Kommen Sie darum zu uns, und kommen dürfnis, Ihnen Auge in Auge auszusprechen, wie ich darüber Ihrer Gattin zu machen, und ich fühle ein dringendes Be" Ich weiß also jetzt, daß es Ihre Absicht war, mich zu
wiederholten halblaut die letzten Worte des Briefes: strich fich mit der Hand über die Stirn, und feine Lippen und beglidendes Ereignis fie hervorzurufen bermochte. Er
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Nr. 201.
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Montag, den 28. August 1905.
Gießener
14. Jahrgang
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Die deutsch- englifchen Beziehungen. Zwischen Deutschland und England ist eine gewisse Spannung eingetreten. So sagt man. Die Zeitungen erzählen es und bringen manche Belege dafür bei. Zum Beispiel das englisch- französische Marokko- Abkommen, gegen das Deutschland Einspruch erheben mußte. Zum Beispiel ferner die englisch- französische Entente, die sich doch nur gegen Deutschland richten könne. Zum Beispiel drittens die kaum noch mißzuverstehenden Reden und Artikel des Zivillords der Admiralität, Lee, und des früheren Admirals Fitzgerald. Zum Beispiel endlich das Verhalten König Eduards von England, der einer Begrüßung Kaiser Wilhelms beinahe geflissentlich aus dem Wege gegangen, während er den Kaiser Franz Josef besucht hat, zweinal bei Herrn Loubet schon gewesen ist und zum drittenmal in demselben Jahre nach Paris zurückkehren will. Das klingt wirklich, als ob es von einiger Bedeutung wäre. Sehen wir aber einmal zu, ob es genauerer Prüfung standhält.
Es ist füglich selbstverständlich, daß England überall englische Interessen wahrnimmt und es anderen Staaten überläßt, ihre Interessen selbst zu hüten. Von diesem legitimen Standpunkt aus betrachtet England seine Abmachun gen. Das Abkommen mit Frankreich) wegen Marokko brachte England positiven Vorteil: nämlich die endgültige Anerfennung seines ägyptischen Besitzrechts durch Frankreich. Dafür gestand England zu, daß Frankreich von England nicht gehindert werden solle, in Marokko sein Uebergewicht fest zu etablieren und durch ein Protektorat die Besitzergreifung von Marokko vorzubreiten. Sich mit Deutschlands etwa entgegenstehenden marokkanischen Interessen auseinanderzusetzen, war Frankreichs Sache. Herr Delcassé glaubte, Deutschland einfach ignorieren zu dürfen. Er bildete sich sogar ein, daß er England bei einem etwaigen Krieg mit Deutschland zum Bundesgenossen haben werde. Herr Delcassé wurde von England aus belehrt, daß er sich geirrt habe, und in Frankreich wurde er weggejagt. Hier ist also nichts, absolut nichts, was wir England zum Vorwurf machen oder irgendwie verübeln könnten.
Nach der Erledigung der Marokko- Angelegenheit, die zu unferer Befriedigung erfolgt ist, hat sich zwischen England und Frankreich eine erneute Annäherung vollzogen. Das ist richtig. Liegt aber der geringste Anlaß zu der Annahme vor, daß England die eben geweigerte Bundesgenossenschaft in einem etwaigen Krieg Frankreichs gegen Deutschland akzeptiert habe? Das ist nicht der Fall. Wenn zwei Staaten besondere freundschaftliche Verständigung gefunden haben, so ist gänzlich unangebracht, vorauszusetzen, diese freundschaftliche Verständigung habe eine mehr oder weniger versteckte Spike gegen einen dritten Staat. Deutschland steht im Dreibund. Hat es deswegen Angriffsgedanken nach irgend einer Seite? Kaiser Wilhelm ist dem König Oskar von Schweden besonders wohlgesinnt. Ist er des halb von feindseligen Gefühlen gegen die Norweger erfüllt?
