geschichte dieser Ehe besonders pifant erscheinen läßt, des Königs Frau ist e ne Nichte des sozialistischen Mitgliedes der belgischen Deputierten fammer van Lamgendolit. Bei der Trauung waren zwei Adjutanten des Königs zugegen, die heilige Handlung wurde in der Priva fapelle des Schlosses Laefen bei Brüssel vom Hofkaplan vollzogen, der dabei im Auftrage des Kardinal- Erzbischofs von Mecheln handelte. Die Frau Leopolds lebt auf dem Besigtume des Königs in Cap Verat bei Nizza.
Der Schutz der Deutschen in den russischen Ostseeprovinzen wird von einigen Parteien des Reichstages für mangelhaft gehalten. Die rechte Seite wird daher dem Reichstage gleich nach Neujahr eine Interpellation vorlegen, in der die Regierung befragt werden soll, welche Maßnahmen sie zum Schutze der Reichsangehörigen zu treffen gedenkt.
Soziales Leben.
× Arbeiterfürsorge. Eine Ruhegeld- und Hinterbliebenenversicherung für städische Arbeiter führt die Stadt Krefeld zum 1. April 1906 ein. Die Bestimmungen dieser Versicherung gleichen denen für städtische und staatliche Beamte. Auch will man städtischerseits eine Aenderung jener Bestimmung des Invaliditätsgefeßes beantragen, nach der solche Personen feine Bezüge aus der Invalidenversicherungstasse erhalten, für die schon eine anderweitige Versorgung getroffen ist. Für die Witwen fällt bei einer Wiederverheiratung die Hinterbliebenenpension nicht ohne weiteres fort, sondern sie erhalten 60 Prozent vom letzten Jahresverdienst des verstorbenen Ehemanus als Abfindungssumme.
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† Die gefährliche Droschke. Der seltene Fall, daß eine Droschte ein Automobil überfährt und zertrümmert, hat sich in Berlin ereignet. Personen sind dabei nicht verlegt. Es handelte sich um ein ziemlich fleines und schwachgebautes Automobil.
† Brennender Dampfer. Der Dampfer Marguerita" emer österreichischen Gesellschaft geriet im Hafen von Venedig in Brand. Troz größter Anstrengungen ist die wertvolle Baumwoll- Ladung und das Schiff größtenteils zerstört.
+ Nachspiel zur Frankfurter Familientragödie. In der Afäre des Eisenbahnsekretärs Wendlandt, der sich und seine Familie in Frankfurt a. M. erschoß, ist ein Verfahren gegen einen Freund des Toten eingeleitet worden, weil dieser von der Absicht des Wendlandt gewust und die Behörde nicht davon unterrichtet hat. Darin soll ein Vergehen geren § 139 des Strafgesetzbuches liegen. Eine Bestrafung wird indessen faum eintreten.
Die Zukunft der Elektrizität. ( Von unserem technischen Mitarbeiter.) Der berühmte Erfinder Edison hat sich über die Zukunft der Elektrizität in einigen sehr interessanten Säßen geäußert, aus denen hervorgeht, daß er einen allgemeinen Gebrauch dieser Kraft infolge direfter Herstellung für nahe bevorstehend hält. Er sagt: Die Eletrizität wird bald die Pferde verdrängen und das Verkehrsproblem in den Städten gelöst haben. Meine neue elektrische Akkumulatorenbatterie wird die Elektrizität billiger als Pferdekraft machen. Im Früh jahr werden wir soweit sein, die neuen Batterien liefern zu fönnen. Dadurch wird halb so viel Raum wie beim Pferdeverkehr gebraucht, aber die doppelte Schnelligkeit erzielt werden. Die Batterien fönnen auch in oberen Stockwerken untergebracht werden. Schon der Grund und Boden in New York, der dann durch die überflüssigen Ställe gespart wird, ist wenigstens 800 000 000 Mart Ebenso sicher ist es in Zukunft, daß wir durch drahtlose Telegraphie jedes Schiff auf See erreichen werden.
wert.
