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Soziales Leben.

Krisis im rheinischen Textilgewerbe. Die Situation in den Textilarbeiterkreisen des Aachener Bezirks hat sich erheblich verschärft. Die Ursache ist eine in den Blättern erscheinende Mitteilung, wonach der von christlichen und so­zialistischen Organisationen eingereichte Lohntaris nicht af­zeptiert werden kann. Die Arbeiter hatten als Termin der Erfüllung der Forderung von 19 Mark wöchentlichem Durch­schnittslohn den 1. November bestimmt. In den nächsten Tagen sollen Versammlungen stattfinden, in denen über die Stellungnahme der Arbeiterschaft beschlossen wird.

Die Ungarn in Wien.

( Eig. Bericht.) Wien, 23. September. Sicherlich sind die Herren der magyarischen Opposition mit hochgeschwellter Brust zur Kaiserstadt gezogen. Hatte der Kaiser sie doch zur Hofburg gerufen, nachdem es ihnen gelungen war, den ehrlichen Fejervary vom Ministersessel zu stürzen. Er wollte die unfruchtbare Opposition der Magnaten durch das allgemeine Wahlrecht bekämpfen, der Wühlarbeit der Privilegierten gegen die Krone und den Gemeinsamkeitsgedanken durch die Meinung der Volks­massen entgegenarbeiten. Dazu fand er nicht die nötige Unterstügung und so ging er, zu Unrecht verlästert und verärgert. Wer soll jetzt den verfahrenen Karren aus dem Sumpfe ziehen? Werden es die Koalitionsmänner mit den großen Worten, die Kossuth und die Banffy vermögen?

Ihr heutiges Debut in Wien war wahrhaftig nicht dazu angetan, gute Aussichten zu wecken. Die ganze Audienz beim Kaiser dauerte einige Minuten. Der Monarch las den fünf ungarischen Staatsmännern ein Programm vor, auf dessen Grundlage er wünscht, daß die Majorität des ungarischen Reichstags die Regierung übernehmen soll. Graf Goluchowski sollte die Verhandlungen führen. Das Programm des Kaisers soll verzweifelte Aehnlichkeit mit einem Ultimatum gehabt haben. An der deutschen Kommandosprache für die Armee hält der Kai­ser unbedingt fest. Die Grundlagen der pragmatischen Ge­meinsamkeit, sowohl in Bezug auf die Armee, als auch auf die auswärtigen Vetretungen bleiben vollkommen unbe­rührt. Ueber wirtschaftliche Fragen wird nicht einseitig zwischen Ungarn und der Krone, sondern auf dem Wege des Kompromisses verhandelt. Ungarn soll sich verpflichten, die Rekrutierung und die Erledigung der Handelsverträge ord­nungsgemäß durchzuführen, ebenso die Kosten für militä­rische Forderungen alsbald zu bewilligen.

Die so mutig angekommenen Herren Kossuth, An­drassy, Zichy, Apponyi und Banffy schlichen ziemlich gedrückt aus der Hofburg, nachdem sie drei Minuten vor dem Kaiser gestanden. Sie hatten mehr oder weniger erwartet- mehr Zugeständnisse, weniger Festigkeit. In ihrer Verlegenheit wußten sie nichts anderes zu tun, als dem Grafen Golu­chowski zu erklären, sie könnten mit ihm nicht verhandeln, da er kein Ungar sei. Als der Kaiser davon erfuhr, befahl er, den Grafen Cziraki aus Ungarn sofort telegraphisch her­beizurufen, um den Einwand der Koalitionsführer zu be­seitigen. Und Cziraki wird kommen, und es wird bleiben wie vorher. Schon heute erklärten die Ungarn, das Pro­gramm des Kaisers sei unannehmbar. Wie man aus dem nun schon fast zur ständigen Einrichtung gewordenen unga­rischen Dilemma herauskommen, die Anmaßung und den Understand der dünkelhaften Magyaren brechen will, wer kann es wissen? An Energie und staatsmännischer Klugheit mangelt es allenthalben. Man kann nur mit schweren Be­denken in die Zukunft sehen. Es steht nicht gut um die Monarchie der Habsburger.

Nab und fern.

Ueberfall auf Marineoffiziere. Zwei Reservisten der Marine in Kiel taten sich zu einem Ueberfall auf zwei Marineoffiziere zusammen. Ein Korvettenfapitän erhielt mehrere Stiche, und auch der andere Offizier mußte im Lazarett verbunden werden. Die beiden Reservisten sahen im Gefängnisse ihrer Bestrafung entgegen.