Der Zivillord der Admiralität Lee hat in der Tat vor Monaten eine Rede gehalten, die von der Doktorfrage eines möglicherweise sich als notwendig erweisenden englischen Angriffs auf benachbarte europäische Mächte handelte und Deutschland als Angriffsbeispiel hinstellte. Herr Lee hat fich entschuldigt; er sei misverstanden worden; er habe ernst. lich an Krieg und Angriff nicht gedacht; was er gesprochen, sei nur ein Problem gewesen, nur ein Problema, so zu sagen". Admiral a. D. Fizgerald hat in der Tat einen Artikel geschrieben, in dem er England empfahl, es solle über die deutsche Flotte herfallen und sie zerstören, ehe sie wider: standskräftig geworden sei. Ist ähnliches in Deutschland nach der anderen Richtung niemals vorgekommen? Haben deutsche Männer von einem gewissen Ansehen und in ebenso unverantwortlicher Stellung wie die Herren Lee und Fitzgerald sich nie in unfreundlichem Sinne gegen England ausgelassen? Und um gleich noch einen Punft zu berühren: Ist die Haltung der Kap- Engländer gegenüber dem Aufstand in Deutsch- Südwestafrika etma unfreundlicher, als sich die Stimmung in Deutschland während des Burenkrieges gegenüber England gezeigt hat? Ob diese Stimmung in Deutschland berechtigt war, kommt gar nicht in Frage; nur darauf kommt es an, welchen Widerhall diese Stimmung in England wecken mußte.
Das vierte Beispiel endlich, das Verhalten König Eduards und seines Privatsekretärs betreffend, so ist es durch den Kaiser bereits erledigt, der die Andeutung auf die Erwiderung der Unfreundlichkeit mit dem Bemerken zurückwies:„ Das wird nicht geschehen!"
Nein, wir haben keinen Anlaß, bei den Engländern feindfelige Gesinnung gegen uns vorauszusetzen. Blut ist dicker als Wasser", hat unser Kaiser im Hinblick auf die englischen Vettern gesagt. Sie fommen jett über die Ostsee, wo ihre Schiffe seltene Gäste sind, zu uns. Wir werden den Privatsekretär des Königs Eduard durch Höflichkeit beschämen und sie herzlich willkommen heißen. Wir wollen ihnen anerkennende Bewunderung nicht versagen und ihnen nacheifern.
Die Verhandlungen in Portsmouth.
( Eig. Bericht.)
Petersburg, 26. August.
Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die entscheidenden Beschlüsse der Friedenskonferenz abermals hinausgeschoben verden, da den Bevollm.... tigten bis heute die Instruktionen hrer Regierungen noch nicht zugegangen sein werden. Vor= aussichtlich wird Dienstag weiterberaten. Obwohl man in Petersburg die düstersten Prophezeiungen folportiert und on einem Manifest spricht, das dem Volke den Abbruch bet Friedensverhandlungen anzeigen soll, will in unterrichteten Kreisen die Hoffnung auf Frieden nicht ganz schwinden. Auch ein Mitglied der japanische Kommission crffärte die Situation zwar für schwierig, aber doch nicht hoffnungslos. Die japanische Regierung ist in Erwägungen darüber eingetreten, ob irgend eine Ermäßigung ihrer Forderungen noch möglich ist, und trotz aller großen Worte der Kriegspartei am Zarenhofe fann man sich doch nicht der Einsicht verschließen, wie wenig mit einer Fortsetzung des Krieges gewonnen werden könnte.
Minister Witte hat die angebliche Aeußerung seinc Kollegen Lansdorff von der Fortsetzung des Krieges bis aufs Messer als erfunden bezeichnet. Erfunden sind sicherlich die meisten der alarmierenden Meldungen de: letzten Tage und wenn nicht erfunden, so doch auf recht vag Vermutungen aufgebaut, denen die tatsächlichen Unterlagen jehlen. In Wirklichkeit ist auf beiden Seiten der Wunsch nach Frieden und auch die Notwendigkeit nach Beendigung der furchtbaren Kriegsanstrengungen lebendig. Rußland fann nicht mit voller Krast hinter seinem Feldheere stehen, das durch eine Reihe von Niederlagen entmutigt und zum Teil demoralisiert ist. Im Innern zuckt es unaufhörlich, gewaltsame Ausbrüche politischer Leidenschaften wechseln ab init riesigen Arbeitseinstellungen. Trotz der Verkündigung der recht fraglichen Versassung merkt man von einer Beruhigung kaum etwas. Da ist die ganze Aufmerksamkeit tüchtiger Staatsmänner erforderlich, um einer allgemeinen Anarchie entgegenzuarbeiten durch vernünftige Maßregeln und weitgehende Konzessionen an den gebieterisch fordernden Geist einer neuen Zeit.
