Ausgabe 
25.3.1905 Zweites Blatt
 
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meinen geständig, ihm als Kehricht und Asche wertvolle Metallabfälle geliefert zu haben, für die der Fiskus noch 60 Mark pro 100 Kilogramm zu lösen pflegt. Dafür ver­teilte Friedeberg dann Trinkgelder unter die Leute. Friede­berg leugnet und erklärt, er habe nichts Unrechtes getan.

Vermilchtes

=[ Womit sich die Moskauer Pädagogen zu beschäftigen haben.] Glaube nicht, lieber Leser", so schreibt die Ruß", ,, daß ich einen Scherz aus der Kinderstube erzähle, wenn ich von einem Kriege gegen weiße Halsbinden und Galadegen berichte ein solcher Krieg wird nämlich von den Moskauer Pädagogen tatsächlich geführt. Heft 12 der Zirkulare des Moskauer Lehrbezirks enthält auf 12 Seiten Bestimmungen über die Art, wie die Chargen des Unterrichtsministeriums ihre Uniformen zu tragen haben, und die 13. Seite bring: bunte Zeichnungen von Aufschlägen, Uniformen usw. Die Bestimmungen über das Uniformitragen der Lehrer sind in 30 Paragraphen, 26 Anmerkungen und 15 Fußnoten zusam­mengefaßt. Aus dieser verzwickten Darstellung ist zu ent­nehmen, daß die armen Lehrer über sechs Uniformen ver­fügen müssen. Dabei sind für jede dieser Uniformen in scharfsinniger Weise besondere Bezeichnungen erdacht worden. Galauniform, Feiertagsuniform, gewöhnliche Uniform, be­fondere Uniform, Werktagsuniform, Reiseuniform. Wir wollen uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, bei welcher Gelegenheit die gewöhnliche, die besondere oder die Werk­tagsuniform getragen werden muß, sondern hier nur die Anmerkung zum§ 3 der Bestimmungen wiedergeben; diese Anmerkung lautet: Das Tragen einer weißen Halsbinde zu einem Rock mit zwei Knopfreihen ist streng untersagt."

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[ Die Frauenbewegung in Japan.] In Japan, wo die Frauen jetzt ebenso wie in Europa nach Gleichberechtigung mit den Männern streben, wird diese Bewegung aufs eifrigste von der hochgebildeten Kaiserin unterſtügt. Sie hat die Auf­hebung des alten Gesetzes, das den Frauen die Ausübung der Schauspielkunst verbot, durchgefeßt und die Berufung von europäischen Theaterdirektoren und Regisseuren nach allen größeren Städten veranlaßt, um das japanische Theater zu reformieren. Ferner hat sie hervorragende Werke der Dicht­kunst, sowohl ältere als auch moderne dramatische Meister­werke, übersetzen lassen. Infolge eines japanischen Gesetzes find Mädchen wie Knaben nur bis zum 14. Lebensjahr schul­pflichtig; auf Veranlassung der Kaiserin sind aber in ver­schiedenen Städten außer den Volksschulen höhere Töchter­schulen errichtet worden, die junge Mädchen aufnehmen, die schon das 14. Lebensjahr vollendet haben, und die hier Un­terricht erhalten können in Chinesisch, Englisch, Französisch und Deutsch, sowie in der Buchführung usw. Ferner hat die Kaiserin die Erlaubnis ausgewirkt, daß die jungen Mädchen zum Universitätsstudium zugelassen werden können. m Post- und Telegraphendienst finden junge Mädchen schon viel fach Verwendung. Auch gibt es in Tokio schon einen weib­lichen Rechtsanwalt. Durch das Beispiel der Kaiserin er­mutigt, haben die drei reichsten und vornehmsten Hofdamen, die Baronessen Jvisaki, Misiuis und Chibusova, beschlossen, eine Universität für Frauen ins Leben zu rufen, die dem Deiblichen Geschlecht in kurzem ihre Tore öffnen wird.

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[ Der riesige Umfang des Berliner Verkehrs] wirs an Ziffern klar, die über das letzte Betriebsjahr der Stadt­bahn veröffentlicht werden. Danach beförderte allein dieses Merkehrsinstitut( ohne die Ringbahn) 34 832 000 Personen.