Nicht Dalldorf, sondern Wittenau. Die Gemeinde Dall­dorf hat es jetzt erreicht, daß sie ihren bisherigen Namen ablegen und sich dafür Wittenau" nennen darf. Bekannt­lich hat der Name Dalldorf infolge der dort belegenen großen Irrenanstalt im Laufe der Zeit einen etwas ominösen Bei­geschmack erhalten. Er bleibt von jetzt ab nur noch für diese Anstalt bestehen.

Zwölf Mefferstiche. Aus Eifersucht machte in Schinne bei Stendal ein Müllergeselle auf ein Dienstmädchen einen Mordanfall. Der Unmensch brachte der Unglücklichen zwölf Messerstiche bei und verwundete sie tödlich.

Aufschlag der Münchener Gastwirte. Die Gastwirte in München haben in einer Versammlung die Erhöhung der Preise für Speisen beschlossen und weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt für den Fall, daß die Einkaufpreise der Bedarfsartikel noch mehr gesteigert werden sollten.

Typhus- Epidemie. In dem Dorfe Frucht bei Ems ist der Typhus ausgebrochen. Es sind bereits über zwanzig Erkrankungen festgestellt.

schen Dampfers Matin". Der Riversdale" sah, wie der Matin" Notsignale gab, und nahm ihn in Schlepptau. Indessen sank der deutsche Dampfer auf der Fahrt.

Fische gegen Fleischtenerung. In der städtischen Markt­halle in Solingen wurde ein Eisenbahnwaggon frischer See­frische zum Verkauf gestellt. Die städtische Behörde hatte die Fische in Geestemünde angekauft und stellte die Ware zum Selbstkostenpreise zum Verkauf. Der Andrang der kaufenden Hausfrauen war ungemein groß; einige Frauen wurden im Gedränge ohnmächtig. Der gesamte Fischvorrat war rasch verkauft. Die Stadt wird den Verkauf jede Woche regelmäßig wiederholen.

Eisenbahn- Unglück. Bei der Station Novimarow in Ungarn entgleiste, wahrscheinlich infolge Schienenbruchs, ein Personenzug. Der Lokomotivführer wurde getötet, meh­rere Bahnbeamte erlitten Verletzungen.

Großze Brände. Im Wiener Stadtbezirk Ottakring brach in der Zelluloidfabrik von Seiler infolge einer Explo­sion eine Feuersbrunst aus, die die Fabrikgebäude ver­nichtete. Zwei Personen kamen in den Flammen um, drei wurden schwer und sechs leicht verlegt. In Fiume brannte die Schiffsreparatur- Fabrik von Lazaru vollständig nieder. Das Feuer war durch Entzündung von Puz- Flachs ent­standen. Ein Feuerwehrmann trug schwere Verlegungen davon.

Todessturz im Manöver. Bei den in Mecklenburg ab­gehaltenen Manövern stürzte in der Nähe des Gutes Bustohl der Oberleutnant von Stockhausen vom 76. Hansea­tischen Infanterie- Regiment mit dem Pferde und erlitt einen doppelten Schädelbruch. Der Verunglückte erlag im Krankenhause zu Rostock seinen Verlegungen.

Theaterkrach in Rußland. In Warschau befinden sich die staatlichen Theater in einer sehr prefären Lage. Sie haben kein Geld, um die Schauspieler zu bezahlen. Es sind 100 000 Rubel, auf die die Bühnenmitglieder bis zum 1. Oktober Anspruch haben. Die Misère schreibt sich daher, daß die staatlichen Theater in Warschau nur politischen Zwecken dienten und auf Kunstbedürfnisse wenig Rücksicht mehr nahmen.

Schuhmann und Megäre. In Mannheim sollte ein Schußmann eine Frauensperson verhaften. Diese setzte sich mit aller Kraft zur Wehre und fuhr dabei dem Vertreter der öffentlichen Gewalt wie eine Kaze ins Gesicht, das sie bis zur Unkenntlichkeit zerkragte. Dem Schußmann blieb nichts übrig, als blank zu ziehen. Als er sich der Rasenden nicht anders erwehren konnte, spaltete er ihr den Schädel. Aus Seenot gerettet. In Grimsby landete der eng­lische Tischdampfer Riversdale" die Mannschaft des deut­

Der Kerkermeister als Dieb. In Mailand stahl der zweite Oberaufseher des Untersuchungsgefängnisses die eiserne Kasse der Anstalt und wurde mit dem Inhalt flüch­tig. In der Kasse lag auch eine dem Anarchisten Henry Brouwers gehörige Summe von 8000 Franken.

