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PREIS
MEDAILLE
1870
dung 1868.
ungen
ko- Lieferung.
tc. etc.
R. 124.
Zweites Blatt.
Infertionspreis: Die einfpeltige Betitzelle für ganz Oberheffen, bie Kreise Behtar und Marburg 10 Bfg. sonft 15 Bfg. Reklamen bie Besitzeile 30 refp. 40 Bfg.
Nebattion u. Sanpterpedition: Gießen, Seltersweg 89. Fernsprechenschluk Nr. 368.
Samstag, den 27. Mai 1905.
Gießener
14. Jahrgang
Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzettung( täglich) und die Giekewer eifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Sießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
fortunas Launen.
Budapest, 24. Mai. ( Eig. Bericht.) Das Glücksrad ist ein wunderlich Ding. Wer auf seinen obersten Sprossen stand, wird in jähem Sturz hinabgerissen, un elend am Wege zu verscymachten. Manchmal aber reißt es ihn aus dem Staub eben so schnell und plötzlich wieder nach oben. Diesen überraschenden Wechsel von Glück und Reichtum zur tiefsten Armut und wieder hinauf auf die Höhen des Lebens hat ein Mann erfahren, der vor nunmehr 12 Jahren unter dem Spitnamien Der Nabob von Szvedistye" eine führende Rolle in der hiesigen Gesellschaft pielte, dann in tiefste Not versant und jetzt als einfacher Arbeiter in Newyork die Hand einer Dolarprinzessin gewonnen hat.
Bei den amerikanischen oberen Zehntausend war es eine große Sensation, als es ber furzem hieß, die Tochter des vertorbenen Tabaksfönigs Mr. Green Fred Duke, Miß Jlo. ence Duke, habe sich den Theaterarbeiter Michael Lazarovic jun Ehegemahl erforen. Lazarovic war allerdings schon oor dieser Verlobung der Held des Tages. Er hatte als Arbeiter im Avenuetheater die leichtlebige Sängerin Nan Batterson kennen gelernt, die dem hübschen Ungarn zeitweise hre Gunst zuwandte. Das sollte jetzt dessen Glück werden. Ran Patterson war auf Monate die Helden der Newyorker Eensationspresse. Sie war beschuldigt, einen ihrer Verbrer erschossen zu haben. Die Jury aber konnte sich nicht zu nem Berdikt einigen. Ein Prozeß folgte auf den anderen und in einem jeden figurierte der Theaterarbeiter Lazarovic als Zeuge. Die Reporter überliefen ihn, dutzende von In= terviews mit ihm über feine Beziehungen zu Nan Batterlon erschienen in den Blättern, eines immer interessanter als bas andere. Am interessantesten aber war der Newyorker amenwelt das, was die Zeitungen über die Lebensgeschichte dieses Arbeiters zu erzählen wußten. Lazarovic war niemand anders als der berühmte Nabob von Szvedistye, rinst die Zierde der ungarischen goldenen Jugend.
Michael Lazarobic de Szvedisine stammt aus dem Banate, wo seine Familie zu den angesehensten des Landes gehörte. Er wurde als Waise im Hause des Temesvarer Bischofs Bifipher Popovic aufgezogen. Großjährig geworden, trai er das ungeheure Erbe seiner Then an, das man auf 24 Millionen Kronen schatte. Jung. schön und reich, stürzic sich Michael Lazarovic in den Etrudel der Vergnügungen, und bald wurden in Südungarn die telen Streiche des Rabob ben Szvedistye das Tagesgesprät. Die Welt staunt heute, menn sie von den in der letzten Zeit viel erörterten kolossalen Spielverlusten einiger Ravaliere erfährt, doch was sind das alles für harmlose Spielpartien im Vergleiche zu jenen, meide anfangs der Neunzigerjahre von Lazarovic auf den Castellen von Szvedistye, Szinerseg, Girade und Bavanistye allnächtlich arangiert wurden. Unier diesen Umständen schmolz das große Vermögen Lazarovic' wie Schnee in der Sonne und der Nabob var bald auss Trockene geraten. Er berkaufte die ihm noch gehörigen Güter an die Temesvater Spartusse, wobei er noch zirka drei Millionen herausschlug, und ging mit diesem Reste seines Vermögens nach Budapest, we er in der kurzen Zeit von acht Monaten auch mit diesen letzten drei Millionen fertig wurde. Der Nabob von Szvedistre fuchte jetzt vom Schuldenmachen zu leben, aber auc Sse Quelle versiegte rasch. Eines Tages verschwand der zugrunde gegangene Nabob von hier, nachdem es ihm geglückt war, auf einen Wechsel 800 fl. zu erhalten. In größ
Meister- Prüfungen für Handwerker
in der Provinz Oberhessen.