Bekanntmachung.

Zur Erlangung von Vorentwürfen für das Gießener Stadttheater ist ein beschränkter Ideen­wettbewerb ausgeschrieben worden. Die Entwürfe find bis zum 15. Mai bei uns einzureichen.

Gießener Architekten, die an dem Wettbewerb teil­nehmen wollen, fännen die Unterlagen dazu in der Zeit bom 25. bis 31. März auf der Bürgermeisterei, Zimmer 15, in Empfang nehmen.

Gießen, den 24. März 1905.

Großh. Bürgermeißerei Gießen.

Mecum.

Betanntmachung.

=[ Die Heringe im Kaiser Wilhelm- Kanal] sind, wie aus Kiel berichtet wird, von einer ganz besonderen Güte. Die Fische erzielten in der Versteigerung den hohen Preis von 6,50 Mk. bis 7,50 Mr. das Wall( 80 Stück) grün. Der beliebte Belthering erzielte trotz seiner Güte nur 3 bis 4 Mr.

=[ Die störenden Kirchenglocken.] Kürzlich konzertierten zu Arco im Salone Municipale mit gewohnter Meisterschaft die Violin- bezw. Klaviervirtuosen Ondricek und Famera. Da das Kirchenglockengeläute ungemein störte, ließ der Kur­vorstand um dessen Einstellung für die Dauer des Konzertes bitten. Der Dekan kam auch dem Ersuchen nach.

=[ Ginen Jagdausflug nach dem Gismeer] wollen zehn englische Sportsleute im Juli unternehmen, un Eisbären und Walrosse zu jagen Jeder Teilnehmer muß 5500 Mark zahlen. Die Dampf- Jacht Bore" ist für die Unterbringung der zehn Sportsleute gemietet worden. Sie wird am 2. Juli von Newcastle on Tyne abfahren und in Hammerfest an­legen, wo arktische Piloten, Führer und Zeltgeräte an Bord genommen werden. Dann geht die Fahrt nach Spitzbergen und Franz- Josef- Land. Wenn das Schiff nicht durch Eis verhindert wird, den Bestimmungsort zu erreichen, so er­wartet man eine vorzügliche Jagd.

Der wanderude Berg. Die Bewohner des in der Nähe bon Nizza belegenen Dorfes Lasagnes sehen sich einer großen Gefahr ausgesetzt. Das Dorf liegt unterhalb eines Hügels, der über das Dorf drohend hinüberragt. Dieser Hügel hat sich seit einiger Zeit in Bewegung gesezt und wandert lang­sam, aber sicher auf das Dorf zu. Die Zeit ist zu berechnen, in deren Verlauf das ganze Dorf zerdrückt und begraben sein wird. Irgendwelche Schutzmaßregeln gegen das fürch­terliche Unheil sind nicht vorhanden. Es bleibt den der­zweifelnden Einwohnern nichts übrig, als ihre bewegliche Habe in Sicherheit zu bringen und ihre Häuser dem Unter­gange zu überlassen, den ihnen das immer näher rückende Ungeheuer bereiten wird.

=[ Ein freundlicher Wunsch.] Ein Arzt aus einem Wiener Vorort teilt einem dortigen Blatte folgendes köst­liche Erlebnis mit. Unter seinen Patienten im Spital be­findet sich ein russischer Emigrant, der offenbar aus Hunger auf der Straße zusammenbrach und in das Krankenhaus gebracht wurde. Nach einigen Tagen ersuchte er den Doktor, eine Korrespondenzkarte an seine Eltern zu befördern. Der Inhalt derselben war sehr lakonisch: Liebe Eltern! Ich bin vollkommen gesund, liege Gott sei Dank!-- im Spital und wünsche von Euch dasselbe zu hören."

Der Landwirt.

mp Die Frühjahrsbewässerung des Wiesen hängt sehr von der Witterung ab, da die Wiesen im Frühjahr ohnehin Nässe haben, so daß man oftmals trachten muß, das Wasser von denselben abzuleiten. Erst wenn die Wiesen trockener ge worden sind, kann man mit dem Wässern beginnen, jedoch darf man nur 12, höchstens 24 Stunden wässern, wonach die Wiese wieder abtrocknen muß. Wenn noch Spätfröste zu befürchten sind, darf man niemals bei Nachtzeit wässern. Auf Wiesen, die nach Weggang des Schnees mit einer Eis­decke überzogen sind, kann man Wasser mehrere Stunden leiten, damit die Eisdecke schwinde und die Vegetation früher beginne.