Von der Cholera. Bei dem unter verdächtigen Er. scheinungen in Berlin gestorbenen Schiffer Lehmann aus Fichtwerder im Kreise Landsberg an der Warthe scheint es sich tatsächlich um Cholera zu handeln. Die Insassen seines Kahnes samt dem Wachthunde wurden in die Isolierbaracke in Moabit gebracht.

Die zwölf­

Ein Schulmädchen als Selbstmörderin. jährige Tochter eines Arbeiters in Berlin pflegte sich viel herumzutreiben, und machte dadurch ihren Eltern Kummer. Kürzlich wollte das Kind auf dem Hausboden übernachten, um am nächsten Morgen wieder ungesehen verchwinden zu können. Als die Eltern das Mädchen suchten, sprang es aus den Bodenfenster auf den Hof hinab und erlag bald darauf seinen Verlegungen.

Abgebranntes Dorf. Der größte Teil von Dorndorf an der Feldbahn ist durch eine Feuersbrunst zerstört wor­den. Neun Wohnhäuser, darunter zwei Gasthöfe, sind mit Nebengebäuden und Stallungen vollständig niedergebrannt.

Vergeffene Diplomaten.

Phantastische Gedanken zur Marokkofrage.

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Die in Paris stattfindenden Vorbesprechungen über die Maroffoangelegenheiten zwischen den deutschen und fran­zösischen Beauftragten ziehen sich aus mancherlei bekannten oder auch unbekannten Gründen von Woche zu Woche hin. Dieser an und für sich bedauerliche Umstand hat den franzö­sischen Publizisten Adrien Vély zu folgender lustigen Be­trachtung veranlaßt:

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Die Herren Paul Reveil und Dr. Rosen waren, wie gewöhnlich, pünktlich zur Stelle. Sie schlossen sich in dem Bureau des Ministeriums des Aeußern, das ihnen seit langer Zeit zur Verfügung gestellt war, ein und nehmen einander gegenüber Platz. Wie geht es heute, lieber Dok­tor?" fragte Herr Revoil. ,, Danke, sehr gut," erwiderte Herr Rosen. ,, Wollen wir nun über die Angelegenheit, die uns beschäftigt, weiter plaudern?"" Ganz mein Wunsch" Ich wünsche nichts sehnlicher, als daß wir endlich zu einer Verständigung fämen." Und ich erst Ich habe die Meinen ja so lange nicht gesehen Das ist wahr- Es löst der Tag den Tag ab­sind es wohl dreißig oder gar fünfunddreißig Jahre, seit­dem wir unsere Besprechungen begonnen haben?" ,, Vier­zig, genau vierzig-" Das ist ja beinahe ein Jubi­läum Und haben Sie gute Nachrichten von Ihren Ur­enfeln?" ,, Vortreffliche Die lieben Kleinen! Leider kenne ich sie nicht, da ich sie nie gesehen habe, ebenso­wenig wie ihre Eltern. Ach! wenn ich doch wieder nach Deutschland gehen könnte, um sie in meine Arme schließen zu können!" Das hängt nur von Ihnen ab, lieber Doktor. Es sind ja nur noch zwei Punkte, über welche wir noch einige Meinungsverschiedenheiten haben-". Es sind immer dieselben. Die die Polizei an der alge­rischen Grenze betreffende Frage und die Finanzfrage." Das alles macht uns nicht jünger Nun, bringen Sie eine Lösung?"" Ich warte auf Dokumente, die mir aus Tanger zugeschickt werden sollen." Noch immer?" -Immer ,, Diese Schriftstücke lassen aber lange auf sich warten." sch fürchte, daß die Konferenz auch in diesem Jahre nicht zusammentreten fann."- ,, Leider! Dem Sultan liegt allerdings nichts daran ,, Abd- el- Aziz ist tot, aber sein Geist lebt weiter Und Raisulis Enkelsohn, der heute in Fez regiert, spekuliert auf die Uneinigkeit unter den europäischen Mächten-!" hre Regierung ist dafür ein wenig verantwortlich, Doktor Wir legen eine Engelsgeduld an den Tag- eine Geduld, die nun vierzig Jahre dauert Wenn wir uns schließlich Don schlechter Laune fortreißen ließen, würden wir, das werden Sie wohl selbst zugeben müssen, Entschuldigungs­gründe haben" Krieg--?"" Warum nicht?" " Wegen Marokko?".- ,, Wenn es sein müßte-."