Japan aber hat seine finanziellen Kräfte und sein Menschenmaterial bis auf das Aeußerste angestrengt; ge= lingt es seinen Unterhändlern, zu der Vorherrschaft aus Korea und der Ucbernahme der Liautung- Halbinsel noch ein einigermaßen befriedigendes Uebereinkommen bezüglich der Insel Sachalin und eine annehmbare Kriegsentschädigung festzulegen, so f..nn man am Hofe des Mikado zufrieden sein. Ist doch auch Rußland für lange Zeiten in der Mandschurei lahmgelegt.
Allen diesen Erwägungen gegenüber wird man hier wic dort nicht Ind sein, und deshalb wagen wir anzunehmen, daß der Friede doch zustande kommt
Politifche Rundschau.
Deutsches Reich.
* Unmittelbar nach Eingang der von dem Gouverneur von Deutschostafrika, Grafen von Göße, übermittelten Becichte über die dortigen Aufstandsversuche und die zu ihrer Unterdrückung erforderlichen Aufwendungen hat auf Befehl des Reichskanzlers Fürsten Bülow eine Beratung aller beteiligten Ressortvorstände stattgefunden. In dieser Becatung sollte festgestellt werden, ob die zur Dämpfung des Aufstandes in Ostafrika zu machenden Aufwendungen die etatsmäßig bewilligten Mittel überschritten oder vorausichtlich bis zum regelmäßigen Zusammentreten des Reichstages überschreiten würden. Im Fall der Bejahung dieser Frage, so wird uns auf Grund einer Erkundigung an zutändiger Stelle mitgeteilt, sollte der Reichstag berufen werden, damit ihm die erforderlichen Vorlagen gemacht werden können. Freilich würde es sich auch dann nur im nachträgliche Genehmigung handeln, denn die Ausgaben ießen sich naturgemäß nicht verschieben. Die Frage wurde edoch verneint. Soweit man bis jetzt die Dinge überblicken fann, wird eine Etats überschreitung bis zum cegelmäßigen Zusammentreten des Reichstages sich nicht als notwendig erveisen. Was Deutschsüdwestafrika betrifft, so ist früher bereits rechnungsmäßig dargetan worben, daß eine Ueberschreitung der etatsmäßig bereits bevilligten Mittel nicht stattgefunden hat und einstweilen nicht n Aussicht zu nehmen ist. Die Truppenaufstellung in Südwestafrika zum Angriff auf Hendrik Witboi ist beendet. Am 19. August fand in der Gegend von Gaobis ein siegreiches Gefecht gegen eine Hererobande anscheinend unter Tornelius und Morris statt. Der Feind wurde nach sechs Stunden geworfen. Auf deutscher Seite fielen zwei Offijiere und ein Reiter, drei Reiter wurden verwundet.
Der nächstjährige Etat für Kiantschon wird eine größere Forderung zum Ausbau des Hafens von Tsingtau entjalten. Insgesamt sollen für die Hafenerweiterungen noch acht Millionen Mark notwendig sein.
* Zur Regelung des Automobilverkehrs wird dem Bundesrate eine Verordnung vorgelegt werden, die sich nicht
nur auf den Automobil-, sondern auch auf den Fahrrad und Wagenverkehr bezieht.
Die preußische Regierung hat jetzt Erhebungen über die Fleischtenerung und ihre Gründe angeordnet. Die Erhebungen sind vom Landwirtschaftsministerium verfügt, werden durch Landratsämter und Polizeibehörden vorgenommen und sollen sich auch auf die Folgen der Teuerung für das Fleischergewerbe erstrecken. Die Stadtverordneten in Elberfeld beschlossen einstimmig, eine dringende Bitte an den Reichskanzler und das Staatsministerium zu richten, damit die Einfuhr von Vich und Fleisch gestattet werde. Das Würzburger Gemeindekollegium sprach sich einhellig für die Oeffnung der Grenze aus. Der Magistrat richtet eine Eingabe an die Regierung. In gleicher Weise geht man in Regensburg vor.
* Der in Breslau tagende Deutsche Apothekertag beschloß, für alle Bundesstaaten des Deutschen Reiches eine gleichmäßige Apotheken- Vetriebsordnung anzustreben. Prattische Pharmazeuten sollen zur Vorbereitung dieser Betriebsordnung von der Regierung herangezogen werden. Der nächstjährige Kongreß der Apotheker wird in Dortmund stattfinden.
