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[ Die geheimnisvolle Jacht.] Eine wunderliche Geschichte wird von der kroatischen Küste berichtet. Dort soll eine geheimnisvolle Jacht kreuzen, auf der unbekannte Sportsmen phantastische Orgien mit Mädchen feiern, die sie irgendwo am Strande aufgreifen und unter allerhand Vorwänden aufs Schiff locken. Ein Bauernmädchen, das vierzehn Tage aus seinem Heimatort verschwunden war und jezt zurückgekehrt ist, erzählt, eines Tages feien einige uniformierte Seeleute an Land gekommen und hätten sie überredet, an Bord zu kommen, um dort ihr Gemüse zu verkaufen. Sie habe es getan und man habe sie in eine sehr elegante Kajüte geführt, wo man ihr Champagner gab, bis sie berauscht einschlief. Als sie erwachte, befand sich die Jacht bereits auf hoher See, sie selbst war vollständig ausgezogen und an Stelle ihrer Kleider habe man ihr andere aus Seide mit Spigen benäht hingelegt. Sie zog diese Kleider an und ging dann auf das Deck, wo sie ein halbes Dußend Herren und andere Mädchen antraf, die wohl das gleiche Schicksal hatten wie sie. Es wurde ihr nun viel Geld versprochen, wenn sie an den tollen Orgien teilnehme, die ständig an Deck gefeiert wurden. Nach 10 Tagen bat das Mädchen flehentlich, sie wieder an Land zu setzen. Das geschah auch, nachdem man sie reich beschenkt hatte. Die Geschichte klingt ganz nach verfrühten Hundstagen.
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=[ Der erste Käufer.] In einem Städtchen Westfalena wurde ein neues Warenhaus eröffnet. Lange vor Eröffnung, die abends um 6 Uhr vor sich gehen sollte, belagerte eine dichte Menschenmenge das Haus; Männer, Weiber und Kinder harrten geduldig auf den Eröffnungsaugenblick. Der Andrang war so stark, daß die Polizei Mühe hatte, von Zeil zu Zeit für Fuhrwerke und Straßenbahn eine Gasse zu bah. nen. Dem staunenden Fremdling offenbarten große Tafeln des Rätsels Lösung: Der erste Käufer erhält eine Näh. maschine!" Es ist furz vor 6 Uhr. Schon hebt die Glocke der nahen Kirchturmuhr an, die sechste Stunde zu verkünden die Erregung der Menge wächst ins Ungeahnte, da dräng: sich ein kleiner, barhäuptiger Herr, fein gekleidet, durch di Menge: Bitte, Platz machen, es geht gleich los!" Willig läßt man ihn durch und drängt ihm dann nach, denn man vermutet in ihm einen Angestellten des Warenhauses, dei beauftragt ist, das Gitter zu öffnen, zumal er einen großer Schlüssel in der Hand hält. Just in dem Augenblicke, in dem er vor der Pforte anlangt, but sich diese von innen auf und triumphierend schreitet der Herr als erster hinein, zieh einen bis dahin verborgenen Hut aus der Tasche und nimm strahlenden Antlizes die von allen so heiß ersehnte Näh maschine in Besitz.
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[ Der falsche Tritt.] In Rastatt ist nach langem schwerem Leiden, im Alter von 48 Jahren, der Musikdirigent des dort garnisonierenden preußischen Infanterie- Regiments b. Lützow( 1. rhein.) Nr. 25 Amandus Schulz gestorben. Er war früher Kapellmeister der„ Maifäfer" in Berlin, wurde aber, weil er bei der Frühjahrsparade des Gardekorps Anno 1889 mit falschem Tritt an Majestät vorübergekom men war, zu dem genannten Linienregiment versetzt, wo sid der biedere, tüchtige Musikdirigent bald großer Beliebthei erfreute.