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sahen vom Fenster aus den beiden Greisen nach, die sich auf der Straße trennten, nachdem sie sich warm die Hand ge­drückt hatten." Herr Vély hat damit ohne Zweifel eine ganz lustige Per­siflage geliefert, aber seine Voraussetzungen werden hoffent­lich bald durch die Ereignisse geschlagen werden. Eine Eini­gung über die schwebenden Fragen zwischen Frankreich und Deutschland steht in naher Aussicht.

Es trat eine peinliche Stille ein. Der schneeweiße lange Bart des Herrn Rosen begann leicht zu zittern. Der Doktor nahm nach einer Weile das Gespräch wieder auf: Was ver­anlaßte uns eigentlich damals, uns gerade mit dieser An­gelegenheit zu beschäftigen?" Auf Ehre, davon habe ich keine Ahnung," erwiderte Herr Revoil. Ich auch nicht," schloß der Doktor. Es schlug zwölf Uhr. Die beiden Herren blickten auf. Auf dem Abreißkalender an der Wand las man: 20. September 1945." Wie die Zeit vergeht!" jagte Herr Revoil. Auf morgen also?"" Auf morgen. Und gebe Gott, daß wir noch lange genug leben, um unsere Mission" zu vollenden!" Nur noch zehn Jahre- dann lann ich ruhig sterben..."

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Amerikanisches Frauenleben.

( Eig. Bericht.)

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Newyork, 14. September. In keinem Lande der Welt gibt es mehr Klubs Frauen, als in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In dem einen Staat Kalifornien zählt der Bund der Frauenklubs nicht weniger denn 10 000 Vereine. Diese Verbreitung des weiblichen Vereinslebens hängt mit der ganzen Lebensweise der Amerikanerinnen zusammen. Sie können einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit dem Klubleben widmen, da sie meistens, auch wenn sie verheiratet sind, in möblierten Zimmern und Hotels leben und das Essen fertig gefocht kaufen. So findet man in den Klubs nicht nur die weiblichen Angehörigen der besser situierten Stände, sondern auch die Frauen von Handwerkern, Geschäftsangestellten usw.

Als sie das Zimmer verließen, wurden sie von einem jungen Attachee bemerkt. Wer sind denn die beiden Ruinen?" fragte er den Portier. Ich weiß es nicht. Niemand kennt sie... Seitdem ich im Ministerium bin, kommen sie jeden Morgen und schließen sich von zehn Uhr bis Mittag ein." Und der junge Attachee und der Pförtner

Das Drängen der Frauen in die Klubs hat ein ganz be­sonderes, auch echt amerikanisches Motiv. Dort ist es der Ehrgeiz jeder Frau, eine Rolle zu spielen und so in die Ge­sellschaft zu gelangen. Dazu bietet ihr der Klub die Grund­lage. Die Frau, die im Vorstande eines Klubs sitzt, gar zur Vorsitzenden gewählt wird, hat Anwartschaft auf eine Stellung. Bei den Wahlen für die Aemter findet daher oft eine sehr starke Agitation statt, gleich der bei den Barla­mentswahlen, und die Eifersüchteleien führen oft zu Spal­tungen und der Bildung neuer Klubs. Da nun gefällige Journalisten sich bereit finden lassen, die Namen aller an einem Klubabend anwesenden Damen zu verzeichnen, so kann auch die unbedeutendste Frau, wenn sie nur rege ihren Klub besucht, genannt und befannt werden.

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Der Zweck der Klubs ist ein sehr verschiedener. gibt Klubs für Malerinnen, Dichterinnen und Dramati­ferinnen; Klubs für die Sammlerinnen alten Porzellans und für die Erhaltung historischer Bäume und Gebäude, Klubs für den Unterricht der Frauen in Künsten und Hand­werken, darunter Holzschnißerei und Buchbinderei, einen Klub zur Wiedereinführung des alten Spinnrades u. s. w. Es fehlt aber auch nicht an Klubs mit ausgesprochen er­flusivem Charakter. So gibt es in Kalifornien z. B. den sog. Pionier- Klub", der nur Damen aufnimmt, die ihre Abstammung auf die ersten Ansiedlerfamilien in Amerika zurückzuführen in der Lage sind.