*
Gegen den polnischen Reichstagsabgeordneten Viktor Knlerski ist von der Staatsanwaltschaft zu Graudenz die Untersuchungshaft wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten angeordnet worden. Kulerski war in Berlin wohnhaft und hat sich zuletzt in Bern aufgehalten. Seit einiger Zeit ist jedoch sein Aufenthaltsort unbekannt, so daß ein Steckbrief hinter ihm erlassen und sein Vermögen mit Beschlag belegt worden ist.
Skandinavien.
** Sie Delegierten für die Verhandlungen zur Lösung der Union sind jetzt von beiden Seiten ernannt worden und zwar von Schweden: Ministerpräsident Lundeberg, der Minister des Aeußeren Graf Wachtmeister, Kultusminister Hammarskjöld und Staatsrat Staaff; von Norwegen: Ministerpräsident Michelsen, der Minister des Aeußeren Loviand, der Präsident des Storthings Verner und frühere Staatsrat Vogt. Die erste Sigung findet am 31. August nachmittags in Karlstad statt.
Auf der Reise der Reichstagsabgeordneten nach Kamernn ist einer der Teilnehmer, der Abgeordnete Oberförster Fries aus Marksuhl, gestorben. Jeder klimatische Einfluß auf den betrüblichen Fall ist ausgeschlossen, da bisher andauernd fühles Wetter herrschte. Der Tod erfolgte vielmehr an Gehirnschlag infolge von Arterienverkalkung. Die Leiche wird in Lome, Togoland, zur Beerdigung gelandet. Der Postdampfer Eleonore" mit der Studiengesellschaft ist in Lome angekommen, alle übrigen Mitglieder befinden sich wohl.
frankreich.
** Die deutsche Note in der Marokko- Angelegenheit, die überreicht, aber bis Sonntag noch nicht veröffentlicht worden ist, soll dem Vernehmen nach alles erschöpfen, was für Europa augenblicklich auf friedlichem Wege ohne gefährliche Erschütterung der Grundlagen des scherifischen Staates zu erreichen ist. Wenn die Note fleine Aenderungen an den Rouvierschen Vorschlägen vorschlägt, und eine größere Präision des Rouvierschen Tertes wünscht, so geschieht dies im Interesse der leichteren Durchführbarkeit aller für Frankreich wie für die übrigen Staaten wesentlichen Reformen. Das französische Reformprogramm soll dem Sultan bereits in unoffizieller Weise unterbreitet worden sein. Dieser soll es ziemlich annehmbar gefunden haben, so daß man in Tanger jetzt für baldigen Zusammentritt der Konferenz ist. Die französische Regierung trifft Vorbereitungen, um die beabsichtigte militärische Intervention zu unternehmen, falls die Verhaftung des algerischen Hauptmanns nicht alsbald aufgehoben und entsprechende Genugtuung gegeben wird. Zwei Kompagnien Infanterie, eine Abteilung Artillerie und eine Abteilung Reiter werden bereit gehalten, um eventuell den Marktort Saidia zu besetzen. Die Regierung würde es aber vorziehen, die Angelegenheit friedlich zu erledigen.
England.
** Der neue englisch- japanische Vertrag soll anfangs August im geheimen unterzeichnet worden und von weit größerer Bedeutung sein, als der bisherige Vertrag. Der Wortlaut soll in kürzer Zeit veröffentlicht werden.
Rufsland.
** Vor dem Marine- Kriegsgericht ist jetzt die Verurteilung der Meuterer von Libau erfolgt, die dort Ende Juni das Arsenal erbrochen und sich der revolutionären Bewegung angeschlossen hatten. 139 Matrosen standen als Angeklagte vor dem Gericht. Dieses verurteilte acht zum Tode, beschloß aber, die Umwandlung der Todesstrafe in 15jährige Zwangsarbeit nachzusuchen. Neunzehn wurden zu 3- bis 4jähriger Zwangsarbeit und 35 zu leichteren Strafen verurteilt. 77 Matrosen wurden freigesprochen. In Petersburg gelang der Polizei die Verhaftung eines gefährlichen Anarchisten. In der Wohnung des Verhafteten wurden 70 bereits montierte Bomben beschlagnahmt. In Sosnowiece fanden zwei neue DynamitExplosionen statt. Nach einer Bekanntmachung des Finanzministeriums tritt der am 26. Januar 1903 bestätigte Zolltarij mit allen Nachträgen am 1. März 1906 in Kraft.


