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Nr. 27.

Jasertionspreis: Die einfpaltige Betitzeile für ganz Ober­Beffen, die Sieffe Weylar und Marburg 10.8fg. sonft 15 Big. Reklamen bie Petitzeile 30 refp. 40 Bfg.

Rebattion u. Haapterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Mittwoch, den 1. Februar 1905.

Gießener

14. Jahrgang.

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Grattebetlagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die Indemnitäts- frage. ( Von unserem parlamentarischen Berichterstatter.)

Das Plenum des deutschen Reichstages hat mit germge­ren Schwierigkeiten, als sie in der Budgetkommission hervor= getreten sind, schließlich die Regierungsforderung für Süd­westafrika genehmigt und Indemnität erteilt. Die grund­fäßlichen Gegner unserer Kolonialpolitik und unseres Kolo­nialsystems haben, wie unschwer vorauszusehen war, selbst­verständlich die Gelegenheit benutzt, um der Kolonialverwal­tung ihre vermeintlichen Sünden vorzuhalten. Der Kolo­nialdirektor Dr. Stübel hat im allgemeinen mit viel per­sönlicher Würde und auch mit gutem Erfolg die Angriffe gegen sein Amt und seine Untergebenen abgewehrt. Erfolg wurde ihm quittiert in Form einer Genehmigung der von dem Reichskanzler nachgesuchten Indemnität für die be­reits geleisteten Ausgaben. Damit ist ein ernster Konflikts­stoff zwischen Regierung und Parlament aus der Welt ge­schafft und zugleich auch den Interessen unserer Kolonien in bester Weise Rechnung getragen.

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Denn daran ist von vornherein festzuhalten, daß die Reichsregierung die Ausgaben für Südwestafrika nur des­halb bereits bewilligte und auch effektuierte, ehe der Reichs­tag über die Anforderung noch sein Votum abgegeben hatte, um hierdurch während der Kriegsoperationen Zeitverluste zu vermeiden, nicht aber um das Budgetrecht des Reichstages zu ignorieren und in kränkender Weise die Rechte des Par­laments zu verletzen.

Das Parlament nahm übrigens auch nur an den Aus­gaben für die Beschleunigung bereits geplanter Bahnanlagen und für die Vorarbeiten neuer Bahnprojekte Anstoß, weil sie in diesen keinen direkten Zusammenhang mit den Kriegs­operationen anzuerkennen vermochte. Diese Auffassung ist indes nur zum Teil richtig. Die Beschleunigung der Bahn der Stawigesellschaft und ihre Durchführung bis Omaruru steht zweifellos in einem ursächlichen Zusammenhang mit den Kriegsoperationen und dem Kriegszweck. Dank der Taktik unserer Truppen wurden ja allerdings die Opera­tionen am Waterberg früher beendigt, als selbst die ge­nauesten Kenner der afrikanischen Verhältnisse vorauszusehen vermochten. Wenn dies der Fall war, so ist uns bereits die kurze Strecke der Otawibahn sehr zu statten ge= fommen. Der Kriegszweck aber geht erst jetzt seiner Erfüllung entgegen. Denn er läuft darauf hinaus, das Gebiet der Kolonie, wie der Kolonialdirektor auch in der legten Reichstagsverhandlung erklärte, mit seinen reichen Erzlagern und seiner natürlichen Fruchtbarkeit auszubeuten. Um aber dieses Ziel zu erreichen, ist es unbedingt nötig, daß unser Verkehr und auch die Anlegung von Garnisonen einen Stüßpunkt in einer Eisenbahn erhält, und je früher die Ar­beiten hierfür begonnen werden, um so mehr dürfen wir auf einen Erfolg dieses Unternehmens rechnen. Die Vor­arbeiten für den Bau einer Eisenbahn von Windhuk nach

Der Eselsmüller und die Falschmünzer.

2)

Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H.

Alle Rechte vorbehalten.