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Die Beliebtheit, [ Ein Pring als Stierkämpfer.] deren sich die Stierfämpfe noch immer in Spanien erfreuen, geht aus folgender Anekdote in drastischster Weise hervor: Während eines Besuches, den die Gräfin von Paris, die Prinzessin Louise von Orleans und ihr Enkel, Prinz Louis Philipp, kürzlich auf dem Muster gut des Königs Carlos in Vidigal machten, wurde zu Ehren der Besucher ein Stierfampf arrangiert. Prinz Louis Philipp erschien unerwarte in der Arena und gab zum großen Entzücken seiner Großmutter eine Probe seiner Reitkunst, wobei er den Angriffen eines wütenden Stieres auswich. Der Prinz bewies große
Prämiiert
auf allen
beschickten
Unerschrockenheit und schleuderte dem Stier mehrere Wirrf spieße in den Hals. Einmal streiften die Hörner des Stieres die Flanken des Pferdes, auf dem der Prinz siz.
Hus dem Gerichtsfaal.
§ Der Spion Wessel hat sich am Montag vor der Thorner Straffammer wegen Unterschlagung, Betrug und Wechselfälschungen zu verantworten. Wessel war früher preußischer Oberleutnant, hatte sich durch Spiel und ein kostspieliges Verhältnis ruiniert und entfloh, nachdem er große Betrüge reien begangen, ins Ausland. Seine Geliebte, Mathilde Bäumler, machte ihn mit französischen Geheimagenten be kannt, an die er deutsche Festungspläne verkaufte. Doch wurde er zuerst nur wegen Fahnenflucht und Betrugs ver: folgt und 1899 in Brüssel verhaftet. Auf dem Transpori nach Thorn entsprang er aber und ging nach Italien. Zusammen mit seiner Geliebten hatte Wessel auch seine Hand in der Dreyfusaffäre. In dem bekannten Bordereau figu rierte Mathilde Bäumler als M. B. aus Nizza. Hier soll Wessel außerdem eine internationale Falschspielerbande organisiert haben. Als er 1903 in San Nemo neuerdings verhaftet wurde, verlangten sowohl Frankreich wie Deutschland seine Auslieferung. Diese erfolgte an Deutschland, doch erstreckte sie sich nicht auf den Landesverrat, und so wird der Spion nur seine Betrügereien zu büßen haben.
§ Geistesstörung infolge unerträglicher Zahnschmerzen schüßte der Heizer Ulrich Jung vor, der sich vor der Düsseldorfer Straffammer wegen Diebstahls von Kupferabfällen im Werte von 700 Mark zu verantworten hatte. Hoch und heilig versicherte er, er sei an dem betreffenden Lage infolge gräßlicher Zahnschmerzen einfach von Sinnen gewesen. Unter diesen Umständen müsse er sich auf den Paragraphen 51 des Strafgesetzbuches berufen, wonach derjenige, der eine strafbare Tat in einem Zustande von Bewußtlosigkeit oder Geistesstörung begangen habe, durch die feine freie Willensbestimmung ausgeschlossen worden sei, freigesprochen werden müsse. Er erregte mit seinen rechtsgelehrten Ausführungen große Heiterfeit. Das Gericht verurteilte ihn, da schwerer Diebstahl vorlag, zu 3 Monaten Gefängnis, der geringsten zulässigen Strafe.
§ Plößensee vor Gericht. Die„ Enthüllungen", die der jeit geraumer Zeit schon die Berliner Straffammer beschäf tigende Prozeß gegen Redakteure des Vortvärts" und der Beit am Montag" über Mißbräuche in der Strafanstalt Plößensee bringen sollte, lassen noch immer auf sich warten. In der gestrigen Verhandlung schien es fast, als sollte di große Sensation" eintreten. Ein früherer Gefangener, Kauf mann Stielom, bekundete unter seinem Eid, er habe wäh cend einer Zeit von etwa zwei Monaten als Lazarettschrei jer in Plötzensee fungiert und im Auftrage des Anstalts arztes Med.- Rates Dr. Pfleger Brotokolle über Obduktio nen niederschreiben müssen, die überhaupt nicht stattgefun ben hätten. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er Tat sachen niedergeschrieben hätte, von denen ihm bekannt gewe sen sei, daß sie nicht richtig waren, antwortet der Zeuge: ,, Wenn Sie, Herr Vorsitzender, einmal unfreiwillig Gefan gener in Plößensee gewesen wären, dann würden Sie auch nichts gesagt haben!" Er sei damals so eingeschüchtert gemesen, daß er im Gefängnis alles getan habe, was man von ihm forderte. Heute aber würde er es nicht mehr tum. Es wird nunmehr Medizinalrat Dr. Pfleger als Zeuge vernommen, welcher erklärt, daß ihm von diesen Bekundungen nichts bekannt fei und nicht erinnerlich, daß aber die Möglichkeit vorliege, daß er fingierte Obduktionsprotokolle zu feiner eigenen Uebung diftiert habe. Damit hätte auch diese Enthüllung" ihre unverfängliche Erklärung gefunden.