† Die Nache des Denkmals. Aus Wut, weil er eine Frage nach dem ungarischen Dichter Kaczinsky nicht beantworten konnte und deshalb eine schlechte Zensur erhielt, feuerte der Schüler Abaffy in dem ungarischen Orte Koposvar zwei Schüsse auf das dort befindliche Denkmal des Dichters ab. Eine der Kugeln prallte aber ab und verletzte den Attentäter lebensgefährlich am Unterleib.
† Sich selbst in die Luft gesprengt hat der Steinmetz Sch- idt in Neuhof bei Erfurt, indem er sich eine Dynamit pat one in den Mund steckte und sie zur Explosion brachte. Er wurde völlig zerrissen.
Die Kosten des Hiberniaprozesses, der bekanntlich zugunsten des preußischen Staates ausgefallen ist, hat bisher allein au Gerichtskosten 103 000 Mart verursacht. Die An waltskosten betragen ungefähr dieselbe Summe. Nach dem Urteil muß die Hibernia- Gesellschaft vier Fünftel der Kosten tragen.
+ Eisenbahnunfall. Der Personenzug BrombergDirschau verunglückte zwischen Maxim lianowo und Klahrhe m Dadurch, daß ein Wagen vierter Klasse einen nach Bromberg fahrenden Güterzug streite. Hierbei er itten zwei Personen schwere Verlegungen, sodaß sie ins Krantenhaus in Schweg An der Weichsel gebracht werden mußten. Zwei leicht Verletzte fonnten die Fahrt fortsetzen.
Hus dem Gerichtssaal.
§ Prozeß um Wißmanns Tod. Die Familie des Majors v. Wißmann hat gegen die Unfallversicherungsgesellschaft, bei der der Verstorbene versichert war, Klage wegen Auszahlung der Versicherungssumme angestrengt. Die Gesellschaft hat die Auszahlung der Summe mit der Motivierung verweigert, daß es sich bei dem Tode Wißmanns nicht um einen Unfall, sondern um Selbstmord handele.
+ Gin toter Steuerzahler. In Tondern ist ein Landmann, der bereits 1884 gestorben war, irrtümlich jedes Jahr zur Kreissteuer veranlagt worden, und wunderbarerwei e wurde dagegen niemals Widerspruch erhoben, sondern jedes: mal die Steuer bezahlt. Die Zahlung erfolgte durch die Witwe des Verstorbenen, die jedoch dazu nicht verpflichtet war.
In
§ Ehescheidungsprozeß Louise von Koburg. Paris haben zwischen den Sachwaltern des Prinzen Philipp und der Prinzessin Louise v. Koburg Verhandlungen statt=. gefunden, welche zu einer Verständigung geführt haben, die dem Gericht ersparen soll, sich bei der bevorstehenden Trennung der Ehe über das Verschuldungsmoment auszus sprechen.
† Tod im glühenden Eisen. Infolge Bruchs einer Gießpfanne stürzte auf der Werft des Stettiner ,, Vulkan" eine glühende Eisenmasse von 15 000 Kilogramm auf 3 Arbeiter, von denen einer sofort getötet wurde. Die beiden andern elitten lebensgefährliche Verlegungen.
Silvester.
- Aberglauben und Bräuche in der Neujahrsnacht.Wie die Weihnachtsnacht hat auch die Nacht des Jahreswechsels eine Unzahl Gebräuche aufzuweisen, deren Ursprung teilweise noch in den heidnischen Vorzeiten zu suchen ist. Auch Silvester erfordert vor allem Lärm als Kampfmittel gegen die in dieser Nacht umgehenden Geister und die halbreife Jugend, besonders in den Großstädten, bemüht sich auch nach Kräften, diesen alten Brauch auszuüben, solange die Polizei es sich gefallen läßt. In Berlin z. B. werden in dieser Nacht gewöhnlich einige hundert Verhaftungen vorgenommen und die Ruhejtörer packt der Staatsanwalt nicht sehr glimps lich an. Hier ist also der Aberglaube sehr gefährlich. Auf dem Lande hat sich dagegen meist noch das Schießen erhalten und in fast allen Gegenden Deutschlands schießt man in der Silvesternacht durch die Zweige der Bäume, damit diese im nächsten Jahre gut tragen. Natürlich handelt es sich auch hier um das Bestreben, die dem Baume schädlichen Geister zu verjagen.