( Nachdruck verboten.) Einen Brügel hatte Heiner feinen, deshalb nahm er die Säbelscheide. Kaum hatte der Esel einige Hiebe bekommen, so stand er wie ein unschuldig Lämmlein. Sieh'st Du Bursche, vergeblich war der Heiner nicht bald zwanzig Jahre bet den Ulanen. Er weiß wie man solch Asevteh zahm macht.".

Doch als Heiner wieder anfing zu ziehen, ging's auf's neue rückwärts.

Der Eselsmüller lag ganz in der Nähe in Laub und unter Buschwerk versteckt. Er hatte das ganze Selbstgespräch des Grünrocks gehört.

Rehobot aber fallen unmittelbar in den Kriegszweck hinein, denn nach ihrer Erledigung fönnte sofort der Bau durch unsere Pioniertruppen begonnen werden. Das aber würde ganz wesentlich die Operation gegen die Witbois fördern.

Die Frage ist nun, ob die Regierung nach formalen Gesichtspunkten verfahren sollte und den Reichstag hätte zu­sammenberufen müssen, um die für notwendig und dring­lich erachteten Ausgaben bewilligen und dadurch den Gang der Entwickelung verlangsamen zu lassen, oder ob der Sta­tus in Südwestafrika jede Verlangsamung ausschloß. Dieser Fall scheint uns vorzuliegen und infolgedessen hat die Reichs­regierung dem Interesse der Wohlfahrt unserer Kolonie, unserer Ansiedlung und unserer Truppen mehr durch un­gesäumte nangriffnahme der notwendigen Arbeiten ge­dient, als wenn sie erst den Reichstag zusammenberufen und dessen Entscheidung herbeigeführt hätte. Das Mitbestim­mungsrecht des Parlaments bei den Ausgaben des Reiches schließt die Verantwortlichkeit der Regierung für die sach­genöße und den Verhältnissen entsprechende Wahrnehmung unscrer Interessen nicht aus. Eine Regierung, die aus for­malen Gründen notwendige Arbeiten versäumen würde, nur, um das Budgetrecht des Reichstags zu respektieren, würde er.tschieden nicht im Geiſte unserer Verfassung handeln. In folher Fragen muß gegen einander abgewogen werden, wel­ches Interesse das dringlichere ui, und die Beantwortung dieser Frage ist im vorliegenden Falle nicht schwer. Sonach war der Beschluß des Reichstags durchaus sachgemäß.

Der Krieg in Oftalien.

Das völlige Mißlingen des russischen Umgehungsver­luche gegen den linken japanischen Flügel steht jetzt außer allem Zweifel. Die

Verfolgung der Russen

durch die Japaner ist nach dem nachstehenden Telegramm aus London bereits auf der ganzen Linie aufgenommen worden:

Nachdem die Japaner die Russen über den Hunho ge­trieben hatten, septen sie die Beschießung des Feindes auf der ganzen Linie vom 28. Januar nachmittags bis 29. Januar mittags fort. Die Russen antworten nur schwach. Die Japaner suchen jezt Kuropatkins rechte Flanke zu überflügeln.

Ueber die Einzelheiten des mißlungenen russischen Vor­stoßes verlautet noch aus japanischer Quelle: Mischtschenkos Versuch, den japanischen linken Flügel zu umgehen und dessen Vormarsch aufzuhalten, mißlang und endete mit einem raschen Rückzug gegen den Liaho. Griepenberg wurde auf dem rechten Ufer des Hunho von Oku, der durch Nogis Trupen verstärkt ward, heftig bedrängt und ging unter blu­tigen Nachhutkämpfen eiliaft auf Schalinvu zurück. Kuro­

Der Erfolg war ein urkomischer. Der Esel fing sofort an zu Bocken. Hinten schlug er aus, vorn sprang er wie ein Ziegenbock in die Höh'. Heiner packte die Verzweiflung. Sattel hatte er feinen unter sich. Die Sporen fonnte er dem Esel nicht einsehen, denn seine Beine reichten ja bis fast zur Erde. Doch er wollte es wagen, aber im selbigen Augenbide, als er die Beine hoch zog, flog er über des Esels Kopf hinweg zum Graben hinein.