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Die unterm 18. Februar 1905 angeordnete Sperre Fahrräder, der Fabrikat

der Schloßgasse wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 23. März 1905.

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Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen

Geborene.

Am 12. März. Dem Taglöhner Wilhelm Keiner ein Sohn, Louis Friedrich; 13. Schlosser Franz Wirker eine Tochter, Anna Marie; 14. Kutscher Karl Heinz ein Soh Adolf Wilhelm; 16. Heizer Johann Georg Eisenacher eite Tochter; 17. Schneider Johann Peter Wamser eine Tochter, Elisabeth; 19. Lokomotivheizer Karl Alt eine Tochter; Ta löhner Karl Meisel eine Tochter, Marie Karoline; 20. Fuh tnecht Johann Barth eine Tochter, Margarete Elisabeth unb ein Sohn Johann Heinrich; Bäcker Samuel Kaz ein Soh Siegfried; 21. Backmeister Johannes Stehling eine Tochte Marie Emilie.

Aufgebote.

Ha 16. März. Wilhelm Emanuel Jokob Louis Hep pert, Eisendreher dahier mit Auguste Bauline Henkel in Rüsselsheim. 18. Karl Konrad Friedrich Martin Mahr, Schlosser dahier mit Margarete Katharine Euler in Daub ringen. 18. Karl Rheinemann, Eisenbahnwerkmeister in St. Wendel mit Emilie Schmalenbach dahier. Max Wall dorf, Scheufteller dahier mit Katharine Weber hierselbst. 18. Adam Chriftian Hofman, Postbote dahier mit Marie Christiane Müller hierselbst. 20. Heinrich Konrad Geher Schmied in Düdelsheim mit Hermine Friedericke Anna Holz apfel dahier. Georg Gottlieb Stark, Egarrenfabrikant ba hier mit Marie Elisabethe Paths in Darmstadt. 21. Jo­hann Philipp Kindinger, Postbote in Darmstadt mit Katha­rine Marie Friederike Schäfer dahier. 22. Karl Hubert, Sergeant in Lahr mit Katharine Donges dahier. 24. Wilhelm Förster, Taglöhner dahier mit Anna Elisabeth Schneider hierselbst.

Eheschließungen.

Am 18. März. Johann Georg Spaar, Bremser i. dahier mit Katharine Schneider, geb. Jünger hierselbst Karl Georg Mar Göbel, Gärtner dahier mit Elisabethe Katharine Stühler hierselbst. Karl Herr, Dienstknecht di hier mit Elisabethe Margarete Walther hierselbst. Adan Döbus, Schuhmacher dahier mit Luise Katharine Münte hierselbst.

Gestorbene.

Am 17. März. Sophie Haubach, geb. Lony, 81 Jahre alt, Rentnerin dahier. 18. Julius Lony, 28 Jahre alt, Raufmann dahier. 19. Marie Georgine Pröschold, geb. Roll, 64 Jahre alt, Witwe des Schlossermeisters Richard Pröschold dahier. 20. Justus Emil Lenz, 53 Jahre alt, Gastwirt dahier. Johannette Isabelle Ziegler, geb. Kreid 75 Jahre alt, Witwe des Packmeisters Friedrich Ziegler da hier. 21. Meta Germann, 22 Jahre alt, ohne Beruf dahier. 22. Georg Fischer, 58 Jahre alt, Taglöhner dahier. 23. Wilhelmine Heck, geb. Herdt, 70 Jahre alt, Ehefrau de Kohlenhändlers Johann Jost Heck dahier. 24. Anna Kath rine Jung, geb. Friedrich, 59 Jahre alt, Ehefrau des Tag löhners Heinrich Jung dahier.

Verantwortlich: für die Politik und den Inseratenteil Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, bethe in Bieben.

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Samstag, den 25. März

1985