† Vest im Schiff. Auf dem in Hamburg aus Rosario eingetroffenen Dampfer Karthago sind pestkranke Ratten ge= funden worden. Das Schiff ist einer Ausgasung mit einem attentötungsapparat unterzogen worden, und alle Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. Menichen sind nicht erkrankt. Die Löschung der Ladung wird unter den üblichen Vorsichtsmaßregeln gestattet werden.
† Freigebiger Juwelendieb. Durch größere Spenden von Gold- und Schmucksachen an Gäste eines Wirtshauses in Berlin machte sich Weihnachten ein Herr stark verdächtig. Es stellte sich heraus, daß der freigebige Freund an einem großen Juwelendiebstahl in Hannover teilgenommen hatte. Für 2000 Mart Schmucksachen fonnten ihm noch abgejazt werden, Dagegen hatte er in anderen Orten schon für über 1000 Mark verschenft.
† Bestrafte Unvorsichtigkeit. Die so oft gerügte Unfitte, fahrende Züge zu besteigen, hat wieder zwei Opfer ge= fordert. Auf der Dammtorstation in Hamburg gerieten bei dem Versuch, in einen in der Fahrt befindlichen Zug zu steigen, der Landmann Tröh mit seinem dreijährigen Enkel unter die Räder. Beide wurden totgefahren.
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Auf einen Rest ehemaliger Baumverehrung und Opfer für die Waldgötter deutet der in vielen Gegenden übliche Brauch, Geldmünzen in die Rinde solcher Bäume zu stecken, die im abgelaufenen Jahre nicht oder schlechte Frucht getragen haben. Ueberhaupt ist die Neujahrsnacht bestimmend für die landwirtschaftlichen Erfolge des fommenden Jahres. Man umwindet daher in einigen Gegenden Norddeutschlands die Bäume mit Strohseilen, um ihr Wachstum zu befördern und bindet die Zäume der Pferde an den Eßtisch, damit diese Tiere im fommenden Jahre gut fressen und nicht frant werden. Der Erkundung der Zukunft dienen verschiedene Mittel, die in der Silvesternacht angewandt werden müssen; am bekanntesten dürfte das Bleigen geworden sein. Viel verbreitet ist der Glaube, daß man um Mitternacht am Silvester auf einem Kreuzweg den Himmel geöffnet sieht und alle Ereignisse des kommenden Jahres erblickt. Halbe Wallnuß= schalen, in die man kleine Lichter setzt, läßt man auf einer mit Wasser gefüllten Schüssel schwimmen. Wessen Licht zuerst erlischt, der stirbt zuerst behauptet der Aberglaube. Auch der Rogen des Karpfens muß zu Erkundungen der Zukunft herhalten, nur möge man von der abscheulichen Tierquälerei ablassen, durch Stiche in die lebenden Karpfen die Reichhaltig= keit des Rogens zu ermitteln. Es wäre wünschenswert und eigentlich selbstverständlich, daß die Fischvezifer solche Roheiten verhindern sollten und dazu verpflichtet werden müßten. Das Karpfen ssen ist ja ziemlich verbreitet, da dessen Schuppen, in die Börse gesteckt, Geld für das ganze Jahr herzaubern können. Ich habe die Sache zwar schon oft probiert, aber immer nur die trockenen Schuppen wiedergefunden. In Geld haben sie sich bei mir noch nie verwandelt, vielleicht weil ich nicht an den ,, fanlen Zauber" glaube. Sehr beliebt sind am Silvester die Mohn= speisen, Mohnklöße oder Mohnpielen genannt. In Altenburg ißt man