Der Esel aber trabte ruhig weiter und dem Käuzchens Nufe folgend, lief er zum Walde in den Schlangenwindungen zurück. Heiner erhob sich mühsam, er hatte doch. wie er meinte, einen verteufelten Sprung getan. Seine Hüften haltend, wollte er zu seinem Pferde; doch was sah er? Nirgends war etwas von seinem Schimmel zu erblicken.

,, Auch das noch, mein Pferd fort?" Nun wohin

patkins Bemühen, den Rückzug Griepenbergs durch Ent­sendung von Verstärkungen zum Stehen zu bringen, miß­lang. Oku verfolgt die Truppen Griepenbergs energisch.

Von russischer Seite wird bisher zugegeben, daß die umfassenden Kavallerietewegungen von den Japanern zum Stillstand gebracht worden. Ebenso werden die russischen Verluste in Höhe von 10 000 Mann bestätigt.. Doch heißt es in Petersburger Depeschen, daß die Verluste der Japaner noch größer sein sollen. Was Kuropatkin sonst noch meldet, ist nur eine breitere und recht uninteressante Wiederholung bereits bekannter Vorgänge.

Die Unruhen in Russland.

Wenn an einer Stelle des weiten russischen Reiches die Flamme des Aufruhrs gedämpft ist, glüht sie alsbald an anderer Stelle wieder empor. Was in Petersburg am, blu­tigen Sonntag" begann, hat sich in Warschau in gleicher Weise wiederholt.

Schon seit mehreren Tagen hatte die Gärung in War­schau einen besonders starken Grad angenommen, so daß das Militär verstärkt und der Belagerungszustand verhängt wurde. Dadurch ist aber wohl die Volksmenge nur noch mehr gereizt worden, denn als der Mob anfing, Unfug zu treiben, setzten sich die streikenden Arbeiter in Bewegung. Schreckensszenen in Warschau.

Es kam zu blutigen Zusammenstößen. An verschiedenen Stellen gab das Militär Salven auf die Menge ab. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten wird auf 500 ange­geben. Trotzdem wuchsen die Volkshaufen immer mehr an, und sie gehen ihrerseits gegen die Soldaten vor, die sich durch Schüsse und Messerstiche bedroht sehen. Eine Art wahnsinnigen Hanges zu Aufregung und Abenteuern, viel­leicht auch eine Ekstase des Selbstaufopferns macht sich gel­tend. Namentlich junge Mädchen stürzen sich an die gefähr­lichsten Stellen, als suchten sie den Untergang. In den Häusern fehlt es an Nahrungsmitteln. Der Hunger treibt die Bewohner auf die Straßen.

Neue Verhaftungen.

Die Verhaftungen unter den Intelligenten nehmen ihren Fortgang. Sie erfolgen meistens bei Nachtzeit. So wur­den in Kiew zwei der hervorragendsten Professoren, Fürst Trubetkoi und Scheljesnow, verhaftet.

Die Herero im englifchen Hfyl.

Die überlebenden Herero bieten alles auf, die englische Grenze zu erreichen. Ihre Erwartung, daß sie dort in Sicherheit seien, hat sie nicht getäuscht. Die Engländer be­trachten die Räuber und Mordbrenner als kriegführende

wahr ich Heiner heiße und mein Ernst Pastor in Dings- da ist."

,, Au," schrie er dann. Im Eifer hatte er seine schwieltgen Füße vergessen, deshalb war er ja Berittener. Nicht eine Wegstunde konnte er gehen wegen seinen elendigen Schwielen an den Füßen. Nun es war auch schlimm. Andere Menschen haben wohl Hühneraugen an den Füßen, Heiner aber hatte, wie er spötisch sagte, einen Feuerspeienden Berg" unter jeder Fußsohle. Ja hätte er sie wegfluchen können, dann wären sie schon längst fort. Seine arme, aber sehr gebildete und fromme Frau wollte ihm das Fluchen abgewöhnen. Aber o weh! Da hatte sie sich doch geirrt. Desto schlimmer quollen die Fluche aus seinem Munde.