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Am 15. Mai. Dem Taglöhner Ludwig Balßer eine Tochter, Luise Johannette; 17. Rreisstraßenwärter Heinrich Hahn 3. eine Toter, Frieda Elisabethe; 18. Lokomotivheizer Johannes Möller ein Sohn; Ingenieur Max Georg Müller eine Tochter, Irma Susanne; 19. Bäckermeister Heinrich Friedrich Müller eine Tochter, Johannette Räthe; 21. Maurer Johann Ernst Hauser ein Sohn, Ernst; 22. Friseur Johann Friedrich Lotz eine Tochter; 25. Bäckermeister Ernst Muth ein Sohn, Erwin; Spengler Karl August Pasbach ein Sohn, Karl August.
Aufgebote.
Am 22. Mai. Andreas Krausmüller, Dachdecker dahier mit Anna Marie Waldtschmidt in Heuchelheim. 22. Ehriftian Spahn, Fabrikarbeiter in Wezlar mit Emma Hißel dohier. 25. Ferdinand Jung, Schreiner dahier mit Elma Striegnitz in Lollar.
Eheschließungen.
Am 22. Mai. Mor Nußbaum, Kaufmann dahier mit Hedwig Ruder hierselbst. Georg Schuhmann, Bahnmeister in Diedenhofen mit Luise Plant dahier. 23. Karl May, Kaufmann in Charlottenburg mit Ida Adler in Storndorf. 24. Rudolf Winter, Fabrikant in Bruchsal mit Luise Noll dahier. Gektorbene.
25.
Am 21. Mai. Friedrich Sauer, 43 Jahre alt, Lehrer i. P. dahier. 23. Justine Unverzagt, geb. Schmidt, 68 Jahre alt, Bitwe des Gärtners Heinrich Unverzagt dahier. 24. Karl Roch, 23 Jahre alt, Schneider dahier. Dr. Ludwig Schön, 41 Jahre alt, Oberlehrer dahier. Erwin Muth, 3 Stunden alt, Sohn des Bäckermeisters Ernst Muth dahier. Henriette Baer, geb. Bamberger, 65 Jahre alt, Ehefrau des Kaufmanns Löb Baer dahier.
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Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf unsere früheren Bekanntmachungen, die Bedienung der Rückstauverschlüsse betreffend, machen wir diejenigen Hausbesizer, welche ihre Grundstücke an die Neukanalisation bereits angeschlossen haben, darauf aufmerksam, daß von Montag, den 29. bis einschließlich Mittwoch, den 31. Mai d. Js. wiederum eine Spülung sämtlicher städtischer vorgenommen wird.
Gießen, den 25. Mai 1905.
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Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Mecum.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten
wird
die Seitenstraße zwischen den Häusern der Westanlage 9 und 27 von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt.
Gießen, den 25. Mai 1905.
Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg.
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von Anstreicher- Arbeiten.
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Die Arbeiten für die Erneuerung des Anstrichs der öffentlichen Samstag, deu 3. Just d. J., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden.
Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Ange: Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 6 zur Einsicht auf. bote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum vorZuschlagsfrist 3 Wochen. genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Gießen, 24. Mai 1905.
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Städtisches Tiefbauamt.
Braubach.
Verdingung.
Die Arbeiten zur Erweiterung der Drainage am neuen Friedhof sollen
Samstag, den 3. Juni d. J., vorm. 10% Uhr öffentlich vergeben werden.
Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienstftunden auf unserem Amtszimmer zur Einsicht auf. Angebote auf borgeschriebenem Formular, das bei uns erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt an uns einzureichen.
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Gießen, den 24. Mai 1905.
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