Hering und Hirsebrei, um Glück zu haben, in anderen Gegenden Weißfohl oder Rüben, um Geld zu ge winnen. Die beliebten Berliner Pfannkuchen dürften die Form des Sonnenrades nachahmen, da die Sonne am Neujahr ihre neue Bahn beginnt. Ein wenig befannter, aber in Mecklenburg noch hier und da verbreiteter Glaute, dem die Komit nicht fehlt, ist der, daß man das ganze Jahr Holz stehlen fann, wenn man in der Neujahrsnacht beim Stehlen nicht vom Förster erwischt wird. So muß der Aberglaube auch für die Holzdiebe dienstbar gemacht werden. Wenn man in der Neujahrsnacht um 12 Uhr rücklings oder mit verbundenen Augen auf einen Ho'zstoß zugeht und ein Scheit herauszieht, so fann man an dessen Gestalt die Gestalt des oder der Zukünftigen erkennen, nämlich ob sie frumm oder gerade, groß oder klein, dick oder dünn sein wird. Auch in der Ofenröhre kann man das Bild des Zukünftigen sehen, wenn man um Mitternacht hineinschaut. In Rußland gehen die Mädchen in der Neujahrsnacht vors Dorf auf einen Kreuzweg und sehen in einen mitgebrachten Spiegel, um darin die Züge des erhofften Gatten zu erkennen. einigen Gegenden Deutschlands stellen die Mägde nachts unter besonderen Gebräuchen ein Glas Wein und ein Glas Wasser auf den Tisch ihrer Kammer. Der Geist des Zu fünftigen erscheint dann und trinkt. Nimmt er Wasser, so wird es ein Armer, nimmt er Wein, Reicher sein. Kinder, die das erste Mal an einer Silvesterfeier im Hauſe teilnehmen, läßt man um 12 Uhr vom Tische auf den Fußboden springen, damit sie wachsen und gesund bleiben, eine Sitte, die vielleicht in der Schilderhebung bei den alten Germanen wurzelt. Jedenfalls haben alle diese Bräuche noch genügend Anhänger und sie helfen auch dem, der daran glaubt, wenigstens glauben diese Anhänger auch das. Die beste Silvesterfeier ist jedenfalls die in der warmen Stube bei einem tüchtigen Glas Punch. Wer an diese Geister glaubt, braucht sich vor ihnen nicht zu fürchten.
† Die trügerische Eisdecke. Mehrere Knaben betraten beim Spielen in der Nähe von Mittweida eine zugefrorene Grube, deren Eisdecke ihnen tra fähig erschien. Drei Knaben, welche sich zu weit vorgewagt hatten, brachen an der tiefsten Stelle ein und verschwanden im Wasser, während die übrigen glücklich das Ufer erreichten. Von den Eingebrochenen ver= mochte sich nur einer zu retten, während sine beiden Spielfameraden ertranfen. Erst nach längeren Bemühungen konnten die Leichen geborgen werden.
† Ursaubere Geschäfte. Nach Unterschlagung von etwa einer Million Gulden ist der gemeinschaftliche Direktor der Nederlandsche Matschappy und der Nederlandsche Hypotheekbank in Amsterdam geflüchtet.
+ Absturz eines Touristen. Be: ciner Tour auf den Hochschneeberg in der Rayalp stürzte der Kaufmannsfommis Anton Lug aus Wien etwa fünfzehn Meter tief ab und blieb mit schweren inneren Verlegungen liegen. Man versuchte den Kranken durch eine Rettungsexpedition nach der Stadt Reichenau zu bringen, doch ist sein Befinden besorgniserregend und wird den Transport faum gestatten.
J. Aliquis.
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