Doch znrück; wo war sein Gaul? Hatte denn der Teufel in dieser Gegend sein Spiel! Er war Protestant, hier alles stockkatholisch. Sollte dieses die Ursache sein?

,, Elender Wicht, mein Grautier ist flüger als Du, würde es wohl seinen Weg genommen haben? Weder Dann, nun denn nehme ich den Kampf auf mit allen

warts ab, wer der größte Esel ist." So sprach leise der Eselsmüller. Er hätte laut auflachen mögen, als er die ohnmächtige Wut des Grenzjägers sah. Ja, sein Grautier hatte er gut gelernt.

Dem Heiner fiel ein, er habe einmal irgendwo ge­hört, ein Esel ließe sich von einem Fremden nur regieren wenn sich derselbe darauf setze. Jezt probte er dieses. Der Esel hielt still und schien froh zu sein den fönig­Itchen Grenzjäger Heiner tragen zu dürfen. Denn munter trabte er dem Ausgange des Waldes zu, wohin ihn Heiner regierte.

,, hätte ich mich doch gleich druff gesetzt," sprach Heiner laut zu sich selbst. Muß mich der Teufel reiten, daß ich mich so lange mit' nen Esel rum balge." , Haft's gut gemacht, Herr Grenzaufseher Heiner, soweit wollte ich Dich haben. Jezt fißt Du ausge. zeichnet, nun gute Reise, Grünrod," sprach im nächsten Augenblick der wieder langsam hervorgekommene Esels­müller. Hohnlachend schaalzte er nur mit seiner Zunge und ließ dann einen Uhuruf erschallen.

auf der ziemlich geraden Landstraße, noch im Felde sah

er eine Spur.

Er fluchte alles heraus, was er aus seiner Soldaten­zeit noch wußte. Aber es half nicht's, sein Pferd kam deshalb doch nicht herbei.

Der verdammte Eselsmüller, dieser Eselstreiber, der Vagabund und Spizbube, ja wer weiß was der Halunke noch alles ist, der allein war an seinem Unglück schuld. Blamiert hatte er, der Königliche Grenzbeamte, sich in der ganzen Gegend. Er, der stolze Heiner, den man gerade deshalb hierher versetzt hatte, weil alle seine Vorgänger sich unfähig erwiesen, wie er meinte. Nun hatte dieser Kerl mit seiner Zippelmüße ihm den Streich gespielt. Der leibhaftige Satan, von dem sein Ernst predigte, mußte mit dem Eselsmüller im Bunde sein, sonst fonnte ihm dieser Streich nicht gelingen, ihn den alten erprobten Heiner zu überlisten.

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Doch Kerl", schrie er laut ,,, Dich mit samt dem Teufel treibe ich noch aus meinem Grenzbezirke, so

Teufeln. Halt, mein Ernst muß mit, der wird diese Dickköpfe schon belehren.- ,, Au, Au," schrie er aufs neue ,,, die verd..... Knoten da unter meinen Füßen. Herr Gott sei mir gnädig, wo ist mein Gaul? Wäre mein Gaul da, dann holte alle Eselsmüller ein heiliges D.... wetter. Doch was fasele ich. Der Gaul muß herbei und sollte ich ganz Hüften und Neheim zum Einfangen aufbieten.

Der Eselsmüller war ihm heimlich ohne Zipfel­müze gefolgt und hatte auch das Selbstgespräch" des Heiner gehört. Er hatte laut aufjauchzen mögen, doch er wollte seine offene Freude sparen bis später. Er hatte das Pferd in rasendem Galopp über Neheim laufen sehen. Die Steichbügel machten es immer wilder, weil sie ihm stets wider den Leib schlugen.

Heiner ging bis auf die Heerstraße, dann konnte er nicht weiter. Fluchend setzte er sich unter einen Vogelbeerbaum und wünschte nur einen halben Ohrt" ( 2 Liter) Schnapps, oder daß ihn der Teufel hole.

( Fortsetzung folgt.)