Jeder Klub hat monatlich eine bestimmte Zahl Sizun­gen; aber die Zusammenkünfte, die der Förderung der Ziele des Klubs oder geschäftlicher Tätigkeit dienen, sind schwach besucht, während die geselligen Veranstaltungen mit musika­lischen Vorträgen und Vorlesungen sich gewöhnlich eines großen Zuspruchs erfreuen.

Die Gebäude der reichen Klubs sind luxuriös und ver­schwenderisch eingerichtet und haben merkwürdigerweise männliche Diener in Livreen. In den Oststaaten gibt es einige Klubs, deren Mitglieder Poker spielen, rauchen und alle die Untugenden nachahmen, die man sonst für aus­schließlich männliche Eigentümlichkeiten hält, selbst Opium­rauchen soll vorkommen. Im Westen ist diese unerfreuliche Erscheinung jedoch unbekannt.

Vermischtes.

Halbverhungert auf der Landstraße. Auf der Chaussee zwischen Rummelsburg und Kaulsdorf trafen in der Morgen­frühe Landleute eine aus fünf Personen bestehende Familie, die völlig erschöpft und dem Hungertode nahe war. Das jüngste Kind, das vor wenigen Tagen unter freiem Himmel zur Welt gekommen war, starb bald darauf. Man schaffte die Leute nach dem Krankenhause Rummelsburg, wo sie ge­stärkt wurden.

+ Reformen in den Postschalter- Räumen. Besseres Papier für Telegrammformulare wird vom nächsten Monat ab durch die Reichspostverwaltung ausgelegt werden, und zwar gelbes, glattes Papier. Das alte Papier war zu rauh und zu löschpapierartig, so daß die Schriftzüge beim Schrei­ben oft zusammenliefen und dadurch Telegrammverstümme­lungen vorkamen. Außerdem sind die Postanstalten ange­wiesen worden, mehr Sorgfalt als bisher auf die Schreib­pulte und die Schreibgelegenheiten zu geben. Das Lösch­papier der Schreibpulte soll ergänzt werden, sobald es un­brauchbar geworden ist; ebenso sollen stets frische Tinte und gute Federn vorhanden sein.

= Die Reisekosten des Generals Stöffel. Für die Reise des Generals Stössel von Port Arthur nach Odessa hat die Russische Gesellschaft für Dampfschiffahrt und Handel die hübsche Summe von 15 000 Rubel vereinnahmt. Sie er­scheint im richtigen Licht, wenn man bedenkt, daß für einen gewöhnlichen Passagier erster Klasse für die genannte Strecke der Fahrpreis 150 Rubel beträgt. Uebrigens hatte die Ge­sellschaft für Stössels Transport anfänglich sogar 35 000 Rubel gefordert. Wenn dieser Maßstab bei der Heimkehr der übrigen in Japan gefangenen Generale und Stabs­offiziere allgemein zur Anwendung kommen sollte, wird die russische Regierung recht tief in die Tasche greifen müssen.

Diebische Schauspielerinnen. Als kürzlich in einent Pariser Vorstadt- Theater die Vorstellung beginnen sollte, fehlten die Naive und die Heldenmutter. Auf Nachfrage erfuhr der Direktor, daß beide in einem Warenhause fest gehalten und dort der Polizei überliefert werden sollten. weil man die Damen beim Diebstahl echter Spizen abge­faßt habe. Schließlich erreichte der in größter Verlegen­heit befindliche Bühnenleiter, daß seine für die Vorstellung unentbehrlichen Mitglieder ihm für den Abend überlassen wurden, so daß die Vorstellung von statten gehen konnte. Selbstverständlich waren die beiden Künstlerinnen ihren Angaben nach nur ein Opfer der Kleptomanie" geworden. Häuser für Unbemittelte. Der amerikanische Millio­när Henry Phipps hat vier Millionen Mark mit der Be­stimmung hinterlassen, daß dafür Musterhäuser für arme Leute zunächst in Newyork errichtet werden. Die Gebäude wei den sechsstöckig sein und im Innern einen großen Hof mit zwei Springbrunnen haben. Im Erdgeschoß wird ein Garten für 200 Kinder eingerichtet, und im ersten Stod merden Mäume für die Kinderwagen jeder Familie vorge. sehen. Dachgärten, hygienische Waschanstalten. Defen zur

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