Die diesjahrigen Prüfungen zur Erlangung des Meistertitels §133 der Gewerbe- Ordnung) werden innerhalb des Monats August d. Js.
abgehalten.
Die Gesuche um Zulassung zur Meisterprüfung sind unter Bes nugung des vorgeschriebenen Formulars( bei dem Unterzeichneten erhältlich) spätestens bis zum 31. Juli d. J. an die unterzeichnete Brüfungskommission zu richten. Beizufügen sind nach§ 2 der Meisterprüfunge- Ordnung folgende Unterlagen:
1. ein kurzer eigenhändig geschriebener Lebenslauf,
2. eine Geburtsurkunde,
3. das Prüfungszeugnis über die Gesellenprüfung, oder der Nachweis darüber, daß der Gesuchsteller die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nach§ 129 der Gewerbe- Ordnung sich erworben hat,
4. der Nachweis über eine mindestens 3jährige Tätigkeit als Geselle,
5. die Zeugnisse über etwaigen Besuch' gewerblicher UnterrichtsAnstalten,
6. ein polizeiliches Führungszeugnis.
Vor der Anmeldung zur Prüfung ist an das Sekretariat der Handwerkskammer zu Darmstadt, Waldstraße 1½½, eine Prüfungsgebühr von 25 Mt. einzuzahlen. Eine Quittung hierüber ist dem Gesuche beizulegen.
Gießen, den 1. Juni 1905.
ter Notlage verlebte der ehemalige Millionär eine Zeit in Baris und London, worauf er sich nach Newyork begab, wo r als Hausknecht tätig war, um schließlich als Arbeiter an das Avenuetheater zu kommen.
Das wurde ihm zunt Heil. Seine Beziehungen zu Nan Bierion zogen ihn nach oben. Als bekannt wurde, welch frügerer Glanz sich unter dem mehr als bescheidenen Kleide cines Theaterarbeiters verbarg, begannen sich die feinsten Preise Newyorks um die neue Attraktion zu reißen. Die Gerdpoersten" Misses liebängelten mit dem ehemaligen Nabob der schnell seine frühere Sicherheit auf dem Parkett wiederfand und den Dollarprinzessinnen den Hof machte, daß es mer so eine Art hatte. Miß Florence Dufe war eine leiner cifrigiten Verehrerinnen. Das Strohfeuer des landesüblidhen Flirts erwies sich bei ihr endlich als ein Herzensbrond, der sich nicht mehr anders löschen ließ, als daß sie dem mitte! inter Wrbeiter ihre Hand und ihre 40 Millionen Dollars ang. Dieser besann sich natürlich nicht lange und Schlug ein. Sebt ist er wieder oben auf dem Rade des Glücks. Hoffentlich hat ihn heute Lebenserfahrung fotocit gereift und geläutert, daß er sich nun im Sattel hält und nicht wieder sum Spielball von Fortunas Launen herabsinft.
Katakomben des Elends.
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( Eig. Bericht.) Wien, 25. Mai. Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Romanleser der halben Welt schaudernd die furchtbaren Schilderungen verschlangen, die Eugen Sue in seinen Geheimnissen von Paris" von den grauenhaften Schlupfwinkeln des Elends und des Verbrechens in dem Seinebabel entwarf, dachten unsere Väter sicher nicht daran, daß nach kaum 50 Jahren ein neuer Sittenschilderer im gemütlichen Wien überreiches Material zu einem Werke ähnlicher Art sammeln würde. Und doch braucht die Phantasie gar nicht zur Hilfe genommen zu werden, um aus den in der Wiener„ Urania" zur Veranschaulichung gebrachten Enthüllungen aus dem unterirdischen" Wien ein grausiges Bild entsetzlichster menschlicher Verkommenheit und namenlosen Jammers zu fonstruieren. Der Schriftsteller Kläger und der Gerichtssekretär Drame haben mehrfache Wanderungen durch die verborgenen Quartieren der Armut angetreten und sind da. bei auf Zustände gestoßen, die man nicht für möglich gehalten hätte. Die beiden Herren haben überall Aufnahmen gemacht und führten diese mit erläuterndem Vortrag in gro Len Projektionsbildern vor. Der Sammelkanal unter der Stepijonienbride lieferte die erste Ausbeute. Beim Betreten der luft- und lichtarmen Kanalschächte sieht man zu duzenden junge Burschen um schwelende Holzfeuer ſizen. Es sind Grießler", Anfänger im gewohnheitsmäßigen Vagabundentum. Die Unglücklichen, die weder Arbeit noch Le bersunterhalt besitzen, suchen in dieser modrigen und dunstigen Atmosphäre eine armselige Unterkunft. Diese Stätten sind noch nicht die schlimmsten Zeugen für das Elend, das tief unter der Erde in der fröhlichen Donaustadt sich zu bergen trachtet. In den Schleusen- und Kanalgängen des Wienkanals stößt man während der Nacht unaufhörlich auf Obdachlose, die auf Steinblöcken, Sand- und Schmutzhaufen oder auch auf dem Körper des Nachbarn einen dürftigen Schlaf suchen. Teilweise liegen die Wermsten in dreiviertel Meter weiten Zuführungsröhren, in die man kriechend gelangt. Die Polizei kann schwerlich an diese LagerStätten gelangen, da die Bewohner Nachtwachen ausitellen.
P.
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Alte Blumentöpfe, Kästen, Kübel, freies Land, auch schlechter Boden ist
Die Meister- Prüfungskommission für die Provinz verwendbar: nach drei Tagen gehen die Samen auf, man hat später nichts weiter
Dberhessen.
Traber, Vorsitzender.
u tun, als die Zweige hoch zu binden und dann rankt es und blüht es den ganzen Sommer hindurch bis tief in den Herbst hinein. Die Aufträge sind zu richten an die Blumengärtnereien Peterseim Erfurt, welche Firma den Vekiauf und den Versand vornimmt.
Beim Herannahen einer Gefahr werden die über die Zu gangsfanäle gelegten Bretter weggezogen und der Verfol gung ist vorläufig ein Halt geboten. Der Gipfel der Trost Tosigkeit bietet sich in der sogenannten Zwingburg", einem Kloakensystem. Auch hier übernachten viele hunderte von Meuschen. Meistens handelt es sich um solche, die infolge ihrer Verwahrlosung keine Arbeit mehr finden können und deshalb aus Wien ausgewiesen sind. Schließlich reihen sich noch Bilder aus den Lagern um die Ziegelöfen an, wo mit. tellose und Verbrecher um die Kammern mit der Feuerung bei 60 bis 65 Grad Hize nächtigen, ferner aus den Unter schlüpfgelegenheiten im Donaugelände mit ausrangierted Becien als Schlafkammern, aus den nichtkonzessionierten Warmestuben und Massenquartieren in der Leopoldstadt. Alles in allem eine tieftraurige Symphonie von bitterem Mangel und eine ernste Mahnung für die Glücklichen, die oben im rosigen Licht wandeln und nicht an die Höhlen unter ihren Füßen denken, in denen sich der Menschhei ganzer Jammer" scheu und hungernd birgt.
Der Landwirt.
m. Zur Verwertung des Spinats. Nach der Ansicht ver schiedener Sachverständiger bezieht der menschliche Körper seinen Bedarf an Eisen aus den Pflanzen- Nahrungsmitteln. SI! dem so, so muß man durch Erhöhung des Eisengehaltes gewisser Gemise einen wertvollen Ersag für künstliche Eisen. präparate schaffen können. Nun haben aber kürzlich Ver suche über die Aufnahme von Eisen durch Spinat bei Dün gung mit Eisensalzen folgende Ergebnisse gehabt. Zur Pflege der zu den Versuchen verwandten Pflanzen benutte man große, mit der nämlichen Erde beschickte Töpfe. Dabei zeigten nicht gedüngte Topfpflanzen einen Eisengehalt von 0,03 Proz.( auf Trockensubstanz bezogen); derselbe konnte aver durch Zusatz von 0,5 bezw. 2 Proz. Eisenhydroryd au 0,18 bis 0,23 Proz. gesteigert werden.
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Vermischtes
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Fensterspekulation und Kronprinzenhochzeit.] Hinblick auf die nahe bevorstehende Hochzeit des deutschen Kronprinzen macht sich in Berlin eine rege Spekulation in Fensterpläßen für Schaulustige breit. Ein befanntes Café unter den Linden erzielt für jeden Balkonplatz in der ersten Etage den Preis von 100 Mark und schon jetzt sind die Plätze fast bergriffen. Für Schaulustige, die nicht so hohe Preise bezahlen wollen, wird jedoch ebenfalls gesorgt. So werden am Pariser Play Tribünen gebaut, deren Stehplätze für fünf Mark abgegeben werden sollen. Die Sitzplätze dieser Tribünen werden jedoch voraussichtlich unter 25 bis 30 Marf faum zu haben sein.
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[ Wolfsplage in Ostpreußen.] In ostpreußischen Jägerkreisen besteht die Befürchtung, daß die Wölfe, die in diesem Winter in reicher Zahl aus Rußland über die Grenze gewechselt sind, trot vieler veranstalteten Sagen nicht überall verscheucht worden sind, sondern sich im deutschen Walde häuslich für den Sommer einrichten werden. Für den Wildstand an der Ostgrenze wäre das ein unberechenbarer Schaden.
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[ Eine vatikanische Wochenzeitung] soll nach der Meldung eines Londoner Blattes im Monat September zu erscheinen beginnen. Diese Zeitung soll dann das einzige offizielle Oraon des Heiligen Stuhles bilden.
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Edgar Borrmann, Giessen.
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